121. Alfred Von Arneth

Der am 29. Juli verstorbene Geschichtsforscher Alfred von Arneth war eine jener liebenswürdigen, vornehmen Persönlichkeiten, die in Österreich so recht an ihrem Platze waren, solange dieser Staat von Wien aus zentralistisch-bureaukratisch regiert werden konnte. Seit sich die einzelnen Völker regen und ihre Sondergelüste stürmisch geltend machen, fühlen sich diese Persönlichkeiten unbehaglich. Die gelassene Ruhe und Würde, mit der sie lebten, stimmt nicht zu dem lauten Tone, mit dem jüngere Elemente die Rechte ihrer Völker fordern. Väterlich, patriarchalisch wollten die Alten für die Völker sorgen und in der Stille ernster Arbeit nachgehen. Feierlich und gemessen war alles, was sie taten. Der Zylinderhut und der lange schwarze Rock kleideten sie am besten. Etwas Objektives, Leidenschaftloses war ihnen eigen. In Arneth wohnten allerdings dadurch zwei Seelen, daß er der Sohn der einstigen Braut Körners Antonie Adamberger war. Dadurch kam ein Stück Romantik in sein Wesen. Aber . der abgeklärte Gelehrte, der ruhige, kühle Politiker war doch vorwiegend. Als mustergültig werden Arneths historische . Werke angesehen: «Die Geschichte Maria Theresias», «Beaumarchais und Sonnenfels», «Josef II. und Katharina von Rußland». Von echter altösterreichischer, aber auch freiheitlicher Gesinnung zeugen seine Reden in den verschiedenen Vertretungskörpern. Österreich muß mit Betrübnis Männer wie Arneth dahinsterben sehen, denn mit ihnen geht immer zugleich ein gutes Stück seiner erprobten alten Traditionen zu Grabe.

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