Current Social and Economic Issues

GA 332b — 22 September 1921, Stuttgart

Ansprache an der Mitarbeiterversammlung

Der «Zentrale» Des «Kommenden Tages» Anlässlich Der Einführung Von Emil Leinhas Als Generaldirektor

Rudolf Steiner: Meine lieben Freunde! Die Entwicklung der Verhältnisse im «Kommenden Tag» macht Veränderungen notwendig in diesem gegenwärtigen Zeitaugenblick, die, meiner Meinung nach, von einer einschneidenden Bedeutung sind, und ich werde zuerst mir gestatten, Ihnen diese Veränderungen gewissermaßen aus ihrer geschichtlichen Notwendigkeit heraus vorzutragen, und werde mir dann erlauben, einige Bemerkungen daran zu knüpfen. Die Verhältnisse in einer solchen Assoziation, wie der «Kommende Tag» sein soll, sind ja naturgemäß im Anfang solche, die erst nach und nach die bleibende Gestalt annehmen können, das heißt eine solche bleibende Gestalt, dass man mit ganz festen Verhältnissen rechnen kann. Und so hat sich denn in den letzten Tagen immer mehr und mehr gezeigt, dass im gegenwärtigen Zeitaugenblick Veränderungen notwendig sind.

Sie wissen ja, dass vor einiger Zeit die Firma del Monte sich dem «Kommenden Tag» angeschlossen hat. Der Anschluss der Firma del Monte an den «Kommenden Tag» war dazumal mit außerordentlichen Opfern dieser Firma verbunden. Der bisherige Generaldirektor des «Kommenden Tages», Herr Benkendörfer, war ja eine der Seelen der Unternehmung del Montes dazumal, und es war schon sowohl für die zurückbleibenden Associes der Firma del Monte wie auch für Herrn Benkendörfer selbst ein menschlich und geschäftlich denkbar größtes Opfer, damals diejenige Konstellation herbeizuführen, die notwendigerweise herbeigeführt werden musste durch die Übernahme der Generaldirektion des «Kommenden Tages» durch Herrn Benkendörfer.

Nun hat sich im Laufe der Zeit herausgestellt, dass die Firma del Monte, die ja unbedingt rechnet - und das kann ja natürlich nur im Sinne des «Kommenden Tages» gelegen sein —, die rechnet mit einer außerordentlichen Ausbreitung, es hat sich die Notwendigkeit herausgestellt, dass die Firma del Monte an den Aufsichtsrat des «Kommenden Tages» herantreten musste und ihm bemerklich machen musste, dass Herr Benkendörfer für die zukünftige Erweiterung der Unternehmung del Monte, die natürlich jetzt ein integrierender Teil des «Kommenden Tages» ist, absolut notwendig ist; nicht etwa für die heutigen Verhältnisse dort allein, sondern weil es im vitalsten Interesse des «Kommenden Tages» liegt, dass die so nötige und aussichtsvolle Verbreiterung der ehemaligen Firma del Monte geschehen könne. Der Aufsichtsrat des «Kommenden Tages» konnte sich der Einsicht nicht verschließen, dass diesem so dringenden Verlangen vonseiten der Unternehmung del Monte absolut entgegengekommen werden muss; und wir sahen uns in die schmerzliche Lage versetzt, Herrn Benkendörfer, der sich mit dieser Konstellation seinerseits einverstanden erklärte, wir sahen uns schmerzlich veranlasst, Herrn Benkendörfer zuzugestehen, dass er seine Demission als Generaldirektor des «Kommenden Tages» erhält und weiter seine so wertvollen Arbeitskräfte der Unternehmung del Monte zuwendet. Es wird also Herr Benkendörfer im Rahmen des «Kommenden Tages», in dem ja durchaus die Firma del Monte verbleibt, seine Arbeitskraft der Firma del Monte zuwenden.

Damit, meine lieben Freunde, war für uns die Notwendigkeit gegeben, nach einer verhältnismäßig kurzen Zeit den Posten des Generaldirektors wieder zu besetzen, und es muss hervorgehoben werden, dass diese Besetzung nur unter Bedingungen möglich war, welche vor einiger Zeit hätten noch gar nicht eintreten können, denn der Posten des Generaldirektors des «Kommenden Tages» ist einer der denkbar schwierigsten nach der ganzen Stellung, die bei Anhängern und Gegnern der «Kommende Tag» in der Welt einnimmt. Nur dadurch, dass Herr Molt die Möglichkeit vor Augen sah, nun unter den gegenwärtigen Verhältnissen selber allein hauptsächlich die Waldorf-Astoria zu führen und auf etwas zu verzichten, auf das er vor kurzer Zeit noch nicht hätte verzichten können - nämlich auf die wertvolle Mitarbeit des Herrn Leinhas -, nur dadurch war es möglich, überhaupt den Posten unseres Generaldirektors mit einer entsprechenden Persönlichkeit wiederum zu besetzen. Und ich nehme daher ausdrücklich Veranlassung zu betonen, dass aus einem weitsichtigen Erkennen der Gesamtinteressen des «Kommenden Tages» Herr Molt sich entschloss, die verantwortliche Leitung der Waldorf-Astoria auf seine Schultern zu laden, und dadurch dem Aufsichtsrat des «Kommenden Tages» die Möglichkeit gegeben hat, überhaupt unter den gegenwärtigen Verhältnissen weiterzukommen. So lag also für uns die Notwendigkeit und damit auch die Möglichkeit vor, den Posten des Generaldirektors zu besetzen, und ich darf Ihnen in diesem Augenblick Herrn Emil Leinhas, der Ihnen allen gut bekannt ist, als den künftigen Generaldirektor vorstellen. Nun, das ist zunächst die tief einschneidende Veränderung, die hier in der Konstitution des «Kommenden Tages» vor sich geht.

Und nun gestatten Sie mir, dass ich einige Bemerkungen an diese Darstellung der geschichtlichen Verhältnisse anknüpfe.

Das Erste, was ich zu sagen habe - und von dem werden Sie glauben, dass es mir aus dem tiefsten Herzen herauskommt -, das ist das, dass ich auch Ihnen gegenüber aussprechen muss, wie sehr wir alle, Aufsichtsrat, Direktorium und die gesamte Mitarbeiterschaft des «Kommenden Tages», Grund haben, aus tiefster Seele heraus unser Dankbarkeitsgefühl zu empfinden für dasjenige, was unter großen Opfern Herr Benkendörfer für den «Kommenden Tag» während der Zeit seiner Generaldirektorschaft geleistet hat. Herr Benkendörfer hat nicht nur unter großen Opfern den «Kommenden Tag» als Generaldirektor übernommen, sondern hat ihn übernommen in einer für den «Kommenden Tag» außerordentlich schwierigen Zeit, und seine Aufgaben waren schon solche, dass man von ihnen sagen kann, gerade in diesen Monaten, in denen Herr Benkendörfer dem «Kommenden Tag» vorstand, waren die Aufgaben solche, die schwer auf den Schultern einer Persönlichkeit lasten mussten.

Meine lieben Freunde, derjenige, der als Mitarbeiter in einem Betrieb darinnensteht und insbesondere in einem solchen, wie der «Kommende Tag» ist, der ahnt oft gar nicht, welche Sorgen in der Seele desjenigen leben, der nun die zahlreichen Fäden zu ziehen hat von innen nach außen, der für die Prosperität, das Gedeihen und die Entwicklung einer solchen Unternehmung zu sorgen hat, und alle diese schweren Aufgaben - sie hat Herr Benkendörfer übernommen, und ich darf Ihnen aus tiefster Überzeugung heraus sagen, dass für den ganzen «Kommenden Tag» Herr Benkendörfer etwas gar nicht hoch genug zu Schätzendes geleistet hat, und Sie werden es begreiflich finden, dass dieser tief gefühlte Dank, von dem ich gesprochen habe, auch hier ausgesprochen wird. Er ist gestern von mir ausgesprochen worden im Aufsichtsrat des «Kommenden Tages», und es ist ihm in der weitestgehenden, ungeteiltesten Weise von dem gesamten Aufsichtsrat und Direktorium des «Kommenden Tages» zugestimmt worden. Es obliegt mir, im Anschluss daran zu sagen, dass es selbstverständlich war, dass die Verbindung, die durch das Generaldirektorat Herr Benkendörfer mit dem «Kommenden Tag» hatte, einen Zusammenhang entwickelt hat, der aufrecht bleiben muss; daher sah sich der Aufsichtsrat des «Kommenden Tages» veranlasst, Herrn Benkendörfer zu bitten, in den Aufsichtsrat einzutreten — eine Sache, die die nächste Generalversammlung zu konsolidieren haben wird. Herr Benkendörfer wird also im Schoße des Aufsichtsrates selbst weiterarbeiten, auch dem Verwaltungsrat angehören und als Delegierter des Verwaltungsrates die Arbeiten bei del Monte besorgen. So wird in weitestgehendem Umfange Herrn Benkendörfers wertvolle Arbeitskraft dem «Kommenden Tag» auch weiterhin zugutekommen. Ich habe gebeten, dass auch durch Beschluss des Aufsichtsrates der ganze Dank und Hoffnungsausdruck dem Protokoll des Aufsichtsrates des «Kommenden Tages» als ein geschichtliches Faktum einverleibt wird.

Nun, meine lieben Freunde, komme ich zu dem zweiten Teil. Das ist dasjenige, was sich auf die Zukunft bezieht. Gestatten Sie mir, dass ich einige Bemerkungen dazu mache. Es handelt sich darum, dass insbesondere die letzten Wochen gezeigt haben, welche Bedeutung in der Welt dasjenige eingenommen hat, das in der verschiedensten Weise herausgewachsen ist aus der anthroposophischen Bewegung. Wir haben in Stuttgart Ende August bis Anfang September einen anthroposophischen Kongress gehalten; dieser anthroposophische Kongress ist von 1600 Menschen besucht worden und ist in einer solchen Weise verlaufen, dass jeder Unbefangene sagen muss: Hier ist etwas geschehen, das sonst wo in derselben Weise nicht in der Welt geschieht, und es gehört eben zu den Niedergangserscheinungen unserer Zeit, dass nicht in weitestem Umfange in gebührender und entsprechender Art auf ein solches Faktum hingedeutet wird, dass man nicht recht achtgibt, es als etwas Selbstverständliches ansieht in unserer Zeit, die das Gegenteil so sehr nötig hätte. Man darf sagen, innerhalb des Rahmens dieses anthroposophischen Kongresses ist dasjenige, was anthroposophische Bewegung seit Jahrzehnten in durchgreifender Weise vertritt, durch eine Art von Feuerprobe hindurchgegangen. Auf diesem Kongress wurden geistige Leistungen vollbracht, welche meiner festen Überzeugung nach zu demjenigen gehören, was sonst gegenwärtig eben nicht zu finden ist, und ich möchte aus der Summe dieser geistigen Leistungen zwei hervorheben, die charakteristisch sind für dasjenige, was innerhalb des Rahmens unserer anthroposophischen Bewegung geschieht - dieser Bewegung, die so sehr in der Welt verleumdet wird. Ich möchte nicht zurückschrecken davor, das zu sagen, was meine Überzeugung ist, denn nicht seine Überzeugung auszusprechen, betrachten viele Menschen heute schon als ihre Mission. Wir kommen aber nicht weiter, wenn nicht aus Wahrheit ehrliche Überzeugung - auch da, wo etwas Mut dazugehört zu dieser Überzeugung -, dieselbe ausgesprochen wird.

Man könnte über diesen Kongress viel sagen, meine lieben Freunde, aber es soll dasjenige, was ich als Beispiel heraushebe, nicht etwa den Glauben erwecken, dass nicht ein Ähnliches über anderes gesagt werden könnte - aber das wird ja vielleicht von anderen geschehen. Mir liegt es gerade nahe, einige Beispiele aus dem ganzen Verlauf der geistigen Leistungen unseres anthroposophischen Kongresses hervorzuheben. Wir dürfen ja sagen, dass eigentlich dasjenige, was aus den Untergründen der anthroposophischen Bewegung hervorgegangen ist, in erster Linie zu nennen ist die von Herrn Emil Molt jetzt schon vor Jahren gegründete Waldorfschule. Mag die Außenwelt denken, wie sie will, über diese Waldorfschule; dasjenige, was äußerlich vorliegt, ist doch das, dass heute schon ein großer Teil der Welt auf diese Schule schaut und ein anderer Teil keucht unter der Unmöglichkeit, ähnliche Schulen überall in der Welt zu errichten. Man seufzt nach dem Geist der Waldorfschule in allerweitesten Kreisen. Ich möchte sagen, auf dem Gebiet des inneren Wirkens hat sich auch dieser Geist der Waldorfschule gerade auf dem Kongress ausgelebt. Wir haben erlebt, dass eine Lehrkraft der Waldorfschule, Fräulein Caroline von Heydebrand, einen Vortrag hielt über etwas, was in unserer Zeit überaus beliebt ist und was mit dem bekannten Namen «Experimentelle Psychologie und Pädagogik» im heutigen Schulwesen eine außerordentliche Rolle spielt. Für denjenigen aber, der wirklich etwas versteht vom Schul- und Unterrichtswesen, dem wird die Entwicklung dieser Methode auf dem Gebiete der Menschheitsentwicklung nichts anderes bedeuten, als dass sie ihm zeigt, wie fremd eigentlich der innere Mensch dem Menschen, der Erzieher dem Kinde, geworden ist. Nun wurde von Fräulein von Heydebrand auf dem Kongress eine eingehende Kritik geliefert dieses modernen Erziehungswesens - man könnte auch sagen Unwesens -, und es wurde gezeigt, dass von einem höheren Gesichtspunkte herab man in der Lage ist, Wesen und Geist der Erziehung und des Unterrichts gerade aus dem Gebiet der Waldorfschule heraus in die Welt zu tragen. Es war eine pädagogisch-didaktische Tat allerersten Ranges, die damit geschehen ist, und wie gesagt, man muss heute den Mut dazu finden, da, wo nicht aus den gebräuchlichen und gewohnten Untergründen heraus über den Wert menschlicher Leistungen Urteile gefällt werden, mit Rückhaltlosigkeit dies zu sagen, was gesagt werden muss: dass eben hier etwas geleistet worden ist, was eine Zeitbedeutung hat und was eben nur aus diesem Geiste hervorgehen kann.

Es muss in diesem Kreise erwähnt werden, weil viel davon abhängt von dem Fortgang des «Kommenden Tages», dass man einsieht, wie menschliche Leistungen, die sich dazu anschicken wollen, gegenüber den Niedergangskräften Aufgangskräfte hervorzubringen, wie solche Leistungen eingeschätzt werden müssen. Wir dürfen nicht schlafend vorübergehen, sonst kommen wir weltgeschichtlich unter die Räder und können gründen, so viel wir wollen. Das, worauf es ankommt, ist menschliche Urteilsfähigkeit. Wir müssen verstehen können, den Menschen an den richtigen Platz zu stellen, dann wird auch in sozialer Beziehung das Richtige geschehen.

Nun möchte ich von der zweiten Sache sprechen. Wir stehen heute in der Notwendigkeit darin, eine gründliche Empfindung zu entwickeln - jeder Mensch steht in dieser Notwendigkeit darinnen -, eine gründliche Empfindung von dem zu entwickeln, was sozial werden soll. Von einer solchen Empfindung ging aus überhaupt alles dasjenige, was verknüpft ist mit dem Namen der Dreigliederung des sozialen Organismus. Die meisten von Ihnen werden es wissen, meine lieben Freunde, dass von April 1919 ab versucht worden ist, der Welt klarzumachen, dass in dieser Dreigliederung dasjenige gegeben ist, was wirklich die großen sozialen Fragen der Gegenwart einer zeitgemäßen Lösung entgegenführen kann. Versucht ist es worden. Dasjenige, was wir erlebt haben, gehört zu dem denkbar Tragischsten; wir haben erlebt, dass gerade in die Proletarierseele und Herzenstiefen hineingegriffen hat das, was dazumal versucht worden ist. Es mag im Anfang so unvollkommen wie möglich gewesen sein - die Wirkung ist in die Proletarierherzen gedrungen. Wir haben sehen können, dass, selbst wenn es im Anfang unvollkommen war, dass nach und nach wirksame Kräfte sich entwickeln könnten, wenn alle Menschen, die daran beteiligt sind - und es sind alle Menschen daran beteiligt -, wenn alle Menschen dabei mitarbeiten würden. Dazumal ist die Sache so, wie sie propagiert worden ist von uns in der verschiedensten Weise, gescheitert, und dieses Wort «sie ist gescheitert», das ist schon dasjenige, was man in die Herzen schreiben sollte. Insbesondere in der Proletarierwelt ist die Sache gescheitert, und ich kann nicht anders, als es der Wahrheit gemäß erwähnen. Jetzt kommen manche gerade aus Proletarierkreisen und sagen: Ja, sie musste eben scheitern, weil unsere Schulbildung nicht darnach war, dass wir die Sache voll begreifen konnten. - Damit wird ein großer Irrtum in die Welt gestellt; die Schulbildung hätte vollständig ausgereicht; es hat sich auch gezeigt, dass sie ausgereicht hat. Dasjenige, was dazumal eingetreten ist, das war die furchtbar geschwungene Fuchtel derjenigen der Proletarierführer, die nicht verstehen konnten oder wollten, um was es sich handelt, und die der ganzen Bewegung der Dreigliederung die Spitze abgebrochen haben. Und es wird nicht gut sein, wenn man mit der mangelhaften Schulbildung dasjenige übersehen wollte, was gar nicht vorhanden ist, dasjenige übersehen wollte, was als Autoritätsgefühl gegenüber den eingesessenen Führern sich nicht hat brechen lassen. Damit ist vieles von dem heraufgezogen - es ist meine tiefe Überzeugung -, was zu den Unglückskräften der Gegenwart gehört. Und wahrscheinlich werden gerade diejenigen Menschen, die schon etwas verstanden haben von der Sache, sie werden es noch tief schmerzlich empfinden müssen, dass dazumal nicht energischer von gewissen Seiten der Einsichtigen an die Sache herangegangen worden ist.

Dasjenige, was gebraucht wird im sozialen Leben, das ist heute nicht das Darinnenstehen im einzelnen Betriebe allein, ist nicht alleine die Möglichkeit, den einzelnen Betrieb zu leiten; dasjenige, was gebraucht wird, ist eine Überschau über die wirtschaftliche Lage der ganzen Welt. Im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts hat sich der Gedanke von Weltverkehr in Weltwirtschaft umgewandelt, und die Weltwirtschaft ist heute dasjenige, was - trotzdem der Krieg so furchtbare unübersteigliche Grenzen gebildet hat, die eigentlich nicht da sein dürften —, was wir brauchen in wirtschaftlicher Beziehung. Die Weltwirtschaft steht trotzdem da als eine Forderung, an der nicht vorbeigegangen werden kann. Und im Grunde genommen kann niemand im großen Stile - und der muss sein - mitwirken im kleinsten Rahmen, der nicht Überschau hat über dasjenige, was Weltwirtschaft erfordert.

Nun versucht die Universitätswissenschaft, vielfach aus Köpfen heraus, die dem Leben so fernestehen und die nur theoretisieren können, versucht die Nationalökonomie, aus dem sozialen Geschehen allerlei zu begründen, aus dem heraus man wissen kann, was man eigentlich in der wirtschaftlichen Praxis zu tun habe. Und durch dasjenige, was Universitätsprofessoren und ihr Anhang durch lange Zeiten auf diesem Gebiete geleistet haben, sind ja auch die populären Theorien entstanden — Sie können das in meinen «Kernpunkten» nachprüfen -, mit denen man heute die Welt reformieren will und die nichts anderes sind als weltfremde, auf dem Professorenboden erwachsene Theorien.

Nun, bei unserem anthroposophischen Kongress hat sich noch das Folgende zugetragen: Herr Leinhas hat einen Vortrag gehalten, der anknüpft an das vor Kurzem erschienene Buch eines außerordentlich liebenswürdigen und unter Fachkollegen außerordentlich hervorragenden Universitätsprofessors der Nationalökonomie. Man kann sagen, das Buch gehört, weil es außer dem, dass es die verschiedenen rechnerischen und sonstigen spekulierenden Eigenschaften der Nationalökonomie hat, weil es außer dem noch einen gewissen menschlichen Charakter hat, es gehört zu den sympathischsten Erscheinungen auf dem sozialen Gebiete der Gegenwart. Daher war es außerordentlich glücklich, dass Herr Leinhas an dieses Buch angeknüpft hat und während seines Vortrags in durchgreifender Weise gezeigt hat, wie gerade an diesem Buch, das herausgewachsen ist aus dem akademischen Denken der Wissenschaft, ersichtlich ist, dass die ganze Universitätswissenschaft im wirtschaftlichen Leben nichts nützen kann. Sie kann auch nichts nützen, indem die verschiedenen Parteisekretäre ihr Wissen aus den Büchern der Universitätsprofessoren herausdestillieren. Dadurch werden die Theorien nicht lebenssicher, dass einzelne Parteisekretäre das abschreiben und etwas parteimäßig färben, was in den weltfremden Universitätsstuben der Nationalökonomen gedeiht, denn so liegt die Sache auf diesem Gebier. Diesem ganzen Treiben wurde durch den Vortrag des Herrn Leinhas aus einer gründlichen Kenntnis der wirtschaftlichen Verhältnisse der Gegenwart die Maske vom Gesicht gerissen, und die Leistung des Vortrags besteht darin, dass die Universitätswissenschaft mit allen ihren Ablegern gerade durch den weiteren Ausbau desjenigen, was in dem Vortrag gegeben ist, am Boden wird liegen müssen, und wir haben gezeigt, dass man auf diesem Gebiet aus einer ganz anderen Ecke heraus wird zu arbeiten haben.

Meine lieben Freunde, würde man heute aus unbefangenem Menschenurteil heraus dasjenige vollziehen, was aus den ältesten, heute noch bleibenden Vorurteilen vollzogen wird, dann würden die Urteile, die heute in die Welt gehen, anders lauten. Der Vortrag über die experimentelle Pädagogik und Psychologie Fräulein Dr. von Heydebrands würde lange Zeit in allen Lehrerkreisen und auf allen Lehrerkongressen als dasjenige, was die brennende Frage der Gegenwart ist, besprochen werden müssen. Dasjenige, was Herr Leinhas dargeboten hat, würde das vorgebracht bei denjenigen Leuten, die ja auch Kongresse abhalten oder Ähnliches tun und auf die man gewohnt ist hinzuschauen, so würden wochenlang in allen wichtigsten Zeitungen ganze Spalten gefüllt sein mit demjenigen, was gezeigt wurde, und es würde hin und her, pro und kontra diskutiert werden, um die geistigen Ergebnisse unserer Zeit darin zu bewerten. Es muss schon aus einem anderen Ton heraus gesprochen werden, wenn man heute von der Wahrheit aus die Unwahrheit der Welt charakterisieren will. Und wünschen möchte man, dass unter Ihnen, meine lieben Freunde, empfängliche Herzen und Seelen sind, die sich nicht in der Lage befinden, aus dem ältesten Schrot und Korn herausnehmen zu müssen diejenigen Leute, die die verschiedenen Karren weitertreiben sollen. Wir haben es ja von gestern auf heute erfahren müssen, wie man, um einen der wichtigsten Posten zu besetzen, nach einer der ältesten Persönlichkeiten, die längst «erledigt» war, hat greifen müssen. Das sind nur symptomatische Erscheinungen, weil die Menschen kein Urteil sich aneignen wollen über Dinge, die ursprünglich geschöpft sind aus dem Leben heraus, und sie suchen dann die entsprechenden Posten, weil sie zu keinem anderen Urteil kommen können, aus ältesten Vorurteilen heraus zu besetzen.

Von diesen Dingen müssen wir loskommen, wenn wir heute die Dinge zu bewerten verstehen wollen; und wir bewerten sie richtig, wenn wir jetzt in diesem Augenblick sagen: Es gehört zum größten Glück, das der «Kommende Tag» haben kann, dass er in der Persönlichkeit des Herrn Emil Leinhas, die so außerordentlich gezeigt hat, was sie vermag, dass er in dieser Persönlichkeit eine entsprechende Leitung bekommt. Und ich glaube, es ist Pflicht eines jeden, der im «Kommenden Tag» darinnenlebt und mitarbeiter, sich dieser Tatsache bewusst zu sein.

Das ist es, worauf es ankommt, dass wir den wahren Menschenwert zu bemessen in der Lage sind. Wenn wir dazu nicht in der Lage sind, dann kommen wir aus den Niedergangskräften nicht heraus. Herr Leinhas ist keiner von den Gelehrten; er kennt die Praxis des Lebens in allen ihren Verzweigungen, er kennt sie aus der Wirklichkeit heraus. Und eine solche Persönlichkeit war notwendig, um dasjenige zu kritisieren, was bei den Parteiführern aus lebensfremden Theorien herauswächst. Dasjenige, was mir heute, an diesem Tage, am Herzen lag, ist, Ihnen zu sagen, dass alle diejenigen, die etwas verstehen von den Aufgaben des «Kommenden Tages», es als ganz besonderes Glück ansehen müssen, dass nun eine Persönlichkeit, die heute auf nationalökonomischem Gebiet durch ihre Leistungen während des Kongresses als Autorität gelten muss, an die Spitze des Direktoriums des «Kommenden Tages» gestellt wird.

Damit deute ich etwas an, und was ich andeute, das deute ich aus dem herzlichen Empfinden heraus an aus dem Grunde, weil ich sagen muss, dass ja der «Kommende Tag» es noch nötig hat, ich möchte sagen, sich hineinzufinden in dasjenige, was er sein muss, wenn er solch ein Niveau erreichen will, wie es erreicht war durch den Kongress Ende August bis Anfang September. Es handelt sich durchaus darum, für den «Kommenden Tag» eine Art von «Ei des Kolumbus» zu entdecken. Wir stehen heute so darinnen, dass es unsere Arbeit ist, dass wirklich der ganze Geist unserer Bewegung unmittelbar ins praktische Leben hineinkommen kann; und das erreichen wir natürlich nicht dadurch - Sie dürfen mir das nicht übel nehmen -, nicht dadurch, dass doch immerhin einem das innere Leben auch der Champignystraße 17 schwere Sorgen machen konnte. Hier handelt es sich wirklich darum, dass jeder Einzelne, der hier mitarbeitet, von dem neuen Geist bis in die tiefsten Wurzeln seines Herzens erfasst wird; und dazu brauchen wir vor allen Dingen eines, das ich dreimal sagen muss, denn man muss die Dinge heute dreimal sagen: Wir brauchen alle untereinander Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen!

Und nun frage ich Sie, meine lieben Freunde, alle, die anwesend sind, ob dieses Vertrauen in der nötigen Weise von jedem Menschen zu jedem immer vorhanden war. Ich bitte Sie ganz herzlich darum, gewöhnen Sie sich aus vollem Verantwortlichkeitsgefühl daran: Fragen Sie einmal etwas weniger, ob dieses Vertrauen in der rechten Weise bei dem anderen vorhanden ist oder ob man es dem anderen entgegenbringen kann. Versuchen Sie es von dem entgegengesetzten Pol aus anzufassen; versuchen Sie öfter auch sich selber zu fragen, ob das Vertrauen zu Ihnen vorhanden sein kann, ob es gerechtfertigt sein kann zu jedem Einzelnen, der er aber dann selber ist, und ob jeder sich bemüht, dieses Vertrauen in der entsprechenden Weise ins Leben umzusetzen. Das kann man nicht anders machen als durch Folgendes, meine lieben Freunde.

Man übersieht gerade die Verhältnisse des Lebens nicht immer so, wenn man in den heutigen Urteilen drinnensteckt, die so oberflächlich sind. Die Verhältnisse sind sehr verkettet und sehr verwickelt, und will man dasjenige Vertrauen, das vor allem nötig ist im geschäftlichen und wirtschaftlichen Leben, wirklich entwickeln, dann gehört das andere dazu, über das ich einige Minuten lang zu Ihnen gesprochen habe: die neidlose Anerkennung desjenigen, was Menschenwert ist, nicht um sie dem anderen entgegenzubringen, sondern weil man Interesse daran hat, dass die Sache vorwärtskommt.

Dass dieser Geist so recht einziehen möge in die Champignystraße 17, dass hier wirklich ein lauterer, reiner, menschlicher Vertrauensgeist herrsche, der den Wert des Menschen empfinden lernen will, davon hängt es ab, ob wir überhaupt in fruchtbarer Weise mit dem «Kommenden Tag» weiterarbeiten können, meine lieben Freunde. Wir dürfen heute nicht so arbeiten, wie man gewohnt ist, in äußeren Geschäften zu arbeiten; wir müssen, wenn auch langsam, doch vorwärtskommen. Dazu ist notwendig, zwei Dinge zu entwickeln: Vertrauen und neidlose Anerkennung des Menschenwertes, des Wertes desjenigen, der neben uns arbeitet. Das kann Ihnen derjenige sagen, der gewillt war, die Verhältnisse zu studieren, und der weiß, dass wir in die große soziale Not hineingekommen sind, weil im großen Stil über die ganze Erde hin allmählich das Vertrauen abhandengekommen ist. Man muss sich heute sagen: Ich will, ich will, ich will mich verbünden vertrauensvoll mit demjenigen Menschen, von dem ich weiß, dass er dies oder jenes kann.

Ich würde zu Ihnen nicht aufrichtig und ehrlich sprechen, wenn ich nicht auch diese Rede zu Ihnen gehalten haben würde, die von manchen wie eine Epistel empfunden werden kann; sie will nichts weiter sein als ein wirklich herzlich empfundener, freundschaftlicher Rat, der, wenn Sie ein bisschen bedenken dasjenige, was ich Ihnen konturiert habe, für den Fortgang des «Kommenden Tages» im Großen bedeutsam werden kann. Ich habe doch die Überzeugung, dass darin etwas enthalten ist von dem Geist, den wir brauchen, und dass es nicht überflüssig war, bei dieser wichtigen, allerwichtigsten Veränderung im «Kommenden Tag» gerade über die fundamentalsten Dinge zu sprechen. Versuchen wir es einmal, dieses Vertrauen zu entwickeln, versuchen wir es, den Wert des neben uns lebenden Menschen anzuerkennen, dann wird aus dem «Kommenden Tag» allmählich etwas werden, was sich in gesunder Weise neben das hinstellen kann, was allerdings noch nicht bis zur Vollkommenheit, aber wenigstens in seinen Anfängen erreicht worden ist; etwas haben wir ja doch erreicht: Wir haben erreicht in der allgemeinen anthroposophischen Bewegung, dass wir diesen inhaltsvollen Kongress mit einem Besuch von 1600 Menschen veranstalten konnten, und wir haben immerhin in der Waldorfschule etwas erreicht, wo schon nach zweijähriger Wirksamkeit etwas von dem ist, was ich mit den zwei hauptsächlichsten geistig wirkenden Kräften in der menschlichen Natur eben habe ausdrücken wollen. Es ist in der Waldorfschule etwas vorhanden unter dem Lehrerkollegium, was aus dem Vertrauen heraus des einen zum anderen wirkt, und es ist auch etwas vorhanden von dem, was Anerkennung des Wertes der neben einem wirkenden Persönlichkeit ist. Und aus diesem Grunde kann bemerkt werden, dass gerade in der Waldorfschule, dieser so außerordentlich dankenswerten — wir müssen es im Kulturinteresse der Gegenwart sagen —, dieser dankenswerten Schöpfung, die Herr Emil Molt in die Welt hineingestellt hat, etwas zu bemerken ist von dem, was wir brauchen auf allen Gebieten bei uns, meine lieben Freunde.

Man möchte gerade in diesem feierlichen Augenblick den Herzenswunsch aussprechen, dass auch im «Kommenden Tag» nach und nach das werden könnte, was gewirkt hat im Kongress Ende August bis Anfang September, was gewirkt hat in der Waldorfschule und was dort allerdings eben bis zu einem gewissen Grade bemerkbar ist. Im wirtschaftlichen Leben ist es schwer, so etwas zu erreichen, aber das eine kann ich sagen: Wir müssen es erreichen durch das menschliche Zusammenwirken der Menschen, und diejenigen, die hier mitarbeiten, sie werden ganz gewiss gerade in Herrn Leinhas, der von Grund aus die Verhältnisse des wirtschaftlichen und des Geschäftslebens und der damit verknüpften Menschen kennt, Sie werden immer einen Freund finden, der offene Ohren für alles dasjenige hat, was in berechtigter Weise aus dem Schoße von irgendeiner Stelle des «Kommenden Tages» im Allgemeinen oder von einem einzelnen Menschen des «Kommenden Tages» ausgehen wird. Wir brauchen nur das richtige Gefühl im Zusammenarbeiten, dann wird es gehen. Mir selbst bürgt die Persönlichkeit des Herrn Leinhas dafür.

Aber ich weiß auch etwas anderes zu sagen: Selbst die wertvollste Persönlichkeit kann nichts machen, wenn sie nicht die entsprechenden Mitarbeiter in der Welt findet. Beurteilen können muss man Menschenwert, aber man muss auch wissen, dass der wertvollsten Persönlichkeit nichts möglich ist, wenn sie nicht entsprechende Mitarbeiter findet. Lassen Sie mich auch diesen Herzenswunsch aussprechen, dass in Ihnen allen Herr Leinhas rechte Mitarbeiter in der Champignystraße 17 finden möge! Das Letztere ist Grundbedingung; dann wird man in der Champignystraße wenigstens versuchen können alles dasjenige, was notwendig ist zum Gedeihen und zur Fortentwicklung - anders nicht, meine lieben Freunde. Anders als dadurch, dass diese Bedingung aus der tatkräftigen und gutwilligen Mitarbeiterschaft da ist, wird die Champignystraße nach und nach degenerieren zu irgendeinem Winkelunternehmen, das nur von assoziativem Wesen «schnattert», ohne imstande zu sein, die Geschichte durchzuführen.

Hiermit habe ich Ihnen nur in seinen Grundlinien gesagt, worin man die Lebensbedingungen des Gedeihens des «Kommenden Tages» sehen muss. Ich möchte Ihnen dies ans Herz legen, jetzt in diesem feierlichen Momente, wo ich als Vorsitzender des Aufsichtsrates nicht nur aus der Pflicht heraus, sondern aus dem innersten Herzenswunsch heraus vor Ihnen stehe, um dem abtretenden Generaldirektor den innigsten Dank zu sagen, den gewiss mitfühlen wollen diejenigen, die Herrn Benkendörfer kennen.

Haben Sie für alles das, was Sie für den «Kommenden Tag» geleistet haben, herzlichen Dank, und seien Sie versichert, dass wir die Hoffnung hegen, Ihre Kräfte in Zukunft in anderem Felde für uns in fruchtbarer Weise wirken zu sehen. Und Sie, mein lieber Freund Emil Leinhas, ich übertrage Ihnen hiermit vor der versammelten Mitarbeiterschaft des «Kommenden Tages» das Amt des Generaldirektors dieses «Kommenden Tages». Wie ich auf Sie baue, und ich glaube aus innerster Überzeugung, auf Sie bauen zu dürfen, das habe ich gesagt. Ich bin überzeugt, dass, wenn Sie hier entsprechende Unterstützung finden von der Mitarbeiterschaft - wir werden gerade in Ihnen diejenige Persönlichkeit haben, die wir gerade für die nächste Zeit für die Leitung des «Kommenden Tages» so außerordentlich notwendig haben. Damit Glück auf! Ihnen und allen Ihren Mitarbeitern! Möge aus Ihrem Wirken das Segensreichste entsprießen innerhalb des «Kommenden Tages», was nur daraus entsprießen kann!

Damit, meine lieben Freunde, bin ich am Ende meiner Ausführungen, die Sie unterrichten sollten von demjenigen, was sich als notwendige Veränderung im «Kommenden Tag» ergeben hat.

[Emil Molt hält ebenfalls eine Ansprache, nach welcher Rudolf Steiner wiederum das Wort ergreift.)

Rudolf Steiner: Meine lieben Freunde! Ich möchte gleich noch das Wort daran knüpfen, dass ich herzlichst danke für den Vertrauensausdruck, den soeben der zweite Vorsitzende des Aufsichtsrates ausgesprochen hat, und ich darf wohl dann das Wort anknüpfen, dass ich ganz tief davon überzeugt bin, dass ich alles dasjenige, was ich mit meinen schwachen Kräften leisten, nur dadurch leisten kann, dass ich das Vertrauen jedes einzelnen Mitarbeiters wirklich habe. Im Hinblick darauf gestatten Sie mir noch ein paar Worte.

Ich richte mich nun zunächst an die Mitglieder des Aufsichtsrates, den Mitvorsitzenden Herrn Emil Molt, und danke Ihnen insbesondere für Ihr in so vielfacher Weise erwiesenes Vertrauen, aber ganz im Besonderen wende ich mich an meinen lieben Freund Uehli, der ja in seiner ganzen Arbeit so innig verbunden ist mit alledem, was sich hier in der Champignystraße 17 abspielt. Auch Herr Uehli, meine lieben Freunde, hat sein Amt hier an leitender Stelle in einer Zeit übernommen, wo die denkbar schwersten Aufgaben auf seine Schultern geladen werden mussten. Nur seinem auf der einen Seite so feinsinnigen, auf der anderen Seite so energischen Eifer für alles dasjenige, was anthroposophische Bewegung ist - einem Eifer, demgegenüber es gerade wegen der Eigentümlichkeit des Eifers den Mitarbeitern so leicht ist, sich anzuschließen und mitzutun alles dasjenige, was von diesem Eifer erstrebt wird —, gerade diesem Eifer, meine lieben Freunde, ist vielfach in allererster Linie zuzuschreiben, dass der anthroposophische Kongress in Stuttgart den Verlauf genommen hat, den ich angedeutet habe. Daher darf ich in diesem Augenblick noch sagen, dass es mein allerinnigster Herzenswunsch, aber auch meine Hoffnung ist, dass zwischen Freund Leinhas und Freund Uehli hier in diesen Räumen das schönste kollegialischste Verhältnis sich entwickelt. Das aber wird sich entwickeln, denn das hat die allerallerbesten Grundlagen; das wird sich entwickeln, das ist entwickelt seit langer Zeit und wir können auf ihm bauen. Dieses kollegialische Verhältnis ist da, aber auch solche Dinge werden fruchtbar, wenn sie verstanden werden. Möge recht gut verstanden werden, was aus dem Zusammenwirken zweier solcher Persönlichkeiten hier in der Champignystraße 17 sich entwickeln kann, und deshalb lassen Sie mich auch noch meine Begrüßung sagen zuletzt dem, was mich mit ganz besonderer Freude und Befriedigung erfüllt: die Aussicht auf das kollegialische Zusammenwirken der beiden Freunde!

[Es folgen kurze Ansprachen von Ernst Uehli, Eugen Benkendörfer und Emil Leinhas und abschließend ein Dankeswort der Mitarbeiter der Zentrale an der Champignystraße 17.]

German original of Address at the Staff Meeting of the “Zentrale” of the “Kommende Tag” · ← Previous · Next →