Faculty Meetings with Rudolf Steiner I

GA 300a — 31 July 1920, Stuttgart

Siebzehnte Konferenz

RUDOLF STEINER: Was ist noch vorzubringen? Wer wünscht das Wort? [Davor war offenbar ein Gespräch, in welchem es um den Schüler W. A. ging, der auf ein Gut kommen solle.]

KARL STOCKMEYER: Man hat Herrn Neumeister mitgeteilt, dass er nicht mehr an der Waldorfschule arbeiten kann - Molt will für eine Anstellung sorgen -, Helene Rommel, dass sie nicht mehr an den Konferenzen teilnehmen soll, und dass eine erste Handarbeitslehrerin gesucht wird.

Fräulein Von Grunelius hat [mir] mitgeteilt, dass sie um ihre Entlassung nachgesucht hat, weil sie nicht mehr an den Konferenzen teilnehmen solle. Sie hatte den Eindruck, dass ihre Leistung bei der Leitung des Kindergartens Herrn Doktor nicht befriedige.

RUDOLF STEINER: Woraus hat sie das entnommen?

KARL STOCKMEYER: Herr Doktor habe bei ihr nicht zugehört.

RUDOLF STEINER: Nun war die Sache so, dass ich das vorige Mal nur mit Mühe und Not nachmittags habe kommen können. Ich habe nur abringen können die Zeit, um einiges aus der Eurythmie zu sehen. Es ist einfach nicht dazu gekommen. Da die ganze Sache reichlich provisorisch eingerichtet war, so kam es mir nicht darauf an. Sie hat ja wirklich nur ein Provisorium geführt. Sie hat es sehr schwer gehabt mit all den Umständen. Sie kam in die 1. Klasse hinein, die nicht aufgeräumt war, die oft in einem schönen Zustand sich befand. Ja, es ist natürlich kein Grund, gleich wegzugehen.

In den Bänken war es sehr schwer, etwas einzurichten. Deshalb glaube ich doch, dass wir in der Zukunft es so halten sollten, dass wir die Dinge nicht überspannen. Was nicht geleistet werden kann, muss halt nicht geleistet werden. Dass wir nicht so etwas erzwingen, wenn wir keinen Raum haben. Ich habe sie gerade für eine tüchtige Person gehalten. Gleich als ich das erste Mal hier war, war ich etwas erstaunt über ihre Veränderung. Sie war früher mit initiativem Wesen und etwas forsch. Sie war hier ganz gedrückt, gleich von Anfang an. Von Anfang an! Ja nun, ich weiß nichts von einer Entlassung. Die Entlassung kann auch nicht bei mir eingereicht werden.

KARL STOCKMEYER: Sie hat mir gesagt, sie hat um die Entlassung eingereicht.

RUDOLF STEINER: Daraus muss ich entnehmen, dass ich es bekommen werde. Ist sie schon abgere;

KARL STOCKMEYER: Sie wollte morgen früh reisen. Sie war auch gekränkt, dass sie nicht zugezogen worden ist zur Studentenversamm

RUDOLF STEINER: Das war kein Misstrauensvotum, da kein Grund bestand, sie dazuzurufen.

KARL STOCKMEYER: Viele Einzelheiten sind zusammengekommen, die sie ausgelegt hat als Misstrauensvotum.

Ich wollte die dazurufen, die in Betracht kommen. Das hat sie mir auch gesagt. Dann war sie gekränkt, weil ich die pädagogischen Kurse weggesperrt hätte, und sie das als eine besondere Maßnahme gedacht hätte, als eine Schwierigkeit. Ich war aber dazu veranlasst, da fortwährend Fremde kamen. All diese Dinge haben sich zusammengeballt.

Die pädagogischen Vorträge Rudolf Steiners [GA 293, 294, 295] waren damals nur in Vervielfältigungen vorhanden und nicht öffentlich zugänglich.

RUDOLF STEINER: War sie schon misstrauisch, als sie in Berlin war?

KARL STOCKMEYER: Ich hatte keine Gelegenheit, das zu bemerken. [Sie war] etwas zurückhaltend.

RUDOLF STEINER: Sie war furchtbar gekränkt. Es kann auch sein, dass sie in den Zeiten doch etwas gekränkt war. Ich habe sie nicht betrachtet als jemand, der gerade wünscht, sich dem zu widmen. Sie hatte gerade keine besondere Begabung. In jedem Zimmer, wo sie [hinein]kam, wurde sie herausgeschickt. Da waren nur geladene Gäste. Sie wusste nicht, wo sie hin sollte. Das tat ihr furchtbar leid, weil überall die andern da waren.

Sie war diejenige, die herumgeschickt wurde. Ja, es ist möglich, dass sie misstrauisch ist, dass viele Dinge vorkamen, die ihr Anlass zum Misstrauen gaben. Viel Lust hatte sie nicht, hier zu sein. Sie hatte sehr wenig Selbstvertrauen. Sie glaubt immer, dass sie die Sache nicht richtig macht. Sie hatte bei mir immer betont, man würde sie laufen lassen.

Dann wollen wir abwarten, bis ihre Sache kommt, dann haben wir ihre Adresse. Es wäre nicht die richtige Adresse, wenn sie an mich ihre Entlassung geschickt hätte.

KARL STOCKMEYER: Das war, was sich ergab aus dem gestern Eingeleiteten. Dann wollte ich die Verteilung des Sprachunterrichts vorbringen.

RUDOLF STEINER: Es würde sich im Wesentlichen darum handeln, dass der Sprachunterricht mit den Klassen weiterläuft, dass die bisherigen Lehrer [auch] in den folgenden Klassen den Sprachunterricht haben. Nur würde etwas neu hinzukommen durch die 1. Klasse. [Wie] viele Klassenlehrer haben den Sprachunterricht in ihrer Klasse selbst gegeben? [Die folgenden Passagen sind eine stark zusammengefasste Wiedergabe eines längeren Gesprächs über den Stundenplan.] Fräulein Lang, Geyer Französisch, [Frau] Koegel den gesamten Sprachunterricht; [...] Fräulein Dr. von Heydebrand, Fräulein von Mirbach und Kolisko [eine Sprache]. [...] [Im nächsten Jahre wird] Fräulein Uhland [in ihrer 1. Klasse] beide Sprachen [übernehmen], [...] ob Killian das kann [in der seinigen] - es ist noch eine zweifelhafte Sache. [...]

[Im Lateinischen übernimmt Dr. Schubert die Anfänger in der 4., Geyer die 5. und 6. Klasse.] Es wird sich erst zeigen, wie viele Lateiner sich melden. Die Begeisterung ist nicht groß. - Es wäre furchtbar schade, wenn der Neugrieche nicht Griechisch bekäme.

[Freier] Religionsunterricht: Die Gruppen wurden etwas groß. [Da würde Hahn] die 1., 2., 3. Klasse [als eine Gruppe] zusammennehmen, [und ebenso als eine Gruppe] die 7., 8.,9. Klasse. [...] Dann brauchen wir für die 4., 5., 6. jemanden. Ja, was tut man da? [...]

Ja, [wie] wäre es, wenn wir Herrn Uehli dazu einladen würden? Es wäre eine Lösung. Nicht wahr, er hat nicht viel Zeit, aber zwei Stunden in der Woche, das würde vielleicht gehen. [...] Ich würde also Herrn Uehli in Aussicht nehmen für die Gruppe der 4.-6. Klasse. [...]

Rudolf Steiner hatte am Vortag einen Zweigvortrag gehalten. Nach dem Vortrag gab es eine ausführliche Besprechung zwischen Vertretern des «Kommenden Tages», des Waldorfschulvereins, der Mitglieder und der Lehrer. Auch wurde der Aufruf von Caroline von Heydebrand und Herbert Hahn verlesen. An diesem Abend häuften sich die Missverständnisse über die Finanzierung der verschiedenen Initiativen.

RUDOLF STEINER: Wenn sonst nichts zu besprechen wäre, würde ich etwas vorbringen, was von einigen gewünscht wurde, die Frage des Weltschulvereins. [...] /Es wird ausgiebig darüber und über den Verlauf der Besprechung am Vorabend gesprochen, hier folgen nur Auszüge des Gesprächs.]

KARL STOCKMEYER: [...] Wir meinen, man sollte unmittelbar herantreten an die Gründung des Weltschulvereins, der Geld sammeln soll für alle Schulunternehmungen der Anthroposophischen Gesellschaft, seien es Schulen, sei es [das] Goetheanum. Der Waldorfschulverein soll dann Mitglied des Weltschulvereins werden. [...]

RUDOLF STEINER: Wie stellen Sie sich das vor, dass diese Gelder zentralisiert und von einer Stelle verwaltet würden? Wir können doch nicht das, was gestern [Abend nach dem Vortrag] gefordert wurde, zentralisieren. Das wird für die Waldorfschule gesammelt. Es sollte das, was für die Waldorfschule gesammelt wird, nicht in den Hintergrund treten. Sollen wir eine Versammlung einberufen und sagen, außer dem, was wir gestern gemacht haben, machen wir auch das dazu?

Jemand bemerkt: [...] Was gestern getan wurde, bezieht sich auf die Sammlung für die Waldorfschule speziell. Und was vonseiten eines Weltschulvereins getan werden könnte, bezieht sich darauf, Geld zu bekommen für alle Unternehmungen, sodass eine Konkurrenz zwischen diesen verschiedenen Sammlungen, die von verschiedenen Stellen unternommen werden, nicht mehr vorhanden wäre.

RUDOLF STEINER: In einem gewissen Sinn ist sie vorhanden. Wir können warten, bis diese Sache, die gestern ventiliert worden ist, verwirklicht ist, dann können wir daran denken, einen Weltschulverein zu gründen. Wenn also dasjenige, was für den Waldorfschulverein herauskommt, klar vorliegt, wenn das klar vorliegt, wie viel man herausbekommt, dann erst würde man mit [der Gründung des Weltschulvereins an die Menschen] herantreten. Fortwährend probieren können wir nicht. Denn durch das, was gestern geschah, ist der Plan des Weltschulvereins durchkreuzt worden. Ich sage gar nicht, dass das schade ist. [Aber] man kann nicht zwei [solche] Dinge nebeneinander machen.

Jemand fragt: Könnte der Weltschulverein nicht von Dornach aus gegründet werden?

RUDOLF STEINER: Das brauchen wir hier nicht zu beschließen. Das würde dem nicht hinderlich sein, dass hier für die Waldorfschule gesammelt wird. Dann würde es unsere Aufgabe sein, uns dahinterzustellen. Es könnte nur von Dornach ausgehen.

EMIT MOLT: Man müsste trotz des Lapsus von gestern den Weltschulverein betreiben, aber von Dornach aus, weil es eine Weltangelegenheit ist.

Der Eurythmeumsplan dürfte nicht zurückgestellt werden; der darf nicht erledigt sein.

RUDOLF STEINER: Der ist wohl erledigt durch die ganze Stimmung, die geschaffen ist. Schließlich war schon das furchtbar lächerlich, dass ich mich dagegen wehren musste und die Sache in einer durchaus nicht genügenden Weise korrigieren musste. Ja, aber nun, so etwas ist geschehen. Warum? Man muss nur [jetzt] die Konsequenzen ziehen! Dummheiten, die man macht, sind dazu da, dass man sie verbessert: Eine große Sache darf dadurch nicht leiden. Das Einzelne erscheint dadurch als der Ausdruck einer Korporation. [Weiteres Gespräch über das Eurythmeum.]

Jemand sagt: Herr Doktor, Sie hatten doch die Aufgabe gestellt, über den Namen der Schule nachzudenken. Da musste man doch annehmen, dass die Angelegenheit des Weltschulvereins unsere Sache sein sollte.

RUDOLF STEINER: Ich habe gesagt, der Name müsste das Staatslose enthalten. - Nicht wahr, ich habe dazumal gemeint, dass die Schwierigkeiten, die darin bestehen, dass Leute von auswärts ihre Schulen da oder dort haben wollen, nicht in Stuttgart, wenn sie nicht herkommen können, dass diese Schwierigkeiten umgangen werden könnten, wenn man in großem Stile einen Weltschulverein begründen wollte, der die Aufgabe hätte, solche Schulen überall zu gründen. Da sagte ich, dass man [damit] anfängt, die Waldorfschule auch in Bezug auf die Mittel, die sie braucht, zu unterstützen. Es war das aber nicht so gemeint, dass wir uns damit beschäftigen wollten. Es würde aktuell geworden sein, wenn man die Sache so wollte. Das ist durchaus der Fall. Real können wir es nur aufschieben, bis der gestern gemachte Appell seine Wirkung getan hat. Wir können jetzt nicht von hier aus uns hinstellen und sagen: Nun ja, wir haben gesagt, dass 256000 Mark [für die Waldorfschule] gesammelt werden. Was war das andere? Das sind Summen dazu. Heute stehen wir wieder da, nur geben wir dem Kinde einen anderen Namen. Jetzt sammeln wir für den Weltschulverein.

Jemand bemerkt: So war es nicht gemeint. Von mir aus war es so gemeint, dass wir uns hinter diese Absicht stellen wollen, dass ein solcher Weltschulverein zustande kommen sollte. Und ich glaubte, [dem] dadurch einen Schritt näher zu kommen, dass ich meinte, das Kollegium würde meine Vorschläge gutheißen, wenn ich [den] Dr. [E] gebeten hätte, selbst diejenigen Mitglieder zu bestimmen. RUDOLF STEINER: Was hat das für eine reale Bedeutung? Wenn Sie gestern in Ihrer Rede zu dem, wie die Schule sich bewährt hat, und hätten das [darauf] auslaufen lassen, dass wir gewillt sind, nun jetzt wieder eine Sammlung einzurichten, [hinzugesagt hätten], dass wir den Weltschulverein gründen wollen, natürlich mit einer Sektion /?7, dann wäre er jetzt auf der Tagesordnung. Wir können hier nicht den Weltschulverein gründen. Es ist nicht meine Meinung gewesen, dass hier das Kollegium den Weltschulverein begründet, um [in] dieser Sache einen Schritt weiter zu machen. Es [kommt] keinen Schritt [weiter], wenn wir es noch so stramm beschließen.

WALTER JOHANNES STEIN [vermutlich]: Ich hatte es so verstanden, dass wir Herrn Doktor bitten wollten, uns einige weitere Winke zu geben.

RUDOLF STEINER: Es scheint manches verfrüht. Es scheint wohl verfrüht, irgendetwas über die Arbeit eines solchen Vereins zu sagen. Es ist jetzt nicht aktuell. Nicht wahr, er wäre das Instrument gewesen, wenn wir uns wirklich ganz stramm auf den Standpunkt gestellt hätten: Wir führen die Schule nicht weiter, wenn wir nicht der Welt begreiflich machen können, dass sie Opfer bringen muss für die Sache. So war zunächst die Erklärung, die wir abgeben wollten. Das Bild hat sich verschoben, vor allen Dingen dadurch, dass die lächerlich kleine [Summe dessen, was wir brauchen], herausgekommen ist. Sie ist eine Illusion, weil das zweieinhalbfach überschritten wird. Aber nun, nicht wahr, diese Summe wird sicher aufgebracht, das steht fest. Dann ist der Zweck erreicht.

Ich will natürlich nicht festhalten an dem, was ich sagte, wenn es nicht aktuell ist. Ich glaubte, der Sache dienen zu können, dass ich das aussprach, was ich gesagt habe.

HERTHA KOEGEL: Ob man Zeitungsberichte in norwegischen und holländischen Zeitungen bringen solle. Ob das etwas helfen würde?

RUDOLF STEINER: Wenn es jemand tut, gewiss. Alle diese Dinge sind gut, wenn sie getan werden, sehr gut sogar. Das braucht man nicht zu beschließen, das kann jemand tun. [Es folgt ein längeres Gespräch über Baufragen.]

Ja, dann hätten wir unsere Fragen jetzt wohl erledigt, wenn nicht etwas aus dem Kollegium herauskommt. Es tut mir sehr leid, dass allerlei zum Vorschein gekommen ist, was vielleicht nicht gerade harmonisch untereinander war. [Es folgt noch ein Wortwechsel über den Weltschulverein, das Eurythmeum, Geld- und andere Fragen.]

Ich habe nur sagen wollen, dass es mir leidtut, dass es nicht besser geschlossen hat. Jetzt werden wir nicht mehr zusammenkommen. Ich möchte allen eine recht gute Zeit und eine auch für das nächste Jahr fruchtbare Zeit wünschen. Für manche wird es eine harte Arbeitszeit, wenn irgendwie das in Betracht kommt, was wir besprochen haben.

Jemand fragt, ob die Lehrer selbst etwas tun sollen, um Geld herbeizuführen.

Jemand anders: Das müssen wir unter uns besprechen.

RUDOLF STEINER: Es ist nicht die Möglichkeit, dass ich [jetzt] eine längere Rede halte. Wir wollen frisch und kräftig das nächste Mal die Schule beginnen.

German original of Seventeenth Meeting · ← Previous · Next →