Anton von Werner

(betr. einen Ausspruch desselben gegen die moderne Malerei)

Anton von Werner, der Leiter der Berliner Hochschule für bildende Künste, hat in einer Rede, die er vor kurzem bei der Preisverteilung in seiner Anstalt gehalten hat, über die moderne Richtung in der Malerei ein unbarmherziges Verdammungsurteil ge- fällt. Seine Sätze klingen so, als wenn er künstlich die Augen geschlossen hätte vor all dem Bedeutenden, das diese Richtung schon hervorgebracht hat, und vor all den Keimen, die für die Zukunft noch manches Große versprechen. Von Werner verteidigt die Tradition, das Bewährte gegenüber dem Suchen nach neuen Schaffensweisen. Es scheint, wie wenn er das Alte, das Hergebrachte auch da verteidigen wollte, wo es in absteigender Entwickelung zur Schablone, zum seelenlos Formellen geführt hart. Er blickt auf den Zeitraum des letzten Vierteljahrhunderts zurück und finder, daß in dieser Zeit überhaupt entweder nichts Neues geschaffen worden ist, oder daß das Neue nicht gut ist. Von Werner macht sich die Sache leicht. Er rechnet bloß das Schlechte zu dem Neuen, das Gute dagegen zu dem Alten. Das trifft zwar die Sache nicht, denn wer solches behauptet, dem müssen die Organe fehlen für den frischen, freien, von der Tradition unabhängigen Zug der modernen Malerei. Aber es ermöglicht, über die Abgeschmacktheit, Häßlichkeit und den Dilettantismus der neuen Richtung kräftige, volltönende Zornesworte zu sprechen.

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