133. Ankundigung Für Das Jahr 1899
Mit diesem Hefte beginnt das « Magazin für Literatur» seinen 68. Jahrgang. Von einer Zeitschrift, die das geistige Leben der gebildeten Welt vom Todesjahre Goethes bis nahe an die Jahrhundertwende begleitet hat, darf wohl behauptet werden, daß sie von Vielen als eine Notwendigkeit empfunden wird. Durch zwei Eigenschaften hat es diese Zeitschrift immer versucht, die Aufgaben einer wahrhaft modernen Revue zu lösen: durch Vielseitigkeit und Vorurteilslosigkeit.
Ihre Vielseitigkeit hat sie dadurch zu erreichen gestrebt, daß sie sich nicht auf die Behandlung der belletristischen Literatur beschränkt, sondern die Gesamtheit des modernen Geisteslebens in den Kreis ihrer Betrachtungen einbezogen hat. Die Entwicklung der einzelnen Wissenschaften, die sozialen Strömungen der Gegenwart, in letzterer Zeit auch die moderne Frauenbewegung, das Kunst- und Theaterleben wurden in gebührender Weise verfolgt.
Die Vorurteilslosigkeit kam dadurch zur Geltung, daß sich die Leitung des Blattes niemals in einseitige Schulmeinungen einschnürte, die so oft zur Verkennung neu auftauchender Richtungen führen, sondern daß sie sich stets einen offenen, freien Sinn zu bewahren suchte für jede geistige Strömung, die auf dem Horizonte des Lebens auftaucht. Der Leiter der Zeitschrift will ein aufmerksamer Beobachter sein und mit prüfendem Auge auf seiner Warte verfolgen, was sich auf allen Gebieten des Kulturlebens abspielt.
Nach beiden Richtungen hin wird das «Magazin für Literatur» seine Ziele weiter verfolgen und bestrebt sein, der gestellten Aufgabe durch Erweiterung des Kreises seiner Mitarbeiter immer mehr gerecht zu werden.