Faculty Meetings with Rudolf Steiner I
GA 300a — 21 September 1920, Stuttgart
Achtzehnte Konferenz
Zweites Jahr (7 Konferenzen) Die neue 1. Klasse musste doppelt geführt und die 6. Klasse musste geteilt werden, da mehr als 50 Kinder in der Klasse waren. Es wurde eine 9. Klasse eingeführt, für die Steiner elementare Lehrplanangaben machte. Diese 9. Klasse war klein, da viele Eltern, die Angehörige der Waldorf-Astoria waren, lieber ihre Kinder direkt in eine Lehre gaben, als die unsichere Zukunft einer «Oberstufe» abzuwarten, von welcher sie keine Vorstellung hatten. Im Laufe dieses Jahres wurde deutlich, dass es bei dieser einen Schule bleiben würde und nicht in ganz Deutschland neue Schulen entstehen würden; alle verfügbaren Kräfte waren an Stuttgart gebunden, und die Rahmenbedingungen für Gründungen wurden immer schwieriger. Rudolf Steiner besuchte die Schule in diesem Jahr relativ wenig. Wenn er da war, wurden pädagogische Schwierigkeiten erörtert und Lösungen dafür gesucht. Dieses zweite Jahr hat eine besondere Klammer: Zu Anfang stellte Steiner sein Verhältnis zur Schule und Lehrerschaft klar: Seine Wirksamkeit beruhe auf der Haltung der Lehrer. Nur wenn sie in Freiheitannähmen, was ihnen von Steiner gesagt werde, könne eine richtige Wirkung erzielt werden. Da er als Esoteriker wirke, werde er niemals aus Autorität oder mit Macht auftreten. Alles hänge von dem freien Willen der Lehrer ab, umzusetzen, was er empfehle. Am Ende des Schuljahres analysierte Steiner den Unmut, der sich gegen die Person Emil Molts aufgebaut hatte: Er wurde mit der Waldorf-Astoria identifiziert und man empfand die Arbeitgeberrolle, die die Fabrik noch innehatte, als unangemessen. Steiner musste den Lehrern erklären, dass die Waldorf-Astoria herzlich wenig zur Begründung und zum Gelingen der Schule beigetragen hatte, dass aber Gründung und Gelingen auch finanziell fast allein das Verdienst Emil Molts war. Man werde gerne mit ihm gehen, aber nicht mit der Fabrik. Um die Unabhängigkeit der Schule von der Waldorf-Astoria möglich zu machen, wurde im Frühjahr 1920 der Waldorfschulverein gegründet.
Nach dem dritten Vortrag des Kurses über «Meditativ erarbeitete Menschenkunde»
Rudolf Steiner reiste am 14. September für Besprechungen über die Aufgaben des «Kommenden Tages» von Dornach nach Stuttgart, am 15. und 16. September hielt er für die Lehrer die ersten zwei Vorträge zur meditativ erarbeiteten Menschenkunde (GA 302) und fuhr am 17. weiter nach Berlin zur Generalversammlung des Berliner Zweiges. Am 19. September reiste er zurück nach Stuttgart. Am 20. September fand ein öffentlicher Vortrag zu den Aufgaben der Dreigliederung statt (in GA 335). Am 21. September hielt er am Morgen den dritten Vortrag für die Lehrer zur meditativ erarbeiteten Menschenkunde, den letzten dann am Tag darauf. Anschließend an den dritten Vortrag fand die Konferenz statt, die am nächsten Tag fortgesetzt wurde. Am 23. September kehrte Steiner nach Dornach zurück.
Themen [18. und 19. Konferenz]: Das Verhältnis der Lehrerschaft der Waldorfschule zur Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik und zu Emil Molt. Geistige Forschung und Rudolf Steiners Stellung im Lehrerkollegium. Bitte um «Korpsgeist» statt «Cliquenbildung». Namensgebung für Waldorfschulen. Weltschulverein. Die Stuttgarter Hochschulkurse im Winter. Lehrplan 9. Klasse. Staatliche Anerkennung.
Bemerkungen: In den Sommerferien war Karl Stockmeyer in Dornach gewesen und hatte Steiner einen Entwurf für ein Statut für die Kompetenzen einer Schulverwaltung gegeben. Obwohl Emil Molt auch in Dornach war, wurde er von diesem Entwurf nicht in Kenntnis gesetzt. Das geschah erst, als dieser herumgeschickt wurde. In dem Entwurf war Molt bloß «Berater des Kollegiums in allen wirtschaftlichen Angelegenheiten». Molt sah sich aber als vollwertiges Mitglied des Kollegiums und war als solches von Steiner bestätigt worden. Tief gekränkt schrieb er einen Brief an das Lehrerkollegium; das Statut sei im Widerspruch mit dem Geist der Schule.
Diese Angelegenheit nahm Steiner als Anlass, «dass wir ins Klare kommen müssen über manche Dinge, die wir - mitverursacht durch andere Überarbeitungen - zum Teil genötigt waren, in Regionen des Dunklen sich abspielen zu lassen, und die heute zur Klarheit gebracht werden können».
RUDOLF STEINER: Abderhalden war in Dornach. Er konnte nicht verstehen, was er mit dem Vorder- und Hinterknoten im Rückenmark machen soll. Das bewegt die meisten solcher Menschen; nicht etwa auf die Sache sich einzulassen, sondern sie denken sich, wenn ich da hineinsteige, dann wird es ungemütlich. Lieber ein bisschen fernbleiben!
Sonst hat er ziemlich radikale Ansichten. Er hat gesagt: Was Sie ausgeführt haben über das Turnen - vom physiologischen Standpunkt ist das Turnen eine Barbarei! Ich sagte ihm: Bitte, sagen Sie das nur, Sie haben eine Professorenstellung. Man muss es vertreten, man darf es aber nicht beeinträchtigen, dass es die Leute verärgert. Der Physiologe könnte es den Leuten schon sagen.
EUGEN KOLISKO: Er hätte mein Chef werden sollen.
RUDOLF STEINER Eine Sache ist höchst interessant. Er sagte, nicht wahr, in der Zeit, in der dazumal die Revolution gespielt hat, da bekamen Einzelne einen Stich. Da hat er den Antrag gestellt, dass jeder [Professor] sich sein Lehrfach einrichten kann, wie er will. Da haben die anderen sich gar nichts dabei vorstellen können. So sagt er selbst.
Beginnen wir unsere andere, mehr pädagogische Arbeit. Es handelt sich darum, dass wir ins Klare kommen müssen [über] manche Dinge, die wir - mitverursacht durch andere Überarbeitungen - zum Teil genötigt waren, in Regionen des Dunklen sich abspielen zu lassen, und die heute zur Klarheit gebracht werden können.
Es hatte Meinungsverschiedenheiten gegeben über die Stellung der Schule und des Lehrerkollegiums zur Waldorf-Astoria-Fabrik. Dann war ein Statut ausgearbeitet worden, in dem unter anderem enthalten war, dass die Lehrer nicht mehr, wie bisher, von der Waldorf-AstoriaFabrik aus angestellt werden sollten, und in dem auch die Stellung Rudolf Steiners als des Leiters der Schule festgelegt werden sollte.
RUDOLF STEINER: Wollen Sie, Herr Molt, das Wort ergreifen?
EMIL MOLT spricht ausführlich über die vorliegenden Schwierigkeiten, besonders über seine eigene Stellung zum Lehrerkollegium, über ein Expos6, das Statut und über einen Vorschlag, Rudolf Steiner zum Vorsitzenden zu wählen.
RUDOLF STEINER: Einiges möchte ich vorausschicken. Das Überreichen des Expos& durch mich in Dornach hat nicht diese Bedeutung. Herr Stockmeyer wollte selbst in Dornach bleiben. Ich wusste nicht, wann Sie von Zürich zurückkommen. So hat Herr Stockmeyer es auf meine eigene Veranlassung gegeben. Ich habe Herrn Stockmeyer gesagt, er braucht, um dieses Expose abzugeben, nicht in Dornach zu bleiben. Es ist dies nicht eigentlich in der Absicht geschehen, es nicht selbst zu überreichen. Alles das, was darüber zu besprechen wäre, würde sich nur auf den Inhalt beziehen.
Dann meine ich, es könnte von vorneherein - das ging aus der Rede des lieben Herrn Molt hervor - aus der Diskussion ausgeschaltet werden diese Wahl von mir zum Vorsitzenden. [...] [Rudolf Steiner erzählt zum Vergleich etwas über die Situation in Berlin.] Ich glaube nicht, dass durch den Statutenparagrafen in Bezug auf mich das Geringste geändert worden wäre.
[Dann] bitte ich, sich daran zu erinnern, dass die Ernennungen [neuer Lehrer] eigentlich immer im Lehrerkollegium besprochen worden sind. Das würde ich weiter ganz gerne so halten. Ich glaube, dass wenigstens Ideale mitzuarbeiten haben, und dass eigentlich die Sache so liegen müsste, dass das Lehrerkollegium voraussieht, dass man bei der Ernennung einiges durchschaut und dass man auf das Urteil etwas gibt. Mitteilen würde ich schon immer, was da geschieht. Ich würde niemals ausschließen, wie es im Fall von Fräulein Lämmert geschehen ist, dass, wenn die eine Seite die entsprechenden Vorschläge macht, von mir auf diese Vorschläge eingegangen wird. Diese Dinge sind so, dass sie sich statutarisch nicht festlegen lassen. Wenn man es festlegt, so wird das die Sache nicht treffen. Das sind Dinge, die vielleicht nichts anderes sein sollen als ein bisschen Richtigstellung, damit nicht noch mehr Missverständnisse gehäuft werden.
Mir kommt es vor, dass schon Dinge im Hintergrund stehen, die vieles erklären. Als ich in Berlin davon hörte, da schienen sie doch mehr oberflächlich zu sein, aber darunter schienen gewisse Sorgen zu leben; die sicher nichts zu tun haben mit einer Disharmonie zwischen Herrn Molt als Protektor und der Lehrerschaft, [aber] etwas zu tun haben mit gemeinsamen Sorgen, und es wäre natürlich schon wünschenswert, dass dann auf diese wahren Grundlagen, auf diese gemeinsamen Sorgen auch etwas eingegangen würde. Äußere Einflüsse dürfen nicht in die Sache hineinspielen. Aber Sorgen, die wir gemeinsam haben - wenn sie, wie das schon ist, in dieser Weise zur Explosion kommen, die bespricht man [lieber] als Sorgen, als dass sie sich durch eine Explosion entladen sollten. Wer wünscht zu sprechen?
KARL STOCKMEYER: Ich habe das Statut gemacht, um eine Form des Zusammenarbeitens zu regeln. Wichtig war die Selbstständigkeit des Kollegiums in geistigen Dingen, als Korporation geistiger Arbeiter, wozu auch gehört die Anstellung und Entlassung der Lehrer. Es lag mir daran, die Form zu finden, die richtig ausdrückt, wie Dr. Steiners Stellung zum Kollegium sich darstellt.
Es ist nie gemeint, dass Herr Molt nur der Financier der Schule sein sollte.
RUDOLF STEINER: Wer wünscht weiter zu sprechen?
WALTER JOHANNES STEIN: Die «gemeinsamen Sorgen» sind durch Unklarheit entstanden. Es wäre gut, wenn Herr Molt selbst dazu sprechen wollte.
EMIL MOLT: Ich weiß darüber nichts. Ich wäre dankbar, aus dieser Unklarheit Klarheit zu machen.
WALTER JOHANNES Stein: Die Beziehungen der Waldorfschule zur Fabrik sind noch nicht klar. Ich bin selbst noch von der Fabrik angestellt.
PAUL BAUMANN: Im Statut ist zu sehr auf Einzelheiten eingegangen.
HERBERT HANN: Das Kollegium muss auch die Arbeit nach außen bewusst tragen.
KARL STOCKMEYER: Ich habe versucht, im Statut die Form für die Korporation geistiger Arbeit zu finden.
RUDOLF STEINER: Ja, nicht wahr, das Statut hätte ja irgendwie zu einem Beschluss führen müssen. Es war ja gedacht, dass es wohl hier in der Lehrerkonferenz als solcher beschlossen hätte werden sollen.
KARL STOCKMEYER: Es war gedacht worden, dass es Beschluss werden sollte. Aber es ist noch nicht in einer Konferenz vorgelegt worden, in der Dr. Steiner und Molt dabei waren. Es ist nur beiläufig besprochen, damit es in einer solchen Konferenz wie dieser zum Beschluss kommen könnte.
RUDOLFf STEINER: Mir ist es schwer, zu einem Statut Stellung zu nehmen, weil mir jedes Statut gleichgültig ist. Es kommt nur irgendetwas heraus - man kann die Sache nur so machen, wie sie von Tag zu Tag gefordert wird. Statuten sind notwendig der Außenwelt gegenüber, dass es nach etwas aussieht. Deshalb ist es mir immer schwer, zu einem Statut Stellung zu nehmen, weil es mir viel zu gleichgültig ist. Ich glaube nicht, dass durch irgendein Statut in einer Sache irgendetwas Wesentliches geändert werden kann.
Aber, nicht wahr, ich habe nicht gemeint, dass etwa das, was Sie nach Berlin telegrafiert haben, dass es ein vertrauliches Telegramm ist, so habe ich es besprochen, als ich Herrn Molt sah. Mir schien allerdings höchst bedeutsam, dass die Auffassung bestanden hat, dass dem Lehrerkollegium gekündigt worden ist.
WALTER JOHANNES STEIN: Diese Formulierung stammt von mir.
RUDOLF STEINER: Zweitens war mir das wichtig, dass Sie mir telegrafiert haben, das Kollegium stehe auf dem Boden der Grundlinien des Statuts. Ich habe nach Berlin bekommen das Telegramm /liest das Telegramm und den Brief vor]. Ich habe geglaubt, dass es der vorige Satz ist.
WALTER JOHANNES STEIN: Es wäre notwendig gewesen, Herrn Rudolf Steiner zu telefonieren. Das konnte man nicht, deshalb Telegramm. Die Lehrerschaft fühlte sich außerhalb der Bedingungen gestellt. Daraus ist die Formulierung gekommen. Herbert Hahn über das zweite Telegramm. Karl Stockmeyer über den Brief.
RUDOLF STEINER: Nicht wahr, klären kann es sich nur dadurch, dass aus dem Kreise der Freunde heraus [gesprochen wird], die auf dem Boden der Grundlinien stehen, dass wirklich gesprochen wird, sodass also nicht bloß die Meinung des Herrn Stockmeyer auf der einen Seite vorliegt, der mit dem Statut nur einen persönlichen Vorschlag machen wollte, auf der anderen Seite die Auffassung von Herrn Molt, der in dem Statut einen Angriff auf die Konstitution sieht. [So]dass vom Kollegium selbst gesagt wird, wie die Sache aufgefasst wird, wie man sich denkt, dass das werden soll.
PAUL BAUMANN: Als Hauptsache im Statut habe ich angesehen, dass wir bei geistigen Angelegenheiten uns zusammensetzen und besprechen, das Kollegium, in dem ich annehme, dass Herr Molt sitzt. Wir brachten es damals zum Ausdruck, dass vom Kollegium niemand insistiert auf den Ausdruck «wirtschaftlicher Berater»; wir sollten weiterreden.
EMIL MOLT: Es war immer so, dass die geistige Leitung im Kollegium lag. Es musste etwas Neues bedeuten, musste eine Spitze haben. Ich verstehe das erst, wenn mir jemand sagt: Da hast du deine Nase drinnen. Wer mich kennt, der weiß, dass es mir niemals einfällt, selbstherrlich einzugreifen. Ich habe es als selbstverständlich angesehen, dass niemand engagiert wird, ohne dass [die Entscheidung] bei Dr. Steiner liegt. [Dann noch wegen des Eurythmeums.]
MARIE STEINER oder EMIL MOLT: Vielleicht wäre es ganz gut, dass es zur Sprache kommt, dass es unmöglich ist.
RUDOLF STEINER: Das ist schon dasjenige, was ich gemeint habe. Es haben sich Dinge nach oben hin explodierend entladen in der Statut- und Expos£geschichte, welche im Leben ineinanderspielen. In den Statuten konnte man sie auseinanderhalten. Die Sorgen, die ich gemeint habe, sie sind so einzusehen. Nicht wahr, man kann lange diskutieren, ob es eine geistige Angelegenheit des Kollegiums ist oder nicht, sich um die Finanzen der Schule zu kümmern; man kann beweisen, es ist eine Angelegenheit des Kollegiums, sich um die Finanzen zu kümmern, dennoch gehört dazu das Gefühl einer gewissen Sicherheit, dass die Schule fortbestehen wird. Es lässt sich nicht ausschalten, das Gefühl der Sicherheit oder Unsicherheit über das Bestehen der Schule. Und den letzten Stoß hat das Ganze, was sich entladen hat in den letzten Tagen, es hat ja vorher schon geglimmt, den letzten Stoß hat es erfahren - das, glaube ich, scheint mir aus diesem Expose hervorzugehen, was Herr Stockmeyer geschrieben hat - durch das, was sich abgespielt hat am Ende des letzten Schuljahres in der Besprechung der nächsten Finanzierung der Waldorfschule. Diese Maßnahmen, die damals besprochen worden sind, die waren so, dass ich mir schon selbst sagte, ja, da kann man eigentlich nicht wissen, wie es schon nächste Ostern mit unserer Waldorfschule stehen wird. Nicht so sehr dadurch, weil das Geld nicht da ist; es ist selbstverständlich, dass wir mit nicht vorhandenem Geld denken müssen. [Aber] mir schien notwendig, dass auch eine Einigkeit mit den Lehrern der Waldorfschule über die Wege vorhanden sein muss, die einzuschlagen sind, um eine finanzielle Sicherheit für die Zukunft der Waldorfschule zu haben. Wenn man arbeiten soll als Lehrer mit der absoluten Unsicherheit in die Zukunft hinein, dann geht es nicht weiter. Mehr symptomatisch als etwas anderes ging das daraus hervor, dass wir am Ende des letzten Jahres es nicht dahin bringen konnten, uns eine Vorstellung darüber zu machen, wie wir eigentlich in diesem Herbst stehen in Bezug auf die zukünftige Aussicht der Waldorfschule. Ich selbst habe auch keine Vorstellung, wie wir stehen, wie wir die mehr als hundert aufzunehmenden Kinder fortbringen. Aber ich sagte mir auch, wenn wir auf diesem Wege fortfahren, stehen wir nächste Ostern ganz genau wiederum vor derselben Situation, und das, schien mir, hätte das Gefühl hervorgerufen, es sei nicht möglich, aus den bisherigen Beziehungen zwischen Waldorfschule, Waldorfschulverein und Lehrerkollegium irgendetwas darüber sich vorzustellen, was zu bestimmten, ordentlichen Vorstellungen über die Sicherheit der Schule führt. Das, scheint mir, ist mehr oder weniger geschickt eben dazugetreten. Man wollte einfach mit all diesen Dingen die Frage aufwerfen, wie kommen wir weiter.
Nicht wahr, als ich das Telegramm bekam, muss ich sagen, hatte ich eine große Sorge. Denn schen Sie, wenn wir eines Tages die Waldorfschule aufgeben müssen, so bedeutet das etwas, was unserer ganzen anthroposophischen Bewegung den Boden unter den Füßen entzieht. Die Waldorfschule muss etwas sein, was durch den eigentlichen Inhalt gelingen muss, weil es eine Probe aufs Exempel ist. Sie darf nur zugrunde gehen auf zwei Weisen: Erstens etwa dadurch, dass wir durch ein Schulgesetz nicht geduldet werden; das ist ein Zugrundegehen, das wir aushalten können. Zweitens darf sie zugrunde gehen, wenn die Welt uns nicht so viel Verständnis entgegenbringt, dass wir das, was wir machen können, finanzieren können. In dem Augenblick, wo wir sagen können, die Schule ist an dem Unverstand in Bezug auf die Finanzierung zugrunde gegangen, in dem Augenblick ist sie so zugrunde gegangen, dass wir bestehen können. Eine dritte Möglichkeit kann ich gar nicht denken.
Aber gerade diese dritte Möglichkeit ging aus den Vorgängen der letzten Tage hervor. Das war dies, dass innerhalb des Lehrerkollegiums, zu dem auch Herr Molt gehört, Differenzen entstehen könnten. Das wäre der Welt recht. Wir dürfen nicht die finanzielle Misere kaschieren und maskieren dadurch, dass aus irgendeinem anderen Grund die Waldorfschule gefährdet ist. Das war es, was mir vor Augen schwebte. Jetzt könnte etwas geschehen, etwas, was nicht geschehen dürfte. Während wir mit Ehre finanziell zugrunde gehen dürfen, dürfen wir absolut nicht auf eine solche Weise irgendwie unsere Stellung gefährden. Dadurch würde in einer sehr schlimmen Weise kaschiert werden gerade unsere finanzielle Misere. Deshalb scheint es mir auch, dass es viel besser ist, die Sache beim Namen zu nennen. Einfach aus der Sorge, was soll werden aus der Waldorfschule, scheint mir die ganze Geschichte hervorgesprudelt zu sein. Das geht daraus hervor, dass sich Stein und Hahn auf die Strümpfe gemacht haben, um eine Million zu sammeln, als schon längst klar war, dass die Millionen für die Waldorfschule verwendet werden sollen. Mir kommt vor, das, dass sie die Millionen nicht mitgebracht haben, das hat im Wesentlichen beigetragen, so scheint mir, die Unterbilanz, wenn es nicht eine Million gewesen wäre, sondern ein großes [?] Seelisches. Ich kann in all diesen Konflikten nichts anderes sehen als diese finanziellen Konflikte. Weswegen sollen wir darüber verbrämt reden? Wir haben wahrscheinlich mit einer gewissen Hetze zu rechnen, die entstanden ist, als Dr. Stein und Herr Hahn mit leeren Taschen zurückgekommen sind. Das scheint mir das Richtige.
HERBERT HANN glaubt auch, dass der Grund die gemeinsame Sorge ist: Es hat sich nicht gegen Herrn Molt gerichtet.
WALTER JOHANNES STEIN: Die Menschen sollten wohl etwas geben, aber es muss weiter gearbeitet werden.
RUDOLF STEINER: Es kann gar nicht die Rede [davon] sein, dass irgendetwas kritisiert wird. Es ist, nicht wahr, ja furchtbar schwer, diese Dinge zu behandeln, weil für das, was nötig wird, kein Interesse erwacht in unseren Kreisen. Ich bin ganz sicher, wenn Ihre Tätigkeit dazu geführt wird, dass vom «Kommenden Tag» verhandelt werden soll, dass der Steuerbehörde nichts in die Hand fällt - wir finden niemals die Möglichkeit, dass diese Dinge fortgesetzt werden. Wir haben bisher keine Möglichkeit gefunden, dass die Ideen, die tatsächlich umgesetzt werden könnten, [ausgeführt werden], weil sich die Menschen aus einer gewissen inneren Opposition einfach nicht darauf einlassen, die finanzielle Verwirklichung unserer Ideen zu besorgen. Die Leute lassen sich darauf ein, allerlei konfuse Geschäfte zu machen, aber es besteht eine gewisse innerliche Opposition gegen das Arbeiten in unserem Sinne. Am meisten macht es sich geltend bei den Menschen, die amtlich berufen wären, sich sachlich damit zu befassen. [Das] gehört zu unseren wesentlichen Sorgen. Daraus folgt umso mehr, dass wir es selbst machen müssen. Dann muss die Fortführung durch uns gemacht werden.
EUGEN KOLISKO: Der Versuch, die Schule von der Waldorf-Astoria zu lösen, hat sich auf Herrn Molt übertragen, was ein Missverständnis ist. Das Kollegium, zu dem Herr Molt auch gehört, repräsentiert die Waldorfschule. Das Verhältnis der Konferenz zum Waldorfschul verein und zur Waldorf-Astoria ist bis heute noch nicht klar. Der Konflikt ist nur ein Ausdruck dafür, dass das Kollegium die Leitung selbst in die Hand nehmen will.
RUDOLF STEINER: In gewisser Beziehung haben wir des Pudels Kern gefangen. Es handelt sich darum, dass das Kollegium jederzeit bereit sein wird, [in] allem, was sich aus dem historischen Verhältnis ergibt, ganz mit Herrn Molt zu gehen, [dass es] aber mit der Waldorf-Astoria nichts zu tun haben will. Das ist die tatsächliche Praxis, die, was mich betrifft, befolgt worden ist. Ich wollte alles mit Herrn Molt zu tun haben, aber ich konnte schon aus dem Grunde mit der Waldorf nichts zu tun haben, weil die mit mir nichts zu tun haben will. Das wäre [das], was eine Schwierigkeit ist. Und über diese Schwierigkeit müsste schon in einer geschickteren Form hinweggekommen werden und in positiver Weise. Dass wir also nicht nur sagen, wir nehmen die Sache in die Hand, sondern dass wir der Sache eine Form geben, wie wir das in die Hand nehmen.
Da handelt es sich darum, dass Sie doch nicht außer Acht lassen, was wir am Ende des ersten Schuljahres hatten: eine so von mir oft erwähnte geistige Überbilanz, die auf das Konto des Lehrerkollegiums [kam], und eine absolute pekuniäre Unterbilanz, die scharf in Gegensatz dazu gestellt werden muss. Sodass man sagen muss: Verständnis ist der Waldorfschulsache entgegengebracht worden [vonseiten des Kollegiums]; Nichtverständnis ist vonseiten derjenigen entgegengebracht worden, die hätten eintreten müssen, um die selbstverständlich beschränkten Mittel derjenigen [zu ergänzen], die innerhalb des Kreises, der bei uns wirksam ist, selbst etwas tun können. Ich habe selbst am Ende des letzten Schuljahres betont, dass zum Beispiel das Haus ja nicht eine Schenkung der Waldorf-Astoria, sondern des Herrn Molt war.
Was meine persönliche Meinung betrifft, so ist es die, dass der Waldorf-Astoria die ganze Schule ein Gräuel ist, und dass Herr Molt viel Mühe hatte, diesen Gräuel zu überwinden, um seine persönliche Herzenssache in Einklang zu bringen. Das sind schon die Schwierigkeiten. Das lagert sich schon in einer Stimmung ab, in dem Bestreben nach Loslösung von der Waldorf-Astoria. Das ist schon etwas, was voraussetzt, dass Herr Molt ins Kollegium gehört als Protektor der ganzen Schule, und ganz und gar nicht [nur als] Financier. Financiers wären auch Stockmeyer, Stein und Hahn geworden.
Wenn das vorausgesetzt wird, können wir auch auf einem gesunden Boden objektiv über die Sache reden. Es sollte nur der Wille vorhanden sein, Herrn Molt mit sich zu identifizieren und nicht mit der Waldorf-Astoria. Wenn wir uns auf diesem gesunden Boden bewegen, werden wir uns besser verstehen. Das scheint mir des Pudels Kern zu sein; Die Sehwierigkeiten werden immer: größer: werden; wenn wir nicht versuchen, auch finanziell auf einen gesunden Boden zu kommen, also aus uns selbst heraus. Ich sehe keine andere Möglichkeit, als dass wir durch uns selbst auf einen gesunden Boden kommen.
EMIL MOLT: Wenn die Schule nicht über den ursprünglichen Rahmen hinausgewachsen wäre, so wären diese Schwierigkeiten nicht entstanden. Die Schule ist vom Kultusministerium erlaubt worden auf das Renommee der Waldorf-Astoria hin; deren Renommee besteht weiter.
MARIE STEINER: Dann steht Renommee gegen Renommee! Damals war es ein Druck der Kalamität. Soll das Renommee der Geistesbewegung geopfert werden dem Renommee der Waldorf-Astoria?
Zwischenruf: Aufgenommen wurden die Kinder nicht von der Waldorf-Astoria.
MARIE STEINER: Nun war die Klippe da. Der Fehler ist gegen die ausdrückliche Meinung von Dr. Steiner begangen worden. Jetzt muss es dem Renommee der geistigen Bewegung geopfert werden. Es scheitert am [mangelnden] Interesse der Menschheit. Wird es verschleiert, dass es scheitert am Interesse der Menschheit, dann muss das Renommee der geistigen Bewegung geopfert werden.
EMIL MOLT: Der Fehler liegt vielmehr an mir als an meiner Firma.
RUDOLF STEINER [zu Emil Molt]: Wir können herauskommen, wenn wir von Voraussichten reden; durch die scheint mir die Sache doch eine andere Basis zu bekommen. Es ist gegenüber dem, was über die Waldorf gesagt wird, schon notwendig, dass Sie selbst in Schutz genommen werden gegenüber der Meinung der Waldorf-Astoria. Es ist nicht ganz richtig, dass die [Schule] abhängig gewesen wäre von den Waldorf-Astoria-Kindern. Wir hätten eine solche einfach aufrichten können mit anthroposophischen Kindern. Sie wäre ganz sicher auch gelungen. Worauf der besondere Wert zu legen ist, ist, dass Sie als der Erste in der ganzen Gesellschaft diese Sache der Schulgründung in die Hand genommen haben. Das hat gar nichts zu tun mit der Waldorf-Astoria, sondern nur mit Ihrer Persönlichkeit. Ich sehe nicht ein, warum Sie sich mit der Waldorf identifizieren. Die hätte nichts davon verstanden. Dies war Ihre persönliche Gründung. Deshalb habe ich gesprochen von der Gründung des Herrn Emil Molt. Bei mir sind die Dinge absolute Absicht. Dass das gerade Arbeiterkinder waren, das lag rein an den Umständen, wie die soziale Bewegung [1919] inauguriert worden ist. Dasjenige, was als Vertrauensfrage vorliegt, ist Ihr Vertrauen zur anthroposophischen Sache. Aus der heraus ist die Sache gekommen. Ich glaube nicht einmal, dass so, wie die Sache damals bestand, auf das Vertrauen zu Ihnen hin das württembergische Ministerium weniger sich für die Schule herbeigelassen hätte als auf das Renommee der Waldorf-Astoria hin. Dies ist notwendig, dass das stramm festgehalten worden wäre.
Es ist das etwas, was in gewisser Weise berechtigt war: sich loszulösen von der Waldorf-Astoria, weil man unter allen Umständen in die Sache hineinkommen musste. Das war nicht wünschenswert. Wenn wir [die Schule] vor die Welt hingestellt haben, so war meine Absicht nicht, sie auf eine Waldorf-Astoria-Schule zu beschränken, sondern der Welt klarzumachen, dass sie etwas tun soll, dass es nicht eine Waldorf-Astoria-Schule bleibt. Die Waldorf-Astoria würde nach ihrer eigenen Meinung, so, wie heute die Stimmung ist, [zufrieden sein], wenn Sie eines Tages sagen würden, wir schmeißen die Schule hinaus. Vielleicht würde damit das Renommee der Waldorf-Astoria gehoben werden können. Vielleicht sinkt dieses Renommee bei ge wissen Leuten unter dem Einfluss der Gründung. Einen gewissen Grund, die Waldorf als solche mit der Schule in Verbindung zu bringen, haben Sie eigentlich nicht. Denn tatsächlich, für uns sind Sie die Persönlichkeit, die verstanden hat, eine Initiative zu entfalten, dass [wenn?] es eben ein persönliches Verhältnis zu Ihnen sein muss. Es kommt mir so vor, dass wir mit Ihnen alles zu tun haben wollen, und mit der Waldorf nichts zu tun haben wollen. Ich glaube nicht, dass wir die Sache dadurch wenden sollen, dass wir uns darauf festlegen. Stellen Sie sich vor, es stünde Herr Marx auf Ihrem Posten, so würde der Kulturfonds nicht um 80000 Mark erweitert worden sein. Das hat ja nichts zu tun mit der Waldorf-Astoria, sondern nur mit Ihnen. Daher [wurde diese Summe], um diesen unpoetischen Ausdruck zu gebrauchen, abgeknöpft, und nicht die Waldorf-Astoria hat das Wohlwollen gehabt, das zur freien Verfügung zu stellen.
EMIL MOLT: Man darf nicht verkennen, wie stark ich mich identifiziere mit dem Geist der Waldorf-Astoria.
RUDOLF STEINER: Was ist denn das?
EMIL MOLT: Jüngst gestorbene Persönlichkeiten haben an der Waldorf-Astoria gehangen. Das ist die geistige Konfiguration. Marx kommt von außen herein.
RUDOLF STEINER: Auch diese Dinge hängen an Ihnen persönlich. Das Geld kommt von den Aktionären. Alles das kommt von Ihnen persönlich, Ich würde verstehen, dass Sie eine gewisse Abneigung hätten, wenn das Erträgnis, was ich durchaus der Überzeugung bin, dass das Erträgnis von Ihnen kommt. Dass dasjenige, was die Waldorf groß gemacht hat, von Ihnen kommt. Ich würde begreifen, dass Sie sich sagen, ich pfeife auf diese ganzen Aktionäre, die mir eigentlich das, was sie haben, abknöpfen. Diese Stimmung würde ich begreifen.
EUGEN KOLISKO: Wir müssen aus dieser Beschränkung auf die Waldorf-Astoria hinauskommen. Wir in der Waldorfschule haben es zu tun mit einer Weltbewegung.
KARL STOCKMEYER: Es war unmöglich, die anthroposophischen Kinder nicht aufzunehmen. Auch als Schule bloß für die Waldorf wäre die Finanzierung bei den heutigen Verhältnissen nicht mehr möglich gewesen. Für das Ansehen der Schule ist es nicht gut, dass vieles Geschäftliche von der Waldorf-Astoria mit erledigt wird.
RUDOLF STEINER: Wie viele haben wir Waldorfkinder? Wie viele andere Kinder?
KARL STOCKMEYER: [164 Waldorfkinder, 100 [Kinder von] Anthroposophen, 100 fremde.]
RUDOLF STEINER: Jetzt ist die Verhältniszahl der Realität nach die denkbar ungünstigste. Wäre natürlich in Stuttgart freier Zuzug, dann würden die Anmeldungen gerade zahllos sein. Das ist kein Zweifel. Es kommen außerordentlich viele Anfragen, die nicht zur Erledigung führen, weil die Kinder keine Wohnung finden. Die Leute können die Kinder nicht herschicken, [sonst] würden sehr viele Auswärtige kommen. Vorläufig steht die Sache so, dass es für die Wirksamkeit der Schule nach außen ungünstig ist. Dagegen wäre gerade jetzt der Zeitpunkt gewesen [zu sagen], wir nehmen die 100 Kinder nicht auf aus dem Grunde, weil wir kein Geld haben. Am Ende des letzten Schuljahres, da hätten wir es tun können.
KARL STOCKMEYER: Inwiefern ist das Zahlenverhältnis so ungünstig?
RUDOLF STEINER: Wenn wir 164 Waldorfkinder haben, 250 andere Kinder, dann wäre es keine Waldorfschule, dann hätte es aufgehört. Wenn wir aber noch 250 Waldorfkinder haben, dann ist es eine Waldorfschule. Das ist natürlich ungünstig. Wenn die Waldorf die 50 Kinder finanziert, dann wäre es gut.
MARIE STEINER: Dann ist es gestern entschieden worden.
RUDOLF STEINER: Dann würden wir dieses Schuljahr zu eröffnen gehabt haben statt mit 465 mit 365 Kindern in den alten Räumen.
KARL STOCKMEYER: Das würde in den alten Räumen nicht gegangen sein.
RUDOLF STEINER: Dann würde die Sache reinlich zum Ausdruck gekommen sein. Dann hätten wir sagen können, die Waldorf-Astoria bezahle die Klassen.
KARL STOCKMEYER: Die Schwierigkeit liegt nicht in den Zahlenverhältnissen der Kinder, sondern in der Notwendigkeit der Klassen[räume].
RUDOLF STEINER: Das hat mit der Sache nichts zu tun. Zwei Klassen hätten dazukommen müssen. Es kommt zunächst darauf an, wie sich im Waldorfschulverein herausstellen wird, was die reale Bilanz ist.
KARL STOCKMEYER: Es ist eine vorbereitet.
RUDOLF STEINER: Es sind immer die Sachen in Vorbereitung! Das sagt man mir bis zur letzten Stunde meiner Abreise. Wir müssten in Bezug auf diese Dinge dahin kommen, dass die Sachen im Stadium der Vorbereitung sind während der Zeit, bis ich ankomme. Alle finanziellen Dinge sind immer in Vorbereitung, wenn ich abreise. Gewöhnlich auch, wenn ich zurückkomme.
Es ist ohne Weiteres klar, dass es auf finanzielle Fragen hinausläuft.
KARL STOCKMEYER: Das Ergebnis der Bilanz kann man zum Ausdruck bringen: 200 000 M.
RUDOLF STEINER [auf eine Äußerung Molts]: Was ist ein aktiver Posten darinnen?
MARIE STEINER: Auch die Summe des Beitrages vom Eurythmeum?
EMIL MOLT: Auch die.
RUDOLF STEINER: Meiner Meinung nach müssen wir alle Posten, die für das Eurythmeum bestimmt sind, für die Waldorfschule verwenden. Ich kann nicht sagen, es ist unmöglich. Sie müssen sich selbst die Hörner ablaufen. Ich wusste ganz genau, dass es unmöglich ist. Aber Sie müssen es selbst sehen. Es war eine absolute Illusion, was aus den Büchern des «Kommenden Tages» zusammengepickt worden ist für das Eurythmeum. Es waren lauter Summen, die es gar nicht gibt. Außerdem war mein Bestreben, dass diese Summen, insofern sie verwendbar sind, allmählich doch für die Waldorfschule verwendet werden müssen. Ich konnte mir auch nicht gleich vorstellen, dass erst das Eurythmeum gebaut wird, und dass die Waldorfschule genügend bekommt.
[Alles Folgende, bis zum Ende der Konferenz, stammt aus einem anderen Notizbuch Karl Schuberts, gehört aber wahrscheinlich zu dieser Konferenz.] Ich meine, es ist alles darin. Es waren dazumal in der Verlesung von Leinhas gewisse Posten, die zum Eurythmeum gehörten, für die Waldorfschule herübergenommen. Es war mir klar, dass die anderen Posten in sehr großer Bälde für die Waldorfschule notwendig sein werden. Ich habe alles dafür [getan?], dass sie verwendet werden.
Schließlich werden [wir] doch jetzt, nachdem die Sache angefangen hat, nicht so leicht stoppen, wie wir es hätten tun können am Ende des letzten Schuljahres. Wir stehen nächste Ostern vor derselben Situation. Wir müssen Geld schaffen. Das ist, was da für das Eurythmeum da war, das geht hinein. Die 200000 M sind nur ausgerechnet, aus denen werden doch 400000 M. Dass die Waldorfschule weiter finanziert werden muss, das ist schon klar. Da fragt es sich aber, ob wohl der Waldorfschulverein die entsprechende Behörde sein kann. Nach seiner bisherigen Fähigkeit ist er es nicht.
RUDOLF TREICHLER: Wäre es nicht ein Weg, den Eltern, die jetzt ihre Kinder anmelden, zu sagen, wir haben nichts mehr?
RUDOLF STEINER: Das ist eine Art Skandal. Nächste Ostern können wir es schon machen. Besser ist es, wenn wir schauen, dass wir Geld bekommen.
HERBERT HANN: Dürfte man nicht sprechen von positiven Mitteln?
RUDOLF STEINER: Wenn man die Sache auf eine allgemeinere Basis stellen könnte! Wenn die Wege gefunden werden könnten, so wäre es gut. Man möchte auch gern etwas tun bei dem jetzigen Hochschulkurs in Dornach. Es muss die Schulangelegenheit auf einer anderen Basis betrieben werden.
HERBERT Hann: Könnte man nicht gleich die Form finden?
RUDOLF STEINER: Sehen Sie, ich habe Ihnen gesagt, am wenigsten bekommt man Geld für Dornach. Am leichtesten für ein Sanatorium. [Dazwischen] könnte man Geld bekommen für ein Schulwesen. Wir haben einen praktischen Fall gehabt in Dornach, wo wir sehen konnten, es bestand bei einer Gruppe von Menschen nicht das geringste Interesse, für Dornach viel zu tun. Als ein anderer Mensch gekommen war, um etwas Sanatoriummäßiges zu gründen, da war es etwas, was mit dem größten Interesse aufgenommen worden ist. Da waren alle wie Quecksilber. Alles in England in Bewegung zu setzen, das ist etwas, weil bei uns niemand den Mut findet, der Welt zu sagen: Ihr tut euch groß, wenn es euch darauf ankommt, euch als Wohltäter von Europa zu erweisen. In dem Augenblick, wo es sich um so etwas handelt, bekommt man Geld. Mitten darinnen würde das Schulwesen liegen. Da würde man wissen, die Wege zu finden, wenn aus dem, was wir bisher gegründet haben, uns eben nicht fortwährend die Hindernisse in den Weg gelegt werden. Es handelt sich darum, [dass] alle Leute, die bei uns arbeiten, zusammenwirken müssen, und keine solche innere Opposition entgegengestellt werde, wie es jetzt geschieht.
Vorläufig haben wir alle den guten Willen, Bücher zu führen über dasjenige, was bei uns ausgegeben wird, aber keine Meinung, dass auch etwas eingenommen wird. Leute erklären sich bereit, ganze Nächte zu arbeiten, wenn es darauf ankommt, die Gelder auszugeben. Aber dasjenige, was vor allen Dingen notwendig wäre, dass etwas eingenommen wird, da findet man eine innere Opposition.
HERBERT HANN: In der Außenwelt wäre ein Verständnis vorhanden. Die heutige Weise genügt nicht, es müsste viel produktiver geschehen.
RUDOLF STEINER: Es kann nicht geschehen. Wenn wir nicht unsere finanziellen Angelegenheiten auf eine gesundere Basis stellen, ist man nicht mehr imstande, den Leuten Geld abzunehmen. Wir müssen Leute finden, die uns das Geld verwalten, das wir den Leuten abknöpfen. Vorläufig finden wir keine anderen Menschen als diejenigen, die zum Schreiben von fünf Ziffern ein neues Amt schaffen wollen. Das ist innerhalb des Lehrerkollegiums gesagt. Es darf nicht eine Fama werden. Aber die anthroposophisch treulichen Mitarbeiter müssen wissen, wo die Sorge besteht. Die Sorge für die Schule hängt mit dem anderen innig zusammen. Wir haben einen außerordentlichen Mangel an Leuten, die geschäftsmäßig etwas führen können. Daran kranken wir. Wir brauchen nicht in der Misere zu stecken. Das weiß Herr Molt ebenso gut wie ich. Er leidet furchtbar. Er wird erdrückt von der absoluten Unmöglichkeit, zur Erweiterung der Arbeit auf wirtschaftlichem Gebiet Persönlichkeiten zu finden, die es können.
Die Schule ist Ihr Verdienst. Ich bin immer dankbar, weil ich für die Öffentlichkeit, Menschen kennenzulernen, dankbar bin. Wenn ich Ihre Kollegen in der Leitung der Waldorf kennenlerne, dann habe ich erst recht das Gefühl, wie die nicht einmal im Schlaf daran denken würden, etwas zu tun. Wenn die nicht da wären, hätten wir Geld. [Es folgt eine nur fragmentarisch überlieferte Stelle.]
EMIL MOLT: Das lässt sich nicht so ausdrücken. Das lässt sich nur selbst erleben.
RUDOLF STEINER: Das ist ein Amtsgeheimnis. Wir werden sehen, dass wir eine kurze Sitzung des Kollegiums haben können, aber erst müssen wir die Sitzung des Vorstandes des Waldorfschulvereins haben. Dann wollen wir ansetzen eine Sitzung des Kollegiums, damit die Sache in Ordnung kommt auf irgendeine Weise.
Darin liegt eine Tragik vor, die sich mindestens für das Lehrerkollegium sehr schwer überbrücken lässt, weil das Lehrerkollegium sich sagt: Ja, Gott, was geht uns das an?
Sie haben sich doch passiv dazu verhalten. Wenn man in der Öffentlichkeit von der Waldorf als solcher redet, dann kann man es nicht ändern. Wenn man aber redet von der Waldorfschule, dann muss man es trennen. Die haben nicht die Mittel gegeben. Sie haben es ihnen doch abgeknöpft. Sie haben sich einverstanden erklärt, wie man sich als Vater einem Sohn gegenüber einverstanden erklärt, der zu viel ausgibt. Schließlich liegt die Sache doch so! [Es folgt ein Wortwechsel mit Emil Molt über die Waldorf-Astoria.]
BERTA MOLT: Ich weiß eine Möglichkeit [Geld zu beschaffen], dürfen wir darüber sprechen?
WALTER JOHANNES STEIN: Das Geld schaffe ich Ihnen in einer Stunde, wenn Sie die Aktien auf den Tisch legen.
EMIL MOLT: Ich habe schon 30%. Wenn der «Kommende Tag» flöten geht und kein Geld hat. Heute bin ich schon auf dem Weg zu 40%. Der «Kommende Tag» ist nicht bereit dazu. Die anderen Dinge spielen hinein.
RUDOLF STEINER: Es ist jetzt so schwer, die Dinge auf eine gesunde Basis zu stellen. Durch die verwirrende Konstruktion erschien ein Posten, der hier in den Büchern stehen müsste, wenn er von Rechts wegen behandelt würde, der erschien in Dornach in den Büchern des Futurums. Das geschieht dadurch, nichts klar zu haben. Von diesen Dingen wird man überrascht. Ich habe es ausdrücklich gesagt: diejenigen, die es können und die nicht wollen.