Polarities in Health, Illness and Therapy

GA 319 — 28 August 1923, Penmaenmawr

Erster Vortrag

Da gewünscht worden ist, daß ich über die aus der anthroposophischen Weltanschauung herausgewachsenen therapeutischen Prinzipien an einem unserer Abende spreche, so komme ich diesem Wunsche sehr gerne entgegen, allein es ist schwierig, gerade über diesen Gegenstand kurz zu sprechen. Es ist schwierig, weil der Gegenstand ein außerordentlich ausgebreiteter ist und man in einem ganz kurzen Vortrag, der doch nur aphoristisch sein kann, kaum eine richtige Vorstellung von dem hervorrufen kann, auf das es ankommt, und weil auf der anderen Seite zum Beispiel gewisse Betrachtungen, die dabei angestellt werden müssen, etwas für das allgemeine Menschenbewußtsein abgelegen sind. Dennoch will ich versuchen, die Dinge, auf die es ankommt, so allgemeinverständlich als es möglich ist, am heutigen Abende darzulegen.

Daß sich innerhalb der anthroposophischen Bewegung auch eine medizinische Strömung befindet, das rührt ganz gewiß nicht davon her, daß wir als Anthroposophen überall dabei sein wollen und überall gewissermaßen unsere Nase hineinstecken möchten. Das ist ganz gewiß nicht der Fall. Aber während die anthroposophische Bewegung ihren Weg durch die Welt zu machen suchte, fanden sich zu dieser Bewegung auch Ärzte hinzu, ernst strebende Ärzte, und eine große, verhältnismäßig große Anzahl solcher Ärzte war zu einem mehr oder weniger klaren Bewußtsein gekommen, wie schwankend eigentlich die Anschauungen der heute offiziell geltenden Medizin sind, wie für das eigentliche Verständnis der Krankheitsprozesse und ihrer Heilung vielfach die Grundlagen fehlen.

Diese Grundlagen fehlen der offiziellen Wissenschaft aus dem Grunde, weil dasjenige, was heute Geltung, wissenschaftliche Geltung haben will, sich eigentlich nur auf die heute allgemein gebräuchliche Naturwissenschaft stützen will. Und diese Naturwissenschaft wiederum, sie glaubt nur sicher mit demjenigen zu gehen, was sie auf mechanische, physikalische oder chemische Weise in der äußeren Natur feststellen kann. Und sie wendet dann dasjenige, was sie durch Physik, Chemie über äußere Naturvorgänge findet, auch da an, wo sie zum Verständnis des Menschen kommen will. Aber wenn auch im Menschen eine Art Konzentration, mikrokosmischer Konzentration aller Weltenprozesse enthalten ist, so sind doch die äußeren physischen und chemischen Prozesse im menschlichen Organismus selber niemals in der Form vorhanden, in der sie draußen in der Natur vor sich gehen. Der Mensch nimmt die Stoffe der Erde in sich auf, die ja nicht bloß passive Stoffe sind, sondern die eigentlich immer erfüllt sind von Naturprozessen, von Naturvorgängen. Ein Stoff sieht nur äußerlich so aus, als ob er etwas in sich Ruhendes wäre. In Wirklichkeit webt und lebt ja alles in dem Stoffe. Und so nimmt der Mensch auch diejenigen Vorgänge, dieses Weben und Leben, wie es sich chemisch und physisch abspielt in der Natur, in seinen Organismus auf, aber er verwandelt es also gleich in seinem Organismus, er macht es in seinem Organismus zu etwas anderem.

Dieses andere, was aus den Naturprozessen im menschlichen Organismus wird, das kann man nur verstehen, wenn man zu einer wirklichen, wahren Menschenbeobachtung kommt. Aber die heutige Naturwissenschaft schließt eigentlich, indem sie sich einzig und allein auf das Physische, Chemische stützen will, dasjenige von ihrem Gebiete aus, was sich im Menschen als eigentlich Menschliches, auch zum Beispiel im physischen Körper des Menschen als eigentlich Menschliches abspielt. Denn im physischen Körper des Menschen spielt sich niemals etwas ab, was nicht zu gleicher Zeit unter dem Einflusse der ätherischen Vorgänge, der astralischen Vorgänge, der Ich-Vorgänge liegt. Aber indem die Naturwissenschaft ganz und gar absieht von diesen Ich-Vorgängen, diesen astralischen Prozessen, diesem ätherischen Leben und Weben, kommt sie eigentlich gar nicht an den Menschen heran. Daher kann diese Naturwissenschaft nicht eigentlich so in das menschliche Innere hineinschauen, daß ihr klar werden könnte, wie die äußeren chemischen und physischen Prozesse im Menschen dann weiter wirken, wie sie im gesunden Menschen weiter wirken, und wie sie im kranken Menschen weiter wirken.

Wie soll man denn aber die Wirkung eines Heilmittels in der richtigen Art beurteilen, wenn man sich nicht ein Verständnis dafür verschaffen kann, wie irgendein Naturding, das wir in den Organismus einführen, oder mit dem wir den Organismus behandeln, im menschlichen Organismus weiter wirkt.

Und so kann man sagen: Der denkbar größte Fortschritt auf medizinischem Gebiete in der neueren Zeit ist eigentlich nur gemacht worden auf dem Gebiete der Chirurgie, wo es sich um äußere, man möchte sagen, mechanische Handhabungen handelt.

Dagegen herrscht auf dem Gebiete — nicht nach meinem Urteil, sondern eben gerade nach dem Urteil derjenigen Ärzte, die sich das alles zum Bewußtsein gebracht haben - der eigentlichen Therapie eine große Verwirrung, weil man den Zusammenhang zwischen irgendeinem Naturding und der Wirkung auf die Krankheit nicht durchschauen kann, wenn man durch die besondere Ansicht, die man über die Naturwissenschaft hat, eigentlich den Menschen selber ausschließt von der wissenschaftlichen Betrachtung.

Indem nun die Anthroposophie gerade darauf ausgeht, den Menschen in seinem innersten Wesen kennenzulernen, sowohl insofern er ein übersinnliches wie insofern er ein sinnliches Wesen ist, kann auch aus der Anthroposophie heraus eine Erkenntnis geschöpft werden über die Behandlung des Menschen mit diesen oder jenen Naturmitteln im Krankheitsfalle.

Im Grunde steht man heute schon vor einer gewissen Erkenntnisgrenze in der Medizin, wenn man nur nach dem eigentlichen Wesen der Krankheit frägt. Was ist die Krankheit? Aus den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen läßt sich diese Frage: Was ist die Krankheit? — gar nicht beantworten. Denn, was ist nach diesen naturwissenschaftlichen Anschauungen die Summe all der Vorgänge, die im gesunden Menschen sich abspielen? Vom Kopf, vom äußersten Kopfende bis zum letzten Zehenende am Fuße sind das die Naturprozesse. Aber was sind denn die Prozesse, die sich während der Krankheit abspielen in der Leber, in der Niere, im Kopf, im Herzen, wo immer, was sind denn das für Prozesse? Naturprozesse sind es. Alles, was gesunde Prozesse sind, sind Naturprozesse; alles, was Krankheitsprozesse sind, sind ja auch Naturprozesse. Warum ist denn der Mensch unter der einen Sorte von Prozessen gesund und unter der anderen Sorte von Prozessen krank?

Es handelt sich gerade darum, daß man nicht im Allgemeinen herumspricht, so nebulos herumspricht: Nun ja, die gesunden Naturprozesse sind normal, die kranken Naturprozesse sind nicht normal. — Da stellt wirklich «zur rechten Zeit», wenn man nichts weiß, «ein Wort» sich ein!

Es handelt sich darum, daß man dann, wenn man nur die allgemeine Naturwissenschaft, wie sie heute üblich ist, anwendet, an den Menschen so herangeht: am liebsten nicht an den lebenden Menschen, sondern an die Leiche; man nimmt da oder dort irgendein Stück des Organismus und macht sich Vorstellungen darüber, was da nun für gesunde oder kranke Naturprozesse drinnen vorgehen. Und so ist es einem eigentlich gleichgültig, ob man irgendein Gewebe aus dem Kopf oder aus der Leber oder aus der großen Zehe nimmt oder dergleichen. Alles wird eben zuletzt zurückgeführt, ich will sagen, auf die Zelle. Es ist eigentlich nach und nach die bestausgebildete Menschenlehre die Histologie, die Gewebelehre geworden. Nun ja, wenn man in die kleinsten Teile hineingeht und alle Kräftezusammenhänge wegläßt, dann sind, so wie in der Nacht alle Kühe grau sind, alle Organe dann im Menschen gleich. Aber man bekommt dann eben eine nächtliche «Graue-Kuh-Wissenschaft», nicht eine wirkliche Wissenschaft, die sich der Spezifität der einzelnen Organe im Menschen annimmt.

Dasjenige, was da zur Grundlage dienen muß, das habe ich eigentlich erst vor einigen Jahren auszusprechen gewagt, obwohl es mich beschäftigt hat seit jetzt reichlich mehr als dreißig bis fünfunddreißig Jahren. Aber man stellt sich gewöhnlich nur vor, daß Geisteswissenschaft so leicht zu ihren Resultaten kommt. Man braucht nur hineinzuschauen in die geistige Welt, dann bekommt man das alles heraus, während man es schwierig hat, wenn man in Laboratorien arbeiten muß, in physikalischen Kabinetten oder auf der Klinik; da müsse man sich Mühe geben — so denkt man nämlich -, in der Geisteswissenschaft handle es sich nur darum, daß man hineinschaue in die Welt des Geistes, dann kriege man alles heraus. So ist es eben nicht. Gerade die gewissenhafte Geistesforschung erfordert mehr Mühe und vor allen Dingen mehr Verantwortung als das Hantieren in den Laboratorien oder auf der Klinik oder der Sternwarte. Und so ist es, daß zwar die erste Konzeption dessen, was ich jetzt kurz prinzipiell andeuten will, vor mir stand vor fünfunddreißig Jahren etwa, daß ich das aber erst vor einigen Jahren aussprechen konnte, nachdem alles verarbeitet worden ist und vor allen Dingen auch an der gesamten offiziellen Naturwissenschaft der Gegenwart verifiziert worden ist. Und gerade unter dem Einflusse dieser Prinzipien über die Gliederung des Menschen ist dasjenige entstanden, von dem ich eben erzählte, diese therapeutische Strömung innerhalb unserer anthroposophischen Bewegung.

Wir müssen im Menschen einfach, wenn wir ihn auch als physischen Menschen vor uns haben, durchaus drei voneinander verschiedene Glieder unterscheiden. Diese drei verschiedenen Glieder kann man in der verschiedensten Art benennen. Aber man kommt am besten an sie heran, wenn man sie so charakterisiert, daß man sagt: Der Mensch hat als das eine System seines auch physischen Wesens das Nerven-Sinnessystem, das hauptsächlich im Kopfe lokalisiert ist.

Der Mensch hat als zweites System das rhythmische System; das umfaßt die Atmung, das umfaßt die Blutzirkulation. Es umfaßt aber auch zum Beispiel die rhythmischen Tätigkeiten der Verdauung und so weiter. Das ist das zweite System des Menschen.

Und das dritte System des Menschen ist der Zusammenhang zwischen dem Bewegungssystem, Gliedmaßensystem und dem eigentlichen Stoffwechselsystem. Dieser Zusammenhang wird Ihnen sofort klar sein, wenn Sie daran denken, daß ja gerade durch die Bewegung der Glieder der Stoffwechsel befördert wird, und daß eigentlich nach innen die Gliedmaßen ganz organisch immer mit den Stoffwechselorganen zusammenhängen. Das wird Ihnen auch die Anatomie unmittelbar zeigen. Sehen Sie nur, wie die Beine nach innen sich fortsetzen in den Stoffwechselorganen und ebenso die Arme sich fortsetzen nach innen. So daß wir am Menschen unterscheiden können drei Systeme: Das Nerven-Sinnessystem, vorzugsweise im Kopfe lokalisiert, das rhythmische System, vorzugsweise in der Brust, um das Herz herum lokalisiert, das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, das vorzugsweise in den Gliedmaßen und in den daran anhängenden Stoffwechselorganen lokalisiert ist.

Aber man darf sich. diese Gliederung des Menschen nicht so vorstellen, wie - um die anthroposophische Bewegung möglichst anzuschwärzen — einmal ein Professor tat. Der versuchte nicht einzudringen in dasjenige, was damit eigentlich gemeint ist mit dieser Gliederung, sondern er versuchte diese Gliederung des Menschen anzuschwärzen und sagte: Diese Anthroposophen behaupten, der Mensch bestünde aus drei Systemen, aus dem Kopf, dem Rumpf — Brust und Bauch -— und aus den Gliedmaßen. — Ja, man kann natürlich auf diese Art eine Sache sofort lächerlich machen.

Denn es handelt sich nicht darum, daß das Nerven-Sinnessystem nur im Kopfe ist. Es ist hauptsächlich im Kopfe, aber es dehnt sich dann über den ganzen Organismus aus, so daß der Mensch seine Kopforganisation über den ganzen Organismus verbreitet hat. Ebenso dehnt sich das rhythmische System nach oben und unten über den ganzen Organismus aus. Der Mensch ist also wiederum räumlich ganz rhythmisches System, ebenso ganz Stoffwechsel-Gliedmaßensystem. Wenn Sie die Augen bewegen, sind die Augen Gliedmaßen. Also nicht nebeneinander stehen diese Systeme räumlich, sondern sie sind ineinander gegliedert. Sie stecken ineinander, und man muß sich schon ein wenig an ein exaktes Denken gewöhnen, wenn man diese Gliederung des Menschen im richtigen Sinne beurteilen will.

Nun sind die beiden Systeme, das erste und das dritte, das Nerven-Sinnessystem und das Gliedmaßen-Stoffwechselsystem, einander eigentlich polarisch entgegengesetzt. Was das eine erzeugt, zerstört das andere; was das andere zerstört, erzeugt das eine. Sie wirken also ganz im entgegengesetzten Sinne. Und das mittlere System, das rhythmische System, stellt die Beziehung zwischen beiden her. Da wird gewissermaßen zwischen beiden hin- und hergependelt, damit ein Einklang zwischen dem Zerstören des einen Systems und dem Aufbauen des anderen Systems immer stattfinden kann. Wenn wir zum Beispiel das Stoffwechselsystem ins Auge fassen, so wirkt das Stoffwechselsystem mit seiner größten Intensität natürlich im menschlichen Unterleibe. Aber dasjenige, was da im menschlichen Unterleibe vor sich geht, das muß eine polarisch entgegengesetzte Tätigkeit hervorrufen im Haupte des Menschen, im Nerven-Sinnessystem, wenn der Mensch gesund sein soll.

Denken Sie nun, daß jene intensive Tätigkeit, die eigentlich die Tätigkeit des menschlichen Verdauungssystemes ist, sich durch eine zu starke, zu große Intensität bis nach dem Nerven-Sinnessystem ausdehnt, so daß also diejenige Tätigkeit, die eigentlich im Stoffwechselsystem sein sollte, auf das Nerven-Sinnessystem übergreift, dann haben Sie zwei, allerdings Naturprozesse meinetwillen, aber Sie sehen gleich, wie der eine Naturprozeß zum Abnormen wird. Er gehört eben nur hinein in das Stoffwechselsystem, und er bricht gewissermaßen nach oben durch in das Nerven-Sinnessystem.

Dadurch entstehen die verschiedenen Formen einer zwar von der Medizin heute etwas als Quantite negligeable behandelten Krankheit, aber, ich möchte sagen, von einem großen Teil der Menschheit weniger so behandelten Krankheit, denn es sind überall diese verschiedenen Krankheitsformen bekannt. Dadurch entsteht dasjenige, was unter den verschiedenen Formen der Migräne bekannt ist. Und man muß, um die Migräne in ihren verschiedenen Formen zu verstehen, diesen Prozeß begreifen, der eigentlich in seiner Intensität, so wie er da ist, sich im Stoffwechselsystem abspielen soll, und der nach dem Nerven-Sinnessystem hin durchbricht, so daß die Nerven und die Sinne selber so behandelt werden, daß der Stoffwechsel in sie hineinschießt, statt daß er an seinem eigentlichen Orte bleibt.

Das Umgekehrte kann stattfinden. Der Prozeß, der am intensivsten sein soll im Nerven-Sinnessystem, der ganz entgegengesetzt ist dem Stoffwechselprozeß, der kann wiederum in einer gewissen Weise nach dem Stoffwechselsystem durchbrechen. So daß im Stoffwechselsystem, statt daß dort nur ein ganz untergeordneter Nerven-Sinnesprozeß vor sich geht, ein gesteigerter Nerven-Sinnesprozeß sich abspielt, daß gewissermaßen dasjenige, was dem Kopf gehört, durchbricht und in dem Unterleibe auftritt, die Kopftätigkeit also im Unterleibe auftritt. Wenn dies geschieht, dann entsteht im Menschen die gefährliche Krankheit des abdominalen Typhus.

So sieht man in der Tat dadurch, daß man diesen dreigliedrigen Menschen von Grund aus versteht, wie im menschlichen Organismus der Krankheitsprozeß aus dem gesunden Prozeß heraus sich entwickelt. Wäre unser Kopf mit seinem Nerven-Sinnessystem nicht so organisiert, wie er organisiert ist, dann könnten wir nie einen Typhus haben. Wäre unser Unterleib nicht so organisiert, wie er ist, könnten wir niemals eine Migräne haben. Aber die Kopftätigkeit soll im Kopfe, die Unterleibstätigkeit im Unterleibe bleiben. Brechen sie durch, so entstehen eben solche Krankheitsformen.

Und wie auf diese zwei besonders charakteristischen Krankheitsformen, so kann man auf andere Krankheitsformen hindeuten, die immer dadurch entstehen, daß eine gewisse Tätigkeit, die in ein gewisses Organsystem gehört, an einem anderen Orte, in einem anderen Organsystem sich geltend macht.

Geht man nur anatomisch vor, so sieht man eben, wie die kleinsten Teile im Gewebe des Organismus drinnen sind. Aber man sieht dieses Wirken von polarisch entgegengesetzter Tätigkeit nicht. An der Nervenzelle können Sie nur studieren, daß sie entgegengesetzt organisiert ist, sagen wir der Leberzelle. Wenn Sie ins Ganze des Organismus so hineinschauen können, daß er Ihnen eben in seiner Dreigliederung erscheint, dann merken Sie auch, wie die Nervenzelle eine Zelle ist, die fortwährend sich auflösen will, die fortwährend abgebaut sein will, wenn sie gesund sein soll, und wie eine Leberzelle etwas ist, was fortwährend aufgebaut sein will, wenn sie gesund sein soll. Das sind polarische Tätigkeiten. Sie wirken in der richtigen Weise aufeinander, wenn sie entsprechend verteilt sind im Organismus, sie wirken in der unrichtigen Weise ineinander, wenn sie ineinander eindringen.

Das rhythmische System steht in der Mitte und will eben immer den Ausgleich schaffen zwischen den einander entgegengesetzten polarischen Tätigkeiten des Nerven-Sinnessystems und des Stoffwechsel-Gliedmaßensystems.

Ich möchte nun ein besonderes Beispiel herauswählen, um Sie gewiissermaßen hineinschauen zu lassen — ich kann natürlich alles nur aphoristisch erörtern —, wie man die Beziehung des aus der Natur genommenen Heilmittels mit seinen Kräften zu den im Inneren des Menschen wirkenden Gesundungs- und Erkrankungskräften finden kann.

Diagram 1
Diagram 1

Wollen wir einmal unseren Blick hinwenden auf ein ganz bestimmtes Erz, das sich in der Natur findet, das sogenannte Antimonerz. Antimon hat, wenn man es schon äußerlich betrachtet, eine außerordentlich interessante Eigenschaft. Es formt sich in der Natur so, daß gewissermaßen Spieße entstehen, stangenförmige, spießartige Gliederungen, die sich aneinanderlegen, so daß man das Antimonerz in der Natur so findet, daß man es, wenn ich es schematisch aufzeichne, etwa so aufzeichnen könnte. Fast wie ein mineralisches Moos oder eine mineralische Flechte wächst das. Man sieht, daß gewissermaßen dieses Mineral sich fadenförmig anordnen will. Man sieht noch viel deutlicher, wie sich dieses Mineral, dieses Erz fadenförmig anordnen will, wenn man es einem gewissen physikalisch-chemischen Prozeß unterwirft. Dann wird es noch dünnfaseriger. Es ordnet sich ganz dünnfaserig an. Besonders bedeutsam aber ist das, was auftritt, wenn man dieses Antimon einer gewissen Art von Verbrennungsprozeß unterwirft. Man bekommt einen weißen Rauch, der sich an Wände anlegen kann und dann glänzend, spiegelartig wird.* Man nennt das den Antimonspiegel. Er wird heute wenig mehr respektiert, wurde aber in der alten Medizin außerordentlich viel angewendet, eben aus alten Erkenntniskräften heraus, von denen ich Ihnen in den Vormittagsvorträgen wiederholt gesprochen habe. Dieser Antimonspiegel, also das, was sich erst aus dem Verbrennungsprozeß heraus entwickelt und sich an Wänden ablagern kann, so daß es spiegelglänzend wird, ist eben etwas außerordentlich Wichtiges.

Zu alledem gesellt sich eine andere Eigenschaft. Ich will nur dies hervorheben: Wenn man das Antimon gewissen elektrolytischen Prozessen unterwirft und es an die sogenannte elektrolytische Kathode bringt, so braucht man nur, nachdem man das Antimon herangebracht und dem elektrolytischen Prozeß unterworfen hat an der Kathode, einen kleinen Einfluß auszuüben, und man bekommt eine kleine Antimonexplosion. Kurz, dieses Antimon hat die denkbar interessantesten Eigenschaften.

Wenn man in einer gewissen mäßigen Dosierung das Antimon in den menschlichen Organismus einführt, so kann man an den verschiedenen Vorgängen studieren, wie in der Tat dieselben Kräfte, die sich so verhalten, wie ich es jetzt geschildert habe am Antimon, im menschlichen Organismus ihre Fortsetzung erfahren, und wie sie da allerlei Kräfteformen, allerlei Wirkungsformen annehmen.

Diese Wirkungsformen - ich kann natürlich die Einzelheiten, die Belege hier nicht auseinandersetzen, will Ihnen nur dasjenige, was eben innerer Zusammenhang ist, kurz skizzieren -, diese Prozesse also, die da im menschlichen Organismus auftreten, treten zum Beispiel besonders stark überall da auf, wo Blut gerinnt. Also sie verstärken, sie befördern das Blutgerinnen. Aber untersucht man nun mit denjenigen Methoden, die eben auch zu der Dreigliederung des menschlichen Organismus gehören, die uns allmählich in die menschliche Wesenheit hineinschauen lassen und erkennen lassen, wie die einzelnen Systeme in den verschiedenen Organen sich verhalten, schaut man so in den menschlichen Organismus hinein, so findet man, daß dasjenige, was im Antimon lebt, nicht bloß draußen im mineralischen Antimon lebt, sondern daß das tatsächlich ein Kräftezusammenhang ist, der im menschlichen Organismus selber lebt, der immer im menschlichen Organismus, im gesunden Organismus vorhanden ist, und der nun im kranken menschlichen Organismus auch Formen annimmt von der Art, wie ich es Ihnen jetzt auseinandergesetzt habe.

Dieser, ich möchte sagen, im menschlichen Organismus selber vorhandene Antimonprozeß, ist einem anderen Prozeß polarisch entgegengesetzt. Er ist entgegengesetzt dem Prozesse, der überall da auftritt, wo die plastisch tätigen Kräfte, zum Beispiel die zellenbildenden Kräfte auftreten, die zellenrundenden Kräfte, wo also dasjenige auftritt, was eigentlich die Zellsubstanz des menschlichen Organismus bildet. Ich möchte diese Kräfte, weil sie vorzugsweise zum Beispiel in der Eiweißsubstanz enthalten sind, die albuminisierenden Kräfte nennen. Und so haben wir im menschlichen Organismus die Kräfte, die wir draußen in der Natur, im Antimon namentlich, dann finden, wenn wir das Antimon zum Beispiel der Verbrennung unterwerfen und bis zum Antimonspiegel bringen. Die Kräfte, die draußen im Antimon wirken, die haben wir also im menschlichen Organismus auch wirkend. Wir haben aber auch die entgegengesetzten Kräfte wirksam, die albuminisierenden Kräfte, welche die Antimonkräfte zum Stillstand bringen, wegschaffen.

Diese zwei Kräftesysteme, albuminisierende und antimonisierende Kräfte, die wirken nun einander so entgegen, daß sie im menschlichen Organismus in einem gewissen Gleichgewicht stehen müssen. Man muß nun erkennen, daß zum Beispiel jener Prozeß, den ich Ihnen vorhin prinzipiell geschildert habe und der zugrunde liegt dem abdominalen Typhus, im wesentlichen darauf beruht, daß das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Kräftesystemen gestört ist.

Um nun recht in den menschlichen Organismus hineinzuschauen, muß man dasjenige zu Hilfe nehmen können, was ich Ihnen gerade von den verschiedensten - allerdings nicht medizinischen - Gesichtspunkten aus in diesen Morgenvorträgen während dieses Kursus auseinandergesetzt habe.

Da haben wir gesehen, wie der Mensch nicht bloß diesen physischen Körper hat, sondern einen ätherischen oder Bildekräftekörper, einen astralischen Körper, eine Ich-Organisation. Und gerade gestern war ich in der Lage, Ihnen auseinanderzusetzen, wie einen innigen Zusammenhang der physische Körper und der Bildekräftekörper auf der einen Seite haben, das Ich und der astralische Körper auf der anderen Seite, wie aber einen loseren Zusammenhang der astralische Leib und der Bildekräfteleib oder Atherleib haben, denn die trennen sich jede Nacht.

Dieser Zusammenhang, der in einem Ineinanderspielen der Kräfte des astralischen Leibes und des Ätherleibes besteht, ist nun radikal gestört beim abdominalen Typhus. Bei diesem abdominalen Typhus tritt das ein, daß der astralische Leib schwach wird, nicht in der entsprechenden intensiven Weise in den physischen Leib hineinwirken kann, dadurch, weil er für sich wirkt, jenes Übergewicht hervorruft, was gewissermaßen die Nerven-Sinnesorganisation, die hauptsächlich dem Astralleibe unterliegt, hinunterdrängt. Statt daß sie sich nun verwandelt in der Stoffwechselorganisation, bleibt sie als solche, als astralische Tätigkeit vorhanden. Der Astralleib wirkt für sich. Er wirkt nicht ordentlich hinein in den Ätherleib. Dadurch entstehen die Krankheitssymptome, die eben das Symptomenbild des Typhus geben.

Nun wirkt dasjenige, was gerade im Antimon so auftritt, daß das Antimon gewissermaßen die mineralische Natur verleugnet, kristallinisch spießig wird, daß sogar der Antimonspiegel, wo er sich ablagert, wie die Schneeblumen am Fenster erscheint, also auch die innere Kristallisationskraft wie in der Natur aufweist, diese Kristallisationskraft also, die im Antimon wirksam wird, wirkt, wenn wir sie nun in entsprechender Weise als Arznei verarbeiten und in den Organismus einführen, so, daß sie diesen Organismus unterstützt, damit er seinen Astralleib mit seinen Kräften wiederum in der richtigen Weise in den Atherleib hineinschieben, diese Leiber wieder in den richtigen Zusammenhang bringen kann.

Wir unterstützen mit dem aus dem Antimon in der entsprechenden Weise hergestellten Heilmittel denjenigen Prozeß, der dem typhösen Prozeß entgegengesetzt ist. Und dadurch kann man gerade mit dem Antimonheilmittel — dem, je nachdem die Krankheit diesen oder jenen Verlauf nimmt, andere Stoffe beigemischt sein müssen, die wiederum in einer ähnlichen Beziehung zum menschlichen Organismus stehen -, man kann mit diesem Heilmittel, dem andere Stoffe beigemischt sind, gerade die Krankheit bekämpfen, indem man die Prozesse im Organismus erregt und unterstützt, damit er seine eigene, ich möchte sagen, antimonisierende Kraft entfaltet, die dann dahin geht, den richtigen Rhythmus im Zusammenwirken von ätherischem Leib und astralischem Leib hervorzurufen.

So führt die anthroposophische Betrachtung dazu, das Verhältnis zu sehen zwischen dem, was draußen in der Natur, im Naturding wirkt, wie ich es Ihnen an dem Beispiel des Antimons gezeigt habe, und dem, was im Inneren des menschlichen Organismus wirkt. Sie können diese albuminisierende, also plastisch rundende, und die nach Linien wirkende Kraft bis in die Keimzelle hinein verfolgen.

Demjenigen, der wirklich Erkenntnisse auf diesem Gebiete erworben hat — so unangenehm es ihm ist, es so zu sagen, weil er ja weiß, daß er den Haß und die Antipathie der entsprechenden Leute hervorruft - und der so hineinsieht in das Getriebe des menschlichen Organismus, dem kommen die wirklich sonst wunderbarsten mikroskopierenden Untersuchungen über die Eizelle, über die Keimzelle, außerordentlich dilettantisch vor. Da beobachten die Leute äußerlich die Eizelle als solche, die Entstehung der sogenannten Zentrosomen - Sie können ja das in irgendeiner Embryologie nachlesen -, ohne zu wissen, wie diese albuminisierenden Kräfte, die auch den Gesamtorganismus beherrschen, entgegengesetzt, polarisch entgegengesetzt den antimonisierenden Kräften wirken. Die Rundung der Eizelle als solche wird hervorgerufen durch die albuminisierende Kraft; die Zentrosomen nach der Befruchtung werden hervorgerufen durch die antimonisierenden Prozesse.

Das aber geht in dem ganzen menschlichen Leibe vor sich. Und indem man in der richtigen Weise das Heilmittel bereitet und durch die Diagnose weiß, worinnen man den menschlichen Organismus unterstützen muß, führt man diejenigen Kräfte diesem menschlichen Organismus zu, die er braucht, um einem Krankheitsprozesse entgegenzuarbeiten.

Indem man die anthroposophischen Gesichtspunkte in die Medizin hineinbringt, wird eigentlich eben das bewirkt, daß die wirkliche richtige Beziehung des Makrokosmos, der ganzen Welt zum Menschen dabei ins Auge gefaßt wird. Und geradeso wie ich Sie auf das Antimon gewiesen habe - ich müßte natürlich über das Antimon viel sagen, wenn ich das nun im einzelnen wissenschaftlich auseinandersetzen wollte, aber ich will ja nur das Prinzipielle andeuten - und auf die Prozesse, die es aus sich hervorgehen lassen kann, die es in sich hat, wenn man es so oder so behandelt, so könnte ich Ihnen nun zum Beispiel auch das ganze Verhalten innerhalb der Natur und ihrer Prozesse zeigen, sagen wir für dasjenige, was man als Mineral Quarz nennt, Kieselsäure, Silicea, was dem Granit als einem seiner Bestandteile beigemischt ist, was in seinen Vorkommen durchsichtig kristallisiert und so hart ist, so daß man es nicht mehr mit dem Messer ritzen kann, eben ein Bestandteil des Granits ist. Wenn man diesen Stoff in entsprechender Weise behandelt, so bekommt er, wenn er dem Organismus beigebracht wird - in der richtigen Dosierung selbstverständlich, das muß dann die Diagnose ergeben -, die Eigenschaft, dasjenige, was im Nerven-Sinnessystem wirken soll, was der Organismus im Nerven-Sinnessystem als die Eigenkräfte dieses Nerven-Sinnessystems aufbringen soll, zu unterstützen. So daß man sagen kann: was eigentlich die Sinne tun sollen, das unterstützt man, wenn man in der rechten Weise dieses Heilmittel, das aus Silizium, aus dem Quarz bereitet ist, dem Menschen beibringt. Man muß dann, je nachdem die Nebensymptome sind, andere Stoffe wiederum beimischen, aber in der Hauptsache handelt es sich hier um die Wirkung desjenigen, was im Kieselsäurebildungsprozeß liegt. Wenn man also diesen Kieselsäurebildungsprozeß in den menschlichen Organismus hineinbringt, so wird eine zu schwach wirkende Tätigkeit im Nerven-Sinnessystem unterstützt. Sie wirkt dann in der richtigen Stärke. Nun, wenn diese Nerven-Sinnestätigkeit zu schwach wird, so bricht die Verdauungstätigkeit eben nach dem Kopfe durch. Die migräneartigen Zustände entstehen. Unterstützt man nun die Sinnestätigkeit, die Nerven-Sinnestätigkeit in der richtigen Weise mit einem Heilmittel, das in rechter Art aus der Kieselsäure, aus dem Quarz, Silicea, erzeugt ist, dann wird das Nerven-Sinnessystem bei dem Migränekranken so stark, daß es wiederum den durchgebrochenen Verdauungsprozeß zurückdrängen kann.

Diagram 2
Diagram 2

Ich schildere Ihnen diese Dinge natürlich etwas grob, aber Sie werden daraus sehen, worauf es ankommt. Es kommt darauf an, den gesunden und kranken menschlichen Organismus wirklich zu durchschauen, nicht bloß nach seiner Zellenzusammensetzung, sondern nach dem, was als Kräfte in gleichem Sinne oder polarisch oder rhythmisch in diesem menschlichen Organismus wirkt, um dann dasjenige in der Natur aufzusuchen, was beim Naturwirken im menschlichen Organismus diesen oder jenen krankhaften Prozeß bekämpfen kann.

So kann man zum Beispiel finden, wie derjenige Prozeß, der im Phosphor enthalten ist, in der äußeren Natur ein Prozeß ist, der, wenn man ihn in den menschlichen Organismus hinüberführt, unterstützend auf eine gewisse Art inneren Unvermögens des menschlichen Organismus wirkt: dann nämlich, wenn der menschliche Organismus in bezug auf gewisse Kräfte, die in seinem Inneren, wenn er gesund ist, immer wirken sollen, unfähig wird, diese Kräfte in der richtigen Weise wirken zu lassen, wenn er zu wenig Kraft hat, um gewisse Kräfte in sich wirken zu lassen, die eigentlich eine Art organischen Verbrennungsprozesses sind, der immer da ist bei der Umbildung der Stoffe im menschlichen Organismus. Bei jeder Bewegung, bei allem, was der Mensch tut, auch bei demjenigen, was innerlich ausgeführt wird, geschehen ja organische Verbrennungsprozesse. Nun kann der menschliche Organismus zu schwach werden, um diese organischen Verbrennungsprozesse in der richtigen Weise zu regeln. Sie müssen nämlich in einer gewissen Weise gehemmt werden. Werden sie zu wenig gehemmt, dann entwickeln sie sich in vehementer Art. Die organischen Verbrennungsprozesse haben eigentlich durch sich selbst immer eine unermeßliche, unbegrenzte Intensität, sonst würde sogleich da oder dort eine zu große Ermüdung eintreten, oder man würde überhaupt nicht weiterkönnen, als sich bewegender Mensch. Diese organischen Verbrennungsprozesse haben eigentlich eine, ich will sagen, unbegrenzte Intensität, und der Organismus muß fortwährend die Möglichkeit haben, sie zu hemmen.

Wenn nun entweder in einem Organsystem oder im ganzen Organismus diese hemmenden Kräfte nicht da sind, wenn der Organismus zu schwach geworden ist, um seine organischen Verbrennungsprozesse in der richtigen Weise zu hemmen, dann entsteht dasjenige, was in den verschiedensten Formen die Tuberkulose ist. Es wird nur durch die organische Ohnmacht, möchte ich sagen, durch das Nichthemmenkönnen der Verbrennungsprozesse der geeignete Nährboden für die Bazillen geschaffen; diese können sich dann auf diesem Nährboden finden.

Es soll gar nichts hier gegen die Bazillentheorie gesagt werden. Die Bazillentheorie ist sehr nützlich. Aus der verschiedenen Art, wie die Bazillen da oder dort auftreten, erkennt man natürlich verschiedenes; für die Diagnose erkennt man daraus überhaupt außerordentlich viel. Es soll von mir selbst aus überhaupt nicht gegen die offizielle Medizin aufgetreten werden, sondern sie soll eigentlich nur da fortgesetzt werden, wo sie an gewisse Grenzen kommt. Und so fortgesetzt kann sie werden, indem eben gerade die Gesichtspunkte der Anthroposophie auf sie angewendet werden.

Führt man dem Organismus nun Phosphor zu, dann unterstützt man diese Fähigkeiten, die organischen Verbrennungsprozesse zu hemmen. Aber damuß man Rücksicht darauf nehmen, daß diese Hemmung von den verschiedensten Organsystemen ausgehen kann. Geht sie zum Beispiel, sagen wir von dem System, das in den Knochen vorzugsweise arbeitet, aus, dann muß man die Phosphorwirkung im menschlichen Organismus dadurch unterstützen, daß man sie gewissermaßen gerade nach der Knochenseite hin spezialisiert. Das geschieht, indem man das Heilmittel des Phosphors verbindet in irgendeiner Weise, die sich eben dann durch das genauere Studium der Sache ergibt, mit Kalzium oder Kalziumsalz. Hat man es mit einer Dünndarmtuberkulose zu tun, so wird man irgendwelche Kupferverbindungen in der richtigen Dosierung dem Phosphor beimischen. Hat man es mit einer Lungentuberkulose zu tun, so wird man zum Beispiel Eisen zu dem Phosphor hinzugeben. Aber es kommen dann, da die Lungentuberkulose eine äußerst komplizierte Erkrankung ist, unter Umständen noch andere Beimischungen in Betracht. So sehen Sie also, daß die Möglichkeit einer wirklichen Therapie darauf beruht, wie die chemischen und physikalischen Prozesse im menschlichen Organismus sich fortsetzen, wie sie da drinnen weiterwirken.

Die offizielle Medizin geht eben vielfach von der Ansicht aus, daß so, wie die Antimonkräfte draußen im Antimon wirken, sie auch im menschlichen Organismus wirken. Das ist nicht der Fall. Man muß sich klar sein darüber, wie diese Prozesse im menschlichen Organismus weiter wirken. Und das kann man namentlich sehen, wenn man eben die eigentlich anthroposophischen Erkenntnisse auf die Versuche anwendet, um die es sich dabei handelt.

Haben wir beim Antimon und seinen Kräften gesehen, daß das Antimon den Rhythmus herstellt zwischen astralischem Körper und Atherkörper oder Bildekräftekörper, so kann man bei den Kräften, die in der Kieselsäure, im Quarz, in der Silicea wirken, sehen, daß sie besonders dazu geeignet sind, das richtige Verhältnis zwischen dem Ich und dem astralischen Leib, wenn es gestört wird, herzustellen, um dadurch auf das Nerven-Sinnessystem gesundend zu wirken. Während es beim Kalk so ist - insbesondere bei dem Kalk, der von Kalkabsonderungen der Tiere verwendet wird —, daß man Heilmittel bekommt, die das richtige Verhältnis herstellen zwischen dem Bildekräfteleib und dem physischen Leib.

So daß man sagen kann: Es führt einen die richtige Anschauung des Menschen dazu, Kalk oder überhaupt Ähnliches, namentlich also vom tierischen Organismus Abgesondertes, Austernschalen zum Beispiel zu verwenden, um das richtige Verhältnis herzustellen, wenn es gestört ist, was sich immer dann auch in physischen Prozessen ausdrückt, in Krankheitsprozessen. Um das richtige Verhältnis zwischen dem Atherleib und dem physischen Leib herzustellen. Darauf hat man bei solchen kalkigen oder ähnlichen Absonderungen bei der Heilmittelbereitung zu reflektieren.

Hat man es zu tun mit einem arrhythmischen Zusammenwirken des Bildekräfteleibes und des astralischen Leibes, so muß man auf solche Dinge sehen, wie sie beispielsweise im Antimon, aber noch in zahlreichen anderen Metallen vorhanden sind, insbesondere aber auch in den Bestandteilen, die im mittleren Teile der Pflanzen enthalten sind, also in den Blättern und in dem Stamme namentlich stark vorhanden sind, während diejenigen Kräfte, die dem Phosphorprozeß entsprechen, vorzugsweise in den Blütenorganen der Pflanzen enthalten sind, und diejenigen Prozesse, die dem Kieselsäureprozeß entsprechen, in den Wurzelorganen der Pflanzen. So daß man auch die Beziehung finden kann zwischen den Kräften, die in den verschiedenen Teilen der Pflanzen sind. Die Wurzelkräfte haben eine entschiedene Verwandtschaft und Beziehung zum menschlichen Kopf und zum Nerven-Sinnessystem. Die Blätter und die Stammorgane haben eine besondere Beziehung zu dem rhythmischen System und die Blütenorgane eine besondere Beziehung zum Unterleibs-, zum Stoffwechselsystem. Wenn man daher oftmals in einer einfachen Weise dem Verdauungs-, dem Stoffwechselsystem zu Hilfe kommen will, so gelingt das sehr häufig einfach dadurch, daß man, nachdem man in der richtigen Weise diagnostiziert hat, bestimmte Blütenorgane wählt, die man zu Tee bereitet. Auf diese Weise kommt man den Verdauungsorganen bei. Während man die Salze der Wurzeln ausziehen muß durch einen besonderen Ausziehungsprozef, wenn man ein Heilmittel gewinnen will, das zum Beispiel auf den Nerven-Sinnesprozeß, auf die Kopforgane besonders wirkt.

Und so muß man auf der einen Seite die Natur, auf der anderen Seite den menschlichen Organismus durchschauen. Dann kann man in der Natur wirklich die Heilmittel so finden, daß man sehen kann, wie die beiden Dinge zusammenhängen, daß man nicht bloß klinisch probieren muß: Wie wirkt das? - Und dann, nicht wahr, eine Reihe von Fällen aufzeichnet, von denen neunzig Prozent oder siebzig Prozent irgendwie ein günstiges Resultat zeigen, wobei man sich außerdem in vierzig Fällen dann geirrt hat. Dann wird die Sache statistisch behandelt, und je nachdem die Statistik das oder jenes ergibt, wird die Sache dann als Heilmittel oder nicht als ein Heilmittel betrachtet.

Ich kann diese Dinge eben wirklich nur in der Kürze aphoristisch behandeln, um Ihnen zu zeigen, wie in der Tat, ohne irgendwie in einen Dilettantismus oder in eine ärztliche Sektiererei zu verfallen, streng wissenschaftlich vorgegangen werden kann, um den Erkrankungsprozessen durch Heilmittel, die aus der menschlichen Anschauung stammen, beizukommen.

Ebenso wie die Erkenntnis des richtigen Naturstoffes und Naturprozesses wichtig ist, die zum Heilmittel verarbeitet werden müssen, ebenso wichtig ist dann die besondere Art der Anwendung.

Gerade dadurch, daß man entweder auf das Nerven-Sinnessystem wirken kann, um in der angedeuteten Weise von ihm aus in der rechten Art die Gesundung herbeizuführen, oder auf das rhythmische System, oder auf das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, gerade dadurch, daß man auf diese einzelnen Systeme wirken muß, ist es wichtig, ist es wesentlich, auch zu wissen, wie die Behandlungsmethode nun eintreten soll. Denn fast jedes Heilmittel kann man wiederum in dreierlei Art anwenden. Entweder wird es dem Menschen durch den Mund in den Magen und so weiter eingeführt, man rechnet also bei der Art und Weise, wie der Mensch das Heilmittel aufnimmt, auf den Stoffwechsel des Menschen, auf das Stoffwechselsystem und darauf, wie das Stoffwechselsystem dann auf die anderen Systeme wirkt. Daher hat man Heilmittel, die insbesondere in dieser Art gebraucht werden, daß sie dem Menschen durch Mund und Magen eingeführt werden und so weiter.

Dann aber gibt es auch Heilmittel, die im eminentesten Sinne so verwendet werden müssen, daß sie schon durch ihre Verwendungsweise auf das rhythmische System wirken. In dieser Beziehung wird Antimon ganz besonders dazu berufen sein, die richtige Behandlungsmethode in bezug auf diesen Punkt zu finden. Denn da treten die Injizierungen, die Injektionsmethoden ein. Und das Heilmittel, das dem Blute eingeimpft wird, oder in anderer Weise injiziert wird, das ist dasjenige, bei dem vor allen Dingen wiederum darauf gerechnet wird, daß es auf den rhythmischen Prozeß des Menschen wirkt.

Bei denjenigen Heilmitteln, die man als Bäder und in Salben verwendet, oder selbst da, wo es darauf ankommt, äußerlich mechanisch den menschlichen Organismus zu behandeln, sagen wir in Massageprozessen oder dergleichen, also da, wo es sich darum handelt, in einer mehr äußerlichen Weise das Heilmittel oder den Heilprozeß an den Menschen heranzubringen, da rechnet man darauf, daß die Heilmethode auf das Nerven-Sinnessystem wirkt.

Und so kann man wiederum durch jedes andere System in der verschiedensten Weise eben wieder zum Heilprozeß hinarbeiten. Nehmen wir an, wir haben Silicea, ein Quarz. Es ist etwas anderes, ob wir zum Beispiel ein Heilmittel haben, das wir zubereiten, und das durch den Mund genommen werden soll, oder ob es injiziert wird. Rechnen wir darauf, daß es durch den Mund genommen wird, so wollen wir durch die Art und Weise, wie es im Verdauungssystem verarbeitet wird und das Verdauungssystem wiederum die Kräfte in das Nerven-Sinnessystem schickt, also auf dem Umwege durch das Verdauungssystem die Quarzprozesse hereinführen. Rechnen wir aber damit, daß sie mehr hineingeschickt werden sollen in das Nerven-Sinnessystem, dadurch daß sie eingefügt werden dem Blutorganismus, dem Atmungsrhythmus, wodurch wiederum auf dem Umweg durch diesen Rhythmus geheilt werden kann, wenn wir also dies beabsichtigen, so injizieren wir.

Wenn wir beabsichtigen, durch das Verdauungsorgan irgendwie aromatisch-ätherische Substanz, wie sie in der Pflanzenblüte enthalten ist, zur Wirksamkeit zu bringen, so machen wir einen Tee, den wir durch den Mund in den Magen einführen. Wollen wir dadurch wirken, daß wir das ätherische Ol, das in aromatischer Weise auf das Nerven-Sinnessystem wirkt, direkt zur Wirksamkeit bringen oder durch das Nerven-Sinnessystem auf den rhythmischen Prozeß, dann machen wir aus den Säften dieser Blüten meinetwillen irgendein Bad, indem wir den Saft dieser Blüten dem Wasser beimischen und ein Bad daraus bereiten. Da wirken wir auf das Nerven-Sinnessystem.

Und so sehen Sie, wie wiederum auch von den Behandlungsweisen, die man den einzelnen Stoffen in ihrem Verhältnis zum Menschen angedeihen läßt, eben die Heilwirkung abhängt.

Alle diese Dinge werden in einer wirklich durchsichtigen Weise erst zum Vorschein kommen, wenn anthroposophische Erkenntnis immer mehr und mehr auf die Beziehung der Naturwirkungen zum Menschen angewendet wird, wenn also durch Anthroposophie herauskommt, welche Heilmittel man anwenden soll, und wie man sie auf den Menschen anwenden soll.

Damit auf diese Weise etwas bewirkt werden kann, sind durch Ärzte, die sich hinzugefunden haben zu unserer anthroposophischen Bewegung, unsere Klinisch-Therapeutischen Institute mit ihren entsprechenden Laboratorien und sonstigen Unternehmungen gegründet worden, damit auf der einen Seite Heilmittel und Heilmethoden ausprobiert werden können, auf der anderen Seite die Heilmittel hergestellt werden können. Solche klinischen sowohl wie chemisch-pharmazeutischen Institute haben wir in Arlesheim bei Dornach und Stuttgart.

Insbesondere soll hier hingewiesen werden auf das Klinisch-Therapeutische Institut in Arlesheim, das ja unter der ausgezeichneten Leitung von Frau Dr. Wegman steht, die insbesondere eine segensreiche Wirksamkeit für dieses Institut dadurch entfaltet, daß sie dasjenige hat, was ich den Mut des Heilens nennen möchte. Denn es gehört gerade, wenn man einerseits hineinblickt in die Kompliziertheit der Naturvorgänge, aus denen die Heilungsprozesse hervorgeholt werden sollen, auf der anderen Seite in die ungeheure Kompliziertheit der Gesundheits- und Krankheitsprozesse im Menschen, es gehört, wenn man dieses unermeßliche Feld vor sich hat — und man hat immer dieses unermeßliche Feld vor sich, auch wenn man eben nur eine bestimmte Anzahl von Patienten hat —, dann zum Heilen der Mut des Heilens.

Angegliedert ist diesem Arlesheimer Institut ein Internationales Pharmazeutisches Laboratorium, in dem die Heilmittel hergestellt werden. Sie können heute in der ganzen Welt verwendet werden, wenn man nur die richtigen Mittel und Wege sucht. Das Laboratorium stellt die Mittel her; es müssen nur die Leute die Mittel und Wege zu dem Laboratorium finden, darum handelt es sich. Es müssen die Leute die richtigen Mittel und Wege finden, in welcher Weise man zu den Heilmitteln kommt. Nicht auf dilettantische Weise wird gearbeitet, nicht verleugnet wird die heutige Wissenschaft, sondern die heutige Wissenschaft wird nur fortgesetzt.

Wird diese Erkenntnis einmal reifen in weitesten Kreisen, dann können wir um das Gelingen einer solchen Bewegung, wie es das Internationale Pharmazeutische Laboratorium in Arlesheim ist, wirklich ganz unbesorgt sein. Aber es ist schwierig, gegenüber der heutigen rein materialistischen Richtung eine auf voller Menschenerkenntnis beruhende Therapie mit ihren Heilmitteln in der Welt auch wirklich zur Geltung bringen zu können. Hier müßte man eigentlich auf die Einsicht jedes Menschen rechnen, dem die Gesundheit seiner Mitmenschen am Herzen liegt.

Nun, indem man so zunächst hinzuweisen hat auf dasjenige, was durch Naturheilmittel erreicht werden kann und ihre entsprechende Verwendung, wird natürlich nicht ausgeschlossen, was auf dem Wege, ich möchte sagen, mehr geistig-seelischer Prozesse in der Heilung erreicht werden kann. Auf diesem Gebiete macht man ja ganz besonders fruchtbare Beobachtungen. Wenn man nun das Hygienisch-Therapeutische, wie man es ja immer muß in einer richtigen Pädagogik, in die Schule hineinzutragen hat, sieht man, wie die Art und Weise, wie man seelisch-geistig im Unterricht auf die Kinder wirkt - wenn ich pädagogische Vorträge halte, so setze ich ja diese Dinge auseinander -, zwar vielleicht manchmal nicht sofort, aber im Verlauf des Lebensprozesses, die mannigfaltigsten gesundenden und krankmachenden Wirkungen haben kann. Ich will nur eines erwähnen. Der Lehrer kann zum Beispiel mit Bezug auf das Gedächtnis des Kindes in der richtigen Weise vorgehen, indem er ihm nicht zuviel und nicht zuwenig zumutet. Geht er unrichtig vor, mutet er dem Gedächtnis zuviel zu im achten, neunten, zehnten, elften Lebensjahre, hat er nicht den richtigen pädagogischen Takt nach dieser Richtung, dann wird dasjenige, was da die Seele vollbringen muß in einer übermäßigen Erinnerungstätigkeit, in einer künstlich gezüchteten Erinnerungstätigkeit, sich später im Leben ausleben als allerlei physische Erkrankungen. Man kann nachweisen den Zusammenhang zwischen dem Diabetes und falschen Gedächtnismethoden im Unterricht. Während auch wiederum das Stören des Gedächtnisses nach einer anderen Seite in einer ungünstigen Weise durchaus auf das Kind wirken kann.

Ich kann das nur prinzipiell erwähnen, denn die Zeit ist ja schon so sehr vorgeschritten. Aber man sieht daraus, wie nicht nur an Gesundheit und Krankheit die natürlichen Heilmittel arbeiten, sondern wie die besondere Art, wie die Seele selber arbeitet, für Gesundheit und Krankheit von ganz besonderer Wichtigkeit ist.

Und von da ausgehend kann man dann auch den Weg hinüberfinden zu denjenigen Methoden, wo wir versuchen, durch rein geistig-seelische Einflüsse von Mensch zu Mensch, die ich heute natürlich der Kürze der Zeit halber nicht im einzelnen beschreiben kann, Gesundungsprozesse herbeizuführen. Gerade auf diesem Gebiete kann man sich aber sehr leicht einem Dilettantismus hingeben. Man kann zum Beispiel den Glauben hegen, daß die sogenannten Geisteskrankheiten am leichtesten durch geistige Einflüsse zu heilen sind. Gerade die Geisteskrankheiten zeichnen sich dadurch aus, daß man den Kranken eigentlich seelisch-geistig kaum beikommen kann. Das ist es ja gerade, daß bei sogenannten Geisteskrankheiten die Seele sich gegen äußere Einflüsse abschließt. Aber man wird immer finden, daß gerade bei den sogenannten Geisteskrankheiten, die eigentlich ihren Namen mit Unrecht führen, physische Krankheitsprozesse irgendwo verborgen vorliegen. Ehe man dilettantisch gerade bei Geisteskrankheiten herumhantieren will, soll man eigentlich den physischen Krankheitsherd, der sich manchmal sehr verbirgt, diagnostisch richtig finden, dann wird man gerade wohltätig wirken durch entsprechende Heilung des physischen Organismus.

Viel eher wird es sich gerade bei physischen Krankheiten darum handeln, daß man durch allerlei geistig-seelische Einflüsse, die heute meist sehr dilettantisch betrieben werden — darauf will ich jetzt nicht eingehen -, hilft. Gerade bei physischen Krankheiten wird in dieser Beziehung viel Segen gestiftet werden können, in mancherlei Weise der äußere Prozeß, der durch Heilmittel herbeigeführt werden soll und dergleichen mehr, unterstützt werden können.

Ich kann das nur andeuten. Diejenigen Methoden, die auf dem Boden der Anthroposophie fußen, schließen ganz gewiß therapeutische seelisch-geistige Einflüsse nicht aus, sondern ein. Das beweisen wir ja dadurch, daß Sie im Klinisch-Therapeutischen Institut in Arlesheim-Dornach neben den physischen Heilmethoden die sogenannte Heileurythmie finden können.

Diese Heileurythmie besteht darin, daß man dasjenige, was Sie hier als Kunsteurythmie sehen, an dem bewegten Menschen, dem Menschen in seiner Gliederung, aber sich bewegend im Raume, umformt, das Vokalisierende so umformt, daß sich der Mensch in gesunden Bewegungen, die aber aus der Eurythmie herausgeholt sind, bewegt, daß man die vokalisierenden Bewegungen so anwendet, daß man gerade die Kräfte, die ich vorhin die albuminisierenden Kräfte im Menschen genannt habe, dadurch unterstützt. Während durch die konsonantisierenden Kräfte vielfach die antimonisierenden Kräfte unterstützt werden.

So kann man auch durch das Zusammenwirken von konsonantischer und vokalischer Heileurythmie das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Kräftearten herbeiführen. Und namentlich kann es sich da zeigen, wenn die Dinge richtig, nicht dilettantisch gemacht werden, wie andere Heilprozesse, namentlich auch bei chronischen Erkrankungen, ungeheuer unterstützt werden können durch diese Heileurythmie.

Diese Heileurythmie beruht eigentlich darauf, daß gerade seelisch-geistige Vorgänge wachgerufen werden durch dasjenige, was der Mensch mit den Gliedern seines Körpers ausführt. Wenn man weiß, welche Bewegungen aus dem gesunden Menschenorganismus unmittelbar hervorgehen wollen, dann kann man auch die entsprechenden Bewegungen finden, die heilend wirken, wenn von den Gliedmaßen aus, von der menschlichen Bewegung aus zurückgewirkt wird auf den Prozeß der inneren Organe.

So gibt es gerade in dem Klinisch-Therapeutischen Institut in Arlesheim die Möglichkeit, diese Heileurythmie aufzusuchen und zu sehen, wie sie als Therapie nun ein besonderer Zweig innerhalb der ganzen Heilprozesse sein kann, die eben aus wirklicher Menschenerkenntnis heraus auf anthroposophischem Boden gefunden werden können.

Es würde natürlich zu weit gehen, gerade auf diesem Gebiete Einzelheiten auszuführen. Das Prinzip ist eigentlich in dem gegeben, was ich dargestellt habe.

So ist es eben gekommen, daß wir in der mannigfaltigsten Weise, weil sozusagen Heilkundige an uns herangekommen sind, diese therapeutische Strömung innerhalb der anthroposophischen Bewegung ausbilden mußten. Sie hat sich aus den Zeitverhältnissen heraus ergeben. Sie ist sozusagen von der gegenwärtigen Zivilisation gefordert worden. Anthroposophie hat ja im Grunde genommen nur die Antwort gegeben auf Fragen, die an sie gestellt worden sind.

Ich konnte Ihnen heute wirklich nur aphoristisch die Prinzipien auseinandersetzen; mehr ist in dieser ja schon allzulang gewordenen Zeit nicht möglich. Und wollte ich auch nur einiges ausführen, so daß es, ich möchte sagen, in seiner Ganzheit dastünde, dann müßte ich etwas ähnliches tun, was ich auch vorgestern bei dem eurythmischen Vortrage abgelehnt habe, ich müßte Sie einladen, über Nacht dazubleiben und mir zuzuhören bis morgen früh, bis wir dann zu dem morgigen Vormittagsvortrag zusammenkommen. Das ist etwas Krankmachendes, und es kann doch wirklich nicht jemand, der über das Gesundmachen reden will, auf diese Weise die Leute krank machen! Daher muß man sie zu gesundem Schlafe schon lieber durch kürzere Darstellung nach Hause schicken.

German original of Polarities in Health, Illness and Therapy · ← Previous · Next →