73. Max Ring

Zu seinem achtzigsten Geburtstag

Der Romanschriftsteller und Bühnendichter Max Ring feierte am 4. August seinen achtzigsten Geburtstag. Er blickt auf ein inhaltsvolles und arbeitsreiches Leben zurück, das er in seinen nächsten Herbst erscheinenden «Erinnerungen» schildert. Teile daraus sind in Karl Emil Franzos’ «Deutscher Dichtung» erschienen. Sie sind interessant, denn Ring ist mit einer großen Reihe hervorragender Zeitgenossen in Berührung gekommen. Er stand vielen nahe, die an der Kulturarbeit Deutschlands schöpferisch tätig waren. Einzelne Züge der Persönlichkeiten, mit denen er im Freundschaftsverhältnisse stand, beschreibt er ansprechend. Er schildert mit Wärme und vom Standpunkt einer behaglichen, fröhlichen Lebensauffassung aus. Auch in seinen Erzählungen und Dramen blickt überall diese Auffassung durch. Der Hintergrund ist fast stets ein kulturhistorischer. Er war in früheren Jahren nicht ohne weitgehenden Einfluss auf breitere Volkskreise. Seine Schilderungen des Berliner Geisteslebens, des geschichtlichen Werdens Berlins sind lesenswert. Er kennt das Berliner Wesen und weiß es liebenswürdig darzustellen. Sein Beruf als Arzt hat ihn mit manchen charakteristischen Seiten des Volkes bekannt gemacht und ihm jene pädagogische Tendenz eingepflanzt, die uns in seinen Romanen begegnet. Man nennt Max Ring nicht mit Unrecht den Erzähler des deutschen Bürgerhauses. Auch an den sozialen Bestrebungen seiner Zeit nahm er Anteil; er trat für die Reformbestrebungen Schulze-Delitzschs ein.

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