Ferdinand Cohn
zum 5Ojährigen Doktorjubiläum
Der hervorragende Botaniker Ferdinand Cohn feiert in diesen Tagen sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum. Die Pflanzenphysiologie verdankt Cohn ungeheuer viel. In seinem Institut an der Breslauer Hochschule wurden bedeutende Arbeiten gemacht und eine stattliche Zahl von Schülern gebildet. Die Gebiete, denen er sich vorzüglich widmete, waren die Morphologie und Entwickelungsgeschichte der niederen Pflanzen, die Biologie der Bakterien. Cohns Schüler rühmen sein vorzügliches Lehrtalent, sein außerordentliches Entgegenkommen gegenüber jüngeren Gelehrten. Seine schriftstellerische Darstellungsgabe ist eine ungewöhnliche. In seinen populären Schriften («Die Pflanze») kommt diese seine Fähigkeit ganz besonders zum Vorschein. Wenige schreiben solche Schriften in einer so eindringlichen, geschmackvollen und schönen Sprache. Soweit das bei wissenschaftlichen Schriften möglich ist, erhebt sich Cohn sogar zu einer kunstvollen, poetischen Darstellung. Ein feiner Natursinn, der in allen seinen Aufsätzen sich verrät, verleiht deren Lektüre einen ganz besonderen Reiz. Sein Aufsatz «Goethe als Botaniker» gehört zu den Perlen wissenschaftlicher Abhandlungen. Ferdinand Cohn ist auch ein feinsinniger, für alles Bedeutende begeisterter Kunstkenner und Kunstliebhaber.