Anthroposophical Medical Theory and Human Knowledge
GA 319 — 16 November 1923, The Hague
Sechster Vortrag
Gestatten Sie, daß ich einzelnes von dem, was ich mir erlaubte gestern prinzipiell anzudeuten, heute weiter ausführe. Es kann ja auch das, was ich heute sagen werde, nicht mehr geben als einige Hinweise, einige Anregungen; während natürlich zu alledem, was von dem Gesichtspunkte, den ich gestern angedeutet habe, über Medizinisches zu sagen ist, eine reiche Summe von Beweisen beigebracht werden kanden rhythmetn, die natürlich nicht heute — und in so kurzer Zeit überhaupt — zur Erörterung kommen kann.
Ich habe gestern schon darauf hingedeutet, daß man durch die innerliche Erkenntnisschulung der menschlichen Seele tatsächlich dazu kommen kann, im Menschen zu unterscheiden den eigentlichen physischen Leib, dann das, was ich gestern — wie gesagt, eine Terminologie muß man ja haben, und man braucht sich nicht daran zu stoßen — genannt habe den ätherischen Leib, der das erste übersinnliche Glied der menschlichen Natur ist; daß man dann den astralischen Leib, den ich in seinem Eingreifen in bezug auf die Nierenfunktion gestern auch erörtert habe, und zuletzt die Ich-Organisation im Menschen zu unterscheiden habe. Wenn man nun vom Menschen im gesunden oder kranken Zustande spricht, so ist es immer nötig, daß man sich bewußt bleibt, daß diese vier Glieder der menschlichen Wesenheit durchaus zunächst scharf zu unterscheidende Funktionen haben, die ineinander eingreifen, wechselseitige Wirkungen im gesunden und kranken Zustand aufeinander ausüben. Und erst dann, wenn man in der Lage ist, die Einheit der Menschenwesenheit aus diesem Zusammenfluß von vier, ich möchte sagen, voneinander getrennten Funktionsniveaus aus sich zu vergegenwärtigen, ist man auch erst imstande, über den gesunden oder kranken Menschen eine wirkliche Vorstellung zu gewinnen. Ich erwähnte schon gestern: Krankheitsprozesse sind doch Naturprozesse. Und man kann bei unbefangener Beobachtung eigentlich nicht eine Grenze finden zwischen den sogenannten normalen, den gesunden Prozessen des menschlichen Organismus und den kranken Prozessen, wenn man nicht diese Gliederung der Menschennatur kennt und dadurch weiß: wenn irgendeines dieser Glieder in die gesamte menschliche Einheit mehr eingreift, als es eingreifen sollte, dann entsteht dadurch eben das unnormale, krankhafte Funktionieren der menschlichen Wesenheit.
Aber man kommt noch nicht zu einer Vorstellung, wie in diesem Wunderbau des menschlichen Organismus die verschiedenen Kräfte, die sinnlichen und die übersinnlichen, zusammenwirken, wenn man nicht eines kennt, das mir eigentlich in der Konzeption vorlag heute vor mehr als fünfunddreißig Jahren, das ich aber erst in den letzten Jahren mich getraut habe auszusprechen. Erst in den letzten Jahren konnte ich den Mut finden, es auszusprechen, und man wird schon daraus sehen, daß die Forschung, die hier gemeint ist, nicht weniger gewissenhaft vorgeht als das, was man heute gebräuchlich als Forschung ansieht. Es handelt sich nämlich um folgendes.
Man muß den Menschen auch noch gliedern nach dem Nerven-Sinnessystem, das zunächst vorzugsweise im Kopfe des Menschen lokalisiert ist. Aber so sind die Dinge am Menschen nicht, daß man etwas anderes sagen könnte als: vorzugsweise ist das Nerven-Sinnessystem in der Kopforganisation lokalisiert. Es ist über den ganzen Menschen ausgebreitet, und das, was ich als drei oder vier Glieder der Menschennatur unterscheiden muß, greift ineinander; und man kann eigentlich, wenn man von der Nerven-Sinnesorganisation spricht, exakt, genau nur sagen: der Mensch ist im Kopfe am meisten «Kopf», aber die Kopforganisation, die Nerven-Sinnesorganisation ist über den ganzen Menschen ausgebreitet.
Dann spielt in diese Nerven-Sinnesorganisation dasjenige hinein, was im weitesten Sinne genannt werden kann die rhythmische Organisation des Menschen. Atmungsrhythmus und Blutzirkulationsrhythmus sind ja die hervorragendsten Erscheinungen innerhalb des rhythmischen Menschen; aber es kommen andere Rhythmen noch in Betracht: der Rhythmus von Schlafen und Wachen, der Rhythmus, der sich im engeren Sinne in der Verdauung ausspricht und so weiter. Wiederum ist das rhythmische System über den ganzen Menschen ausgebreitet und nur vorzugsweise im mittleren Menschen lokalisiert. Und als drittes haben wir zu unterscheiden — wir können es in der einen oder anderen Weise ansehen — das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem. Damit haben wir dasjenige System, das vorzugsweise der Bewegung des Menschen dient und das wiederum über den ganzen Menschen ausgebreitet ist. Es sind auch diese beiden Systeme, das Stoffwechselsystem und das Bewegungssystem, durchaus miteinander verbunden, was vielleicht aus dem inneren Gehalt der Betrachtung, die ich anstellen werde, hervorgehen wird.
Nun sind aber diese drei Systeme, trotzdem sie ineinandergreifen, streng voneinander unterschieden, so daß wir sagen können: In der Nerven-Sinnesorganisation arbeitet das, was physischer, ätherischer, astralischer Leib und Ich-Organisation ist, ganz anders als zum Beispiel in der rhythmischen Organisation oder in der Stoffwechsel-Gliedmaßenorganisation. Vorhanden sind diese vier Glieder der menschlichen Natur — physischer Leib, ätherischer Leib, astralischer Leib und Ich - in allen drei, gewissermaßen örtlich voneinander getrennten Systemen, aber sie greifen in verschiedenster Weise in jedes dieser Systeme wiederum ein. Und nur wenn man zu sagen vermag, wie zum Beispiel in das Kopfsystem die Ich-Organisation oder der astralische Leib eingreifen, ist man imstande, von gesunden und kranken Menschen in einer exakten, sachgemäßen Weise zu sprechen. Ich möchte dies für einen konkreten Fall einmal erörtern.
Nehmen wir die Hauptesorganisation, und zwar jetzt mehr, wie das Nerven-Sinnessystem im Haupte lokalisiert ist. Wir sprechen auch da natürlich vom ganzen Menschen, weil das, was man vom Haupte sagen kann, im minderen Grade auch vorhanden ist im rhythmischen Menschen, im mittleren Menschen, und im Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen. Aber man kann sich schon das Wesentliche, worauf es dabei ankommt, durch die Hauptesorganisation klarmachen: Bei ihr handelt es sich darum - wie gesagt, mit der Einschränkung sage ich es, die ich jetzt gemacht habe -, was zunächst in dieser Hauptesorganisation lokalisiert ist. Der Mensch ist ganz Kopf auch, aber ich erörtere die Kopforganisation am Kopfe im engeren Sinne. Da ist zunächst die Nerven-Sinnesorganisation lokalisiert; die verschiedenen sinnlichen Wahrnehmungsorgane haben ihre Fortwirkungen in den inneren menschlichen Organismus hinein, so müssen wir nämlich sagen, wenn wir exakt über die Sinne sprechen wollen. Nun handelt es sich darum: Was liegt uns eigentlich vor, wenn wir zunächst von der Sinnesorganisation sprechen? — Auch da kann ich nur eine Art Direktion geben.
Die Sinnesorganisation erörtert man eigentlich gewöhnlich außerordentlich abstrakt, so daß man von ihr spricht wie von bloßen Begriffen. Die anatomisch-physiologische Grundlage erörtert man wohl, aber — das geht schon aus den furchtbar dilettantischen Auseinandersetzungen hervor, die man in der Physiologie findet — das eigentliche Funktionieren innerhalb des Sinnestraktes ist etwas, was im Grunde genommen niemals so recht konkret ins Auge gefaßt wird. Denn das ist etwas, was sich verhält im umgekehrten Verhältnis so, daß man sagen kann: Atmungsfunktion verhält sich zur Sinnesfunktion im umgekehrten Verhältnis, wie sich verhält das Blutzirkulationssystem zu der Verdauungsfunktion. Also die Verdauungsfunktion ist, wenn ich mich grob ausdrücken soll, gewissermaßen eine verdichtete Blutzirkulation. Oder umgekehrt: was im Blut zirkuliert, ist ein verfeinerter Verdauungsprozeß. Und der Sinnesprozeß ist ein verfeinerter Atmungsprozeß. Ich könnte auch sagen: der Atmungsprozeß ist ein vergröberter sinnlicher Wahrnehmungsprozeß. Diese beiden Prozesse unterscheiden sich quantitativ, nicht qualitativ. Darin liegt zum Beispiel die Begründung, daß in der Methodik, die in der indischen Jogaphilosophie für ein tieferes Erkennen vorgeschrieben wird, nicht der bloße gewöhnliche Nerven-Sinnesprozeß angewendet wird, sondern ein gewisser modifizierter Atmungsprozeß. Was in der Jogaübung in diesem modifizierten Atmungsprozeß erreicht werden soll, ist nichts anderes als ein gröberes Erkennen. In diesem Hinunternehmen des Erkenntnisprozesses in den Atmungsvorgang durch die Jogaphilosophie Indiens liegt eigentlich doch eine tiefe Weisheit. Aber es ist eben das, was sich abspielt von den Sinnen nach einwärts, ein verfeinerter, gewissermaßen ein vergeistigter Atmungsprozeß. In diesem verfeinerten Atmungsprozeß, also ich möchte sagen, an denjenigen Orten, wo sich die Sinneswahrnehmung zunächst abspielt, da müssen vorhanden sein in möglichster Freiheit die Funktion des Ich und die Funktion des astralischen Leibes. Die müssen wirken können im Auge, müssen wirken können im Ohre; aber sie müssen so wirken können, daß die Wirkung sich wirklich überträgt bis auf die physische Organisation hin.
Betrachten wir die Sache beim Auge, so finden wir es folgendermaßen. Im Auge ist zunächst die physische Organisation des Auges. In ihr steckt der ätherische Leib des Auges, der das Vitalistische besorgt. Dann aber haben wir die astralische und die Ich-Organisation des Menschen; die müssen für das Auge zwar selbständig wirken, aber sie müssen die physische Substanz des Auges ergreifen. Nun ist es im Sinne dessen, was ich gestern angedeutet habe, so, daß dasjenige, was sich im menschlichen Organismus findet, sich auch findet in der Natur draußen, nur daß sich der Naturprozeß nicht als ein gesunder Prozeß im menschlichen Organismus findet, sondern als ein kranker; aber es entspricht einem Vorgang im menschlichen Organismus immer ein gesunder Prozeß im Naturgeschehen. Was sich für die Sinnesorgane draußen in der Natur vorfindet, das ist am hervorragendsten anzutreffen, wenn Sie diejenige Funktionsweise ins Auge fassen, die, ich möchte sagen, festgehalten ist im Kieseldioxyd, im Quarz, in der Kieselsäure, wenn Sie also dasjenige, was Ihnen als etwas Festgewordenes, gewissermaßen als etwas Erstarrtes erscheint, als lebendigen Prozeß auffassen. Alle festen Körper sind ja nur erstarrte Prozesse, erstarrte Vorgänge. Wenn wir also den Kieselsäurevorgang betrachten, so müssen wir sagen: Wo wir in der Natur draußen Kieselsäure, wo wir Quarziges finden - es ist auch in anderen Substanzen der Natur vorhanden, aber am hervorragendsten im Quarz -, da haben wir in dem, was sich da abspielt, etwas, was beim Menschen demjenigen entspricht, was sich durch die menschliche Organisation zum Beispiel im Auge oder in einem anderen Sinnesorgane abspielt. Da ist nicht etwa die Behauptung gerechtfertigt, daß wir da drinnen substantiell Quarz haben; aber was wir im Auge oder in einem anderen Sinnesorgane haben, das ist funktionell, dem Prozesse nach dasselbe wie das, was sich draußen im Quarz abspielt. Und wiederum: wenn wir diesen Vorgang in den Sin- ' nesorganen beobachten, der sich als identisch erweist mit dem Vorgange im Quarz, so kommen wir dazu - und das zeigt nun auch die Mineralogie in der Analogie des äußeren Naturgeschehens -, daß mit alledem, was in einem solchen Prozeß liegen kann, wie wir ihn in dem Quarzvorgang haben, am wenigsten damit harmonisch zusammenwirkend alles das ist, was wieder getragen wird von der Organisation des Phosphor. Schauen Sie sich also in der Natur draußen das, was im Phosphor fest geworden ist, als lebendigen Prozeß an und nehmen Sie das lebendige Zusammenwirken von beiden, so haben Sie denselben Prozeß, den Sie im menschlichen Auge - als Repräsentanten der Sinnesorganisation überhaupt — haben. Und durch dieses Zusammenwirken eines Prozesses, der so ist wie der Phosphorprozeß, und eines anderen Prozesses, der so ist wie der Kieselsäureprozeß, ist das Auge dasjenige Organ, daß in die physische Organisation des Auges eingreifen kann, was als Ich und als astralischer Leib im Menschen vorhanden ist. Es muß überall die physische Organisation die Grundlage dafür schaffen, daß das Geistige in der richtigen Weise eingreifen kann.
Nun ist etwas anderes der Fall. Wenn jener Vorgang, der sich im Auge abspielt durch dieses Zusammenwirken des Phosphorprozesses und des Kieselsäureprozesses, der ein inniges, harmonisches Zusammenwirken der beiden darstellt, sich ins Gehirn hinein fortsetzen würde, so würden wir ganz erfüllt sein von einem Sinnesprozeß, wir würden ganz hingegeben sein an die Natur, wir würden nicht als Menschen herausgehoben sein aus der Natur. Wir müssen uns aber als Menschen herausheben aus der Natur. Und dazu muß im Gehirn ein anderer Prozeß stattfinden als in den Sinnen, ein Prozeß, der den Menschen absondert von den Naturprozessen. Während sich im Auge eigentlich etwas abspielt, was nur Fortsetzung eines äußeren Naturprozesses in die Vitalisation hinein ist — die Sinnesorgane sind ja eigentlich wie Golfe, die sich in den Menschen hineinerstrecken -, muß sich im Gehirn etwas absondern, selbständig machen.
Das geschieht wieder durch einen Prozeß, den wir auch draußen in der Natur finden. Was in uns — wenn ich mich jetzt psychologisch ausdrücken darf —, aus der Wahrnehmung die Vorstellung macht mit Hilfe der menschlichen Organisation, das ist ein Vorgang im Inneren der Nerven-Sinnesorganisation, der jenen Vorgängen entspricht, die wir draußen im Blei finden. Daher können wir sagen: Wenn das, was durch das Auge in der Wahrnehmung aufgefaßt wird, nun weiter zurückgeht in das Nerven-Sinnessystem, dann muß ihm entgegenkommen ein Prozeß, der gleich ist dem Bleiprozeß. Nur dadurch kann der Mensch das, was er wahrnimmt, auch denken. Dadurch wird das Gehirn ein Denkorgan; sonst würde es auch ein Wahrnehmungsorgan sein. Auf diese Weise wird der Mensch verselbständigt.
Damit habe ich hingedeutet auf etwas, was in der Kopforganisation charakteristisch ist. Ich sagte also: dasselbe, was sich draußen im Bleiprozeß abspielt, müsse sich in der Kopforganisation abspielen, damit der Denkprozeß im Menschen zustande kommen kann.
Nehmen wir nun einmal die Bleifunktion und bringen wir sie nun nicht in die Nervenorganisation — wenn der Mensch geboren wird, ist das Blei von der Natur selber da, ist die Bleifunktion da, ohne daß die Substanz des Bleies nachgewiesen werden kann -, sondern bringen wir die Bleifunktion jetzt in die Verdauungsorganisation und in das Weitere hinein; dafür sorgt schon das Leben, zum Beispiel manchmal bei den Bleivergiftungen. Wenn Sie nun beobachten in allen Erscheinungen, was das Blei im Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen bewirkt, so bekommen Sie ein Bild, das sich zwar in verschiedenen einzelnen Symptomen darstellt, das aber eigentlich doch am charakteristischsten zusammengefaßt wird etwa in dem Symptomkomplex von Dementia senilis oder der Arteriosclerosis cerebralis: Sie bekommen dann das Bild des im Alter zerfallenden menschlichen Organismus. Das heißt mit anderen Worten: Wenn ich denselben Prozeß, der mir im Gehirn meine Selbständigkeit als organisches Wesen sichert, auf den anderen Pol des Menschen in Anwendung bringe, auf das Verdauungssystem und auf das damit im Zusammenhange stehende Gliedmaßensystem, dann bekomme ich ein Krankheitsbild; was also im Stoff wechsel-Gliedmaßensystem ein Krankheitsprozeß ist, das ist für den Nerven-Sinnesmenschen eine notwendige organische Funktion. Wenn ich also die Sklerose als ein langsames Sterben auffasse, so muß ich auch sagen: in einer gewissen abgeschwächten Form muß sie fortwährend im Haupte des Menschen funktionieren, dort ist sie der normale Zustand.
So also sind die drei Glieder der menschlichen Wesenheit voneinander verschieden: was in dem einen Glied, in der Nerven-Sinnesorganisation, der normale Zustand ist, das ist in dem anderen Gliede des menschlichen Organismus eine Krankheitserscheinung. Aber ich habe schon gestern gesagt: Wie müssen wir uns nun zur Therapie stellen?
Wir müssen das, was den Krankheitsprozeß ausmacht, und was astralischer Leib und Ich-Organisation versorgen müssen, wenn eben der Krankheitsprozeß ungestört wuchern kann, das müssen wir dem astralischen Leibe und der Ich-Organisation abnehmen. Was müssen wir also tun, wenn wir die Sklerose haben? Wir müssen uns ihr so nähern, daß wir dem menschlichen astralischen Leibe für das Verdauungs-Gliedmaßensystem das abnehmen, was er mit dem alternden, zerfallenden, sklerotisch werdenden Leibe zu tun hat. Und das können wir, wenn wir es dem Blei übergeben, dem Blei in einer gewissen Dosierung. Und dies hat dazu geführt, daß wir zu einem solchen Heilmittel gekommen sind, wie Sie es in unserem Verzeichnis als Heilmittel Nummer I angeführt finden, als das Heilmittel gegen Arteriosklerose. Es ist also von vornherein durch wirkliche Menschenerkenntnis klar, daß man durch die in entsprechender Weise in den Menschen hineingebrachte Bleifunktion substantiell der Sklerose beikommen kann; nur muß man jetzt das Blei zur Wirksamkeit bringen. Es ist nicht ohne weiteres gesagt, daß ich das Blei, wenn ich es in den Organismus eingeführt habe, damit auch wirklich zur Wirksamkeit gebracht habe. Da helfen einem dann die weiteren Glieder einer wirklichen Menschenerkenntnis.
Da hilft es einem dann, daß man im menschlichen Organismus unterscheiden kann die aufbauenden und die abbauenden Kräfte. Die letzteren sind zum Beispiel gerade in der Sklerose tätig, wo der menschliche Organismus zerfällt. Im Haupte, im Gehirn zerfällt fortwährend der menschliche Organismus, denn das Gehirn ist immerfort von einer leisen Sklerose erfüllt; das liegt in seiner Organisation. Es hängt also alles davon ab, daß man nun unterscheiden kann die Abbauprozesse und die eigentlichen Vitalisationsprozesse, die Aufbau-, die Wachstumsprozesse. Wenn man diese beiden Prozesse richtig voneinander unterscheiden kann, dann sieht man zunächst hin auf dasjenige im menschlichen Organismus, was die Aufbauprozesse im eminentesten Sinne in sich trägt: das ist in dem ersten Kindesalter der ganze menschliche Organismus. Er ist zunächst noch nicht überlastet mit den Organen für das Denken, mit den Organen für die übrige seelische Tätigkeit; er lebt zunächst in der Organisation des Wachstums. Wenn wir nun das Verhältnis der Milchfunktion zum menschlichen kindlichen Organismus nehmen, so finden wir, daß in dieser Milchfunktion gerade die plastischen Kräfte drinnen liegen, die der Organismus im kindlichen Zeitalter braucht. Im späteren Lebensalter können wir uns nicht in derselben Weise die noch immer nötigen plastischen Kräfte verschaffen, die wir durch den Milchgenuß im kindlichen Alter haben. Wir brauchen auch noch, wenn wir uralt geworden sind, plastisch wirkende Kräfte, Bildekräfte, die die Nahrung, die wir aufnehmen, überführen in die Formen des Organismus. Nun stellt sich heraus: Daß nichts mehr fördert diese plastisch wirkenden, diese Bildekräfte, daß nichts mehr fördert die Anähnlichung der aufgenommenen Stoffe an den menschlichen Organismus als ein oftmals recht schwacher Honiggenuß. Honig wirkt in der Tat auf den altgewordenen Menschen im Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus ganz ähnlich, wie für den Gehirnorganismus des Kindes — und besonders des Kindes — die Milch wirkt. Das weist uns darauf hin, daß im Honig eben besondere Bildekräfte sind, die wir nicht dadurch auffinden, daß wir den Honig einfach chemisch analysieren, sondern die wir nur finden, wenn wir tatsächlich in aller Lebendigkeit die Beziehungen erkennen, die der Mensch hat zu den übrigen Substanzen im Weltall. Und diese Bildefähigkeit des Honigs — denn für eine genauere Interpretation stellt sich heraus, daß der Honig den menschlichen Organismus so ergreift, daß vorzugsweise der astralische Leib seine Bildekräfte ausüben kann -, diese Wirkungen des Honigs kann man dann unterstützen durch einen Zusatz von Zucker, vorausgesetzt, daß der menschliche Organismus das sonst verträgt. Daher finden Sie, daß - in einer besonderen Weise ineinandergefügt, funktional ineinandergefügt — unser erstes Heilmittel gegen Sklerose ein Präparat darstellt aus Blei, Honig und Zucker.
Das weist aber zugleich darauf hin, daß es darauf ankommt, wie man so etwas macht. Denn es muß in gewissem Sinne wiederum ein inneres Funktionieren der Bleikräfte mit den Honig- und Zuckerkräften entstehen in dem Präparat selber. Dieses Präparat ist also so hergestellt, daß es, wenn es in den menschlichen Organismus eingeführt wird, dort übernimmt die sklerotisierenden Kräfte. Es nimmt die sklerotisierenden Kräfte dem astralischen Leib und der Ich-Organisation des Menschen ab; die werden dadurch wieder frei und können nun für die normale, gesunde Organisation des Menschen wirken. Was ich aber mit diesem Präparat in den menschlichen Organismus einführe, das ist das, was früher Ich und astralischer Leib tun mußten, die daher nicht frei waren und ihre Funktionen ableiteten auf den Krankheitsvorgang. Jetzt übergebe ich den Krankheitsvorgang meinem Präparat. Das besonders Wirksame ist dabei das Blei; es übernimmt die Sklerotisierung, denn es ist ja seine eigene Natur, sklerotisierend zu wirken. Aber ich muß erst die Wege suchen durch die Plastik des Organismus hindurch, durch die ich das Blei dahin bringe, wo es nötig ist: das geschieht durch die Zusammensetzung mit Honig und Zucker.
So sind also unsere Präparate daraufhin fertiggestellt: erstens dasjenige zu enthalten, was einen krankhaften Vorgang übernehmen kann. Dann aber auch sind sie weiter in ihren Zusammensetzungen und in ihrer ganzen Art der Verarbeitung so zustande gekommen, daß nun auch dasjenige, was ich in den Menschen hineinbringen will, damit es den Krankheitsprozeß übernehme, sich in der richtigen Weise im Organismus ausbreiten kann. So sind durchaus unsere Präparate absolut rationell hergestellt. Dadurch kommt tatsächlich — das konnte gerade immer, wenn wir unsere Präparate anwendeten, in dem Arlesheimer Institut von Frau Dr. Wegman von Stufe zu Stufe beobachtet werden -, es kommt tatsächlich im Heilen dieser Art heraus — was notwendig ist —, daß man weiß: Der menschliche Organismus ist so; wende ich irgend etwas auf ihn an, dann muß das eine entsprechende Umänderung in ihm hervorrufen. Beobachte ich nun die Umänderung, wie sie geschieht, so beobachte ich den Prozeß, der der Heilungsprozeß ist; ich beobachte das, was ich vorausgesetzt habe. Und das ist so wichtig bei unserer Methode, daß wir nicht äußerlich probieren und durch Statistiken feststellen, sondern rationell voraussagen, was eintreten muß, und daß dann geprüft werden kann, schon im allerersten Stadium dessen, was eintritt, ob man tatsächlich die entsprechenden Wirkungen hervorbringt.
Auf diese Weise sehen Sie auch, wie die schon gestern erwähnte, im Equisetum enthaltene Kieselsäure wirkt. Ich habe davon gesprochen, daß die besondere Art und Weise, wie die Kieselsäure im Equisetum enthalten ist, auf die Nierenfunktion wirkt. Man beachtet heute anatomisch und physiologisch nicht, daß das Nerven-Sinnessystem nur gewissermaßen abstrakt abgetrennt werden kann von dem Zirkulations- und Stoffwechselsystem. In gewissem Sinne sind alle Organe auch wieder Sinnesorgane, und die Niere ist schon ein besonders wichtiges Organ des menschlichen Unterleibes. Wenn ich also, in dem Sinne, wie ich es gestern ausführte, Kieselsäure, wie sie im Equisetum vorhanden ist, verwende, so steigere ich die Sensitivität der Niere und wirke damit auf diejenigen Prozesse im menschlichen Organismus, die von einer Abstumpfung der inneren Sensitivität der Niere herrühren.
Dasjenige nun, was man in hervorragender Weise gerade an den Sinnesorganen sieht, ist nämlich wiederum in einer gewissen Beziehung anwendbar auf den ganzen menschlichen Organismus. Besonders klar kann einem so etwas werden, wenn man beispielsweise die Phosphorwirkung in einem besonders eklatanten Falle betrachtet. Es ist ganz gewiß etwas außerordentlich Interessantes, physiologisch und anatomisch die Vorgänge in der menschlichen Embryonalbildung zu betrachten. Nun hat man in der menschlichen Embryonalbildung zwei zusammenwirkende Prozesse, die gewöhnlich nicht sehr gut auseinandergelegt werden, wenn man heute anatomisch-physiologisch betrachtet. Man hat zunächst alles das, was sich gruppiert um die Entstehung des befruchteten Eikeimes. Dann alles das, was sich abspielt in das Chorion herein von der Umgebung, von dem Uterus und so weiter, von den weiblichen Umschließungsorganen des Embryo. Wenn man dieses studiert, ist natürlich auch das alles, was dabei Organisation ist, durchzogen nicht nur von physischer Organisation, sondern auch von der ätherischen, astralischen und Ich-Organisation. Wenn man nun aber zunächst diesen Prozeß — ich möchte ihn einen zentrifugalen Prozeß, weil er ein ausstrahlender Prozeß ist, nennen — betrachtet, was von der eigentlichen befruchteten Keimzelle ausgehend, durch die Differenzierung immer mehr und mehr sich entwickelt, und was der zentrale Embryo wird, so hat man auf der einen Seite in diesem Prozesse als Hauptwirkung, als besonders prädominierende Wirkung etwas, was wiedergefunden werden kann in dem Prozesse, der in der Silbersubstanz festgehalten ist. So paradox es klingt: in der Silbersubstanz haben wir etwas, was bis zu der Ausscheidung - eine Ausscheidung ist es ja auch - sich steigern kann, die da stattfindet in der Absonderung der Eizelle im menschlichen: Organismus. Im Silber, im Funktionellen des Silbers haben wir überhaupt die Ausscheidungskräfte, die im Menschen wirken, draußen in der Natur, in der Silbersubstanz. Daraus, daß das Silber in einem so eminenten Sinne ausscheidend wirkt, erkennen Sie die ganze ungeheure Bedeutung des Silbers in der entsprechenden Dosierung für den menschlichen Unterleib überhaupt. Und daher kann man, wenn man wiederum mit den nötigen Bindemitteln, den nötigen Zusätzen die Silbersubstanz in feiner Dosierung einführt in den Verdauungsprozeß, gerade auf die Abscheidungsprozesse wirken. Stocken die Abscheidungsprozesse, so kann man da in einer außerordentlich bedeutsamen Weise auf sie wirken.
Aber nehmen wir nun dasjenige, was jetzt zentripetal wirkt, was ausgeht vom Uterus, also hineingeht von außen, so haben wir da wiederum im eminenten Sinne in einer äußeren Substanz nämlich im Phosphor, dasjenige, was da ausgeht von den Wänden der weiblichen Gebärorgane nach innen, was von dort ausgeht und gegen den Embryo zu wirkt. Wiederum sieht man daraus, welche Bedeutung in den Kräften liegt, die im Funktionieren des Phosphors enthalten sind. Sie wirken gerade im entgegengesetzten Sinne als Silber; sie wirken so, daß sie alles in den Menschen hineintreiben. Während zum Beispiel das Silber namentlich für den Unterleib die ausscheidende Tendenz entwickelt, entfaltet der Phosphor die in den Leib hineintreibenden Tendenzen. So daß man im Silber etwas hat, was im eminentesten Sinne die Formen des physischen Leibes des Menschen hervorruft, wogegen man im Phosphor etwas hat, was diese Formen auslöscht, was hineintreibt in den Menschen und die physische Organisation auslöscht, diese physische Organisation auslöschend macht für den astralischen Leib und das Ich. Es ist also der Phosphor dasjenige, was die astralische Organisation und das Ich heraustreibt aus dem Menschen. In dieser Beziehung sind Silber und Phosphor polarisch einander entgegengesetzte Substanzen.
Für den rhythmischen und für den Kopfmenschen, also für das Zirkulationssystem und für das Nerven-Sinnessystem, gibt es noch einen anderen polarischen Gegensatz zum Phosphor: das ist der Kalk, das kohlensaure Kalzium. Dieses kohlensaure Kalzium hat wiederum, in den menschlichen Organismus hineingebracht, die eigentümliche Tendenz, ausscheidend zu wirken. Ja, es ist beim kohlensauren Kalzium, beim Kalk, so, daß in der Tat die zentrifugalen, die ausstrahlenden Kräfte des Menschen sich auf eine äußerlich-natürliche Weise im Kalk zeigen; wodurch ich, wenn diese ausstrahlenden Kräfte zu stark werden und dadurch Krankheitsbildungen entstehen, diese Krankheitsprozesse gerade durch Kalkpräparate abnehmen kann. Besonders klar aber zeigt sich, was ich damit sagen will, wenn wir nun verfolgen, wie der dem menschlichen Organismus zugeführte Kalk etwas ist, was überall im menschlichen Organismus ausscheidend ist. Ich möchte sagen: im untersten Menschen hat er einen Konkurrenten im Silber, aber er wirkt auch da ausscheidend; so daß der Kalk überall sowohl Wäßriges ausscheidet aus dem Organismus wie Luftiges. Die Kalkkräfte, die im menschlichen Organismus lokalisiert sind, sind also auch alles das, was der menschlichen Ausatmung zugrundeliegt. Der Kalk hat die Kraft in sich, die als Motor für die Ausatmung wirkt. Und wiederum hat er diejenigen Kräfte in sich, die in der Nerven-Sinnesorganisation die Wärme austreiben, eine Art Abkühlung der Nerven-Sinnesorganisation bewirken. Also im unteren Menschen, im Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen, wirkt er austreibend die Flüssigkeiten, im rhythmischen Menschen wirkt er austreibend die Luftsubstanzen, in der Nerven-Sinnesorganisation wirkt er austreibend den Wärmeäther — oder die Wärme, wenn Sie es lieber haben wollen.
In jeder dieser Beziehungen wirkt dem Kalk entgegengesetzt der Phosphor. Er wirkt so, Sie können das wieder an dem Bilde der Phosphorvergiftungen studieren, daß er in den Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen hineinbringt das Flüssige, besser: das Feste in aufgelöster Form, so daß er der treibende Motor für die Einatmung ist, aller nach innen gerichteter Atmungsprozesse. Das Luftige bringt er in den Organismus so hinein, daß er erwärmend wirkt auf die Nerven-Sinnesorganisation. — Dadurch aber, daß der Kalk das Austreibende ist, macht er im menschlichen Organismus das Bett für das Funktionieren von astralischem Leib und Ich-Organisation; die können dann herein.
Gerade durch das, was der Kalk heraustreibt, können der astralische Leib und die Ich-Organisation in den Menschen hinein. Durch dasjenige, was dagegen der Phosphor hineintreibt an physischer Organisation, treibt er den astralischen Leib und das Ich heraus. In der oberflächlichsten Weise können Sie diese Dinge daran studieren, daß der Kalk sozusagen überall das wache Ich und den wachen astralischen Leib an den physischen Leib fesselt. Was heißt aber das: Der astralische Leib und das Ich an den physischen Leib gefesselt? Das heißt: ich leide an Schlaflosigkeit. Wenn ich nicht die Ich-Organisation und den astralischen Leib herausbringen kann aus dem menschlichen Organismus, so leide ich an Schlaflosigkeit. Die Kalkfunktion ist, wenn ihr nicht entgegengewirkt wird durch die Phosphorfunktion, fortwährend ein Anlaß dazu, daß wir in Schlaflosigkeit hineinkommen und damit in alle diejenigen Prozesse, die mit ihr zusammenhängen. In dem Augenblick, wo Sie den Phosphorvorgang in den menschlichen Organismus hineinbringen, fördern Sie die Schlaffähigkeit; so daß Sie damit das fördern, was aus dem menschlichen Organismus den astralischen Leib und das Ich herausbringt, denn diese sind während des Schlafes heraus. Im eminentesten Sinne hat diese Eigenschaft die Phosphorfunktion, im geringeren Grade hat sie die Schwefelfunktion. Und wenn wir im rhythmischen System Unregelmäßigkeiten haben, können wir auch statt Phosphor den Schwefel anwenden. Wenn wir es zum Beispiel mit einer Schlaflosigkeit zu tun haben, die ihre Symptome im rhythmischen Menschen zeigt, werden wir es für den Heilungsprozeß mit irgendeinem Schwefelpräparat zu tun haben.
Das können gewiß alles nur Hindeutungen sein. Aber diese Hindeutungen sollen zeigen, daß man in alledem, was hier als eine rationelle Diagnose angestrebt wird, schon die rationelle Therapie drinnen hat. Denn gehe ich physiologisch vor, so ist mir zum Beispiel im menschlichen Haupt ein verfeinerter Sklerotisierungsprozeß gegeben. Indem ich mich nun solcher Ausdrücke bediene, welche den Menschen in Verbindung bringen mit der ihn umgebenden Natur, kann ich jetzt dasjenige, was im menschlichen Gehirn als organische Funktion dem Denken zugrundeliegt, einen Bleiprozeß nennen. Ich sehe diesen Bleiprozeß, ohne die Substanz des Bleies, in der menschlichen Nerven-Sinnesorganisation; ich sehe ihn als Gift in der anderen Organisation, in der Stoffwechsel-Gliedmaßenorganisation. Das eine Bild zeigt mir in einer gräßlichen Weise das, was in feinerer Weise immer in der Nerven-Sinnesorganisation vor sich geht. Aber ich kann jetzt auch wissen: wenn ich die Bleifunktion, den Bleiprozeß, hineinbringe in den Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen, dann nehme ich dadurch diesem Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen in bezug auf die astralische Organisation ab, was abgenommen werden muß. Und damit habe ich die Heilung eintreten lassen. Ich unterscheide also gar nicht mehr zwischen dem, was Diagnose ist, was Pathologie ist und was Therapie ist, denn das fließt in eins zusammen. Man erkennt die Krankheit und man kennt den Prozeß in der äußeren Natur, der diesen Krankheitsprozeß im menschlichen Organismus übernehmen kann. Das eine erkennt man aus dem anderen. Gerade das, zwischen dem heute ein furchtbarer Abgrund klafft: Pathologie und Therapie, das wird ineinander verwoben, zu eins gemacht durch diese rationelle anthroposophische Grundlage der Medizin.
Auf der anderen Seite aber wird auch in entsprechender Weise ein Licht geworfen auf die Krankheitsvorgänge selber. Nehmen wir eine Krankheit, wegen der, wenn wir sie anführen, wir immer ausgelacht werden, weil sie für den Arzt als eine ganz unbedeutende Krankheit gilt — für den Arzt in Mitteleuropa ist das der Fall; ich weiß nicht, ob es in Holland ebenso ist -, nur für den Patienten ist diese Krankheit recht unangenehm: ich meine die Migräne. Man versteht sie eigentlich nur, wenn man weiß, daß sie darin besteht, daß ein Prozeß, der gar nicht in der Nerven-Sinnesorganisation - im Haupte - sein soll, nämlich ein Stoffwechselprozeß, gewissermaßen hypertrophiert, der feine Stoffwechselprozeß, der immer im Kopfe sich abspielt. Man hat also einen Stoffwechselprozeß im Kopfe, der nicht da sein sollte, und es handelt sich nun darum, dem Kopfe diesen Stoffwechselprozeß abzunehmen. Wie macht man das? Nun, zunächst tritt an einen die Aufgabe heran, dasjenige in den Menschen einzuführen, was diesen Stoffwechselprozeß aufnehmen kann, was ihn selber ausführen kann. Nach dem, was ich vorhin gesagt habe, werden Sie jetzt finden, daß dies die Kieselsäure ist. Von ihr sagte ich, daß sie in die Sinnesorganisation hinein muß, die ja auch irritiert ist bei der Migräne. Bringen wir den Kieselsäureprozeß in die menschliche Hauptesorganisation hinein, dann wirken wir so, daß wir den krankhaften Migräneprozeß dem Kopfe abnehmen. Aber wir müssen erst den Kieselsäureprozeß in den Kopf hineinbringen. Wollen wir das Präparat so formen, daß es durch den Mund aufgenommen werden kann, so müssen wir dafür sorgen, daß es uns unterwegs nicht irgendwo in der Verdauung liegen bleibt. Dazu müssen wir den astralischen Leib so tätig wie möglich machen, so daß er in den aufsteigenden Wogen durch den ganzen Verdauungsvorgang uns die Kieselsäure hinaufträgt, die wir durch das Präparat hineinbringen in die Kopforganisation. Das können wir nur, wenn wir gleichsam das Hinauffluten der aufgenommenen Kieselsäure dadurch fördern, daß wir etwas tun, um den astralischen Leib möglichst zur Wirksamkeit zu bringen. Das heißt, wir müssen aus allem, was vermittelt zwischen Unterleib und Kopf -— namentlich aus dem Zirkulationsrhythmus -, alles herauswerfen, was den astralischen Leib verhindern könnte, lebhaft zu wirken. Das geschieht, wenn wir Schwefel anwenden. So muß sich in unserem Präparat, in einer gewissen Weise verarbeitet, Kieselsäure und Schwefel finden. Aber im menschlichen Organismus muß das so sein, daß nicht nur etwas hinaufwirkt, sondern gerade, wenn wir das rhythmische System angreifen, muß der Rhythmus hinauf- und hinuntergehen. Wir verfolgen ja den Atmungsrhythmus hinauf und hinunter, verfolgen den Zirkulationsrhythmus hinauf und hinunter. Dieses Hinauf- und Hinuntergehen wird am wesentlichsten durch jene Funktion gefördert, die wieder in der Substanz des Eisens liegt. Und dieses, was wir wollen: einmal hinauffluten, dann aber verhindern, daß es sich oben festsetzt, daß sich oben nur etwas absetzt, und nicht der ganze Mensch in Anspruch genommen ist, das wird dadurch bewirkt, daß wir ein Präparat herstellen in einer gewissen Verarbeitung, das Eisen, Schwefel und Kieselsäure enthält. In dieser Weise bekommen wir unser Präparat, das Biodoron, das im eminentesten Sinne dazu dient, die Migräne dem Kopfe abzunehmen, dann aber das, was wir so dem Kopfe abnehmen, auch wieder in der richtigen Weise in die Gesamtorganisation des Menschen hineinzufügen.
Was man für die untergeordnete Krankheit, die Bagatellenkrankheit der Migräne sagen kann, das wird, allerdings dem Prinzipe nach, ernster, wenn man das Umgekehrte verfolgt. Wenn namentlich tener Vorgang, wo die Atmung übergeht in die — wie ich vorhin gesagt habe - verfeinerte Atmung, die dann auftritt als der Nerven-Sinnesprozeß, dieser Vorgang, der sich also eigentlich nur abspielen soll im unteren Teile des obersten Menschen, ungefähr — das ist ja nur annähernd und grob ausgedrückt — in der Gegend zwischen den Lungen und den unteren Regionen des Antlitzes, wenn sich dieser Prozeß, diese besondere Nuance des menschlichen Zirkulationsprozesses durchdrückt und nun dieser schon Nerven-Sinnesprozeß, nämlich NervenKopfprozeß gewordene Prozeß sich in dem menschlichen Darmtrakt abspielt, dann haben wir einen Prozeß, der im Menschen sein muß; nur gehört er nicht in den Darmtrakt hinein, sondern in den Kopf. Dort hat er seinen normalen Ort. Kommt er in den Darmtrakt, so wird er dort zu den typhösen Erscheinungen. Und wir haben einfach dadurch begriffen, was ein Naturvorgang - jeder Krankheitsvorgang ist ein Naturvorgang -, das heißt also, was ein solcher Krankheitsvorgang im Menschen sein kann: etwas, was an einer anderen Stelle berechtigt ist, ist in diesem Falle disloziert. An einer gewissen Stelle des Organismus ist der Vorgang, der in den typhösen Erscheinungen spielt, normal; im Darmtrakt ist er eine Krankheit. Es ist eine Krankheit, die sich in dieser Weise darstellt.
Wir müssen nun in der Kopforganisation etwas haben, wo gerade die äußere Welt besonders stark wirken kann. Wir wissen ja, den Kopf spürt man am allerwenigsten; aber wir spüren durch den Kopf die Umwelt. Die Umwelt muß hereinfluten in unser Haupt. Wir haben also in unserem Haupte etwas, womit wir am stärksten in der Außenwelt leben. Wir haben nur zwei solcher Organisationsglieder, mit denen wir so stark in der Außenwelt leben: das ist einmal das Haupt selbst, namentlich jener Trakt, den ich eben charakterisiert habe, wo die Atmung in die Nerven-Sinnesfunktion übergeht; und dann haben wir noch etwas, das Ihnen sehr paradox erscheinen wird. Aber wenn wir ausführlicher noch die medizinische Literatur für diese Sache geschaffen haben werden — wir werden das in der allernächsten Zeit zustande bringen -, dann gehen Sie einmal ein auf die Dinge, die da zu finden sind, und Sie werden sehen, wie gerade die Leberfunktion auf ganz andere Art auch wieder etwas ist, was innerhalb des menschlichen Organismus am meisten die Außenwelt wiedergibt. Die Außenwelt wirkt in der Leber so, wie wenn der andere Organismus fast gar nicht da wäre. Es ist das die besondere Art der Leberfunktion. Aber wenn das, was in dieser Weise lokalisiert sein soll als eigentliches Bett für die Außenwirkungen, wenn das dort, wo es Innenwirkung ist, wo es nicht sein soll, auftritt, nämlich im Darmtrakt, dann haben wir in diesem Darmtrakt etwas, was sich dem menschlichen Organismus funktionell entfremdet. Wenn wir nun wieder in der weiten Natur suchen, wie wir sozusagen diese veräußerlichte Wirkungsweise im Darm wieder verinnerlichen können und dem menschlichen Funktionieren das wieder zurückgeben können, dann stellt sich uns der Prozeß dar, der verfestigt ist im Antimon. Das Antimon ist ein Körper, der in außerordentlich feiner Weise reagiert auf die Kräftewirkungen der Umgebung. Die Antimonstruktur ist ja wie ein geoffenbarter Dynamit. Stellen Sie sich diese büschelförmigen Strahlungen vor, versuchen Sie zu fühlen, wie es durch den sogenannten Saigerprozeß sich entreißen möchte dem Mineralwerden; da sieht man: es ist das Antimon gewissermaßen mineralisch-sensitiv, es verinnerlicht die äußeren Wirkungen. Das zeigt sich besonders dadurch, daß man unter gewissen Voraussetzungen das Antimon elektrolytisch behandeln kann. Bringt man es dann an die Kathode, so tritt durch die geringfügigste Veranlassung eine Explosion ein. Wenn man das alles erkennt, wenn man weiß, wie das Antimon zu den Kräften steht, die überall im Weltall spielen, dann erkennt man auch, wie der Antimonprozeß, wenn er richtig verarbeitet und in den Organismus eingeführt wird, den typhösen Prozeß aufnehmen kann; so daß dadurch wiederum Ich und astralischer Leib frei werden können von ihrer Arbeit am typhösen Prozeß und der Mensch damit allmählich wiederum zur Gesundheit gebracht werden kann. Damit versuchte ich, prinzipiell das anzudeuten, was man eine rationelle Medizin nennen kann. Unsere Präparate, die bis jetzt schon an die zweihundert sind, sind immer auf eine zweifache Weise im Laufe der Zeit entstanden. Zuerst war es so, daß sich eine ziemlich große Anzahl von Ärzten zusammengefunden haben, die in eine gewisse Skepsis gegenüber den jetzigen therapeutischen Methoden verfallen waren, und die die Frage stellten, ob es nicht möglich sei, durch anthroposophische Erkenntnis Beziehungen des Menschen zur Umgebung aufzufinden, die auf irgend etwas hinweisen, was in den umgebenden Substanzen und in ihrer Verarbeitung und Anwendung Heilmittel abgeben könne. Nun liegt ja in der Anthroposophie vor eine ganz detaillierte exakte Menschenerkenntnis, eine Erkenntnis des Menschen nach Leib, Seele und Geist, wie auch eine detaillierte Naturerkenntnis nach den verschiedenen Reichen der Natur und den verschiedenen Ingredienzien der Naturreiche. Und da war das erste, was mir als Aufgabe gestellt war: sozusagen den Weg zu gehen, Naturprozesse aufzusuchen und zu prüfen, inwiefern diese Naturprozesse Krankheitsprozesse darstellen. Ich ging also von der äußeren Natur hinein in den Menschen. Dadurch finden Sie zuerst das Sklerose-Heilmittel, das diesen Weg genommen hat. Ich habe versucht, herauszubekommen, wie Plumbum metallicum und irgendein plastisch-dynamisches System, wie es im Honig, im Zucker oder in der Milch ist, wirken kann. Auf diese Weise ist zunächst, von außen nach innen gehend, eine Anzahl von Heilmitteln zustande gekommen.
Da entstand nun die Frage: Wie kann man diese Heilmittel in die Welt bringen? Ich sagte: Ich möchte nicht eine Heilmittelfabrik haben, ohne daß dieser Kliniken zugeordnet sind. So sind denn die Kliniken entstanden. Und nachdem eine Anzahl von Heilmitteln da war, ging man in den Kliniken daran, zunächst diese Heilmittel zu verwenden. Da stellte sich heraus, was ich eben gesagt habe. Und da ich nun selbst in Dornach bin, Arlesheim mit Dornach eins bildet, und die Institute in Arlesheim dem Goetheanum angegliedert sind, so ist mir durch das enge Zusammenarbeiten mit Frau Dr. Wegman auch möglich gewesen, nun den umgekehrten Weg für eine weitere Reihe von Heilmitteln zu gehen, den Weg vom Krankheitsprozeß aus zu suchen: wo findet sich dieser, einem Krankheitsprozeß entsprechende Naturprozeß? Also sozusagen vom Menschen aus zu dem betreffenden Naturpräparat zu kommen. Auf diese Weise floß zusammen, was Sie als Heilmittel finden können, also insbesondere in Arlesheim, wo dem Klinisch-Therapeutischen Institut von Frau Dr. Wegman — wo das herrscht, was ich gestern besprochen habe: wirklicher Mut des Heilens — angegliedert ist das Internationale Pharmazeutische Laboratorium, das sich mit der Herstellung der entsprechenden Heilmittel befaßt, die ja auf den verschiedensten Wegen in die Welt gebracht werden sollen und die Sie kennenlernen können, wenn Sie sich dafür interessieren. Ich möchte nicht agitatorisch wirken, ich will nur die wissenschaftliche Grundlage der Sache erörtern. Aber gerade auf diesen zwei sich begegnenden Wegen ist etwas zustande gekommen, was auch rein äußerlich-empirisch eine große Sicherheit für diese Dinge gibt. Und es ist ja dann ganz besonders befriedigend, wenn man in der Lage ist, vor einer Zuhörerschaft, wie vor der Ihrigen, zu sprechen, was ja dadurch möglich geworden ist, daß Herr Dr. Zeylmans mich dazu aufgefordert hat und außerdem die Liebenswürdigkeit hatte, Sie dazu einzuladen, und Sie wieder die Liebenswürdigkeit hatten zu kommen, was damit zusammenzuhängen scheint, daß Herr Dr. Zeylmans selbst dieses Institut hier in der Weise orientieren will, wie es jetzt auseinandergesetzt worden ist. Denn ich muß annehmen: Daß ich diese Vorträge habe halten dürfen, scheint darauf hinzudeuten, daß hier ein Institut sein soll, was zum Beweise und zum Belege dessen dienen will, was von uns in unseren Klinisch-therapeutischen Instituten angestrebt wird, ebenso aber auch von einer außerordentlich großen Anzahl von Privatärzten. Und aus der entsprechenden Literatur werden Sie sich überzeugen können, daß wir nicht nur zum mindesten ein ebenso sicheres statistisches Material haben, wie sonst es klinische Statistiken ergeben, sondern daß dadurch auch in vieler Beziehung zu dem, was ich ausführte, zu jener Sicherheit, die eben durch das Eintreffen der Voraussagen kommt, daß zu jener Sicherheit noch ein besonders großes statistisches Material hinzukommt.
Von ganz besonderer Bedeutung wird es aber sein, wenn wir — und auch das ist auf gutem Wege — denjenigen Erkrankungen beikommen können, die heute zum Beispiel nur operativ behandelt werden können, wie zum Beispiel das Karzinom. Wenn man sagen kann, daß irgendein Prozeß disloziert werden kann, so muß man das gerade vom Karzinom sagen. Es ist ein dislozierter Prozeß, ein Prozeß, der eigentlich nur an der äußersten Peripherie, innerhalb der Sinnesorganisation, stattfinden sollte. Es ist sehr interessant zu verfolgen, wie diese an die Peripherie des Körpers - und zwar an die dazu präparierte Peripherie des Körpers — gehörige Funktion disloziert werden kann und dann als Karzinom auftritt, die eigentlich, jetzt also nicht Nervenfunktion, sondern die eigentlich Sinnesfunktion ist. Da kommt man dazu, eben in tieferem Sinne das eigentümliche Parasitäre des Karzinoms zu erkennen. Und dann kommt man dazu — wirklich nicht auf eine so einfache Weise, wie man das gewöhnlich vorausgesetzt hat -, in den Präparaten, die in der Regel aus den verschiedenen Säften der Viscumarten bestehen, etwas herstellen zu können, was das Karzinom auf medikamentösem Wege bezwingen kann. Wir haben auch da schon wenigstens gute Teilerfolge erzielt, die vielversprechend sind; aber wir können nur von Teilerfolgen reden, weil wir erst in der letzten Zeit mit der Apparatur fertig geworden sind, welche das Viscumpräparat so herstellt, wie es hergestellt werden soll. Dennoch haben die bisherigen Präparate schon zu sehr guten prophylaktischen Kuren geführt. Beim Karzinom handelt es sich ganz besonders darum, daß man es zur rechten Zeit erkennt, was einem die Patienten meistens erschweren; aber ein zur rechten Zeit erkanntes Karzinom wird durch solche Präparate, wie wir sie aus dem Viscum herstellen, auf medikamentösem Wege bekämpft werden können. Ich will hier nicht über den Wert oder den Unwert der operativen Behandlung sprechen, auch nicht darüber, daß diese oft notwendig ist; ich will nur darauf hinweisen, daß aus einer wirklichen Menschenerkenntnis heraus auch die schweren Krankheitsfälle durchaus so betrachtet werden können, daß man für sie, von einer solchen Menschenerkenntnis aus, von innen heraus zu Heilprozessen kommen kann.
Das ist im wesentlichen das, was ich Ihnen als Prinzipielles habe sagen wollen über unsere Bestrebungen, die aus dem Anthroposophischen hervorgegangen sind, was ich habe sagen wollen in bezug auf den Weg, der von der äußeren Natur nach dem Inneren des Menschen und umgekehrt verweist. Ich möchte zum Schluß nur noch darauf hin m >... weisen, daß gerade aus diesen methodischen Betrachtungen das hervorgeht, was wiederum von ungeheurer Bedeutung ist: nämlich wie man dasjenige an den Menschen heranbringt, was den Krankheitsprozeß dem Organismus abnehmen soll. Und wenn das so ist, daß der Mensch ein dreigliedriges Wesen ist nach Nerven-Sinnesorganisation, rhythmischer Organisation und Stoffwechsel-Gliedmaßenorganisation, dann zerfällt auch das Heilen in dreierlei Prozesse. Diese dreierlei Prozesse sind diese: zunächst innerlich genommene Medikamente, die sozusagen auf demselben Wege in den menschlichen Organismus kommen, den der Verdauungsprozeßß nimmt. Die zweite Art ist die durch Injektionen, wo wir versuchen, durch Injektion den Prozeß, die Funktion hineinzubringen in den rhythmischen Organismus. Und der dritte Heilweg ist der durch das Bad, wo man von außen wirkt. Dieser letztere ist eine Wirkung auf den Nerven-Sinnesprozeß, wo man mehr vergröbert von außen wirkt; aber es ist die Badwirkung eine auf ein niedrigeres Niveau herabgeschobene Wahrnehmungstätigkeit.
Verfolgen wir einmal diese drei Formen beim Phosphor. Wenn wir den Phosphor als Präparat anwenden, mit anderen Dingen vermischt, chemisch oder sonstwie verarbeitet, per os, innerlich, dann müssen wir uns klar sein, daß er vorzugsweise das Aufnehmen von Flüssigem in den menschlichen Organismus herein fördert. Wenn wir dem menschlichen Organismus einen Krankheitsprozeß abzunehmen haben, der das Flüssige sozusagen über den ihm zugehörigen Raum herausdrängt, wie zum Beispiel bei gewissen entzündlichen Erscheinungen an der Peripherie oder bei solchen Erscheinungen, die im Trivialen ähnlich sind dem Nasenbluten, wenn wir da den Phosphor innerlich anwenden, so nimmt er dem astralischen Organismus und dem Ich den Krankheitsprozeß sozusagen im Funktionieren des Flüssigen ab. Verfertigen wir in entsprechender Dosierung ein Präparat, das wir dann injizieren, bringen wir also den Phosphor in den Zirkulationsprozeß herein, dann muß das, was wir dabei dem Organismus abnehmen, auch wieder mit abnormen Zirkulationsprozessen zusammenhängen. Konstatieren wir also zum Beispiel beschleunigte Atmung, irgendwelche Intensivierung der Herztätigkeit, insbesondere aber auch so etwas, wie ein auch zum Rhythmischen gehöriges zu starkes Absondern von Galle, dann können wir — ebenso auch bei einer ganzen Reihe anderer Prozesse, ich nenne nur Naheliegendes - auf dem Injektionswege durch Phosphor außerordentlich günstig wirken. Treffen wir etwas, was mehr nach der psychischen Seite hinüberspielt, sind die Gehirnfunktionen so, daß sie den Menschen unwillkürlich zu einer Art von Ideenflucht treiben, kann der Mensch seine Gedanken nicht aufhalten, übersprudelt er seine Worte und steigert sich das zum Pathologischen, dann können wir durch entsprechende Bäder, in denen Phosphor aufgelöst ist, gerade auf eine solche Verlangsamung der Ideenflucht hin wirken.
Ich erwähne das nur als Beispiel, aber was in diesem Beispiel angeführt ist, kann in hundertfacher Weise vermannigfaltigt werden. Auf dreifache Weise kommt man dem menschlichen Organismus dadurch bei. Es kommt darauf an, wie man es verwirklichen kann.
Auf der anderen Seite liegt dann das, daß man unmittelbar in einer therapeutischen Weise an den Menschen heranbringt, was von außen jetzt in das Stoffwechselsystem hineinwirkt: die Dynamik der Welt, in die der Mensch hineingestellt sein kann. Und das führen wir wirklich mit gutem Erfolge aus durch die Heileurythmie. Eurythmie ist etwas wie ein geistiges Turnen, das aber zur Kunst gesteigert werden kann. Wir haben jetzt schon, unter der Leitung von Frau Dr. Steiner, über einen großen Teil von Mittel- und Nordeuropa gezeigt, was durch die eurythmische Kunst geschehen kann, und es sind ja auch schon hier im Haag vor einiger Zeit Vorstellungen in eurythmischer Kunst gegeben worden. In der Eurythmie tritt uns die Umsetzung der menschlichen Sprache in menschliche Bewegungsfunktionen unmittelbar künstlerisch vor Augen. Wenn Sie bedenken, was die Wissenschaft darüber heute als ein kleines Detail besitzt, wie nämlich die Handund Armfunktionen zusammenhängen mit der Sprachorganisation — Rechtshänder haben ihr Sprachzentrum auf der linken Gehirnseite, Linkshänder umgekehrt -, so werden Sie vielleicht nicht ganz in Abrede stellen, wozu man durch die Anthroposophie kommt: daß eigentlich das ganze menschliche Sprechen zusammenhängt mit der menschlichen Beweglichkeit. Wir können die Art und Weise verfolgen, wie sich die Beine, die Füße bewegen in der Konsonantierung, namentlich in den Gaumenlauten. Wir können verfolgen, wie sich die Arme bewegen, und wie sich das durch eine innere Umschaltung überträgt auf das, was dann Luftbewegung im Sprechen wird. Aber das ganze Sprechen kann wiederum zurückgeführt werden auf Bewegungen des einzelnen Menschen oder von menschlichen Gruppen. Das gibt dann die künstlerische Eurythmie. Die kann aber wieder umgestaltet werden in der Weise, daß man dies zunächst als Kunst Dargestellte so ausbildet, daß man die betreffenden Bewegungen, die aus dem ganzen Menschen, aus Leib, Seele und Geist hervorgehen — das gewöhnliche Turnen geht ja nur aus der physiologischen Beschaffenheit des physischen Organismus hervor -, den Menschen ausführen läßt als eine heileurythmische Gebärde im Zusammenhange. Wir haben ein ganzes System dafür in Arlesheim ausgebildet. Wenn man das systematisch anwendet, wirkt es wieder zurück auf den Menschen, und man kann auf diese Weise in außerordentlich fruchtbarer Art die innerlichen Heilprozesse — nach den drei verschiedenen Arten, wie ich sie dargestellt habe - durch Heileurythmie unterstützen. Diese Heileurythmie wirkt also dadurch, daß jener Prozeß, der im normalen Menschenleben dadurch zustande kommt, daß ich gehe, laufe und so weiter, wobei immer im Gefolge sind innere Prozesse, die mit den Abbau- und Aufbauprozessen des menschlichen Organismus zusammenhängen, daß dieser Prozeß, wo der Mensch in eine Dynamik hineingestellt ist, zurückwirkt auf die inneren Vorgänge. Es gibt dafür strenge Regeln. So kann ich also den Menschen ein heileurythmisches Gebärdensystem ausführen lassen, das so auf den Organismus zurückwirkt, daß zum Beispiel Abbauprozesse, die sich nicht abspielen wollen, sich in der richtigen Weise abspielen müssen; oder daß durch ein anderes heileurythmisches System zu stark vor sich gehenden Abbauprozessen entsprechend entgegengewirkt wird.
So läuft alles darauf hinaus, den gesunden und kranken Menschen zu durchschauen nach Leib, Seele und Geist. Dann sieht man in ihm einfach dasjenige, was die Gesundheit oder Krankheit darstellen. Und dann hat man wieder in dem, was man sieht, auch schon den therapeutischen Prozeß.
So möchten wir in aller Bescheidenheit hinarbeiten auf eine rationelle Therapie. Ich weiß schon, daß man heute noch gegen eine solche rationelle Therapie vieles einwenden kann, daß sie von dem, der sich nun mit aller Mühe durchgerungen hat durch das, was heute offiziell anerkannt wird, vielleicht als paradox oder gar als etwas Schlimmeres angesehen wird. Aber solche Dinge waren schon oft in der Welt da. Ich kann Ihnen jedoch die Versicherung geben: Ich würde es bequemer finden, nicht über diese Dinge zu sprechen; denn da ich weiß, wieviel einem heute noch einfällt und beifällt aus dem, was man als gewohnte Denkweise hat und da ich mir alle Einwände schon selber machen kann, so würde ich es bequemer finden, nicht darüber zu sprechen. Aber es gibt Gründe, daß man über das, von dem man glaubt, daß es in den Kulturprozeß der Menschheit eingeführt werden muß, doch spricht. Aus diesem Pflichtgefühl heraus nehmen Sie die Größe des Dankes, den ich Ihnen dafür sagen möchte, daß Sie in Aufmerksamkeit meinen Ausführungen, die in den zwei Stunden nur Andeutungen sein konnten, folgen wollten.
Fragenbeantwortung
Frage: Stellen Sie sich vor, daß es Vibrationsdifferenzen gibt? Über Blei,....
Dr. Steiner: Ich habe natürlich nichts dagegen, wenn man die Prozesse, um die es sich handelt, in der einen oder anderen Weise interpretiert. Mir scheint aber zunächst für die Praxis dies eine Theorie zu sein, worinnen diese Prozesse bestehen. Solche Theorien könnten demselben Schicksal verfallen wie die Emissions- und Undulationstheorie des Lichtes. Das Wichtige ist mir das, was an der Sache das Qualitative ist, was also eigentlich darauf hinzielt, daß zuletzt das ganze Funktionieren, das eigentlich nur lokalisiert ist in der Bleisubstanz, wie ich sie im physischen Raume vor mir habe, daß dieses ganze Funktionieren äußerlich dasselbe vorstellt wie innerlich die Prozesse, die sozusagen das Gehirn als geeignetes Organ für das selbständige Denken gegenüber dem unselbständigen Wahrnehmen machen. In dieser Beziehung ist ja die Vorstellung dadurch erschwert, daß wir heute gewöhnt sind, die inneren Prozesse des Organismus zu schematisch als Fortsetzung von äußeren Prozessen in der Natur vorzustellen. Wir reden zum Beispiel davon, daß im menschlichen Organismus durch die Sauerstoffaufnahme aus Kohlenstoff Kohlensäure entsteht; wir nennen das einen Verbrennungsprozeß (Zuhörer: ... im Status nascendi!) — Da sprechen Sie das Wort aus, das ich später hätte sagen müssen! — Da ist es tatsächlich so, daß wir vielfach sprechen in der Physiologie und Medizin von Verbrennung. Es handelt sich aber dabei ebensowenig um Verbrennungsprozesse, wie sie sich außen abspielen, wie es sich beim Menschen handeln kann um einen nicht durchseelten, nicht durchgeistigten Prozeß. Auch die Verbindung von Sauerstoff und Kohlenstoff ist durchseelt und durchgeistigt. So daß der Prozeß auftritt im Status nascendi und stehenbleibt, aber auch noch beseelt und durchgeistigt wird. So daß ich also auf dem Status nascendi den Prozeß festgehalten habe und der Prozeß nun dadurch Naturprozeß wird, daß er sich draußen fortsetzt, während er, wenn er vom Status nascendi ausgeht und im menschlichen Organismus wirkt, ein anderer Prozeß wird.
Nehmen Sie zum Beispiel die Prozesse, die ich gerade als eine Art von Blei-Prozessen bezeichnet habe, die sich im menschlichen Gehirn abspielen. Ja, was sind sie im menschlichen Organismus? Da kommen wir auf ein sehr heikles Kapitel. Wir können die Prozesse zum Beispiel am menschlichen Unterleibe studieren. Da finden wir, daß sich die aufgenommenen Stoffe auch in einer gewissen Weise metamorphosieren, daß dann etwas zur Ausscheidung kommt. Betrachten wir nun diese Ausscheidungsprodukte und vergleichen wir sie nun wirklich, indem wir nicht bloß chemisch analysierend vorgehen, denn das ist das wenigste, chemisch analysierend vorzugehen, das ist ungefähr so, wie wenn ich eine Uhr dadurch kennenlernen will, daß ich sehe ein Bergwerk, wo Gold gewonnen wird, eine Glasfabrik, wo Glas fabriziert wird und andere Dinge, und dann weiß: Glas ist notwendig, Gold ist notwendig zu der Uhr und so weiter. Gewiß, diese Dinge sind alle sehr wichtig, aber ebensowenig wie ich auf diese Weise etwas über die Uhr erfahre, ebensowenig kann ich etwas erfahren über die Funktionen der Kartoffel im menschlichen Organismus, wenn ich weiß, sie hat so und so viele Kohlehydrate und so weiter. Ich erfahre mehr, wenn ich weiß, was die Kartoffel für eine Funktion an der Pflanze selber hat, wie sie eigentlich ein Stamm, ein Wurzelstock ist. Wenn ich also das Niveau ihrer Organisation kenne, dann fange ich an zu verstehen, wie ich diese Prozesse vergleichen kann mit dem, was im Menschen vor sich geht. Es kommt dazu, wie der Prozeß verschieden ist von dem Prozeß, der angefacht wird durch Hülsenfrüchte. Der Prozeß, der angefacht wird durch die Kartoffel, geht weiter hinauf in die Kopffunktion als derjenige, der durch Hülsenfrüchte angefacht wird. Wenn ich auf dies alles eingehen kann, dann komme ich zuletzt dazu, anzuerkennen, daß im Verdauungstrakte Metamorphosen vor sich gehen und daß die Ausscheidungsprodukte nur die auf halbem Wege stehengebliebenen Prozesse sind. Und wo sind diese Prozesse, die den ganzen Weg durchmachen? Das sind die Prozesse, die im Nerven-Sinnessystem stattfinden. Der Nerven-Sinnes- und Wahrnehmungsprozeß ist ein Prozeß, der bis zu Ende geführt wird. Das, was in den Ausscheidungsorganen des Menschen vor sich geht, stellt einen stehengebliebenen Prozeß dar. Der Darminhalt ist ein nicht ganz zustande gekommenes Gehirn, so paradox das klingt. Es ist einfach an einem anderen Orte des Organismus ein anderer Prozeß, der die Hälfte ist des Prozesses, der im Kopfe eintritt.
Wenn ich das alles ins Auge fasse, komme ich dazu, in diese Prozeßwirkungen des menschlichen Inneren hineinzuschauen, und dann stellt sich mir dasjenige dar, was sich mir nun erst für einen Vergleich ergibt zwischen dem Prozesse, der draußen ist, dem Bleiprozeß, und dem Prozesse, der im menschlichen Gehirn stattfindet. Dann kann ich anfangen, wenn ich mir etwas verifizieren will, anzusehen, was geschieht im Blei. Ich betrachte das Blei, wie es oxydiert, schmilzt, was es sonst tut im Schmelzen. Ich gehe weiter ein auf die Geologie und auf die Geographie des Bleies. Ich sehe, wie das Blei bindet, wie es mit anderen Substanzen verbunden ist. Dann bekomme ich schon Bilder, die das bestätigen können, was demjenigen erscheint, der das Blei beobachten kann, der in der Tat eine Art Aura des Bleies sieht, die ähnlich ist der Aura, die die Nervensubstanz des Gehirns bildet.
Und so kann man von diesen Zusammenhängen sprechen, auf das lege ich einen besonderen Wert, während ich ja jedem natürlich frei stelle, Hypothesen darüber aufzustellen, ob das Vibrationsdifferenzen sind. Das ist aber eigentlich die Physik der Sache, nicht, was physiologisch wichtig ist.
Frage: Ich möchte fragen, ob Sie diese inneren Prozesse, von denen Sie gesprochen haben, in anderer Weise erkennen als wir gewöhnlichen Menschen.
Dr. Steiner: Die inneren Prozesse werden ja durch die gewöhnliche äußere Sinnesempirie nicht beobachtet. Sie sind höchstens in ihren Folgeerscheinungen beobachtbar an der Leiche oder in anderer Weise, durch Schlüsse aus Vorgängen, die von außen geschehen. Da sind sie nicht beobachtbar. Beobachtbar werden sie erst dann, wenn die Methoden angewandt werden, von denen ich gestern gesprochen habe, und wie Sie sie in den gestern genannten Büchern finden können. — Sehen Sie, da wird tatsächlich zunächst für die Erkenntnis der Mensch durchsichtig. Und Sie können in der Tat dann davon sprechen, daß Sie wirklich, sagen wir, den Leberprozeß schauen. Die Ableitung bezieht sich nur darauf, daß man auch geistig die Leber herauspräparieren muß; aber das, was behauptet werden darf, das muß angeschaut werden. Wenn ich den ganzen Menschen schaue, so schaue ich ein Durcheinander von allem Möglichen. Ich muß nun alles wegschaffen, auch in der Anschauung, was nicht Leber ist. Ich muß also die Leber auch geistig erst herauspräparieren. Das ist für das eine Organ schwerer wie für andere Organe. Gerade für die Leber ist es zum Beispiel schwerer, aber dann ist es auch fruchtbringender, weil gewisse Leberkrankheiten — wie meine Überzeugung ist — überhaupt nur auf diese Weise durchschaut werden können. Das Durchschauen ist aber für jedes Organ möglich.
Ein Zuhörer: Wir haben gestern ein schön aufgebautes System gehört, aber die Fundamente sind mir noch nicht begreiflich. Sie gliedern den Menschen in physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und noch ein viertes Glied. Wenn das so ist, dann ist es begreiflich, daß wir auch eine Ätherniere, eine astrale Niere und eine vierte Niere haben. Wenn das aber nicht so ist? Diese Gliederung in vier Wesensteile hätten Sie zuerst beweisen müssen. Mit der Therapie war es ähnlich. Sie haben zum Beispiel nicht gesagt, warum Sie Equisetum gewählt haben, da es doch viele Pflanzen gibt, die Kieselsäure enthalten. Equisetum enthält meines Wissens keine therapeutischen Kräfte. Heute sagten Sie: Wir machen Präparate, die rationell hergestellt sind. Das sollten Sie doch beweisen! Wir wissen doch nichts von diesen Funktionen, die Sie beschreiben. Im großen und ganzen habe ich nicht begriffen, was das Hauptsächlichste ist. Das Ganze ist logisch aufgebaut, aber mir fehlen die Prämissen.
Dr. Steiner: Es liegt ja bei einer solchen Sache alles darin, daß man zweierlei durchschauen kann. Erstens, wenn so etwas auftritt und darüber gesprochen wird, so kann man, wie ich auch gesagt habe, in zwei Stunden nur auf die Dinge hindeuten, nur Direktiven geben und so weiter. Außerdem habe ich durch die ganze Art der Darstellung klargemacht, daß wir im Werden sind, daß wir aber auch gewillt sind, weiterzuarbeiten. Nun, und wenn man von Beweisen spricht, so ist das doch so, daß da eigentlich nicht ein ganz wissenschaftlicher Begriff, eine ganz wissenschaftliche Vorstellung zugrunde liegt. Und das rührt davon her, daß man sich heute daran gewöhnt hat, Beweise nur herzuholen von dem, was im eigentlichen Sinne sinnlich beobachtbar ist. In einem anderen Sinne hat auch keine Medizin Beweise, als nur in dem Sinne, wie es sinnlich-physisch beobachtbar ist.
Ich habe nun davon gesprochen, daß die sinnliche Beobachtung durch ein Höheres weiter auszuführen und zu modifizieren ist. Daß es Methoden gibt, durch die man das kann, habe ich gestern angedeutet und auf Schriften hingewiesen, durch die man zu solchen Methoden kommen kann. Dadurch wird allerdings für das ganze sogenannte Beweissystem etwas konstituiert, was ich nur durch einen Vergleich klarmachen kann: Wenn wir hier auf Erden sind, reden wir davon, daß irgend etwas, was ich in die Luft stelle, schwer ist und herunterfällt, auf den Boden fällt, dann hat es eine Grundlage. So müssen wir sagen für eine gewisse Denkweise, die sich auf sinnlich empirische Beweise stützt. Wenn man nun weitergeht, kommt man dazu — und das habe ich gerade zufällig einmal erlebt als Bube, daß mir das jemand sagte -: Wenn die Erde schwebt, müßte sie eigentlich herunterfallen. Dieses sich gegenseitige Tragen und Stützen der Weltenkörper und Weltenräume, das ist das Bild für dasjenige, was einer solchen Wissenschaft zugrundeliegt, wie ich sie heute gemeint habe. Da trägt sich das Ganze gegenseitig und stützt sich gegenseitig. Da ist man eben in einem ganz anderen Gebiet darinnen. Selbstverständlich werden Sie nicht sehr gut sich stützen können, wenn ich aus so etwas, was so ausführlich ist wie die Medizin, nur in zwei Stunden einiges herauswählen kann, um Perspektiven zu geben. Man muß dabei denken, daß das Wünschenswerte nur eintreten könnte, wenn man nun vier Jahre Fakultätsstudium, aufgebaut auf den Gesichtspunkten, die ich heute auseinandersetzte, haben würde. Wenn man von den medizinischen Vorbereitungsstudien so ausgehen würde, daß eine wirkliche, geistdurchdrungene Naturwissenschaft da ist, wenn eine ebensolche Physiologie aufgebaut würde, übergehend in Histologie, bis ins Pathologisch-Klinische. Dann würden wir aber, weil die Dinge in der entsprechenden ausführlichen Weise an die Menschen herankommen würden, sie ebenso plausibel finden, wie heute das medizinische System plausibel werden kann.
Ich kann heute für diese Dinge nichts weiter geben als Perspektiven und Anregungen.
Also das erste ist, daß man sich heute gewöhnt hat, bewiesen nur zu nennen, was sinnlich bewiesen werden kann, und daß man nicht Rücksicht darauf nimmt, wie sich die Dinge gegenseitig stützen. Das andere ist aber dieses: Wie wollen Sie überhaupt, wenn Sie zum Beispiel, sagen wir, Mathematik treiben, irgendeine Wissenschaft, die rationell getrieben wird, anders treiben als dadurch, daß Sie die eine Position von der anderen stützen lassen? Die Mathematik ist etwas sich gegenseitig Stützendes. Wenn man zwei Stunden über Mathematik sprechen würde, so würde gewiß noch weniger dabei herauskommen, als es in der heutigen Diskussion der Fall sein konnte, obwohl da auch Anregungen gegeben werden könnten. In dem Augenblicke, wo ich mit Hilfe der Mathematik eine Brücke baue, da spreche ich von der Verifizierung. Und das habe ich simplicite angedeutet, wenn ich sagte: Ich lege keinen Wert auf die Heilmittel, wenn nicht Kliniken angegliedert sind und man da verfolgen kann, wie die Heilmittel wirken. Wenn man die Diagnose so hat, wie ich es auseinandergesetzt habe und zum Heilen kommt, und wenn man nach zwei, drei Tagen schon sehen kann, so und so wirken die Sachen, dann ist die Verifizierung da. Eine andere Methode, medizinische Aufstellungen zu verifizieren, kennt auch die andere Medizin nicht. Nehmen Sie die Heilweise von Phenacetin. Man stellt Statistiken auf; die Verifizierung ist es, worauf es ankommt.
Was ich darstellen wollte, ist, daß wir heute in der empirischen Medizin auf dem Standpunkte stehen, wo wir nur von Statistiken ausgehen. Da hängt es ab vom Glück, ob die Zusammenhänge gefunden werden. Das kann aber umgewandelt werden durch ein Durchschauen des Menschen in einer rationellen Therapie.
Wenn man nun heute sagt: Eine Funktion wie die, welche im Phosphor liegt, ist in dieser oder jener Weise wirksam auf den menschlichen Organismus -, so handelt es sich darum, daß man darangeht, die Wir F’ru ww. kungsweise zu prüfen. Aber da habe ich hingedeutet darauf, wie die Blei- und Phosphorwirkung im menschlichen Organismus sein kann. Und wenn gesagt wird, man könne nicht sprechen davon, daß eine Phosphorfunktion da wäre oder eine Equisetumfunktion, dann muß ich darauf hinweisen, daß das, was ein Stoff ist, tatsächlich nur ein augenblicklich festgehaltenes Stadium ist. Was ist denn Blei? Man kann zufällig einen Namen finden, weil wir in einem bestimmten Temperaturgrad leben und in diesem das Blei fest existiert. In anderen Weltsituationen ist esetwas anderes, da geht es über in Metamorphosen. Wir haben es in der Tat nirgendwo zu tun mit etwas, was festgehalten ist auf einer besonderen Stufe, sondern wir haben es zu tun mit Prozessen, die sich nur fixiert zeigen. Aber man kann angeben, wie die Fixierung geschieht.
Sie sprachen von Equisetum. Selbstverständlich haben auch andere Pflanzen diese Bestandteile wie Equisetum. Ich drücke mich sehr vorsichtig aus. Ich habe beim Equisetum gesagt: Selbstverständlich haben auch andere Pflanzen diese Bestandteile; ich führe das Equisetum an als charakteristisch, weil es neunzig Prozent Kieselsäure hat, das haben andere Pflanzen nicht; dadurch ist die Kieselsäurewirkung die hervortretende.
Wenn man sagt: meines Wissens ist Equisetum überhaupt keine Heilpflanze -, so bedeutet das ja nicht mehr, als daß man eben die Heilwirkung des Equisetum noch nicht beobachtet hat. Wir haben sie sehr oft zu beobachten. Das sind eben Dinge, die davon abhängen, wie die Erfahrung sich ausdehnt.
Ich verstehe jeden Einwand, kann ihn mir selber machen. Aber bedenken Sie einmal, wie viele Einwendungen gegen das Kopernikanische System gemacht worden sind. Der katholische Einwand ist bis 1827 gemacht worden, erst von da ab ist es auch eingeführt in den katholischen Schulen. Man käme wirklich in der Zivilisation nicht sehr weit, wenn man sich nur an die Einwände halten würde. — Nicht daß ich gerade, nachdem ich das alles angedeutet habe, in Unbescheidenheit die Dinge vorführen wollte. Aber es beruht doch alles auf Arbeit! Es beruht nicht auf Leichtfertigkeit, von der Wirksamkeit kleinster Entitäten zu sprechen. Wenn Sie sich die Schriften anschauen, die hier liegen: man hat sich doch jahrelang Mühe gegeben, die Sache im Laboratorium zu verifizieren. Die Einwände gelten, die Sie gemacht haben, aber gegen alles läßt sich etwas einwenden, das ist selbstverständlich.
Zuhörer: Sobald man die allgemeine Relativität einsieht, beruft man sich nicht auf Zustände.
Dr. Steiner: Ja, nur ist die Relativität auch relativ. Es hat einmal jemand die Einsteinsche Relativitätstheorie seinen Zuhörern dadurch plausibel machen wollen, daß er eine Streichholzschachtel nahm und ein Streichholz. Und er sagte: Ich kann nun das Streichholz an der Schachtel vorbeiführen, die ich ruhig halte; ich kann aber auch das Streichholz ruhig halten und die Schachtel daran vorbeiführen: derselbe Effekt. Die Sache ist relativ. — Ich hätte dem Herrn gerne zurufen mögen: Nageln sie die Schachtel doch einmal an, dann erfordert das schon etwas mehr. Dann kommen wir in die Relativität der Relativität hinein. Und wenn wir den menschlichen Körper betrachten in seiner Bewegung, so kommen wir dazu, daß die Bewegung nicht konstatiert wird durch Koordinatensysteme, durch Bezugssysteme, sondern auch durch Ermüdung und organische Veränderungen, wodurch ich schon einen Schritt mache vom Relativen zum Absoluten. Ich möchte sagen: die Relativität ist wieder relativ und nähert sich asymptotisch der Absolutheit.
Ich sehe die Wichtigkeit des Relativitätsbegriffes in etwas anderem. Wir sind gewohnt, von physikalischen Voraussetzungen aus, eigentlich bisher in den gebräuchlichen Theorien alles so zu betrachten, daß wir es auf einen Ort beziehen im Raume, und daß wir es auf den Zeitenlauf beziehen. So schreiben wir auch in der Physik die Formeln. Nun kommen wir in der Tat mit einer solchen Betrachtungsweise in der Physik nicht zurecht. Sondern wir müssen bloß das räumliche Verhältnis des Dinges oder Vorganges a zum anderen b betrachten wie zwei Eigenschaften. Da kommen wir zu fruchtbaren Ideen. Da kommt man dazu, die Relativität als etwas mehr oder weniger — auch für Qualitäten sogar -, als für etwas mehr oder weniger berechtigt anzusehen, aber für relativ berechtigt.