Course for Young Doctors
GA 316 — 9 January 1924, Dornach
Achter Vortrag
Meine lieben Freunde! Es ist natürlich nur möglich, manches aphoristisch hier anzudeuten, was ja im Laufe der Zeit in einer ausführlichen Weise auf die eine oder andere Art an Sie herandringen muß, wenn dasjenige, was sich hier für Sie abgespielt hat, eine entsprechende Fortsetzung findet in Ihrem Zusammenhang hier mit der medizinischen Bewegung des Goetheanums. Es ist ja vor allen Dingen zu betonen, daß selbstverständlich nicht gegen das Karma geheilt werden kann. Daß eben nicht gegen das Karma geheilt werden kann, das muß im wesentlichen des Arztes Gesinnung sein. Des Arztes Gesinnung muß tatsächlich schon bei der allerersten Frage des Heilenwollens nach zwei Richtungen gehen. Die eine ist der unbesiegbare Karmawille. Diesen Karmawillen braucht der Arzt ja vor allen Dingen für sich selbst, denn Sie haben gesehen, meine lieben Freunde, daß dasjenige, was er für seine Patienten anwendet, in einer gewissen Weise die Wirkung für ihn selbst verliert. Gewiß, es kann wiederum in Wirkung für ihn umgewandelt werden. Aber zunächst für Euer Wissen genügt, was ich darüber gesagt habe. Natürlich bleibt auch der Arzt in bezug auf sein Gesundsein und sein Kranksein dem Karma unterworfen. Aber gerade dann, wenn diese Gesinnung da ist, von der ich gesprochen habe, wenn das therapeutische Wissen eben so tief in die menschliche Seele eindringt, wie ich gesagt habe, dann kann gesagt werden, daß das Karmabewußstsein immer mehr übergeht in die reine Offenbarung des Karma. Karma hat seine zwei Seiten. Ihr müßt das Karma zunächst so ansehen, daß Ihr dasjenige, was für Euer Schicksal vorliegt, bezieht auf das nächstvorhergehende in den aufeinanderfolgenden Erdenleben. Da ist das Karma der Ausdruck für dasjenige, was die vorhergehenden Erdenleben gebracht haben. Aber direkt liegt doch einmal das vor: Ihr müßt auch an Karma zu denken haben im fünften, sechsten folgenden Erdenleben, in dem Erdenleben, das auf das jetzige Erdenleben folgend das fünfte, das sechste ist. Dann wird das, was jetzt geschieht, ein Ereignis sein, dann werdet Ihr das Ergebnis zuletzt haben. Wenn Ihr diesen Gedanken richtig zu Ende führt, wird Euch klar sein, daß Karma auch ein Werdendes ist, daß dasjenige, was jetzt geschieht, zum Karma das eine oder andere hinzufügt. Man kann schon sagen, daß das Karma in einer gewissen Weise da- oder dorthin durch unsere Taten gewendet wird. Fatalist kann derjenige, der das Karma versteht, niemals werden.
Die eine Richtung ist die nach dem Karma. Sie gibt Festigkeit und Sicherheit im Leben, sie gibt einen festen Standpunkt. Die andere Richtung ist aber diese, daß unbedingt der Wille zum Heilen da sein muß. Dieser Wille darf niemals eine Beeinträchtigung erfahren. Er muß restlos immer soweit therapeutisch wirken, daf® man sagen kann: Man tut alles, selbst wenn man die Meinung hat, daß der Kranke unheilbar ist. — Ihr müßt diese Meinung unterdrücken, müßt alles tun zu seiner Heilung. Das ist nur aphoristisch angedeutet.
Das Wichtigste ist heute dieses, daß wir gewissermaßen dasjenige, was zur Wirkung haben kann die Auferweckung der Seelenkräfte für das medizinische Studium, esoterisch weiter betrachten. Und da müßt Ihr daran denken, daß in der Tat für den Arzt auch der Inhalt des Esoterischen eine spezielle Betätigung, eine besondere Form annehmen muß. Der Arzt wird einfach nicht dabei stehenbleiben, die Dinge so zu betrachten, wie man sie im gewöhnlichen Leben betrachtet und wie man das heute auch in der gewöhnlichen Wissenschaft tut. Die Wissenschaft appelliert nicht an besondere Seelenkräfte, die der Mensch im gewöhnlichen Leben nicht hat, sondern im Gegenteil, sie legt allen Wert darauf, nur ja nicht an solche Seelenkräfte zu appellieren. Aber mit den allgemeinen Anschauungen kommt man nicht dahin, daß irgendeine Substanz oder ein Vorgang der Welt die Heilkräfte verrät. Die Heilkräfte werden erst verraten von den Dingen, wenn man an sie herantritt mit gewissen geweckten Seelenkräften. Es wird nun an Euch liegen, Schritt für Schritt diese Seelenkräfte zu wecken, damit die Dinge zu Euch in ihrer Art so sprechen, wie sie durch Euch, durch Euer ärztliches Wirken den Menschen helfen können. Aber da kommt es darauf an, daß dasjenige, was ich in diesen Tagen immer von der Gesinnung des Arztes gesprochen habe, noch weit, weit mehr in Eurer Seele vertieft werde.
Ich will zunächst nur einmal eine einfache Betrachtung so anstellen, wie sie eigentlich im medizinischen Studium angestellt werden müßte. Hier nimmt sich die Sache aphoristisch aus, wenn man aber dazu Zeit haben wird, wird sie sich nicht aphoristisch ausnehmen, sondern sie wird sich als selbstverständlich entwickeln vor der Seele des Medizinstudierenden.

Seht einmal hin auf dasjenige, was sich Euch der Form nach enthüllt in der knöchernen Schädeldecke. Wir können einfach diese knöcherne Schädeldecke uns schematisch hinzeichnen. Seht auf das, was sich der Form nach in der knöchernen Schädeldecke enthüllt, und stellt es einmal in Gegensatz zu demjenigen, was sich Euch enthüllt, wenn Ihr einen Röhrenknochen, ich will sagen den Oberschenkelknochen - ich will ihn schematisch andeuten - ins Auge faßt. Nun stehen diese Dinge nicht allein da, sondern die knöcherne Schädeldecke hat die mannigfaltigen physischen Kräfte, die sie umspielen. Ebenso hat der Röhrenknochen die mannigfaltigen Kräfte, die ihn umspielen; aber wenn Ihr auf diesen Röhrenknochen hinschaut, er wird Euch niemals anders seine Wesenheit enthüllen, als wenn Ihr ihn im Zusammenhang mit dem ganzen Weltenall betrachtet. Nun denkt Euch, hier ist der Röhrenknochen; seine Kräfte sind so, daß sie durch seine Länge hindurchgehen und eigentlich dann, wenn der Mensch die von ihm zu erringende irdische Lage hat, zum Mittelpunkt der Erde hingehen. Aber das ist nicht sein Wesentliches. Sein Wesentliches ist, daß er diese Kräfte in die Verbindung des Erdmittelpunktes mit dem Monde einreiht. Also dasjenige, was so gelegen ist wie der Röhrenknochen des Oberschenkels oder des Oberarmes, wie auch ein entsprechend in seiner Lage liegender Muskel, das ist eigentlich eingereiht, eingegliedert in die Kräfte, die da verbinden Erde mit Mond. Und Ihr könnt Euch das so vorstellen: Ihr habt hier die Erde, von der Erde lodern Kräfte zum Monde hinauf, und in diese Kräfte ist alles das eingespannt, was die Lage, sagen wir des Oberschenkels hat, wenn der Mensch steht oder geht. Dagegen ist zusammengegliedert alles dasjenige, was eine solche Lage wie die Schädeldecke hat, mit der Saturnbewegung. Da walten drin die Umdrehungskräfte des Saturn, so daß man sagen kann: Der Mensch wird gebildet von unten nach oben durch den Zusammenhang von Erde und Mond, er wird abgeschlossen durch dasjenige, was in der Umschwungskraft des Saturn liegt, aber beide Kräftearten sind einander entgegengesetzt. Wenn Ihr auf die ersten Kräfte hinschaut, auf diejenigen, die im Zusammenhang zwischen Erde und Mond liegen, so liegt in diesen Kräften alles dasjenige drin, was dem Menschen seine plastische Form gibt, was den Menschen plastisch aufbaut. Man möchte sagen, in diesen Kräften liegt ein geheimer Bildhauer drin, der den Menschen plastisch aufbaut, während in den andern Kräften, die so gehen, fortwährender Abbau liegt. Da wird fortwährend das Materielle, das den Menschen plastisch aufbaut, wieder auseinandergestäubt. Wenn Ihr Euch also einen Nagel abschneidet, so seid Ihr mit der Schere in den Saturnkräften drin. Wenn Ihr eßt, so ist die Komponente - die von der Erde weggehende Richtung gibt diese Komponente - in der Richtung des Mondes. Alle Kräfte in der Richtung der Mondrichtung bauen auf. Alle Kräfte in der Richtung der Saturnrichtung zerstäuben den Menschen, und in dieser Wechselwirkung zwischen Zerstäuben und plastischem Aufbauen liegt des Menschen Seele, liegt des Menschen Geist. Darin offenbaren sie sich.

Nun ist das, was draußen ist, und das, was der Mensch in sich hat, was mit dem Ätherleib verbunden ist, das ist mit diesen peripherischen Kräften verbunden. Verbunden mit den Aufbaukräften erweist sich in gewisser Beziehung das Silber, so daß, wenn Ihr bemerkt im Menschen, daß die Aufbaukräfte überwältigt werden von den Abbaukräften, Ihr in der Regel diese Gestaltung korrigieren könnt mit irgendeiner Arznei, die vom Silber her kommt. Merkt Ihr aber, daß die Aufbaukräfte wuchern, daß sie den Menschen in seiner Gestalt zusammenhalten, sozusagen verhindern das Zerstäuben, so sehen Sie stets, daß man appelliert an die Mittel, die vom Saturn kommen, an Mittel, die vom Blei herkommen, so daß, wenn man erkennt, wie der Mensch aufgebaut ist, man eine Anschauung davon bekommt, wie man sich zu verhalten hat.
Nun handelt es sich darum, daß man in eine solche Betrachtungsweise hineinkommt. Nun, seht Ihr, meine lieben Freunde, die wahre Welt, die Welt des Geistes, die liegt eigentlich so, daß man mit Recht immer gesagt hat, sie liege jenseits einer Schwelle, der Mensch stehe diesseits einer Schwelle. Es ist schon notwendig, daß der Mensch, um zur wahren Erkenntnis, um zur wahren Einsicht in die Weltenkonstitution zu kommen, diese Schwelle übertritt. Nun ist es im allgemeinen gefährlich für den Menschen, diese Schwelle so ohne weiteres zu übertreten. Denn wenn der Mensch seine gewöhnliche Sinnesanschauung mit Gedanken durchsetzt, wie er sie hat im gewöhnlichen Leben und sie mitträgt in die geistige Welt jenseits der Schwelle hinein, dann ruft er vor seinem geistigen Auge dadurch, daß er die Dinge jenseits der Schwelle so beurteilt, wie man die Dinge hier betrachtet, hier beurteilt, ein Blendwerk, ein richtiges Blendwerk hervor. Und deshalb ist jene geistige Wesenheit an der Schwelle, von der wir lernen können, daß wir ganz andere Begriffe brauchen, wenn wir die Schwelle übertreten, daß uns eben Blendwerk lähmt für das Leben, wenn wir mit unseren gewöhnlichen, aus der Sinnenwelt entnommenen Begriffen in die geistige Welt hinüberkommen. Dieser Hüter der Schwelle ist eigentlich der Mahner, daß wir uns erst die Ideen verschaffen, die wir in der geistigen Welt brauchen. Man glaubt gewöhnlich nicht, daß die Begriffe, die in der geistigen Welt etwas taugen, ja außerordentlich verschieden sind von den Begriffen, die hier in der physischen Welt etwas taugen. In der physischen Welt ist zum Beispiel der Teil immer kleiner als das Ganze. Das gilt als Axiom. So ist es nicht in der geistigen Welt. Da ist der Teil immer größer als das Ganze. Das kann man am Beispiel des Menschen lernen. Wenn man eine Kraft annimmt, die der Mensch hat, wenn er zum Beispiel aus Mineralischem seinen Leib aufbaut, und dann den Kräftezusammenhang, den ein Teil von ihm hat, so ist dem Kosmos gegenüber dasjenige, was die Organe gestaltet, also der Teil des Menschen, wesentlich größer als der ganze Mensch. Ihr könnt Euch nicht so ohne weiteres den Satz vorstellen, der Teil ist größer als das Ganze, weil Ihr die Sinnenwelt gewöhnt seid, aber gegenüber der übersinnlichen Welt ist es durchaus so. Daher muß man dazu kommen, die Möglichkeit einzusehen, daß in der geistigen Welt der Teil größer sein kann als das Ganze. Unsere ganze Mechanik und Physik gilt nicht für die übersinnliche Welt, sondern gerade für das Entgegengesetzte. Hier in der sinnlichen Welt ist die Gerade der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten. In der geistigen Welt ist sie der längste, weil, wenn man in gerader Richtung vorgeht, man die meisten Hindernisse zu überwinden hat. Jede andere Richtung ist kürzer als die gerade Richtung. Man muß sich durchaus klar sein, daß, wenn man in die geistige Welt hinein will, man entgegengesetzte Begriffe braucht für das, was in der physischen Welt gang und gäbe ist, daß man nicht in Verwirrung gesetzt wird, wenn man in die geistige Welt geht. Dazu gehört Mut. Man muß den Mut haben, über die geistige Schwelle hinüberzugehen, geradezu über den Abgrund hinüberzusetzen. Wenn man das Ganze durchmacht, dieses Hinübergehen zur geistigen Welt, dieses Vorbeigehen an dem Hüter der Schwelle, und dieses DrübenAnkommen, wenn man das durchmacht in Seele und Geist, in Astralleib und Ich bewußt durchmacht, so ist alles gut. Aber wenn man es nicht reinlich durchmacht in Ich und in Astralleib, so entsteht ein Blendwerk, und wenn dieses Blendwerk zurücksticht auf den Menschen, wird Krankheit daraus. Und immer wenn der Mensch etwas Krankes hat, so hat er eigentlich den Hüter der Schwelle in sich, nur in einer Art dämonischem Abbild.
Ich komme da wieder auf das Dämonische, über das ich schon sprechen mußte. Und worauf beruht das? Das beruht darauf: Wenn man mit gewöhnlichen Anschauungen auf den Menschen hinschaut, so kommt alles untereinander in Verwirrung. Auf der einen Seite ist Ich und astralischer Leib des Menschen, auf der andern Seite ist ätherischer Leib und physischer Leib; und das alles wirkt bunt durcheinander, wenn man so hinschaut auf den Menschen. Und vor allen Dingen kommt es darauf an, daß man dasjenige, was seelisch im Menschen ist, unterscheiden lernt von demjenigen im Menschen, was körperlich ist. Wenn die Seele im Körper ist und Sie den Menschen anschauen, erscheint die Seele nicht als das, was sie in Wirklichkeit ist. Die Seele ist in Wirklichkeit in der Tat Licht. Und Ihr werdet darauf kommen müssen immer mehr und mehr, wie die Menschenseele, wenn man sie in ihrer Abgeschiedenheit vom Leibe anschaut, Licht ist. Sie gehört unter den Dingen, die sie als Element, als ätherisches Element umgeben, eben dem Lichte an. Die Menschenseele gehört durchaus dem Reiche des Lichtes an. Man sieht sie richtig, wenn man sie innerhalb des Lichtes sieht.
Dagegen gehört der Körper der Schwere an. Nun habe ich auseinandergesetzt, wie die Schwere überwunden wird, wie das Gehirn furchtbar viel leichter wird, als es draußen erlebt wird. Aber der physische Körper in seiner Gestaltung, die von uns in seiner Wesenheit wahrgenommen wird, er gehört der Schwere an. Geradeso wie Ihr durch chemische Analyse aus dem Wasser Wasserstoff und Sauerstoff herausbekommt, so müßt Ihr, wenn Ihr den Menschen seiner Wesenheit nach anschauen wollt, ihn gliedern in die Seele mit ihrer Leuchtekraft und in den Körper mit seiner Schweremacht.
Diese zwei Wesenheiten, die Seele mit ihrer Leuchtekraft, der Körper mit seiner Schweremacht, sind verwirrend ineinandergeschoben, wenn sie mit dem gewöhnlichen Auge betrachtet werden. Weil sie verwirrend ineinandergeschoben sind, kann man dem Körper nicht ansehen, überhaupt dem Menschen nicht ansehen, worin das Wesen der Krankheit
besteht. Wenn Ihr Eure Seele so einrichtet, daß sie hinschauen kann auf den Menschen in der Art, daß sich das Wesen der Krankheit enthüllen kann, und wenn Ihr dadurch darauf kommt, wie das Wesen der Krankheit sich enthüllen kann, dann wird Euch nach und nach, wenn Ihr Blei anschaut, wenn Ihr Silber anschaut, eben aufgehen, welche Heilkräfte in diesen Dingen sind. Aber Ihr müßt ungeheuer ernst das medizinische Leben nehmen und das meditative Leben wirklich so kraftvoll in Eurer Seele gestalten, daß Ihr durch dieses meditative Leben eben anders sehen, anders die Welt ergreifen lernt. Und das ist es, warum ich Euch hier mitgeben möchte jetzt dasjenige, was, richtig meditiert, meine lieben Freunde, zu dem andern hinzugefügt, Euch nun auch dazu führt, zu speziellen Substanzen dasjenige Verhältnis zu gewinnen, das diese Substanzen nun selber haben zum gesunden und kranken Menschen. Ihr müßt nur das, was ich Jetzt als Worte auf die Tafel* schreibe, als weckend in Eurer Seele so anschauen, daß dasjenige, was Ihr im gewöhnlichen Leben vom Menschen seht, nicht die Wirklichkeit ist, sondern das, was Ihr sehen werdet, wenn Ihr Eure Seele belebt mit dem, was in diesen Worten liegt; dann werdet Ihr die Wahrheit des Menschenwesens in seinem Verhältnis des einen zum andern sehen.
Ich habe bisher so gesprochen, daß Ihr den Menschen allgemein in seinem Verhältnis zum Kosmos erfassen könnt. Heute möchte ich in Eure Seelen hineinschreiben, was Euch befähigt, ein kleines Stückchen Gold zu nehmen und dieses Gold meditativ zu betrachten. Ich schlage es in eine dünne Platte und bekomme, wenn ich so durchschaue, Grünliches. Es sieht grünlich aus. Es erweckt, indem es so grünlich ausschaut, nicht nur durch eine verworrene Analogie, sondern gerade, wenn ich mit tieferen Seelenkräften an dieses Goldplättchen herangehe, dasselbe innere Erlebnis, was die grüne Wiese, die grüne Pflanzendecke der Erde erweckt. Aber dadurch, daß ich mich recht vertiefe mit meinen Seelenkräften in das kleine durchschimmernde Goldplättchen, wird auch die entgegengesetzte Seelenkraft erweckt. Und ich bekomme, indem ich das grünlich schimmernde Goldplättchen hier habe, wenn ich überall aufschaue, überall hinschaue, wegschaue, ich bekomme- nicht wie der physiologische Physiker sagt, nur eine Kontrastwirkung, sondern in diesem allem liegt in der Kontrastwirkung eine ganze Welt- den Eindruck einer ganzen in sich schimmernden Welt, einer ganzen in sich schimmernden Welt, die da wie im mattrötlichen, bläulichrötlichen Lichte um mich herum überall schimmert. Und ich weiß in dem Augenblicke, in dem Stückchen Gold, das so klein ist, liegt die ganze Welt da. Und dieses kleine Stückchen Gold, das ich in der Hand habe, das hier grünlich schimmerrt, das ist eigentlich eine ganze Sphäre. In dieses kleine atomistische Stückchen, in das ist sie verdichtet. Ich kann nicht ein Stückchen Gold haben, ohne daß es eine ganze Sphäre ist, ohne daß es ein Knotenpunkt ist aus einer Sphäre, einer ganzen Sphäre, so daß ich gewissermaßen lerne, in dem Blau-Roten, in dem Blau-Violetten einer Sphäre zu leben. Und wenn Ihr dann andere Eigenschaften des Goldes kennenlernt, dann werdet Ihr lebendig verbinden diese andern Eigenschaften des Goldes mit dem, was Ihr so in einer Art von seelischer Schau erhaltet. Ihr werdet zum Beispiel die Euch bekannte Eigenschaft, daß das Gold nicht duldet eine Verbindung mit dem Sauerstoff, Ihr werdet dies in einer gründlichen, einer grundlegenden, prinzipiellen Weise erleben, denn Ihr werdet Euch sagen: Der Mensch lebt dadurch, daß er den Sauerstoff hat. Er lebt dadurch, daß er den Sauerstoff hat, daß er den Sauerstoff fortwährend verarbeitet. — Im ätherischen Leib - Ihr habt es gesehen - ist alles anders; er ist verwandt mit demjenigen, was nicht im physischen Leib verankert ist. Das Gold ist mit dem ätherischen Leib dadurch verwandt, daß es nicht in sich eine Verbindung mit dem Sauerstoff duldet, so daß gerade durch diese seine Eigenschaft das Gold im ätherischen Leib heilend wirkt für alles dasjenige, was der Sauerstoff zum Beispiel im physischen Leib verursachen kann. Daher ist das Gold gewissermaßen ein Heilmittel, das vom Zentrum des Menschen aus richtig wirken kann. Ihr bekommt durch diesen leuchtenden Eindruck in mattblau-rotem Lichte eigentlich die innere Wahrheit des Satzes: Das Gold ist Sonne. Es ist ganz Sonne. -Nun, da habt Ihr diesen einen Knoten, der hier einfach anzeigt, daß im Weltenraum Gold Sonne ist und daß Gold-Sonne mit dem ätherischen Leibe verwandt ist.
Seht Ihr, durch solche Betrachtungen kommt Ihr zu denjenigen Eigenschaften einer Substanz, die man für die Therapie braucht. Aber Ihr kommt nur dazu, wenn Ihr ernst nehmen wollt, nicht als äußeres Wort, sondern als fortwährende innere Aufforderung der Seele:
Schau in deiner Seele
Leuchtekraft
Fühl in deinem Körper
Schweremacht
Das muß aber wirklich Übung werden. Ihr müßt üben können, wie wenn Eure Seele etwas werden würde, was wirklich strömend in die Weite ist, strömendes Licht, Leuchtekraft, und wie wenn Euer Körper etwas werden könnte, was durch seine eigene innere Schweresehnsucht sich mit dem Inneren der Erde verbindet. Diesen ungeheuren Gegensatz müßt Ihr wirklich innerlich erleben, dann trennt Ihr Seele und Leib, Seele und Körper, die getrennt werden müssen. Dann geht es weiter
In der Leuchtekraft
Strahlet Geistes-Ich
Nur so werdet Ihr das Ganze verstehen. Denn das menschliche Ich geht als inneres Erlebnis in der Seele auf. Daher müßt Ihr auch das Bild verstehen, daß in der in das Weltenall hinausstrahlenden Seele, hinausleuchtenden Seele strahlig das Ich erwächst.
Das andere ist nun dasjenige, was Ihr hinzufügen müßt:
In der Schweremacht
Kraftet Gottes-Geist.
Wahrhaftig nicht bloß als von einem trivialen Bild, meine lieben Freunde, sondern als von etwas, was tief der Wahrheit entspricht, haben die Menschen früherer Zeiten immer davon gesprochen, daß der Mensch, der menschliche Körper ein Tempel der Gottheit ist. Und so wahr als in der Seele das Ich das Herrschende ist, wenn die Seele bewußt ist, so wahr ist im Körper die Gottheit herrschend. Ihr dürft nicht Eueren Körper als das Eurige ansprechen, denn der Körper ist nicht des Menschen, der Körper ist Gottes. Es ist schon so: Aus den göttlichen Kräften heraus erwächst des Menschen Körper, aber sein ist nur die darin befindliche Seele, so daß Ihr wirklich sehen müßt in Eueren körperlichen Werkzeugen Gottes Tempel.
Und das ist von ungeheurer Wichtigkeit zu wissen:
In der Leuchtekraft
- der Seele
Strahlet Geistes-Ich
In der Schweremacht
Kraftet Gottes-Geist
— kraftet in dem menschlichen Körper gerade so, wie das Ich in der menschlichen Seele.
Nun kommt aber das Wichtige:
Doch darf nicht
Leuchtekraft
Ergreifen
Schweremacht
Wenn der Mensch schläft, so wird Euch ohne weiteres klar sein, er hat getrennt sein Seelisches und sein Körperlich-Leibliches. Er hat sie getrennt. Da ergreift die Seele nicht den Körper. Aber auch wenn der Mensch wacht, so muß es so sein, daß zwar das Ich und der astralische Leib untertauchen in den physischen und den ätherischen Leib, daß aber dennoch eine innere Absonderung, ein inneres Getrenntsein der Leuchtekraft und der Schweremacht besteht. Es darf nicht so sein, daß chemisch eine Komponente sich bildet aus der Leuchtekraft und der Schweremacht; die müssen innerlich getrennt sein. Mechanisch dürfen sie sich nicht miteinander vermengen oder sich gar verbinden innerlich. Sie müssen nebeneinander im gleichen Raume wirken, die Schweremacht des Körpers hinunter, die Leuchtekraft der Seele hinauf. Deshalb ist der Satz wichtig:
Doch darf nicht
Leuchtekraft
Ergreifen
Schweremacht
Und auch nicht
Schweremacht
Durchdringen
Leuchtekraft.
Das ist nur der Gegensatz. Also es muß in der Realität, meine lieben Freunde, im Menschen das vorhanden sein, getrennt vorhanden sein, was unsere äußere Sinneserkenntnis fortwährend vermischt. Wenn Sie den Menschen äußerlich anschauen in der Sinneserkenntnis, so ist das alles durcheinander. Und wenn der Mensch das wäre, als was ihn die gewöhnliche Anschauung sieht, so wäre er immer krank. Der Mensch kann gesund sein, aber unsere Anschauung, unsere Sinnesanschauung vom Menschen ist immer die Krankheit. Man sieht den Menschen immer krank, aber das ist natürlich immer Maja, Illusion. Denn in der wahren Wesenheit darf der Mensch nie so sein, wie man ihn sieht. In der wahren Wesenheit darf nicht durcheinandergemischt sein Leuchtekraft und Schweremacht. Die müssen innerlich getrennt sein voneinander. Es darf also etwa nicht so sein wie beim Wasser, wo Wasserstoff und Sauerstoff eine chemische Verbindung miteinander eingehen, und eigentlich für sich verschwinden. Das macht beim Menschen bloß die sinnliche Anschauung; die hat die Abgeschmacktheit zustande gebracht, chemische Vorstellungen in sich hineinzutragen und den Menschen so anzuschauen, als wenn er eine Verbindung von Leuchtekraft und Schweremacht wäre - die sind getrennt und müssen getrennt bleiben -, wie wenn das Wasser so wäre, als ob Wasserstoff und Sauerstoff immer darin getrennt blieben, trotzdem sie ineinander sind.
Denn fasset Leuchtekraft
Die Schweremacht
— also geht wirklich Leuchtekraft in Schweremacht hinein —
Denn fasset Leuchtekraft
Die Schweremacht
Und dringet Schweremacht
In Leuchtekraft
So binden in Welten-Irre
Seele und Körper
In Verderbnis sich
— die Verderbnis ist die Krankheit.
Wie gesagt, Ihr müßt so etwas wie dieses nur ganz im vollen Ernste nehmen, aber so ernst nehmen, daß es Eueren Leib bildet, daß Ihr wirklich den Menschen anschauen könnt nach Leuchtekraft und Schweremacht und daß Ihr das Gefühl habt, die sind, wenn sie einander anfassen, einander feind. In der Krankheit fassen sie einander an. Und wenn Leuchtekraft die Schweremacht faßt, entstehen die Krankheiten des Körpers; wenn Schweremacht in Leuchtekraft dringt, entstehen die sogenannten Seelenkrankheiten. Denn bedenkt, was da ist. Bedenkt, daß im Körper Gottes Geist lebt. Wenn nun Leuchtekraft Schweremacht fasset, so eignet sich der Mensch widerrechtlich Gott, Gott in sich, an.
Nun, diese Dinge alle mit dem nötigen moralischen Impuls zu denken, durchzuempfinden, durchzufühlen und dann mit dem, was Ihr da gefühlt habt, zu wollen, da lernt Ihr allmählich wirklich die Dinge und Vorgänge der Welt so anschauen, daß Ihr darauf kommt, wie man wiederum, wenn Leuchtekraft die Schweremacht erfaßt hat, wegbringt die Leuchtekraft von der Schweremacht durch irgend erwas, was den ätherischen Leib vom astralischen Leib her unterstützt durch irgendeine äußere Substanz oder durch einen Vorgang im Menschen. Seht Ihr, wenn Ihr so etwas in Eurer Seele richtig durchempfindet, dann werdet Ihr auch einen Blick bekommen für das Heilende der Heileurythmie. Denn das Heilende der Heileurythmie ist im Grunde genommen, ich möchte sagen dasjenige, was beim Heilen ganz besonders auf die kosmischen Kräfte rechnet. Wenn Ihr konsonantische heileurythmische Übungen macht, so seid Ihr drinnen in den Mondenkräften. Wenn Ihr vokalische heileurythmische Kräfte entwickelt, so seid Ihr in den Saturnkräften drinnen. Und der Mensch fühlt sich direkt durch diese zwei Arten von Kräften beim Heileurythmisieren in den Kosmos ein. Und es ist zum Beispiel so: Nehmen wir einmal an, man könnte konstatieren — denn das Wesentliche in der Medizin ist selbstverständlich die Therapie, aber es gibt nicht eine Therapie, wenn nicht eine absolut brauchbare Diagnose vorliegt -, nehmen wir an, man könnte konstatieren, daß beim Menschen vorliegt ein zu starkes Gestalten, daß er also in sich, sagen wir die Gestaltung hat von Salzen oder Kohlehydraten, die er nicht überwinden kann; es ist zuviel Gestaltung in ihm. Wenn Ihr wirklich die ja feineren Wirkungen auf den Organismus betrachtet - es können die Symptome nur als leise Symptome auftreten -, da wird die vokalische Heileurythmie, die dem Gestalteten entgegenwirkt, außerordentlich günstig wirken können. Oder man nehme einmal an, daß ein kleines Kind leise die Anlage zum Stottern zeigt. Nun, nicht wahr, ich will ganz gewiß nicht in einer dilettantischen Weise davon sprechen, daß das Stottern dieses oder jenes ist, es können natürlich die mannigfaltigsten Schädigungen da sein. Aber unter allen Umständen wirken diese Schädigungen beim Stottern so, daß eine prädominierende gestaltende Kraft vorhanden ist, und man wird gerade daher beim Stottern vokalisierende heileurythmische Übungen machen, und zwar gerade in der Reihenfolge, wie sie das Vokalische naturgemäß im Menschen, ich möchte sagen zum richtigen menschlichen Offenbaren bringen, gerade in der Form anwenden, so daß man in der Tat bei Kindern, die zum Stottern Anlage haben, heileurythmisch einfach mit der gewöhnlichen Vokalfolge a, e, i, o, u, wenn man die nötige Ausdauer und Liebe hat, außerordentlich viel wird erreichen können.
Wenn Ihr Euch das alles bedenkt, meine lieben Freunde, dann werdet Ihr Euch sagen können, gerade das muß für Euch wichtig sein, daß Ihr die esoterischen Untergründe, die ich Euch vor einigen Tagen und jetzt gegeben habe, betrachtet wie eine Art Moral des medizinischen Studiums. Unter Moral verstehe ich das Verbundenfühlen zu einer Verpflichtung, das Verbundenfühlen, wirklich die Seele durch solche meditativen Kräfte in die nötige fortdauernde Stimmung zu bringen, der Welt in der richtigen Art gegenüberzustehen. Nicht wahr, würde man Euch ein Jahr vortragen können, so würde man schon sehr viel über einzelnes sagen können, was Euch dann auch für die Praxis konkret da hineinstellen kann. Aber da wir ja in diesen Vorträgen alles nur gewissermaßen auf den Weg bringen konnten, meine lieben Freunde, so ist es von ganz besonderer Wichtigkeit, zunächst, ich möchte sagen von der Entwickelung der medizinischen Kräfte in der Menschenwesenheit zu sprechen, Euch eben diese medizinischen Winke zu geben. Denn wenn Ihr mit diesen esoterischen Winken nun an Eure medizinischen Studien geht: Ihr werdet sehen, es wird anders. Allerdings, es wird vielleicht schwerer sogar. Wenn ein etwas gedankenstumpfer Mensch von heute - die Menschen werden heute schon durch die Volksschule gedankenstumpf, durch die Gymnasiumausbildung noch mehr, dann kommen sie an die Hochschule heran - wenn ein solcher gedankenstumpfer Mensch an die medizinischen Studien kommt, wird er das erste und zweite Jahr mit einer gewissen inneren Bockigkeit die Dinge überwinden, wenn er vielleicht aus irgendwelchen sozialen Hintergründen herrührend irgendwelche moralische Peitsche hinter sich fühlt. Aber Mediziner, Arzt wird er nicht. Er wird einer, den die Sozietät anstellt als einen, der den Arzt mimt, aber er wird nicht Arzt. Nun werdet Ihr ja natürlich eine verfeinertere Seelenkraft bekommen dadurch, daß Ihr solche Dinge auf Eure Seelenkräfte wirken laßt. Und es wird Euch manchmal die Art, wie heute Psychologie und Physiologie und pathologische Wissenschaft, auf denen die medizinische Wissenschaft beruht, auf Euch selber wirken es wird Euch manches wehe tun. Es wird wirklich so sein, wie wenn man Euch manchmal statt Brot Steine geben würde. Aber Ihr werdet dann selber aus diesen Steinen, die da sind, doch etwas herausholen können. Und es wird Euch das, was da gegeben wird, in einem gewissen Grade doch zielvoll sein können. Ihr werdet auf einem nicht leichten Wege doch etwas lernen können. Und das muß schon sein, nicht wahr, vorläufig ist eben die Welt mit ihrem Materialismus noch mächtig, und wir müssen uns zunächst in sie hineinstellen auf irgendeine Art. Wir müssen da heraus arbeiten aus der Lage, in die wir kommen, wenn wir uns eben hineinstellen.
Und so müßt Ihr schon so, wie die Welt es verlangt, Ärzte werden und Euer Arztstudium durchdringen mit demjenigen, was Ihr von hier aus haben könnt. Und deshalb möchte ich noch einmal sagen: Ihr werdet, meine lieben Freunde, durchaus die Gelegenheit haben, Euch hier in der richtigen Weise zusammenzuschließen, anzuschließen auf die Art, wie ich es Euch gesagt habe. Ihr müßt vollständiges Vertrauen haben zu der Art und Weise, wie von mir zusammen mit Frau Dr. Wegman die medizinische Abteilung des Goetheanums verwaltet wird. Gerade diese Medizin, wie man sie hier erforschen kann, kann Euch zeigen, wie man sie hier — verzeiht das paradoxe Wort — wirklich im Menschenleben erleben kann. Ihr werdet das empfangen können, und deshalb macht Ihr es so, daß Ihr, wenn Ihr wiederum draußen seid in der Welt, wenn Euch das eine oder das andere auftaucht, Ihr Eure Wünsche schreibt, Eure Herzensbedürfnisse. Und dasjenige, was der eine schreibt, wird dann eine Antwort erhalten, welche im monatlichen Rundbrief an alle mitgeteilt wird. Da wird auf die Weise, wie wir es zunächst nur machen können, das äußere Medizinstudium durchdrungen werden können von demjenigen, was nun eben einmal heute gegeben werden kann.
Denn seht Ihr, im Grunde genommen sind es Ja noch außerordentlich wenige Menschen - es können ja eigentlich nur junge Menschen sein —, nur wenige Menschen noch, die die Brücke schlagen können zwischen dem, was in Dornach geistig gewollt wird, und demjenigen, was draußen in der Welt matertalistisch die Macht hat. Es können ja vorläufig nur wenige Menschen sein, und eigentlich nur diejenigen Menschen, die in ihrem Studium drinnenstehen. Warum? Das, was man von Dornach zunächst hört in den verschiedensten Gebieten, wenn das wahr wäre, wäre es ja eine Narrheit. Als ich einmal in einem Kreise von Studenten vorzutragen hatte über ein besonderes Kapitel der Therapie, waren die Studenten da von der ganzen Fakultät und ein ganzer Professor, ein richtiger Professor. Ja, sehen Sie nun, meine lieben Freunde, ich konnte dem Mann ansehen, der kam in den Vortrag herein, weil er bestätigt finden wollte das, was er glaubte, daß da eben ein ganz gewöhnliches Geschwätz vorgetragen würde, wie es eben von medizinischen Dilettanten vorgetragen wird. Und da konnte ich wirklich Metamorphosestudien machen, indem er auf der einen Seite immer mehr innerlich unwillig wurde und auf der andern Seite aber eine Überraschung erlebte. Er mußte nämlich übergehen dazu zu glauben, daß es nicht Geschwätz ist, aber er konnte natürlich nicht ja sagen dazu, denn es widersprach vollständig demjenigen, was er nun schon seit Jahrzehnten als das Wahre und Richtige angesehen hat. Nicht wahr, das Äußerste, was man von diesem Herrn verlangen konnte, war - ich habe nachher mit ihm gesprochen, da stellte es sich heraus -, daß er sich sagte: Ich halte mir das am liebsten vom Leibe! - Nicht wahr, er hätte es sich nicht vom Leibe zu halten brauchen, wenn er eingesehen hätte, daß es Unsinn ist. Dann hätte er leicht die üblichen Fußtritte geben können. Er glaubte auch, er könne es leicht, aber er konnte es nicht, und da war das Äußerste, was man von Professorenseite verlangen kann, daß er sich sagte: Ich halte mir das am liebsten vom Leibe. - Man kann nichts anderes verlangen. Aber ganz anders muß sich wirklich der junge Mensch dazu stellen. Der hat noch nicht Antezedentien. Der kann also tatsächlich zum Heile der Menschheit die Dinge aufnehmen. Und wenn das geschieht, meine lieben Freunde, dann wird es schon dahin kommen, daß nach und nach - vielleicht schneller als man denkt — die Goetheanum-Spiritualität in die Medizin hineinkommt.
Aber es muß natürlich zunächst mit der Sache so sein, daß mit vollem Ernst so etwas seine weitere Fortsetzung findet, wie die Art und Weise — wie Frau Dr. Wegman gesagt hat -, wie Ihr zu ihr gekommen seid, um wirklich einzuleiten mit vollem Vertrauen die Verbindung mit demjenigen, was eigentlich ein medizinisches Studium sein soll, das in die allgemeine heutige materialistische Medizin hineinfließen muß. Ihr könnt viel für Euch dazu tun, aber auch viel tun für die Welt und für die kranke Menschheit, wenn Ihr das, was Ihr jetzt gehört habt, nicht als etwas bloß Vorübergehendes betrachtet, sondern als Ausgangspunkt für das, wozu Ihr ja einen so außerordentlich guten Anfang gemacht habt.
In diesem Sinne, meine lieben Freunde, wollen wir vereinigt bleiben, wollen wir so vereinigt bleiben, daß Ihr in Dornach hier im Goetheanum Euren Mittelpunkt behaltet und an diesen Mittelpunkt Euch wirklich haltet, so daß dieser Mittelpunkt durch Euch in der Welt wirken kann. Das ist dasjenige, was ich wie eine Art von Mahnung, möchte ich sagen, Euch mitgeben möchte, dann wird es gut werden, dann wird noch manches sich anschließen an dasjenige, was wir hier besprochen und durchgemacht haben, wovon Ihr in so schöner Weise ein Gefühlsideal haben könnt, was aber werden kann wirkliche Lebensgestaltung.
Nun, meine lieben Freunde, so wollen wir es halten.
Schau in deiner Seele
Leuchtekraft
Fühl in deinem Körper
Schweremacht
In der Leuchtekraft
Strahlet Geistes-Ich
In der Schweremacht
Kraftet Gottes-Geist
Doch darf nicht
Leuchtekraft
Ergreifen
Schweremacht
Und auch nicht
Schweremacht
Durchdringen
Leuchtekraft
Denn fasset Leuchtekraft
Die Schweremacht
Und dringet Schweremacht
In Leuchtekraft,
So binden in Welten-Irre
Seele und Körper
In Verderbnis sich. —