Health and Illness, Volume I
GA 348 — 2 December 1922, Dornach
Vierter Vortrag
Meine Herren, es hat hier jemand eine Frage aufgeschrieben in bezug auf die Schilddrüse:
Die Schilddrüse kann anschwellen, und es entsteht dann der Kropf. Da dieser auf die Luftröhre einen einengenden Einfluß haben kann, also störend wirkt, wurde ein operativer Eingriff gemacht, wußte man doch den Zweck der Drüse nicht. Aber bald nach dem operativen Eingriff zeigte sich eine merkwürdige Erscheinung. Leute, denen man die ganze Schilddrüse weggeschnitten hatte, veränderten sich an Geist und Gestalt. Das Wachstum hörte auf, die Gliedmaßen dunsteten auf, es sonderte sich kein Schweiß mehr ab, teilweise Verblödung trat ein. Als man die Ursache entdeckt hatte, wollte man den Schaden wieder beheben und gab den unglücklichen Menschen Schilddrüsen von frisch geschlachteten Kälbern oder Hammeln ein. Der Erfolg war überraschend. Alle schädliche Wirkung trat zurück; doch war der Erfolg nur scheinbar. Nach einigen Wochen verblaßte er, war nicht lebensfähig. Auch revoltierte bald der Magen. Man schritt dazu, Schilddrüsenteile in den Hals zu bringen. Auch hier verblüffende Wirkungen; doch traten auch hier wieder Verfallserscheinungen auf. Nicht besser ging es mit Einspritzungen von Schilddrüsensekret. Eine englische Fabrik hatte mit Tabletten überraschende Resultate erreicht, darunter bei Kretins. Eine kurze Unterbrechung im Benutzen dieser Tabletten läßt einen Stillstand der Heilung eintreten. Was ist beim Fortsetzen der Tablettenkur zu erwarten?
Nun, meine Herren, mit dem, was wir bisher schon besprochen haben, können Sie ungefähr die Dinge verstehen, um die es sich da handelt. Sehen Sie, es war so ungefähr bis vor vielleicht siebzig Jahren, so bis in die vierziger, fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts, da schrieb man der Schilddrüse, also derjenigen Drüse, die hier an der Vorderseite des Halses beim Menschen zu finden ist, keine besondere Bedeutung zu. Man dachte sich, solch eine Drüse sei vielleicht von einer ähnlichen Bedeutung wie der Blinddarm oder so etwas, rühre her von früherer Bedeutung, die die Sache bei den Vorfahren des Menschen hatte, und dergleichen. Kurz, man schrieb der Schilddrüse keine besondere Bedeutung bei, bis man merkte, daß die Entartung der Schilddrüse, also die Kropfbildung, einen besonderen Einfluß sogar auf die geistigen Fähigkeiten des Menschen hat. Und man studierte die Bedeutung der Schilddrüse, der Wucherung und Vergrößerung der Schilddrüse bei Kretins, bei blöde gebliebenen Menschen. Sehen Sie, solche Erscheinungen, daß Menschen blöde bleiben und stark vergrößerte, also wuchernde Schilddrüsen haben, die findet man besonders in gewissen Gegenden. Es ist ja wohl weit in der Welt bekannt, daß die Halberstädter Trottel mächtige Schilddrüsen haben, die sie sogar über die Schultern hinüberlegen können.
Nun handelt es sich darum, daß die Leute zunächst gedacht haben: Nun, wenn die Schilddrüsenentartung, die Schilddrüsenwucherung einen solchen Einfluß auf die geistigen Fähigkeiten des Menschen hat, dann wird man ja gut tun — so denkt man in unserer Zeit, wo man besondere Vorliebe für operative Eingriffe hat, denn die Operationskunst hat ja den größten Fortschritt gemacht im 19. Jahrhundert und ist eigentlich der bedeutendste Teil der Medizin geworden, wirklich anerkennenswert —, zunächst an die Entfernung zu denken. Man denkt wirklich zunächst an die Entfernung solcher Organsysteme, denen man keine besondere Bedeutung zuschreibt. Dieselbe Sache wird ja in bezug auf die Blinddarmfunktionen gemacht, und der Blinddarm wird ja heute noch zunächst, wenn er sich irgendwie schädigend bemerkbar macht, durch operativen Eingriff entfernt.
Alle diese Dinge beruhen natürlich darauf, daß etwas nicht eingehalten wird, auf was ich hier immer wiederum aufmerksam gemacht habe. Sie werden sich erinnern: Derjenige, der den ganzen Menschen beobachtet, der sieht manchmal beim Kind in gewissen Vorgängen, daß sich das im spätesten Alter in seinen Folgen zeigt. Die gewöhnlichen medizinischen Ansichten gehen natürlich nur auf das, was augenblicklich die Gegenwart fordert. Also man nimmt dasjenige vor, was in der Gegenwart günstig ist, und man sieht dann nicht auf den weiteren Verlauf. Es ist schwer, über solche Dinge, ich möchte sagen, ein radikales Urteil abzugeben, denn wenn man bei irgend jemandem, der die schädigende Blinddarmentzündung zeigt, die Operation unterläßt, so kann er unmittelbar an der Blinddarmentartung sterben, und man hat dann die Verantwortung vor sich, nicht wahr. Es handelt sich natürlich nur darum, daß man darauf hinarbeitet, daß solche Dinge auch in einer anderen Weise behoben werden als durch Operationen. Zum Beispiel ist aufgetaucht in der neueren Zeit — das wissen Sie ja —, daß man die Kinder mit möglichst nackten Füßen, Beinen, bis über die Knie, herumgehen läßt. Ja, das züchtet die Blinddarmentartung! Und dann, wenn der Blinddarm schon krank ist, kann man natürlich nichts anderes machen als operieren. Aber derjenige, der die Sachen in einem größeren Zusammenhang sieht, der weiß, wie man diesen Dingen so begegnen kann, daß die Sache eben überhaupt nicht in dieser Weise auftritt.
Was nun die Schilddrüse betrifft, so muß man folgendes sagen. Richtig ist, daß die Schilddrüse — das weiß man, wie gesagt, seit der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts — nicht bedeutungslos ist, sondern daß sie eine große Bedeutung hat für die gesamte menschliche Organisation, daß also eine entartete Schilddrüse dem Menschen nicht möglich macht, seinen Körper so zu den geistigen Tätigkeiten zu gebrauchen, daß er als ein normaler Mensch erscheinen kann.
Nun ist alles das, was hier in der Frage beschrieben worden ist, ja geschehen: Man hat zunächst versucht, die Schilddrüse wegzuoperieren. Sind da noch Reste der Schilddrüse geblieben, so zeigte sich in der Tat für den Betreffenden eine Art von Besserung. Der Betreffende hatte nicht die Folgen der entarteten Schilddrüse, und er wurde wenigstens nicht dümmer als er schon war. Wenn man aber die ganze Schilddrüse wegoperierte, so daß also gar nichts mehr von der Schilddrüse drinnen war, dann wurde er blöder, als er schon war. Daraus erkannte man natürlich, daß die Schilddrüse dennoch, selbst wenn sie erkrankt ist, ihre Bedeutung hat für die Äußerung der geistigen und der seelischen Eigenschaften eines Menschen.
Nun hat man auch wiederum das Schilddrüsensekret - man nennt eine Flüssigkeit, die in einer Drüse drinnen ist, Sekret - in der verschiedensten Weise den Menschen zugeführt. Man hat also teilweise dadurch, daß man Schilddrüsensubstanz dem menschlichen Körper, ich möchte sagen, eingeimpft hat, die Ausbreitung dieser Drüsenflüssigkeit im Körper wiederum bewirkt. Es hat sich aber herausgestellt, daß das keine besondere dauernde Besserung hervorruft, weil eben der ganze Körper doch nicht recht teilnehmen will an dem, was man da hineingibt. Den besten Erfolg hat eigentlich noch erlebt die Verabreichung von Schilddrüsensaft in der Form, daß man sie dem Magen einführt, also durch diese Tabletten, die da beschrieben worden sind. Dadurch, daß man den Schilddrüsensaft in den Magen einführt und dadurch in die ganze Blutzirkulation, wird der Körper durchdrungen von dem, was in dem Schilddrüsensaft drinnen ist. Und das zeigt, daß er ihn braucht, diesen Schilddrüsensaft, das zeigt, daß, wenn die Schilddrüse ordentlich in einem Menschen vorhanden ist, ihr Sekret ins Blut übergeht, und im Blut durch den ganzen Körper durch geht in sehr kleinen, feinen Mengen. Wenn man nun, statt direkt in den Körper, den Schilddrüsensaft in den Magen einführt, so geht dies auch durch das Blut durch. Aber sehen Sie, die Sache ist natürlich so, daß wenn ich durch den Magen Schilddrüsensaft einführe, das nur solange anhält, als eben die Sache im Blut drinnen zirkuliert. Höre ich wiederum auf mit dem Eingeben von Tabletten, dann verliert sich auch der Saft im Blute. Also solche Leute, die auf diese Weise Schilddrüsensaft kriegen, die müssen ihn fortwährend kriegen. Und dann hat er auch seine bestimmte Wirkung.
Man könnte nun sagen: Ja, das ist erst ein richtiger Beweis für den Materialismus; denn man sieht, daß man dem Menschen nur diesen oder jenen Stoff zuführen darf, dann heben sich seine geistig-seelischen Fähigkeiten; oder wenn er diesen Stoff selber in sich fabriziert, wie es beim Schilddrüsenstoff der Fall ist, dann ist das auch so der Fall. Aber die Sache ist so: Wenn man viel genauer noch die ganzen Versuche prüft, die nach dieser Richtung gemacht werden, so sieht man nämlich noch etwas ganz anderes. Die Schilddrüsen, die sind ja ziemlich groß; Sie wissen ja, daß die ziemlich groß sind. Aber in dieser großen Schilddrüse, die da vorne am Hals ist, sind nämlich noch ganz kleine, winzige Drüsen rechts und links da drinnen. Ganz kleinwinzige Drüsen sind da drinnen; die sind nicht größer als ein kleiner Stecknadelkopf. Diese kleinwinzigen Drüsen, die sondern einen Stoff ab, der an verschiedenen Stellen des Körpers überhaupt abgesondert wird. Nicht derselbe Stoff, aber ähnliche Stoffe werden an verschiedenen Stellen des Körpers von ganz kleinen, winzigen Drüsen abgesondert. So zum Beispiel wird in den sogenannten Nebennieren — da sind auch solche kleinwinzigen Drüsen drinnen - auch ein solcher Stoff abgesondert; es ist ein anderer Stoff als der, der von der Schilddrüse abgesondert wird. Und an anderen Stellen des Körpers sind auch noch so kleine, winzige Drüsen. Kurz, der menschliche Körper hat ganz feine Stoffe in sich, die an den verschiedensten Stellen abgesondert werden. Diese Stoffe, die der Mensch da hat, die nennt man Hormone; und ein solches Hormon, ein solcher Stoff, der also ganz fein im Körper verteilt ist, solcher Stoff ist auch da drinnen in den kleinen Drüsen der Schilddrüse.

Sie können sich das so vorstellen: Wenn Sie einen Fisch haben, der gewohnt ist im Wasser zu leben, so kann er, wenn Sie ihn herausnehmen, in der Luft nicht leben; da muß er sterben. Diese Hormondrüsen, die etwas wie kleine, winzige Lebewesen sind, die können ebenso nur in der Schilddrüse leben wie der Fisch im Wasser. Also die Schilddrüse ist eigentlich dazu da, daß diese kleinen winzigen Drüsen, die ich da als gelbe Punkte gezeichnet habe, in ihr leben. Operiert man nun die Schilddrüse heraus, dann hat der Körper das Schilddrüsenhormon nicht. Wenn man mit der Schilddrüse diese kleinen winzigen Drüsen herausoperiert, dann hat der Mensch das nicht und dann ist es überhaupt aus; wenn man nur so viel wegschneidet, daß diese kleinen winzigen Drüsen bleiben, dann wird es besser. Nur muß in der Schilddrüse so viel drinnen sein, daß eben diese kleinen Drüsen noch in der Schilddrüse drinnen leben können. Wenn Sie also die ganze Schilddrüse herausschneiden, so schneiden Sie auch die Hormondrüsen mit heraus — dann ist es aus; wenn Sie nicht zu viel herausschneiden und die Hormondrüsen drinnen lassen, haben Sie, wenn ich so sagen darf, seinen Tod aufgehalten. Also, die Operation gelingt eigentlich am besten, wenn man nur so viel wegschneidet von der Schilddrüse, daß die Hormondrüsen drinnenbleiben. Gelingt es dann, dasjenige, was die Hormondrüsen brauchen und was von der wenigen Substanz der Schilddrüse nicht mehr da ist, durch die Tabletten zu ersetzen, so daß die Hormondrüsen, während das Blut durch sie durchsickert, etwas haben, dann ist auch eine Besserung da. Also die Sache ist eben ziemlich kompliziert, und es hängt sehr viel davon ab, wie nun überhaupt das Sekret, das in die Schilddrüse hineinkommt, gemacht wird.
Nimmt man einen Hammel und schneidet nicht die ganze Schilddrüse heraus, läßt man also die Hormondrüsen drinnen, dann ist das Sekret nicht so gut, als wenn man die ganze Schilddrüse herausschneidet. Denn in dem Moment, wo man beim Hammel die ganze Schilddrüse herausschneidet, rinnt also der Saft, der in den Hormondrüsen drinnen ist, in das Sekret hinein und man hat ein gutes Sekret; es zirkuliert schon das Hormon in seinem Blut. Schneidet man die Schilddrüse so heraus, daß die Hormondrüsen drinnen bleiben, dann ist das Schilddrüsensekret schlechter, und die Tabletten helfen nicht so gut.
Also Sie sehen, es kommt nicht allein auf die Schilddrüse an; die Schilddrüse gibt eigentlich nur den Drüsen, die kleinwinzig sind, Nahrung. Und Sie können sich denken, daß man diese Drüsen, die kleinwinzig wie Stecknadelköpfe sind, auch lange nicht gefunden hat. Denn wie soll man denn darauf aufmerksam sein, daß da diese kleinwinzigen Drüsen sind?
Daraus aber können Sie sehen, daß der Mensch ein Wesen ist, das einfach gewisse Stoffe braucht. Sie brauchen sich nämlich an gar nichts anderes zu erinnern, als daß ja auch die geistig-seelischen Fähigkeiten eines Menschen verändert werden, wenn er zum Beispiel Wein trinkt. Wenn er Wein trinkt, wird er lustig zunächst; später vielleicht anders. Die geistig-seelischen Fähigkeiten am nächsten Tag, die zeigen ja das Gegenteil. Ja, geradeso ist es mit diesem Stoffe, den der Mensch ja allerdings nur in ganz feinen Verteilungen braucht, der da in den Hormondrüsen der Schilddrüse drinnen ist. Der Mensch bedient sich dieses Stoffes. Er braucht ihn. Die Tiere brauchen ihn auch. Und man kann natürlich sehr viel machen, wenn man im menschlichen Organismus mit solchen Stoffen manipulieren kann.
Nun, sehen Sie, das hat dazu geführt, daß man überhaupt in der letzten Zeit aufmerksamer geworden ist auf diese ganz feinen Stoffe. Worauf beruht denn eigentlich die Wirkung solcher Stoffe, wie sie da aus den Hormondrüsen herauskommen? Nun, meine Herren, das verstehen Sie nur dann, wenn Sie begreifen, daß eigentlich der menschliche Körper fortwährend der Zerstörung ausgesetzt ist. Der menschliche Körper ist eigentlich fortwährend der Zerstörung ausgesetzt, und im menschlichen Körper bilden sich fortwährend Gifte. Das ist schon einmal die Eigentümlichkeit des menschlichen Körpers, daß sich in ihm fortwährend Gifte bilden.
Was aus diesen kleinen Drüsen kommt, das nimmt die Wirkung der Gifte, die sich im menschlichen Körper bilden, weg. Das ist eine sehr interessante Sache, daß der menschliche Lebensprozeß eigentlich darinnen besteht, daß sich der Mensch innerlich fortwährend vergiftet, und daß ihm diese kleinen Drüsen eingesetzt sind, die die Wirkung der Gifte fortwährend wegnehmen. Zum Beispiel finden sich auch in den Nebennieren solche Hormondrüsen. Wenn diese ordentlich funktionieren, dann ist der Mensch so, wie Sie alle sind. Wenn aber diese kleinen Nebennierendrüsen aufhören zu funktionieren, so wird der Mensch braun von Hautfarbe, gelbbraun. Diese Krankheit gibt es. Man nennt sie Addisonsche Krankheit, weil der Addison sie zuerst beobachtet hat. Es war sogar ein solcher Patient einmal hier, aus unserer Gesellschaft, der hier Heilung gesucht hat. Dieses Braunwerden der Haut, immer Dunkler- und Dunklerwerden der Haut, das rührt davon her, daß gewisse Gifte im Körper sind, denen die Gegengifte fehlen aus den Hormondrüsen in den Nebennieren. Und ebenso rührt das Trottelhafte von dem her, daß die Gegengifte von diesen Hormondrüsen in der Schilddrüse nicht an den Körper abgeführt werden.
Wenn Sie also Tabletten einführen, namentlich solche, die noch durchsetzt sind von solchen Hormon-Gegengiften, dann werden sie eben einfach diese Gegengiftwirkung auf den menschlichen Körper ausüben. Und das hat dazu geführt, daß man überhaupt solche Dinge mehr beachtet hat. Und es ist ja interessant, daß die Frage gleich auftaucht im Zusammenhange mit der Steinachschen Theorie. Sie ist damit nämlich etwas verwandt, und es ist richtig, sie zusammen zu denken. Sehen Sie, die Steinachsche Theorie ist eigentlich in diesen Tagen, könnte man sagen, gerade im Anfang Dezember 1922, zehn Jahre alt. Vor etwa zehn Jahren hat der Steinach, der Professor in Wien, zum erstenmal die Mitteilungen von seinen Versuchen dazumal an die Akademie der Wissenschaften geschickt. Diese Steinachsche Theorie beruht nun auch darauf, daß der menschliche Körper von Hormonen, also von den Wirkungen ganz kleiner, winziger Drüsen fortwährend durchsetzt ist.
Sehen Sie, es ist ja interessant: Wie Sie dastehen als Mensch, da sind Sie eigentlich darauf aus, sich fortwährend innerlich von allen Organen her zu vergiften. Aber da sitzen überall solche winzigkleine Drüsen, und die wirken fortwährend als Gegengifte. So daß Sie, vom Hals her ausgehend, die Hormondrüsen des Halses, der Schilddrüse haben, die also bewirken, daß Sie nicht lallen, sondern sprechen, daß Sie mit Ihrer Sprache Gedanken verknüpfen können und so weiter. Sie haben Hormondrüsen in den Nebennieren; die bewirken, daß Sie nicht schwarz werden, sondern schöne weiße Menschen bleiben und so weiter. Und so gehen auch kleine Mengen feiner Säfte, die von Hormondrüsen herrühren, von den tierischen und menschlichen Geschlechtsorganen aus. Der Geschlechtsapparat der Tiere und der Menschen hat, sowohl beim männlichen wie weiblichen Geschlechte, dasjenige, was man Pubertätsdrüsen nennt. Die liegen noch im Innern des Körpers. Sie sind beim Kinde noch ganz wenig ausgebildet. Und wenn der Mensch geschlechtsreif wird, im vierzehnten, fünfzehnten Jahre, dann bilden sich sowohl beim weiblichen wie beim männlichen Geschlechte diese Pubertätsdrüsen voll aus. Sie liegen im Innern des Körpers, beim Manne oberhalb der Hoden, des Hodensackes. Und diese Pubertätsdrüsen, die haben auch solche kleinen Hormondrüsen in sich, und da wird ebenso ein Hormon abgesondert, das nun in die ganze Blutzirkulation geht in sehr feiner Verteilung. Und dieses Hormon, das da in die Blutzirkulation geht, das hat die Eigenschaft — das haben die Steinachschen Experimente gezeigt —, die Alterserscheinungen zurückzudrängen.
Sehen Sie, mit den Alterserscheinungen beschäftigt man sich ja schon sehr, sehr lange, und außerordentlich interessante Ansichten hat über die Alterserscheinungen der Pariser Arzt und Naturforscher Metschnikow schon vor langer Zeit veröffentlicht, lange bevor die Steinachschen Theorien bekanntgeworden sind. Metschnikow ist dazumal davon ausgegangen, daß der menschliche Körper sich fortwährend vergiftet. Namentlich ist er sehr davon ausgegangen, daß durch den Verdauungsprozeß in dem Darm fortwährend Gifte angesammelt werden, namentlich giftige mikroskopisch kleine Tiere, Pflanzen, und daß der Mensch eigentlich unter dem Einfluß dieser Gifte alt wird.
Nun, Steinach ist darauf gekommen, daß man diesem Altwerden, das heißt, diesem innerlichen Vergiftungsprozeß, der ganz natürlich ist beim Menschen, auch entgegenarbeiten kann. Er hat seine Versuche vorzugsweise mit Ratten angestellt. Nun muß man ja bei solchen Dingen immer sagen: Die Tierversuche sind nicht vollständig für den Menschen anwendbar. Nicht alles, was bei Tieren, besonders bei solchen Tieren wie den Ratten vor sich geht, kann man ohne weiteres auch vom Menschen aussagen. Denn die tierische Organisation ist doch etwas anders als die menschliche. Und man muß schon sagen, wenn man auch von den Menschen eine noch so geringe Ansicht hat meinetwillen im Vergleich zu der Größe des Weltenalls - ein ganz geringfügiger Unterschied zwischen einem Menschen und einer Ratte ist denn doch noch immer auch in der physischen Organisation vorhanden.
Also dasjenige, was wissenschaftlich vorliegt, ist vorzugsweise an Ratten experimentiert worden. Die Ratten eignen sich gerade zu diesen Experimenten am allerbesten. Sehen Sie, eine Ratte, wenn sie sich gesund entwickelt, wird etwa zweieinhalb Jahre alt, und sie zeigt, bevor sie wirklich stirbt, ganz ausgesprochene Alterserscheinungen. Diese Alterserscheinungen einer solchen Ratte zeigen sich darin, daß vor allen Dingen die Ratte etwas unlustiger wird, als sie sonst ist. Die Ratten sind ja sehr bewegliche Tiere, auch sehr aggressive, angriffslustige Tiere. Und wenn sie alt werden, solche Rattengreise werden, werden sie dann unlustig, schlapp. Dann verlieren sie an gewissen Stellen die Haare, so daß sie ganz nackte Hautstellen zeigen; an den anderen Stellen werden die Haare so ruppig, struppig, borstig. Dann haben sie keinen rechten Appetit mehr, und namentlich zeigt sich das Greiswerden der Ratten darinnen, daß sie, wenn man sie zusammensperrt in einen Käfig mit anderen Rattenmännchen, nicht mehr raufen; sie ziehen sich zurück; und wenn man sie mit Weibchen zusammensperrt, so hat man sich, wenn die Weibchen nicht auch schon alt geworden sind, darüber zu beklagen, daß sie sich nicht mehr für sie interessieren. Man muß natürlich außerordentlich achtgeben beim Experimentieren. Die Ratten sind allen möglichen Krankheiten ausgesetzt, sie werden sehr leicht tuberkulös, sehr leicht von Bandwürmern befallen, Eingeweidewürmern, und namentlich alle möglichen ansteckenden Krankheiten, wie man sie nennt, haben sie auch. So daß man, wenn man eine Ratte hat, die ein solcher Greis geworden ist, wie ich es beschrieben habe, achtgeben muß, ob das herrührt von solchen Krankheiten, oder ob es natürliche Alterserscheinung ist.
Man muß also erst, wenn man solche Versuche macht, eine ganze Menge von Ratten sammeln. Und diese Ratten muß man fortwährend prüfen, ob sie diese oder jene Eingeweidewürmer haben oder nicht; man muß überhaupt diejenigen ganz wegtun, welche von Krankheiten ihr ruppiges, struppiges Haar oder ihren Haarausfall haben. Und dann bleiben eigentlich immer ganz wenige von einer großen Zahl übrig, so daß man also dann eine Anzahl Ratten hat, die Rattengreise sind.

Steinach hat die Versuche zunächst hauptsächlich mit männlichen Ratten gemacht. Diese Rattengreise, die also schlapp sind und zuweilen nackt sind auf der Haut, denen die Haare ausgefallen sind, die sich nicht mehr für die Weibchen interessieren, diese Rattengreise werden nun behandelt. Und zwar werden sie so behandelt, sehen Sie: Da ist also in einer Ratte die Pubertätsdrüse. Diese Pubertätsdrüse sitzt im Körper, oberhalb des Hodensackes. Von dieser Pubertätsdrüse gehen fortwährend Säfte in feineKanäle, Man könnte es so zeichnen: Wenn das die Pubertätsdrüse ist, so gehen da feine Kanälchen in den sogenannten Samenstrang, wo ja der Same auch abgelassen wird. Und das Hormon der Pubertätsdrüse geht also durch diese Kanäle und vermischt sich mit dem Samen, der abgelassen wird, so daß also der Same durchdrungen ist von diesem Hormon. Wenn also das Tier noch jugendlich ist, so sondert die Pubertätsdrüse dieses Hormon ab. Das geht durch diese Kanäle. Man nennt diese Kanäle die Vasa deferentia; es geht durch diese Kanäle das Hormon in den Samenkanal. Und der Same, der vom männlichen Organ abgelassen wird und das weibliche befruchtet, der enthält dieses Hormon. Aber das Hormon, das da in der Pubertätsdrüse erzeugt wird, das ich hier rot skizziert habe, das geht auch in den ganzen Körper über. So daß also die Ratte ja allerdings das Hauptsächliche dieses Hormons in den Samenkanal abläßt, aber es geht dieses Hormon auch fein verteilt zurück in den ganzen Körper, so daß der ganze Körper der Ratte eben in seiner Blutzirkulation dieses Hormon der Pubertätsdrüse hat.
Nun denken Sie sich, die Ratte wird alt, schlaff. Die Schlaffheit, das Schlaffwerden des Körpers, das drückt sich darinnen aus, daß der Körper seine Abgänge nicht mehr halten kann; er kann sie nicht mehr bei sich halten. Sie werden gehört haben, daß Leute, die hingerichtet werden, ihre Abgänge hinter sich gelassen haben. Der Körper kann, wenn er schlaff wird, diese Abgänge nicht mehr halten. Und wird nun die Ratte beziehungsweise der Organismus überhaupt alt, so rinnt zu viel von diesem Hormon in den Samenkanal hinein, und zu wenig geht in den Körper zurück, so daß der Körper die Altersgifte dann in sich hat, und dieses Hormon, das von der Pubertätsdrüse kommt, wirkt zu wenig als Gegengift. Dadurch wird die Ratte und der Organismus überhaupt alt. Alt wird er durch die Gifte, die er in sich selber erzeugt. Diese Gifte dringen in den ganzen Körper ein und der Mensch kann dadurch also nicht Jugend haben.
Wenn das Kind geschlechtsreif wird, dann geht sehr viel von diesem Hormonstoff in den ganzen Körper über. Aber das ist sogar weniger wichtig. Der Körper ist frisch und hält das, was er selber braucht von diesem Pubertätshormon, in sich, läßt nur so viel abgehen, als er selber nicht braucht.
Wenn die Ratte, an der diese Versuche gemacht worden sind, alt wird, dann läßt sie zu viel ab von dem Pubertätsdrüsenhormon. Nun hat der Steinach die Sache so gemacht, sehen Sie: Er bindet diesen Kanal ab; der wird dahier mit einem feinen Faden abgebunden, so daß die Ratte den Weg von der Pubertätsdrüse zum Samenkanal unterbrochen hat. Jetzt kann das Hormon von der Pubertätsdrüse nicht heraus und geht wiederum in den Körper zurück. Sie können verstehen, wie das ist? Also, es ist einfach so, wie wenn man ein Rohr abschließt; dann geht das Ganze zurück. Und so schließt er hier ab, das Vas deferens bindet er ab, macht eine Ligatur, wie man es nennt, und das ganze Hormon schießt in den Körper zurück; die Ratte fängt an, wieder lustig zu werden, kriegt sogar wieder Haare, und wenn man sie zusammensperrt mit Weibchen, so kann sie diese zwar nicht befruchten, denn dieses ist ja abgeschlossen, aber sie wird wieder geschlechtslustig und geht wieder los auf die weiblichen Ratten. Die Sache ist schon so.
Sie sehen also, daß die Sache einfach dadurch gemacht wird, daß man mechanisch verhindert, daß der schlaffwerdende Körper zu viel abläßt; da aber geht das in ihn zurück und er bekommt eine vielleicht vorübergehende, aber immerhin doch eine gewisse Jugend wieder zurück. Es ist ganz interessant, zu sehen, wie diese Rattenmännchen wiederum ganz frisch und beweglich werden, wenn ihnen die Ligatur gemacht ist an der Stelle, wo ich es angezeichnet habe.
Nun, diese Sache hier, dieses Abschnüren, kann in der verschiedensten Weise gemacht werden. Es kann so gemacht werden, wie ich es eben angedeutet habe. Das ist ziemlich schwer, denn es ist natürlich eine Operation notwendig, um erst beizukommen. Man muß von außen einen Schnitt machen, um hereinzukommen, und dann einen Faden herumführen, daß man die Sache abbindet. Aber es sind die Versuche auch in anderer Weise gemacht worden, zum Beispiel dadurch, daß man die Hoden mit Röntgenstrahlen bestrahlt hat. Dadurch sterben sie ab und dadurch wird auch das Hormon der Pubertätsdrüse zurückgedrängt. Diese Sache wurde namentlich auch bei Menschen gemacht.
Kurz, das Ganze beruht darauf, daß man den Saft, den Hormonsaft wieder in den Körper zurückbringt. Sie sehen da die Verwandtschaft mit der Schilddrüse, bei der es sich auch darum handelt, daß man auf irgendeine Weise das Hormon in die Blutzirkulation hineinbringt. Hier handelt es sich auch darum, daß man das Hormon der Pubertätsdrüse dadurch in die Blutzirkulation hineinbringt, daß man im Alter, wenn der Mensch schwach geworden ist, das eben einfach abdrosselt. Die Sache ist also naturwissenschaftlich absolut in Ordnung.
Diese Versuche hat in den zehn Jahren der Steinach sehr gut fortgesetzt, und man kann heute schon sagen, daß dasjenige, was sich an Ratten gezeigt hat, in gewissem Sinne sogar an Menschen nachgeprüft werden konnte. Man hat die Sache auch an Menschen ausgeführt und konnte entweder damit Wirkungen erzielen oder dadurch, daß man direkt von einem jüngeren Menschen Pubertätsdrüsen-Sekret in die Pubertätsdrüsen einführte. Man kann es auch durch Einimpfen hineinbringen, oder man kann die Hoden impfen, daß man also Hodensaft von einem jüngeren Tier in die Hoden des Menschen einführt — kurz, auf die verschiedenste Weise hat man versucht, dieses Hormon in den Körper zurückzubringen.
Und in der Tat, die Wirkungen, die sich dabei bei Menschen gezeigt haben, werden ja natürlich immer ein bißchen übertrieben, aber wegzuleugnen sind sie schon durchaus nicht. Es ist so, daß tatsächlich die Versuche nicht bloß mit Ratten gemacht worden sind, sondern auch mit alten, mit schlapp gewordenen Menschen, die wiederum einen Teil ihrer Jugend dadurch zurückgekriegt haben.
Lange wird ja die Geschichte selbstverständlich nicht dauern, denn der menschliche Körper hat ja doch nur ein begrenztes Alter. Es ist auch durchaus heute noch nicht ausgemacht, ob man dadurch etwa die Lebensdauer verlängert. Man kann die Jugend etwas zurückgeben, aber nicht die Lebensdauer verlängern. Aber auch das ist wahrscheinlich, daß man dadurch die Lebensdauer wird verlängern können.
Aber sehen Sie, alle diese Dinge haben auch ihre Schattenseiten, denn ich will Ihnen etwas sagen: Nicht wahr, es gibt Menschen, die schlecht schlafen können. Wenn man junge Menschen hat, die schlecht schlafen können, und man gibt ihnen ein Schlafmittel, Opium, Morphium, nun ja, dann schlafen sie halt besser; das ist untrüglich, sie schlafen dann. Es ist gar nichts einzuwenden. Aber die Sache ist doch so, daß, wenn man jugendlichen Menschen immer wieder als Schlafmittel Morphium gibt oder irgendwie überhaupt ein Schlafmittel, ein physisches, dann wird doch der Körper mit der Zeit schwach. Er braucht vorzugsweise dieses Schlafmittel immer mehr. Er kann nicht mehr sein ohne dieses Schlafmittel. Er wird abhängig von diesem Schlafmittel, und man hat es später doch nicht mit einem Menschen zu tun, der im vollen Besitz seiner Kräfte ist. Daher ist es schon besser, wenn man darüber nachdenkt, wie man die Schlaflosigkeit mehr auf innerliche Weise bekämpfen kann. Und man kann sie auch auf innerliche Weise bekämpfen. Wenn man den Menschen wirklich dazu bringt, daß er sich anstrengt, nur immer dasselbe Wort zu denken, dann kriegt er nach und nach von innen die Kraft, einzuschlafen. Und das ist besser. Dadurch schwächt sich der Mensch nicht.
Man kann also schon sagen: Die Wirkung der Schlafmittel ist unbestreitbar. Es ist ganz ausgeschlossen, daß der Mensch nicht durch die Schlafmittel doch besser schläft. Aber man sollte eigentlich die Sache in einer ganz anderen Weise deichseln. Man sollte versuchen, dem Menschen den Schlaf auf innerliche Weise beizubringen. Natürlich ist das schwerer und hängt etwas mit der Erziehungsmethode zusammen. Wenn man nämlich die Kinder ordentlich erzieht, so ist es einfach so, daß man sie auch leicht dazu bringen wird, daß sie ordentlich ihr Quantum Schlaf absolvieren; und man braucht den Menschen später nicht Schlafmittel zu geben, wenn sie in der Schule ordentlich behandelt worden sind.
Man kann schon gerade diese Verjüngungsmethode vergleichen mit dem Schlafmittelgeben. Ja, meine Herren, da ist ganz besonders das interessant: Ich sagte Ihnen schon, der Metschnikow hat zuerst sich mit diesen Alterserscheinungen beschäftigt und hat den Leuten ein anderes Mittel gegeben — dazumal gab es noch keine Steinachschen Versuche. Sie werden vielleicht sehr erstaunt sein: Ein ganz materialistischer Arzt hat den Leuten anempfohlen, sie sollen hauptsächlich so etwas lesen wie den Goetheschen «Faust»! Tatsächlich, sie sollen so etwas lesen, wie den Goetheschen «Faust»; dann werden sie auch zu einer Art Verjüngungskur kommen.
Ja, daran ist nämlich ungeheuer viel Wahres. Wenn man nämlich im richtigen Alter so etwas hat, was einen geistig innerlich ganz in Anspruch nimmt, was einen auch in Begeisterung bringt — Begeisterung heißt ja nicht deshalb Begeisterung, weil es nicht den Geist in Bewegung bringt, sondern gerade weil es den Geist in Bewegung bringt, heißt es Begeisterung, sonst würde es «Bestofflichung» heißen; selbst die Materialisten, wenn sie ihre Volksreden halten, sagen nicht: Wir wollen uns durchdringen mit Bestofflichung, sondern sie sagen, trotzdem sie an den Geist nicht glauben: Wir wollen uns durchdringen mit Begeisterung —, wenn man sich also wirklich durchdringt mit Begeisterung, so ist das ein Quell der Verjüngung. Das kann man allerdings bei Ratten nicht nachprüfen! Aber es ist ein Quell der Verjüngung bei Menschen. Und wenn man die Beobachtungen im Leben dahin machen würde, würde man finden, daß das, was man einem Menschen überhaupt an Verjüngung beibringen kann nach dem Quantum seiner Kraft, seiner Lebenskräfte, daß man ihm das viel besser beibringt, wenn man ihm in der richtigen Weise Zeit läßt, innerlich sich zu durchdringen mit einer geistigen Tätigkeit. Denn eine geistige Tätigkeit hat nämlich die Eigentümlichkeit, daß sie die Drüsenwände zusammenhält und stark erhält.
Wenn einer sein ganzes Leben hindurch nur Interesse hat für oberflächliches Zeug, dann werden seine Drüsen, alle diese Gefäßwände viel eher schlaff, als wenn er für Geistiges Interesse hat. Und man braucht bei einem Menschen, wenn man ihn erstens als Kind ordentlich erzogen hat, und dem man zweitens Zeit gelassen hat, sich in der richtigen Weise mit dem Geiste zu durchdringen, bei einem solchen Menschen braucht man nachher nicht eine solche Ligatur zu machen, weil er diesen Kanal stark erhält, und selber in den Leib dasjenige zurückgehen läßt, was er braucht.
Das ist anders als bei der Schilddrüsengeschichte. Bei der Schilddrüse, da muß man schon zuweilen eingreifen, weil es außerordentlich schwer ist, die Schilddrüse, ich möchte sagen, durch Geistiges besser zu machen; aber auch da wird man Resultate erzielen. Sie sind schon erzielt worden. Wenn man in einer ganz bestimmten Weise, in einer gesangartigen Sprache, immer und immer wieder, jeden Tag Sachen wiederholen läßt, dann geht auch die Schilddrüse zurück.
So daß man also in der Tat sagen muß: Die Sachen sind ebenso richtig wie die Wirksamkeit der Schlafmittel; aber es wäre besser, wenn die Menschheit endlich daran denken würde, nicht alles auf solch eine materielle Weise zu machen, sondern wenn die Menschheit endlich daran denken würde, der Zivilisation die Möglichkeit zu geben, daß ein jeder zu seinem Quantum geistiger Tätigkeit kommen kann. Dann würde man überhaupt auf diese Dinge auch nicht einen so großen Wert legen, sondern dann würde man sehen, daß die Tatsache, daß man da zusammenklappt im Alter, eigentlich erst hervorgerufen wird durch die Schädlichkeit unserer Zivilisation. Alle diese Operationen am Menschen sind ja im Grunde genommen nur dazu da, daß man das, wasman auf der einen Seite verschuldet am Menschen, durch ein paar Monate Verjüngung im Alter wiederum ausgleichen will. Medizinisch ist die Sache natürlich genial, großartig; aber man muß sie in einem größeren Kulturzusammenhange sehen. Dann gewinnt sie eine andere Seite.
Natürlich kommt da noch etwas anderes dazu. Ich habe zuvor gesagt, daß man, wenn man einem jüngeren Menschen Schlafmittel gibt, ihn eigentlich schwächt. Das ist ja, wenn man bei alten, zusammengeschrumpelten, nicht mehr recht tapsen könnenden Menschen eine solche Verjüngungskur anwendet, für diese natürlich eine große Freude, wenn sie wiederum anfangen können, ein bißchen lustig zu sein im Leben. Man braucht da nicht so stark besorgt zu sein, daß es für das Alter schaden könnte, denn eine solche Verjüngungskur wird in einem Alter angewendet, wo es sich nicht mehr recht ausprüfen läßt, ob es ihnen hinterher schadet oder nicht. Die materialistische Weltanschauung bringt großartige Resultate heute, aber sie müssen in einem größeren Kulturzusammenhang betrachtet werden. Dann nehmen sie sich anders aus. Deshalb sage ich immer, die Menschen sollten nachdenken, wie sie die Kinder in der Schule und dann im späteren Alter davor behüten, solche frühzeitigen Alterserscheinungen zu bekommen. Das ist nicht auf Klassen beschränkt, sondern schon mit dreißig Jahren, gerade wenn sie den sogenannten höheren Ständen angehören, laufen die Leute mit furchtbaren Glatzen herum. Das kommt davon her, daß schon in den höheren Schulen unnatürlich erzogen wird. Es wäre viel gescheiter, wenn so erzogen würde, daß der menschliche Körper selbst alles zusammenhält, solange er Lebenskräfte hat.
Das ist dasjenige, was ich Ihnen über die Sache sagen kann. Es ist ja sehr interessant, gerade diese Dinge immer von den zwei Seiten aus zu betrachten, die sie haben.
Was etwa noch zu sagen wäre, will ich Ihnen das nächste Mal sagen. Ich muß für acht Tage verreisen, werde dann längere Zeit da sein, und wir können dann weiter über die Sache reden.