22. An Die Leser
Wegen der Grossen Zwischenzeit vom Erscheinen der Vorigen Nummer bis zu dem der Vorliegenden
Auch die vorliegende Nummer dieser Zeitschrift hat ihre Leser lange auf sich warten lassen. Mancher kann darüber ungeduldig geworden sein. Mancher meinte wohl gar, sie werde überhaupt nicht mehr erscheinen. Zu dem letztern ist kein Grund vorhanden. Denn wenn es auch im Sinne der Geistesrichtung, welcher die Zeitschrift dient, gut wäre, wenn der Anteil an ihr viel größer würde, als er schon ist: er darf immerhin gegenwärtig schon als ein solcher bezeichnet werden, welcher das regelmäßige Erscheinen von Einem Gesichtpunkte aus durchaus notwendig machte. Wenn nichts anderes in Betracht käme, so würde gewiß in jedem Monat eine Nummer dieser Zeitschrift dem Leser vor Augen treten. Ein anderer Gesichtpunkt aber machte bisher größere Zwischenpausen im Erscheinen nötig. Die in ihr vertretene Geistesströmung macht eben außer der Arbeit an der Zeitschrift bei ihrem Herausgeber andere Betätigungen in weitem Umfange (Vorträge, Vortragszyklen usw.) notwendig. Und es kommt allerdings vielmehr darauf an, daß dieser Geistesströmung in der bestmöglichen Art gedient werde, als daß, durch pedantisches Einhalten der Erscheinungstermine der Zeitschrift, auf einer andern Seite geschadet würde. Daß es wünschenswert dennoch bliebe, diese Erscheinungstermine einzuhalten, soll damit nicht in Abrede gestellt werden. Es ist das gerade jetzt um so mehr der Fall, als wichtige geisteswissenschaftliche Mitteilungen in den nächsten Heften gebracht werden müssen. Deshalb wird sich der Herausgeber in jeder Art bemühen, soweit es die Verhältnisse möglich machen, für ein regelmäßigeres Erscheinen Sorge zu tragen. Hoffentlich wird niemals wieder eine so große Pause eintreten, wie sie zwischen der Veröffentlichung der vorigen und dieser Nummer liegt.
April 1908
Dr. Rudolf Steiner