Lectures on Christian Religious Work II
GA 343 — 6 October 1921, Dornach
Zwanzigster Vortrag
Meine lieben Freunde! Ich möchte nun hier an dieser Stelle über dasjenige sprechen, was eine Zeremonie des Meßopfers werden könnte, und zwar möchte ich zeigen, wie man sich hinbewegen kann zu einer solchen Meßopfer-Zeremonie, wenn man zugleich Rechnung trägt dem modernen Menschheitsbewußtsein, aus dem heraus ja zugleich immer diese Betrachtungen, die ich hier vor Ihnen anstelle, erfließen sollen. Ich möchte soviel als möglich von demjenigen, was notwendig ist, an Sie heranbringen. Sie werden dadurch wohl in den Stand gesetzt, dann aus dem Aufgenommenen weiteres bilden zu können.
Bevor ich an das Meßopfer-Ritual herantrete, möchte ich zunächst einiges voraussenden, meine lieben Freunde, das nicht mit dem Äußeren, aber mit der äußeren Erscheinung des Meßopfers zusammenhängt, und das wir dann erweitern werden in entsprechender Weise auf anderes Zeremonielles. Mit dem Meßopfer hängt ja das ganz innig zusammen, wie der Priester selbst sich zu dem Meßopfer stellt. Das soll nun schon zur Erscheinung kommen in der äußeren Erscheinung, in der der Priester an den Altar heranrritt. Es ist in der Tat so, daß der Priester, indem er an den Altar herantritt, schon in seinen entsprechenden Gewändern darauf hinweist, daß es sich bei dem Meßopfer um etwas handelt, für das ich gestern den Terminus «ganzmenschlich» gebraucht habe. Der ganze Mensch in unserem Zeitalter ist ja nur zu erschöpfen, wenn wir sprechen von dem physischen Menschen, von dem ätherischen Menschen oder dem Menschen der Bildekräfte, von dem astralischen Menschen, der schon in der Verinnerlichung auftritt, aber in Zusammenhang steht mit dem Astralischen des Kosmos, und dem Ich-Menschen. Die höheren Glieder braucht man dabei nicht zu berücksichtigen, weil sie sich ja vorläufig im Laufe der Erdenentwickelung im Innern des Menschen als bloße Wirkenskräfte verbergen. Nun handelt es sich darum, daß für eine ganzmenschliche Einsicht der Mensch, wie er zunächst vor uns steht, der physische Mensch ist und daß, wenn das Ganzmenschliche zur Anschauung kommen soll, wenigstens nach außen hin angedeutet werden muß, wie die anderen Glieder der menschlichen Natur zu dem Menschen stehen. Das ist für das Meßopfer angedeutet in den Gewändern. (Während der folgenden Ausführungen wird an die Tafel geschrieben.)

Der physische Leib des Priesters steckt zunächst in dem Ätherleib, den im wesentlichen eine Art erweitertes weißes Chorhemd darstellt, das bis zum Boden reicht. Ich werde schreiben «weißes Gewand». Es hat ja noch verschiedene Teile, die abgetrennt sind von dem eigentlichen Chorhemdschnitt, aber diese Dinge sind auch zum Teil im Laufe der Zeit hinzugekommen aus verschiedenen Gründen, und ich werde hier nur von dem Wesentlichen sprechen. Wenn wir auf das Weiße des Chorhemdes sehen, dann müssen wir uns eben klar sein, daß darin eine Andeutung desjenigen menschlichen Wesensgliedes liegt, das eingegliedert ist in den Kosmos, so wie der physische Mensch selber eingegliedert ist den Erdenkräften. Und wie man in den Erdenkräften zu suchen hat des Menschen Schuld, so hat man in dem weißen Gewande, das der Mensch sich überstülpt, die Schuldlosigkeit zu sehen.
Nun handelt es sich darum, wie Sie wissen, daß der Mensch, so wie er auf der Erde wandelt, zunächst in einer festen Verbindung hat den physischen und den ätherischen Leib, und dann diese in einer loseren Verbindung hat mit dem astralischen Leib und dem Ich — während des Schlafens werden ja diese beiden abgegliedert -, und dann wieder in einer festen Verbindung hat den astralischen Leib und das Ich. Im Schlafe trennen sich der astralische Leib und das Ich von dem physischen Leib und dem Ätherleib. Während des ganzen Lebens bleiben also auf der einen Seite sowohl physischer Leib und Ätherleib, wie auch auf der anderen Seite astralischer Leib und Ich bis zu einem gewissen Grade im Leibe verbunden, aber sie können jetzt wohl innerhalb des Bewußtseins abstrakt getrennt werden, wie sie auch gegliedert auftreten, indem der Mensch im Denken, im Erfühlen und im Wollen eine deutliche Differenzierung des Innenwesens hat. Im Wollen ist ein starker Impuls des Ich, im astralischen Leib ist von der Seite des Ätherleibes und von der Seite des physischen Leibes herüberschlagend ein starker Impuls des Denkens und Fühlens, so daß der Mensch also schon in bezug auf Ich und astralischen Leib für sein Bewußtsein differenziert ist, während die Differenzierung des ätherischen und des physischen Leibes ihm ja gar nicht entgegentritt. Gerade aber dasjenige, was sonst naturhaft beim Menschen einen loseren Zusammenhang bildet zwischen dem ätherischen und dem astralischen Leib, das muß angedeutet werden bei der eigentlichen priesterlichen Zentralhandlung, bei dem Meßopfer und auch sonst bei priesterlichen Handlungen dadurch, daß für den Priester das Durcheinanderweben des Ätherischen und des Astralischen eigentlich immer unmittelbare Gegenwart ist. Es muß also in irgendeiner Weise angedeutet sein das Herüberwirken des astralischen Leibes in den ätherischen Leib, und das ist ja der Fall, indem der Priester die Stola trägt. Indem der Priester die Stola trägt, deutet sich in der Stola an das Verbindungsglied des astralischen und des ätherischen Leibes. Wir haben da (es wird gezeichnet) den astralischen Leib. Sehen Sie, die Verbindung mit dem Ätherischen des Kosmos, die ist gewissermaßen in sich selber eine bleibende beim Menschen von der Geburt bis zum Tode und wird nur tingiert von dem, was der astralische Leib als solcher in den ätherischen und in den physischen Leib hineinschickt, was also von menschlichen Willensemotionen, von Gefühlsinhalten ausgeht. Mit all den Willensemotionen, Gefühlsinhalten muß sich nun der Mensch in dasjenige hineinstellen, wovon ich Ihnen gestern als dem Jahreslauf gesprochen habe. Ich versuchte, Sie in Anlehnung an die Hauptfeste aufmerksam zu machen auf die verschiedene Stellung des Menschen zum Universum in seinem Innern, wenn er diese Feste in der originalen Weise begreift.
Er stellt sich dann mit seiner Stimmung in diese Feste hinein, wenn eben sein astralischer Leib entsprechend hineingestellt ist. Der astralische Leib kommt nun entsprechend zum Ausdruck bei dem Gewande, das der Priester trägt beim Meßopfer, in dem eigentlichen Meßgewande, in demjenigen, was der Hauptsache nach so gebildet ist, daß der Priester oben durchschlüpfen kann, und das dann nach vorne und rückwärts nicht ganz gleichartig in dieser Form herabhängt. Es ist das also, ich möchte sagen, das Symbolum des astralischen Leibes. Dieses Symbolum des astralischen Leibes muß also eigentlich angepaßt werden den Stimmungen, die die menschliche Seele gegenüber dem Jahreslaufe haben muß, und sie wird dadurch angepaßt, daß diesem, ich sage jetzt «astralischen Leib», die Farbenstimmung gegeben wird, die ausdrückt, wie die Seelenstimmung zu dem ganzen Zeitenverlauf in der Jahreswende, in der Jahresfolge steht. (Siehe Zeichnung Tafel 12.)
Beginnen wir da zunächst mit der Vorbereitung zum Weihnachtsfeste. Ich sage das, was ich jetzt sage, aus dem Bewußtsein heraus, aus dem es für den heutigen Menschen kommen muß. Sie werden ja in der katholischen Kirche die mannigfaltigsten Abweichungen von dem, was ich Ihnen zu sagen habe, finden, allein, das sind eben Abweichungen, die aus Mißverständnissen im Laufe der Zeit entstanden sind. Wenn wirklich die Farben der Meßgewänder aus dem Geist der übersinnlichen Welt hervorgeholt würden, so müßten sie so sein, wie ich Ihnen das jetzt zeigen will. Wir müssen also eine gewisse Stimmung haben, die die Erwartungsstimmung zum Weihnachtsfeste hin ist. Diese Stimmung kann sich farblich nur dadurch ausdrücken, daß alles dasjenige, was zum Meßgewande gehört, für diese Zeit blau ist. Wir haben also für die Adventszeit Blau. Das drückt in der Tat jene hingebungsvolle Stimmung aus, in der der Mensch dasjenige, was um ihn herum ist, nicht so fühlt, sagen wir, als wenn die Sonnenlichtkräfte aus ihm wirkten, sondern so, daß er aus der Erde wirken fühlt das ins Geistige verwandelte, von den Lichtkräften her Konservierte.
Eine der Hoffnung zugehende Stimmung wird sich aber auszudrücken haben im Weihnachtsfeste selber. Es ist das Fest der Erwartung, es ist das Fest der Hoffnung, es ist dasjenige Fest also, welches aufhellen muß, welches schwaches Licht haben muß in demjenigen, was das frühere Blau war. Wir werden daher zu Weihnachten das Meßgewand in der Farbe haben, daß wir dem Blau ein Rot beigemischt haben, in einer Art von Lila. Wir haben dann dieses Lila stufenweise heller werdend, indem wir uns hinneigen zu der Zeit, die die ersten Wochen des Jahres umfassen, und wir kommen dann in die Erwartung des Osterfestes, des Todes, wo wir das Meßgewand, um die richtige Stimmung anzudeuten, nunmehr schwarz haben. Für die Vorosterzeit ist das Meßgewand schwarz.
Wir kommen nun zur Osterzeit selber, und da wird das Meßgewand zu dem früheren Blaurot-Lila in ziemlich schroffem Übergange — gerade wie von Lila zu Schwarz ein schroffer Übergang ist — dann gelbrot.
Wir nähern uns der Pfingstzeit. In der Pfingstzeit hat das Meßgewand im wesentlichen weiß zu sein und erhält sich dann des weiteren, bis es wiederum ganz zum Blau zurückkehrt, in weißen Nuancen mit allerlei farbigen Stickereien, die da anzeigen, wie in der Sommerzeit, wo die Seele gewissermaßen mit dem Kosmos vereint ist, also die Erdenseele herabgedämpft ist, aus dem Kosmos herein die sie befruchtenden Wachstumskräfte gesendet werden. An einem richtigen Priestergewande müßte man also dasjenige im Symbolum sehen, was von den Himmeln hereingeschickt wird an Pflanzenwachstumskräften, an tierischen Wachstumskräften. Es würde das dann dem Herbste zugehend sich auszudrücken haben in demjenigen, was dem Fruchtenden der Ernte [entspricht], bis es wiederum in das Blau der Adventszeit hineinmünder.
In der Tat hat ja die katholische Kirche durchaus die rituellen Vorschriften für diese Abwechslung mit den Meßgewändern. Wenn sie anders auftreten, in anderen Farben, ist das eben nur durch ein Mißverständnis entstanden; aber im wesentlichen ist es schon so, daß das, was in der katholischen Kirche als Farbe der Meßgewänder auftritt, auf uralte Traditionen und auf uralte Schauungen zurückgeht, auf uraltes Erkennen der übersinnlichen Welt und der Beziehung des Menschen zur übersinnlichen Welt. So daß an dem Meßgewande selbst außerordentlich viel studiert werden kann, allerdings auch, wenn man die Irrtümer mit aufnimmt, sehr viel geirrt werden kann.
Wir haben also zunächst die Farbe des Meßgewandes zu berücksichtigen. Wir werden immer in einem etwas helleren Ton als das Meßgewand selbst die ja unter dem Meßgewande zu tragende Stola zu sehen haben, die über der Brust gekreuzt wird, aber im wesentlichen, da sie die Verbindung ist zwischen astralischem und ätherischem Leib, eben in einer helleren Farbe als der jahreszeitlichen des Meßgewandes. Wir haben dann, indem wir weitergehen, dasjenige zu suchen, was das Symbolum für das menschliche Ich ist. Zum Meßgewande möchte ich nur noch das sagen: Das Meßgewand ist also im wesentlichen eine Offenbarung des astralischen Leibes. Das wird, wenn man nun entweder guten alten Traditionen folgt, oder aber, wenn man direkt die Dinge hervorholt aus den geistigen Welten, auch in der Stickerei oder der sonstigen Tingierung des Meßgewandes schon durchaus zum Ausdruck kommen, sagen wir, in Goldstickerei, so daß immer auf der Vorderseite des Meßgewandes in irgendeiner Variante sich diese Figur finden wird (siehe Tafel 12, rechts oben) und auf der rückwärtigen Seite diese Figur (Tafel 12, rechts unten). Das soll andeuten, daß gewissermaßen die Strömungen aus dem Geistigen in das astralische Leben hineinragen, und der Mensch selbst — geradeso wie er die Augenachsen kreuzt, wie er die Hände falten kann, wie er mit der einen Hand die andere berühren kann — zu der Ichwahrnehmung kommt durch das Kreuzen der Kurven hier auf dem den astralischen Leib darstellenden Meßgewand.
Wenn wir nun zum Ich aufsteigen, so ist es so, daß dasjenige, was der Mensch sein Ich nennt, ja am meisten gesondert ist im menschlichen Bewußtsein; es ist so, daß der Mensch ja durch sein Ich zunächst wirklich sein besonderes Verhältnis zur Außenwelt hat, daß er dieses Verhältnis zur Außenwelt, das durch das Ich hergestellt ist, entweder bewußt herstellen kann, daß er aber auch in sein Ich sich zurückziehen kann, daß das also etwas ist, was mit dem unbewußten Wesen lose nur zusammenhängt. Daher deutet symbolisch auf das Ich alles dasjenige hin, was Außenwerk ist, also zum Beispiel die Kopfbedeckung, oder auch alles dasjenige, was der Priester nur trägt. Alles das gehört eigentlich in das Ich-Gebiet, was am Altare abgelegt werden kann, was also der Priester nur trägt, was also wirklich abgelegt oder angelegt werden kann. Es ruht in alledem, was der Priester so trägt, die Kraft des Ich; daher auch die Befehlskraft, die Gesetzeskraft, welche der kirchlichen Hierarchie inne wohnt, sich vorzugsweise in der Kopfbedeckung ausdrückt. Wenn Sie die gewöhnliche Priesterkopfbedeckung nehmen, so ist diese die unscheinbarste; gehen Sie hinauf bis zum Probst, gehen Sie hinauf bis zum Bischof, so haben Sie die Kopfbedeckung immer komplizierter werdend, und Sie haben endlich die komplizierteste Kopfbedeckung bei dem Haupte der katholischen Kirche, dem Papst, die Tiara des römischen Papstes. In der dreifachen Kopfbedeckung des römischen Papstes drückt sich aus, daß keiner ein würdiger Papst ist, der nicht dazu gekommen ist, Denken, Fühlen und Wollen von seinem Ich aus in der Gewalt zu haben, und von dieser Organisation des Denkens, Fühlens und Wollens den Erdenkreis der Christenheit zu beherrschen.
Bis ins kleinste hinein — aber das ist für uns nicht wichtig — sind ja diese Symbole, die auch in der Gewandung beim Meßopfer gebraucht werden, wichtig. Sie wissen ja vielleicht auch, daß der Priester bei anderen Zeremonien, sagen wir bei der Taufzeremonie oder sagen wir bei Begräbniszeremonien, bei den Requien — von dem allem werde ich noch zu sprechen haben — oder bei Nachmittagszeremonien, nicht das Meßgewand trägt, das im speziellen nur dienen soll der Verrichtung des Meßopfers, sondern daß er da über der Stola einen Mantel trägt, der nun auch mit einer ähnlichen Figur aufzutauchen hat, wie sie hier verzeichnet ist, die aber andeuten soll, wie dieser astralische Leib bei den anderen Zeremonien in einer anderen Weise sich verhalten soll, in anderer Stimmung ist, vor allen Dingen in einer Stimmung ist, die weniger hingebungsvoll ist, sondern die mehr segnend und dergleichen ist. Das drückt sich wiederum im besonderen Schnitt des sogenannten Vespermantels aus, der auch bei anderen Zeremonien getragen wird.
Es handelt sich nun darum, daß für den katholischen Priester ja nicht nur das Tagesbrevier vorgeschrieben ist - von dem werden wir noch zu sprechen haben -, sondern daß der katholische Priester auch, insbesondere bevor er das Meßamt zu zelebrieren hat, nachzusehen hat in dem kirchlichen Kalender, um genau festzustellen, wie er das Meßgewand nach den Signaturen, die im Sinne der kosmischen Vorgänge liegen, an den betreffenden Tagen zu tragen hat. Selbstverständlich ist es in armen Kirchen nicht möglich, jeden Tag oder schon für jede Woche das Meßgewand zu ändern, es könnte aber da die Änderung des Meßgewandes sich richten nach den jeweiligen Konstellationen der Gestirne; es könnte durchaus für jeden Tag ein variiertes Meßgewand verwendet werden nach dem kirchlichen Kalender, der im wesentlichen nach katholischer Auffassung die Konstellation der Gestirne, der Sonne und des Mondes uns gibt.
So gekleidet also zelebriert der Priester das Meßopfer. Ich habe Ihnen die Struktur des Meßopfers in seinen vier Hauptteilen bereits auseinandergesetzt. Ich erwähne ausdrücklich, daß diese vier Hauptteile bei dem katholischen Meßopfer umrankt sind von einer Fülle von anderen gebetartigen oder zeremoniellen Verrichtungen, von denen ich später sprechen werde. Ich werde heute zunächst über die zwei ersten Hauptteile des Meßopfers zu sprechen haben, über die Lesung des Evangeliums, die Verkündigung der frohen Botschaft und über das Offertorium.
Nachdem also vorbereitende Gebete verrichtet sind — wie gesagt, über die wir noch zu sprechen haben werden —, betritt der Priester die linke Seite des Altares und hat dann von der linken Seite des Altares aus die Messe zu lesen.
Es gibt auch da wiederum Unterschiede. Die gewöhnliche Tagesmesse wird verhältnismäßig kürzer als die hochfeierliche Messe verrichtet. Die hochfeierliche Messe hat dann noch Eingliederungen, aber jede Messe hat die vier Teile, von denen ich jetzt sprechen werde, mit Vorgebeten, mit Gebeten, die zwischen diesen Hauptteilen liegen, oder auch mit zeremoniellen Handlungen, die vorher oder in der Mitte liegen. Wir müssen uns aber zuerst durchaus mit dem Wesen dieser Hauptteile bekanntmachen.
Ich möchte also zunächst so, wie man im allgemeinen es heute unmittelbar aus der geistigen Welt heraus ermöglichen kann, Ritualien zeigen — ich betone, daß ich auch da wiederum nicht behaupte, daß diejenigen, die ich zeigen werde, vollkommen sind -, aber sie sollen so, wie es mir eben möglich war, gegeben werden, indem ich zuerst das vor Ihnen vorbringen werde, was unmittelbar heute aus der geistigen Welt heraus geschöpft werden kann.
Nachdem also Vorgebete und Vorzeremonien verrichtet worden sind, wird an der linken Seite des Altares das Evangelium des Tages gelesen. Wie das Evangelium nach einem solchen Kalender, von dem ich Ihnen gesprochen habe, wiederum auf den Tag fällt, davon werden wir noch kurz in den nächsten Tagen einiges sprechen. Indem also der Priester sich anschickt, das Evangelium zu lesen, hätte er etwa folgendes zu sprechen, entweder still, bei sogenannten stillen Messen, die ja von jedem Priester an jedem Tag gelesen werden müssen, oder auch indem rezitiert wird oder auch indem mit Gesang und Musik die Sache durchtönt wird bei hochfeierlichen Messen. Ich werde nun nur mitzuteilen haben, was der Inhalt zu sein hat. Der Priester wird also zunächst sprechen, indem er sich anschickt zur Evangliums-Lesung:
Mein Herz erfülle sich mit Deinem reinen Leben, O Christus.
Meinen Lippen lasse Du entströmen das durch Dich gereinigte Wort.
Denn wenn Deine Gnade mich erwürdigt, kann rein
mein Herz, rein mein Wort sein.
So lebe auf meinen Lippen würdig Dein Wort und dringe
von Deinem Geist getragen zu denen, welchen es verkündiget werden soll. Dein Segen, O Christus, ströme lebend durch das Wort. Du mögest sein in meinem Herzen. Dein Wort möge entströmen meinen Lippen. So wird aus würdiger Quelle und in rechtem Strome Dein Evangelium verkündet.
Der Priester hat ja die Ministranten mit am Altar, die Diener des Meßopfers. Dasjenige, was ich jetzt eben gesprochen habe, spricht der Priester allein. Das, was ich nun zu sprechen habe, ist ein Wechselgespräch zwischen dem Priester und dem Ministranten — in der Regel, wenn es sich um zwei handelt, zwischen ihm und dem an der rechten Seite des Altares stehenden, während der an der linken Seite stehende mehr eine stumme Rolle zu spielen hat. Der Priester spricht nun:
Christus in euch.
Bei katholischen Messen ist es nicht so, [sondern da heißt es:] Dominus vobiscum — der Herr sei mit euch. Das ist etwas, was schon aus einem Mißverständnis des Rituals entspringt, denn dadurch wird die Messe nicht zum christlichen Opfer, sondern zu einem Opfer für den Vater. Also der Priester hätte zu sprechen:
Christus in euch.
Und der Ministrant:
Und Deinen Geist erfülle Er.
Der Priester spricht:
Es wird nun verkündet das Evangelium des Markus, Matthäus, Johannes, Lukas, Kapitel soundsoviel.
Der Ministrant spricht, nachdem diese Ankündigung vom Priester gesagt wurde:
Es offenbare sich durch Dich, O Christus.
Nun, dasjenige, was ich jetzt gesagt habe, wird so gesprochen, daß die ersten Worte «Mein Herz erfülle sich ...» bis «... Dein Evangelium verkündet» von dem Priester gesprochen werden mit dem Blick zum Altar, das Wort «Christus in euch» mit dem Blick zur Gemeinde, und das Wort «Es wird nun verkündet das Evangelium Markus ...», indem der Priester sich aber immer zwischendurch umwendet. Der Priester wendet sich nun wiederum um und tritt an die eigentliche Lesung des Evangeliums heran. Vorher aber wendet er sich zu der Gemeinde. Es ist im Katholischen heute so Sitte, daß der Priester oftmals mit zum Altar geneigtem Antlitz — besonders bei stillen Messen — das Evangelium liest, Dem eigentlichen Sinn entspricht es allerdings, wie es auch bei den hochfeierlichen Messen getan wird, daß der Priester das Evangelium wenigstens halb zu der Gemeinde gewendet liest.
Der Ministrant spricht, nachdem das Evangelium gelesen ist:
Wir erheben unsere Seele zu Dir, O Christus.
Der Priester spricht:
Das Wort des Evangeliums löschet aus, was unrein in unserem Worte lebt. —
Damit würde die Zeremonie des Evangelium-Lesens erfüllt sein. Es ist schon durchaus so, daß das Evangelium eigentlich nicht gelesen werden sollte ohne dasjenige, was hier der Lesung vorangegangen ist und das, was der Lesung gefolgt ist. Denn das Evangelium soll in würdiger Weise mit entsprechender Stimmung gelesen werden. Das soll eben dadurch geschehen, daß der Priester sich durch die entsprechenden Worte erwürdigt, das Evangelium zu lesen.
Nun sind einige Zwischengebete und Zwischenzeremonien, von denen ich noch zu sprechen haben werde, und dann folgt der zweite Hauptteil der Messe, die Opferung, das Offertorium.
Von dem Wesen des Opfers haben wir ja gesprochen, und es wird Ihnen in der Opferhandlung selbst dieses Wesen sich offenbaren, wenn ich es Ihnen nun mitteilen werde. Es besteht zunächst dieses Opfer darin, daß Wein und Wasser dargebracht werden als Opfer, indem sie gemischt werden, und daß dasjenige, was hineingesprochen wird in das Mischen von Wein und Wasser, versetzt wird, also als Wort versetzt wird mit den Wellen der Rauchwolken, die aus dem Räuchergefäße ausströmen und die hinauftragen sollen dasjenige, was in den Worten des Opfers liegt, in die Höhen, damit herunterdringe die Gnade. Eine solche richtige Meßopferhandlung, ein Meßoffertorium, würde dann in der folgenden Weise zu verlaufen haben: Zunächst wird der Priester den Kelch, der zunächst mit einem kleinen teppichartigen Ding zugedeckt ist, abdecken und wird dem abgedeckten Kelch gegenüber — so ist es richtig — zu sprechen haben:
Empfange, göttlicher Weltengrund, webend in Raumesweiten und in Zeitenfernen, dieses Opfer, durch mich Dein unwürdiges Geschöpf, Dir gebracht.
Also das Opfer wird dem Weltengrunde, dem väterlichen Prinzip gebracht: Empfange, göttlicher Weltengrund, der du bist webend in Raumesweiten und in Zeitenfernen, dieses Opfer durch mich, Dein unwürdiges Geschöpf, Dir dargebracht.
Ich bringe es, weil zu dir auch geflossen sind meine Abirrungen von Dir, meine Verleugnungen Deines Wesens, meine Schwächen. Mit mir bringen es alle, die hier weilen. Mit mir mögen es bringen alle wahren Christen, die geboren sind. Mit mir mögen es bringen alle, die verstorben sind. Auf daß sie nicht begraben ihr Ewiges um ihres Zeitlichen willen. Ja, so sei es.
Nun, nachdem der Ministrant [die Gefäße] herbeigebracht hat, in denen also in dem einen Wasser und in dem anderen Wein ist, und nachdem der Priester aus dem einen Wasser und aus dem anderen Wein in den Kelch gegossen hat, wird während dieses Mischens von Wasser und Wein im Kelch gesprochen:
Göttlicher Weltengrund, der gefügt hat aus seinen Wesensgliedern der Menschheit Wesen in dem Übersinnlichen, und der Du verwandelt hast das Gefügte, zu Dir wende sich mein Wollen; es entspringe dieses Wollens Kraft aus einem Fühlen, das sich eint
— nun ist die Mischung fertig; das folgende wird, nachdem schon gemischt ist, gesprochen —
mit Christus, der da lebt in Deinem Leben und es lebe mein Denken in des heiligen Geistes Leben durch alle folgenden Erdenkreise.
Dieses «per omnia saecula saeculorum» [der katholischen Messe] ist ja immer eigentlich zu ersetzen [durch die Worte] «durch alle folgenden Erdenkreise,» also alle folgenden Erdenzyklen, alle folgenden Zeitenzyklen.
Nunmehr wird der Kelch erhoben, was das eigentliche Symbolum des Opfers ist. Die gläubige Gemeinde sieht die Erhebung des Kelches, und während der Erhebung des Kelches werden die Worte gesprochen:
Dir sei geopfert, o Weltengrund, dieser Trank der Gesundheit. Er belebe das Gute, auf daß auch zu den Himmeln sich heben kann, was zur Erde gefallen ist. Der Wohlgeruch steige auf, wie dies gottgewollte Wesen abgestiegen ist. Ja, so sei es.
Der Kelch wird auf den Altar gestellt. Es wird nun die Räucherung des Kelches vorbereitet. In der katholischen Messe wird das [so gemacht, daß es] in zwei Handlungen zerfällt, was aber eigentlich, soviel ich sehen kann, nicht sinngemäß ist, [es wird da] zuerst der Kelch und dann der Altar beräuchert. Aber wie gesagt, ich kann nicht sehen, daß das sinngemäß ist. Bevor die Beräucherung geschieht, wird noch das folgende gesprochen:
Wir alle nahen Dir mit der Seele, o Christus, auf daß Du uns mit Dir opferst und unserem Tage Dein Licht scheine, und Du uns annehmen mögest. Komme zu uns, Geist der Raumesweiten und der Zeitenfernen und heilige unser Opfer mit Deinem heiligen Wesen. Unser Urständen im Geiste möge den Rauch erfüllen mit segnendem Geiste, dadurch daß Christus lebet in unserem Beten. Ja, so sei es.
Nun wird vom Ministranten das Rauchfaß genommen, es wird geräuchert; während der Räucherung wird nun dasjenige Wort gesprochen, das eigentlich von dem Rauch aufgenommen und nach oben getragen werden soll:
Christus in uns. Aus durchchristeter Seele steige der Rauch empor und zu uns steige hernieder Deine Gnade. Christus in uns. Christus in unserem Gebet. Unser Gebet sei für Dein Ohr.
Die Gläubigen haben im folgenden mit dem Priester die Hände zu heben.
Christus in unserem Händeheben. Des Christus Licht in unserem Tageslicht.
Nach dem Herunterfallen der Hände:
Vor meinem Munde sei die Schwelle behütet; eine Mauer hindere meine Irrung, um mich zu strömen. Alles Böse sei meinen Worten entnommen und guter Wille ergieße sich in sie.
Während dieser Worte wird fortwährend geräuchert. Nach diesen Worten wird das Räucherfaß dem Ministranten gegeben und vom Altare weggetragen. Gewöhnlich hat der Priester dann noch hinunterzusteigen, um sich umzuwenden und auch der gläubigen Gemeinde zuzuräuchern. Dann wird das Rauchfaß abgegeben, dann hat der Priester zu sprechen wie einen Nachklang das Gebet:
In dem Opfer entstehe das Feuer der wesenschaffenden Liebe und die Flamme erzeuge zeitloses Sein, auf daß das Gute bestehe. Ja, so sei es. —
Das etwa ist — soweit ich vermag, dasjenige zu geben, meine lieben Freunde, was heute zu geben ist, wenn es sich darum handelt, wie man es heute etwa finden kann aus geistigen Welten — das, was als Evangelium-Lesen und als Opferhandlung verrichtet werden soll.
Ich möchte aber, daß Sie immer auch mit dem Traditionellen bekannt werden, und deshalb möchte ich Sie noch bekanntmachen mit demjenigen, was ich auf Anregung unseres lieben Freundes, des Pfarrers Schuster, versucht habe als Übersetzung des Meßrituals,1 aber mit geisteswissenschaftlichen Untergründen, was da auf diese Art zustandegekommen ist. Wenn man also das traditionelle Meßritual übersetzt, aber so, daß nun nicht hergegangen und lexikographisch übersetzt wird, sondern so, daß zunächst dasjenige, was nun wirklich als Wortvaleur und als Seeleninhalt im Text liegt, zustandekommt, da würde es sich darum handeln, daß vor dem Evangelium etwa ausgesprochen wird:
«Reinige mir das Herz und die Lippen, allmächtiger Gott, der die Lippen des Propheten Jesaias mit einem glühenden Steine gereinigt hat: reinige so durch Deine mitfühlende Gnade mich, daß ich Dein heiliges Evangelium würdig verkünden kann. Durch Christus, unseren Herrn. Ja, so sei es. O Herr, ergieße Deinen Segen. Der Herr sei in meinem Herzen und auf meinen Lippen: auf daß ich würdig und, wie es recht ist, sein Evangelium verkünde. Ja, so sei es.»
Der Priester spricht:
«Der Herr erfülle euch.»
Der Ministrant spricht:
«Und deinen Geist erfülle er.»
Der Priester spricht:
«Es folgt aus dem Evangelium des heiligen Markus, Matthäus, Johannes, Lukas.»
Der Ministrant spricht darauf:
«Es offenbare sich durch Dich, O Herr.»
Das Evangelium des Tages wird gelesen. Nach der Lesung spricht der Ministrant:
«Du seiest gelobt, O Christus.»
Der Priester darauf:
«Durch die Worte des Evangeliums seien unsre Verderbtheiten ausgetilgt.»
Das also, meine lieben Freunde, was Sie jetzt gehört haben, würde aus dem heutigen Zeitbewußtsein heraus eben zu lauten haben in der Vorbereitung:
Mein Herz erfülle sich mit Deinem reinen Leben, o Christus.
Es kann nicht, wenn man das heutige Zeitbewußtsein in sich aufnimmt, im christlichen Sinne gesagt werden: «Reinige mir das Herz und die Lippen, allmächtiger Gott.» Ich habe Sie deutlich auf die Gründe gestern nachmittag hingewiesen. Also:
Mein Herz erfülle sich mit Deinem reinen Leben, O Christus. Meinen Lippen lasse Du entströmen das durch Dich gereinigte Wort. Denn wenn Deine Gnade mich erwürdigt, kann rein mein Herz, rein mein Wort sein. So lebe auf meinen Lippen würdig Dein Wort und dringe von Deinem Geist getragen zu denen, welchen es verkündiget werden soll. Dein Segen, O Christus, ströme lebend durch das Wort.
Es kann nicht heißen «Ergieße Deinen Segen, O Herr», es kann auch nicht weiter heißen «Der Herr sei in meinem Herzen und auf meinen Lippen», sondern es muß heißen:
Du mögest sein in meinem Herzen. Dein Wort möge entströmen meinen Lippen. So wird aus würdiger Quelle und in rechtem Strome Dein Evangelium verkündet. Ja, so sei es.
In der richtigen Auffassung des Christentums kann es nicht heißen «dominus vobiscum», sondern [es muß heißen]:
Christus in euch.
Der Ministrant:
Und Deinen Geist erfülle Er.
Der Priester:
Es wird nun verkündet das Evangelium ...
Der Ministrant:
Es offenbare sich durch Dich, O Christus.
Das katholische Meßamt hat noch im Ritual: «Es offenbare sich durch Dich, o Herr»; das sind die Anklänge aus der alten Zeit, die eben doch nicht wirklich christlich verstanden sind.
Es folgt die Lesung des Evangeliums. Nach der Lesung des Evangeliums haben wir, wenn wir den Text ordentlich übersetzen, zu sagen:
«Du seiest gelobt, O Christus.»
Aber es liegt in diesen Worten eigentlich das drinnen:
Wir erheben unsere Seele zu Dir, O Christus.
Der Priester spricht darauf:
Das Wort des Evangeliums löschet aus, was unrein in unserem Worte lebt.
Im katholischen Text heißt es:
«Durch die Worte des Evangeliums seien unsre Verderbtheiten ausgetilgt.»
Das Offertorium würde in der katholischen Liturgie die Worte haben:
«Empfange, O heiliger Vater, allmächtiger, zeitloser Gott, diese reine Gabe, welche ich, dein unwürdiger Schüler, dir darbringe, dir, meinem lebendigen und wahren Gotte, für meine unzählbaren Vergehen und Beleidigungen und Nachlässigkeiten und für alle Anwesenden, aber auch für alle gläubigen Christen, die da leben und die verstorben sind: damit sie mir und ihnen zum Heile gereiche für das dauernde Leben. Ja, so sei es.»
Wir haben dafür die Worte, weil die Worte ja so sein müssen — sie offenbaren sich auch so - in dem Sinne, daß das Opfer dargebracht wird dem Vater, dem Weltengrund:
Empfange, göttlicher Weltengrund, webend in Raumesweiten und in Zeitenfernen, dieses Opfer, durch mich Dein unwürdiges Geschöpf, Dir gebracht. Ich bringe es, weil zu Dir auch geflossen sind meine Abirrungen von Dir, meine Verleugnungen Deines Wesens, meine Schwächen.
Lese ich unmittelbar das Übersinnliche, meine lieben Freunde, so muß ich lesen:
Ich bringe es, weil zu Dir auch geflossen sind, meine Abirrungen von Dir, meine Verleugnungen Deines Wesens, meine Schwächen.
Lese ich den traditionellen Text, so muß ich lesen:
«... welche ich, dein unwürdiger Schüler, dir darbringe, dir, meinem lebendigen und wahren Gotte, für meine unzählbaren Vergehen und Beleidigungen und Nachlässigkeiten.»
Und ebenso ist es mit dem folgenden. Im ursprünglichen Text:
«... und für alle Anwesenden ...»
in dem Text, der heute gegeben werden kann:
Mit mir mögen es bringen alle wahren Christen, die geboren sind.
Dann im alten Text:
«... aber auch für alle gläubigen Christen, die da leben und die verstorben sind:»
und im neuen Text:
Mit mir mögen es bringen alle, die verstorben sind.
Im alten Text:
«... damit sie mir und ihnen zum Heile gereiche für das dauernde Leben.»
Im neuen Text:
Auf daß sie nicht begraben ihr Ewiges um ihres Zeitlichen willen.
Dieser Vers hängt eben zusammen mit dem ganzen Verständnis, das wir heute haben müssen, in dem Sinne, wie das gestern ausgesprochen worden ist. Bei der Mischung des Weines und des Wassers würde es im alten Text heißen:
«Gott, der Du der Menschheit Wesenheit in wunderbarer Art zusammengesetzt und in noch wunderbarerer Art umgewandelt hast: gib uns durch des Wassers und Weines Geheimwesen die Gemeinschaft des göttlichen Seins mit dem, der sich zum Teilnehmer unserer Menschenwesenheit gemacht hat, Jesus Christus, deines Sohnes, unseres Herrn, der mit dir lebt und regiert in Einheit mit dem Gotte des heiligen Geistes durch aller Zeitenläufe Wiederholungen. Ja, so sei es.»
Heute heißt es:
Göttlicher Weltengrund, der gefügt hat aus seinen Wesensgliedern der Menschheit Wesen in dem Übersinnlichen, und der Du verwandelt hast das Gefügte, zu Dir wende ich mein Wollen; es entspringe dieses Wollens Kraft aus einem Fühlen, das sich eint mit Christus, der da lebt in Deinem Leben und es lebe mein Denken in des heiligen Geistes Leben durch alle folgenden Erdenkreise.
Bei der Erhebung des Kelches, also bei der Opferung, im alten Text:
«Wir opfern Dir, o Herr, den Kelch der Heilung, flehend zu deiner Güte: daß er für dein göttlich erhabenes Herabblicken zu unserer und zu der ganzen Welt Heilung mit sanftem Wohlgeruch sich erhebe. Ja, so sei es. Im Geiste der Hingabe und mit ihrer Schwäche bewußter Seele nahen wir uns Dir, o Herr, und es dringe das Opfer unseres Tages in deine Wahrnehmung so, damit dir es gefällt, du göttlicher Herr. O komme, Bringer der Heilung, allmächtiger zeitloser Gott: und gebe deinen Segen diesem Opfer, das bereitet wird deiner heiligen Wesensoffenbarung. Durch die Vermittelung des seligen Erzengels Michael, der da steht zur Rechten der Opferstätte, und Aller, die er zu sich als Folger zählet, möge der Herr den Opferrauch mit seinem Segen beschenken und entgegennehmen in sanftem Geruche, durch Christum, unseren Herrn. Ja, so sei es.»
Dann folgt die Beweihräucherung des Kelches. Ich will zunächst dasjenige, was hier bei der Erhebung des Kelches gesprochen wird, sagen:
Dir sei geopfert, o Weltengrund, dieser Trank der Gesundheit. Er belebe das Gute, auf daß auch zu den Himmeln sich heben kann, was zur Erde gefallen ist. Der Wohlgeruch steige auf, wie dies gottgewollte Wesen abgestiegen ist, Ja, so sei es. Wir alle nahen Dir mit der Seele, o Christus, auf daß Du uns mit Dir opferst und unserem Tage Dein Licht scheine, und Du uns annehmen mögest. Komme zu uns, Geist der Raumesweiten und der Zeitenfernen und heilige unser Opfer mit Deinem heiligen Wesen. Unser Urständen im Geiste möge den Rauch erfüllen mit segnendem Geiste, dadurch daß Christus lebe in unserem Beten. Ja, so sei es.
Es wird nun bei der Beräucherung des Kelches gesprochen im alten Text:
«Durchdrungen von deinem Segen, o Herr, steige empor, dieser Opferrauch, zu dir, und es steige nieder über uns deine huldvolle Gnade.»
Und dann bei der folgenden Beräucherung des Altars:
«Bewirke, O Herr, daß durch mein Gebet, das dem Opferrauch gleich in dein Anschauen eintrete: das Aufheben meiner Hände ein Opfer des vollendeten Tages sei. - Setze, o Herr, einen Hüter vor meinen Mund und einen Wall rings um meine Lippen: daß mein Herz nicht in bösen Worten sich ergieße, und verfallen möchte in Entschuldigungen meiner Verfehlungen.»
Da haben wir dasjenige, was nun [nach dem neuen Text] zu sprechen ist während der Beräucherung des Kelches:
Christus in uns
oder, wenn eine stille Messe gelesen wird:
Christus in mir. Aus durchchristeter Seele steige der Rauch empor und zu uns - oder zu mir - steige hernieder Deine Gnade, Christus in uns. Christus in unserem Gebet. Unser Gebet sei für Dein Ohr. Christus in unserem Händeheben. Des Christus Licht in unserem Tageslicht. Vor meinem Munde sei die Schwelle behütet; eine Mauer hindere meine Irrung, um mich zu strömen. Alles Böse sei meinen Worten entnommen und guter Wille ergieße sich in sie.
Das Rauchfaß wird weggenommen und das Gebet, das da zu sprechen ist, ist im alten Text:
«Es entflamme der Herr in uns das Feuer seiner Liebe und die Flamme der zeitlosen Güte. Ja, so sei es.»
Neuer Text:
In dem Opfer entstehe das Feuer der wesenschaffenden Liebe und die Flamme erzeuge zeitloses Sein, auf daß das Gute bestehe. Ja, so sei es. —
Im Grunde gehört ja der Text, den ich Ihnen als den alten Text vorgelesen habe, durchaus zu dem Credo, das zwischen Evangelium und Offertorium im christlichen Meßopfer eingefügt wird als das Absagen des Glaubensbekenntnisses. In der Tat, die Stelle ist durchaus richtig, es handelt sich schon darum, daß an dieser Stelle, zwischen dem Evangelium und dem Offertorium, eingefügt wird das Credo. Nur müssen wir über das Credo an den weiteren Tagen noch sprechen. Heute wird es sich nur darum handeln, daß ich Sie mit dem Credo bekanntmache, das zu diesem alten Text, den ich vorgelesen habe, gehört. Dieses Credo lautet:
«Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, der Himmel und Erde gemacht hat, und auch alles Sichtbare und Unsichtbare. Und an den Einen Herrn Jesum Christum, den vereint geborenen Sohnesgott. Der auch aus dem Vater hervorging vor allen Zeitläuften. Der da ist Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott. Abstammend, doch nicht hervorgebracht, Einer Wesenheit mit dem Vater: durch den alles gemacht ist. Der für uns Menschen und wegen unsrer Heilung aus den Himmeln herabgestiegen ist. Der auch in das Fleisch gekommen ist von dem heiligen Geist aus der Jungfrau Maria, und der Mensch geworden ist. Der auch für uns gekreuzigt worden ist: unter Pontius Pilatus, der gestorben und begraben worden ist. Und der am dritten Tage auferstanden ist im Sinne der Schriften. Und der in den Himmel wieder erhoben worden ist, der zur Rechten des Vaters sitzet, und sich wieder offenbaren wird, zu richten die Lebenden und die Toten, dessen Reich endlos ist. Und an den heiligen Geist, den Herrn und Leben-Erwecker: der aus dem Vater und dem Sohne hervorgegangen ist. Der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und geoffenbart wird, der geredet hat durch die Propheten. Und an die Einzige heilige katholische und apostolische Kirche. Ich bekenne mich zu einer Taufe zur Austilgung der Verkehrtheit. Und ich hoffe auf die Auferstehung der Toten und auf ein Leben in künftigen Zeitkreisen. Ja, so sei es.»
Der Priester spricht, nachdem er das Credo gesprochen hat:
«Dominus vobiscum — der Herr erfülle euch.»
der Ministrant:
«Und deinen Geist erfülle er.»
Der Priester spricht:
«Oremus — beten wollen wir.»
Nun folgt das Gebet.
Das, meine lieben Freunde, ist nötig, daß Sie den Zusammenhang der ganzen alten Opferhandlung mit diesem Credo erfassen, damit Sie sehen werden, wie es allerdings nötig ist, für das moderne Bewußtsein in einer ursprünglichen Art an die Opferhandlung heranzukommen. Wir werden uns nun morgen zu beschäftigen haben mit dem Ritual der Wandlung und der Kommunion.
-
Die Übertragung des katholischen Meßriwuals ist im folgenden in Anführungszeichen «» gestellt. ↩