67. Zur Würdigung Schellings

Zu Einem Aufsatz Von Dr.R. Salinger, «Der Philosoph der Romantik»

Trotzdem der Herausgeber in bezug auf die Würdigung Schellings auf einem ganz anderen Standpunkt stehen muß, als der verehrte Verfasser dieses Artikels, bringt er doch denselben aus Anlaß des fünfzigsten Todestages des Philosophen gern. Nur mit ein paar Worten sei auf diesen abweichenden Standpunkt hingewiesen. Schelling gehört zu den tiefsten Geistern des deutschen Volkes. Aus dem, worinnen seine Bedeutung liegt, kann jeder unsäglich viel lernen. Dergleichen kann durch keine spätere «Forschung» widerlegt werden. Daß er «nicht verstanden» wird, teilt er mit allen Geistern von seiner Höhe. Aber man muß ihn verstehen lernen. Diejenigen haben es am wenigsten getan, die über seine Weltanschauung zur «Tagesordnung» übergegangen sind. Der Theosoph wird viel, sehr viel namentlich aus den letzten — nachgelassenen — Schriften «Philosophie der Mythologie» und «Philosophie der Offenbarung» zu lernen haben. Darinnen ist unendlich viel mehr wirkliche Weisheit zu finden, als bei denen, die über Schelling «hinaus» zu sein glauben. Erst dann wird man ihn begreifen, wenn man ihn nicht mehr kritisieren, sondern sich selbstlos in ihn vertiefen wird. Ein Schatten fällt nur auf ihn wegen seines «Hasses» auf den nicht minder heute mißverstandenen philosophischen Theosophen Hegel. Aber auch da ist Begreifen, nicht Kritisieren am Platze. — Es ist natürlich, daß eine Zeitschrift wie «Luzifer-Gnosis» nicht zur einseitig das bringen kann, was sich mit dem Standpunkt des Herausgebers deckt. Alle sollen gehört werden.

German original of On the Evaluation of Schelling · ← Previous · Next →