J.G.Vogt - Die Unfreiheit des Willens

(der Determinismus) und die Frage der Verantwortlichkeit für unsere Handlungen. Leipzig 1892

Wir haben es hier mit einer Schrift zu tun, welche die Trivialitäten der Kraft- und Stoffhelden wieder aufwärmt. Der Irrtum, der hier zugrunde liegt, ist einfach der, daß Vogt, so wie alle Deterministen, das Wesen der Kausalität verkennt. Es beruht auf einer gewissen Dürftigkeit des Denkens, die Kategorie der Ursächlichkeit für die einzige zu halten, von denen die Welterscheinungen beherrscht werden. Diese Dürftigkeit ist freilich heute ein weit verbreiteter Mangel. Wir müssen es immer und immer wieder hören, daß es die Aufgabe der Wissenschaft sei, zu den Erscheinungen, die uns durch die Beobachtung gegeben werden, die Ursachen zu suchen. Dies ist weiter nichts als eine ganz einseitige, auf einem Vorurteil beruhende Forderung. Die Erscheinungen hängen noch in ganz anderer Weise miteinander zusammen als nach dem Gesetze von Ursache und Wirkung. Wir haben einen Vorgang noch durchaus nicht begriffen, wenn wir seine Ursache kennen. Wir müssen uns vielmehr in seine eigene Wesenheit vertiefen. Der Physiker studiert heute gar nicht mehr das Wesen der Farben, sondern die sie verursachenden Wellenvorgänge, der Psychologe nicht mehr die Handlungen der Persönlichkeit, sondern deren unpersönliche Veranlassungen. Das soll empirische Forschung sein! Wer sich wahrhaftig in die Natur der menschlichen Persönlichkeit vertieft, der wird einfach die Freiheit als eine Tatsache hinstellen müssen, die ebenso erfahrungsgemäß gegeben ist wie die Wärme- und Lichtvorgänge.

German original of J.G. Vogt - The Lack of Feedom of the Will · ← Previous · Next →