Health and Illness, Volume I

GA 348 — 13 December 1922, Dornach

Fünfter Vortrag

Nun, meine Herren, vielleicht haben Sie heute einen besonderen Wunsch. Ist Ihnen etwas eingefallen, das Sie fragen wollen?

Fragesteller: Ich möchte wissen, woher das rührt, daß die blonden Menschen immer seltener werden. In meiner Heimat hat es früher noch sehr viele blonde Menschen gegeben - jetzt immer weniger. Was hat es für eine Bewandtnis damit?

Dr. Steiner: Das paßt ja sehr gut zu unserer Betrachtung. Ich werde Ihnen das ganz gut erklären können, wenn ich Ihnen zuerst noch das Auge erkläre. Wir haben das Ohr betrachtet; jetzt werde ich Ihnen das Auge erklären. Sie werden bemerkt haben, daß die Blondheit sehr stark zusammenhängt mit den blauen Augen. Blonde Leute haben meistens, das ist schon eine Regel, blaue Augen. Mit dem hängt zusammen, was Sie fragen. Sie werden das ganz gut begreifen, wenn wir das Auge betrachten. Das Auge ist in der Tat im Menschen etwas außerordentlich Wichtiges. Denn, sehen Sie, man könnte zum Beispiel glauben, wenn Menschen blind geboren sind, dann hätten sie eigentlich vom Auge gar nichts. Gewiß, Menschen, die blind geboren sind, die haben von ihren Augen das nicht, daß sie sehen können — das können sie ja nicht, wenn sie blind geboren sind. Aber die ganze Augenorganisation steckt ja in ihnen. Und das Auge hat eben nicht bloß die eine Bedeutung, daß wir sehen, sondern das Auge hat auch die Bedeutung, daß es eigentlich unser ganzes Nervensystem, soweit das Nervensystem vom Gehirn ausgeht, beeinflußt. Das Auge kann zwar nicht sehen beim Blindgeborenen, aber es ist doch in der Augenhöhle drinnen, und es ist nur im Innern, besonders im Sehnerv, nicht in Ordnung. Aber die Muskeln, die bei jedem Menschen zum Auge hingehen, die sind auch beim Blinden vorhanden, und die beeinflussen eigentlich das Nervensystem fortwährend — auch beim Blinden. Und deshalb ist das Auge schon eines der wichtigsten Organe, die wir in unserem Organismus, in unseren Körper haben.

Das Auge sitzt ja in einer Höhlung drinnen, die von den Kopfknochen, dem Kopfskelett aus gebildet wird, und das Auge ist tatsächlich so etwas wie eine kleine Welt. Es ist außerordentlich interessant, sich zu sagen: das Auge ist etwas wie eine kleine Welt. Denn, sehen Sie, wenn wir das Auge betrachten, so sitzt zunächst der Sehnerv in der Gehirnmasse drinnen. Also ich will die Gehirnmasse so andeuten (es wird gezeichnet); da geht dann das Gehirn ins Rückenmark über; da geht das Rückenmark herunter. Nun sitzt da der Sehnerv drinnen. Der füllt dann das Auge aus. Das Auge selbst will ich etwas größer hinzeichnen. Wenn das Auge so hinschaut, dann ist hier dieser Kanal, durch den der Sehnerv geht. Was ich hier rot gezeichnet habe, geht da durch; dann sitzt das Auge, wenn ich es von der Seite zeichne, so in der Augenhöhle drinnen. Da hier ist überall Fett, und da sind dann die Augenmuskeln; die sitzen hier; die gehen dann so da hinein, und da hier sind dann die Knochen. Das sitzt unmittelbar auf dem auf, was hier hinter dem Oberkiefer ist. Also so sitzt das Auge da drinnen.

Und wenn Sie das Auge von vorne anschauen, so sehen Sie zunächst durch eine ganz durchsichtige, glashelle Haut durch. Das, was ich hier grün mache, ist also diese Haut; die geht so durch; da ist sie überall undurchsichtig, aber hier ist sie ganz durchsichtig, so daß hier das Licht in das Auge herein kann. Das ist also, wenn Sie in das Schwarze hineinschauen. Das Schwarze, das ist nämlich gar nicht etwas. Das Schwarze, das ist nichts, sondern beim Schwarzen sehen Sie hindurch durch das ganze Auge, und dahinten am Auge, da ist es schwarz. Sie sehen also durch diese durchsichtige Haut bis an die hintere Wand des Auges, und deshalb erscheint Ihnen das, was man die Pupille nennt, schwarz. Geradeso wie wenn Sie zum Fenster hereinschauen und die Hinterwand schwarz wäre, so täuschen Sie sich und meinen, da vorne sei das Schwarze. Innen ist das Auge ganz durchsichtig. Und dieses hier ist tatsächlich eine hier undurchsichtige, hier durchsichtige harte Haut. Und innerhalb dieser harten Haut, da befindet sich ein Netz, das ganz feine Blutadern enthält. Da sind ganz feine Blutadern, und diese feinen Blutadern bilden hier einen Wulst. Wenn man es von vorne sieht, so sieht man es so, wie es die Zeichnung hier zeigt. Und was man da um den schwarzen Punkt herum sieht, das ist die sogenannte Regenbogenhaut oder Iris; und die ist - ich werde gleich ausführlicher darüber reden — bei manchen Menschen blau, bei manchen grau, bei manchen ganz schwarz, nicht wahr. Also das ist dasjenige, was um das Schwarze herum ist.

Zwischen dieser durchsichtigen Haut - Hornhaut nennt man sie — und dieser Iris, da ist drinnen ein hartes, man kann sagen, hartes Wasser. Das ist wieder ganz durchsichtig. Also wo Sie das Schwarze sehen, da ist zunächst die durchsichtige Haut, und hinter der durchsichtigen Haut liegt ein hartes Wasser, geradeso wie wenn Sie zum Fenster hereinschauen würden, und da wäre hartes Wasser liegend, — vordere Augenkammer nennt man es. Es ist lebendiges Wasser, was also so ist wie ein ganz kleinwinziges Glaslinschen. Wie eine kleine Linse sieht es aus, wenn man es herausnehmen könnte, nur nicht ganz wie eine Linse. Eine Linse ist so (es wird gezeichnet), während dieses so ist, daß es hinten mehr eben ist und vorne mehr gebogen ist; und da hier, wo diese feinen Adern hierhergehen und die Regenbogenhaut bilden, da ist die eigentliche Linse. Das ist wiederum ein, ich möchte sagen, lebendiges Wasser; das ist die Linse. Die äußere Haut dieser Linse ist wieder ganz durchsichtig, so daß Sie eben, wenn Sie hineinschauen, das Schwarze dahinten sehen können.

Diese Linse, die ist also da von der Aderhaut eingefaßt; sie ist aber nicht so wie eine Glaslinse unbeweglich, sondern sie ist beweglich. Wenn Sie in der Nähe sehen, ganz in der Nähe, dann ist diese Linse so gebogen. Wenn Sie mehr in die Ferne sehen, dann ist diese Linse so gebogen. Also in der Mitte ist sie dick, wenn Sie in der Nähe sehen, und in der Mitte dünn, wenn Sie in die Ferne sehen.

Und das da hier, was Regenbogenhaut ist, das enthält ganz feine Muskeln. Mit diesen feinen Muskeln machen Sie die Linse in der Mitte dick, wenn Sie in die Nähe sehen; oder wir machen die Muskeln schlaffer, dann wird sie so dünn. Der Mensch gewöhnt sich auch durch seine Lebensweise daran. Wenn einer also ein Bürokrat ist und immer schreibt, immer in der Nähe das Auge hat, dann wird seine Linse allmählich in der Mitte dick: er wird kurzsichtig. Wenn einer ein Jäger ist und immer in die Ferne sehen muß, wird seine Linse in der Mitte dünn, und er wird weitsichtig.

Aber die Sache ist auch so, daß in der Jugend diese Muskeln, diese kleinwinzigen, die da in dieser Iris, in der Regenbogenhaut drinnen sind, noch stark sind; da können wir uns noch anpassen an das, was wir sehen. Im Alter werden die Muskeln schlaffer. Daher werden wir im Alter fast alle weitsichtig. Darauf beruht es ja, daß wir abhelfen können. Wenn einer eine Linse hat, die in der Mitte zu dick ist, so geben wir ihm eine Brille, die solche Gläser hat im Durchschnitt (es wird gezeichnet); dadurch wird hier — da ist sie dick, da dünn - die Dicke der Linse ausgeglichen. Manche haben sogar zweierlei; je nachdem sie etwas ansehen wollen im Raume draußen, brauchen sie eine weitsichtige Brille; wenn sie in der Nähe sehen wollen, brauchen sie eine kurzsichtige Brille. Wenn einer also die Linse so hat (es wird auf die Zeichnung gewiesen), so müssen wir ihm eine solche Brille geben. Dann gleichen wir das aus. Dann kommt dadurch, daß es da dicker ist, diese Dicke der Brille zu unserer Augenlinse dazu, und es wird ausgeglichen.

Das ist nun eben so, daß man schon sagen kann: Weil man das ausgleichen kann, was die Linse im Auge schlecht hat, kann man sehen. Die Linse im Auge ist eine Linse wie unsere Brille. Jeder hat da eine Brille, mit der er weit und nah sehen kann. Da sind Sie allmählich jedem gewachsen. Die Brille bleibt natürlich wie sie ist, aber die Linse im Auge ist eine lebendige Linse; die paßt sich an.

Und da, hinter der Linse, ist nun wiederum etwas, was wie ein lebendiges Wasser ist, und das ist wiederum ganz durchsichtig, so daß das Licht überall herein kann. Es füllt das ganze Innere des Auges aus, so daß wir eigentlich das Auge im Innern zunächst ganz durchsichtig haben. Hier (vordere Augenkammer) ist etwas wie ein hartes Wasser, durchsichtig; eine Linse, durchsichtig; ein Glaskörper, alles wieder durchsichtig.

Der Sehnerv, der geht da ins Auge hinein, geht ungefähr bis hierher; und dieser Sehnerv, der ist nun ein furchtbar kompliziertes Ding. Ich habe ihn hier so gezeichnet, als ob sich einfach der Hauptstrang des Nervs in diese hier teilte; aber es ist nicht ganz so, sondern wenn wir diese Nerven studieren, so müßte ich eigentlich hier vier Schichten zeichnen. Also vier Nervenschichten umgeben unseren Glaskörper; es ist so wie ein Glas, aber das Glas hat dann zu seiner Wandung vier Schichten. Ich werde jetzt ein Stückchen von einem solchen Nerv zeichnen (es wird gezeichnet): Da ist eine äußere Schichte; diese äußere Schichte, die wirkt wie ein starker Spiegel. Also das Licht kommt da herein und fällt dann auch überall an diese Schichten hier und wird überall zurückgespiegelt. Das Licht geht nicht in das hier herein, sondern es bleibt im Auge. Aber das wirkt wie eine Spiegelwand. Das Licht wird hierher zurückgestoßen. Das ist die äußerste Schichte. In dieser ist dann weiter drinnen noch eine Schichte; die verstärkt noch den Spiegel. So daß wir diesen Nerv, der unser Auge auskleidet wie eine Blase, aus vier Schichten bestehend haben. Die äußerste Schichte und die zweitäußerste Schichte, die werfen alles Licht wiederum in das Auge zurück, so daß wir da drinnen in diesem Glaskörper eigentlich das ganze zurückgeworfene Licht haben. Dann ist eine dritte Schichte; das ist diese (es wird gezeichnet); die besteht aus derselben Substanz, aus der unser graues Hirn besteht. Ich habe Ihnen gesagt: außen ist das Gehirn grau, nicht weiß. Also da ist ein Stückchen Gehirn als die dritte Schichte drinnen. Und als die vierte Schichte haben wir noch extra da drinnen eine Haut. Also dieser Glaskörper ist eigentlich in einem sehr komplizierten Sack drinnen. Alles Licht, das in den Glaskörper hineinkommt durch die Pupille, wird in dem Glaskörper zurückgeworfen und lebt da nun darinnen.

Sie sehen, wir haben zunächst eigentlich im Auge etwas, was aussieht wie ein furchtbar komplizierter physikalischer Apparat. Wozu ist das alles? Nehmen Sie an: Hier irgendwo, da steht ein Mensch. Durch dieses, was da ist — diesen Glaskörper, diese Linse- wird da hinten, weil das alles gespiegelt wird, ein umgekehrtes Bild von diesem Menschen erzeugt. Also wenn da ein Mensch steht, so haben Sie im Menschen durch diesen ganzen Apparat einen kleinen Menschen, ein kleines Menschenbild, das aber auf dem Kopf steht; das haben Sie da hinten (im Auge), so wie bei einem photographischen Apparat. Es ist richtig wie ein photographischer Apparat: es wird abphotographiert, das Bild steht auf dem Kopf. Das haben wir in unserem Auge. Das kommt daher, weil das Auge ein Spiegelungsapparat ist. Es geht das Licht hinein, und es spiegelt hierher. So haben wir also einen kleinen Menschen im Auge drinnen.

Nun, sehen Sie, man kann sich wiederum sagen: So etwas, wie dieses Menschenauge, das könnten wir heute mit all unseren noch so komplizierten Apparaten natürlich nicht herstellen. Dieses Menschenauge, das ist überhaupt etwas außerordentlich Wunderbares. Wenn Sie sich das ganze Firmament vorstellen mit den Sternen, die das Licht auf die Erde hereinstrahlen, also einen, wie man sagt, lichtausgefüllten Raum denken, und das dann ganz klein denken, dann haben Sie eigentlich das Innere des Menschenauges. Es ist eigentlich eine ganze Welt im kleinen. Und diese Spiegelung dahier, die wirkt eigentlich, wie wenn lauter Sterne dastehen würden; denn diese äußeren Wände, die sind nicht so, daß sie gleichmäßig spiegeln, sondern ich müßte eigentlich so zeichnen: das sind lauter solche kleine Körperchen, wie kleine Sterne, und von diesen strahlt es ins Innere des Körpers herein. Wenn wir also selber ein so winzig kleiner Mensch sein könnten wie das Bildchen und könnten uns das Innere eines Auges betrachten — wenn wir solche winzigkleinen Zwerge wären, wenn wir nicht gewöhnt wären, solche großen Menschen zu sein, wie wir sind, so würden wir ja das, wenn wir so klein wären, für riesenhaft halten, wenn wir da drinnen selber dieses kleine Menschlein wären und das betrachten würden; wir würden uns gar nicht anders vorkommen als in der Nacht, wenn wir auf der Erde stehen und die strahlenden Sterne sehen. Es ist ganz so. Es ist dies furchtbar interessant, sich klarzumachen, daß eigentlich das Auge eine kleine Welt ist. Und wenn das, was erzeugt wird durch Spiegelung, das Bildchen, bewußt sein könnte, so würde das sich vorkommen, wie wir uns vorkommen in einer sternenhellen Nacht. Sehr interessant ist das.

Nun, ich sage: wenn das sich bewußt sein könnte. Aber wenn wir nicht das Auge hätten, dann würden wir auch die sternenhelle Nacht ja nicht sehen. Wir sehen die sternenhelle Nacht eben dadurch, daß wir das Auge haben. Wenn wir es zumachen, ist die sternenhelle Nacht nicht da. Daß wir den ganzen Sternenhimmel sehen, das hängt eigentlich vom Auge ab, daß da zuerst diese kleinwinzige Welt drinnen ist, und wir uns sagen: Diese kleinwinzige Welt, die bedeutet eigentlich die große Welt. Das ist etwas, das Sie sich nur klarmachen müssen.

Denken Sie, es zeigt Ihnen einer von Ihnen selber oder von einem anderen Menschen eine ganz winzig kleine Photographie. Sie werden sagen: Das ist ja so winzig klein und rührt von einem großen Menschen her. Den haben Sie aber gar nicht vor sich. Eigentlich haben Sie immer nur in sich diesen kleinen, winzigen Sternenhimmel, und Sie sagen sich: Was ich da vor mir habe, ist die Photographie vom großen Sternenhimmel. Das tun Sie immer, fortwährend. So daß Sie eigentlich in Wirklichkeit in sich den kleinen, winzigen Sternenhimmel des Auges haben und sich dann sagen: Das ist die Photographie vom großen Sternenhimmel. Sie stellen sich eigentlich den wirklichen Sternenhimmel immerfort nach dem kleinen Sternenhimmel im Auge vor. Das ist also nur eine Vorstellung, die Sie sich selber machen. Das, was Sie wirklich erleben, das ist der kleine Sternenhimmel im Auge.

Nun können Sie sagen: Das wäre ja alles der Fall, wenn wir nur ein einziges Auge hätten wie die Zyklopen; aber wir haben ja zwei Augen. Warum haben wir eigentlich zwei Augen? Ja, sehen Sie, probieren Sie es einmal: Wenn Sie mit einem Auge irgendwohin schauen, da kommt es Ihnen vor, wie wenn alles auf der Rückwand aufgemalt wäre. Sie sehen die Körper nicht doppelt. Körperlich sehen Sie die Körper nur dadurch, daß Sie zwei Augen haben. Wenn Sie mit zwei Augen schauen, so ist das gerade so, wie wenn Sie Ihre linke Hand mit der rechten Hand angreifen. Dadurch, daß wir schon als Kinder gewöhnt worden sind, uns selbst zu berühren, dadurch sagen wir eigentlich zu uns «Ich», dadurch nehmen wir uns selber wahr. Wenn niemals unsere rechte Seite unsere linke wahrnehmen könnte, würden wir in der Sprache garnicht das Wörtchen «Ich» haben. Wir wüßten nichts von uns. Da gewöhnt man sich so hinein in die wichtigsten Dinge, daß man sie wie etwas Selbstverständliches anschaut.

Nun, irgendeiner, der heute so ein rechter Philister ist, der sagt: Ich werde doch nicht weiter nachdenken darüber, warum ich «Ich» sage. Das ist doch selbstverständlich, daß man «Ich» sagt! — Aber er ist dann eben ein Philister. Er weiß nicht, daß gerade die feinsten Dinge auf den kompliziertesten Sachen beruhen. Er weiß nicht, daß er sich als Kind angewöhnt hat, sich selber anzugreifen, namentlich mit der rechten Hand die linke anzugreifen, und dadurch zu sich «Ich» zu sagen.

Sehen Sie, das geht bis in die Kultur hinein. Wenn wir in die ganz alten Menschheitszeiten gehen, meinetwillen nur bis in die Zeiten des Alten Testamentes, da haben die Priester, die in älteren Zeiten — verzeihen Sie den ketzerischen Ausspruch — oftmals viel gescheiter waren als in der neueren Zeit, gesagt: Wir wollen die Menschen zum Selbstbewußtsein bringen. Da haben sie die Hände falten lassen. Das ist der Ursprung des Händefaltens: sich selber berühren, um in sich das starke Ich zu finden, Wille zu entwickeln. Alles das sagt man ja heute nicht, weil man die Dinge nicht begreift. Heute sagen die Priester den Menschen, sie sollen die Hände falten zum Gebet, aber sie sagen ihnen nicht, was es für eine Bedeutung hat. Es ist tatsächlich so.

So ist es auch beim Auge. Wenn wir mit zwei Augen schauen, haben wir die Vorstellung, daß das, was im Licht ist, räumlich ist, nicht bloß Kräfte. Wenn wir ein Auge hätten, würden wir immer nur das Firmament sehen, und alles wäre auf dem Firmament aufgemalt. Daß wir die Vorstellung haben, daß alles räumlich ist, das rührt von unseren zwei Augen her. Und wir selbst fühlen uns dann drinnenstehend als den Mittelpunkt der Welt. Jeder fühlt sich als Mittelpunkt der Welt, mancher in schlechtem, mancher auch in gutem Sinne. So ist also, daß wir zwei Augen haben, von einer großen Bedeutung.

Und sehen Sie, daß wir durch das Auge sehen, das ist ja natürlich so etwas Wichtiges für den Menschen, daß man eigentlich immer nur das als das Einzige anschaut beim Auge.

Beim Ohr verhalten wir uns nicht bloß so. Ich glaube, ich habe Ihnen schon das vorletztemal gesagt, daß wir ja nicht bloß hören, sondern auch sprechen, das heißt selber das, was wir hören, hervorbringen. Und wir verstehen das Gesprochene eigentlich nur dadurch, daß eine Verbindungsröhre — die Eustachische Röhre - vom Rachen aus ins Ohr hineinkommt. Sie wissen ja, daß Kinder, die nicht hören, auch nicht sprechen lernen können. Und Leute, die nicht sprechen lernen, können auch das Gehörte nicht verstehen. Da muß man dann künstliche Mittel anwenden, um das Gehörte zum Verständnis zu bringen.

Beim Auge schaut das so aus, als ob man es nur allein zum Sehen hätte. Aber das Kind lernt nicht nur sehen mit den Augen, sondern das Kind - nur beobachtet man das nicht so — lernt auch sprechen mit den Augen. Nur ist die Sprache der Augen nicht eine so brauchbare wie die Sprache, die für die Ohren ist. Sie werden aber finden, daß ein Unterschied ist, ob der eine Sie anlügt, oder ob der andere Ihnen die Wahrheit sagt. Wenn Sie ein bißchen feine Empfindung haben, dann werden Sie an der Art, wie er Sie anschaut, sogar erkennen, ob er Ihnen die Wahrheit sagt, oder ob er Ihnen den Buckel voll lügt. Die Augen sprechen schon. Und das Kind lernt ebenso mit den Augen sprechen, als mit dem Munde sprechen.

Nur ist diese Sprache beim Auge so, daß, während beim Lautesprechen, beim Tonsprechen der Kehlkopf getrennt ist vom Ohr und es zwei Dinge sind, es beim Auge so ist, daß da drinnen das sehende Auge ist, und da herum sind die Muskeln. Die Muskeln sind nun dasjenige, was das Auge auch zu einer Art sichtbarem Sprechorgan macht. Ob wir so blicken (geradeaus), oder falsch blicken, das hängt von den Muskeln ab, die ich hier gelb gezeichnet habe, und die so überall hineinkriechen, überall im Auge sind. Das ist gerade so, wie wenn wir so organisiert wären — bei den Fischen ist es so —, daß das Ohr in unserem Kehlkopf schon drinnen steckte und wir so sprächen. Nicht wahr, das Ohr ist abgetrennt vom Kehlkopf; bei einem Fisch ist es noch ganz eins. Da sprechen wir so, daß das Sprechen abgetrennt ist vom Hören. Beim Auge ist es so, als wenn der Kehlkopf selber das Ohr in den Muskeln umgibt. Da steckt das Auge drinnen im Sprachorgan, wie wenn das Ohr im Sprachorgan drinnen stecken würde. Beim Menschen ist es ja so — bei den Fischen ist es anders -: Da haben wir ja hier den Kehlkopf; da geht die Fortsetzung in die Lunge hinein; da ist der Kehlkopf, die Gaumenplatte, und dadurch sprechen wir. Das geht dann in den Mund herauf. Und dann geht vom Mund die Fortsetzung bis zum Ohr herüber.

Nun denken Sie sich, es wäre nicht so, wie es beim Menschen ist, sondern so, daß der Kehlkopf weiter sich ausbreitet, so daß wir hier einen breiten Kehlkopf haben, wie das da drüben der Luzifer hat auf meiner Holzfigur; und dann steckt er so drinnen, so daß der Kehlkopf hier heraufgeht und das Ohr drinnen steckt; dann wäre das hier das Organ der Lautbildung, und wir würden mit demselben Organ sprechen und hören. Beim Auge ist es so: da sprechen wir durch die Muskeln, die ringsherum gehen, und wir sehen durch das Auge, das mitten drinnen steckt. Also das Auge ist schon sehr ähnlich dem Ohr gebaut und wiederum natürlich ganz verschieden. Also daher haben wir diese Muskeln, die ich da gelb gezeichnet habe.

Wenn wir sprechen, kann man sagen: Beim Sprechen sagen wir eigentlich dasjenige, was wir wissen. Es gibt zwar auch Leute, die manches sagen, was sie nicht wissen. Aber die sehen wir ja eigentlich mehr oder weniger als Narren an. Man sagt dann: Die sprechen zu sich selber, sprechen aus dem Leibe heraus. Aber in der Regel, bei vernünftigen Menschen, bei besonnenen Menschen ist es so, daß der Mensch das sagt, was er weiß.

Beim Auge ist es aber so, daß wir nicht bewußt sprechen. Wir müßten schon ganz raffinierte Kerle sein, wenn wir die Sprache des Auges bewußt sprechen. Das geht unbewußt und begleitet dasjenige, wie wir uns sonst verhalten. Aber es geht so weit, daß dann, wenn Sie zum Beispiel nach Süditalien kommen, die Leute noch von dem «bösen Blick» reden. Da wissen die Leute, daß allerdings ein Mensch, der einen gewissen Blick hat, falsch ist. Und die Leute in Süditalien, die reden durchaus noch von diesem falschen Blicke, weil sie empfinden: Das Auge spricht die ganze Menschennatur aus, von der eigentlich der Mensch nichts weiß. Und der Aberglaube in Süditalien geht sehr weit: da hat man kleine Amulette, solche Dinger, die man sich umhängt, die einen beschützen sollen vor dem bösen Blick, weil man sich fürchtet vor diesem bösen Blick der Menschen.

So sehen Sie, wie wunderbar eigentlich dieses Auge gebildet ist. Aber derjenige, der nun dieses Auge so studiert, der kann ganz unmöglich sagen: Ja, da ist nichts Seelisches im Auge drinnen. — Es ist einfach dumm und philiströs, wenn man sagt: Da ist nichts Seelisches im Auge drinnen. — Die Leute sagen: Da außen ist das Licht. Das Licht, das fällt da durch dieses Loch in das Auge ein, geht in die Linse, in den Glaskörper, der Glaskörper erzeugt hier ein Bild, geht weiter in das Gehirn hinein. - Und dann hört die heutige Wissenschaft auf. Die sagt dann noch: In dem Gehirn wird das Licht zum Denken, zum Vorstellen verwendet. - Und da kommt dann so ein allgemeiner Quatsch zustande, wenn man das beschreibt. Es ist eigentlich nichts.

Aber es ist eigentlich gar nicht so, daß das Licht bis ins Gehirn geht. Ich habe Ihnen ja gezeigt, wie das Licht hier überall wie ein Spiegel zurückgeworfen wird. Das Licht bleibt ja im Auge. Das bleibt; und das ist wichtig, meine Herren, daß man weiß: Das Licht bleibt im Auge. Das Auge ist innerlich wie ein erleuchteter Sternenraum. Das Licht bleibt im Auge drinnen, geht gar nicht ins Gehirn hinein unmittelbar, wie es als Licht ist. Wenn das Licht nämlich ins Gehirn hineinginge, würden wir nichts sehen. Sehen können wir nur dadurch, daß das Licht nicht ins Gehirn hineinkommt. Denken Sie sich einmal, meine Herren, Sie stehen hier in dem Raum, sind da ganz allein, keine Stühle, gar nichts, nur Wände, aber der Raum ist innerlich ganz erleuchtet. Sie sehen nichts darinnen. Sie wissen nur, er ist hell, aber Sie sehen nichts darinnen. Wenn das Gehirn bloß mit Licht ausgefüllt wäre, würden wir nichts sehen. Das Licht allein macht es nicht aus, daß man sieht. Und das Licht wird überhaupt im Auge aufgehalten, durchleuchtet nur das Auge. Und was ist es? Nun, denken Sie sich, hier liegt dieses Kästchen. Ich stelle mich so her. Früher habe ich es nicht gesehen. Dann muß ich hinter mich greifen, und dann kann ich wissen, daß das Kästchen da ist. Wenn das Auge innerlich erleuchtet ist, so muß ich erst das Licht fühlen, damit ich weiß, daß das Licht da ist. Ich muß erst das Licht fühlen. Und das tut man mit der Seele. Also dieser Augenapparat, der erzeugt das, was wir fühlen können. Die Seele geht dann durch die Muskeln und so weiter und fühlt, fühlt das kleine Männchen darinnen (es wird gezeichnet).

Jedes Organ im Menschen zeigt uns, daß wir irgendwo sagen müssen: Die Seele, die nimmt das wahr, die fühlt das, was da drinnen ist. Gerade wenn man genau studiert, dann findet man überall das Seelische und das Geistige, besonders beim Auge, wo man sich eigentlich wirklich nach und nach so fühlt, wie wenn man vor einem Guckkasten sitzt. Da guckt man hinein. Und wenn ich nun hier einen Guckkasten habe, so ist da drinnen ein kleines Bild von Ihnen allen. Und wenn andere so hereinschauen, ja, dann sehe ich das da drinnen; aber ich bilde mir die Vorstellung: das, was da drinnen ist, ist das Große hier draußen. So ist es mit unserem Auge. Nehmen Sie an, das sei ein kleiner Guckkasten, und die Seele bildet sich die Vorstellung, daß das alles die große Welt ist. Man kommt gar nicht darüber hinweg, auf das Seelische zu sehen, wenn man die Sache in ihrer Wahrheit betrachtet.

Nun, ich habe Ihnen gesagt: Hier, wo ich dieses Lila gezeichnet habe, sehen Sie, wo da die Aderhaut ist, die unter dem Sehnerv noch liegt. Der Sehnerv, der geht nicht ganz nach vorn, aber die Aderhaut geht mit den Muskeln zu-der Linse hin und hält eigentlich da die Linse. Und das, habe ich Ihnen gesagt, ist die Regenbogenhaut, die Iris, die man um die schwarze Pupille herum, die ja nur ein Loch ist, sieht. Diese Regenbogenhaut, das ist ein äußerst kompliziertes Ding. Ich will sie noch einmal etwas größer von der Seite zeichnen. Wir hätten hier diese Regenbogenhaut, wie sie von der Aderhaut her kommt; da sitzt dann diese Linse drinnen, wird gehalten von der Regenbogenhaut. Nun, diese Iris oder Regenbogenhaut hat —- wenn Sie den Menschen von vorne anschauen, so hat die Iris eine Vorderwand und eine Hinterwand -, die hat an der Hinterwand allerlei farbige Körnchen. Das sind kleine Säckchen, winzige Säckchen. Die sind mit blauem Farbstoff ausgefüllt. Bei jedem Menschen sind sie mit blauem Farbstoff ausgefüllt. Und auf diesen blauen Farbstoff schaut man, wenn man blauäugige Menschen sieht. Da ist also das, was da vorne ist, durchsichtig, und man schaut auf den hinteren blauen Farbstoff der Regenbogenhaut oder Iris, wenn man einen blauäugigen Menschen vor sich hat. Man schaut bei ihm eigentlich die hintere Wand an; das Vordere ist ja durchsichtig. Gibt es einen braunäugigen Menschen, dann hat der auch dasselbe Blau an der Hinterwand der Iris, aber außerdem sitzen bei ihm noch braune Körperchen hier vorne und bedecken die blauen hinten, und Sie sehen auf die braunen Körperchen. Und wenn es ein schwarzäugiger Mensch ist, so hat er da schwarze Säckchen. Sie sehen die blauen wiederum nicht, sondern Sie sehen die schwarzen Säckchen. Dasjenige, was den Menschen zu einem blauäugigen, braunäugigen oder schwarzäugigen Menschen macht, das ist also seine Regenbogenhaut, die an der Hinterfläche immer blau ist und an der Vorderfläche bei den Blauäugigen gar keine Säckchen hat; bei den Schwarzäugigen und Braunäugigen hat es auch an der Vorderseite solche Säckchen, so daß man die hinteren blauen Säckchen dann nicht sieht.

Woher kommt das? Ja, sehen Sie, diese Säckchen, die werden nämlich immerfort angefüllt und wiederum leer gemacht vom Blut. Da geht das Blut ganz fein herein. So daß also beim Blauäugigen diese Säckchen fortwährend ein bißchen angefüllt werden vom Blute, es geht wieder zurück und so weiter. Und ebenso ist es beim Braun- und Schwarzäugigen: Das Blut geht herein, setzt blauen oder schwarzen Farbstoff ab, geht wieder zurück, nimmt auch den Farbstoff wieder mit. Das ist fortwährend im Leben.

Nun, denken Sie, es gibt Menschen, die haben in ihrem Blut eine ganz starke Kraft, eine Kraft, so daß sie die Nahrungsmittel bis in die Augen hinein treiben. Dann kriegen sie braune oder schwarze Säckchen. Diejenigen, die schwarze Säckchen haben, sind diejenigen, die ihr Blut stark bis in die Augen hinein treiben können, so daß die Nahrungsmittel noch ordentlich bis in die Augen hinein kommen, — diejenigen Menschen, die braunäugig sind, schon weniger. Diese, die braunen, sind weniger gut ernährt. Wenn aber einer blauäugig ist, dann treibt er überhaupt nicht die Nahrungssäfte so stark bis ins Auge hinein, daß auch die Vorderwand der Regenbogenhaut noch mit Nahrungssaft ausgefüllt wird. Dadurch bleibt das durchsichtig, und wir sehen noch auf die Hinterwand. Wenn der Mensch blauäugig ist, so hängt das davon ab, wie er seine Säfte durch den ganzen Körper treibt. Sehen Sie also einen Menschen, der blauäugig ist, so können Sie sich sagen: der hat geringere Stoßkraft in seinen Säften als ein Mensch, der schwarzäugig ist.

Ein recht nordischer Mensch muß viel verwenden von dem, was seine Nahrungsmittel sind, um die Kälte um sich herum zu bezwingen. Der hat nicht mehr die Kraft, das noch in die Augen hineinzutreiben. Er muß sie gegen die Kälte haben. Er wird blauäugig. Ein südlicher Mensch, der immer in der Wärme lebt, hat dagegen die Stoßkraft in seinem Blute, bis in die Augen hinein die Nahrungsmittel zu bringen. So hängt es in der gemäßigten Zone von der Menschennatur ab, ob man eben mehr oder weniger Stoßkraft hat.

Aber das hängt auch mit den Haaren zusammen. Wer starke Stoßkraft hat, der schiebt eben die Nahrungssäfte bis in die Haare hinein, hat schwarze oder braune Haare. Wer weniger Stoßkraft hat, schiebt die Nahrungssäfte nicht bis in die Haare hinein, und sie bleiben hell, werden nicht dunkel. Und so hängen blaue Augen und blonde Haare zusammen. Die Sache ist so, daß überhaupt einer, der die Nahrungssäfte stark durch seinen Körper treibt, dunkle Haare kriegt und dunkle Augen; derjenige, der sie weniger stark treibt, kriegt helle Augen und helle Haare. Das ist daraus zu begreifen, wie ich es Ihnen gesagt habe. Sehen Sie, die Leute denken nicht über die wichtigsten Dinge nach, Wenn man aber über die wichtigsten Dinge nachdenkt, dann kommt man darauf, wie alles lebt. Die Erde, auf der wir leben - Sie können das schon aus den Schilderungen entnehmen, die ich Ihnen früher gegeben habe -, die Erde war auch einmal ganz jung, als sie die RiesenmegÄtherien und Ichthyosaurier hervorgebracht hat. Sie war jung. Jetzt steht es mit der Erde so, daß sie im Grunde genommen über das Mannesalter hinaus ist; sie wird immer älter und wird einmal an Altersschwäche zugrunde gehen, nicht an den Dingen, wovon die heutigen Materialisten reden. Aber wir stehen heute tatsächlich schon ein bißchen in der Altersschwäche der Erde drinnen, meine Herren. Daher ist das ganze Menschengeschlecht in der Stoßkraft, die Nahrungsmittel durch den Körper zu treiben, schwächer geworden. Wer muß daher zuerst verschwinden von der Erde? Die Schwarzen halten es länger aus, haben die größere Stoßkraft; die Blonden haben die geringere Stoßkraft, sterben früher aus. Wir sind schon drinnen in der Altersschwäche der Erde! Das hat der Herr (der die Frage stellte) ja auch gesagt, daß es heutzutage nicht mehr so viele Blonde gibt wie in seiner Jugend. Deshalb, weil die Erde nicht mehr so starke Kraft hat zu stoßen, erreichen nur noch die schwarzen und die braunen Menschen die größere Stoßkraft; die Blonden und Blauäugigen, die sind eigentlich schon im Aussterbe-Etat, weil sie nicht mehr mit der nötigen Stoßkraft die Kräfte durch ihren Körper treiben können.

Man kann also sagen: Die Blonden waren eigentlich körperlich immer die Schwächeren, sie waren eigentlich nur seelisch die Starken. Und in früheren Zeiten waren viele Menschen blond, waren aber seelisch stark, haben seelisch noch viel von dem gewußt, was heute viele nicht mehr wissen können. Daher habe ich Sie auch aufmerksam machen können, wie viel die Menschen gewußt haben.

Nehmen Sie zum Beispiel das alte Indien, so fünf- bis sechstausend Jahre vor Christi Geburt. Das hatte ja ursprünglich einheimische schwarze Bevölkerung; die waren ziemlich dunkel. Und dann waren Menschen eingewandert mit blonden Haaren, die vom Norden kamen. Daraus sind dann die Brahmanen geworden, die man besonders verehrte, die blonden Brahmanen. Aber mit der Zeit verliert sich die Blondheit, weil das Menschengeschlecht schwächer wird. Zuletzt würden nur mehr Braun- und Schwarzhaarige da sein können; aber wenn nicht nachgeholfen wird, so bleiben sie zugleich dumm. Denn je stärker die Körperkräfte sind, desto weniger stark sind die seelischen Kräfte. Und die Erdenmenschheit würde vor der Gefahr stehen, wenn die Blonden aussterben, daß die ganze Erdenmenschheit eigentlich dumm würde, wenn nicht das kommen würde, daß man eine Geisteswissenschaft haben wird, eine Anthroposophie, die nicht mehr auf den Körper Rücksicht nimmt, sondern die aus der geistigen Untersuchung selbst heraus die Gescheitheit wieder holt, wenn ich so sagen darf.

Also Sie sehen, lernt man richtig Naturgeschichte, so muß man sagen: Donnerwetter, die Menschen auf der Erde würden ja dumm, indem sie immer stärker werden! Die Menschen würden ja, wenn die Blauäugigen und Blondhaarigen aussterben, immer dümmer werden, wenn sie nicht zu einer Art Gescheitheit kommen würden, die unabhängig ist von der Blondheit. Die blonden Haare geben eigentlich Gescheitheit. Geradeso wie sie wenig in das Auge hineinschicken, so bleiben sie im Gehirn mit ihren Nahrungssäften, geben ihrem Gehirn die Gescheitheit. Die Braunhaarigen und Braunäugigen, und die Schwarzhaarigen und Schwarzäugigen, die treiben das, was die Blonden ins Gehirn treiben, in die Augen und Haare hinein. Daher werden sie Materialisten, gehen nur auf dasjenige, was man sehen kann, und es muß das durch geistige Wissenschaft ausgeglichen werden. Man muß also eine Geisteswissenschaft haben in demselben Maße, als die Menschheit mit der Blondheit ihre Gescheitheit verliert. Wir haben nicht zum Spaß diesen Bau, das Goetheanum, hierhergebaut, sondern auf das hin, was aus dem Menschengeschlecht wird, wenn nicht aus dem Geiste heraus nachgeholfen würde dem, was aus der Natur heraus verschwindet.

Sehen Sie, die Geschichte ist so ernst, daß man sagen kann: Es muß die Menschheit auf der Erde auf andere Weise als in alten Zeiten zu etwas kommen, was wiederum etwas hergibt. Denn es ist tatsächlich so, daß, je mehr die blonden Rassen aussterben, desto mehr auch die instinktive Weisheit der Menschen stirbt. Die Menschen werden dümmer. Und sie können nur wiederum gescheit werden, wenn sie nicht auf den Körper angewiesen sind, sondern wenn sie eine wirkliche geistige Wissenschaft haben. Das ist tatsächlich so. Und wenn heute die Leute darüber lachen, so mögen sie lachen. Aber sie haben ja über alles gelacht, was irgendwo aufgetreten ist und einen großen Umschwung hervorgebracht hat!

Natürlich, in der Zeit, in der es solche Riesenviecher gegeben hat, wie ich sie Ihnen beschrieben habe, die MegÄtherien, die Ichthyosaurier und so weiter, da hat es noch keine Kühe gegeben, Kühe, aus denen Milch für die Menschen genommen worden wäre. Das glauben Sie natürlich auch nicht, daß da Menschen da waren, die die Milch so gebraucht hätten. — Aber ich habe erst gestern bei jemandem gelesen, der nun eigentlich Angst hat vor dem Fortschritt, — der hat gesagt: Ja, wie es in alten Zeiten noch nicht Kühe hat geben können, so müssen auch die Menschen, die schon jetzt das sagen, was erst nach Jahrhunderten gesagt werden soll, verfolgt werden, denn es ist noch nicht an der Zeit, sondern erst nach Jahrhunderten soll das gesagt werden. — Das aber kommt mir so vor, wie wenn in der Zeit, wo die Kühe hätten entstehen sollen, keine Kuh die Courage gehabt hätte, nun Kuh zu werden! So könnte man sagen: Wenn man meint, das, was man heute als Anthroposophie lehrt, sollte erst nach Jahrhunderten kommen — dann würde sie überhaupt nicht kommen, wie keine Kühe gekommen wären. Na, da bleibe ich lieber ein altes Urschwein, statt daß ich mich zu einer Kuh umwandele!

Auf der Erde ist es eben so, daß man die Courage haben muß zum Umwandeln. Und jetzt muß man die Courage haben, von den Leuten, die eigentlich instinktiv noch etwas gewußt haben, bewußt zur Erkenntnis nun aufzusteigen. Deshalb trage ich Ihnen hier die Sachen auch so vor, daß Sie sie durchschauen können, daß Sie überall drinnen schauen können, wie der Hase läuft in den Dingen! Wenn Sie heute ein Buch in die Hand nehmen, oder hören von den Dingen draußen in der Welt, werden Sie nicht dahinterkommen, wie die Dinge laufen, wie die Geschichte eigentlich vor sich geht. Das wissen die Leute nicht.

Also selbst das, daß die Blondhaarigen aussterben, versteht man, wenn man begreift, wie die Nahrungssäfte bis in die Augen hinein kommen, und auch bis in die Haare hinein. Die Haare hängen nämlich sehr stark mit den Augen zusammen. Und wenn Sie zum Beispiel nach Mailand kommen und dort die Löwen sehen, dann werden Sie folgendes beobachten. Wenn das der Löwenkopf ist (es wird gezeichnet), dann sind die Mähnen, also die hauptsächlichsten Haare des Löwen, so gemacht, strahlenförmig gemacht. Das rührt noch von dem alten Wissen her, wo man gewußt hat, daß so, wie das Auge mit dem Licht zusammenhängt, auch die Haare mit dem Licht zusammenhängen.

Die Haare sind nämlich tatsächlich wie Pflanzen, die dem Boden eingesetzt sind, und ihr Wachstum hängt mit dem Licht zusammen. Wenn daher das Licht nicht imstande ist, bis in die Haare hinein die Nahrungssäfte zu ziehen, so bleiben die Haare blond. Wenn einer mehr materiell ist, so kriegt er schwarze Haare, und die Nahrungssäfte gehen hinein, vertragen sich dann nicht mit dem Licht. Das haben die Alten noch gewußt, vor ein paar Jahrhunderten noch, und haben daher die Mähne des Löwen nicht kräuselig gemacht, sondern strahlend gemacht, so wie wenn die Sonne die Lichtstrahlen in seinen Kopf hineinsteckte. Das ist auch sehr interessant zu beobachten.

German original of The Eye; Colour of the Hair · ← Previous · Next →