Faculty Meetings with Rudolf Steiner I

GA 300a — 14 March 1920, Stuttgart

Neunte Konferenz

Es wird über die mangelnde Disziplin in der Schule geklagt.

RUDOLF Steiner: Herr Baumann soll einmal pro Woche Unterricht geben über Takt und Moral, über Lebenstakt und Lebensgewohnheiten, sodass die Kinder denken müssen: Das ist eine Artigkeit, das eine Ungezogenheit. - Dass die Kinder das denken müssen, [das soll eine] Empfindung [hervorrufen] für die Autorität.

[Das ist] nicht mit anderem Unterricht zu verbinden, sondern [in] den Nachmittagsunterricht [einzuordnen].

Es wird noch einmal über das Stehlen gesprochen.

RUDOLF STEINER: Es wirkt ungeheuer schädigend auf die ganze Disziplin, wenn man einzelne Fälle herausgreift.

In Bezug auf das Stehlen [ist zu sagen]: Diese Fälle im Einzelnen zu behandeln, sollte eigentlich gar nicht nötig werden. Aber [man sollte] die Dinge so hinstellen, dass die Kinder [davor] einen Abscheu bekommen.

Jemand fragt: [Soll man eine] Osterfeier oder Jugendfeier für die nicht konfessionellen Kinder [einrichten]? [Eine] Frühlingsfeier?

RUDOLF STEINER: [Man kann] die vier oberen Klassen vom freien Religionsunterricht zu der Feier vereinigen. Es ist gut, die Mädchen und Buben zusammenzusetzen.

Es wird nach der Klasse für die Schüler mit Förderbedarf gefragt.

RUDOLF STEINER: [In diesen Unterricht, den] Dr. Schubert [übernehmen würde, sollten] etwa zehn Kinder [hineinkommen].

Es werden die Kinder für diesen Unterricht ausgesucht.

  1. Klasse: M. G. (ist schwachsinnig)
  2. Klasse: A. S.
  3. Klasse: K. B.
  4. Klasse: B. (?)
  5. Klasse: A. D.

[Nach den Notizen zu den Konferenzen von Stockmeyer]

RUDOLF STEINER: [In diesem Unterricht muss man sich] mit [den] Einzelnen beschäftigen. Nicht viel anders, aber [man muss] alles langsamer machen.

Jemand fragt: [Soll man Goethes «Heidenröslein» mit den Kindern behandeln? Es ist doch recht erotisch.]

RUDOLF STEiner: [Das] «Heidenröslein» [ist] kein erotisches Gedicht, wohl aber «Ich ging im Walde so für mich hin ...»

HERBERT HANN [vermutlich]: [Was soll man in der] Fortbildungsschule [mit den Kindern tun]?

RUDOLF STEINER: [Da müsste man vor allem] aufs Praktische und aufs Künstlerische gehen. [Denen müssten] Begriffe [beigebracht werden] vom Leben, [von der] Landwirtschaft, [dem] Gewerbe, [der] Industrie, [dem] Handel. Geschäftsaufsätze [und] Buchhaltung [sollten da gemacht werden, und im Künstlerischen] Bildnerisches, Musikalisches [und] Literatur.

Das würde die Aufgabe werden von Heren Strakosch.

Das Leben muss als eine Schule betrachtet werden. Man kann [ihnen] immer [wieder] sagen, dass [sie von nun ab] durch das Leben erzogen werden.

Man soll den Kindern ihr Schicksal nicht abnehmen.

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