Anthroposophical Spiritual Science and Medical Therapy

GA 313 — 17 April 1921, Dornach

Siebenter Vortrag

Indem ich mich nun zur Heilmittellehre wende, möchte ich bemerken, daß auch mit Rücksicht auf dasjenige, was wir schon an Heilmitteln zu inaugurieren versuchten, das auch besprochen werden soll; dann im Speziellen bemerke ich, daß es mir natürlich nicht von Interesse ist darzulegen, wie sich in mir die Gedanken ausbilden, daß das eine oder das andere ein Heilmittel sein kann, sondern daß Sie gewissermaßen dazu kommen, diese Verwendung irgendeiner Substanz als Heilmittel zu durchschauen. Also ich möchte gewissermaßen, daß die Anschauung, die sich entwickeln muß über eine gewisse Substanz, in der eigenen Seele sich abspielen kann, wenn diese Substanz Heilmittelwert haben soll. Deshalb möchte ich sozusagen heute die Besprechung so einrichten zunächst, daß wir gewissermaßen Probeerwägungen durchmachen, wie man zu der Anschauung kommt, daß irgend etwas ein Heilmittel sein kann. Voraus muß natürlich bemerkt werden, daß eine Grundlage dazu die ist, daß man die hauptsächlichsten Prinzipien der anthroposophischen Menschenkunde kennt. Denn nur dadurch wird die richtige Interpretation des Heilmittels entstehen, wenn man gewissermaßen von unten her angefeuert ist, die ganze Erwägung im anthroposophischen Sinne anzustellen. Sie werden deshalb auch sehen, daß dasjenige, was ich in den letzten Tagen gesagt habe, in dasjenige einfließt, was wir gewissermaßen heute als einige Probeerwägungen anstellen.

Gehen wir davon aus, daß es sich insbesondere an der Pflanze studieren läßt, wie die Wechselwirkung der Umgebung des Menschen und des Menschen selber ist. Man wird auch gerade dadurch, daß man die Prozesse zunächst an dem Pflanzlichen sich zu eigen macht, dann den richtigen Einblick in die Fortsetzung der Mineralisierungsprozesse in das Innere des Menschen bekommen können. Wenn man eine solche Erwägung anstellt — und das geht ja natürlich aus alledem hervor, was wir wiederum in den letzten Tagen auch betrachtet haben -, muß man sich klar sein darüber, daß in dem ganzen Pflanzenbildungsprozefß, in dem Gestaltungsprozeß nach Wurzeln, Blättern, Blüten, Samen und so weiter etwas liegt, was aus dem ganzen Kosmos heraus sich gestaltet, und daß man diesen Prozeß, der im besonderen hintendiert zum Pflanzengestalten, auch zum inneren Pflanzengestalten, nicht durch eine künstliche Synthese etwa bloß, also durch eine chemische künstliche Synthese ersetzen kann. Mindestens in den allerwenigsten der Fälle kann man ihn in dieser Weise ersetzen. Man muß sich zum Beispiel über das Folgende klar sein. Wenn man es mit der Wurzel der Pflanze zu tun hat, dann hat man es mit demjenigen zu tun, was im Pflanzengestaltungsprozesse an die mehr oder weniger inneren Oberflächenkräfte der Erde gebunden ist. Der Mensch ist nun geistig-seelisch ein Wesen, das pflanzenartig von oben nach unten wächst. Sein Haupt birgt viele derjenigen Kräfte, die in Wechselwirkung stehen mit den Kräften der Erde selbst, und es ist eine tiefe Verwandtschaft desjenigen, was in der Pflanze wurzelhaft sich gestaltet, zu all demjenigen, was die Kräfte des menschlichen Hauptes sind. Man wird also immer, wenn man sich aufzuklären hat über den Prozeß, der sich im Wurzelhaften der Pflanze abspielt, zu denken haben, daß dieser Prozeß im Wechselverhältnis steht zum menschlichen Haupte. Wir wollen jedoch einmal an Einzelheiten die Erwägungen anstellen, damit Sie sehen, wie man solche Erwägungen anzustellen hat. Betrachten wir einmal einfach, sagen wir die Wurzel des Enzians, Gentiana lutea, und sagen wir uns das Folgende: Der Enzian, er ist eine Pflanze, welche sich nach außen sehr stark blütenhaft äußert. Wir werden also in der Wurzel Kräfte haben, welche sich schon sehr stark nach dem Blütenhaften zu ziehen, mit anderen Worten: diese Wurzelkräfte sind etwas schwach. Es wird vom Enzian viel ausgegeben nach dem Blütenhaften und Blätterhaften hin. Dennoch aber zeigt die ganze Formung der Blüte, daß das Wurzelhafte noch stark vorhanden ist. Wir werden also nicht unbedingt rechnen können darauf, daß der Enzian eine starke Wirkung auf dasjenige ausübt, was in der menschlichen Organisation vom Kopf als unmittelbar Kopfmäßiges ausgeht, nämlich als physische Außenwirkungen, sondern wir werden von ihm zu erwarten haben, daß er vorzugsweise auf dasjenige wirkt, was vom Kopfe aus als atmungfördernd wirkt. Und da immer im Organismus polarisch gewirkt wird, so haben wir uns vorzustellen, daß vorzugsweise die Verdauungsorgane selber in ein stärkeres Atmen in dem gestern ausgesprochenen Sinne kommen, wenn wir die Wurzeln des Enzians verwenden. Wir regen also Magen und Darm zu einer regen Atemtätigkeit an, müssen uns aber jetzt überlegen, was wir erfahren haben in diesen Vorträgen, daß zur Anregung dieser Atmungstätigkeit die pflanzliche Substanz weiter verarbeitet werden muß, das heißt, wir müssen die Wurzeln abkochen. Wir müssen die Abkochung der Wurzeln verwenden. Sie sehen, man kann das Ganze richtig durchgehen. Nun geht man zunächst etwas aufs Äußere. Man sagt sich, die Enzianwurzel hat einen bitteren Geschmack, einen starken Geruch, das ist also etwas, was auf das Astralische sehr stark wirkt. Wir haben es also zu tun mit einer Wirkung auf die astralische Wesenheit in den Verdauungsgebieten des Menschen. Nun aber ist die Enzianwurzel zuckerhaltig. Sie werden sich erinnern, daß ich wiederholt bei verschiedenen Anlässen darauf hingewiesen habe, wie in der Zuckerverarbeitung beim menschlichen Organisationsprozeß eine starke Anregung der Ich-Tätigkeit liegt. Das können Sie ja auch äußerlich statistisch, sagte ich, öfter studieren daran, daß zum Beispiel Völker, welche wenig Ich-Tätigkeit haben, wie die östlich-europäischen, die russischen Völker, bei denen das Ich zurücktritt, eine sehr geringe Zuckermenge in ihrem jährlichen Verbrauch als Volk haben, während bei den Engländern, bei denen das Ich eine außerordentlich rege Tätigkeit entwickelt, also überhaupt je weiter wir nach Westen kommen, der Zuckerverbrauch desto stärker in den Statistiken auftritt. Also, solche Dinge sind durchaus zu berücksichtigen, wenn man überhaupt zu einer Erkenntnis in der Welt kommen will.

Dann ist aber die Enzianwurzel reich an fetten Ölen. Fettes Öl, das ist dasjenige, was nun wiederum, ich möchte sagen, wenn es in die Verdauung übergeht, stark auf die untere Atmung wirkt, denn es stärkt das fette Öl die Beweglichkeit, die innere Beweglichkeit von Magen- und Darmorganen. So also sehen Sie, wie man sich förmlich beschreiben kann, was da im menschlichen Organismus vor sich geht, und man merkt ja gleich, daß die astralische Tätigkeit angeregt wird, daß also die Atmungsbeweglichkeit des Magens und des Darmes angeregt wird, so daß man sich sagen kann: Der Darm entwickelt eine regere Tätigkeit, der Magen wird gestärkt. Es wirkt das Ganze so ein, daß dasjenige zustande kommt, was überhaupt bei einer Stärkung des astralischen Leibes zustande kommt. Es wirkt das Ganze so, daß Mineralisierungsprozesse nur bis zu dem Grade im Menschen auftreten, der die Organe selber festigt und sie dadurch stärker macht. Das ist die leise Einwirkung des Ich durch den Zucker, der da auftritt. Man könnte also sagen: Wenn man die Abkochung der Enzianwurzel verwendet, so bringt man den astralischen Leib in rege Tätigkeit, und durch den Zuckergehalt der Wurzel läßt man das Ich nachhelfen. Dadurch allerdings, weil das Ich nachhilft, steht eine Gefahr da. Denn wenn das Ich unten wie peitschend nachwirkt, so entsteht wiederum polarisch die Reaktion im Kopfe, und man kann bemerken, daß solche Patienten dann allerdings als Nebenwirkung Kopfschmerzen erhalten werden. Aber es ist dennoch etwas, was durchaus nach allen diesen Richtungen wirkt, die ich gesagt habe. So haben wir da eine im wesentlichen antreibende, anregende Darmtätigkeit, und wir werden daher solch ein Mittel verwenden entweder für sich oder in irgendeiner Kombination, wenn wir merken, daß die Krankheitserscheinungen zusammenhängen mit Appetitlosigkeit, Dyspepsie zum Beispiel, namentlich aber dann, wenn Unterleibsstockungen da sind. Wir können auch durchschauen, wie durch diese Tätigkeit von Magen und Darm der Stoffwechsel überhaupt angeregt wird, so daß also der Stoffwechsel innerlich gewissermaßen aufgeregt wird und ein regsamer wird, und wir können dadurch noch wirken auf die Tendenzen nach Gicht und Rheumatismus. Außerdem werden wir in der Enzianwurzel sachgemäß etwas verwendet haben, was sich, wenn auch in einem nicht sehr starken Grad, aber dennoch als fieberfeindlich erweist. Denn dadurch, daß die Darmtätigkeit untergraben ist, wird die Reaktion im oberen Menschen hervorgerufen, und vom oberen Menschen geht dann die Fiebertätigkeit aus. Wenn wir also den unteren Menschen stärken, ein Gegengewicht dem oberen Menschen schaffen, so haben wir ihm etwas Fieberfeindliches zugeführt.

Das ist eine solche Erwägung, die man anstellen muß, wenn man auf die konkreten Beziehungen der Außenwelt zum Inneren des Menschen kommen will. Es handelt sich darum, daß es ganz richtig ist, wenn darauf hingewiesen wird, daß von außen auf den Menschen Strömungen ausgeübt werden. In dieser Beziehung hat ja so jemand wie Rosenbach außerordentlich gut vorgearbeitet. Aber wenn man nur in Abstraktionen von Strömungen spricht, so ist man sich erstens nicht bewußt, daß dasjenige, was da von außen wirkt, ja von den konkreten Dingen herkommt. Es kommt davon her, daß also solche Beziehungen herrschen zwischen dem Wurzelhaften der Pflanzenwelt, den Kräften, die im Wurzelhaften wirken und die dann wiederum in den Menschen hineinkommen. Da faßt man dann diese Dinge, die man sonst nur abstrakt als Strömungen charakterisiert, wirklich an, die hat man sozusagen auf der Hand. Und um das handelt es sich bei der Geisteswissenschaft, daß sie das wirklich Konkrete, das wirklich Dinglich-Prozessuale herausarbeitet.

Betrachten wir von diesem Gesichtspunkte aus eine außerordentlich lehrreiche Pflanze, die Nelkenwurz, Geum urbanum, und nehmen wir dabei wiederum die Wurzel. Machen wir also wiederum eine Abkochung der Wurzel. Es ist nun außerordentlich interessant, wenn Sie diese Erwägungen über die Nelkenwurzel anstellen und dann etwas zurück sich erinnern an das, was wir gerade über die Enzianwurzel gesagt haben. Es ist natürlich wiederum vorauszusetzen, daß, weil wir es mit der Wurzel zu tun haben, wir eine Wechselwirkung zu den Kopfkräften haben. Nun haben wir aber in der Nelkenwurzel einen herben Geschmack. Der Geschmack ist außerordentlich herbe. Wir haben in der Nelkenwurzel ätherische Öle, also ein Öl, von dem wir wiederum von vornherein voraussagen müssen, daß es auf diejenigen Partien des Organismus wirkt, die noch nicht so weit gegen den Darm und in den Darm hinein gelegen sind als diejenigen Partien, von denen wir gesprochen haben bei der Enzianwurzel, daß wir es also mehr zu tun haben mit demjenigen, was noch im Magen, vielleicht nur in der Speiseröhre zu geschehen hat und so weiter. Dann haben wir aber das Wesentlichste zu berücksichtigen, daß wir in der Nelkenwurzel Stärkemehle haben, also daß wir gewissermaßen den Appell an diejenigen Kräfte richten, die in intensiverer Weise verarbeiten, als beim Zucker verarbeitet werden muß, denn es muß die Angriffskraft, wenn man das Stärkemehl verarbeiten will, mehr zurückverlegt werden. Der Zucker muß ja zuerst herausgearbeitet werden. Sie sehen, man muß also die Prozesse wirklich verfolgen. Dann aber haben wir in der Nelkenwurzel Gerbstoff; und auf das muß man immer sehen, wenn man irgend etwas auf seine Heilwirkung prüfen will. Gerbstoff, das bedeutet, daß tatsächlich in einer Weise, die stark noch nach dem Physischen zu wirkend liegt, dasjenige bearbeitet wird, was eben dem Gerbstoff entgegentritt, so daß wir bei der Nelkenwurzel das ganze Wirken mehr hinverlegen müssen nach dem Ich als nach dem astralischen Leib. Wir haben da eine Verstärkung der Ich-Anregung. Und daher, weil wir eine Verstärkung der Ich-Anregung haben, haben wir es mit demjenigen zu tun, was im unteren menschlichen Organismus vor sich geht. Es ist also eine vollständig polarische Wirkung zu der Kopfanregung, die da durch das Ich geschieht. Wir haben es zu tun mit dem, was ich nennen möchte die äußere Verdauung, das Angreifen der Substanzen noch im Magen, noch bevor sie überhaupt in die Darmtätigkeit übergegangen sind. Es wird, wenn ich so sagen darf, dasjenige, was an Nerven-Sinnesapparat im Darm noch vorhanden ist, angeregt - alles ist ja im ganzen menschlichen Organismus ausgebreitet -, es wird der Nerven-Sinnesapparat gerade in den Verdauungsorganen angeregt, und wir haben es also da mit dem prädominierenden Ich-Wirken zu tun.

Was wird die Folge sein? Daß wir erstens in der Nelkenwurzel eine stark fieberfeindliche Kraft haben. Zweitens aber wird die Folge sein diese, daß wir von der weiter nach vorne liegenden Verdauung auf die rückwärtige Verdauung dadurch wirken können, daß wir dieser rückwärtigen Verdauung, der eigentlichen Darmtätigkeit, nicht mehr so viel zumuten. Wir werden also dadurch insbesondere Durchfälle zu bekämpfen haben, wir werden Schleimflüsse des Darmes zu bekämpfen haben, wenn wir das berücksichtigen, daß eben diese Dinge darauf beruhen, daß zuviel zugemutet wird demjenigen, was mehr nach der inneren Verdauungstätigkeit hin liegt. Sie sehen also, diese Erwägungen führen alle dazu, anzuschauen, wie die äußeren Kräfte dasjenige durchdringen, was im Innern des Menschen ist.

Betrachten wir, weil ja diese Wurzelbetrachtung von ganz besonderer Bedeutung ist, noch eine Wurzel und nehmen wir als Beispiel die Iris germanica, die Schwertlilie. Machen wir auch da die Wurzelauskochung. Nun, bei der Schwertlilie haben wir es mit etwas zu tun, was schon durch seine äußere Offenbarung zeigt, daß es stark auf das Ich wirkt. Der widerliche Geruch und der bittere Geschmack sind etwas, was sogleich verrät, daß wir es da mit etwas zu tun haben, wo das Ich in starke physische Wechselwirkung mit der Außenwelt tritt. Wir haben in der Schwertlilienwurzel nun aber auch etwas, was diese physische Tätigkeit recht sehr anregt, nämlich Gerbsäure. Wir haben wiederum etwas darinnen, was auf die Ich-Tätigkeit wirkt: Stärkemehl. Und wir haben endlich etwas, was durch seine physische Wirkung überall wirkt, wo es hinkommt, wenn es dazu angeregt wird: wir haben Harze in der Schwertlilienwurzel. Durch das alles wird das Ich in eine besonders rege Tätigkeit versetzt. Und diese rege Tätigkeit des Ich, dieses Treibende des Ich, kann man daran bemerken, daß die Urintätigkeit und eine gewisse purgierende Wirkung auftreten. Das sind die äußeren Offenbarungen desjenigen, was die Ich-Tätigkeit ist. Und dasjenige, was wir bekämpfen können, ergibt sich dann einfach, wenn wir uns fragen: Was allem ist der menschliche Organismus ausgesetzt, wenn das alles nicht in Ordnung ist? Dann er geben sich Wassersucht und ähnliche Erscheinungen, und wir haben in der Schwertlilienwurzel-Auskochung daher etwas, womit wir versuchen sollen, wassersuchtähnliche Zustände und auch die Wassersucht selber zu bekämpfen.

Sie sehen, das ist die Art der Erwägungen, die man anstellen muß. Betrachten Sie jetzt, indem wir in der Pflanze etwas aufwärts steigen, betrachten Sie zum Beispiel das Kraut, Herba, von Pflanzen und nehmen wir eine charakteristische Pflanze wie zum Beispiel Majorana hortensis, Majoran. Aber seien wir uns jetzt klar: Wenn wir zum Kraut aufsteigen, da ist es schon die Natur selbst, welche gewisse Prozesse vollzieht, die wir erst vollziehen müssen bei der Wurzel. Wenn wir daher das Kraut nehmen, so ist es nicht gut, direkt eine Auskochung zu machen, sondern wir brauchen die feineren Kräfte des Krautes, und die bekommen wir heraus, indem wir einen Aufguß machen. Es gehen die Kräfte, die wir eigentlich brauchen, von dem Kraut in den Aufguß über. Und Sie können nun wieder, ich möchte sagen mit den Sinnen dasjenige ergreifen, was hier vorliegt. Sie haben den eigentümlichen Geschmack in diesem Aufguß, den man den erwärmenden Geschmack nennen könnte. -Dieser Geschmack hat eine gewisse Bitterkeit zugleich. Dann aber haben Sie dasjenige, welches so recht beweist, wie da etwas nach außen wirkt: den aromatischen Geruch, die ätherischen Öle. Und dann haben Sie etwas, was da nur dazuzukommen braucht, um all das noch besonders zu verstärken, was seine physische Wirkung nicht so früh äußert wie andere Produkte, sondern seine physische Wirkung äußert, wenn es durch den Magen in den Darm gekommen ist. Nämlich allerlei Salze sind da drinnen in dem Kraut, gerade bei Majoran. Und daher können Sie sich sagen - und die Dinge, die man sich so sagen kann, sind ja alle auch in der Wirklichkeit vorhanden -: Dieser Krautaufguß wirkt besonders auf die Atmungstätigkeit der inneren Organe. Er bringt eine gewisse Atmungstätigkeit der inneren Organe hervor. Das äußert sich dadurch, daß dieser Aufguß schweißtreibend wirkt, daß also die innere organische Tätigkeit als Atmung angeregt wird. Er wirkt schweißtreibend und dadurch wirkt er in der Reaktion verstärkend auf die Tätigkeit der inneren Organe. Man kann bekämpfen katarrhalische Erkältungen, man kann aber auch bekämpfen nach der andern Seite hin Gebärmutterschwäche, wenn man mit dem Aufguß des Majorankrautes arbeitet.

Das alles wird sich dann noch klarer ergeben, wenn man übergeht zu der Wirkung der Blüte. Die Wirkung der Blüte - betrachten wir sie einmal da, wo sie schon in der äußeren Pflanze sich ganz besonders offenbar zeigt, betrachten wir sie also zum Beispiel da, wo viele kleine Blüten zu einem Blütenstand sich entfalten, wie beim Holunder oder Flieder, Sambucus nigra. Und seien wir uns klar, daß da gerade diejenigen Kräfte in die Pflanze schießen, welche mit der Umgebung der Erde viel zu tun haben, welche in sich enthalten die kosmischen Einflüsse, die kosmischen Strömungen. Wir merken das daran, daß die Holunderblüte auch ätherische Öle enthält. Aber namentlich merken wir es daran, daß die Holunderblüten Schwefel enthalten, so daß wir darinnen aus dem Mineralischen auch dasjenige haben, was sich uns ja besonders wirksam erweist, wenn wir nun die Atmung anregen wollen, aber auf der anderen Seite anregen, auf der Seite der eigentlichen Atmungsorganisation, während wir früher gesprochen haben von der Anregung der Atmung in den Verdauungsorganen und in demjenigen, was an die Verdauungsorgane anschließt, bevor sie von der Atmung der eigentlichen Atmungsorgane ergriffen werden. So daß also hier bei der Holunderblüte, wenn wir sie nun auch als Aufguß verwenden - das ist ja fast selbstverständlich -, besonders die Äthertätigkeit des menschlichen Organismus angeregt wird und erst auf diesem Umwege durch die Äthertätigkeit die Tätigkeit des astralischen Leibes, daß also da besonders angeregt wird die Atmung in den oberen hinteren Organen, nicht so sehr aber in den Kopforganen als in denjenigen, die zu der eigentlichen Atmung gehören. Natürlich entstehen da überall Reaktionen, und wir haben es in diesen Reaktionen natürlich damit zu tun, daß dann bei diesem Beispiel Abführungen und Schweißtreibungen auftreten. Nun aber werden die Atmungsorgane angeregt. Die eigentliche sonstige normale Atmungstätigkeit wird angeregt, und dadurch entsteht, weil durch eine Anregung der normalen Atmungstätigkeit eine Blutwirkung zustande kommen muß, auch eine Anregung, also vom inneren Menschen aus eine Anregung auf die Blutzirkulation und es ist, ich möchte sagen abzulesen von alledem, daß man mit einem solchen Mittel Katarrhe bekämpfen kann, daß man zurückgehaltene Schweißbildung bekämpfen kann, daß man es gut anwenden kann bei Heiserkeit, Husten, und daß man es, weil ja die Wirkung, die früher direkt aufgetreten ist, jetzt polarisch auftritt, auch bei rheumatismusartigen Dingen verwenden kann.

Sehen Sie, es handelt sich überall darum, daß man von der Wirkungsweise der Mittel dasjenige abliest, was in ihnen als Heilkraft enthalten sein kann. Nun denken wir einmal daran, wie es notwendig werden kann, auf die Kopforganisation besonders zu wirken. Was hängt denn von der Kopforganisation ab?

Von der Kopforganisation hängt ja ab deren polarische Gegenseite, die Verdauung, und zwar hängt gerade von der Kopforganisation die gröbere Verdauung ab, diese gröbere Verdauung, welche Ursache von so vielen sehr schweren Krankheiten ist. Wir müssen uns daher klar sein, daß wir den Kopf von der gröberen Verdauung her im wesentlichen beeinflussen können, und daß, wenn wir nun durch irgend etwas, was wir nach dem Innern des Menschen befördern - also auf die Verdauung wirken -, überhaupt dahin gelangen, daß die Dinge gewissermaßen bis in den Kopf hineinstrahlen, daß sie also wirklich vom Kopf aus eine Wirkung entfalten, wir dann natürlich alles mögliche zusammenhalten müssen, was es dazu bringt, daß wir, trotzdem wir das Pflanzliche ins Innere zunächst einführen wollen, es so gestalten, daß es in den Kopf hineinwirkt. Und das wird besonders zu beobachten sein, wenn wir Samen verwenden wollen. Samen sind ihrer Natur nach ja sehr geeignet, auf die gröbere Verdauung zu wirken. Und indem sie auf die gröbere Verdauung direkt wirken, wirken sie allerdings, indem Reaktionen hervorgebracht werden, auf den Kopf. Aber es ist eben sehr schwer, die Wirkung von der Verdauung bis in den Kopf hinein zu befördern. Daher ist es gut, wenn man nun wiederum beim Samen dazu übergeht, eine - und zwar eine sehr konzentrierte - Auskochung zu machen, wenn der Patient dies verträgt. Das kann man insbesondere studieren, wenn man die Wirkungen der Samen vom Kümmel ins Auge faßt, den Samen auskocht, also diese Auskochung ins Auge faßt. Man hat in dieser Auskochung zunächst ätherische Öle, also wesentliche Wirkungen auf das Ich, hat wiederum etwas, was physisch sehr stark wirkt, Wachs und auch Harze, die auch im Physischen sehr starke Wirkungen entfalten. Die starken Wirkungen zeigen sich ja in dem gewürzhaften Geruch. Dann aber hat man auch Schleimzucker gerade in dieser Auskochung.

Das alles, wenn Sie es zusammenhalten mit unseren Betrachtungen, wie wir sie in diesen Tagen angestellt haben, das alles wirkt außerordentlich stärkend auf die Ich-Tätigkeit. Es ist ein förmliches Wirken auf die Sinnes-Nerventätigkeit, die in den Verdauungsorganen verborgen liegt. Auf diese schwache Sinnes-Nerventätigkeit, die in den Verdauungsorganen verborgen liegt — in einer sehr schwach sich ausgestaltenden Metamorphose liegt diese Sinnes-Nerventätigkeit in den Verdauungsorganen ausgebreitet —, wird besonders gewirkt. Es wird wirklich, möchte man sagen, in bezug auf den unteren Menschen durch eine solche Auskochung etwas bewirkt, was sich ausnimmt wie eine unterbewußte Metamorphose unserer äußeren sinnlichen Wahrnehmung. Wir werden angeregt, möchte ich sagen, mit dem Verdauungssystem dasjenige sinnlich wahrzunehmen, was da als Prozeß sich entwickelt. Und daher ist auch gerade dieses Mittel sehr gut zu gebrauchen zu Klistieren. Wenn man dieses Mittel zu Klistieren verwendet, so tut man ja das, daß man eigentlich einen Prozeß hervorruft, der auf die Sinnes-Nerventätigkeit wirken muß, weil er nun wirklich ein äußeres Zuführen der feineren Kräfte in den Kümmelsamen ist und dadurch eine Art unterbewußter Wahrnehmung in den Verdauungsorganen hervorgerufen wird. Es wird dadurch die lethargische Gewebsflüssigkeit ganz besonders angeregt; dadurch also, daß man eine Art sinnes-nerven-stärkenden Prozeß hervorruft, wird das Wahrnehmen sehr stark in das Innere des Menschen verlegt. Der Mensch wird ein Wahrnehmer in seinen Verdauungsorganen, und das ist dasjenige, was alledem entgegenwirkt, was sich, ich möchte sagen wie der andere Pol entgegenstellt dem, wenn eine innere Tätigkeit anfängt, die nun auch wahrgenommen werden kann, die aber wesentlich in innerem Wahrnehmen besteht, wenn also unser Organismus anfängt, sich so recht eruptionsmäßig zu äußern. Dadurch, daß wir ihn selber sehr stark wahrnehmen können, wenn er eine solche organische Tätigkeit entwickelt, daß wir eigentlich uns selber wahrnehmen, wirkt dann ablähmend, also gesundmachend auf eine solche Tätigkeit, die ein Wahrnehmen von innen heraus darstellt, dasjenige, was als eine Tätigkeit, eine Sinnes-Nerventätigkeit entwickelt wird, die eigentlich dem äußeren Wahrnehmen metamorphosisch ähnlich wird, so daß wir, wenn Magenkrämpfe auftreten, kolikartige Zustände auftreten, Blähungen auftreten, mit diesem Mittel in entsprechender Weise werden fruchtbringend arbeiten können.

Noch ein Prozeß ist außerordentlich interessant zu beobachten. Es ist der folgende. Also stellen Sie sich so recht lebendig vor, was da im Grunde genommen für eine unterbewußte Tätigkeit entwickelt wird. Diese unterbewußte Tätigkeit ist außerordentlich ähnlich der äußeren Wahrnehmungstätigkeit. Nur hat sie ihre Lage gewissermaßen im Innern. Denken Sie sich, daß äußere Wahrnehmungstätigkeit und Reflextätigkeit in einem gewissen Zusammenhange stehen. Wahrnehmungen können, wenn sie unterbewußt auftreten, sofort Abwehrbewegungen hervorrufen. Betrachten Sie dieses Zusammenwirken von Wahrnehmungstätigkeit und Abwehrtätigkeit und übertragen Sie das jetzt auf die innere Tätigkeit der Gewebeflüssigkeit. Sie führen da, indem Sie gewissermaßen in der Luft schwimmen, diese äußere Wahrnehmungstätigkeit aus. Wenn ich das schematisch zeichnen soll, so möchte ich sagen: Wenn wir hier (siehe Zeichnung, hell) uns die Luft vorstellen, in der wir uns aufhalten, lichtdurchdrungen und so weiter, so haben wir die äußere Wahrnehmung (rot) in dieser Richtung sich entfaltend, die innere Reaktion in dieser Richtung sich entfaltend (blau). Es ist ja in jedem Sinnesorgan ein Zusammenwirken von äußerer Aktion und innerer Reaktion. Das ist so zu betrachten, daß, wenn man schon ein äußeres abstraktes Bild will, man nur ja nicht das geben soll, was die neuere materialistische Anschauung gewählt hat, daß da eine zentripetale und eine zentrifugale Nerventätigkeit ausgeübt wird. Denn diese Auslegung ist nicht gescheiter, als wenn man sagt, daß, wenn man einen elastischen Ball drückt, er dann durch eine andere Kraft wiederum seine ursprüngliche Gestalt herstellt als diejenige, die die Druckkraft selber in ihrem Gegenteil ist, in ihrem Zurückkehren. Es ist nicht gescheiter, wenn man von motorischen Nerven spricht, als wenn man die Elastizität eines Balles dadurch erklären will, daß man in sein Inneres hinein irgendein Zentrum setzt, welches nach außen stößt, wenn man hineingestoßen hat. Es ist im wesentlichen nichts anderes als die Herstellung der ursprünglichen Gestalt; es ist die Wirkung, die auftritt und zu der man keine besonderen Nerven braucht, weil das Ganze, Wirkung und Gegenwirkung, eingebettet ist in Astralität und in IchWesenhaftigkeit.

313-16
313-16

Nun stellen Sie sich aber diesen ganzen Prozeß so vor, daß er auf dem Umwege durch die Äthertätigkeit in der Gewebeflüssigkeit vor sich geht (siehe Zeichnung, gelb). Ein Sinnesprozeß geht natürlich nicht unter normalen Verhältnissen in der Gewebeflüssigkeit vor sich, aber er kann durch so etwas hervorgerufen werden, wie ich es eben jetzt angedeutet habe. Dann entsteht eine Art Tendenz nach dem Zusammenziehen, nach dem Hinwirken nach dem Organismus, die ich eben so andeuten will wie hier die Aktion bei der Wahrnehmung. Aber es ist dieses (rot) ein Prozeß, der gewissermaßen anstürmt gegen die nach außen gerichtete Kraft (violett) in der Gewebeflüssigkeit. Die macht sich geltend und die wirkt dagegen. Man schiebt also einen Sinnesprozeß, eine Metamorphose des Sinnesprozesses in die Gewebeflüssigkeit hinein. Es ist außerordentlich interessant, das zu beobachten, wie man da hineinschiebt in die Gewebeflüssigkeit eine Metamorphose des äußeren Sinnesprozesses. Nun hat man Umschau zu halten, wo irgendwie im normalen Leben so etwas geschieht, daß also eine Art Metamorphose des Sinnesprozesses im Innern des Menschen, gewissermaßen ein verdichteter Sinnesprozeß in der Gewebeflüssigkeit entsteht. Und er entsteht, indem sich die Milchabsonderung bei der Frau bildet. Da hat man in der Tat eine nach innen übertragene, verdichtete Metamorphose des äußeren Sinnesprozesses: die Milchabsonderung der Frau. Nun nehmen wir an, wenn sie da sein sollte, ist sie mangelhaft, so haben wir alle Veranlassung, nun diesen nach innen gelegenen, in die Gewebeflüssigkeit hinein verdichteten Sinnesprozeß auszuführen. Und wir haben gerade in dem Auskochen des Samens des Kümmels dasjenige, was uns einen solchen Prozeß hervorruft, der die Milchabsonderung fördert.

313-17
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Es sind diese Dinge von mir eben als Beispiele angeführt worden, wie man das ganze Wirken und Weben dieses menschlichen Organismus und seinen Zusammenhang mit dem, was in der Außenwelt ist, ins Auge fassen kann. Betrachten Sie nur einmal dasjenige, was ich Ihnen hier vorgeführt habe. Betrachten Sie es, ich möchte sagen genau, indem Sie sich sagen: In der Auskochung des Kümmelsamens ist Harz, ist Wachs, also etwas, was durch seine Konsistenz besonders starke physische Wirkungen hervorruft. Dadurch wird dieses Harz, wird dieses Wachs außerordentlich ähnlich dem, nur verdichtet nach innen, was auf mich von außen auf die Sinne einen Eindruck macht.

Und wiederum ist in diesem Samen drinnen ätherisches Öl und Schleimzucker. Das ist etwas, was die Reaktivität des Ich anregt. Sie haben da alles beisammen, was Sie haben im Sinnesprozeß: die Wirkung von außen, die Reaktion bis in das Ich von innen. Nun metamorphosieren Sie diesen Sinnesprozeß dadurch, daß Sie eben nicht eine sinnliche Wahrnehmung machen, sondern daß Sie diese Wechselwirkung ins Innere, in das Kräftesystem der Gewebeflüssigkeit verlegen, dann haben Sie dasjenige, was Ihnen einen inneren Sinnesprozeß hervorruft. Denn ein solcher ist der Milchabsonderungsprozeß. Sie werden sehen, wie da auf diese Weise die ganze Organisation durchschaut wird.

Das sind die Betrachtungen, die man anstellen muß, wenn man dazu kommen will, das Äußere in seiner Stoffwirkung im Inneren zu beachten. Nehmen Sie also an, man versucht es mit mineralisch-metallischen Heilmitteln. Man wird dann dasjenige, was man schon an der Wirkung des Pflanzlichen gelernt hat, ganz besonders leicht durchschauen können. Aber man wird sich noch etwas sagen können. Man wird sich sagen können: Es ist etwas mit dem Mineralischen vor sich gegangen, indem das Mineralische in den Pflanzenprozeß hinein sich schon fortgesetzt hat. Und dasjenige, was da vor sich gegangen ist in der Mineralisierung und Durch-Vegetabilisierung, das ist ein Umformen der mineralischen Kräfte. Es beruht also etwas im Heilungsprozeß auf der Umformung der mineralischen Kräfte. Nehmen Sie also an, wir richten uns eine Krankenheilstätte ein, umgeben sie mit Land und düngen gewissermaßen das Land mit verschiedenen mineralischen Dingen und lassen nun einen Boden wirksam sein, von dem vor unserer Kenntnis offenliegt, was er eigentlich enthält, bauen dort verschiedene Pflanzen an, von denen wir uns sagen, wir verwenden Wurzel, Kraut, Frucht und so weiter, so haben wir den Prozeß selber in der Hand, der darinnen besteht, daß uns die Pflanze das Mineral zum Heilmittel umwandelt. Man kann das dann wiederum verstärken, indem man solche Pflanzen entstehen läßt, man kann sie schon als solche Pflanzen dann in der Weise behandeln, wie wir das eben jetzt besprochen haben. Das wollen wir in unserem Stuttgarter Institut auf der einen Seite tun; so muß es also auch eingerichtet sein. Man kann aber dann noch weiter gehen. Man kann nun dasjenige, was man da an der Pflanze selber nun schon gewonnen hat als ein Heilmittel, das kann man nun wiederum als eine Art Düngemittel verwenden und dann die Kraft noch verschärfen. Man wird da etwas bekommen, was die gewöhnliche physische Verreibung in einem wesentlichen Grade wirksamer macht, also in etwas verwandelt, was in einem wesentlichen Grade wirksam ist, indem man gewissermaßen die Formung, die Zubereitung der Natur selber und den in der Natur wirkenden Kräften dadurch übergibt. Man wird sich natürlich dann auch über Folgendes weiter klar sein müssen. Man wird sich zum Beispiel sagen: Wenn also ein mineralisch-metallisches Mittel wirken soll, wie muß es denn wirken? - Die Salze, die übrigens auch mineralische Mittel sind, erzeugen schon mehr die Wirkung nach dem Innern des Menschen. Die peripherischesten Tätigkeiten aber werden beeinflußt gerade von den mineralisch-metallischen Substanzen, die sozusagen am konsistentesten sind. Da werden wir eine Erwägung anzustellen haben, aber immer wie gesagt aus den Untergründen geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse heraus, sonst zersplittern die Gedanken nach allen möglichen Irrwegen hin. Die geisteswissenschaftlichen Gedanken sind diejenigen, die ein solches Denken in die richtige Richtung bringen. Wir können, sagen wir, irgendein Metall haben; wir wissen, ein solches Metall ist sehr schwach angreifbar von dem Innern des menschlichen Organismus aus. Da muß schon die Ich-Tätigkeit sehr angeregt werden, denn das Ich ist es, das gewissermaßen hinuntergreift, hineingreift in das Innere der Substanz, das Innere der Substanz seinem Zwecke gemäß anordnet und dann in dem Organismus eben zur Ich-Tätigkeit aufruft, so daß wir — weil das Ich sich in dieser Tätigkeit verstärken lassen kann durch den astralischen Leib -, wenn wir Metalle anwenden, Mineralien anwenden, dann immer sehen müssen, daß wir die Ich-Tätigkeit oder die astralische Tätigkeit, die dann wieder zurückwirkt auf das Ich, oder die Wechselwirkung von astralischer Tätigkeit und Ich-Tätigkeit, anregen. Solch eine Anregung kann zum Beispiel in folgender Art geschehen: Wir machen eine Metallsalbe, streichen sie auf. Wir streichen sie auf, sagen wir, bei einem Hautausschlag. Wir regen damit peripherisch die Ich-Tätigkeit an. Diese Ich-Tätigkeit wird durch Reaktion im Innern des Menschen ebenso angeregt; es entsteht zunächst im Innern des Menschen verschärfte Nerven-Sinnestätigkeit in irgendeinem Organ, und von da aus verschärfte Atmungstätigkeit, indem das auf das Astralische übergeht. Und wir bekommen eine Wirkung derjenigen Kräfte im Innern heraus, die dem Hautausschlag entgegenwirken. Wir rufen den ganzen Körper auf, um dem Hautausschlag entgegenzuwirken.

Nun kann man sagen, daß man daraufhin die verschiedenen Metall- und Mineralsubstanzen überhaupt studieren kann. Sie haben zum Beispiel in dem Blei etwas, was in außerordentlich starker Weise auf die Nerven-Sinnestätigkeit wirkt, und dann wiederum in Dependenz davon auf die innere Atmungstätigkeit, aber auch auf jene innere Atmungstätigkeit, die sich zum Beispiel in den äußeren peripherischen Organen abspielt. Wenn wir also Blei verwenden, können wir sehr viel wirken, wenn es nötig ist, so etwas, wie eben beschrieben worden ist, hervorzurufen, wenn wir das Blei als Salbe verwenden oder auch wenn wir es eben eingeben. Nur müssen wir uns natürlich klar sein, daß wir, wenn wir.es eingeben, so wirken, daß wir durch die Tätigkeit der Verdauungsorgane, die angeregt werden, die Reaktion des oberen Menschen hervorrufen. Wenn wir im oberen Menschen selbst irgendwelche vorsichtig zubereiteten Bleisalben verwenden, so wirken wir direkt auf dieses obere System. Und wir werden gerade, wenn wir Menschen haben, welche irgendwie an Kopfschwäche leiden, bei denen also der obere Mensch keine richtige Nerven-Sinnestätigkeit entwickelt und auch keine richtige Atmung entwickelt, mit solchen Bleikuren, wenn wir sie eben nur so weit treiben, daß sie zu keiner Vergiftung führen können, sehr viel ausrichten können. Bei allen diesen Dingen, die wir ja gewissermaßen ablesen können von dem, was uns die letzten Tage und auch der vorige Kursus gebracht haben, handelt es sich darum, daß wir uns über Folgendes klar sind.

Da gibt es vor allen Dingen einen großen Gegensatz. Alles dasjenige, was mehr nach dem Silber hinübergeht, das verhält sich in gewissem Sinne als Metall polarisch zu all demjenigen, was mehr nach dem Blei hinübergeht. Nun haben wir natürlich in bezug auf diese Dinge außerordentlich mangelhafte Mineralsysteme. Unsere Mineralsysteme sind im Grunde genommen außerordentlich mangelhaft, denn bei einem naturgemäßen Mineralsystem würden diese Verwandtschaftsverhältnisse der Metalle berücksichtigt werden müssen, und wir würden sehen, daß bei einem solchen System gewissermaßen an dem einen Pole liegen die Bleiverbindungen, das Blei selber, daß an dem andern Pole das Silber liegt, daß in der Mitte zum Beispiel das Aurum, das Gold steht, und die anderen dann. entsprechend angeordnet sind. Polarisch, sage ich, sind Silber und Blei aus dem Grunde, weil das Silber unmittelbar auf den Gliedmaßen-Stoffwechsel wirkt, und zwar recht peripherisch, recht sehr auf dasjenige, was vom Gliedmaßen-Stoffwechselorganismus nach außen gelagert ist; ebenso wirkt das Blei auf alles dasjenige, was vom Kopforganismus nach außen gelagert ist. Es wirkt also das Silber anregend auf die Nerven-Sinnestätigkeit im Stoffwechsel-Gliedmaßen-System und fördert von da aus dann die Tätigkeit, die den ganzen Körper durchdringt, und die eine Anregung der Atmung ist bei all dem, was ich gestern genannt habe Metamorphose des zentralen Herzorgans.

Dagegen wirkt alles dasjenige, was vom Blei ausgeht, auf die Nerven-Sinnestätigkeit des Kopfes, auf die Atmungstätigkeit, die von da aus angeregt wird. Dadurch wirkt es anregend auf alles dasjenige, was eben in der anderen Metamorphosierung besteht, in der Kopfgestaltung, der Lungengestaltung, der Lebergestaltung, also derjenigen Organe, die gewissermaßen die andere Organisation des Menschen so umschließen, wie die Lunge das Herz umschließt, und damit eigentlich die Urgestalt desjenigen aufzeigt, was in einer gewissen Beziehung als Zirkulationsmensch der ganze Mensch ist. Wir haben die Lunge, die das Herz umschließt, wir haben gewissermaßen die Lunge, umspannend, umgreifend mit dem Atmungswesen das Zirkulationswesen. Aber ebenso haben wir, wenn wir den Menschen betrachten in bezug auf seine Gehirngestaltung, auf Lungengestaltung und Lebergestaltung, also wenn wir den ganzen oberen hinteren Menschen betrachten, eine weitergehende Atmung, umspannend alles dasjenige, was Zirkulationsgefäße sind mit dem Herzen zusammen. Was dann Verdauungsorganisation und auch Sexualorganisation ist, das haben wir auf diese Weise dann von dem oberen und hinteren Menschen umschlossen. Die Organisation ist so, daß der obere und hintere Mensch den unteren und vorderen Menschen eigentlich umschließt. Wenn man das durchgreifend versteht und in dem Zusammensein, in dem Aufeinandersein des oberen und hinteren Menschen mit dem unteren und vorderen Menschen, was sich also hauptsächlich auslebt in der Wechselbeziehung zwischen Herz und Lunge, wenn wir das ordentlich betrachten und darinnen, in diesem Zusammenleben das Rhythmische studieren und dann die Nerven-Sinnestätigkeit an demjenigen studieren, was oben und hinten ist, was aber natürlich seinen anderen Pol in dem vorderen und unteren Menschen hat, und wenn wir dasjenige, was Stoffwechsel-Gliedmaßenvorgänge sind, an dem vorderen und unteren Menschen betrachten und wiederum in seiner anderen Ausbildung am oberen und hinteren Menschen studieren, dann haben wir den ganzen Menschen vor uns und können ihn auf diese Weise dann entsprechend auch in seinen anderen Prozessen beherrschen.

Von da ausgehend wollen wir dann morgen übergehen zu der speziellen Besprechung unserer eigenen Heilmittel und dabei noch einige der Fragen, die gestellt worden sind, berücksichtigen, was sich naturgemäß wird ergeben können.

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