Course for Young Doctors
GA 316 — 21 April 1924, Dornach
Erster Vortrag
Meine lieben Freunde!
Wir haben in derjenigen Zusammenkunft, die wir im Anschluß an den Weihnachtskurs hier gehalten haben, sozusagen auf uns wirken lassen dasjenige, was die Medizin esoterisch vertiefen kann. Und natürlich in der Art, wie dies in einer so kurzen Zusammenkunft geschehen kann, haben wir versucht, einen möglichst starken Eingang in das Esoterische der Medizin zu gewinnen, wie es gerade für den jüngeren medizinisch Strebenden heute angemessen erscheint. Wir haben auch in einzelnen Formeln dasjenige in uns aufgenommen zur weiteren Verarbeitung, was hervorrufen kann medizinische Gesinnung, und wir haben ja betont, wie nötig das ist, was medizinische Gesinnung ist. Nun stelle ich mir vor, meine lieben Freunde, daß Ihr eine Zeitlang diese Dinge innerlich verarbeitet habt. Ich stelle mir natürlich diese Arbeit nicht so vor, daß man sitzt und diese Dinge theoretisch bearbeitet, sondern daß man ab und zu, wenn das innere Bedürfnis dazu vorhanden ist, die Dinge auf die Seele wirken läßt und die Seele sich weiter entwickeln läßt. Nun, gerade in der Art, wie diese Dinge damals an uns herangetreten sind, mußte sich eine ganz bestimmte Tatsache herausstellen, die, wie ich glaube, jetzt für die Zusammenkunft von Bedeutung ist. Es mußte durch die starke Art des Zusammendrängens der damals gegebenen esoterischen Sachen in gewissem Sinne bei dem einen oder dem andern mehr oder weniger das Bedürfnis entstehen, auf gewisse innere Schwierigkeiten hinzuschauen. Es sind die Dinge, die esoterisch gegeben werden, nicht immer dazu da, um uns das Leben möglichst leicht zu machen, sondern es ist schon in gewisser Weise das Gegenteil der Fall. Sie sind schon auch dazu da, um uns das Leben zu erschweren, uns in Schwierigkeiten des Weltauffassens, des Weltempfindens, des Menschenempfindens hineinzutragen, indem wir dann, wenn wir auf diese Schwierigkeiten aufmerksam werden, das Gegenteil von demjenigen Entwickelungsweg machen, der heute so vielfach innerhalb unserer Zivilisation gemacht wird, nämlich das Gegenteil eines oberflächlichen Entwickelungsweges. Nur wenn man auf die zwischen der Außenwelt und dem Menschen gegebenen Schwierigkeiten aufmerksam wird, kann man in der Seele sich vertiefen, und deshalb meine ich, wird es diesmal der beste Weg sein, den wir durchmachen können, wenn Ihr Euch auf diese inneren Schwierigkeiten besinnt, diese vorbringt in Form von Fragen und wir dann dasjenige, was eigentlich fördernd für die weitere Entwickelung unserer Sache ist, zum Gegenstand der Besprechung machen. Ich würde zunächst bitten, daß mir gesagt würde aus Eurem eigenen Kreis heraus, welche inneren oder äußeren Schwierigkeiten sich ergeben haben. Dem Praktiker werden sich Schwierigkeiten ergeben haben, dem Studierenden werden sich Schwierigkeiten ergeben haben. Es sind eine Anzahl unter uns, die jetzt im Abschluß ihrer Studien stehen, denen werden sich ganz besondere Schwierigkeiten ergeben haben. Das werden wir zur Lösung bringen, indem eben diese Lösung gesucht werden kann. Alle haben auch den ersten Rundbrief bekommen und werden gesehen haben, daß in Anknüpfung an ganz bestimmte Fragen sehr viel doch zu sagen ist. Ich möchte fragen, ob irgendwie doch eine Frage auftaucht, sie kann so bestimmt oder unbestimmt sein, wir werden dann schon an der Frage zu weiterem kommen. Aber wir kommen dadurch mehr aus dem Vortragsmäßigen in das Erlebbare hinein, wenn solche Fragen auftauchen.
Ernst Harmstorf: Fragt nach dem Jahreslauf, Seelenkalender, bestimmten Konstellationen der Sterne.
Das ist nicht nötig. Sie meinen die Beobachtungen der Konstellationen der Sterne? — Ja. - Nun nicht wahr, es ist eine Unterstützung, wenn man die beobachtbare Konstellation der Sterne ins Bewußtsein hereinbekommen kann. Aber Sie meinen doch,wenn ich Sie richtig verstanden habe, wie sich die Sache richtig verhält, wenn wir das, was wir als Formeln bekommen haben, auf die Seele wirken lassen. Das wirkt durch seine eigene mantrische Kraft, und das Sich-Orientieren im Äußeren der Sterne kann allerdings eine Unterstützung sein, aber Sie müssen das Folgende bedenken. Nicht wahr, nehmen Sie das allereklatanteste Beispiel eines menschlich-kosmischen Zusammenhanges, der heute noch beobachtet werden kann. Das ist der Verlauf der Menses. Die verlaufen so, daß sie deutlich zeigen, sie sind kosmisch bedingt, aber nicht in der gegenwärtigen Zeit kosmisch bedingt, sondern sie sind kosmisch bedingt in einer viel früheren kosmischen Entwickelung, an der auch unsere Erde teilgenommen hat. Dann haben sie sich im Laufe der Zeit in sich selber abgeschlossen, emanzipiert von dem äußeren Kosmos, so daß jetzt nicht eine unmittelbare Abhängigkeit besteht, so daß man jetzt nicht sagen kann: Mondphasen = Menses. Das kann man nicht sagen. Dagegen kann man wohl sagen: Es war einmal ein Punkt, wo das eine mit dem andern identisch war, dann sind sie auseinandergegangen. Die Mondphasen sind für sich, die Menses sind für sich. Das ist die eine Gliederung. Das andere ist dieses, was sich nicht nach den größeren Mondphasen richtet, sondern nach den täglichen Mondphasen. Ebbe und Flut waren identisch mit demjenigen, was durch den Mond vorgeht. Wiederum hat es sich getrennt. Der Mond geht für sich, Ebbe und Flut gehen für sich. Diese Dinge sind auch maßgebend für die Wirkung des Mantrischen. Das Mantrische ist durchaus so da, daß dasjenige, was dadurch im Menschen vorgeht, einmal identisch war mit dem Vorgang im Kosmos, und die Spaltung hat nun eben so stattgefunden, so daß man erst die richtige Orientierung haben muß. Wenn man nun diese Unterstützung von außen haben will, dann muß man sich erst sagen: Es ist aufgeschrieben im Kosmos, was im Inneren vorgehen soll. - Aber man muß sich, wenn man sich darauf besinnt, innerlich unabhängig machen und denselben Verlauf innerlich für sich, emanzipiert von dem kosmischen Verlauf, erleben können. Daher ist es nicht unbedingt notwendig, daß bei der Wirkung eines Mantrams die Sternkonstellationen berücksichtigt werden, ebenso wie es überhaupt nicht in Frage kommen kann, daß die Menses nach der äußeren Mondstellung geregelt werden können, weil sie naturhaft geworden sind. Ebenso ist es heute bereits so, daß unser ganzer innerlicher durch Mantren bedingter Verlauf emanzipiert vom äußeren Kosmos verlaufen muß. Das ist das, was ich schon öfter für andere Gebiete auseinandersetzen mußte als Unterschied zwischen orientaler und okzidentaler Esoterik. Der Orientale steht ganz auf dem Standpunkt, der Mensch ist herausgekommen aus dem Kosmos, er muß wieder zurück, er muß sich wieder anschließen. Nehmen Sie die Buddha-Stellung. Sie ist ein Zurückgehen in frühere Verhältnisse. Durch die ganze Buddha-Stellung geht das hervor, durch das Übereinanderschlagen der Beine, die Ausschließung der Gliedmaßen. Es ist auch die Stellung der Arme so, daß das ganze Verhältnis zur Erde lahmgelegt wird. Was emanzipiert vom Kosmos, wird lahmgelegt. Man sieht, wie der Mensch sich wieder zurück eingliedert in den Kosmos. Er geht wieder zurück. Und so ist eigentlich die ganze orientalische Esoterik. Sie ist ein Rückwärtsgehen. Unsere abendländische Esoterik kann nur ein Vorwärtsgehen sein, ein immer mehr Sich-Emanzipieren. Daher ist sie nicht so innerlich bequem, und besonders, wenn sie auf bestimmte Gebiete angewendet werden soll, ist sie nicht so innerlich bequem. Natürlich, wenn Sie, sagen wir, etwas bestimmtes Pathologisches vorliegen haben und Sie sehen sich die Sternkonstellation an, sehen, daß der Fall ausgesprochen eingetreten ist, wenn, sagen wir, Saturn in Opposition zum Mond steht, so hat das natürlich schon eine gewisse Bedeutung. Denn wenn Sie jetzt heilend herankommen mit Saturn-Mond, das heißt irdisch gesprochen: Blei-Silber — nicht wahr, Saturn = Blei, Mond = Silber -, und sich sagen, Blei verwende ich kosmisch, wie es kosmisch geworden ist in der Erde, das Silber verwende ich irdisch, indem ich versuche, es zu pulverisieren, versuche, es zu lösen, also ich ändere es ins Irdische und rufe dadurch dieselbe Konstellation hervor, die himmlisch ausgedrückt ist durch die Opposition zum Mond, dann können Sie heilen im Sinne der kosmischen Kräfte. Aber zu gleicher Zeit bringen Sie den Menschen in eine Lage hinein, die ihn zurückwirft in frühere menschliche Entwickelungsstadien, während, wenn Sie einfach direkt ausgehen von demjenigen, was irdisch gegeben ist - der Zusammenhang des Menschen mit dem Blei, mit dem Silber -, Sie schon in einem sich im Menschen Emanzipierenden drinnen stehen, und Sie schauen nicht in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft. In diesem Fall werden Sie durchaus sogar etwas Ähnliches machen, aber Sie bekommen es von innen dadurch, daß Sie die Natur des Bleies und des Silbers kennenlernen, daß Sie wissen, Blei wirkt substantiell, Silber durch das, was es eigentlich wird, wenn es zertrümmert, gelöst, also in Atome aufgelöst wird. Aber Sie vergleichen es mit der schon emanzipierten Menschennatur, nicht mit dem Kosmos. In dieser Weise muß man schon die Einstellung finden; deshalb kann es schon eine Hilfe sein, sich auf die wirklichen Sternkonstellationen zu besinnen, aber zunächst wird man alle Kraft aufwenden müssen, um die eigene innere Seelenimpulsierung desjenigen, was als mantrische Formeln wir gehabt haben, auf sich wirken zu lassen und mehr alles aus dem Inneren heraus zu suchen.
Ilse Knauer: Was muß ich vom Ich aus tun, wenn ich eine Meditation mache?
Sie meinen vom Ich aus? Nun, nicht wahr, die Meditation besteht aus folgendem: Als moderner Mensch haben Sie jedem Satz gegenüber das Gefühl, Sie müssen ihn verstehen. Das ist eine ausgesprochene Tätigkeit des Ich in der gegenwärtigen Inkarnation. Alles dasjenige, was Sie intellektuell tun, ist eine ausgesprochene Betätigung des Ich. Der Intellekt ist in der gegenwärtigen Inkarnation [vorherrschend] und alles übrige ist vom Ich zugedeckt, wirkt höchstens traumhaft hinauf und ist unbewußt. Dagegen heißt nun meditieren: ausschalten dieses intellektuelle Streben und den Meditationsinhalt zunächst so nehmen, wie er gegeben ist, rein, ich möchte sagen zunächst dem Wortlaute nach, so daß Sie, wenn Sie intellektuell an den Meditationsinhalt herangehen, bevor Sie den Meditationsinhalt in sich aufnehmen, Ihr Ich in Bewegung bringen, denn Sie denken nach über den Meditationsinhalt, Sie haben ihn außer sich. Wenn Sie den Meditationsinhalt, einfach wie er gegeben ist, in Ihrem Bewußtsein anwesend sein lassen, gar nicht nachdenken, sondern im Bewußtsein anwesend sein lassen, dann arbeitet in Ihnen nicht Ihr Ich aus der gegenwärtigen Inkarnation, sondern das aus der vergangenen. Sie halten stille den Intellekt; Sie versetzen sich einfach in den Wortinhalt, den Sie innerlich, nicht äußerlich hören, als Wortinhalt hören. In das versetzen Sie sich, und indem Sie sich in das versetzen, arbeitet im Meditationsinhalt Ihr innerer Mensch, der nicht derjenige ist der gegenwärtigen Inkarnation. Dadurch aber wird der Meditationsinhalt nicht zu etwas, was Sie verstehen sollen, sondern das real in Ihnen wirkt und so real in Ihnen arbeitet, daß Sie zuletzt gewahr werden, jetzt habe ich etwas erlebt, was ich früher nicht erleben konnte. Nehmen Sie einen einfachen Meditationsinhalt, den ich oftmals gegeben habe: «Weisheit lebt im Licht.» Nun, nicht wahr, wenn man darüber nachdenkt, kann man darüber furchtbar viel Gescheites, aber ebensoviel furchtbar Törichtes herausbekommen. Er ist da, um innerlich gehört zu werden: «Weisheit lebt im Licht.» Da paßt in Ihnen auf, wenn Sie ihn so innerlich hören, dasjenige, was da ist, nicht aus der gegenwärtigen Inkarnation, sondern dasjenige, was Sie sich mitgebracht haben aus früheren Erdenleben. Und das denkt und das empfindet, und es leuchtet auf nach einiger Zeit in Ihnen etwas, was Sie früher nicht gewußt haben, was Sie auch nicht aus Ihrem eigenen Intellekt heraus denken können. Sie sind innerlich viel weiter als Ihr Intellekt ist. Der enthält nur einen kleinen Ausschnitt dessen, was da ist.
Sie müssen schon die Dinge, die sonst in der Anthroposophie gegeben werden, recht konkret, recht gegenständlich nehmen. Bedenken Sie doch das Folgende. Der Mensch erneuert mit dem Zahnwechsel eigentlich seinen ganzen physischen Leib. Diese Tatsache muß als eine fundamentale Tatsache genommen werden. Daß der Mensch zweite Zähne bekommt, ist ja nur das alleräußerste Symptom, nur ein Stück dessen, was vorgeht. So, wie die sogenannten Milchzähne ersetzt werden, wird der ganze menschliche Organismus ersetzt, so daß der Mensch nach dem Zahnwechsel seiner physischen Substanz nach ein ganz neuer ist gegenüber dem, der er war, als er geboren wurde. Die heutige Anschauung, die alles durcheinander muddelt, die denkt nun, der Mensch ist geboren worden, da macht er den Zahnwechsel durch eine Metamorphose durch, dann entwickelt er sich weiter.
So ist es nicht. Die Sache ist so: Der Mensch hat einschließlich der sogenannten Milchzähne, wenn er physisch zur Welt kommt, einen Körper, der ein Ergebnis der Vererbungsentwickelung ist. Er hat einen Körper bekommen, der das Ergebnis ist desjenigen, was in der ganzen Reihe der Aszendenten liegt. Daher kommt der physische Körper der ersten sieben Jahre, wenn wir es in Zahlen ausdrücken. Vom siebenten bis vierzehnten Jahre hat der Mensch auch einen Körper, der ist aber nicht hervorgegangen durch eine Umwandlung aus dem ersten, da hat eingegriffen dasjenige, was der Mensch sich mitgebracht hat auf die Erde. Nun müssen Sie sich die Sache so vorstellen. Der Mensch hat seinen Körper gehabt. Dieser Körper, den er aus der Vererbungslinie heraus hat, der ist ein Modell, den hat er als Modell. Nun nimmt er die irdische Substanz in diesen Körper hinein. Diese irdische Substanz, die der Mensch in seinen Körper hineinnimmt in den ersten sieben Jahren, die würde er zu einer ganz andern Form verarbeiten, wenn er nur arbeiten würde nach den Kräften, die er sich mitbringt aus dem vorirdischen Dasein. Er würde eine ganz andere Wesensgestalt hervorrufen. Er kommt nicht hinein, wenn er geboren wird, mit der Tendenz, einen solchen Menschen zu gestalten mit Augen, Ohren, Nase, wie der ist, der auf der Erde steht. Er kommt hinein mit der Tendenz, den Menschen so zu gestalten, daß er im Grunde genommen sehr wenig durch seine vorirdische Wesenheit vom Kopf aus gestaltet wird. Gerade auf das übrige wird die größte Sorgfalt verwendet. Das, was im Embryonalleben verkümmert ist, wird ausgebildet im Astralischen, in der Ich-Organisation, so daß man, wenn man den physischen Embryo hat, sagen muß: Dieses Physische im Embryo, das ist allerdings wunderbar ausgebildet, aber daran hat der vorirdische Mensch zunächst den wenigsten Anteil. — Dagegen hat der Mensch, der vorirdische Mensch den größten Anteil an alldem, was rund herum ist. Dadrinnen lebt der vorirdische Mensch, in dem, was im Physischen eigentlich abgebaut wird und als Abgebautes, Chorion, Amnion und so weiter, weggeht. Dadrinnen lebt der vorirdische Mensch. Nun können Sie, wenn Sie es sich schematisch vorstellen, es sich so vorstellen, daß zunächst Kosmisches nachgebildet wird. Das will eigentlich der Mensch machen, wenn er heruntersteigt aus dem vorirdischen in das irdische Dasein. Warum macht er es nicht? Weil ein Modell gegeben ist. Und nach diesem Modell arbeitet er nun mit den aufgenommenen Substanzen während der ersten sieben Jahre das Vorirdische um. Er möchte eigentlich ein mehr Kugeliges gestalten und einen kugelig organisierten Menschen hervorrufen. Das wird umgearbeitet nach dem Modell. Und so arbeitet das Vorirdische diesen zweiten physischen Menschen, der dann vom siebenten bis vierzehnten Jahre da ist, heraus aus den vorirdischen Kräften, zunächst aber, indem er sich an das Modell hält, das von den Vererbungskräften herkommt.
Nun sehen Sie, da haben Sie zwei auch wirklich unterscheidbare Kraftentitäten im Menschen. Wie können Sie diese Kraftentitäten verstehen? Nehmen Sie sich jetzt zur Hand mit dem Blick und mit dem Empfinden des Mediziners den Umriß der «Geheimwissenschaft» und lesen Sie darin da, wo von der Erdentwickelung die Rede ist, wie man es zuerst zu tun hatte mit einer Saturnentwickelung, dann mit einer Sonnenentwickelung, dann mit einer Mondentwickelung, mit einer Erdentwickelung und so weiter. Wenn Sie dort die Beschreibung dieser Entwickelung verfolgen, werden Sie sich sagen müssen: bis zur Sonne herüber ist alles eins; da ist Sonne, Mond und Erde eins, sind zusammen in eins. Eine Trennung von Erde und Sonne, eine Trennung von Erde und Mond kommt erst da, so daß also bis in die Mitte dieser Entwickelung der Mensch im Kosmos lebt. Er lebt in Sonne und Mond sowie in der Erde. Er lebt dann nach der Sonnentrennung außerhalb der Sonne, nach der Mondentrennung außerhalb des Mondes. Nun, auf die menschliche Natur wirkten also bis zur Sonnentrennung die kosmischen Kräfte, auch diejenigen, die heute außerhalb der Erde sind, im Mond, in der Sonne. Sie wirkten im Menschen, weil der Mensch angehörte dieser Welt, in der noch Sonne und Mond darinnen waren. Dann kam eine Entwickelung für den Menschen, die so vor sich ging, daß eben Sonne und Mond draußen sind.
Aber nun ist es so: Nehmen Sie an, hier ist eine Entwickelung, die in sich enthält alles dasjenige, was heute irdisch ist und auch dasjenige, was sonnen- und mondhaft ist; später emanzipiert sich das, was außerirdisch ist, von dem, was irdisch ist. Das, was irdisch ist, ging nun weiter in seiner eigenen Linie; es vertrocknete, es verhärtete, verphysizierte, und das finden Sie heute in der Vererbungsströmung, das ist grob geworden in der Vererbungsströmung. Das, was er [der Mensch] angenommen hat nach der Trennung von Sonne und Mond, finden Sie in dem, was er verdankt dem Hereinwirken der Kräfte aus dem Kosmos — das ist die Sache -, so daß Sie also ein Modell bekommen für das Erarbeiten Ihres zweiten Menschen, ein Modell, das eigentlich ein uraltes Künstlerisches darstellt, was Ihnen Vater und Mutter geben, das entstehen konnte, als noch Sonne und Mond mit der Erde verbunden waren. Da bildeten sich die Kräfte heraus, die eigentlich dem Menschen seine irdische Konfiguration geben, denn Sie werden leicht begreifen, diese menschliche Konfiguration ist eine irdische. Denken Sie sich einmal weg von der Erde mit der menschlichen Wesenheit. Was wollen Sie mit ihr dann anfangen? Sie wären höchst unglücklich, wenn Sie nach dem Tode so etwas wie Beine gebrauchen sollten. Beine haben nur einen Sinn, wenn durch sie die Anziehungskräfte der Erde gehen, wenn wir die Beine hineinbringen in die Anziehungskräfte der Erde, Beine haben nur für die Erde eine Bedeutung, ebenso Arme und Hände. Also ein ganzer Teil der Organisation hat nur einen Sinn, so wie er ausgebildet wird, wenn wir Erdenmenschen sind. Was wir sind als Erdenmenschen, hat keinen Sinn gegenüber dem Kosmos. Daher, indem wir ankommen auf der Erde als geistig-seelische Wesen, wollen wir eben eine ganz andere Organisation bilden. Wir wollen einen Umkreis bilden, wir wollen in diesem Umkreis allerlei Konfigurationen hervorrufen, aber wir wollen nicht diesen Menschen, mit dem man im Kosmos nichts anfangen könnte. Der wird uns nun als Modell gegeben und wir richten den zweiten Menschen nach diesem Modell ein.
Daher hat man es zu tun in dieser ersten Lebenszeit des Menschen mit einem fortwährenden Kampf desjenigen, was von uns aus dem vorigen Leben kommt und demjenigen, was aus der Vererbungsentwickelung kommt. Das kämpft miteinander. Der Ausdruck dieses Kampfes sind die Kinderkrankheiten. Und denken Sie nur, wie innig verbunden das ganze menschliche innere seelisch-geistige Sein während der ersten Kindheit mit der physischen Organisation ist. So wie Sie sehen, wenn die zweiten Zähne herauskommen, wie der zweite Zahn den ersten noch abstößt, wie sie miteinander noch wirtschaften, so wirtschaftet der ganze zweite Mensch mit dem ersten. Nur im zweiten Menschen ist der überirdische Mensch darinnen, im ersten ein fremdartiges irdisches Modell. Die arbeiten ineinander. Und wenn Sie das Ineinanderarbeiten in der richtigen Weise beobachten, sehen Sie dann nur einmal, wie der innere Mensch, der als geistig-seelischer im vorirdischen Dasein da war, wenn der für eine Zeitlang eine zu starke Oberhand hat, wie der besonders stark ins Physische hineinarbeiten, nach dem Modell sich stark richten muß und wie er dann dieses verletzt, indem er überall anschlägt und sagt: ich will diese Form herauskriegen — dann stellt sich der Kampf als Scharlach heraus. Ist der innere Mensch so zart, daß er fortwährend zurückweicht, daß er die Substanzen, die aufgenommen werden, mehr nach sich formen will, und bekämpft er das Modell, so stellt sich der Kampf als Masern heraus. Und so drückt sich gerade dasjenige, was ein gegenseitiger Kampf ist, in den Kinderkrankheiten aus. Und man versteht auch nur das, was dann später eintritt, in der richtigen Weise, wenn man diese Dinge entsprechend berücksichtigen kann.
Natürlich ist es für den Materialisten furchtbar leicht zu sagen: Ach was, das ist alles dummes Zeug. Denn man sieht ja, daß die Kinder nicht nur ähnlich sind ihren Eltern und Voreltern bis zum Zahnwechsel, sondern später sind sie auch noch ähnlich. Ein Unsinn ist das. Der eine ist eben schwächer, richtet sich mehr nach den Vererbungskräften, macht seinen zweiten Menschen dem Modell ähnlicher, und so sieht das dann natürlich so aus; aber er hat das selber gemacht, indem er sich mehr nach dem Modell richtet. Dagegen haben wir auch Menschen, die nach dem Zahnwechsel sehr unähnlich werden dem, was sie vorher waren. Dann ist das stark, was von dem vorirdischen geistig-seelischen Leben herrührt, und sie halten sich weniger an das Modell. Und so handelt es sich darum, diese Dinge einfach im richtigen Zusammenhang anzuschauen. Man kommt darauf, weil ja alles das, was aufgenommen werden muß, zunächst von dem Kinde so aufgenommen, so innerlich verarbeitet werden muß, daß das Ich und der astralische Leib in einen innigen Kontakt treten mit den Nahrungsmitteln. Das braucht später gar nicht mehr der Fall zu sein. Der Mensch kommt niemals wieder in die Lage, so stark nach einem Modell etwas Selbständiges auszuarbeiten, wie in den ersten sieben Lebensjahren. Da muß er alles, was er aufnimmt, so verarbeiten in seinem Ich und astralischen Leib, daß? es dem Modell nachgebildet werden kann. Daher muß man dem entgegenkommen, und die Welt hat es so eingerichtet, indem die Milch möglichst weit bis an die Ätherbildung herantreten kann. Sie ist eine Substantialität, die eigentlich noch einen Ätherleib hat, und weil die Substanz, wenn sie von dem Kinde aufgenommen wird, bis zum Ätherischen hinauf noch organisierend wirkt, da kann der Astralleib die Milch gleich abfangen, da kann die innige Berührung entstehen zwischen dem, was aufgenommen wird und dem, was Astralisches und Ich-Organisation ist. Daher ist eine ganz innige intime Beziehung zwischen den äußeren Nahrungsmitteln und der innerlich geistig-seelischen Organisation beim Kinde vorhanden. Und sehen Sie, jetzt müssen Sie als Mediziner es dahin bringen, das alles, was ich jetzt gesagt habe, dieses Merkwürdige zu verarbeiten. Man sieht es ja an der ganzen Art, wie das Kind die Milch trinkt, sieht, wie sein astralischer Leib und sein Ich die Milch abfangen. Es ist das wirklich zu sehen. Meditieren Sie auf der einen Seite in Mantren dadurch, daß Sie das Mantram auf sich wirken lassen, daß Sie Ihre seelischen Kräfte losbekommen auf der einen Seite; auf der andern Seite meditieren Sie einfach das Kind. Stellen Sie sich vor, wie das, was geistig-seelisch herunterkommt, mit Ausscheidung des Modells sich zunächst heranmacht an die physischen Nahrungsmittel, und dann dasjenige, was da vorgeht zwischen dem Geistig-Seelischen und den Nahrungsmitteln, das nun gerichtet wird nach den Formen des Modells. Wenn Sie sich das recht vorstellen, das zu starke Arbeiten des Geistig-Seelischen, das zieht sich Ihnen in der Scharlachbildung zusammen. Das zu schwache Arbeiten des Geistig-Seelischen, das zurückbebt vor dem Modell, das zieht sich Ihnen in der Masernbildung zusammen. Wenn Sie sich das meditativ vorstellen, treiben Sie hinüber die gewöhnliche Meditation in die medizinische Meditation. Daß die Leute heute alles begreifen wollen mit dem Verstand, ist das Entsetzlichste. Man kann in der Medizin überhaupt nichts begreifen mit dem Verstand. Mit dem Verstand könnte man höchstens begreifen die Krankheiten der Mineralien, und die kuriert man ja nicht. Alles, was Medizinisches ist, muß man mit der unmittelbaren Anschauung ergreifen, dazu muß sie erst ausgebildet sein.
An einem erwachsenen Menschen können Sie das nicht bemerken. Der Verdauungstrakt übernimmt die Nahrungsmittel - das ist ein innerlich vermittelter Vorgang —, während beim Kind der Astralleib und das Ich die Nahrungsmittel übernehmen; da sind noch unfertige Menschenformen zu richten und zu bilden nach dem Modell. Wenn Sie das Kind meditieren, sehen Sie eine mächtige Metamorphose sich abspielen. Sie sehen da, wie gewissermaßen aufleuchtet das Geistig-Seelische und immer hineindunkelt und hineinschattet das, was als Nahrungsmittel hineinkommt, sehen, wie da aus Licht und Finsternis, gleichsam wie in Farben gebildet wird das, was der zweite Mensch ist. Sie sehen in der Tat, wie in Helligkeit das Vorirdische im Menschen ist, wie Verdunkelung dasjenige ist, was an äußeren Nahrungsmitteln aufgenommen wird. In dem Kind macht sich über die Finsternis her eine Helligkeit, die aus dem Vorirdischen kommt, die Milch geht als Finsternis hinein: das bildet die verschiedensten Farben miteinander. Was im Physischen weiß ist, ist im Geistigen schwarz. Es ist immer das Gegenteil der Fall. Das bringt Sie in die Möglichkeit hinein, nun Ihr Ich ganz anders zu betätigen, als es sich sonst im Leben betätigt. Was ist das für eine Schwachmatikusbetätigung, die wir im gewöhnlichen intellektuellen Denkakt vollbringen! Das ist die größte Schwäche des Menschen, intellektuell tätig zu sein, Da trägt er nur Begriff an Begriff heran. Wenn Sie aber das Kind so beobachten, wie ich es jetzt gesagt habe, da meditieren Sie so, daß Ihre Ich-Organisation ganz mitarbeitet. Das ist es, was im weiteren Verlauf auch in unserer Pädagogik beachtet werden soll. Da hat man in einer Schule wie der Waldorfschule die Kinder zwischen dem siebenten und dem vierzehnten Lebensjahr: Da ändert sich das, da hat der Mensch ausgebildet seinen zweiten Menschen. Da habe ich ein Kind vor mir, das ist aus dem vorirdischen Dasein hereinmodelliert nach dem Modell, das abgeworfen ist, und jetzt sind in dem Kinde natürlich Vererbungskräfte geblieben. Die sind in das Modell, in die Imitation des Modells hineingefügt. Jetzt ist das Kind viel zu unirdisch. Denn jetzt hat das Außerirdische an dem Kind besonders stark gearbeitet, jetzt ist eigentlich der Schwingungsausschlag nach der entgegengesetzten Seite da. Vorher war das auch äußerlich am Menschen sichtbar, er war ganz Vererbungsprodukt, jetzt ist das, was äußerlich sichtbar ist, eigentlich ganz von innen entstanden. Jetzt muß die äußerliche Welt erworben werden. Jetzt muß dasjenige, was rücksichtslos für die Erdenwelt, nur mit Rücksicht auf das eigene menschliche Modell gearbeitet hat, nach der Außenwelt sich richten. Jetzt kommt in Betracht, daß der Astralleib und die Ich-Organisation zwischen sieben und vierzehn Jahren so arbeiten müssen, daß nun wieder dieses überirdische Wesen angepaßt wird den äußeren Erdenverhältnissen. Dieses hat seinen Abschluß mit der Geschlechtsreife.
Da ist der Mensch ganz in die Erdenverhältnisse hereingestellt, da geht er seine Beziehungen zu den Erdenverhältnissen ein, da ist das Erdenmäßige hereingegliedert in den Menschen, und so ist eigentlich die Hauptsache beim Entstehen des zweiten Menschen zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahr das, was er sich aus dem vorirdischen Dasein mitbringt, dann wirkt das Irdische herein. Das erreicht einen Abschluß in der Geschlechtsreife und der dritte Mensch wird jetzt ausgebildet. Daher beginnt das eigene Karma erst nach der Geschlechtsreife zu wirken.
Der zweite Mensch wird substantiell abgeworfen und der dritte Mensch wird ausgebildet. Der geht nicht bis zur Form hin, der geht nur bis zum Leben hin. Würde er bis zur Form gehen, dann würden wir dritte Zähne bekommen, weil jetzt der Mensch sich nach den äußeren Verhältnissen richtet. In den äußerlichen Verhältnissen liegt es so, daß der Mensch wiederum das Außermenschliche aufnimmt. Als er sich nach dem Modell gerichtet hat, hat er sich ganz nach dem Menschen gerichtet. Solange der Mensch sich nach dem Modell richtet, richtet er sich nach etwas Vererbtem. Da drinnen ruht aber eigentlich dasjenige, was verdorrt ist. Es ist seit der Sonnentrennung heraus, eigentlich von der Wurzel seines Daseins abgebrochen, es ist verdorrt, verödet. In den Vererbungskräften liegen daher die meisten pathologischen Kräfte, so daß in der Tat der Mensch von inneren Krankheitsursachen ungeheuer viel aufnimmt, indem er sich nach dem Modell richtet. Er nimmt aber wenig auf in der Zeit vor der Geschlechtsreife, weil er sich nach der Außenwelt richtet; Klima und so weiter, alles, was in der äußeren Luft liegt, ist weniger schädlich. Der Mensch ist gesund zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahr, dann beginnt wieder die Zeit, wo er anfällig wird. Alle diese Verhältnisse müssen so beobachtet werden, daß man das Bild des Menschen im Sinne hat. Haben Sie das Bild des Menschen im Sinne, dann meditieren Sie auch richtig. Dann werden Sie das, was Sie lernen können, mit dem, was Sie meditieren, vereinen können. Dann bleibt das Gelernte nicht Theorie, sondern es wird Praxis, weil Sie die Kraft bloßlegen, die Ihnen das zur Anschauung bringt. Das ist dasjenige, was heute so stark gebraucht wird. Man kann gar nicht irgendwie zu etwas kommen in der Medizin, wenn man immer wieder meint, daß da ein solch geradliniger Fortgang in der Entwickelung ist. Der Mensch ist wirklich aus abgerissenen Entwickelungsströmen, die von sieben zu sieben Jahren verlaufen, zusammengesetzt, und es knüpft immer ein Späteres an ein Früheres an; es ist nicht ein einseitiges Fortsetzen, sondern es greifen immer andere Verhältnisse ein. Ein richtiges solches Fortsetzen der Entwickelung, wo immer nur das Frühere die Ursache des Späteren ist, ist nur im Mineralreich zu finden, weniger im Pflanzenreich, am wenigsten im Menschenreich.
Fangen Sie an damit, sich die Pflanzen richtig vorzustellen. Was tut denn heute der Mensch, wenn er sich die Pflanzen richtig vorstellt? Da ist der Erdboden. Jetzt stellt sich der Mensch vor, da wird der Same gelegt und nun wächst die Pflanze heraus. Er hat die Naivität, sich nur vorzustellen: Nun ja, Wasserstoff ist ein sehr einfaches Molekül, besteht aus zwei Atomen. Er phantasiert sich alles mögliche zusammen. Alkohol ist schon ein komplizierteres Molekül. Da ist der Kohlenstoff verbunden mit Wasserstoff und Sauerstoff, da hat man etwas Komplizierteres. Nun kommen also die kompliziertesten Substanzen mit den kompliziertesten Molekülen. Es gab eine Zeit in den achtziger, neunziger Jahren, wo die Dissertationen mit den komplizierten Titeln gemacht wurden, die über zwei bis drei Zeilen gingen. Da ist das Molekül ungeheuer kompliziert. Jetzt wird es noch komplizierter. Dann wird es ein Same, eine ganz komplizierte Verbindung. Dann wächst aus dem Samen die Pflanze heraus. — Das ist ein Unsinn. Die Samenbildung beruht darauf, daß die irdische Materie sich im Samen aus jeder Struktur herausreißt und übergeht ins Chaos, chaotisch wird, daß sie gar nicht mehr Kräfte der Materie in sich schließt. Dann kann das, was aus dem Kosmos heraus wirkt, ganz sich geltend machen, wenn keine irdische Struktur mehr da ist. Er erklärt sich bereit, das Kosmische, die kosmische Struktur im Kleinwinzigen abzubilden, so daß in der Samenbildung das Nichts gegenüber dem Irdischen sich geltend macht und ins Nichts hineinwirkt das Kosmische. Sehen Sie, da könnte Ihnen ja Frau Dr. Kolisko eine hübsche Sache erzählen, die das recht bestätigt. Bei den Untersuchungen über die Milzfunktion mußten wir Kaninchen nehmen und ihnen die Milz exstirpieren. Die Kaninchen fühlten sich trotzdem ganz wohl. Sie sind auch nicht an der Operation gestorben, sondern längere Zeit nachher an einer Erkältung. Man konnte durchaus wahrnehmen, wie es nun ohne Milz geht beim Kaninchen. Als das eine Kaninchen starb, konnte nun nachgeschaut werden, was mit der Milz geschehen ist. Siehe da, an der Stelle der Milz konnte man finden ein richtiges kugeliges Gewebe. Was ist da geschehen? Wir haben die physische Milz herausexstirpiert aus dem Kaninchen; dadurch haben wir künstlich das Irdisch-Substantielle ins Chaos hineingetrieben, haben es zugänglich gemacht den kosmischen Kräften und es entstand etwas, was ähnlich war der Samenbildung. Es entstand etwas, was im höchst Primitiven der Samenbildung ähnlich ist: das ist ein Abbild des Kosmos. Da ist durch diese ganz unschuldige Vivisektion ein Wichtiges bestätigt worden, denn durch geisteswissenschaftliche Beobachtung ergibt sich das so.
Nehmen Sie einen Quarzkristall. Ja, das ist ein irdisches Ding. Ja, warum ist das ein irdisches Ding? Ein pedantisch seine Form festhaltendes Ding, der Quarzkristall. Der Quarz hat seine Form durch innere Kraft; und wenn Sie ihn mit dem Hammer zerhauen, behalten die einzelnen Teile noch immer die Tendenz, sechseckig-prismatische, geschlossene, doch sechseckige Pyramiden zu sein. Diese Tendenz ist da. Sie kriegen diese Tendenz ebensowenig aus dem Quarz heraus, wie Sie aus manchem Menschen, der pedantisch ist, die Pedanterie herauskriegen. Sie können einen pedantischen Menschen auch atomisieren, er wird noch immer pedantisch sein. Der Quarz läßt sich nicht so weit bringen, daß der Kosmos etwas machen kann aus seinen Kräften. Daher lebt er nicht. Würde man den Quarz so weit pulverisieren, daß er in den Teilen nicht mehr die Tendenz hätte, sich in dem Teil nach den eigenen Kräften zu richten, würde ein Lebendig-Kosmisches aus dem Quarz herauswachsen. Das ist der Fall bei der Samenbildung. Da wird die Materie so weit herausgetrieben, daf der Kosmos mit seinen Ätherkräften eingreifen kann. Man muß die Welt anschauen als ein fortwährendes Hineinkommen ins Chaos und wieder Herauskommen aus dem Chaos. Das, was im Quarz ist, ist auch einmal aus dem Kosmos hervorgegangen, aber es ist geblieben, es ist ahrimanisch geworden. Es exponiert sich nicht mehr den kosmischen Kräften. Sobald es ins Lebendige hineingeht, muß immer wieder durch das Chaos hindurchgegangen werden.
So bekommen Sie wieder einen Anhaltspunkt, medizinisch zu meditieren. Sie bekommen einen Anhaltspunkt, so daß Sie sich die ausgebildete Pflanze vorstellen, wie sie da wächst von Blatt zu Blatt und so weiter. Jetzt kommt sie zur Samenbildung in der Frucht, da stellen Sie sich vor, während Sie sich sonst die Samenpflanzen hell vorstellen, da wird es ganz dunkel, ganz finster. Dann kommt wieder die Helligkeit, indem das wieder von außen ergriffen wird. So können Sie sich wieder imaginativ aus dem Pflanzenleben ein Bild machen; wenn Sie das Bewußtsein haben: das ist die Pflanze — dann ist das ein ImaginativMeditatives. Sie dürfen nicht intellektuell, sondern müssen im KonkretVorstellungshaften bleiben. Das Intellektuelle ist nur dazu da, um in Gedanken darzustellen, was man weiß.
Nicht wahr, Sie können, sagen wir, das Wort aufschreiben «Menschenkind». - Nun, das ist nachgebildet einer Anschauung. Gut. Wenn Sie das Wort «Menschenkind» hören, werden Sie erinnert an ein Menschenkind. Aber wenn Sie jetzt hergehen und sagen, das I gefällt mir, ich nehme es jetzt an die Spitze, das M gefällt mir, ich setze es da her, das Sch gefällt mir und so weiter, so können Sie das Wort in anderer Weise zusammensetzen, es wird doch nichts anderes herauskommen, woraus Sie etwas machen können. Das machen aber die Menschen fortwährend mit den Begriffen. Der Begriff ist nur das geistige Wort für die Anschauung. Die Menschen trennen und setzen zusammen Begriffe und denken im Denken. Das tun die Menschen auch, wenn sie äußerlich beobachten. Sie stülpen über die Beobachtung das Denken darüber, und so lebt der Mensch heute außerhalb der Wirklichkeit. Das kann man, solange man mit der Wissenschaft arbeitet, die außerhalb der Wirklichkeit steht, mit der Geometrie und Arithmetik. Aber wenn man Medizin treiben will, kann man nicht außerhalb der Wirklichkeit stehen, sonst steht man auch mit der medizinischen Praxis außerhalb der Wirklichkeit.