Astronomy as Compared to Other Sciences
GA 323 — 3 January 1921, Stuttgart
Dritter Vortrag
Ich habe Sie auf der einen Seite darauf aufmerksam gemacht, wie problematisch es ist, die Himmelserscheinungen nur zusammenzufassen unter rein geometrisch-mathematischen Gesichtspunkten. Daß dies problematisch ist, das sieht man ja auf den verschiedensten Seiten heute schon ein. Und es wird eigentlich nur noch zurückgebliebene Geister geben, welche in einem solchen Weltenbilde, wie es das kopernikanisch-galileische ist, die Wiedergabe einer Wirklichkeit sehen. Dagegen häufen sich die Stimmen immer mehr und mehr, die die ganze Art des Zusammenfassens der Himmelserscheinungen unter solchen Gesichtspunkten ja praktisch und nützlich finden für Berechnungen, die aber betonen, daß das Ganze doch eben nur eine bestimmte Art der Zusammenfassung ist, die auch anders sein könnte. Und auch solche Persönlichkeiten gibt es ja jetzt, welche, wie etwa Ernst Mach, sagen: Im Grunde genommen kann man das kopernikanische Weltensystem ebenso vertreten wie das ptolemäische. Man könnte sich auch ein drittes ausdenken. Man habe es da eben nur mit einer praktischen Art der Zusammenfassung desjenigen, was man beobachten kann, zu tun. Man müsse sich dieser ganzen Welt in einer freieren Weise der Auffassung gegenüberstellen. - Sie sehen also, das Problematische der noch vor kurzem wie Abbilder der Wirklichkeit geschilderten Himmelskarten wird in weitesten Kreisen eigentlich heute ziemlich zugegeben. Dagegen kann ein Ausweg aus dem Problematischen und Ungewissen, das sich da darbietet, nur gefunden werden durch solche Betrachtungen, wie wir sie gestern wenigstens zunächst in skizzenhafter Weise angestellt haben, durch Betrachtungen, welche den Menschen nicht herausnehmen aus dem ganzen kosmischen Zusammenhang, sondern ihn hineinstellen in diesen Zusammenhang, so daß man gewissermaßen an den Vorgängen im Menschen selber sieht, wie diese Vorgänge zusammenhängen mit solarischen Erscheinungen, mit lunatischen Erscheinungen, mit terrestrischen Erscheinungen, um von da aus dann - also von dem, was im Menschen vorgeht - den Weg zu finden zu demjenigen, was in einer gewissen Beziehung als Ursachen solcher inneren Vorgänge im Menschen draußen im Kosmos geschieht.
Natürlich kann ein solcher Weg nur von dem Gesichtspunkte geisteswissenschaftlicher Betrachtung beschritten werden. Und Sie werden sehen, daß wir, gerade wenn wir die Astronomie zu den verschiedensten Lebensgebieten in Beziehung bringen wollen, finden werden, wie wir immer mehr und mehr in eigentlich geisteswissenschaftliche Betrachtungen durch das Astronomische selbst hineingetrieben werden. Bedenken Sie, daß zunächst dasjenige, was von den Himmelserscheinungen sichtbar ist, was wahrnehmbar ist unseren Sinnen, auch unseren bewaffneten Sinnen, sich darstellt als dasjenige, was gewissermaßen schon außerhalb des Menschen als Offenbarung dieser Himmelserscheinungen sich geltend macht. Der Mensch hält gewissermaßen dasjenige, was an ihn herantritt, mit seinen Sinnen auf und vergegenwätrtigt es sich durch sein Bewußtsein in seinem Weltbilde. Aber diese Impulse, die da von allen Seiten auf uns zuströmen, die machen ja gewiß nicht vor unseren Sinnen Halt. Und dasjenige, was vorgeht, ohne daß der Mensch es aufhält durch seine Sinne und es sich zum Bewußtsein bringt, was da lebt in dem, was uns gewissermaßen von allen Seiten zuströmt von den Himmelswirkungen, das muß aufgesucht werden in unserem Organismus, der ja alles in einer gewissen Weise wiedergeben muß, allerdings in unbewußten, unterbewußten Vorgängen, die erst auf kompliziertere Art heraufgeholt werden müssen ins Bewußtsein.
Wir wollen nun dasjenige, was wir gestern begonnen haben, nach einer gewissen Richtung hin fortsetzen. Es ist ja nur eine Abstraktion unserer irdischen Welt, was der Geologe oder Mineraloge betrachtet. Denn dasjenige, was der Geologe, der Mineraloge schildert von der Erde, das, so könnte man sagen, gibt es ja gar nicht. Das ist nur herausgeschnitten aus einer viel größeren, umfassenderen Wirklichkeit. So wahr als unsere Erde besteht aus den Mineralien und so wahr sie sich in der mineralischen Sphäre entwickelt hat, so wahr also Kräfte in ihr vorhanden sind, die die Mineralien aus ihr heraustreiben, so wahr gehört zur Erde auch dasjenige, was in den Pflanzen, den Tieren, was in den physischen Menschen lebt. Und wir betrachten die Erde nur in ihrer Ganzheit, wenn wir nicht einfach hinwegheben dasjenige, was in Pflanzen, Tieren und Menschen lebt, und nur das Abstraktum «mineralische Erde» ins Auge fassen, sondern wenn wir die Erde so betrachten, daß wir sie in ihrer Totalität uns vor das Bewußtsein bringen. Das heißt, daß eben zu ihr dann gehören alle diejenigen Wesenheiten und Wesenhaftigkeiten, die aus ihr emporgetrieben werden.
Nun nehmen Sie von dem, was zu dieser totalen Erde gehört, zunächst das Pflanzenreich. Wir wollen es heranziehen, um dann den Übergang zu finden zu dem, was uns im Menschen entgegentritt. Während das mineralische Reich in einer gewissen Weise, allerdings nur bis zu einem gewissen Grade, sozusagen ein innerlich selbständig-irdisches Dasein führt, nur in einer solchen Beziehung zum außerirdischen Kosmos steht, die sich etwa äußert in der Verwandlung des Wassers im Winter in Eis und dergleichen, steht das Pflanzenreich mit der irdischen Umgebung, mit alledem, was auf die Erde hereindringt aus dem Kosmos, in einer viel innigeren Beziehung. Durch das Pflanzenreich öffnet sich gewissermaßen das Erdensein dem Kosmos. Und in denjenigen Gebieten, wo in einer gewissen Jahreszeit eine besonders intensive Wechselwirkung stattfinder zwischen der Erde und der Sonne, schließt sich bei den Pflanzen das Pflanzenleben auf. Es schließt sich auf, indem eine Wechselwirkung eben eintritt zwischen der Erde und dem Kosmos. Wir müssen so etwas, was uns gewissermaßen nicht bloß quantitativ, sondern qualitativ hineinführt in das astronomische Feld, durchaus beachten. Wir müssen von diesen Dingen ebenso Vorstellungen gewinnen, wie sie der heutige Astronom gewinnt von Winkelbeziehungen, von Parallaxen und so weiter. Wir müssen zum Beispiel uns sagen: Es ist gewissermaßen die Pflanzendecke eines Erdgebietes eine Art Sinnesorgan für dasjenige, was herein sich offenbart aus dem Kosmos. Es ist, wenn eine besondere Wechselwirkung stattfindet zwischen einem Teil der Erdoberfläche und dem Kosmos, gewissermaßen so, wie wenn der Mensch nach außenhin aufschließt die Augen, weil er einen Sinneseindruck bekommt. Und im anderen Falle, wenn die Wechselwirkung weniger intensiv ist zwischen der Erde und dem Kosmos, ist das Zurücktreten der Vegetation, das Sich-Verschließen der Vegetation etwas wie ein Augenschließen gegenüber dem Kosmos. Es ist mehr als ein bloßer Vergleich, wenn man davon spricht, daß ein Territorium durch die Vegetation die Augen öffnet nach dem Kosmos im Frühling und im Sommer, daß es die Augen schließt im Herbst und Winter. Und da man durch Augenöffnen und Augenschließen sich in einer gewissen Weise verständigt mit der äußeren Welt, so muß auch so etwas gesucht werden wie Aufschlüsse über den Kosmos in dem terrestrischen Augenaufschließen und Augenzuschließen durch die Vegetation.
Fassen wir das Ganze etwas genauer noch ins Auge. Sehen wir uns an, welch ein Unterschied besteht zwischen der Vegetation auf einem Erdgebiet, das gewissermaßen der lebendigsten Wechselwirkung ausgesetzt ist, sagen wir, mit dem solaren Leben, und wenden wir dann die Aufmerksamkeit der Vegetation zu, wenn dieses Gebiet nicht ausgesetzt ist dem solaren Leben. Der Winter unterbricht ja natürlich nicht das vegetative Leben der Erde. Es ist ja ganz natürlich, daß das vegetative Leben durch den Winter fortdauert. Aber es äußert sich in einer anderen Weise als indem es ausgesetzt ist der intensiven Wirkung der Sonnenstrahlen, also sagen wir des Kosmos. Dieses vegetative Leben schießt unter der Einwirkung des Solarischen in die Gestalt. Das Blatt bildet sich aus, es kompliziert sich, die Blüte bildet sich aus. Tritt dasjenige ein, was man nennen könnte das Augenverschließen gegenüber dem Kosmos, dann geht das vegetative Leben in sich, in den Keim hinein. Es entzieht sich der Außenwelt, es schießt nicht in die Gestalt; ich möchte sagen, es zieht sich in den Punkt zusammen, es zentriert sich. Da haben wir einen Gegensatz, den wir geradezu als eine Gesetzmäßigkeit ansprechen können. Wir können sagen: Die Wechselwirkung zwischen dem irdischen und solarischen Leben stellt sich für die Vegetation so dar, daß das vegetative Leben unter dem Einfluß des Solarischen in die Gestalt schießt, unter dem Einfluß des irdischen Lebens in den Punkt sich zusammenschließt, zum Keim wird. Sie sehen: Etwas Ausbreitendes - etwas sich Zentrierendes liegt darin. Wir ergreifen die Raumesverhältnisse unmittelbar aus dem Qualitativen heraus. Das ist es, was wir uns für die Bildung gewisser Ideen angewöhnen müssen, wenn wir zu fruchtbaren Anschauungen auf diesem Gebiet kommen wollen.
Und gehen wir nun vom Pflanzenleben hinüber auf den Menschen. Es ist ja natürlich, daß dasjenige, was sich in bezug auf die Pflanzen äußert, auch im Menschen sich äußert. Aber wie äußert es sich? Wir können am Menschen selbst dasjenige, was wir da im Pflanzenleben äußerlich wahrnehmen, was wir gewissermaßen, wenn wir auf das Qualitative hinschauen, vor unsern Augen haben, wir können das im Menschen im Grunde genommen nur in dem ersten Kindesalter verfolgen. Verfolgen wir einmal, so wie wir das jetzt für die Pflanze getan haben, die Wechselwirkung zwischen dem solaren und dem terrestrischen Leben für den Menschen in den Kindesjahren. Das Kind schließt sich ja schon durch die Sinne den Eindrücken der äußeren Welt auf. Das ist im wesentlichen ein Sich-Aufschließen dem solarischen Leben. Sie brauchen nur ein wenig sich die Dinge zurechtzurücken, so werden Sie sehen, daß das, was da an unsere Sinne herandringt, im wesentlichen zusammenhängt mit dem, was bewirkt wird durch das Kosmische im Terrestrischen. Sie können auf den speziellen Fall des Lichtes reflektieren, daß, wenn sich im Tag-Nacht-Wechsel Licht und Finsternis ablösen, auf unsere Augen bei Tag Eindrücke gemacht werden, bei Nacht keine Eindrücke gemacht werden. Sie können aber das auch auf andere Wahrnehmungen, wenn es da auch schwieriger klar zu machen ist, anwenden. Sie können sich sagen: Da ist eine gewisse Wirkung des Wechselverhältnisses zwischen dem Solarischen und Irdischen, das sich im Menschen so äußert, daß es seelisch bei ihm auftritt. Der Mensch hat seelische Wirkungen durch dasjenige, was da zunächst im Tageszeitenwechsel auftritt. Dasjenige gewissermaßen, was die Sonne über die Erde bringt, äußert sich zunächst im Seelischen des Menschen.
Wenn wir aber das Wachstum des Kindes, namentlich bis zum siebenten Jahr hin, bis zum Zahnwechsel, verfolgen und wenn wir auf die Einzelheiten eingehen, dann finden wir, wie in der Tat jedes Jahr, besonders in den ersten Jahren der kindlichen Entwickelung es wird immer weniger, je älter das Kind wird - deutlich wahrnehmbar ist, daß dasjenige, was als Jahreszeitenwechsel besteht, geradeso wie für das Hervorsprießen und Zurückziehen der Vegetation auch für das menschliche Wachstum eine Bedeutung hat. Wenn wir uns schematisch darstellen wollen, wie das eigentlich ist, wenn wir zum Beispiel studieren sorgfältig aber auch vernünftig den Entwickelungsgang des menschlichen Gehirns in den ersten Jahren, eben von Jahr zu Jahr, so werden wir folgendes finden, schematisch gezeichnet: Wir haben gewissermaßen den menschlichen Schädel mit seinem Gehirninhalt (Figur). Er bildet sich um, und man kann verfolgen, wie er sich umbildet durch dasjenige, was da im Lauf des Jahreswechsels geschieht. Dasjenige, was bauend, gestaltend wirkt auf das menschliche Haupt, was gewissermaßen von außen auf das menschliche Haupt wirkt leiblich-physisch, das finden wir in einem innigen Zusammenhang mit den Kräften, die im Wechselspiel sich geltend machen zwischen der Erde und der Sonne im Jahreslauf.

Im Tageslauf finden wir dasjenige, was durch die Sinne nach innen geht, sich unabhängig macht vom Wachstum, was seelischgeistig im Menschen wirkt. Wir sehen gewissermaßen, wie dasjenige, was durch die Sonne geschieht mit dem Menschen im Tageslauf, eine innerliche Wirkung hat, die sich emanzipiert von dem Äußeren und seelisch-geistig wird - dasjenige, was das Kind lernt, was es sich aneignet durch Beobachtung, was also vorgeht mit dem Seelisch-Geistigen; wir sehen, wie dann in wesentlich anderem Tempo, von einer wesentlich anderen Seite her das Gehirn sich ausbildet, sich gliedert, wächst. Das ist die andere Wirkung. Das ist die Jahreswirkung des Solaren. Wir wollen jetzt gar noch nicht davon sprechen, welche Veränderungen zwischen Sonne und Erde im Weltenall draußen vorgehen, wir wollen lediglich die Äußerungen, die an gewisse Veränderungen im solarisch-irdischen Leben geknüpft sind, im Menschen selbst betrachten. Wir betrachten den Tag und wir finden das seelisch-geistige Leben des Menschen mit dem Sonnengang zusammenhängend; wit betrachten die Jahreszeitenwechsel und wir finden das Wachstumsleben des Menschen, das Physisch-Leibliche, mit dem Sonnengang zusammenhängend. Wir werden uns sagen: Dasjenige, was als Veränderungen zwischen Erde und Sonne in 24 Stunden geschieht, das hat gewisse Wirkungen im Seelisch-Geistigen des Menschen; dasjenige, was zwischen Erde und Sonne im Jahreslauf geschieht, das hat gewisse Wirkungen im Leiblich-Physischen des Menschen. Wir werden diese Wirkungen mit anderen in Zusammenhang bringen müssen, um von da aus aufzusteigen zu einem Weltenbilde, das nun nicht trügen kann, weil es uns untertichtet über Vorgänge, die nun reale Vorgänge an uns selbst sind, die nicht abhängen von irgendwelchen illusionären Sinneseindrücken oder dergleichen.
Sie sehen, wir müssen uns ganz allmählich nähern demjenigen, was eine sichere Grundlage geben kann für ein auch astronomisches Weltenbild. Wir können aber nur von dem ausgehen, was uns am Menschen selbst erscheint. So daß wir sagen können: Der Tag, er ist irgend etwas im Zusammenhang des Menschen mit dem Weltenall, was sich seelisch-geistig äußert; das Jahr, es ist irgend etwas im Zusammenhang des Menschen mit dem Weltenall, was sich physisch-leiblich äußert in Wachstumserscheinungen und so weiter.
Betrachten wir jetzt einen anderen Komplex von Tatsachen. Ich habe schon gestern darauf hingewiesen, Mit demjenigen, was zusammenhängt mit der menschlichen Fortpflanzung müssen wir verbinden gewisse Vorstellungen, die sich auch auf das kosmische Leben beziehen. Wir haben gestern darauf hingewiesen, daß es sich ja in auffälliger Weise im weiblichen Organismus zeigt, wo mit dem Geschlechtsleben zusammenhängende monatliche Funktionen zwar nicht zusammenfallen mit den Mondesphasen, aber in ihrem zeitlich-rhythmischen Verlauf ein Abbild davon sind. Der Vorgang reißt sich gewissermaßen aus dem Kosmos heraus, aber er ahmt in seinem Verlauf die Vorgänge des Mondes noch nach. Wir haben da einen Hinweis auf innere Vorgänge im menschlichen Organismus, die wir nur studieren können, wenn wit uns, ich möchte sagen, alltäglichere Erscheinungen vor Augen führen, die uns diese weiter abliegenden Erscheinungen verständlich machen können. Und da verweise ich Sie darauf, daß es ja in unserem Seelenleben etwas gibt, was die Vorgänge, auf die ich hier anspiele, eigentlich im Kleinen abbildet. Wir haben ein gewisses äußeres Erlebnis, bei dem wir mit unseren Sinnen, mit unserem Verstand beschäftigt sind, vielleicht auch mit unserem Gefühl und so weiter. Wir behalten eine Erinnerung von diesem Erlebnis zurück. Diese Erinnerung, dieses Zurückbehalten, sie führen ja dazu, daß das Bild dieses Erlebnisses später wiederum auftreten kann. Und derjenige, der nun nicht aus phantastischen Theorien heraus, sondern aus gesunder, aber das Intensive berücksichtigender Beobachtung auf die Dinge sieht, der wird sich sagen müssen, daß an allem, was als Erinnerung in uns auftaucht, unsere leiblich-physische Organisation beteiligt ist. Gewiß, der Prozeß des Erinnerns selbst ist ein Seelisches, aber wir brauchen die innerliche Widerlage des Physisch-Leiblichen, damit sie zustande komme. Es ist bei dem, was in der Erinnerung sich abspielt, durchaus ein Zusammenwirken mit leiblichen Vorgängen, die nur von der äußeren Wissenschaft heute noch nicht genügend erforscht sind. Vergleicht man nun dasjenige, was im weiblichen Organismus - allerdings auch im männlichen Organismus, wo es nur sich mehr zurückzieht, wo es mehr im ätherischen Organismus zu beobachten ist, was ja gewöhnlich nicht geschieht -, vergleicht man dasjenige, was im weiblichen Organismus mit der monatlichen Periode geschieht, mit dem, was im gewöhnlichen Erleben bei einer Erinnerung geschieht, so wird man zwar einen Unterschied finden, aber man wird, wenn man mit gesunden Seelenaugen den Vorgang ins Bewußtsein sich hineinschafft, doch nicht anders sagen können, als daß dasjenige, was in der Erinnerung sich abspielt, dieses auf seelenhafte Art auftretende Geschehen im physischen Organismus, etwas ähnlich ist demjenigen, was mit den monatlichen Funktionen des Frauenorganismus vorgeht, nur im Kleinen, mehr ins Seelische gezogen, weniger in den Leib hineingepreßt. Und von da aus werden Sie die Möglichkeit finden, sich zu sagen: Indem der Mensch sich herausindividualisiert aus dem Kosmos, entwickelt er die Fähigkeit des Sich-Erinnerns. Indem der Mensch aber noch drinnensteht im Kosmos, indem er mehr seine unterbewußten Funktionen entwickelt, bildet sich etwas wie ein Erleben mit dem Kosmos, also mit etwas, was mit den Mondenvorgängen zusammenhängt, was bleibt so wie ein Erlebnis, das wir haben und das später in inneren Bildungsvorgängen wie eine mehr in den Leib hereingedrückte, organisch gewordene Erinnerung auftritt.
Auf eine andere Weise kommt man nicht zu Vorstellungen über diese Dinge als dadurch, daß man vom Einfacheren zum Komplizierteren, zum Zusammengesetzten vorgeht. Geradeso wie nicht zusammenzufallen braucht eine Erinnerung mit einem neuen Erlebnis in der Außenwelt, braucht dasjenige, was dann gesetzmäßig wie eine Erinnerung an einen früheren kosmischen Zusammenhang der menschlichen Organisation mit den Mondesphasen im weiblichen Organismus auftritt, nicht zeitlich zusammenzufallen mit diesen Mondesphasen, aber es hängt ebenso wesenhaft im Grunde genommen das wiederkehrende ehemalige Erlebnis mit den Mondesphasen zusammen. Sie sehen, wir kommen da dahin, daß wir im menschlichen Organismus mehr nach der geistig-seelischen Seite hin etwas finden, was sich ausnimmt wie Wirkungen, aber jetzt in die Zeit hineingesetzte Wirkungen desjenigen, was vom Monde aus geschieht. Ungefähr 28 Tage umfaßt der Vorgang, um den es sich hier handelt.
Nehmen Sie jetzt das Folgende: Wir haben hier erstens, wenn wir die Tagessonnenwirkung betrachten, ein innerlich Geistig-Seelisches; wenn wir die Jahressonnenwirkung betrachten, dann haben wir ein äußerlich dem Leiblich-Physischen angehöriges Wachstumsverhältnis. Also sagen wir für das solare Leben:
- Geistig-Seelisches: Tag
- Physisch-Leibliches: Jahr
Und jetzt kommen wir zu den lunarischen Wirkungen, zu dem Mondenleben. Dasjenige, was ich Ihnen eben davon geschildert habe als das erste, das ist ja ein Geistig-Seelisches. Es hat sich nur sehr tief in den Leib hineingedrückt. Es ist wirklich im feineren Sinne physiologisch kein Unterschied zwischen dem, was im Leibe beim Auftreten einer Erinnerung vor sich geht in bezug auf das Erlebnis, auf das die Erinnerung zurückgeht, und demjenigen, was bei der monatlichen Frauenperiode im Leibe vor sich geht in Beziehung auf dasjenige, was einmal der weibliche Organismus mit den Mondesphasen zusammen erlebt hat. Nur daß das eine eben ein stärkeres, ein intensiveres, ein intensiver in den Leib hineingedrücktes geistig-seelisches Erlebnis ist. Also für das lunare Leben:
- Geistig-Seelisch: 28-Tage-Wirkung
Suchen wir jetzt die entsprechenden leiblich-physischen Erscheinungen. Was müßte sich dann herausstellen? Sie können es deduktiv selber finden. Wir werden zweitens haben die physisch-leiblichen Erscheinungen, die müssen eine 28-Jahre-Wirkung sein. Wie hier (oben) ein Tag einem Jahr entspricht, so müssen wir hier 28 Jahre haben.
- Physisch-Leiblich: 28-Jahre-Wirkung
Sie brauchen sich nur daran erinnern, daß 28 Jahre die Zeit ist bis zu unserem vollen innerlichen Auswachsen. Da hören wir eigentlich erst auf, in der aufsteigenden Wachstumsentwickelung zu sein. Gerade so, wie die Sonne von außen auf uns wirkt in ihrem Jahr, in einer Jahreswirkung, um dasjenige von außen an uns zu vollbringen, was entspricht der Tageswirkung im inneren Geistig-Seelischen, so arbeitet irgend etwas im Kosmos draußen in einer 28-jährigen Periode, um uns voll zu organisieren von außen, wie innerlich organisiert wird geistig-seelisch die menschliche Frauennatur gewissermaßen in einem 28-tägigen Tageslauf - bei der Frauennatur ist das nur mehr zu beobachten als beim Manne, wo der entsprechende Tageslauf sich mehr ins Ätherische zurückzieht. So daß Sie sagen können: Wie das Tagessonnenleben zum Jahressonnenleben sich verhält in bezug auf den Menschen, so verhält sich das 28-tägige Mondenleben zum 28-jährigen Mondenleben in bezug auf den ganzen Menschen - sonst ist es mehr in bezug auf das menschliche Haupt.
Da sehen Sie, wie wir den Menschen hineinstellen, richtig hineinstellen in den ganzen Kosmos, wie wir wirklich aufhören, von Sonne und Mond nur so zu sprechen, als ob wir hier auf der Erde in Isolierung stünden und draußen nur unsere Augen oder unsere Fernrohre schen würden Sonne und Mond. Wir reden von Sonne und Mond als von etwas, was innig verbunden ist mit unserem Leben, und die Verbindung selbst, wir nehmen sie wahr in der besonderen Konfiguration unseres Lebens auch in der Zeit. Ehe man nicht den Menschen wiederum hineinstellen wird in dasjenige, was Sonne und Mond 7», eher wird man nicht eine feste Grundlage für wahrhaftige astronomische Anschauungen entwickelt haben. Sie sehen, es muß geisteswissenschaftlich aufgebaut werden eine neue astronomische Wissenschaft. Sie muß hervorgeholt werden aus einer intimeren Kenntnis des Menschen selber. Wir werden erst einen Sinn verbinden können mit demjenigen, was die äußere Astronomie sagt, wenn wir in die Lage kommen, aus dem Menschen heraus unsere Vorbedingungen zu nehmen, um dann mit diesen Vorbedingungen zu verfolgen dasjenige, was die äußere Astronomie in schematischer Weise sagt. Und wir werden auch Wesentliches in dieser äußeren Astronomie dadurch korrigieren können.
Aber was folgt denn eigentlich aus alledem? Es folgt daraus, daß wirklich in diesen Vorgängen, zunächst gleichgültig, was hinter ihnen steckt, ein universelles Leben sich äußert. Mag - wir werden später noch darüber sprechen - die tägliche Erdrotation, die jährliche Erdrevolution hinter dem stehen, was ich hier als solarisches Leben in bezug auf das Geistig-Seelische für den Tag, das Physisch-Leibliche für das Jahr bezeichnet habe; mögen diejenigen Bewegungen des Mondes, die heute schon die Astronomie verzeichnet, oder möge anderes dahinterstehen: Das Ganze können wir nicht so verfolgen, daß wir nur das bekannte Schulbild aufstellen, sondern wir müssen das als ein kontinuierliches, fortdauerndes Leben, ein universelles Leben auffassen, was sich da äußert, wo wir nicht einfach so Schema neben Schema hinstellen können.
Wir wollen jetzt von einem anderen Zipfel, möchte ich sagen, die Sache anfassen. Wir wollen einmal die Sache anfassen von jenem Zipfel, der sich darbietet in der astronomischen Auffassung einer Persönlichkeit, die noch viel von Älterem hatte. Auf die älteren Vorstellungen wollen wir ja nicht zurück. Wir wollen durchaus aus neuen Vorstellungen heraus arbeiten. Aber diese Persönlichkeit hatte noch viel von alten, Qualitatives in sich enthaltenden Vorstellungen. Ich meine Kepler. Die Astronomie ist ja in der neueren Zeit immer quantitativer und quantitativer geworden und man würde sich einer Täuschung hingeben, wenn man die Astrophysik etwa als das Eintreten des Qualitativen in die Astronomie ansehen würde. Auch da ist die Betrachtung eine quantitative. Aber hinter Kepler lag noch etwas von dem Bewußtsein eines universellen Lebens. In ihm war noch ein Bewußtsein davon, daß in demjenigen, was sich äußert für die gewöhnliche astronomische Beobachtung, schließlich etwas liegt wie die Gebärde eines sich äußernden Lebens.
Nicht wahr, wenn wir einen Menschen vor uns haben und wir sehen, wie er einen Arm bewegt, wie er eine Hand bewegt, so werden wir nicht bloß den Mechanismus berechnen, sondern wir werden die Bewegung auffassen als die äußere Offenbarung eines innerlichen geistig-seelischen Vorganges. Wir werden dasjenige, was sonst bloß räumlich-mathematisch angeschaut werden kann, auffassen als eine gebärdenhafte, gestenhafte Äußerung. Je weiter man nun zurückgeht in den astronomischen Anschauungen der Menschen, desto mehr findet man, daß ein Bewußtsein vorhanden war, daß in den Bildern, die man sich machte von dem Gang der Sonne oder dem Gang der Sterne, nicht etwas bloß von passiver Bildhaftigkeit war, sondern daß das Gesten waren. Es ist zum Beispiel in älteren Zeiten durchaus diese Empfindung zu verspüren von dem Gestenhaften der Weltkörperbewegungen. Sehen Sie, wenn meine Hand durch die Luft fährt, so werde ich nicht bloß ihre Bahn berechnen, sondern ich werde in dieser Bahn einen seelischen Ausdruck sehen. So sah der ältere Beobachter in der Bahn des Mondes einen seelischen Ausdruck für etwas. Er sah in allen Bewegungen der Himmelskörper seelische Ausdrücke für etwas. Er stellte sich gewissermaßen das so vor — nicht wahr, wenn ich hier einen Schirm halten könnte, so daß man nur meine Hand sehen würde, so würde meine Hand eine unerklärliche Bewegung machen, denn ich stehe hinter dem Schirm, man sieht nicht mich, sondern nur die Hand. So gewissermaßen stellte man sich in älteren Zeiten vor, daß das, was da als Mondbewegung geschieht, nur der äußere Ausdruck eines Endgliedes ist und daß dahintersteht dasjenige, was eigentlich agiert. Daher sprach man auch in älteren Zeiten nicht von einem einzelnen Himmelskörper, von den Planeten, sondern von den Sphären, von demjenigen, was dazugehörte zu den Himmelskörpern - den Sphären. Man unterschied also die Mondsphäre, die Merkursphäre, die Venussphäre, die Sonnensphäre, die Marssphäre, die Jupitersphäre, die Saturnsphäre und die achte Sphäre, die der Fixsternhimmel war. Man unterschied diese acht Sphären, und man sah in ihnen dasjenige, was sich so darstellt in äußeren Gebärden, daß eine bestimmte Sphäre sich so gebärdet, daß man sie jetzt hier, jetzt da aufleuchten sieht. Das Reale war zum Beispiel die Sphäre des Mondes, und der Mond, der war nicht eine abgeschlossene Wesenheit, sondern nur die Gebärde. Da, wo er erscheint, da macht diese Sphäre eine bestimmte Gebärde. Ich erwähne das nur, um Sie hinzuweisen auf das Lebendige dieser Anschauung.
Aber gerade Kepler hatte noch etwas in seinem ganzen Bewußtsein von diesem universellen Leben im Raum, und nur das befähigte ihn wohl, seine drei berühmten Gesetze aufzustellen. Diese drei berühmten Keplerschen Gesetze, sie sind ja für die heutige Astronomie durchaus nur etwas Quantitatives, etwas, was man betrachtet nach dem Muster rein räumlich-zeitlicher Anschauungen. Für einen Menschen, der noch aus solchem Vorstellungsleben heraus arbeitete wie Kepler, war das nicht der Fall. Vergegenwärtigen wir uns einmal diese drei Keplerschen Gesetze. Sie heißen ja:
Das erste: Die Planeten bewegen sich in Ellipsen um ihren Zentralkörper, und in einem der Brennpunkte dieser Ellipsen steht der Zentralkörper.
Das zweite: Die Radienvektoren eines Planeten beschreiben in gleichen Zeiten gleiche Sektoren, gleiche Flächen.
Das dritte: Für verschiedene Planeten verhalten sich die Quadrate der Umlaufzeiten wie die Kuben der großen Halbachsen.
Nun, wie gesagt, für eine heutige rein quantitative Betrachtung sind das auch nur Quantitäten. Für so jemand, wie Kepler war, lag noch einfach in dem Aussprechen des Elliptischen etwas, was bei ihm, indem er an die Kurve dachte, eine größere Lebendigkeit darstellte als der Kreis. Wenn irgend etwas sich elliptisch bewegt, ist es lebendiger, als wenn es sich nur kreisförmig bewegt, denn es muß innerliche Impulse anwenden, um den Radius zu verändern. Wenn sich etwas nur im Kreis bewegt, so braucht es nichts zu tun, um den Radius zu verändern. Es muß ein intensiveres inneres Leben anwenden, wenn der Radiusvektor fortwährend geändert werden muß. Also einfach in dem Aussprechen des Satzes «die Planeten bewegen sich in Ellipsen um ihren Zentralkörper, und der Zentralkörper ist nicht im Mittelpunkte, sondern in einem Brennpunkte der Ellipse», lag ein Zugeständnis, daß man es zu tun habe mit einem Lebendigeren, als wenn man es zu tun hätte mit etwas, was sich im Kreise bewegt.
Und weiter: «Die Radienvektoren beschreiben in gleichen Zeiten gleiche Sektoren.» Wir haben da den Übergang von der Linie zur Fläche. Bitte, beachten Sie das! Indem uns zuerst bloß die Ellipse beschrieben wird, stehen wir in der Linie, in der Kurve. Indem wir hingeführt werden zu dem Weg, den der Radiusvektor beschreibt, werden wir in die Fläche geführt. Es wird eine wesentlich intensivere Beziehung enthüllt für die Planetenbewegung. Wenn so der Planet dahinrollt, wenn ich mich so ausdrücken darf, so drückt er etwas aus, was nicht nur in ihm liegt, sondern er zieht gewissermaßen seinen Schweif nach sich. Die ganze Fläche, die der Radiusvektor beschreibt, die gehört geistig dazu. Und man muß weiter charakterisieren, nämlich, daß sie in gleichen Zeiten einen gleichen Flächeninhalt hat, muß ihren Charakter hervorheben, wenn man das charakterisieren will, was mit dem Planeten geschieht.
Und erst das dritte Gesetz, das sich ja allerdings erstreckt auf das Leben, wie es sich abspielt zwischen verschiedenen Planeten, das bringt eine sehr komplizierte Gliederung zur Darstellung. «Die Quadrate der Umlaufzeiten verhalten sich wie die Kuben der großen Halbachsen» — der mittleren Entfernungen vom Zentralkörper. Sehen Sie, dieses Gesetz, das enthält eigentlich sehr viel, wenn man es noch so, wie es Kepler getan hat, lebendig auffaßt. Newior hat dann das ganze Gesetz getötet. Das hat er auf eine außerordentlich einfache Weise gemacht. Nehmen Sie einmal das dritte Keplersche Gesetz. Sie können es aufschreiben:
(t^2_1 : t^2_2 = r^3_1 : r^3_2), oder anders geschrieben: (\frac{t^2_1}{r_1} : \frac{t^2_2}{r_2} = r^2_1 : r^2_3).
Nun schreiben Ste das einmal in etwas anderer Form. Schreiben Sie das so:
$$\frac{1}{r^2_1} : \frac{1}{r^2_2} = \frac{r_1}{t^2_1} : \frac{r_2}{t^2_2}$$
Ich kann es natürlich auch umgekehrt aussprechen.
Was haben wir auf der linken Seite der Gleichung, hier in der letzten Proportion? Nichts anderes als dasjenige, was ausdrückt die eine Hälfte des Newtonschen Gesetzes, und auf der anderen Seite die andere Hälfte, die Kräfte des Newtonschen Gesetzes. Sie brauchen nur das Keplersche Gesetz anders zu schreiben und das, was herauskommt, auszusprechen, so können Sie sagen: «Die Anziehungskräfte verhalten sich umgekehrt wie die Quadrate der Entfernungen.» Da haben Sie das ganze Newtonsche Gravitationsgesetz aus dem Keplerschen Gesetz deduziert: Die Gravitationskräfte, die Anziehungskräfte zwischen den Planeten, den Himmelskörpern, verhalten sich umgekehrt wie die Quadrate der Entfernungen. Es ist nichts anderes als die Tötung des dritten Keplerschen Gesetzes. Es ist im Prinzip ganz genau dasselbe.
Aber nehmen Sie jetzt die Sache lebendig. Setzen Sie nicht vor sich hin das tote Produkt «Anziehungskraft»: «Die Anziehungskräfte nehmen ab mit den Quadraten der Entfernungen», sondern das, was lebendig in der Keplerschen Form drinnensteckt. Da haben Sie die Quadrate der Zeiten drin. Füllen Sie das caput mortuum der Newtonschen Anziehungskräfte, was bloß äußerlich angeschaut ist, aus mit dem, was Quadrat der Zeit ist, und Sie erfüllen auf einmal den Begriff der Anziehungskraft, der bei Newton wirklich ein Leichnam von einer Vorstellung ist, mit einem innerlichen Leben. Denn das, was mit der Zeit zu tun hat, ist innerliches Leben. Und Sie haben nicht einmal die Zeit im einfachen Verlauf vor sich. Sie haben die Zeit im Quadrat! Wir werden erst noch darauf zurückkommen müssen, was für einen Sinn es hat, von der Zeit im Quadrat zu sprechen. Aber jetzt können Sie sich vergegenwärtigen: Sie sprechen von der Zeit im Quadrat, also Sie sprechen von etwas Innerlichem. Denn die Zeit ist auch beim Menschen dasjenige, was eigentlich den innerlichen Seelenablauf darstellt. Nun handelt es sich wirklich darum, daß man durch diesen toten Begriff der Newtonschen Anziehungskraft durchblickt auf dasjenige, was plötzlich ins Zentrum schießt und die Zeit hineinbringt und damit innerliches Leben hineinbringt.
Nun aber betrachten wir die Sache einmal von einem anderen Gesichtspunkte aus. Beachten Sie, daß das so ist, daß sich ja diese erste Formel auch auf die Erde bezieht im Keplerschen Sinn. Dann beschreibt die Erde nicht nur eine Ellipse, sondern Sie, indem Sie auf der Erde sich befinden, beschreiben die Ellipse mit. Und dasjenige, was äußerlich vorgeht, ist im inneren Vorgang in Ihnen drinnen. Sie müssen also davon reden, daß das, was ich gesagt habe, daß es Kepler noch hatte, dieses lebendige Hervorgehen der Ellipse aus dem Kreis, einem innerlichen Vorgang entspricht in Ihrem eigenen Inneren. Und indem Sie in der Linie sich bewegen, die so verläuft, daß in gleichen Zeiten der Radiusvektor den gleichen Sektor beschreibt, sind Sie es ja fortwährend, der sich auf den Zentralkörper bezieht, zur eigenen Sonne in Beziehung setzt. Sie beschreiben ja mit der Kurve in der Zeit eine solche Strecke, daß Sie fortwährend in Beziehung zur Sonne sind. Wenn ich mich etwas anthropomorphisch ausdrücken darf, müßte ich sagen: Sie müssen fortwährend achtgeben, daß Sie nicht ausrutschen, daß Sie nicht zu schnell sich bewegen, daß Ihr Radiusvektor keine zu große Fläche beschreibt. Er muß fortwährend im richtigen Verhältnis zur Sonne sein, der äußere Punkt, der sich in der Ellipse bewegt. Da (erstes Gesetz) haben Sie die Bewegung, die Sie selber machen, absolut linienhaft im Raum charakterisiert. Im zweiten Gesetz haben Sie das Verhältnis zur Sonne charakterisiert. Und gehen wir über auf das dritte Gesetz, dann haben Sie als inneres Erlebnis das Verhältnis zu den übrigen Planeten und Ihre Beziehung zu diesen Planeten. Diese lebendige Beziehung ist einfach in dem dritten Keplerschen Gesetz ausgedrückt. Wir müssen also nicht nur im Menschen suchen die Vorgänge, die uns dann wiederum hinausführen in den Kosmos, sondern wenn wir nur richtig interpretieren dasjenige, was uns mathematisch versinnbildlicht die kosmischen Vorgänge, dann können wir auch, weil ja der Mensch die Mathematik da miterlebt, weil er selbst drinnensteht in der lebendigen Mathematik, wiederum darauf kommen, daß wir das äußerlich Quantitative verinnerlichen müssen. Davon wollen wir morgen weiter reden.