120. An Unsere Leser
In der Absicht, das «Magazin» in dem Geiste fortzuführen, den der scheidende Herausgeber in obigen Abschiedsworten andeutet, übernehmen wir die Leitung der Zeitschrift. Ein Bild des geistigen Lebens der Gegenwart im umfassenden Sinne des Wortes wünschen wir den Lesern des «Magazins» zu bieten. Alle bedeutenden Erscheinungen auf dem Gebiete der Literatur, Kunst, Wissenschaft und des sozialen Lebens werden in diesem Blatte ihre Beleuchtung finden. Beiträge von Dichtern und Schriftstellern werden das Kunstleben der Gegenwart abspiegeln.
Ohne einseitig Strömungen zu begünstigen, möchten wir der fortschreitenden Entwicklung dienen. Wir werden unsere Spalten stets offen halten für neue Richtungen und Bestrebungen. Niemals wird der Dilettantismus im «Magazin» eine Stätte finden; aber immer werden wir uns bemühen, individuellen Äußerungen, wenn sie auf gediegenen Grundlagen beruhen, volles Verständnis entgegenzubringen.
Im Geiste der lebendigen Gegenwart, aber nicht minder im Geiste echter Kunst und Wissenschaft gedenken wir das «Magazin» zu leiten. Dem ehrlichen künstlerischen Schaffen, dem freien, rückhaltlosen Urteile möchten wir ein Organ liefern.
Wir finden den Boden für unsere Bestrebungen durch das ausgezeichnete Wirken des bisherigen Herausgebers und seiner Mitarbeiter in der besten Weise vorbereitet. Daß das schöne Verhältnis, in dem er zu seinen Mitarbeitern und Lesern steht, auch auf uns übergehe, ist unser sehnlicher Wunsch. Das «Magazin» war uns schon bisher, da wir ihm nur als Freunde und aufmerksame Leser gegenüberstanden, eine wertvolle Zeitschrift. Um so mehr treten wir jetzt mit Lust und vielem gutem Willen, auch mit den besten Zukunftshoffnungen an unsere Aufgabe heran. Daß sich der scheidende Herausgeber auch fernerhin als lieber Gast einstellen wird, gereicht uns zur innigsten Freude und wird auch in den Kreisen unserer Leser besonders dankbar begrüßt werden.
Unser Verleger, Herr Erzil Felber, steht dem einen Herausgeber (Steiner) seit Jahren geschäftlich und freundschaftlich nahe. Seine bisherige ausgezeichnete verlegerische Tätigkeit ist besonders geeignet, die besten Erwartungen für die Zukunft des Blattes zu erregen.
Rudolf Steiner
Otto Erich Hartleben