The Founding of the Christian Community
GA 344 — 9 September 1922, Dornach
Vierter Vortrag
Meine lieben Freunde! Es wird sich darum handeln, daß wir uns heute über manches klar werden, was Sie selber in Ihrer Seele fest leben lassen müssen, und daß wir auf der anderen Seite eine Art Zentralgewalt herausfinden, wenigstens im Prinzip, wenn vielleicht auch heute dabei das Persönliche nicht abgemacht werden kann. Ich möchte zunächst hervorheben, daß heute gewöhnlich solche Dinge wie das [Gelöbnis], von dem ich hier zu sprechen habe, falsch aufgefaßt werden. Sie werden so aufgefaßt, als ob es sich handeln würde um ein Gelöbnis, das man irgend jemandem macht. Solche Auffassungen sind ja namentlich durch die katholische Kirche und durch die Freimaurerorden gekommen, die diese Dinge immer falsch aufgefaßt haben und umso mehr falsch aufgefaßt haben, je mehr die Zeit fortgeschritten ist und für das ganze Sein des Menschen andere Bedingungen eingetreten sind, als es für frühere Zeiten der Fall war. Heute ist es ja nur möglich, solche Dinge [wie die Angelobung], die ich hier in einer Formel zu geben habe, als eine Art Auseinandersetzung mit sich selbst aufzufassen, als etwas, das man sich in die Seele schreibt, wenn man eine so wichtige Mission übernimmt, wie Sie sie übernehmen wollen. Es wird notwendig sein, daß der, der sich in diese Mission hineinstellt, auch tatsächlich vor denjenigen, die mit ihm gehen, eine solche Sache bekundet, damit jeder, der mitgeht, weiß, mit wem er zusammengehört. Und so handelt es sich darum, daß diese Art Gelöbnis, das man sich selbst gegenüber ablegt, die Dinge enthält, die der geistigen Welt gegenüber heute notwendig sind.
Das erste ist, daß es dasjenige enthalten muß, was man als sein Angehörigkeitsgefühl gegenüber der geistigen Welt sich klarlegen soll. Und da handelt es sich darum, daß für den, der so wirken will wie Sie, dieses Wirken durchaus spirituell anknüpfen muß an die Gestalt des Christus und an das Ereignis von Golgatha, in der Art, daß die geistige Natur des Geschehens von Golgatha auch wirklich anerkannt wird und daß man die ganze Wirksamkeit, die man entfaltet, im Grunde genommen entfaltet als ein Ausführer desjenigen, was durch das Mysterium von Golgatha in die Menschheitsordnung eingefügt worden ist. Man muß schon dazu kommen, den gegenwärtigen und den zukünftigen Sinn der Erdenentwickelung anzuerkennen als herkommend von dem Mysterium von Golgatha.
Nun ist aber noch ein anderes wichtig. Es ist wichtig, daß man eine solche Sache nicht bloß persönlich oder im engeren Sinne menschlich auffaßt, sondern daß man sie auffaßt als etwas, das man vor der ganzen Welt, also auch vor den höheren Hierarchien bekennt, und daß man mit den realen Folgen sich abfindet, daß man also dasjenige in spiritueller Weise voll anerkennt, was die katholische Kirche - allerdings in veräußerlichter Weise — ja anerkennt. Sie hat ja alles veräußerlicht und für alles auch die äußeren Formen nur behalten, aber immerhin, die äußeren Formen werden von der Kirche, wenn auch nicht von dem einzelnen Priester, anerkannt. Das zeigt sich zum Beispiel darin, daß dem, der aus dem Priesterstande der katholischen Kirche austritt, weggekratzt wird die Haut von den Fingern, mit denen er die geweihte Hostie berührt hat.
Dann ist es natürlich nötig, daß man die wichtigsten moralischen Eigenschaften in fortdauernder Übung in sich wach erhält, weil nur unter dem Einfluß dieser moralischen Eigenschaften ein wirkliches Wirken aus der geistigen Welt heraus möglich ist.
Das ist das, was die Formel, die ich Ihnen vorzulegen habe, besagt. Sie sagt es in der Form, in der, ich möchte sagen, der Kultus der geistigen Welt wirklich in Menschenworten sich aussprechen läßt. Ich bemerke ausdrücklich, daß es dem ganzen Geiste nach, in welchem ich zu dieser Bewegung stehe, entspricht, daß ich Ihnen diese Formel vorlege. In welcher Form Sie sie dann aktivieren, daß heißt, in welcher Form Sie dann in Gemeinsamkeit sich ein solches Gelöbnis machen - aber so, daß die anderen dabei sind -, das wird dann von Ihnen abhängen. Es muß das schon festgehalten werden, daß ich die Stellung zu dieser Bewegung immer beibehalte, die ich anfangs präzisiert habe, daß ich also für die äußeren Einrichtungen überall ratend da sein kann, daß aber das, was geschehen soll, aus Ihrem eigenen Kreise hervorgehen soll. Das ist nicht deshalb, weil ich ein Verantwortlichkeitsgefühl ablehnen will, denn ein solches ist ja auch verbunden mit den Ratschlägen, die ich gebe; sondern es ist deshalb, weil es sich wirklich darum handelt, nachdem diese Bewegung einmal begründet ist, sie als solche selbständig zu halten, so daß sie ganz gewiß die innigsten Beziehungen haben kann zur anthroposophischen Bewegung, trotzdem aber auf sich stehen muß und nicht etwas sein soll wie etwa ein Zweig oder ein Ast der anthroposophischen Bewegung. Und auch die anthroposophische Bewegung muß, weil sie ja ihrem ganzen Wesen nach eine Erkenntnisbewegung bleiben muß, von einer Religionsbegründung absehen und sich auch wiederum selbständig halten gegenüber dieser religiösen Bewegung. Die Beziehungen können die innigsten sein, alles kann miteinander getragen und ausgetauscht werden, aber nach gewissen Linien hin muß doch diese Scheidung durchaus da sein.
So werde ich Ihnen zunächst einmal diese Angelobeformel vorlesen. Sie können sich dann selbst dazu äußern, wenn irgend etwas darin Ihnen nicht klar ist, aber eine wesentliche Änderung wird von mir nicht angeraten werden können.
«Mein Ich will ich in aktiver Sehnsucht lenken nach dem Arbeiten aus der geistigen Welt heraus.
In Christus und in dem Ereignis von Golgatha will ich zu erkennen suchen, wie ein höchstes Geistiges in die Tatsachen des Erdenlebens hereinlebt.
In der Anerkennung dieses Hereinlebens will ich das Sinngebende für meine Wirksamkeit finden.
So will ich mich einfügen in die Menschenordnung.
Mein Ich selbst soll nur sich sinnvoll fühlen in einer solchen Einfügung.
Ich will anerkennen, daß ein Abirren von diesem Wege den Verfall meines Ich an böse Mächte der Welt bedeutet.
Ich will, weil sie den Weg bereiten zu solcher Abirrung, stets bekämpfen die Anwandlungen
persönlicher Eitelkeit und Ehrgeizes
innerer Unwahrhaftigkeit der Seele
zornmütige(r) Impulse, welche die Seele sich selbst entfremden.
Ich will fortwährend das Bewußtsein in mir erneuern, daß ich mit allem, was ich tue, vor Gottes Schauen wandle.
Dies als Inhalt meines Bewußtseins anzuerkennen und zu pflegen gelobe ich
vor dem Vatergott, der da sei in mir
vor dem Sohnesgott, der da schaffe in mir
vor dem Geistgott, der da erleuchte mich.»
Dies enthält alles das, was, wenn Sie es sich immer wieder erneut zum Bewußtsein bringen, die Wegrichtung angibt, die Sie sich selbst vorzeichnen müssen, wenn Sie sich richtig verstehen, um in die Bewegung, die Sie wollen, sich hineinzufinden. Nun wird es natürlich von Ihnen abhängen, in welcher Form Sie das ausführen. Bevor wir dazu schreiten, möchte ich noch sagen, daß ich mir viel habe durch die Seele ziehen lassen die Angelegenheit der Zentralgewalt, und daß ich meine, daß es nach den Antezedenzien, die vorliegen, das beste wäre, wenn sozusagen der Rumpfvorstand, der zurückgeblieben ist, sich von sich aus ergänzen würde. Es ist ja so, daß im Anfang einer solchen Richtung alles, was geschieht, eigentlich in vollem Einklange mit allen einzelnen geschehen müßte. Es sollte nichts geschehen, womit nicht der einzelne einverstanden ist. Aber auf der anderen Seite kann es sich wiederum nicht um Abstimmungen handeln, sondern nur darum, daß eine selbstverständliche Übereinstimmung stattfindet, daß man einfach weiß, was man nach dieser Richtung hin will. Denn Abstimmungen sind ja oftmals auch nichts anderes als etwas höchst Erzwungenes, während das, was gewissermaßen den anderen in der Seele abgeschaut wird, eigentlich das Richtige ergeben kann. Wiederum muß ich es Ihnen überlassen, mit diesem Rate zu machen, was Sie daraus zu machen gedenken.
Nun ist einiges weitere zu sagen. Es handelt sich darum, daß auch eine gewisse Mauer geschaffen werde dagegen, daß derjenige, der einmal in den Kreis Ihrer Seelenhirten aufgenommen ist, ohne weiteres diesen Kreis wieder verlassen kann. Es ist wirklich so, daß in einer solchen Gemeinschaft kein Gedeihen sein kann, wenn die Menschen eintreten und wieder austreten. Daher waren natürlich in den Zeiten, bevor der Liberalismus das Geistesleben geknechtet hat, in allen solchen Gemeinschaften die Möglichkeiten vorhanden, eine Jurisdiktion auszuüben gegenüber denjenigen, die abtrünnig geworden sind. Die etwas anders empfundenen älteren Formen können wir heute nicht mehr anwenden, und daher muß, da ja überhaupt diese ganze Begründung etwas Neues ist, auch hierfür eine neue Form gefunden werden. Diese Form kann kaum in etwas anderem bestehen als darin, daß, wenn nun der Zentralvorstand gebildet ist, diesem Zentralvorstand das Spezialgelöbnis gegeben wird, daß in dem Falle, daß man austritt, man unter allen Umständen selber moralisch das anerkennt, was der Vorstand beziehungsweise ein weiterer Kreis als Urteilsspruch über den Austritt verfügt.
Damit im Zusammenhang sollte natürlich auch hier gleich am Anfang unseres Wirkens die Frage entschieden werden, wie wir die Hierarchie selbst gestalten. Da Sie bis jetzt nicht sehr viele sind, so wäre es natürlich durchaus möglich, daß der aus drei Persönlichkeiten bestehende Vorstand die volle Zentralmacht ausübt. Aber es ist vielleicht doch nicht das, was unter allen Umständen als das Richtige angesehen werden kann. Es wäre vielleicht doch gut, wenn der Beginn gleich mit einer Hierarchie gemacht würde. Später wird es ja doch so sein müssen, daß ein beträchtlicher Unterschied ist zwischen denjenigen, die schon längere Zeit wirken und denjenigen, die etwa erst angefangen haben zu wirken, die erst in Ihren Kreis eingetreten sind. Und eine Art Aufsteigen wird es schon geben müssen. Es wird sogar notwendig sein, daß man auch den einzelnen Graden, zu denen die Betreffenden aufsteigen, bestimmte Namen gibt. Dieses Namengeben ist ja überhaupt eine große Schwierigkeit. Wir haben davon gesprochen, wie man die älteren lateinischen Namen, die sich in protestantischen Gegenden nicht empfehlen können, durch deutsche ersetzen könne. Nun hat das auch wieder die Schwierigkeit, daß für jedes Sprachgebiet, in das sich Ihre Bewegung erweitert, gesonderte Namen geschaffen werden müssen. Aber das muß eben hingenommen werden. Aber es ist schwierig, weil ja die sprachbildende Kraft für solche Dinge seit dem 15. Jahrhundert in der ganzen zivilisierten Welt wesentlich nachgelassen hat, nicht mehr da ist, so daß, wenn man ein für die Sache adäquates Wort heute finden will, dies nicht ganz leicht ist.
Es wäre mir zum Beispiel nicht möglich, für die Messe ein anderes Wort zu finden als «Menschenweihehandlung», wobei vielleicht dann als Abkürzung «Weihehandlung» figurieren könnte. Was vorgeschlagen worden ist: «Opferfeier», das würde doch nicht den inneren Sinn der Messe treffen. Sie können das schon daraus ersehen, daß die Wortbildung «Meß-Opfer» möglich ist; wenn man aber sagt «Opferfeier», so würde das sein eine Feier des Opfers; aber das ist es ja nicht. Es handelt sich tatsächlich darum, daß durch das Meßopfer die Menschenseele in Zusammenhang gebracht wird mit der höheren Welt. Man kann also die Messe selber als ein Opfer bezeichnen, aber man muß dann etwas hinzufügen. Sie ist ja nicht ein bloßes Opfer, sondern ein solches, das eben noch näher bestimmt wird durch das Wort «Messe». Aber alles, was die Messe ist, liegt — wenigstens in sehr hohem Grade - in dem Worte «Menschenweihehandlung». Darin liegt ja auch der mit der Messe unbedingt verbundene Begriff, daß sie eine Gemeindeangelegenheit ist und daß sie getan wird bei einem Zusammenkommen. In dem Zusammenkommen, in dem Vereinigen liegt das Wesentliche. Allerdings könnte da eingewendet werden: Der Katholizismus hat «stille» Messen, wo der Priester, der ja als katholischer Priester verpflichtet ist, jeden Tag seine Messe zu lesen, einfach seine Messe in irgendeinem Winkel seiner Kirche liest und eine Gemeinde eigentlich nicht da ist; und in einem Kloster, wo die Mönche Priester sind, liest jeder einzelne seine Messe an einem Altar, und eine Gemeinde ist eigentlich auch nicht da. -— Aber das ist eigentlich so nicht wahr. Schon aus manchem, was Ihnen innerhalb der Texte für den Kultus entgegengetreten ist, werden Sie ersehen können, daß für den wirklichen Christen ein Unterschied zwischen Lebenden und Toten nicht gemacht wird. Ob nun der Messe die im Leibe Verkörperten berwohnen oder, wie man anzunehmen hat, wenn eine sogenannte stille Messe gelesen wird, Tote, das ist für den wirklichen Christen kein prinzipieller Unterschied. Würde man darin einen prinzipiellen Unterschied sehen, dann würde man eben die geistige Welt nicht in ihrer vollen Realität nehmen. Sie sehen das auch aus einer Formel, die innerhalb des Messerituals selber vorkommt. Man kann also sagen, wenn behauptet würde, es gäbe stille Messen, so ist das eigentlich nicht wahr; es widerspricht dem Geist des Christentums. «Stille» Messen gibt es nicht, sondern Gemeindemessen, und das Zusammenkommen gehört zur Messe. Es gehört das ja auch zu denjenigen Messen, die nun das Gegenteil einer heiligen Handlung geworden sind, zu den Jahrmarktsmessen; auch die Jahrmarktsmesse setzt voraus, daß Menschen zusammenkommen.
Das Zusammenkommen gehört zur Messe, und das liegt eben ausgedrückt in dem Worte «Menschenweihehandlung». Eine Weihehandlung ist es aber; das Wort «Weihe» hat sich noch erhalten als ein deutsches Wort für das alte Wort «Initiation». «Weihen» hängt zusammen mit «eintauchen», mit Sich-hineinVersenken in etwas; und es ist üblich geworden, dabei die Empfindung zu haben, daß man in den Geist der Uroffenbarung eintaucht, wenn von Weihe die Rede ist, geradeso wie das bezeichnet wird mit dem ja natürlich der Sache viel adäquateren Begriff «Initiation». Sowohl Weihe wie Initiation ist ein Zurückführen des Menschen zu seinem göttlichen Anfange, zu seinem göttlichen Ursprung. Das ist dasjenige, was das Wort «Menschenweihehandlung» erklärlich machen mag. Aber es hat viele Silben, und das ist etwas, woran man sich natürlich stoßen kann. Es kann ja im gewöhnlichen Sprachgebrauch dann abgekürzt werden in «Weihehandlung»; nur «Weihe» allein kann nicht gesagt werden, weil es verschiedene Weihen gibt, nicht nur Menschen-Weihe, sondern auch Priester-Weihe und sogar die Weihe von Geräten. Mit anderen Worten werden wir schon in den nächsten Tagen dann zurechtkommen.
Nun würde es mir aber sehr lieb sein, wenn Sie sich über das, was ich eben gesagt habe, Ihrerseits aussprechen würden. Es darf natürlich später nicht bei jeder Gelegenheit wegen verschiedener Meinungen in Ihrem Kreise zu Revolutionen kommen - obwohl man verschiedene Meinungen durchaus haben kann. Aber am Anfang ist es natürlich möglich, daß man aus Beratungen heraus zu Modifikationen dessen kommt, was entstehen soll oder was zuerst vorgeschlagen worden ist. Also vielleicht wäre es doch möglich, daß Sie sich an dieser Stelle äußern, damit wir dann weiterkommen und möglichst bald zu etwas Fixierterem kommen.
Emil Bock: Vielleicht ist die Bereitschaft schon so stark, dies auch schon heute nachmittag zu vollziehen, denn wir haben nach den Worten, die Herr Dr. Steiner gestern zu uns gesprochen hat, uns dazu bereit gemacht, unseren Kreis zu schließen mit einem solchen inneren Anschluß an die Sache.
Rudolf Steiner: Es war keine Ausnahme?
Emil Bock: Nein, es ist keine Ausnahme bekannt geworden. Es wäre nur unsere Aufgabe, jetzt die Form für den Augenblick zu finden, in dem wir dies als unseren Seeleninhalt zum Ausdruck bringen können.
Rudolf Steiner: Zu der Form würde doch notwendig sein, daß ein Bild des Christus herbeigeschafft würde. Daher würde ich vielleicht doch meinen, daß es besser wäre, gleich morgen damit zu beginnen. Wir schaffen dann ein Bild des Christus herbei, das dann zu dieser Handlung genommen werden kann.
Friedrich Rittelmeyer: Besteht nicht die Möglichkeit, daß wir es vor der Christus-Gestalt im Atelier machen?
Rudolf Steiner: Das ist nicht gut möglich, denn dazu muß sie erst fertig sein. Es kommt nicht darauf an, welche Gestalt des Christus es ist, es muß nur eben einfach eine Christus-Gestalt sein.
Emil Bock schlägt als Zeit vor: Morgen $Sonntagvormittag. Rudolf Steiner ist damit einverstanden, da sich der Sonntag auch am besten dazu eignet.
Emil Bock schlägt vor, weitere Fragen zu stellen über Dinge, wo noch Unklarheiten bestehen.
Ein Teilnehmer möchte über das spezielle Gelöbnis noch einiges hören, dann auch darüber, ob das Messelesen zum Beispiel auch täglich stattfinden soll oder wie das zu handhaben wäre.
Rudolf Steiner: Sobald Sie einmal konstituiert sind, werden sich diese Dinge aus der Sache selbst ergeben. Ein tägliches Messelesen, wenigstens in meditativer Form, ist etwas, was mir schon als eine Notwendigkeit erscheint. Das andere, das Spezialgelöbnis, bezieht sich ja auf den Austritt. Der Austritt muß schon in einer gewissen Weise erschwert werden. Das ist nur dadurch möglich, daß man diesem Austreten gegenüber die Formel anwendet, über die ja natürlich jetzt im Anfange noch eine Einigung möglich ist, die aber später von jedem anerkannt werden muß, der überhaupt eintreten will, und daß man in die Formel aufnimmt, daß die Leitung zu entscheiden hat, wie der Schritt zu definieren ist, den jemand beim Austritt ausführt, und daß er dies von vornherein anerkennt. Also man erkennt nicht etwa nur im allgemeinen an, was das bedeutet, sondern das, was im einzelnen Falle nicht der Austretende selber über sich denkt, sondern das, was die Leitung über ihn denkt. Das würde jeder einzelne von vornherein anerkennen für den Fall, daß er austritt. Das erscheint natürlich in der heutigen demokratischen Zeit als etwas außerordentlich Hartes, aber Sie kommen im spirituellen Leben wirklich nicht weiter, wenn Sie nicht eine solche Mauer schaffen.
Das andere, was ich Sie bitte noch zu beraten, ist dies: Schaffen Sie erst eine Zentralgewalt von Dreien, und schaffen Sie um diese Drei herum vier andere, die einfach die Länge der Amtswirksamkeit ersetzen durch die Qualität, die Sie ihnen beilegen; kommen Sie so zu einer ursprünglichen Siebenheit und nennen Sie die Drei «Oberlenker», die vier anderen «Lenker». Für die anderen würde dann noch ein Wort zu finden sein für den alten Ausdruck «Priester», der Ihnen ja auch nicht gerade als der richtige erschienen ist; aber da habe ich noch keinen. «Lenker» und «Oberlenker» würden zunächst Ausdrücke sein, die man nehmen kann. Wir vermeiden Ausdrücke wie «Bischof», «Diakon» und so weiter. So würde dann ursprünglich die oberste Stufenleiter sein die drei Oberlenker und die vier Lenker; eine weitere Hierarchie brauchen wir nicht. Die übrigen würden durch das Wort bezeichnet, das für den Ausdruck «Priester» zu nehmen ist. Dazu würde ich auch raten müssen.
Emil Bock glaubt, daß keine Bedenken dagegen vorliegen.
Wilhelm Kelber fragt, ob die Ernennung zu Lenkern und Oberlenkern auf eine bestimmte Zeit beschränkt wird.
Rudolf Steiner: Die Zeit kann nur so lange sein, bis ein Lenker zum Oberlenker wird, also es kann nur eine Würde sein, die auf Lebenszeit erteilt wird, weil das mit dem ganzen Wesen des Menschen verknüpft ist.
Dann noch etwas über die technische Seite der Sache. Es handelt sich darum, daß die ursprünglichen Inauguratoren der ganzen Bewegung mit dem Fassen des Planes eine Tat gezeigt haben, die schon eine Bedeutung hat, und aus diesem heraus wäre es anzuraten, daß gewissermaßen Ur-Vorschläge für die Fragen, die jetzt aufgeworfen worden sind, gemacht werden. Diese UrVorschläge würden meiner Empfindung nach, so wie ich die Sache habe entstehen sehen, zu machen sein von Dr. Rittelmeyer, Herrn Bock, Fräulein Spörri und Herrn Klein. Von diesem allerengsten Kreise würde ich meinen, daß er zusammenkommen sollte, um den anderen nach einer sehr ernsten Erwägung UrVorschläge zu machen, damit Rechnung getragen wird der Tatsache, die eine Tatsache ist: der Ur-Initiation. Dann müßten diese Vorschläge dem weiteren Kreise vorgelegt werden, der damit machen soll, was er will. Wenn man solche Vorschläge macht, ist es ja so, daß je enger der Kreis ist, man sie mit desto größerem Verantwortlichkeitsgefühl macht. Deshalb wäre es gut, daß man sie auch zunächst nur als Ratschläge macht. Auf diese Weise entwickelt sich am besten heraus, was einmal gewollt worden ist. Es wäre gut, wenn sich dies alles abwickelte, bevor wir morgen um 10 Uhr zusammenkommen.
Friedrich Rittelmeyer: Wir haben uns eigentlich dahin verständigt, daß wir die ganze Konstituierung in Beratung mit Ihnen vornehmen wollen. Ein Rat, sie in irgendeiner Form vorzunehmen, wäre uns sehr erwünscht, bevor wir den Kreis fragen.
Rudolf Steiner: Gut, dann machen wir es so. Wir können ja diese Handlung, von der wir gesprochen haben, um 10 Uhr vornehmen, und was Sie im engsten Kreise als Ur-Vorschläge haben, können wir dann im Anschluß an die Handlung morgen beginnen.
Emil Bock schlägt vor, um schneller zu einem Abschluß zu kommen, die Ergebnisse der Beratung noch am selben Tage Herrn Dr. Steiner mitzuteilen, der damit einverstanden ist.