Colour

GA 291 — 6 May 1921, Dornach

Das Wesen der Farben I

Das Farberlebnis — Die vier Bildfarben

Die Farben, von denen wir in diesen drei Tagen sprechen wollen, sie beschäftigen den Physiker - von dieser Seite der Farben wollen wir diesmal nicht sprechen -, sie beschäftigen aber auch, oder sollten wenigstens beschäftigen, den Psychologen, den Seelenforscher, und sie müssen ja vor allen Dingen beschäftigen den Künstler, den Maler. Und wenn wir uns umsehen in den Anschauungen, die sich bis in die Gegenwart herein über die Farbenwelt gebildet haben, so werden wir etwa konstatieren müssen, daß zwar dem Seelenforscher zugestanden wird, daß er dies oder jenes über die subjektiven Erlebnisse mit den Farben zu sagen habe, daß aber das doch keine eigentliche Bedeutung haben könne für die Erkenntnis des Objektiven der Farbenwelt, welche Erkenntnis eigentlich nur dem Physiker zukomme. Und erst recht gesteht man der Kunst nicht zu, irgend etwas über das Wesen der Farben und des Farbigen im objektiven Sinne zu entscheiden. Die Menschen sind eben gegenwärtig weit, weit weg von dem, was Goethe etwa meinte mit dem oftmals zitierten Ausspruche: «Wem die Natur ihr offenbares Geheimnis zu enthüllen anfängt, der empfindet eine unwiderstehliche Sehnsucht nach ihrer würdigsten Auslegerin, der Kunst.»

Einem Menschen, der nun wirklich im Künstlerischen drinnensteht wie Goethe, kann es keinen Augenblick zweifelhaft sein, daß dasjenige, was der Künstler über die Farbenwelt zu sagen hat, durchaus mit dem Wesen des Farbigen zusammenhängen müsse. Man behandelt das Farbige ja zunächst im gewöhnlichen trivalen Leben nach den Oberflächen der Gegenstände, die sich uns als farbig darstellen, nach den Eindrükken, die wir in der Natur vom Farbigen haben. Man gelangt dann dazu, das Farbige in einem gewissen Sinne, ich möchte sagen fluktuierend, durch den bekannten prismatischen Versuch zu erhalten, und man verschafft sich oder sucht sich zu verschaffen auf manche andere Art noch irgendwelche Einblicke in die Welt des Farbigen. Man hat eigentlich dabei immer im Auge, daß man das Farbige zunächst nach dem subjektiven Eindruck beurteilen soll. Sie wissen, eine lange Zeit war es in der Physik Sitte, man könnte auch sagen Unsitte, zu sagen: Was wir als eine farbige Welt wahrnehmen, das ist eigentlich nur für unsere Sinne vorhanden, während draußen in der Welt die objektive Farbe nichts anderes darstelle als eine gewisse Wellenbewegung des feinsten Stoffes, den man Äther nennt.

Wer allerdings sich unter den Definitionen, den Erklärungen, die auf diese Weise gegeben werden, auch etwas vorstellen will, der kann nichts anfangen mit einem solchen Begriff, daß dasjenige, was er als den Farbeindruck kennt, was er als Farbeindruck als sein Erlebnis hat, irgend etwas zu tun haben soll mit irgendeinem bewegten Äther. Aber man hat eben immer nur, wenn man von der Farbe, von der Qualität der Farbe spricht, den subjektiven Eindruck im Auge, und man sucht nach irgend etwas Objektivem. Dann aber kommt man ganz von der Farbe ab. Denn in all den Ätherschwingungen, die da ersonnen werden ersonnen sind sie ja in Wirklichkeit -, liegt natürlich nichts mehr von dem, was unsere farbige Welt ist. Und man muß, gerade wenn man in das Objektive der Farben hineinkommen will, versuchen, sich an die Welt der Farben selbst zu halten. Man muß versuchen, nicht herauszugehen aus der Welt des Farbigen. Dann kann man hoffen, einzudringen in dasjenige, was eigentlich das Wesen der Farbe ist.

Wollen wir einmal versuchen, uns zu vertiefen in etwas, was uns von der ganzen weiten, mannigfaltigen Welt durch die Farbe gegeben sein kann. Und da wir eindringen wollen in das Wesen des Farbigen, so müssen wir schon, da wir ja bei der Farbe etwas empfinden, gewissermaßen die ganze Betrachtung heraufheben in unser Empfindungsleben. Wir müssen versuchen, unser Empfindungsleben zu fragen über dasjenige, was als Farbiges in unserer Umwelt lebt. Und wir werden am besten in einem gewissen Sinne ideell experimentierend zunächst vorgehen, damit wir nicht nur die im allgemeinen ja schwierig zu analysierenden, gegebenen Vorgänge haben, die sich uns nicht so eklatant, nicht so radikal zeigen, daß wir gleich auf das Wesentliche kommen.

Nehmen Sie einmal an, ich würde versuchen, vor Sie hinzumalen auf die Fläche eine Grünheit, also ich würde die Fläche bedecken mit einer grünen Farbe. Nun, wenn ich das tue, so würde also eine Fläche dann irgendwie mit einer grünen Farbe bedeckt erscheinen. Ich bitte Sie, hier abzusehen von demjenigen, was sich nicht ergeben kann — man malt ja gewöhnlich nicht grün auf schwarz. Ich will aber nur das Schematische Ihnen hier vorführen. [Es wird gezeichnet.]

Wenn wir einfach aus der Farbe heraus uns empfindungsgemäß anregen lassen, können wir irgend etwas, was wir weiter gar nicht zu definieren brauchen, an dem Grün als solchem erleben. Und niemand wird jetzt im Zweifel darüber sein, daß wir dasselbe, was wir an einem solchen Grün erleben können, natürlich auch erleben müssen, wenn wir die grüne Pflanzendecke der Erde uns anschauen. Wir werden das, was wir an dem reinen Grün erleben, auch an der Pflanzendecke der Erde dadurch erleben, daß diese Pflanzendecke eben grün ist. Wir müssen absehen von allem übrigen, was sonst uns diese Pflanzendecke noch darbietet, wir wollen nur auf die Grünheit sehen. Und nehmen wir jetzt an, ich stelle mir vor das Seelenauge diese Grünheit.

Wenn ich in diese Grünheit nun etwas hineinmale, so kann ich das mit den verschiedensten Farben hineinmalen. Wir wollen uns einmal drei Farben vor das Auge führen.

Ich habe also hier eine Grünheit, hier die zweite Grünheit, hier die dritte Grünheit. Stellen Sie sich nun vor, ich male hier ins erste irgendwie hinein in die Grünheit ein Rotes; ich male im zweiten Fall in die Grünheit hinein eine Art Pfirsichblütfarbe — nun, ich habe sie nicht, aber nehmen wir das -, und ich male zum dritten hinein ein Blaues.

Sie werden nun zugeben müssen, daß rein empfindungsgemäß durch dasjenige, was ich da getan habe, in den drei Fällen etwas ganz Verschiedenes geschehen ist, und daß ein gewisser Empfindungsgehalt da ist, wenn ich diese rote Form, oder was es immer ist, im Grünen drinnen wiedergebe, oder die pfirsichblütigeForm indem Grünen drinnen wiedergebe, oder gar die blaue Form in dem Grünen drinnen wiedergebe. Es wird sich nun darum handeln, daß wir in irgendeiner Weise ausdrücken den Empfindungsgehalt, der sich uns da vor das Seelenauge hinstellt.

Wenn man so etwas ausdrücken will, so wird man versuchen müssen, es irgendwie zu umschreiben, denn man wird natürlich mit abstrakten Definitionen außerordentlich wenig erreichen können. Nun, damit wir zu einer Umschreibung kommen, versuchen wir einfach etwas hineinzuphantasieren in dasjenige, was wir uns da vorgemalt haben. Nehmen wir einmal an, ich hätte im ersten Falle wirklich die Empfindung erregen wollen einer grünen Pflanzendecke, und ich zeichne rote Menschen hinein. Ob ich diese nun im Antlitz rot mache und der Haut nach rot mache, oder ob ich sie rot ankleide, das ist ja ganz gleich. Hier [in das erste Grün] male ich rote Menschen hinein, hier in das zweite Grün male ich pfirsichblütige Menschen hinein — was ungefähr mit dem menschlichen Inkarnat stimmen würde —, und hier [in das dritte Grün] male ich blaue Menschen hinein. So daß ich also dieses jetzt nicht mache, um irgend etwas der Natur nachzubilden, sondern nur, um mir einen Empfindungskomplex vor die Augen führen zu können von dem, was da eigentlich vorliegt.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten diesen Anblick: über eine grüne Wiese gingen rote Menschen, oder über eine grüne Wiese gingen pfirsichblütige Menschen, oder es gingen gar blaue Menschen über die grüne Wiese — in allen drei Fällen ein durch und durch verschiedener Empfindungskomplex! Wenn Sie das erste sehen, dann werden Sie sich sagen: Diese roten Menschen, die ich da drinnen sehe in dem Grün, auf der grünen Wiese, die beleben mir die ganze grüne Wiese. Die Wiese ist noch grüner dadurch, daß die roten Menschen darübergehen. Es wird das Grün noch gesättigter, noch lebendiger dadurch, daß die roten Menschen da drinnen gehen. Und ich werde wütend werden, wenn ich mir diese Menschen so anschaue, wie sie da sind als rote Menschen. Das ist eigentlich ein Unsinn, werde ich sagen, das kann es gar nicht geben. Ich müßte eigentlich diese roten Menschen wie Blitze machen; sie müßten sich bewegen. Denn ruhige rote Menschen in einer grünen Wiese, die wirken aufregend in ihrer Ruhe, denn sie bewegen schon durch ihre rote Farbe, sie verursachen etwas auf der Wiese, was eigentlich unmöglich ist, in der Ruhe festzuhalten. Also, ich muß in ganz bestimmte Empfindungskomplexe hineinkommen, wenn ich eine solche Vorstellung überhaupt vollziehen will.

Das [beim zweiten Grün] geht ganz gut. Die Menschen, die so sind wie diese Pfirsichblütigen, die können [ruhig] da drinnenstehen; wenn sie stundenlang stehen, so geniert mich das weiter nicht. So daß ich in meiner Empfindung merke: Diese pfirsichblütigen Menschen, die haben eigentlich kein besonderes Verhältnis zur Wiese, sie regen die Wiese nicht auf, machen sie nicht noch grüner, als sie ist, sind ganz neutral zur Wiese. Sie können stehen wo sie wollen, sie genieren mich nicht da drinnen. Sie taugen überall hinzu. Sie haben kein inneres Verhältnis zur grünen Wiese.

Ich gehe zum dritten über: Ich sehe mir die blauen Menschen in der grünen Wiese an. Das [Blaue], nicht wahr, das hält nicht einmal an; das hält gar nicht an. Denn dieses Blaue der Menschen in der grünen Wiese, das dämpft mir diese ganze grüne Wiese ab. Die Wiese wird abgelähmt in ihrer Grünheit. Sie bleibt gar nicht grün. Versuchen Sie es nur einmal, sich in richtiger Phantasie vorzustellen, auf einer grünen Wiese blaue Menschen herumgehend oder überhaupt blaue Wesen — es können ja auch blaue Geister sein, die da herumwandeln -, versuchen Sie das einmal: sie hört ja auf, grün zu sein, sie nimmt selber etwas Bläulichkeit an, wird selber bläulich, hört auf, grün zu sein. Und wenn sich diese blauen Menschen da lange auf dem Grün aufhalten, dann kann ich mir das überhaupt gar nicht mehr vorstellen. Dann habe ich die Vorstellung: da muß irgendwo ein Abgrund sein, und die blauen Menschen nehmen mir die Wiese weg, tragen sie fort, werfen sie in den Abgrund hinein. Das geht so wenig, daß es gar nicht dableiben kann, denn eine grüne Wiese kann gar nicht dableiben, wenn blaue Menschen dastehen; die nehmen sie mit, die führen sie hinweg.

Sehen Sie, das ist Farbenerlebnis. Man muß dieses Farbenerlebnis haben können, sonst wird man nichts machen können aus dem, was die Welt der Farben überhaupt ist. Wenn man das kennenlernen will, was seine schönste, seine bedeutsamste Anwendung in der Phantasie erlebt, dann muß man auch in der Lage sein, ich möchte sagen, im Bereiche der Phantasie eben zu experimentieren. Man muß sich fragen können: Was wird aus einer grünen Wiese, wenn rote Menschen darauf herumgehen? — Sie wird noch grüner, sie wird ganz real in ihrer Grünheit. Das Grün fängt förmlich an zu brennen. Aber die roten Menschen, sie verursachen um sich herum ein solches Leben in der Grünheit, daß ich mir das nicht ruhig vorstellen kann; sie müssen eigentlich herumlaufen. Und würde ich das Bild wirklich malen, so könnte ich nicht ruhige Leute, die dastehen, rot malen, sondern ich müßte so malen, daß ich... [Lücke im Text]. Wie im Reigen bewegen sie sich. Ein Reigen mit roten Menschen gemalt, würde sich auf einer grünen Wiese machen lassen. Dagegen können Menschen, die nicht rot angezogen sind, die ganz sich in das Inkarnat kleiden würden, in alle Ewigkeit auf der grünen Wiese stehen. Sie sind eben ganz und gar neutral zum Grün, sind absolut gleichgültig der grünen Wiese; die bleibt, wie sie ist. Nicht um die geringste Nuance ändert sie sich. Aber die blauen Menschen, die laufen mir mit der Wiese davon, denn die ganze Wiese verliert ihre Grünheit durch die blauen Menschen.

Man muß natürlich vergleichsweise reden, wenn man von Farbenerlebnissen spricht. Man kann nicht wie der Philister von Farbenerlebnissen reden, denn da kommt man nicht an das Farbenerlebnis heran. Man muß vergleichsweise reden. Aber nicht wahr, schließlich redet ja schon der gewöhnliche Philister vergleichsweise, wenn er sagt: eine Billardkugel stößt die andere. — Hirsche stoßen, und Ochsen und Büffel stoßen in Wirklichkeit, aber Billardkugeln stoßen nicht in Wirklichkeit. Dennoc spricht man in der Physik von «Stoßen», weil man überall analoge Anlehnungen braucht, wenn man überhaupt anfangen will zu reden.

Nun, das gibt uns sozusagen die Möglichkeit, in der Welt der Farbe als solcher etwas zu sehen. Es ist etwas drinnen, was wir werden aufsuchen müssen als das Wesen der Farbe.

Nehmen wir einmal eine ganz charakteristische Farbe — wir haben sie hier schon ins Auge gefaßt —, nehmen wir eben die Farbe, die uns in unserer Umgebung zur Sommerszeit am reizvollsten entgegenkommt: die grüne Farbe. Sie kommt uns an der Pflanze entgegen. Und wir sind schon einmal gewöhnt, dieses Grün der Pflanze als Eigentümlichkeit der Pflanze anzusehen. Nicht wahr, so verbunden mit dem Wesen einer Sache wie die Grünheit mit der Pflanze, empfinden wir eigentlich etwas anderes nicht. Wir empfinden keine Notwendigkeit, daß gewisse Tiere, die grün sind, auch wirklich nur grün sein könnten; wir haben immer den Untergedanken, sie könnten auch anders als grün sein. Aber bei der Pflanze haben wir einmal die Vorstellung, daß die Grünheit zu ihr gehört, daß die Grünheit etwas ihr Eigentümliches ist. Versuchen wir gerade an der Pflanze einmal einzudringen in das objektive Wesen der Farbe, währenddem sonst nur das subjektive Wesen der Farbe gesucht wird.

Was ist die Pflanze, die uns also gewissermaßen darlebt das Grüne? Nun, Sie wissen ja, daß geisteswissenschaftlich betrachtet, die Pflanze ihren Bestand eigentlich dadurch hat, daß sie neben ihrem physischen Leib den Ätherleib hat. Dieser Ätherleib ist dasjenige, was eigentlich lebt in der Pflanze. Aber dieser Atherleib ist nicht grün. Das Wesen, das die Pflanze grün macht, ist eben schon im physischen Leib der Pflanze gelegen, so daß das Grün zwar der Pflanze ureigentümlich ist, aber doch nicht das eigentliche Urwesen der Pflanze ausmachen kann. Denn das eigentliche Urwesen der Pflanze liegt im Ätherleib; und hätte die Pflanze keinen Ätherleib, so wäre sie ein Mineral. In ihrem Mineralischen lebt sich uns die Pflanze eigentlich dar durch das Grün. Der Atherleib ist ganz anders gefärbt. Aber der Ätherleib lebt sich uns durch das mineralisch Grüne an der Pflanze dar. Wenn wir in bezug auf den Ätherleib die Pflanze betrachten, wenn wir sie in ihrer Grünheit in bezug auf den Ätherleib betrachten, ja, dann müssen wir sagen: Setzen wir auf die eine Seite das eigentliche Wesen der Pflanze, das Ätherische, und setzen wir auf die andere Seite, indem wir es in abstracto abtrennen, die Grünheit, so ist das wirklich so - wenn wir die Grünheit herausnehmen aus der Pflanze -, als wenn wir bloß ein Abbild von etwas machen. In dem, was ich da als Grünes herausgezogen habe aus dem Atherischen, habe ich eigentlich nur ein Bild der Pflanze, und dieses Bild ist - das ist der Pflanze eigentümlich — notwendig grün. Also, ich bekomme eigentlich die Grünheit im Bilde der Pflanze. Und indem ich der Pflanze die grüne Farbe ganz wesentlich zuschreibe, muß ich dem Bilde der Pflanze diese Grünheit zuschreiben, und in der Grünheit muß ich das besondere Wesen des Pflanzenbildes suchen.

Sehen Sie, da sind wir auf etwas sehr Wesentliches gekommen. Niemand wird verfehlen, wenn er irgendwo eine Ahnengalerie sieht in einem alten Schlosse - man kann sie ja jetzt vorläufig noch sehen -, zu sagen: Das sind nur die Bilder der Ahnen, das sind nicht die wirklichen Ahnen. - Nicht wahr, sie stehen in der Regel nicht da, die Ahnen; es sind nur die Bilder der Ahnen. Aber auch wenn wir das Grün der Pflanze sehen, so haben wir nicht das Wesen der Pflanze, geradesowenig wie wir in den Ahnenbildern die Ahnen haben. Wir haben in dem Grün, was da vor uns auftritt, nur das Bild der Pflanze. Und nun bedenken Sie einmal, daß die Grünheit eben der Pflanze eigentümlich ist, daß die Pflanze unter allen Wesen eben das eigentliche Wesen des Lebens ist. Nicht wahr, das Tier hat Seele, der Mensch hat Geist und Seele. Die Mineralien haben kein Leben. Die Pflanze ist das Wesen, welches gerade dadurch charakteristisch ist, daß es Leben hat. Die Tiere haben noch dazu die Seele. Die Mineralien haben noch nicht die Seele. Der Mensch hat dazu den Geist. Wir können weder vom Menschen, noch vom Tier, noch vom Mineral sagen, daß sein Wesen das Leben ist; es ist eben etwas anderes das Wesen. Bei der Pflanze ist das Wesen das Leben; die grüne Farbe ist das Bild. So daß ich eigentlich ganz im Objektiven drinnenbleibe, wenn ich sage:

Grün stellt dar das tote Bild des Lebens.

Sehen Sie, jetzt habe ich auf einmal für eine Farbe - wir wollen induktiv vorgehen, wenn wir uns gelehrt ausdrücken wollen - so etwas bekommen, wodurch ich diese Farbe objektiv in die Welt hineinstellen kann. Ich kann sagen, geradeso wie ich, wenn ich eine Photographie bekomme, sagen kann, diese Photographie ist die von Herrn N., geradeso kann ich auch sagen: Wenn ich Grün habe, so stellt mir das Grün das tote Bild des Lebens dar. Ich reflektiere jetzt nicht bloß auf den subjektiven Eindruck, sondern ich komme darauf, daß das Grün das tote Bild des Lebens ist.

Nehmen wir diese Farbe hier, das Pfirsichblüt. Genauer will ich lieber sprechen von der Farbe des menschlichen Inkarnates, das ja natürlich bei den verschiedenen Menschen nicht ganz gleich ist, aber wir kommen da zu einer Farbe, die ich eigentlich im Grunde meine, wenn ich von Pfirsichblüt spreche .... [Lücke ich Text]. Pfirsichblüt: also menschliches Inkarnat, menschliche Hautfarbe. Wir wollen einmal versuchen, auf das Wesen dieser menschlichen Hautfarbe zu kommen. Man sieht ja diese menschliche Hautfarbe gewöhnlich nur von außen. Man sieht den Menschen an, und dann sieht man diese menschliche Hautfarbe von außen. Aber es frägt sich, ob auch ein Bewußtsein von dieser menschlichen Hautfarbe als ein Erkennen von innen, so ähnlich, wie wir das bei dem Grün der Pflanze getan haben, erlangt werden kann. Nun, das kann allerdings auf die folgende Weise erlangt werden.

Wenn der Mensch wirklich richtig versucht, sich vorzustellen, daß er innerlich durchseelt ist und dieses sein Durchseeltsein übergehend denkt in seine physisch-leibliche Gestaltung, so kann er sich vorstellen, daß das, was ihn durchseelt, sich in irgendeiner Weise in die Gestaltung hinein ergießt. Er lebt sich aus, indem er sein Seelisches hineinergießt in seine Gestalt, in dem Inkarnat. Was damit gesagt ist, können Sie sich am besten vielleicht dadurch vor die Seele führen, daß Sie sich einmal Menschen anschauen, bei denen das Seelische aus der Haut, aus der äußeren Gestalt etwas zurücktritt, bei denen das Seelische nicht, sagen wir, durchseelt die Gestalt. Wie werden denn diese Menschen? Die werden grün! Leben ist in ihnen, aber sie werden grün. Sie sprechen von grünen Menschen, und Sie können dieses eigentümliche Grün im Teint, wenn die Seele sich zurückzieht, sehr gut wahrnehmen. Dagegen werden Sie, je mehr der Mensch diese besondere Nuance des Rötlichen annimmt, das Erleben dieser Nuance in ihm merken. Beobachten Sie nur einmal Temperament, Humor bei grünen Menschen und bei denjenigen, die ein wirklich frisches Inkarnat haben, so werden Sie sehen, da erlebt sich die Seele in dem Inkarnat. Was da nach außen strahlt in dem Inkarnat, das ist nichts anderes als der sich als Seele in sich erlebende Mensch. Und wir können sagen: Was wir da im Inkarnat als Farbe vor uns haben, es ist das Bild der Seele, richtig das Bild der Seele. Aber gehen Sie [noch so] weit in der Welt herum, [Sie werden finden]: für dasjenige, was als menschliches Inkarnat auftritt, müssen wir das Pfirsichblüt wählen. Sonst finden wir es ja eigentlich nicht an äußeren Gegenständen. Wir können es ja auch nur durch alle möglichen Kunstgriffe in der Malerei erreichen; [denn] dasjenige, was da als menschliches Inkarnat auftritt, ist schon Bild des Seelischen, aber es ist, daran kann ja gar kein Zweifel sein, nicht selber seelisch. Es ist das lebendige Bild der Seele. Die Seele, die sich erlebt, erlebt sich im Inkarnat. Es ist nicht tot, wie das Grün der Pflanze, denn wenn der Mensch die Seele zurückzieht, so wird er grün: dann kommt er bis zum Toten. Aber ich habe in dem Inkarnat das Lebendige. Also:

Pfirsichblüt stellt dar das lebendige Bild der Seele.

Wir haben also Bild im ersten und Bild im zweiten Falle.

Sie sehen, ich bin zu einer anderen Farbe gegangen. Wir versuchen objektiv das Farbige festzuhalten, nicht bloß den subjektiven Eindruck zu erwägen und dann irgendwelche Wellenbewegungen und so weiter zu erfinden, die dann objektiv sein sollen. Man kann es ja, ich möchte sagen, mit Händen greifen, daß es ein Unding ist, das menschliche Erleben von dem Inkarnat zu trennen. Es ist ein anderes Erleben im Leiblichen, wenn das Inkarnat frisch ist, als wenn der Mensch ein Grünling wird. Es ist schon ein innerliches Wesen, das sich in der Farbe wirklich darlebt.

Und nun nehmen wir dasjenige, was wir hier als drittes gehabt haben, das Blau, dann werden wir uns sagen: Dieses Blau können wir zunächst nicht eigentümlich finden einem solchen Wesen, wie es die Pflanze ist, der das Grün eigentümlich ist; wir können nicht so über das Blau sprechen, wie wir sprechen konnten über das pfirsichblütartige Inkarnat beim Menschen. Bei den Tieren finden wir nicht solche Farben, die so ureigentümlich sind den Tieren, wie die Menschen und die Pflanzen ureigentümlich haben Inkarnat und Grünheit. Also mit dem Blau können wir zunächst nicht in dieser Weise der Natur gegenüber etwas anfangen. Aber wir wollen doch vorschreiten, wir wollen doch einmal sehen, ob wir vielleicht noch weiter im Aufsuchen des Wesens der Farbe kommen können.

Wir haben zunächst die Möglichkeit, da wir über das Blau nicht gehen können, zu den hellen Farben hinzugehen; aber damit wir leichter, schneller vorwärtskommen, nehmen wir gerade dasjenige, was uns bekannt ist als das Weiß. Wir können zunächst nicht sagen, daß irgendeinem Wesen der Außenwelt dieses Weiß eigentümlich ist. Wir könnten uns ja an das Mineralreich wenden, aber wir wollen doch versuchen, uns auf eine andere Weise von dem Weißen eine objektive Vorstellung zu machen. Und da können wir sagen: Wenn wir das Weiße vor uns haben und es dem Lichte aussetzen, wenn wir das Weiße einfach beleuchten, so haben wir die Empfindung: dieses Weiße hat eine gewisse Verwandtschaft zum Lichte. Aber das bleibt zunächst eine Empfindung. Es wird aber in dem Augenblicke mehr als eine Empfindung, wenn wir uns an die Sonne halten, die uns zunächst ja deutlich wenigstens gegen das Weiß hin nuanciert erscheint, und auf die wir zurückführen müssen alles, was Beleuchtung ist in unserer Welt zunächst von der Natur aus. Wir können sagen: Was uns als Sonne erscheint, was sich als Weißes darlebt, was aber zugleicher Zeitseine innere Verwandtschaftmitdem Lichte darlebt, das hat die Eigentümlichkeit, daß es uns überhaupt durch sich selber nicht auf dieselbe Art wie eine äußere Farbe erscheint. Eine äußere Farbe erscheint uns an den Dingen. Und so etwas wie die Weiße der Sonne, welche uns das Licht repräsentiert, erscheint uns nicht unmittelbar an den Dingen. Wir werden später eingehen auf jene Art von Farbe, die man etwa an Papier und Kreide und dergleichen als weiß bezeichnen kann, aber da werden wir eben einen Umweg machen müssen. Zunächst, wenn wir uns ans Weiße heranwagen, so müssen wir sagen: Wir werden zunächst durch das Weiße zum Lichte als solchem geführt. Wir brauchen ja, um diese Empfindungen ganz auszubilden, nichts anderes zu tun, als etwa uns zu sagen: Das polarische Gegenbild des Weißen ist das Schwarze.

Daß das Schwarze die Dunkelheit ist, daran zweifeln wir nicht mehr; so werden wir das Weiße sehr leicht identifizieren können mit der Helligkeit, mit dem Lichte als solchem. Kurz, wir werden schon, wenn wir die ganze Betrachtung in das Empfindungsgemäße heraufheben, die innige Beziehung des Weißen und des Lichtes finden. Wir werden auf die Frage dann noch näher eingehen in den nächsten Tagen.

Wenn wir nun über das Licht selber nachdenken, und wenn wir nicht versucht sind, an den Newton-Popanz uns zu halten, sondern wenn wir die Dinge unbefangen beobachten, so werden wir uns sagen: Farben sehen wir schon. Zwischen der Weiße, die als Farbe auftritt, und dem Licht muß es eine besondere Bewandtnis haben. Wir wollen also das eigentliche Weiß zunächst ausschalten. Aber anders als von den anderen Farben wissen wir vom Lichte als solchem. Fragen Sie sich einmal, ob Sie das Licht eigentlich wahrnehmen. Sie würden ja gar nicht Farben wahrnehmen, wenn Sie nicht im durchleuchteten Raume wären. Das Licht macht Ihnen die Farben wahrnehmbar; aber Sie können nicht sagen, daß Sie das Licht ebenso wahrnehmen wie die Farben. Das Licht ist ja in dem Raume, wo Sie eine Farbe wahrnehmen. Es liegt in dem Wesen des Lichtes, die Farben wahrnehmbar zu machen. Aber nicht so, wie wir das Rot, Gelb, Blau sehen, sehen wir das Licht. Das Licht ist überall, wo es hell ist, aber wir sehen nicht das Licht. Es muß das Licht überall fixiert sein an etwas, wenn wir es sehen sollen. Es muß behalten werden, es muß zurückgeworfen werden. Die Farbe ist an der Oberfläche der Dinge, das Licht aber - wir können nicht sagen, daß es irgendwo haftet —, das Licht ist etwas durch und durch Fluktuierendes. Aber wir selbst, wenn wir des Morgens aufwachen und vom Lichte durchstrahlt und überstrahlt werden, dann fühlen wir uns in unserem eigentlichen Wesen, wir fühlen eine innige Verwandtschaft des Lichtes mit unserem eigentlichen Wesen. Und wenn wir in der Nacht in tiefer Finsternis aufwachen, fühlen wir: Da können wir nicht zu unserem eigentlichen Wesen kommen, da sind wir wohl gewissermaßen in uns zurückgezogen, aber wir sind durch die Verhältnisse etwas geworden, was sich selber nicht in seinem Elemente fühlt. Und wir wissen auch: Das, was wir vom Lichte haben, es ist ein Zu-uns-Kommen. Es widerspricht dem nicht, daß der Blinde es nicht hat. Er ist dafür organisiert, und auf die Organisation kommt es an. Wir haben zum Lichte das Verhältnis, das unser Ich zur Welt hat, aber doch wieder nicht dasselbe; denn wir können nicht sagen, daß dadurch, daß das Licht uns erfüllt, wir schon zum Ich kommen. Aber dennoch, das Licht ist notwendig, damit wir zu diesem Ich kommen, wenn wir sehende Wesen sind.

Was liegt da eigentlich vor? Wir haben in dem Lichte, von dem wir gesagt haben, daß es sich im Weiß hinstellt — wie gesagt, die innere Beziehung wollen wir dann noch kennenlernen -, dasjenige, was uns eigentlich durchgeistigt, was uns zu unserem eigenen Geiste bringt. Es hängt unser Ich, daß heißt, unser Geistiges, mit diesem Durchleuchtetsein zusammen. Und wenn wir diese Empfindung nehmen - es muß eben alles, was im Licht und in der Farbe lebt, als Empfindung zunächst gefaßt werden —, so werden wir sagen: Es ist ein Unterschied zwischen dem Lichte und demjenigen, was sich im Ich als Geist darlebt. Und dennoch, es gibt uns das Licht etwas von unserem eigenen Geiste. - Wir werden in einer solchen Weise durch das Licht ein Erlebnis haben, daß das Ich sich eigentlich innerlich erleben kann am Lichte.

Wenn wir das alles zusammenfassen, so können wir nicht anders sagen als: Das Ich ist geistig, es muß sich aber seelisch erleben; es erlebt sich seelisch, indem es sich durchleuchtet fühlt. Und das jetzt in eine Formel gefaßt, werden Sie sehen:

Weiß oder Licht stellt dar das seelische Bild des Geistes.

Es ist natürlich, daß ich Ihnen diese dritte Stufe aus lauter Empfindung habe zusammensetzen müssen. Aber versuchen Sie, nachdem diese Formel jetzt gewonnen ist, sich immer mehr und mehr hineinzudenken in die Sache und Sie werden sehen, es liegt wirklich etwas in dem:

Grün stellt dar das tote Bild des Lebens,

Pfirischblüt stellt dar das lebende oder lebendige Bild der Seele,

Weiß oder das Licht stellt dar das seelische Bild des Geistes.

Und jetzt gehen wir zum Schwarz oder zur Finsternis. Da werden Sie schon verstehen, daß ich vom Weißen und vom Hellen, vom Lichte sprechen kann im Zusammenhange mit der Beziehung, die besteht zwischen der Finsternis und dem Schwarzen. Nehmen wir also jetzt das Schwarz. Ja, und nun versuchen Sie einmal mit dem Schwarzen, mit der Finsternis etwas anzufangen! Sie können etwas anfangen. Es ist ja zweifellos das Schwarze sehr leicht sogar in der Natur zu finden, so als eine Eigentümlichkeit, als eine wesenhafte Eigentümlichkeit von etwas, wie das Grüne eine wesenhafte Eigenheit ist von der Pflanze. Sie brauchen nur die Kohle sich anzusehen. Und um sich noch erhöht das vorzustellen, daß da das Schwarze irgend etwas mit der Kohle zu tun hat, stellen Sie sich vor, daß die Kohle auch ganz hell und durchsichtig sein kann: dann ist sie allerdings ein Demant. Aber so bedeutsam ist das Schwarz für die Kohle, daß, wenn sie nicht schwarz wäre, sondern weiß und durchsichtig, sie ein Demant wäre. So stark wesenhaft ist das Schwarz für die Kohle, daß eigentlich die Kohle ihr ganzes Kohlendasein der Schwärze verdankt. Also die Kohle verdankt ihr finsteres, schwarzes Kohlendasein eben der schwarzen Finsternis, in der sie erscheint. Geradeso wie die Pflanze ihr Bild irgendwie hat in dem Grünen, so hat die Kohle ihr Bild in dem Schwarzen.

Aber versetzen Sie sich selbst jetzt in das Schwarze: Alles ist absolut schwarz um Sie herum - die schwarze Finsternis —, da kann in einer schwarzen Finsternis ein physisches Wesen nichts machen. Leben wird aus der Pflanze vertrieben, indem sie zur Kohle wird. Also das Schwarze zeigt schon, daß es dem Leben fremd ist, daß es dem Leben feindlich ist. An der Kohle zeigt sich das; denn die Pflanze, indem sie verkohlt, wird schwarz. Also Leben? Da ist nichts zu machen im Schwarzen. Seele? Es vergeht uns die Seele, wenn das grausige Schwarz in uns ist. Aber der Geist blüht, der Geist kann durchdringen dieses Schwarze, der Geist kann sich da drinnen geltend machen.

Und wir können sagen: Im Schwarzen — und versuchen Sie es nur einmal, die Schwarz-Weiß-Kunst, das Hell-Dunkel auf der Fläche daraufhin zu prüfen, wir werden darauf noch zurückkommen -, da bringen Sie eigentlich, indem Sie auf die weiße Fläche das Schwarz daraufmalen, den Geist in diese weiße Fläche hinein. Gerade in dem schwarzen Strich, in der schwarzen Fläche durchgeistigen Sie das Weiße. Den Geist können Sie in das Schwarz hineinbringen. Aber es ist das einzige, was in das Schwarz hineingebracht werden kann. Und dadurch bekommen Sie die Formel:

Schwarz stellt dar das geistige Bild des Toten.

Wir haben jetzt einen merkwürdigen Kreislauf bekommen für die objektive Wesenheit der Farben. Wenn wir uns den Kreislauf darstellen, haben wir immer in der Farbe irgendwie ein Bild. Farbe ist unter allen Umständen nichts Reales, sondern Bild. Und wir haben einmal das Bild des Toten, einmal das Bild des Lebens, das Bild der Seele, das Bild des Geistes [siehe Zeichnung]. Wir bekommen also, indem wir so herumgehen: Schwarz, das Bild des Toten; Grün, das Bild des Lebens; Pfrsichblüt, das Bild der Seele; Weiß, das Bild des Geistes. Und will ich das Eigenschaftswort dazu haben, das Adjektiv, dann muß ich immer von dem Vorhergehenden ausgehen: Schwarz ist das geistige Tate Bild des Toten; Grün ist das tote Bild des Lebens; Pfirsichblüt ist das lebende Bild der Seele; Weiß ist das seelische Bild des Geistes.

Ich bekomme in diesem Zirkel, in diesem Kreise die Möglichkeit, auf gewisse Grundfärbungen, Schwarz, Weiß, Grün und Pfirsichblüt, hinzuweisen, indem immer das Frühere mir das Eigenschaftswort für das Spätere andeutet: Schwarz ist das geistige Bild des Toten; Grün ist das tote Bild des Lebenden; Pfirsichblüt ist das lebende Bild der Seele; Weiß ist das seelische Bild des Geistes.

291-01
291-01

Wenn ich also die Reiche der Natur nehme, das tote Reich, das lebende Reich, das beseelte Reich, das geistige Reich, dann steige ich auf — geradeso wie ich aufsteige vom Toten zum Lebenden, zum Seelischen, zum Geistigen -, so steige ich auf: Schwarz, Grün, Pfirsichblüt, Weiß. Sie sehen, so wahr ich aufsteigen kann vom Toten durch das Leben zum Seelischen, zum Geistigen, so wahr ich da die Welt habe, die um mich herum ist, so wahr habe ich diese Welt um mich herum in ihren Bildern, indem ich aufsteige: Schwarz, Grün, Pfirsichblüt, Weiß. Wirklich, so wahr es ist, daß der Konstantin und der Ferdinand und der Felix und so weiter die wirklichen Ahnen sind und ich aufsteigen kann durch diese Ahnenreihe, so wahr kann ich durch die Bilder weitergehen und habe die Bilder dieser Ahnenreihe. Ich habe eine Welt vor mir: mineralisches, pflanzliches, tierisches, geistiges Reich, insofern der Mensch das Geistige ist. Ich steige auf durch die Wirklichkeiten; aber die Natur gibt mir selbst die Bilder dieser Wirklichkeiten. Sie bildet sich ab. Die farbige Welt ist keine Wirklichkeit, die farbige Welt ist schon in der Natur selber Bild: und das Bild des Toten ist das Schwarze, das Bild des Lebenden ist das Grüne, das Bild des Seelischen ist das Pfirsichblüt, das Bild des Geistes ist das Weiß.

Das führt uns hinein in die Farbe in bezug auf das Objektive derselben. Das mußten wir heute voraussetzen, indem wir weitergehen wollen, um in die Natur der Farbe, in das Wesenhafte der Farbe hineinzudringen. Denn es nützt nichts, zu sagen: Die Farbe ist ein subjektiver Eindruck. — Das ist der Farbe höchst gleichgültig. Dem Grün ist es höchst gleichgültig, ob wir da hingehen und es anglotzen; aber es ist ihm nicht gleichgültig, daß sich das Lebende, wenn es sich seine eigene Farbe gibt, wenn es sich nicht durch das Mineralische tingiert und in der Blüte farbig erscheint und so weiter, wenn das Lebende in seiner eigenen Farbe erscheint, es sich nach außen grün abbilden muß. Das ist etwas, was objektiv ist. Ob wir es anglotzen oder nicht, das ist etwas ganz Subjektives. Aber daß das Lebende, wenn es als Lebendes erscheint grün erscheinen muß, grün sich abbilden muß, das ist ein Objektives.

Ja, das ist dasjenige, was ich heute voraussetzen wollte... [Lücke im Text.]

Nun, morgen werden wir wiederum um halb neun Uhr den Fortsetzungsvortrag über die Farbenlehre haben.

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