Health and Illness, Volume I

GA 348 — 16 December 1922, Dornach

Sechster Vortrag

Meine Herren, haben Sie noch etwas zum letzten Vortrag zu fragen? Oder haben Sie sonst noch etwas, was Sie wissen möchten?

Nicht wahr, wir haben das letzte Mal über das Auge gesprochen, und was uns besonders aufgefallen ist, das ist, ich möchte schon wirklich sagen, die ganze Wunderbarkeit des Auges. Denn im Auge ist ja wirklich schon der äußeren Gestalt nach eine ganze Welt nachgebildet. Und wenn man so, wie wir es das letzte Mal getan haben, das Innere des Auges kennenlernt, so kommt man eben darauf, daß wirklich da eine kleine Welt im Auge enthalten ist. Nun, das habe ich Ihnen ja auseinandergesetzt.

So haben wir also jetzt zwei Sinne des Menschen kennengelernt: das Ohr und das Auge.

Nun, ein besonders interessanter Sinn beim Menschen, der Sie auch interessieren kann im Zusammenhang mit Fragen, die Sie in der letzten Zeit gestellt haben, ist, wie ich Ihnen noch zeigen werde, der Geruchssinn. Der Geruchssinn hat scheinbar beim Menschen eine geringe Bedeutung, aber er hat eine große Bedeutung, wie Sie wissen, beim Hund zum Beispiel; beim Hund ist wirklich, man möchte sagen, die ganze Intelligenz des Tieres in den Geruchssinn verlegt. Denn Sie brauchen sich nur einmal zu überlegen, was der Hund alles durch den Geruch erreicht. Der Hund erkennt durch den Geruch die Leute, mit denen er einmal zusammengewesen ist, noch lange. Wer Hunde beobachtet, der weiß, daß es nicht etwa der Gesichtssinn des Hundes ist, durch den er jemanden, den er kennengelernt hat, wiedererkennt, sondern es ist der Geruchssinn des Hundes. Und wenn Sie in der letzten Zeit viel davon gehört haben, welche ausgezeichneten Detektive die Hunde werden, indem sie die Spuren von Verbrechern und so weiter, überhaupt von Menschen suchen, so werden Sie sich sagen: Der Geruchssinn vollbringt da seltene Leistungen, die natürlich eigentlich sehr einfach aussehen, aber die so einfach nicht sind. Sie brauchen sich nur zu überlegen, wie die Geschichte ist, dann werden Sie schon sehen, daß das nicht so einfach ist.

Wenn man so in der Sprache redet: Nun ja, der Hund, der verfolgt eben die Spur — ja, meine Herren, das ist schon richtig, daß der Hund die Spur verfolgt. Er verfolgt sie auch. Aber denken Sie sich nur einmal, der Hund soll hintereinander verfolgen - die Polizeihunde werden ja dazu verwendet — die Spur von dem Dieb, dem Einbrecher Lehmann und gleich darauf die Spur vom Einbrecher Schmidt. Die zwei Spuren sind ja ganz verschieden voneinander. Wenn sie gleich wären, könnte der Hund ja natürlich überhaupt nicht dazu kommen, die Spuren zu verfolgen. Nur dadurch, daß sie verschieden sind, kommt er dazu, den Einzelnen wirklich verfolgen zu können. Aber nun denken Sie sich doch, wenn Sie angeben sollten die Unterschiede, die in den Spuren von Menschen sind, die man durch den Geruch unterscheiden kann, dann werden Sie keine großen Unterschiede finden. Der Hund findet die Unterschiede. Es kommt ja nicht darauf an, daß der Hund so hin und her die Spuren verfolgt, sondern daß er unterscheiden kann die verschiedenen Geruchsspuren. Da kommen Sie eben schon auf die Intelligenz.

Dazu kommt ein anderes, das außerordentlich wichtig ist. Sehen Sie, die Europäer können sich ja des Geruches noch in bezug auf die Speisen und auch in bezug auf einige äußere Dinge bedienen. Aber dieser Geruch zeigt ihnen nicht viel. Dagegen wittern zum Beispiel gerade in Afrika wilde Volksstämme, geradeso wie der Hund wittert, den Feind, der noch sehr weit entfernt ist. Die wittern diesen Feind und machen sich aus dem Staub. Also die Intelligenz, die man in so hohem Maße beim Hunde antrifft, die findet man noch in gewissem Sinne bei wilden Völkern, so daß ein wilder Mensch in Afrika bei gewissen Stämmen lange, bevor er den Feind sieht, weiß: da ist der Feind — denn er unterscheidet ihn mit der Nase von anderen Menschen. Nun denken Sie sich, wie fein man unterscheiden muß mit der Nase, wenn man wissen soll: das ist der Feind! Dann kommt noch ein Schnalzton dazu, ein Schnalzton, den man in Europa gar nicht machen kann, ein Schnalzen, wie Peitschenschnalzen.

Also kann man sagen: Je kultivierter, zivilisierter ein Mensch wird, desto mehr tritt die Bedeutung seines Geruchssinnes zurück. Und wir können an dem Geruchssinn so ein bißchen studieren, ob wir ein unzivilisiertes Geschlecht unter uns haben, wie zum Beispiel die Hunde — es ist ein unzivilisiertes Geschlecht — oder ein mehr zivilisiertes. Wahrscheinlich würden wir, wenn wir uns nach dieser Richtung etwas mehr abgeben würden mit dem Schwein, ganz kostbare Entdeckungen machen, denn die Schweine haben natürlich einen ausgesprochen starken Geruchssinn.

Aber jetzt will ich Ihnen noch etwas anderes sagen, was Sie sehr interessieren wird nach dieser Richtung. Als eines der intelligentesten Tiere gilt nämlich der Elefant. Er ist es auch. Denn der Elefant ist ein außerordentlich intelligentes Tier. Ja, was ist denn beim Elefanten ganz besonders ausgebildet? Wenn Sie sich alles, was zum Beispiel beim Hund oder beim Schwein über den Zähnen liegt, was also bei uns zur Nase wird, wenn Sie sich das alles besonders hervorragend ausgebildet denken, so kriegen Sie den Elefantenrüssel. Also ein Elefant hat schon das, was bei uns die Nase ist, ganz besonders ausgebildet, und daher ist er eigentlich das intelligenteste Tier, denn er ist sehr intelligent. Das hängt nicht ab von der Größe seines Gehirns; das hängt davon ab, daß sein Gehirn gerade in die Nase geht.

Das alles fordert uns auf, einmal nachzudenken, wie denn das eigentlich beim Menschen ist mit der Nase, von der der heutige zivilisierte Mensch eigentlich nicht viel weiß — er weiß zwar, wie die Nase gebaut ist und so weiter, aber er weiß eigentlich denn doch nicht viel mehr von der Nase, als daß sie mitten im Gesicht ist. Aber die Nase mit ihrer Fortsetzung ins Gehirn hinein ist tatsächlich ein furchtbar interessantes Organ. Und wenn Sie zurückdenken, wie ich Ihnen das Ohr, das Auge beschrieben habe, werden Sie sich sagen: das ist außerordentlich kompliziert. Bei der Nase kann ich nicht einmal sagen, daß sie außerordentlich kompliziert ist, aber außerordentlich geistreich ist sie.

Wenn Sie die Nase nehmen, von vorne angesehen, dann ist in der Mitte eine Wand - die werden Sie ja schon angegriffen haben. Die teilt nach rechts und links die Nase, und rechts und links sind dann die Nasenflügel (siehe Zeichnung). Da oben, wo die Nase zwischen den Augen ist, da sitzt in dem Schädelknochen drinnen das sogenannte Siebbein. Das ist ein kleines Sieb. Also da oben müßte ich in die Schädelknochen hinein — es ist sehr kompliziert, ich will es aber einfach zeichnen — ein Sieb, ein Knochensieb zeichnen, also einen Knochen, der lauter Löcher hat. Und diese Nase — außen haben Sie ja auch Haut, wie die übrige Körperhaut ist —, diese Nase ist innerlich ausgekleidet, ausgefüllt mit einer Schleimhaut. Da überall ist die Schleimhaut (Zeichnung). Die können Sie ja konstatieren: Es ist eine Haut, die Schleim absondert. Wenn Sie die Schleimhaut nicht hätten, brauchten Sie sich nicht zu schneuzen. Also wenn Sie sich schneuzen müssen, sehen Sie, daß man da eine Haut drinnen hat in der Nase, die Schleim absondert.

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Aber die Geschichte ist noch komplizierter. Sie werden schon bei Kindern, die weinen, gesehen haben, daß sie auch viel Nasenschleim absondern. Wenigstens auf dem Lande draußen, wo man weniger auf die Nase achtgibt, da findet man: wenn ein Kind weint, so muß es oft geschneuzt werden; oder aber es rinnt eben herunter durch die Nase, weil nämlich da oben ein Kanal zu den sogenannten 'Tränendrüsen geht. Da oben (Zeichnung) sind ja die beiden Augen, und da kommt von den Tränendrüsen, die am äußeren oberen Rand der Augenhöhle sitzen, fortwährend auch der Tränensaft hinein. Der vermischt sich mit dem Nasenschleim, so daß also die Nase in Verbindung steht, ich möchte sagen, in flüssiger Verbindung steht mit den Augen, weil die Tränen eben in die Nasenschleimhaut hineinfließen, weil eigentlich der Augenschleim sich vermischt mit dem Nasenschleim. So daß wir also auch da sehen, daß gar kein Organ im Körper allein für sich ist. Die Nase ist verbunden mit den Augen. Und die Augen können ja nicht nur sehen, sondern sie können auch weinen. Und das, was sie dann absondern, wenn sie weinen, das vermischt sich mit dem, was eben einfach in der Nase, in der Schleimhaut der Nase abgesondert wird.

Durch dieses Siebbein, das da oben ist an der Nasenwurzel, wie man sagt, da geht nun der eigentliche Riechnerv. Der Riechnerv geht nun zum Gehirn hin, hat zwei Stränge, geht da (Zeichnung) durch das Siebbein und breitet sich da drinnen in der Nase aus. So daß wir also, wenn wir in die Nase — was unartig ist - mit unserem kleinen Finger hineingreifen, wir auf die Nasenschleimhaut greifen; aber diese Nasenschleimhaut ist durchzogen mit dem Riechnerv, der ins Gehirn hineinführt. Das ist dasjenige, was man an der Nase selber sehen kann, denn sie ist eigentlich furchtbar einfach gestalter.

Aber da kommt schon etwas, was einem viel verraten kann, wenn man vernünftig denkt. Wer zum Beispiel die Augen des Menschen ordentlich untersucht, der findet bei keinem Menschen, daß die beiden Augen vollständig gleich stark sehen. Wer die beiden Hände untersucht, der wird schon finden, daß sie nicht gleich stark sind. Der Mensch ist niemals an der linken und rechten Seite in seinen Organen vollständig gleich stark. Und so ist es auch bei der Nase. Man riecht einfach mit dem linken Nasenloch, wenn ich mich so ausdrücken darf, weniger stark als mit dem rechten Nasenloch. Geradeso aber wie es mit den Händen ist, so ist es mit den Nasenlöchern: es gibt einzelne Menschen, die riechen stärker mit dem linken Nasenloch als mit dem rechten, geradeso wie es auch Linkshänder gibt. Es gibt ja überhaupt solche verkehrten Menschen in der Welt. Ich meine jetzt nicht nur die Querköpfe, sondern es gibt schon auch Querherzen!

Beim gewöhnlichen Menschen, da liegt das Herz - nicht viel, aber ein klein bißchen — nach der linken Seite verschoben, und danach sind die ganzen Eingeweide gebildet. Nun gibt es solche Quermenschen, die haben das Herz ein bißchen nach der rechten Seite geschoben, den Magen auch ein bißchen nach rechts, sind ganz verdreht. Das bemerkt man nämlich viel weniger, als wenn die Menschen im Kopf verdreht sind. Wenn die Menschen im Herz oder im Magen verdreht sind, da tritt die Geschichte erst auf, wenn der Mensch irgendwie krank geworden ist oder wenn er seziert wird. Und man ist da erst durch die Sektion darauf gekommen, daß es solche sonderbaren Quermenschen gibt, welche Herz und Magen nach rechts dirigiert haben. Und da nicht jeder Querkopf im Leben seziert wird nicht wahr, es geschieht ja nicht immer —, so weiß man manchmal gar nicht, daß es viel mehr solche Quermenschen gibt, als man glaubt, die das Herz zu stark nach der rechten Seite getrieben haben.

Aber sehen Sie einmal, bei einer ordentlichen Pädagogik muß man darauf Rücksicht nehmen, denn wenn man ein Kind hat, das das Herz nicht auf dem rechten Fleck hat — jetzt nur im anatomischen Sinne gemeint —, so muß man wirklich darauf Rücksicht nehmen, sonst kann eine ganz dumme Geschichte für das Kind daraus werden. Aber der Mensch muß nicht, weil er eben nicht bloß ein physikalischer Apparat ist, so aufgezogen werden, daß ihm solche Dinge ein Hindernis werden. Das ist eben gerade die große Kunst der Erziehung, daß man auf solche Dinge Rücksicht nimmt. Sehen Sie, der Professor Benedikt, der hat eine ganze Menge von Verbrechergehirnen untersucht. In Österreich hat man ihm das nicht gerne zugelassen, weil ja in Österreich die Leute Katholiken sind, und da halten sie darauf, daß man solche Sachen nicht macht. Er war in Wien Professor. Da hat er sich mit den Ungarn in Verbindung gesetzt, die sind in einer gewissen Zeit mehr Calvinisten gewesen, und da hat man ihm gestattet, die Verbrecherschädel nach Wien zu transportieren. Da ist ihm verschiedenes passiert. Da war ein hartgesottener Mörder - ich habe vergessen, wie viele Morde er auf dem Gewissen hatte - und der war nämlich fromm. Der war ein frommer Katholik. Und es ist einmal das Gerücht ausgebrochen, daß der Professor Benedikt in Wien die Verbrecherschädel geschickt kriege und dort untersuche. Da hat sich dieser eine Verbrecher, der ein hartgesottener Mörder war, dagegen aufgelehnt: das wolle er nicht, er wolle nicht seinen Schädel an den Professor Benedikt geschickt haben, denn wo solle er am Jüngsten Tag, wenn alle Leute auferstehen, dann seinen Kopf zusammensuchen mit seinem andern Leib!—Also an den Jüngsten Tag hat er schon geglaubt, trotzdem er ein hartgesottener Verbrecher war.

Ja, was hat denn der Professor Benedikt an den Verbrecherschädeln gefunden? Wir haben da hinten im Gehirn das kleine Gehirn — ich werde davon noch sprechen -, und über dieses kleine Gehirn ist ein Lappen vom großen Gehirn gelegt. Das schaut so aus (siehe Zeichnung). Das kleine Gehirn, das schaut so aus wie ein kleiner Baum, und da drüber ist dann das große Gehirn gelegt, solch ein Lappen. Nun hat der Professor Benedikt gefunden, daß bei Menschen, die niemals gemordet haben, die niemals gestohlen haben—es gibt ja auch solche —, der Gehirnlappen sehr weit heruntergeht, und bei denen, die Mörder oder andere Verbrecher waren, da geht er nicht so weit herunter, da bedeckt er das Untere nicht.

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Nun ist natürlich ein Mensch mit einem solchen Fehler geboren. Aber, meine Herren, Menschen, die mit einem zu kleinen Gehirnlappen geboren sind, der nicht richtig das kleine Gehirn zudeckt, die gibt es viele! Und da kann man durch die Erziehung schon nachhelfen. Es muß einer nicht ein Mörder werden, wenn er einen zu kleinen Hinterhauptslappen hat; er wird es nur, wenn er nicht richtig erzogen wird. Daraus sehen Sie wiederum, daß man dem Körper, wenn er nicht richtig ausgebildet ist, durch das Seelische nachhelfen kann. Also es ist ein Unsinn, zu sagen, wie der sonst geistreiche Professor Benedikt gesagt hat: Es kann einer nichts dafür, wenn er ein Verbrecher ist; ja, es kann einer nichts dafür. - Weil er als Keim, als Embryo im Mutterleibe nicht ordentlich gelegen hat, deshalb hat er einen zu kleinen Hinterhauptslappen gekriegt. Er mag ja nach dem, wie man erzieht, recht gut erzogen sein, aber er ist nicht richtig erzogen worden für so etwas. Da kann er natürlich nichts dafür. Aber die Gesellschaft kann dafür, die dafür zu sorgen hat, daß die Sache richtig gemacht wird in der Erziehung.

Alles das sage ich Ihnen, damit Sie sehen, welch große Bedeutung die Gesamtorganisation des Menschen eigentlich hat.

Und nun müssen wir sagen, es ist beim Hund — gehen wir noch einmal zurück auf den Hund -, es ist ja beim Hund eben dieses ganz Einfache der Nase besonders gut und stark ausgebildet. Meine Herren, was riechen wir denn eigentlich? Was riecht denn eigentlich der Hund?

Wenn irgendwo einfach ein Stück Stoff liegt, zum Beispiel die Kreide, dann riechen Sie sie nicht. Bloß wenn Sie den Stoff anzünden, und die Stoffe verdunsten, in Dunst übergehen, so daß sie in der Nase als Luft aufgenommen werden, dann riechen Sie sie. Sie riechen nicht einmal flüssige Stoffe, wenn sie nicht zuerst verdunsten. Also riechen wir nur dasjenige, was zuerst verdunstet. Wir können also sagen: Die Luft muß um uns herum sein, und mit dieser Luft müssen sich die Dünste der Stoffe verbinden. Dann riechen wir die Stoffe dadurch, daß sie dunstförmig geworden sind. Etwas anderes riechen wir nicht. Natürlich, wir riechen den Apfel oder die Lilie. Aber es ist Unsinn, zu glauben, daß wir die feste Lilie riechen. Wir riechen die Dünste, die aus der Lilie aufsteigen und die in unsere Nase kommen. Dann, wenn dieser Lilienduft, der also dunstförmig ist, heranweht, dann ist der Nerv der Nase dazu angetan, geeignet, den Geruch zu erleben.

Also es sind natürlich auch, wenn der Wilde seinen Feind riecht, die Ausdünstungen dabei. Sie können daraus entnehmen, daß der Mensch viel weiter sich geltend macht, als seine Hände reichen. Denn wenn wir Wilde wären, und einer von uns käme da unten in Arlesheim, dann würde er wissen, ob da hier unter uns ein Feind ist von ihm. Also müßte doch dieser Feind von ihm da sein ganzes Wesen bis nach Arlesheim hin geltend machen! Sie sind also auch noch in Arlesheim drunten durch dasjenige, was Sie ausdünsten. Überall ist weit um sich herum der Mensch durch seinen Dunst noch da. Er ist viel mehr durch seinen Dunst noch da, als durch das, was man äußerlich sieht.

Nun gibt es beim Hund etwas, was der Mensch nicht kann, und was außerordentlich interessant ist; Sie kennen es alle recht gut. Wenn Sie einen Hund haben oder nur einen Hund sehen, den Sie gut kennen und der Sie gut kennt und Sie treffen ihn wiederum, so wedelt er mit dem Schwanz. Ja, meine Herren, warum wedelt er mit dem Schwanz? Weil er Freude hat! Der Mensch kann nicht mit dem Schwanz wedeln, wenn er Freude hat, weil er ihn überhaupt nicht mehr hat. Soweit ist der Mensch verkümmert in bezug darauf, daß er seine Freude überhaupt zunächst gar nicht ausdrücken kann. Also der Hund, der riecht den Menschen und wedelt mit dem Schwanz. Durch den Geruch kommt nämlich sein ganzer Körper in Aufregung, und das drückt sich dadurch aus, daß er in seine Schwanzmuskeln dasjenige bekommt, was das Erlebnis der Freude ist, und er wedelt mit dem Schwanz. Beim Menschen ist es soweit gekommen, daß er überhaupt ein solches Organ gar nicht mehr hat, mit dem er seine Freude auf diese Weise ausdrücken könnte.

Wir sehen, der Mensch ist zwar kultivierter als das Hundegeschlecht, aber es fehlt ihm die Möglichkeit, durch sein Rückenmark seinen Geruch herunterzutreiben; denn so ist es ja beim Hund. Er bekommt durch die Nase den Geruch herein, treibt ihn dann durch sein Rückenmark hinunter, und nachher wedelt er mit dem Schwanz.

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Also das, was er da als Geruch in die Nase hineinbekommt, das geht da in sein Rückenmark hinein. Und das Ende vom Rückenmark ist eben der Schwanz, und da wedelt er. Das kann der Mensch nicht. Warum? Ich will Ihnen sagen, warum das der Mensch nicht kann. Der Mensch hat auch dieses Rückenmark, aber er ist nicht imstande, den Geruch durch dieses Rückenmark hindurchzuleiten.

Jetzt will ich Ihnen von der Seite gesehen den ganzen Kopf des Menschen aufzeichnen. Da würde dann das Rückenmark weitergehen; das geht dann da hinunter. Beim Hund geht das also in den Schwanz hinein, und dadurch kann der Hund wedeln. Beim Menschen aber ist es so, daß er die Kraft dieses Rückenmarkes umkehrt. Der Mensch hat ja die Kraft, überhaupt manches umzukehren, was die Tiere nicht können. Die Tiere gehen daher auf allen vieren, oder wenn sie, wie manche Affen, nicht auf allen vieren gehen, dann ist das um so schlimmer für sie, weil sie eigentlich dazu organisiert sind, auf allen vieren zu gehen.

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Der Mensch richtet sich aber auf während seines Lebens. Er geht auch zuerst auf allen vieren; dann richtet er sich auf. Das ist diese Kraft, die da durch das Rückenmark geht, und diese Kraft schoppt, möchte ich sagen, das ganze Gehirn hier nach vorne. Man kann wirklich sagen, wenn man einen Hund anschaut: das ist furchtbar interessant, besonders wenn man ihn wedeln sieht. Wenn man sich mit ihm vergleicht als Mensch, so muß man eigentlich sagen: Donnerwetter, der kann wedeln; ich kann das nicht! — Aber die ganze Kraft, die da in diesem Wedelschwanz liegt, die hat der Mensch zurückgeschoppt und hat das ins Gehirn hier heraufgeschoppt. Die da hier (beim Hund) wächst nach unten, nicht nach oben. Also diese Kraft, die der Hund da in seinem Schwanz rückwärts hat, die kehren wir um und führen sie nun zum Gehirn hinein. Und so können Sie sich vorstellen, daß die Geschichte so ist: Wenn Sie sich denken würden, da wäre das Ende Ihres eigenen Rückgrates, wo wir das sogenannte Steißbein haben, das aus verkümmerten Knochen besteht, während es beim Hund aus sehr gut ausgebildeten Knochen besteht; das ist bei uns schon zusammengewachsen und so ein ganz verkümmertes Bein, das nicht mehr wedeln kann, geht da herunter, wird von der Haut bedeckt. Nun, diese ganze Wedelkraft, die kehren wir um, und eigentlich, wenn da nicht die Schädeldecke wäre, dann könnten wir mit diesem Gehirn, wenn wir einen angenehmen Geruch wahrnehmen würden, da oben wedeln. Wir würden also eigentlich — was sehr interessant ist -, wenn wir uns freuen, wenn wir jemanden sehen, wenn unsere Gehirnknochen da nicht unser Gehirn zusammenhielten, mit dem Gehirn nach vorne wedeln.

Sehen Sie, das ist eigentümlich in der menschlichen Organisation: Sie kehren die Geschichten um, die bei den Tieren sind. Also diese Wedelkraft, die wird zwar entwickelt, aber sie wird umgekehrt. Wir wedeln nämlich in Wirklichkeit auch, und manche Menschen haben dafür sogar ein feines Gefühl. Nicht wahr, Hofräte, die um die Herzöge herum sind, die wedeln, wenn die Herzöge in der Nähe sind — nun, so wie der Hund wedeln sie nicht, aber manche Menschen haben das Gefühl: die wedeln wirklich. Die wedeln nämlich seelisch. Das ist so etwas, das wie Wedeln ausschaut. Aber sehen Sie, wenn man sich die Empfindung angeeignet hat, die man manchmal, was leicht mißverstanden wird, Hellsehen nennt — das besteht ja darinnen, daß man eben manche Dinge besser sieht als andere Menschen -, ja, meine Herren, dann hat man nicht nur das Gefühl, daß der Hofrat vor dem Herzog wedelt, sondern dann sieht man es sozusagen; nur wedelt er nicht da hinten (wie der Hund), sondern er wedelt da vorne. Er wedelt wirklich! Nicht wahr, das, was da in Ihrem Gehirn drinnen an festen Stoffen ist, das wird ja durch Ihre Knochen zusammengehalten. Aber was da sich entwickelt als feine Stofflichkeit, als Wärme, das wedelt, wenn der Hofrat vor dem Herzog steht. Es ist so, daß es abwechselt, ein bißchen warm, kälter, wärmer, kälter. Und es ist tatsächlich so: Wenn die Hofräte den Herzog umgeben, und wenn Sie eine feine Empfindung für die wackelnde Wärme haben, dann können Sie schon so etwas sehen, wie man es macht, wenn man jemandem ein Eselsohr umhängt: da wedelt vorne, wir sagen dann, da wedelt vorne der Ätherkörper, der feinere Körper, weil das auch richtig ist. Das ist wahr: der Ätherkörper wedelt.

Nun aber, durch das Ganze wird ja beim Hund, oder beim Elefanten, eben das Rückenmark ausgebildet. Beim Menschen wird das, was beim Hund oder beim Elefanten verkümmert bleibt, nach vorne geschoben. Wie ist das? Jetzt will ich den Nerv, den ich da (siehe Zeichnung S. 115) rot hineingezeichnet habe, hier gelb hineinzeichnen, und der geht jetzt ins Gehirn hinein. Im Gehirn drinnen begegnen sich jetzt zwei Sachen: dasjenige, was da als Wedelorgan nach vorne geschoppt ist, was nur beim Menschen da ist, und dasjenige, was der Riechnerv ist, der auch beim Menschen vorhanden ist. Aber dieser Riechnerv, der schiebt sich beim Hund zu einer riesigen Größe ins Gehirn hinein, weil ihm nichts entgegenwirkt, denn das, was ihm entgegenwirken könnte, wedelt ja hinten heraus. Der Mensch aber kehrt das um. Diese ganze Wedelkraft kommt der Nase entgegen. Daher wird beim Menschen das, was da als Riechnerv hineingeht, so klein als möglich gemacht, weil es zusammengeschoppt wird von dem, was ihm entgegenkommt. Und so hat der Mensch da drinnen ein Organ, das erstens seinen Geruch zurückdrängt, aber das ihn eigentlich in gewisser Beziehung zum Menschen macht. Das sind die heraufgeschoppten Kräfte.

Daher kann man sagen, daß da im Vordergehirn drinnen beim Hund und beim Elefanten viel vom Riechnerv liegt, ein riesig großer Riechnerv liegt da drinnen. Beim Menschen ist der Riechnery etwas verkümmert; dagegen lagern sich vor die Nerven, die von unten heraufgeschoppt werden. So daß an der Stelle hier, wo beim Hund noch lange das liegt, was von der Nase hineinwedelt, beim Menschen da gerade das Edelste vom Gehirn liegt. Und die Folge davon ist, daß da im Vorderhirn eigentlich beim Menschen der Sinn vorhanden ist für Mitgefühl, für Verständnis der Menschen überhaupt. Etwas sehr Edles ist da. Das, was der Hund auswedelt, das ist beim Menschen in etwas sehr Edles umgestaltet. Und der Mensch hat da im Vorderhirn, gerade an der Stelle, wo die sehr verachtete Nase sonst ihren Riechnerv hineinschickt, eigentlich ein außerordentlich edles Organ.

Ich habe Ihnen gesagt, daß wir nicht mit dem linken und rechten Nasenloch gleich stark riechen. Nun denken Sie einmal daran, wenn einer, der gewohnt ist, recht starke Gebärden zu machen, nachdenkt — was tut er denn da? Das haben Sie sicher schon gesehen: Er fährt mit dem Finger oder mit der Hand da herauf, gerade so, daß der Zeigefinger über seiner Nasenscheidewand liegt — weil nämlich da hinter der Nase im Gehirn drinnen das Unterscheidungsvermögen seinen körperlichen Ausdruck hat.

Die Nasenscheidewand, die macht es beim Hund so, daß er sehr fein nicht nur die Spur verfolgen kann, sondern er kann mit seinem linken und rechten Nasenloch sehr fein unterscheiden, wie bei dem einen und bei dem andern die Gerüche sind, und er hat nämlich - das ist jetzt sehr interessant — in seinem rechten Nasenloch immer die Spur von demjenigen, den er gerade verfolgt, während er im linken Nasenloch drinnen die Spuren von all denen hat, die er schon verfolgt hat. Dadurch wird er immer gescheiter im Verfolgen, wie wir Menschen auch immer gescheiter werden, wenn wir mehr lernen und mehr in unserem Gedächtnis drinnen haben. Der Hund hat nämlich ein gutes Gedächtnis für Gerüche. Dadurch wird er ein so guter Spurverfolger.

Und da geht aber noch eine Spur ins Menschenleben herein. Man kann nämlich folgendes beobachten. Sehen Sie, der Mensch ist schon abgestumpft fürs Riechen; aber zum Beispiel dem Mozart sind manchmal seine schönsten Melodien eingefallen, wenn er in irgendeinem Garten eine Blume gerochen hat. Wenn er nachgedacht hat, warum das ist, so ist das deshalb gewesen, weil er diese Blume schon irgendwoanders gerochen hatte, wo es ihm gerade recht gut gefallen hatte. Er hätte sich niemals aufgeschwungen etwa, dieser Mozart, zu der Aussage: Nun ja, da war ich einmal in dem wunderschönen Garten von dort und dort, da war so eine Blume, die hat einen Duft gehabt, der mir besonders gefallen hat; jetzt ist wiederum so ein Duft da, das bringt mich ja - ja, fast zum Wedeln. Das hätte der Mozart nicht gesagt; aber eine schöne Melodie ist ihm eingefallen, wenn er die Blume wieder gerochen hat. Daraus sehen Sie, wie das Riechen mit unserem Gedächtnis zusammenhängt.

Das rührt aber nicht von dem her, was wir Menschen an Riechen hineinschicken, sondern von dem, was wir da drinnen entgegenschoppen. Da wird unser Unterscheidungsvermögen als Menschen entwickelt. Wenn also einer besonders logisch denken kann, richtig die Gedankenverbindungen hat, dann müssen wir sagen: Der hat gegen seinen Riechnerv sein Gehirn vorgeschoben und eigentlich angepaßt dem, was sonst der Riechnery wäre. - Man könnte schon sagen, ein besonders gescheiter Mensch ist eigentlich ein solcher, der die Hundenatur in sich möglichst groß überwunden hat.

Wenn also einer so geboren wird, daß er ein halber Hund ist, daß ei besonders gut riechen könnte, und man würde ihn dann so aufziehen, daß er andere Dinge, die nicht Gerüche sind, unterscheiden kann — denn die unterscheidet er durch das, was er dem Geruchsnerv entgegenschoppt —, dann würde er ein besonders gescheiter Mensch werden.

Die Gescheitheit, das Unterscheidungsvermögen, das rührt überhaupt davon her, daß der Mensch den Geruchssinn überwindet. Der Elefant und der Hund haben ihre Gescheitheit in der Nase, also ziemlich außerhalb von sich selbst; der Mensch hat seine Gescheitheit in sich. Das ist eben eigentlich der Unterschied. So daß man eben nicht bloß darauf schauen darf, ob der Mensch und die Tiere dieselben Organe haben. Gewiß, der Hund und der Mensch haben eine Nase, aber es kommt darauf an, wie die Nasen angeordnet sind. Und daraus sieht man eben, daß am Menschen etwas arbeitet, was am Hunde nicht arbeitet. Und so arbeitet man sich allmählich, wenn man so etwas erkennt, von dem Körperlichen zum Seelischen herauf. Denn weder die Nase, noch auch jenes besenförmige Ende des Rückenmarks, das der Hund zum Wedeln hat, was ja nur von Häuten überzogen ist, von etwas Knochen durchzogen ist, die haben keinen Drang, einander entgegenzuwachsen. Dieser Drang kommt dann erst vom Seelischen, das der Hund nicht in derselben Weise hat wie der Mensch.

Nun sehen Sie, ich habe Ihnen also die Nase mit allem, was dazu gehört, so beschreiben können, daß wir sie in ihrer Fortsetzung ins Gehirn hinein finden, und daß wir daran eigentlich die Gescheitheit des Menschen geknüpft finden.

Merkwürdig kommt es uns vor, wenn wir nun mit dem Geruchssinn einen Sinn vergleichen, der ganz ähnlich dem Geruchssinn ist, und doch wiederum kolossal verschieden ist: das ist der Geschmackssinn. Er ist so verwandt, daß zum Beispiel in der Gegend, wo ich geboren bin, die Leute überhaupt niemals sagen: riechen — das Wort «riechen» kommt da gar nicht vor. Die sagen: es schmeckt gut oder es schmeckt schlecht, wenn sie riechen; die reden dort, wo ich geboren bin, gar nicht vom Riechen. (Es wird eingeworfen: Hier auch!) Also auch hier in der Schweiz, auch hierzulande redet man nicht vom Riechen, sondern vom Schmecken, weil es den Leuten so verwandt vorkommt, was Riechen und Schmecken ist, daß sie es gar nicht unterscheiden.

Wenn wir nun aber den Geschmackssinn untersuchen, da ist es sehr merkwürdig. Da ist es wiederum so ähnlich wie beim Geruchssinn. Wenn Sie dahier die Rachenhöhle nehmen - ich kann das heute nur andeuten, werde es später weiter ausführen —, dahier hinten ist der sogenannte weiche Gaumen, da vorne ist der harte Gaumen, da sind die Zähne mit dem Zahnfleisch, wenn Sie das nehmen, dann haben Sie etwas sehr Merkwürdiges. Geradeso wie in die Nase hinein ein Nerv geht, den ich da rot gezeichnet habe, so gehen auch vom Gehirn aus überall hier hinein Nerven. Aber diese Nerven, die gehen zum Beispiel nicht ins Zahnfleisch hinein, die gehen auch nicht in den vorderen Gaumen hinein, sondern nur in den hinteren, gehen gar nicht einmal in die vordere Zunge hinein, sondern nur in die hintere Zunge. Also wenn Sie das anschauen, wie die Nerven verteilt sind, die zum Geschmack gehören, so werden Sie vorne wenige finden, fast gar keine. Die Zungenspitze ist eigentlich nicht ein Geschmacksorgan, sondern die Zungenspitze ist mehr zum Fühlen vorhanden. Nur der hintere Teil der Zunge, der kann schmecken, ebenso der weiche Gaumen. Wenn Sie in den Mund hineingreifen, werden Sie es hinten weich, vorne hart finden. Dieses Weiche ist zum Geschmack geeignet. An dem Zahnfleisch schmecken Sie gar nichts.

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Nun ist es eigentümlich, daß diese Nerven, die dem Geschmack dienen, auch beim Menschen noch besonders zusammenhängen mit alledem, was Eingeweide ist. Und es ist schon wahr, es kommt nicht nur darauf an, daß man ein Nahrungsmittel chemisch untersucht, sondern es muß ein Nahrungsmittel zuerst schmecken. Und der Mensch hat schon im Geschmack einen Regulator für seine Nahrung. Wir sollten zum Beispiel beim kleinen Kinde viel mehr studieren, was es mag oder nicht mag, als daß wir die chemische Zusammensetzung studieren. Wenn wir darauf achtgeben, daß vom Kinde etwas immer zurückgewiesen wird, dann finden wir, daß in seinen Unterleibsorganen etwas nicht in Ordnung ist. Da muß man eingreifen. Ja, aber, meine Herren, das ist ja höchst eigentümlich. Sehen Sie, da habe ich Ihnen den Riechnerv da ganz vorne gezeichnet (siehe Zeichnung. 109); jetzt müßte ich die Nerven, die zu der Zunge und zum Gaumen gehen, hier so zeichnen (siehe Zeichnung S. 120); und hier habe ich das gezeichnet, was beim Menschen, nun ja, die zurückgegangene Wedelkraft ist, was ganz hinten eigentlich ist beim Hund. Gehen wir jetzt allmählich nach vorne, so kommen wir beim Menschen in den Bauch, in die Eingeweide — beim Hund auch -, und dem entsprechen die Geschmacksnerven. Und es ist in der Tat so: Wenn der Hund sich seinem Riechen hingibt, dann wedelt er, das heißt, er treibt alles durch den ganzen Körper. Es geht da bis ins Ende. Der Schwanz ist ja das letzte Ende; die Nasenspitze ist ganz vorn, das Schwanzende ganz hinten. Was also beim Hund mit dem Riechen zusammenhängt, geht durch den ganzen Körper. Was der Hund frißt, wenn es ihm schmeckt, geht nicht durch den ganzen Körper, sondern bleibt in den Eingeweiden weiter zurück. Das ist sehr interessant.

So daß wir also daraus sehen können: Je mehr nach innen gelegen etwas ist, was mit den Nerven zusammenhängt, desto weniger weit wirkt es wiederum im Körper. Und das wird uns das nächstemal dazu führen, daß wir noch besser, als wir es schon begriffen haben, begreifen lernen, daß von den Nerven die ganze Gestalt des Menschen abhängt. Der Mensch ist nach den Nerven gestaltet. Wenn wir nämlich beim Hund fragen: Wonach ist denn sein Schwanz gestaltet? Nach der Nase. —- Wonach ist sein Eingeweide gestaltet? Nach den Nerven des Maules. — Die Nerven sind an einem Ende und machen die Gestalt am andern Ende. Das ist etwas, was Sie, bitte, weiteren Betrachtungen zugrunde legen wollen. Sie werden sehr viel davon haben, wenn Sie darauf kommen, daß der Hund seine ganze Schwanzwedelei von der Nase hat; daß er, wenn er zum Beispiel sich wohl fühlt in seinen Eingeweiden, das von den Nerven seines Mundes hat und so weiter. Das Weitere werden wir noch sehen.

Also es ist außerordentlich interessant, wie die Nerven mit der Gestalt zusammenhängen. Deshalb habe ich Ihnen neulich gesagt: Auch ein Blinder hat von seinen Augen etwas, weil die Augennerven, die zwar beim Blinden nicht zum Sehen da sind, noch immer seinen Körper gestalten. Wie er ausschaut, das rührt von seinen Kopfnerven, und zum Teil von seinen Augennerven her, aber auch viel von seinen anderen Nerven. Und wenn wir daher studieren wollen, warum der Mensch in der Gestalt unterschieden vom Hund ist, da müssen wir an die Nase denken! (Finger auf den Nasenrücken.) Beim Hund nimmt die Nase einen großen Anteil an der Gestalt. Beim Menschen ist ja das überwunden; da ist die Nase ein wenig zurückgedrängt in ihren Funktionen. Beim Hund hat eben die Nase einen höheren Grad in der Stufenleiter. Beim Hund ist die Nase sozusagen der allererste Meister; beim Menschen ist sie in ihrer Tätigkeit zurückgedrängt. Da werden wir sehen, was dann anderes eintritt zu seiner Gestaltung. Da ist schon das Auge und das Ohr wichtiger zu seiner Gestaltung als seine Nase.

German original of The Nose, Smell, and Taste · ← Previous · Next →