Current Social and Economic Issues

GA 332b — 28 December 1920, Dornach

Orientierungsvortrag über Dreigliederungs- und «Futurum»Propaganda II

Für die Dreigliederung muss man zunächst Verständnis hervorrufen, was man nur dadurch kann, dass man den Leuten in kürzerer Form die Dreigliederung nahebringt. Es beginnt an manchen Stellen ein Verständnis für ein selbstständiges, vom Staate abgetrenntes Wirtschaftsleben; die Leute haben aber noch Furcht vor dem selbstständigen Geistesleben und man muss ihnen klarmachen, dass das eine ohne das andere nicht existieren kann. Man kann zum Beispiel in Staatsschulen keine praktischen Menschen erziehen, man kann dort nur Staatsbeamte erziehen. Vorbereitungsschulen für das praktische Leben (Handelsschulen, technische Schulen etc.) haben nur Sinn, wenn man dort Lehrer hat, die nur für einige Zeit dort lehren und dann wieder in das praktische Leben hinausgehen, um durch andere Praktiker wieder ersetzt zu werden. Es muss also ein ständiger Wechselverkehr sein. Heute ist die Kalamität vorwiegend im Wirtschaftsleben zum Ausbruch gekommen, und es ist der wunde Punkt, dass man sich seit circa 150 Jahren angewöhnt hat, immer nur an das Wirtschaftsleben zu denken. Diejenigen, die jetzt für die «Futurum AG» tätig sein werden, für die handelt es sich darum, einfach die Dinge die in den Kernpunkten enthalten sind, zu erörtern. Wenn man die Parlamentsberichte durchnimmt, ist in den einzelnen Staaten viel die Rede von der Einführung der Goldwährung. Es ist da sehr viel Kluges und Geistreiches für die Einführung der Goldwährung gesprochen worden. In allen diesen Reden für die Goldwährung findet man einen gemeinsamen Zug: Alle Redner waren der Ansicht, der Freihandel würde durch die Einführung der Goldwährung wesentlich gefördert werden. Das Gegenteil ist dann später der Fall gewesen. Diejenigen die damals zugunsten der Einführung der Goldwährung sprachen, waren alle sogenannte Praktiker, aber sie standen eben in Wirklichkeit gar nicht im praktischen Leben drinnen. Wir sind eben immer mehr aus dem Wirtschaftsleben herausgekommen. Ist einmal das Wirtschaftsleben selbstständig, dann hindern die Landesgrenzen gar nichts. In Versailles waren wohl wirtschaftliche Experten, aber ihre Stimme war nicht von Belang, weil sie nichts zu sagen wussten.

Hans Haas fragt, wie der Mensch im neuen Wirtschaftsleben seine Gier nach Gewinn befriedigen werde.

Rudolf Steiner: Es ist schon jetzt sehr oft der Fall, dass die Menschen nur Geld wollen, um Macht zu haben. Es kommt also darauf an, dass man ihnen klarmacht, dass - wenn sie wirtschaftliche Einsichten haben -, ihnen ja gar nichts von ihrer Macht entgeht. Das einzig Schwierige ist, dass die Leute Geld für ihre Kinder sammeln und nun nicht wollen, dass dieses Geld an andere übergeht. Man muss diesen dann klarmachen, dass ihnen das Geld in den nächsten zehn Jahren sicher gänzlich weggesteuert wird.

Die Frage, die Hans Haas gestellt hat, kommt nach Ansicht von Rudolf Steiner

nur noch für den Mittelstand in den Betracht. Am Goetheanum ist die Dreigliederung vollkommen durchgeführt bis auf das Rechtsleben, das natürlich fehlt. Am Bau wäre alles erreicht, was überhaupt zu erreichen ist, wenn man noch zuwege bringen könnte, dass die Arbeiter aus der Gewerkschaft austreten würden. Darauf muss überall hingearbeitet werden, dass die Leute aus den Gewerkschaften austreten, obgleich man dies sehr vorsichtig an die Leute heranbringen muss.

v Arnold Ith fragt, ob man als Beantwortung auf diese Frage nicht auch sagen könne, dass im dreigegliederten sozialen Organismus der Egoismus der Menschen auch dadurch hintangehalten werde, dass jeder den andern kontrollieren und jeder durch die andern kontrolliert werde.

Rudolf Steiner erwidert, dass man dies sicher sagen könne; er bemerkt, dass man sich zum Beispiel bei Diskussionen nicht zu sehr auf ethische Fragen einlassen dürfe. Es handelt sich nicht darum, den Leuten ein Paradies zu versprechen, sondern ihnen klarzumachen, dass alles eben nur mit Zuhilfenahme der Dreigliederung weitergehen kann. Rudolf Steiner sagt, dass eigentlich alles in den Kernpunkten stehe, was man zum Propagieren der Dreigliederung brauche. Am Schwersten ist es, diese Dinge dem heutigen Proletarier beizubringen.

Auf eine Frage von Ernst Gimmi, ob es heute günstig wäre, unter den Proletariern zu propagieren, erwidert Rudolf Steiner,

dass man alles für alle arrangiert. Für die «Futurum AG» ist es sehr wichtig, den Industriellen klarzumachen, dass sie sich jetzt mit den Proletariern verständigen müssen. Was die Menschen heute an sozialer Frage und Bolschewismus erleben, rührt einfach daher, dass man überall den Menschen außer Acht gelassen hat; es ist nirgends mehr Vertrauen vorhanden.

Frage von Eduard Wirz: Welche Kreise sind für die Emission hauptsächlich zu bearbeiten?

Rudolf Steiner erwidert, dass man jetzt diejenigen, die einem empfohlen sind, mehr dazu benützen müsse, um an andere heranzukommen für die Schweiz. In Holland wird es notwendig sein, dass man zunächst sich an die Leute wendet, die die Wege weiter ebnen können, da kommt vor allem Herr de Haan in Betracht. In England handelt es sich darum, dass man sich zunächst an Herrn Kaufmann wendet für gewisse Kreise und für andere Kreise muss man mit Hilfe von gewissen Mitgliedern - Drury-Lavin, Collison - arbeiten. Es ist wichtig, dass man lediglich für die «Futurum AG» spricht und sich nicht weiter über das Goetheanum äußert - dies gilt für alle anwesenden Herren, ausgenommen Herrn Gimmi. Hauptsächlich kommt für die Propaganda der Prospekt in Frage. Man wird an die Leute herankommen mit dem Prospekt, indem man ihnen erläutert: Es kommt darauf an, dass man nicht nur große Summen, sondern auch kleine in Empfang nimmt.

Arnold Ith frägt, ob Rudolf Steiner meine, dass es gut sei, vorläufig nur zwei oder drei Länder zu bearbeiten, worauf Rudolf Steiner erwidert,

dass wohl nur fünf Länder in Betracht kommen können.

Arnold Ith meint, dass dann derjenige Herr, der nach England geht, vielleicht auch acht Tage in Paris bleibe.

Rudolf Steiner ist auch der Ansicht, dass man in Paris doch immerhin vielleicht vorbereiten könne.

Ernst Schaller meint, wie es wäre, wenn ein Engländer hierher käme, der hier circa vierzehn Tage bearbeitet würde, und der dann mit einem der anwesenden Herren wieder nach England reisen würde, um dort zu arbeiten. Eduard Wirz frägt, ob man dann dies ausdehnen könne, insofern jedes Land in sich organisiert würde. Darauf wird erwidert, dass dies, soweit es nötig sei, schon der Fall sei, dadurch dass die Dreigliederungsgruppen und anthroposophischen Gruppen da sind.

Rudolf Steiner bemerkt, dass man die «Futurum AG» nicht zu sehr dezentralisieren dürfe, es würde ganz falsch sein, etwas anderes als höchstens Filialen im Auslande zu gründen.

Eduard Wirz bemerkt, dass die Neuemission von anderen Betrieben immer sehr gut organisiert sei, und dass jetzt die Frage sei, wie man die Emission der «Futurum AG» am besten durchführe.

Rudolf Steiner meint, man müsse damit rechnen, dass die Banken uns nicht entgegenkommen werden. Aber wir müssen schon auch für den Prospekt organisieren. Man könnte die unglaublichsten Wege hierzu finden. Rudolf Steiner meint, man werde zum Beispiel in allen Schweizer Städten jemand finden, der etwas für den Prospekt tun könnte.

Arnold Ith meint, dass die anwesenden Herren hauptsächlich die Triebfedern sein müssen, die die Leute zum Springen bringen müssen.

Rudolf Steiner meint, das Büro der Dreigliederung sei die Grundlage für die «Futurum AG», zum Beispiel hat man dort das gesamte Adressenmaterial.

Arnold Ith frägt, ob sich die anwesenden Herren wohl am besten auf die verschiedenen Länder verteilen würden.

Rudolf Steiner erwidert, dies müsste von den Wünschen der betreffenden Herren abhängen, zunächst seien Schweiz, England, Holland und Amerika wichtig.

Ernst Gimmi bemerkt, dass doch eventuell Herr Dürler in St. Gallen in Betracht kommen könne.

Rudolf Steiner sagt, zunächst müsse alle Aufmerksamkeit auf die Emission gerichtet sein.

Eduard Wirz bemerkt, dass er für seine Person gerne England übernommen hätte, aber glaube, dort noch nicht genügend eingeführt zu sein, und sich nicht schnell genug einarbeiten zu können, da er keine Beziehungen dort habe.

Rudolf Steiner meint, Herr Gimmi komme entschieden für England in Betracht, aber er brauche noch einen Genossen. Er bemerkt, dass er doch glaube, dass in England etwas zu machen sei, und zwar würde es im August und September besser gegangen sein, aber es müsse jetzt auch gemacht werden.

German original of Orientation Lecture on Threefolding and “Futurum” Propaganda II · ← Previous · Next →