Anthroposophical Spiritual Science and Medical Therapy
GA 313 — 16 April 1921, Dornach
Sechster Vortrag
Ich sagte gestern, daß wir zusteuern wollen durch unsere Betrachtungen der Erklärung des Wesens gerade der von uns hier vorgeschlagenen Heilmittel, und daß wir dazu eben die ganze Anlage dieser Betrachtungen gestalten wollen. Ich möchte heute vorerst noch eine Bemerkung machen, die Sie vielleicht auf manches in methodischer Beziehung hinweisen kann.
Es stellt sich sehr häufig bei der - sagen wir imaginativen Beobachtung irgendeines Krankheitsbildes, überhaupt irgendeines Symptomenkomplexes das ein, daß man ein unmittelbares, intuitives Wissen bekommt von dem Heilmittel, und daß man dann, wie es ja selbstverständlich ist, versucht ist, über die Sache nachzudenken, nach den Urteilen, die einem da eben vorliegen innerhalb der Sache als äußere wissenschaftliche Erkenntnisse, und man findet dann, die Sache ist falsch, kann nicht so sein. Das ist eine ganz gewöhnliche Erscheinung, die - nicht nur in bezug auf das Therapeutische — derjenige, der überhaupt okkulte Untersuchungen machen kann, sehr häufig herausfindet. Wenn man dann näher über die Dinge nachdenkt, weiter verfolgt die Dinge, kommt man dann erst darauf, inwiefern die Dinge doch richtig sind. Die Sache, die sich durch eine imaginative Untersuchung mit nachfolgender Intuition herausstellt, die ist ja immer die Richtige; natürlich, wenn sie auf guten Erkenntniskräften beruht. Aber das Urteil muß sich immer erst, ich möchte sagen hinaufschwingen zu demjenigen, was man auf diese Weise erkennt. Da muß man sich schon bekannt machen damit, daß eben dieser menschliche Organismus etwas im höchsten Grade Kompliziertes ist, so daß seine verstandesmäßige Überschau tatsächlich die denkbar größten Schwierigkeiten bildet, insbesondere dann, wenn man versucht, diesen menschlichen Organismus wiederum mit der Außenwelt in Beziehung zu bringen. So etwas tritt einem ganz besonders stark entgegen, wenn man dasjenige etwas strenger ins Auge faßt, was ich bereits angedeutet habe in diesen Vorträgen, nämlich die Funktion des Stickstoffes im menschlichen Organismus. Dieser Stickstoff findet sich, wie wir gesagt haben, doch in einer größeren Menge in der ausgeatmeten Luft als in der eingeatmeten Luft. Und das materialistische Denken kommt kaum zu einem anderen Urteil, als daß es sagt, der Unterschied komme da nicht in Betracht. Es beruht das darauf, daß die materialistische Anschauung vom Menschen eigentlich im Grunde genommen auf die Funktion des Stickstoffes gar nicht kommen kann. Sie wird einem erst klar, wenn man das Folgende ins Auge faßt.
Sie wissen ja, daß es die verschiedensten Ernährungstheorien gibt, und daß sich in bezug auf die Interpretation der Ernährung, ich möchte sagen die Forscher eigentlich diametral gegenüberstehen in der Frage: Welche Aufgabe hat eigentlich das Eiweiß, das mit der Nahrung aufgenommen wird, für den menschlichen Organismus? Wozu braucht der menschliche Organismus Eiweiß? - In der Beantwortung dieser Fragen stehen sich, wie gesagt, die Forscher diametral gegenüber; die einen sagen eher, daß der ganze Aufbau der menschlichen Eiweißorganismen ein konstanter sei, daß also da etwas Konstantes, wenigstens relativ Konstantes vorliege, und daß das aufgenommene Eiweiß rasche Zersetzung erfahre und im Grunde genommen eigentlich wenig Bedeutung habe für dasjenige, was die aufbauenden, die plastischen Kräfte des Eiweißes im menschlichen Organismus sind. Andere stehen auf dem Standpunkt, der gerade in der Gegenwart als etwas veraltet gilt, daß die Eiweißkörper des Menschen selber fortwährend abgebaut werden und fortwährend von dem aufgenommenen Eiweiß immer wieder neu aufgebaut werden. Diese beiden Theorien, die in den mannigfaltigsten Formen aufgetreten sind und die eine Art diametralen Gegensatzes bedeuten, die treffen alle beide nicht dasjenige, um was es sich eigentlich handelt, weil sie einseitig Eiweiß gegen Eiweiß beurteilen und nicht den ganzen menschlichen Organismus ins Auge fassen.
In diesem menschlichen Organismus haben wir es einmal mit dem Gegensatz zu tun, der da liegt in der Kopfbildung, also in der NervenSinnesbildung, und in der Bildung, die ausgeht vom Gliedmaßen-Stoffwechselsystem. Das ist ein diametraler Gegensatz, der in der menschlichen Natur liegt, und der nicht genug berücksichtigt werden kann. Denn die Stufenfolge im Aufbau des Menschen, die so wichtig ist für therapeutische Erwägungen, die kann man überhaupt nicht verstehen, ohne daß man das, was ich eben gesagt habe, ins Auge faßt. Man wird zum Beispiel durchaus nicht verstehen können, wie eigentlich sich die Lunge im ganzen menschlichen Organismus verhält, wenn man nicht von einer Untersuchung ausgeht, die nun etwa die Frage stellt: Haben wir es zu tun mit dem Kopforganismus, so sind da zweifellos gewisse Kräfte vorherrschend. Dann haben wir es zu tun mit dem Brustorganismus; darinnen ist die Lunge. Die Lunge, die ist ein Organ, welches, da der ganze menschliche Organismus überall in der verschiedensten Intensität dieselben Kräfte in sich hat, die Kräfte der Kopfbildung eben auch in sich trägt, aber in schwächerem Maßstabe, weniger intensiv. Und wenn man nun forscht, wie Ich, astralischer Leib, Ätherleib an der ganzen plastischen Bildung und auch Entbildung der Organe arbeiten, so kommt man zu dem paradoxen Ausspruch: Die Lungenbildung ist eine weniger intensive Kopfbildung, die Lungenbildung ist Metamorphose der Kopfbildung, die Lungenbildung bleibt nur auf ihrer früheren Stufe zurück, der Kopf schreitet weiter vor in bezug auf dieselben Bildekräfte, die in der Lunge auch vorhanden sind, die aber zurückbleiben.
Diese Lunge nun ist eine Metamorphose der Kopfgestaltung und im wesentlichen dadurch, daß sie eine zurückgebliebene Metamorphose der Kopfgestaltung ist, gerade geeignet für ihre Funktionen, für das Atmen, während, wenn dieselben Kräfte, die in der Lunge zurückgeblieben sind und die Lunge für das Atmen geeignet machen, vorschreiten, die Lunge immer kopfähnlicher und kopfähnlicher wird. Die Folge davon ist, daß sie, indem sie immer kopfähnlicher und kopfähnlicher wird, dann die Gedankenkräfte selber aufnimmt, die organischen Kräfte des Denkens, daß sie also bestrebt ist, Denkorgan zu werden. Indem sie bestrebt wird, Denkorgan zu werden, indem sie zu stark die im Kopfe ganz richtig veranlagten Kräfte aufnimmt, wird sie disponiert zu dem, was die Lungenschwindsucht ist.
Diese Lungenschwindsucht ist nur aus dem ganzen Menschen heraus auf diese Weise zu verstehen. Sie ist durchaus so zu verstehen, daß man sagt: In einer schwindsüchtigen Lunge strebt das Armen dahin, denkend zu werden. Im Kopfe ist das Atmen nämlich metamorphosiert, und alle Funktionen des Denkens bis eben zum Verarbeiten der Wahrnehmungen sind nichts anderes als ein nach oben, also nach der Weiterentwickelung gestaltetes Atmen. Der Kopf ist ein vorgeschrittenes, ein über das Lungenmaß hinausgeschrittenes Atmungsorgan, das nur das Atmen zurückhält und an die Stelle der Luftaufnahme durch das Atmen die Aufnahme der ätherischen Kräfte durch die Sinne stellt. Das Sinneswahrnehmen ist nichts anderes als ein verfeinerter, das heißt ein ins Ätherische hinein getriebener Atmungsprozeß. Der Kopf atmet, die Lunge atmet. Aber es atmet noch etwas im Menschen, was noch eine niedrigere Stufe in dieser metamorphosischen Bildung ist: das ist die Leber. Die Leber, die eine nicht zu Ende gekommene Lunge, eine nicht zu Ende gekommene Kopfbildung ist, die atmet auch. Bei ihr überwiegt nur dasjenige, was nun die andere Metamorphose wiederum ist, die polarische Metamorphose der Sinnesempfindungen: die Nahrungsaufnahme, die Nahrungsverarbeitung. Deshalb stehen Lunge-und Leberbildung in der Mitte zwischen der Magenbildung und der Gehirn- und Kopfbildung überhaupt.
Wenn Sie diese Erwägungen zugrunde legen, dann werden Sie nicht weit mehr sein von dem Verständnis dessen, was gesagt werden muß, daß die menschlichen Organe, also gewisse menschliche Organe als solche, eigentlich im Grunde Atmungsorgane sind. Alle diejenigen menschlichen Organe, welche eine solche Gestaltung haben, wie Gehirn, Lunge, Leber, sind zugleich Atmungsorgane. Aber indem sie Atmungsorgane sind, haben sie nach außen den Drang zu atmen. Sie sondern also auch nach außen ab Kohlensäure. Diese KohlensäureAbsonderung nach außen ist das Wesentliche des Atmens. Ste nehmen Sauerstoff auf, und diese Sauerstoff-Aufnahme und KohlensäureAbgabe, die nicht nur für die Lunge gilt, sondern für den ganzen Organismus, für jedes Organ gilt, ist im wesentlichen eine Tätigkeit des astralischen Leibes, der seine Tätigkeit in Sympathie und Antipathie entfaltet. Die Sympathie ist dasjenige, was als Kraft dem Einatmen entspricht, die Antipathie ist dasjenige, was als Kraft dem Ausatmen des astralischen Leibes entspricht. Und wenn Sie in meiner «Theosophie» beschrieben finden den astralischen Leib, so werden Sie ihn beschrieben finden als durchdrungen von den Kräften der Antipathie und Sympathie. Er arbeitet im Menschen in der Gesamtatmung nach Antipathie und Sympathie. Das ist dasjenige, was man nun als die innere Tätigkeit des astralischen Leibes ansehen muß.
Und damit kommen Sie dann zu dem letzten Punkt, möchte ich sagen, dieser Betrachtungen, der Ihnen sagt, daß dasjenige, was im Menschen überhaupt an Eiweißkörpern vorhanden ist, im wesentlichen, insofern es solchen Organen angehört wie den beschriebenen, auf die Atmung angelegt ist, sich äußert nach außen durch die Atmung. Aber alles dasjenige, was sich nach außen offenbart, äußert sich auch nach innen. Wenn ich schematisch zeichnen soll, so möchte ich das so zeichnen: Wenn Sie irgendein eiweißhaltiges Organ im Menschen haben, das dieser organischen Gruppe angehört, die ich genannt habe, so äußert es sich nach außen dadurch, daß es die Atmungstätigkeit entwickelt (siehe Zeichnung, rot). Aber indem es nach außen atmet, entfaltet es nach innen eine andere Tätigkeit, die polarische Tätigkeit zum Atmen, die geistbefreiende Tätigkeit, seelenbefreiende Tätigkeit. Seelenbefreiende Tätigkeit — indem Sie nach außen atmen, indem Sie das Atmen nach außen entwickeln, entwickeln Sie nach innen eine geistig-seelische Tätigkeit, die natürlich keinen Raum braucht, im Gegenteil sogar, man könnte den Ausdruck gebrauchen: in den Raum hinein fortwährend verschwindet, aus dem dreidimensionalen Raum fortwährend herausgeht. Aber diese Tätigkeit äußert sich im Innern, nach innen zu, und es ist im wesentlichen die Eigenschaft des menschliehen Eiweißes vorzugsweise, daß es diese Tätigkeit nach innen entwickelt. Im Kopfe wird dasjenige, was da als innere Tätigkeit funktioniert, von außen durch die Sinne hineingeleitet. Daher sind die Kopforgane die wenigst geistenthaltenden Organe. Sie nehmen den Geist von außen auf, indem sie durch die Sinne sich ihn erarbeiten. Der Kopf ist das ungeistigste Organ des Menschen.

Dagegen fängt des Menschen Geistigkeit — namentlich mit seiner Entwickelung im Leibe fängt das an, das Entwickeln des Geistes nach innen, des realen, nicht des abstrakten Geistes -, im Lungensystem an und arbeitet von außen nach innen, entgegen der Atmung. Und die geistigsten Organe sind diejenigen, die zum Lebersystem gehören. Sie sind diejenigen Organe, welche nach innen zu am meisten geistige Tätigkeit entwickeln. Es ist das ja auch die Erklärung dafür, warum die Kopfmenschen materialistisch werden, weil mit dem Kopf eben nur die äußere Geistigkeit verarbeitet werden kann und man dadurch zu dem Glauben verführt wird, als ob alles von außen aus der Sinnenwelt aufgenommen würde, was an Geist entwickelt wird. Deshalb wird man, wenn man ein rechter Intellektualist ist, auch zu gleicher Zeit Materialist. Je mehr Denker man ist, Kopfdenker, desto mehr Geneigtheit hat man, Materialist zu werden. Dagegen, wenn der volle Mensch, wenn der ganze Mensch sich zu der Erkenntnis hinaufringt, wenn der Mensch anfängt, ein Bewußtsein darüber zu entwickeln, wie sein ganzer Mensch mit den nach rückwärts gelegenen Organen denkt, dann hört der Materialismus auf, für das Bewußtsein seine Berechtigung zu haben.
Die Tätigkeit, welche sich in der Atmung äußert, die zeigt sich nach außen hin auch, und zwar in der Absonderung von Kohlenstoff in der Kohlensäure. Die Tätigkeit aber, welche dabei nach innen ausgeübt wird, die Tätigkeit der Vergeistigung, die ist an den Stickstoff gebunden. Und der Stickstoff wird, wenn er verbraucht ist, eben zur Vergeistigung ausgeschieden. Das Maß der Ausscheidung des Stickstoffes ist ein Maß für das innere Arbeiten der menschlichen Organe nach der Geistigkeit hin. Sie können daraus entnehmen, daß derjenige, der an eine solche Geistigkeit nicht glaubt, selbstverständlich auch über die Aufnahme des Stickstoffes im menschlichen Organismus nur im Unklaren bleiben kann. Erst wenn man dieses weiß, wie in jeder Eiweißbildung, in jeder Eiweißgestaltung eine nach außen gehende und eine nach innen gehende Tätigkeit sich entfaltet, erst dann kann man sich eigentlich darüber klar werden, welche Rolle die Ernährung spielt. Wenn Sie diesen Prozeß, der ja im wesentlichen ein Atmungsprozeß mit seinen polarischen Gegenseiten ist, ins Auge fassen, dann werden Sie sagen: Überall grenzt dasjenige, was Ernährung und Verdauung ist, an die Atmungsprozesse an, überall wird entgegengebracht der Ernährung und Verdauung der Prozeß des Atmens und Vergeistigens. In diesem Prozeß des Vergeistigens, also in der anderen Seite der Atmung, da liegt dasjenige, was gestaltende, eigentlich plastische Kräfte in der Eiweißbildung sind, da liegt alles dasjenige, was den Menschen gestaltet. Daraus werden Sie auch das Folgende entnehmen können: Es ist im wesentlichen dasjenige, was da wirkt, hinweisend auf eine Wechselwirkung zwischen dem astralischen Leib und dem Ätherleib. Der astralische Leib wirkt in der Atmung durch Sympathie und Antipathie; der Ätherleib wirkt, indem er mit seinem Wirken auf die Sympathien und Antipathien des astralischen Leibes stößt. Überall stößt der Ätherleib mit seinen Wirkungen auf die Atmung im menschlichen Organismus. Die Ätherwirkungen haben ihren Hauptangriffspunkt beim Menschen in den flüssigen Bestandteilen. Der Mensch ist ja zu zwei Dritteln wenigstens aus Wasser bestehend. In diesem Wasserorganismus, wo der Ätherleib vorzugsweise tätig ist, in diesem Wasserorganismus äußern sich physisch die Ätherkräfte. Im anderen Organismus, der ein Luftorganismus ist, der aus der Luft heraus eingebaut wird dem Menschen, äußern sich die Kräfte der Atmung. Und so können wir auch dasjenige ansehen, was zwischen astralischem Leib und Ätherleib vor sich geht als eine Wechselwirkung der Wasserkräfte mit den Luftkräften. Diese Wechselwirkung der Wasserkräfte mit den Luftkräften findet im menschlichen Organismus fortwährend statt. Natürlich ist auf keiner Seite das andere vollständig unterdrückt. Daher atmet der Mensch auch immer mit der Luft Spuren von Wasserdämpfen ein. Da schlägt auf die Seite des Atmens die Ätherität hinüber. Ebenso schlägt in die eigentlichen Verdauungs- und Ernährungsorgane die Atmungstätigkeit hinüber. Sie sind, insofern sie auch aus Eiweiß gebildet sind, auch Atmer. Also es schlägt immer das eine in das andere hinüber, und wir haben es eigentlich nie mit etwas anderem zu tun als mit einem Prädominieren der einen oder der anderen Tätigkeit in irgendeinem Organ. Wir haben es niemals zu tun mit dem, was wir nur in einseitiger Weise beschreiben können. Wenn wir von irgendeinem Organ behaupten, es sei ausschließlich Atmungsorgan etwa, wenn wir das von der Lunge behaupten, dann sagen wir etwas Falsches. Es ist immer auch, wenn auch in geringerem Grade, die andere Tätigkeit darinnen. Die Ernährung verläuft vorzugsweise nun durch eine Tätigkeit, die sich ausprägt im Ätherisch-Flüssigen und im Physisch-Festen. Also das Hauptsächlichste der Ernährungs- und Verdauungstätigkeit wickelt sich ab im Ätherisch-Flüssigen und im Physisch-Festen, das Hauptsächlichste der Atmungstätigkeit wickelt sich ab im Astralisch-Luftförmigen, und das Hauptsächlichste der Ich-Tätigkeit, der eigentlichen geistigen Tätigkeit, wickelt sich ab in den Wärmeverhältnissen im Zusammenhange eben mit dem Ich. Die geistige Tätigkeit ist im physischen Organismus ein Zusammenwirken des Ich mit den Wärmeverhältnissen, mit all denjenigen Organisationen, wo in das Physische die Wärme hineinwirken kann. Das Ich muß es immer mit der Wärme halten, muß immer von der Wärme aus wirken. Wenn wir einen Kranken ins Bett legen und ihn zudecken, so bedeutet das eben nichts anderes, als daß wir einen Appell an das Ich richten, der darin sich ausdrückt, sich der zustande gekommenen Erwärmung in entsprechender Weise zu bedienen.
Das aber wirft zugleich ein Schlaglicht auf die Ernährung des Menschen überhaupt. Diese Ernährung ist eine Wechselwirkung zwischen der Gewebeflüssigkeit, also dem Wässerigen, in dem sich die Ernährung und Ausscheidung vorzugsweise abspielt, und dem, was in relativer Beziehung außerordentlich stabil bleibt, was in einer gewissen Beziehung nur in der Wachstumsperiode labil ist, dann stabil wird und höchstens in der zweiten Hälfte des Lebens eine Art Abbau erfährt, dem eigentlichen Eiweißorganismus des Menschen. In der Gewebeflüssigkeit findet ein fortwährendes Aufnehmen und Zerstören des in der Nahrung befindlichen Eiweißes statt. Und in dieser Tätigkeit liegen die Attacken, welche ausgeführt werden auf dasjenige, was stabil in der Eiweißbildung bleiben will: die menschlichen inneren Eiweißorgane überhaupt. Die wollen stabil bleiben. Sie wollen deshalb stabil bleiben, weil sie nach innen geistig-seelische Tätigkeit absondern wollen, befreien wollen. In diesem fortwährenden Wechselwirken zwischen dem lebhaften Aufnehmen und Zerstören von Eiweißigem und dem Kräftespiel, was da entsteht, in diesem Wechselwirken zwischen diesem Kräftespiel, das außerordentlich beweglich ist, und dem nach Ruhe strebenden Kräftespiel, was da in diesem Wechselspiel des inneren menschlichen Eiweißes entsteht, beruht eigentlich dasjenige, was durch den Ernährungsprozeß bewirkt wird. Es ist daher zum Teil ein Aberglaube, zum Teil etwas Richtiges darin enthalten, wenn man sagt: Der Mensch baut sich durch die von ihm aufgenommenen Nahrungsstoffe auf. - Es ist ein Aberglaube, weil die aufbauenden Kräfte von vornherein dadurch, daß der Mensch überhaupt Mensch ist, in seinen Eiweißkörpern enthalten sind, und der Mensch auf der anderen Seite, auf dem anderen Pol eine Tätigkeit entfaltet, die eigentlich eine fortwährende Attacke ausführt auf diese Stabilität seiner eigenen Eiweißgestaltung, so daß man sagen kann: Es ist nicht richtig, wenn man glaubt, daß nur die Zufuhr der Nahrungsmittel es ist, die das menschliche Leben unterhält. Es ist einfach nicht richtig, sondern es ist das andere ebenso richtig; daß der Unterhalt des lebendigen Kräftespieles in der Gewebeflüssigkeit das Leben unterhält. Wenn Sie also Speisen so gestalten, daß sie anregend wirken auf diese Tätigkeit in der Gewebeflüssigkeit, so unterhalten Sie dadurch das Leben, aber nicht dadurch, daß Sie dem Körper Nahrungsstoffe zuführen, sondern dadurch, daß Sie den Anprall auf die stabilen Kräfte seiner eigenen Eiweißkörper ausführen. Es ist in einem Prozeß, den Sie anregen durch die Nahrungsaufnahme, das Allerwesentlichste der Lebensunterhaltung vorhanden, so daß wir auch da auf den Prozeß sehen müssen. Es kann zum Beispiel durchaus der Fall sein, daß bei einem ausgewachsenen Menschen Stoffe, von denen wir wissen, daß sie bei Kindern ganz gut wirken, unwirksam sind, weil das Kind in der plastischen Zunahme begriffen ist und dadurch also die Aufnahme der Stoffe braucht, das Nachinnengehen der Stoffe und Entfalten der Kräfte im Stoffe nach innen braucht. Wenn Sie wissen, daß irgend etwas als Stoff gut wirkt beim Kinde, so braucht es beim ausgewachsenen Menschen noch lange nicht so zu wirken. Beim ausgewachsenen Menschen kann es viel nötiger sein, daß man seine nach Ruhe strebenden Kräfte in der Gewebeflüssigkeit einfach unterhält, daß man da hinein also Anreger zur Tätigkeit bringt. Wenn Sie nun das alles betrachten, was sich in den — ich möchte sagen nach rückwärts hin geordneten Organen des Menschen — der Kopf ist ja auch nach rückwärts geordnet -, in Lunge, Leber abspielt, wenn Sie sich von den Organen, die nach rückwärts gewendet sind, wenden zu denjenigen, die nun, ich möchte sagen mehr in die Gewebeflüssigkeit, in diese Tätigkeit eingelagert sind, so bekommen Sie als Urorgan heraus das von der Lunge umschlossene Herz. Dieses Herz des Menschen ist ganz aus der Tätigkeit der Gewebeflüssigkeit herausgebildet, und seine Tätigkeit ist nichts anderes als der Reflex der inneren Tätigkeit der Gewebeflüssigkeit.
Das Herz ist keine Pumpe - ich habe es oftmals gesagt -, sondern das Herz ist dasjenige, was, ich möchte eher sagen wie ein Ableseapparat wirkt für dasjenige, was die Tätigkeit in der Gewebeflüssigkeit ist. Das Herz wird durch die Blutzirkulation bewegt, nicht die Blut zirkulation wird hervorgebracht durch die Herzpumpenwirkungen. Das Herz hat so wenig etwas zu tun mit dem, was als Zirkulation im Menschen funktioniert, wie das Thermometer mit der Entstehung der äußeren Wärme und Kälte. Wie das Thermometer nichts anderes ist als ein Ableseapparat für die Wärme und Kälte, so ist das Herz nichts anderes als ein Ableseapparat für die menschliche Zirkulation und dasjenige, was aus dem Stoffwechselsystem des Blutes in die menschliche Zirkulation einfließt. Das ist eine goldene Regel, die man durchaus beobachten muß, wenn man den Menschen irgendwie verstehen will. Denn mit dem Glauben, daß das Herz eine Pumpe ist und das Blut durch die Adern treibt, mit diesem Glauben hat man das Entgegengesetzte der Richtigkeit eigentlich in der heutigen Naturwissenschaft in der Hand. Derjenige, der sich zu dem Herz-Aberglauben bekennt, der sollte sich, wenn er konsequent vorschreitet, nun durchaus auch bequemen zu dem Glauben: Ja, woher ist es wärmer geworden in meinem Zimmer? Weil das Thermometer hinaufgegangen ist! — Es ist konsequent ausgebildet ganz genau dasselbe.
Sie sehen, zu welchen Konsequenzen eben eine Anschauung führt, die den weitaus bedeutendsten Teil der menschlichen Wesenheit, das Geistig-Seelische, eben einfach nicht berücksichtigt, das Bewegliche, das Dynamische unberücksichtigt läßt und ausgeht von dem bloß Stofflichen, und aus dem Stofflichen heraus dann diejenigen Kräfte treiben will, die eigentlich dem Stoff erst aufgeprägt werden. Sie will dem Herzen die Kräfte aufprägen, die eigentlich dem Herzen durch das Dynamische, durch das Kräftespiel erst aufgeprägt werden.
So können wir eigentlich sagen: In der Herztätigkeit und in dem Herzorgan liegt die am weitesten vorgeschrittene Organisierung desjenigen vor, was der Atmung und der Geistbefreiung im Menschen entgegengesetzt ist. Da liegt dasjenige vor, was nun die polarische Metamorphose genannt werden kann im Gegensatz zu der bloß umgestalteten. Wenn man Kopf, Lunge, Leber betrachtet, so hat man verschiedene Stufen der metamorphosischen Umbildung. Sobald man das Herz im Verhältnis zur Lunge betrachtet, muß man von einer polarischen Metamorphose sprechen, muß man davon sprechen, daß das Herz in seiner Gestaltung das polarisch Entgegengesetzte der Lunge ist. Und alle diejenigen Organe, welche sich nun entwickeln mehr nach vorne gelagert, wozu zum Beispiel in hervorragendstem Maße der weibliche Uterus gehört, sind dann wiederum stufenweise Umgestaltung der Herzbildung. Ich spreche von dem weiblichen Uterus, weil es auch einen männlichen Uterus gibt, der aber nur als Ätherleib vorhanden ist beim Manne. Der Uterus ist nichts anderes als ein umgestaltetes Herz. Aus dieser Betrachtungsweise über diese Dinge geht alles dasjenige hervor, was man zum Verständnis dieser Organisation des Menschen aufzubringen hat.
Es greifen nun in diese andere Tätigkeit, die also, wenn ich so sagen darf, ihr Zentrum hat, zur Ruhe kommt in der Herzbewegung, in diese Tätigkeit greifen vorzugsweise im Menschen die Fette und die Kohlenhydrate ein. Da haben diese Fette und Kohlenhydrate ihre Wirksamkeit. Natürlich dehnt sich diese über den ganzen Körper aus, denn ebenso, wie der ganze Körper ein Atmer und ein Geistentwickler ist, so ist er auf der anderen Seite wiederum ein Stoffablagerer und ein funktioneller Ausgestalter von Kräftesystemen, welche nach dem Verbrennen hinzielen. Das wird nun auch ein gewisses Schlaglicht werfen darauf - und wir sehen, wie man immer herüberkommt von einer solchen wirklich inneren Betrachtung des menschlichen Organismus zu den therapeutischen Dingen -, ein Schlaglicht werfen darauf, wie da tatsächlich dasjenige, was früher Lungenschwindsucht genannt worden ist — was jetzt ja nur aus einer Theorie heraus andere Namen bekommen hat - darinnen besteht, daß durch die verschiedenen Einflüsse, die da ja wirksam sein können und die alle im Grunde genommen im gleichen bestehen, der Mensch von dem Außerirdischen abgelenkt wird und zum Irdischen hin gedrängt wird, zum Leben in schlechten Wohnungen und so weiter. All die Schilderungen, die Sie bei der Lungenschwindsucht haben, die lassen sich dahin zusammenfassen, daß der Mensch von Sonne und Weltenraum abgelenkt wird und. hingelenkt wird zu dem, was ihn von Sonne und Weltenraum abschließt, was ihn also dazu bringt, daß die Freude am Außerirdischen, die wesentlich im Aufnehmen durch die Sinne, im Wahrnehmen durch die Sinne beruht, ihm abgelähmt wird, daß seine Seele, sein Gemüt nicht bis in die Sinne hinein darf und sich dadurch hinunterbegibt in die Lunge, so daß die Lunge strebt, Denkorgan zu werden, Kopf zu werden, und tatsächlich dann auch in ihrer äußeren Gestaltung deutlich zeigt, wie sie Kopf werden will, wie sie eine Form annimmt, in der man ja sehen kann, wie die den menschlichen Kopf verknöchernden Kräfte dann in der Lunge zum Ausdrucke kommen, wie sich da die Verhärtungen der Lunge ergeben und so weiter. Und wenn man dem entgegenwirken will, was hat man zu tun?
Wenn man diesem Kopfwerden der Lunge entgegenwirken will, so muß man sich vor allen Dingen überlegen, daß da ein Erschlaffen der astralischen Tätigkeit vorliegt, die stattfinden muß, und ein Zu-starkWerden derjenigen Tätigkeit, welche die Ich-Tätigkeit ist. Also die Ich-Tätigkeit fängt an, die astralische Tätigkeit zu überwinden. Und dem muß man beikommen. Alles dasjenige, was die Ich-Tätigkeit besonders anregt, ist ja gerade die Sinnesaufnahme von außen. Was aber Sinnenaufnahme von außen ist, setzt sich nach dem ganzen menschlichen Organismus hinein in den Salzablagerungen fort. Die werden nicht in der richtigen Weise reguliert bei demjenigen, der Neigung zur Lungenschwindsucht zeigt. Daher muß man von dieser Seite zu Hilfe kommen und muß versuchen, im rechten Augenblicke mit recht starken Salzeinreibungen demjenigen entgegenzuwirken, was die Lunge nicht mehr vermag: Salzeinreibungen, von außen appliziert, werden entgegenwirken den Verhärtungsprozessen, die sich von innen heraus bilden.
Nun muß man natürlich eine solche Tätigkeit, wie man ste durch die Salzwirkungen von außen hat, auch so gestalten, daß man versucht, den Organismus im Innern geneigt zu machen, das auch aufzunehmen, was da von außen hereinwill. Man kann auch Salzbäder nehmen, starke Salzbäder, aber man muß den Organismus geneigt machen, das auch wirklich zu verarbeiten im Innern, also von innen dem etwas entgegenzubringen. Da können Sie dann folgende Erwägung anstellen; sie wird zum Teil schon folgen aus dem, was wir im vorigen Jahr hier besprochen haben.
Will man den Organismus anregen, daß er von innen heraus eine Tätigkeit entwickle, die gewisse äußere Organisationskräfte im Wechselspiel reguliert, dann handelt es sich darum, daß man in kleinen Dosen, also nach dem Homöopathischen zustrebend, Quecksilber zuführt. Das Merkur ist nach dieser Richtung hin ein wichtiges Heilmittel, ein wichtiges Regulierungsmittel. Gerade da wird dasjenige stark in Betracht kommen, was nun im allgemeinen bei den Dosierungen zu beobachten wichtig ist. Sie können sich aus alledem sagen, wenn Sie zusammenfassen, was ich dargestellt habe: Dasjenige, was der äußeren Natur am ähnlichsten ist, das ist das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem. Wenn dem etwas fehlt, wenn in dem etwas zu tun ist, muß man die niedrigen Potenzierungen nehmen. Sobald man an den mittleren Menschen kommt, muß man mittlere Dosierungen nehmen. Aber sobald man vom Kopf aus wirken will, sobald man überhaupt wirken will von demjenigen aus, was mit dem Geistigen im Kopfe etwas zu tun hat, da muß man mit den höchsten Potenzen arbeiten, da muß man arbeiten mit den höheren Potenzierungen. Hier, in diesem Falle, haben wir es zu tun mit Lungentätigkeit, also etwas, was dem mittleren Menschen angehört. Die Quecksilberdosierung muß eine mittlere sein. Es handelt sich darum, daß dasjenige, bei dem man besonders darauf rechnet, daß es auf die Kopforganisation wirkt und von da wiederum zurück durch den ganzen Organismus, die höchsten Potenzierungen erfordert, die daher insbesondere wohltätig sein werden überall da, wo man glaubt, mit Siliziumverbindungen irgend etwas zu machen. Siliziumverbindungen fordern durch die eigene Natur, weil sie immer nach dem Kopf und nach der Peripherie des Leibes schwingen, was ja auch zur Kopfbildung gehört, tatsächlich die meiste Verdünnung, während man zum Beispiel bei Kalkverbindungen durchaus meistens das Richtige treffen wird, wenn man aus anderen Gründen Ursachen hat, sie anzuwenden, wenn man nicht bis zu den höchsten Potenzierungen geht, sondern sie in den unteren Potenzierungen verwendet. Kurz, ein Maßstab für das Potenzieren ist durchaus die Ansicht, die man gewinnt darüber, ob man einzugreifen hat in den Gliedmaßen-Stoffwechselorganismus, in den mittleren Rhythmusorganismus oder in den Kopf-Organismus; wobei natürlich der Kopf-Organismus berücksichtigt werden muß in der Richtung, daß er eigentlich den ganzen Organismus wiederum von der anderen Seite durchkraftet. Man kann zum Beispiel durchaus einmal die Ansicht bekommen: der Mensch hat eine Fußkrankheit, die aber eigentlich eine verkappte Kopfkranklheit ist, die vom Kopfe herrührt; dann handelt es sich aber nicht darum, daß man heilt vom Stoffwechsel aus, sondern vom Kopfe aus, daß man also hohe Potenzierungen anwendet von demjenigen, was vielleicht dann in niedrigeren Potenzierungen gut ist, wenn man weiß, man hat vom Stoffwechsel aus zu heilen. Also, diese Dinge können durchaus auf eine Ratio gebracht werden und müssen es auch nach und nach. Es wird das Einzelne da erst richtig hervorgehen, wenn man sich einläßt auf die genaue Beobachtung desjenigen, was die Versuche ergeben. Die. Richtungen müssen so gesucht werden, wie ich es angegeben habe.
Dann handelt es sich darum, daß überhaupt nur derjenige über Heilungen im einzelnen sprechen kann, der sorgfältig alles dasjenige wirklich im Gedächtnis behält, was ihm in seiner Erfahrung aufgestoßen ist, denn jede einzelne Erfahrung ist selbstverständlich auch belehrend und trägt Frucht für irgendein Folgendes. Nun, wenn Sie das berücksichtigen, was ich jetzt gesagt habe, so werden Sie finden, daß es gar nicht mehr so rätselhaft erscheint, daß es zum Beispiel Krankheiten gibt, bei denen Hirn und Leber zugleich betroffen sind, denn die Leber ist Ja nur ein metamorphosiertes Gehirn. Wenn man also zugleich Leberentartung und Degeneration der Gehirnganglien findet, so liegt das genau in derselben Richtung und es handelt sich darum, daß man dann etwas hat, was durchaus wiederum als Krankheitsform ein Gesteigertes ist gegenüber dem, was die Ursache der Lungenschwindsucht ist. Es ist nur die gesteigerte Metamorphose der Lungenschwindsucht. Daher handelt es sich darum, daß man da gröbere Dosierungen von Quecksilber im Innern anwenden wird, und daß man dann äußerlich nicht bei den Salzeinreibungen und so weiter und bei den Bädern stehen bleiben wird, bei dem Natriumsalz, bei dem gewöhnlichen Kochsalz, sondern daß man da schon übergehen muß zu Kalksalzen. Das ist dasjenige, was da zu sagen ist.
Nun aber sehen Sie, wo überall die Quellen des Irrtums liegen, und wo man wirklich nur auf das Richtige kommt, wenn man so den menschlichen Organismus von innen heraus betrachtet. Denken Sie doch nur einmal, daß irgendeiner hergehen und sagen kann: Da liegt nun eine Krankheit vor, die kuriere ich mit Quecksilber. Und er erreicht auch irgendeine Wirkung. Nur ist just die Krankheit nicht irgend etwas, was mit Lues oder Syphilis zusammenhängen muß, aber ‘ er hat sich einmal die Vorstellung gebildet, wenn Quecksilber heile, so hänge das also zusammen mit Lues- oder Syphilisvorgängen. Das braucht gar nicht der Fall zu sein. Ebenso werden Sie dasjenige, was ich im vorigen Jahre gesagt habe, nun etwas genauer verstehen, indem ich von den «Geisteskrankheiten» sprach. Selbstverständlich habe ich, indem ich vor einigen Tagen von Gehirnerweichung gesprochen habe, die paralytischen Erkrankungen gemeint, aber wenn man sagt «Paralyse», so redet man eigentlich nicht so anschaulich. Man hat immer das Gefühl, daß man da schon nach dem äußeren Symptomenkomplex hinüberredet. Aber nun entsteht natürlich die Frage: Wie verhält sich das, was ich im vorigen Jahr gesagt habe, daß die eigentlichen Ursachen der psychischen Erkrankungen eigentlich in den Deformationen von Organen gesucht werden müssen? Das ist auch der Fall. Und es ist so stark der Fall, daß man immer, wenn man bloß die psychischen Symptome ins Auge faßt, eigentlich zu nichts kommt; es ergibt sich eigentlich nichts. Man kann schon einmal sagen: Ähnliche psychische Komplexe führen auf ganz verschiedene Krankheitsursachen eigentlich zurück. Es handelt sich immer mehr darum, daß man gerade beim sogenannten Geisteskranken die Deformation der Organe sucht, irgendein nicht richtig funktionierendes Organ, und daß man wiederum frägt: Warum funktioniert es nicht richtig? Weil jene Kräfte schadhaft geworden sind, die eigentlich die stabilen der Eiweißbildung sind, nicht die variablen, sondern die stabilen. Also, es ist etwas in dem Kranken, ‚das fortwährend danach strebt, das Organ eigentlich in seinem ursprünglichen plastischen Aufbau zu zerstören, und daher tut es auch nicht gut, wenn man zu stark hinüberschielt nach demjenigen, was in den Gewebeflüssigkeiten vorgeht und eben den anderen Pol des Stoffwechsels darstellt. Also mit dem, was im Organismus selber den Stoffwechsel darstellt, wird es nichts sein, wenn man nach den Symptomen ausgeht. Dagegen wird es außerordentlich wichtig sein, die Erkenntnis der Geisteskrankheiten in den Abscheidungen zu suchen. Da wird man schon durchaus wichtige Anhaltspunkte immer finden. Und nachforschen, wie die Abscheidungen bei einem Geisteskranken beschaffen sind, das ist außerordentlich wichtig, denn ich habe im vorigen Jahre gesagt, daß für gewisse Formen von Geisteskrankheiten eine Sucht vorliegt, Imaginationen, Inspirationen zu bilden. Das ist eben dasjenige, was Freiwerden des Geistigen im Inneren bedeutet.
Wenn nun diese Sucht vorliegt, so liegt sie ja aus dem Grunde vor, weil das Organ schadhaft geworden ist. Wenn das Organ nicht schadhaft ist, sondern normal ausgebildet ist, dann bildet es schon die Imagination aus, sie bleibt aber unbewußt; wenn es aber schadhaft geworden ist, dann kommt es nicht dazu, diese Imagination richtig auszubilden. Auf der einen Seite ist das Organ schadhaft und es entsteht dadurch die Sucht nach der Ausbildung der Imagination, und auf der anderen Seite bleibt die Imagination ungedeckt durch das Organ und tritt als Halluzination und so weiter auf. Also ich möchte sagen: Wenn wir es zu tun haben mit einem Organ und den in seinem Innern sich entwickelnden Imaginationen (siehe Zeichnung S. 114, rot), die dann ausstrahlen in den übrigen menschlichen Organismus (siehe Zeichnung, hell) und perzipiert werden, dann haben wir es mit einem deformierten Organ so zu tun, daß die Imaginationsbildung (rot) nicht richtig in ihrer Plastik sich entfalten kann und dadurch auf der einen Seite, weil sie abnorm ist, sich der Bewußtheit aufdrängt. Es entstehen also die Halluzinationen und Visionen. Auf der anderen Seite ist das Organ kaputt und es entsteht dadurch der Drang nach richtigen Imaginationen. Allein dadurch, daß man diese Dinge so von innen durchschaut, erklären sich solche Dinge.

Wir werden nun vorschreiten nach der einen Seite zu der Beantwortung der einzelnen Fragen, die gestellt worden sind, und auf der anderen Seite zu der Erklärung unserer Heilmittel. Jetzt wollen wir dann schließen und den Vortrag von Dr. Scheidegger hören.