Health and Illness, Volume I
GA 348 — 29 November 1922, Dornach
Dritter Vortrag
Es wird gefragt wegen des Motives auf der Zeitschrift «Anthroposophie, Österreichischer Bote von Menschengeist zu Menschengeist»: Adler, Löwe, Stierkopf und Menschenkopf.
Dr. Steiner: Ich glaube, meine Herren, ich werde das am besten so machen, daß ich Ihnen den Menschen erst noch ganz fertig erkläre, soweit es notwendig ist, und daß ich dann den Menschen als in diesen vier Symbolen sich darstellend, das nächste Mal gebe. Nicht wahr, es ist nicht möglich, immer alles ohne Voraussetzungen zu sagen. Ich werde versuchen, heute noch diese Voraussetzungen zu schaffen. Denn sehen Sie, diese vier Tiere, wovon eigentlich das eine der Mensch ist, die gehen auf eine sehr frühe in der Menschheit vorhandene Menschenerkenntnis zurück. Heute könnte man nicht mehr so, wie das zum Beispiel die alten Ägypter gemacht haben, diese vier Tiere erklären, sondern heute muß man sie etwas anders erklären. Natürlich muß man sie richtig erklären, aber man muß heute von etwas anderen Voraussetzungen ausgehen.
Nun möchte ich Sie noch einmal aufmerksam machen, wie ich Sie immer wieder und wieder darauf hingewiesen habe, wie der Mensch ja hervorgeht aus dem Menschenkeim, der zunächst im Leibe der Mutter sich entwickelt. Ich habe Ihnen auch schon manches von diesem Menschenkeim gesagt. Nun möchte ich heute noch einmal zurückkehren zum allerersten Stadium, zu der allerersten Zeit, in der der Menschenkeim nach der Befruchtung im Leibe der Mutter sich entwickelt. Sehen Sie, da ist der Menschenkeim eben eine einzige Zelle, also eine Zelle, die im Innern Eiweißstoff hat und einen Kern (es wird gezeichnet). Das ist so klein, daß man es nur im Mikroskop erkennen kann. Und der Mensch nimmt eigentlich im physischen Leben seinen Anfang von einer einzigen solchen Eizelle, die befruchtet worden ist.
Nun müssen wir die nächsten Vorgänge ins Auge fassen. Sehen Sie, die nächsten Dinge, die sich mit diesem kleinen Ei, das im Leib der Mutter ist, abspielen, das sind diese, daß sich solch ein Ei teilt; es entstehen aus einem zwei, und aus jedem solchen wiederum zwei, die so nebeneinander sind, und so entstehen durch Teilung immer mehr und mehr solche Zellen. Unser ganzer Körper ist ja später aus solchen Zellen zusammengesetzt. Aber sie bleiben nicht so rund, sondern sie nehmen verschiedenste Formen an. Diese Zellen bekommen die verschiedensten Gestalten.
Nun müssen wir da etwas berücksichtigen, was ich Ihnen schon einmal gesagt habe, nämlich: Wenn diese kleine Zelle im Leibe der Mutter ist, dann wirkt eigentlich die ganze Welt auf diese Zelle ein - die ganze Welt. Heute kann man natürlich auf diese Dinge noch nicht mit dem nötigen Verständnis eingehen. Aber dennoch: Es wirkt die ganze Welt auf eine solche Zelle ein. Es ist nicht einerlei, ob, sagen wir, dieses Ei sich teilt, wenn da oben der Mond vor der Sonne steht; da ist es anders, als wenn der Mond abseits von der Sonne steht und so weiter. Also der ganze Sternenhimmel hat auf diese Zelle einen Einfluß. Und unter dem Einfluß dieses Sternenhimmels bildet sich auch das Innere der Zelle aus.
Nun, sehen Sie, wenn das Kind in den ersten Monaten ist - ich habe es Ihnen schon gesagt —, da ist ja eigentlich vom Kind nur der Kopf ausgebildet (es wird gezeichnet). Der Kopf ist ausgebildet, und der übrige Körper ist eigentlich nur solch ein Anhängsel; da sind dann kleine Stummel, die Hände, und andere kleine Stummel, die Beine. Und immer mehr und mehr wird dieses kleine Wesen eben so, daß es seine Hände und Arme umbildet, und diese Stummel da zu Füßen umbildet und so weiter.
Woher kommt das? Das müssen wir uns fragen: Woher kommt das? Das kommt davon her, daß der Mensch, je früher er im Keimzustand ist, desto mehr noch der Sternenwelt ausgesetzt ist, und je mehr er sich entwickelt, je längere Monate er im Mutterleibe ist, desto mehr der Schwerkraft der Erde ausgesetzt wird. Solange der Sternenhimmel auf den Menschen wirkt, ordnet er alles so an, daß die Hauptsache der Kopf ist. Erst die Schwerkraft treibt das andere da heraus. Und es ist so, daß eigentlich, je weiter wir zurückgehen in den ersten, zweiten Monat der Schwangerschaft, wir da um so mehr finden, daß alle diese Zellen, die da entstehen - Millionen von solchen Zellen bilden sich nach und nach —, dem Sterneneinfluß ausgesetzt sind und dann immer mehr und mehr von der Erde abhängig werden.
Sehen Sie, in dieser Beziehung kann man sich überzeugen, wie wunderbar eigentlich der menschliche Körper eingerichtet ist. Und das möchte ich Ihnen anschaulich machen an einem Sinnesorgan. Ich könnte es Ihnen ebensogut am Auge anschaulich machen; ich will es Ihnen heute am Ohr anschaulich machen. Denn, sehen Sie, eine von diesen Zellen, die wird das Ohr. Das Ohr ist da drinnen eingesetzt in einer Höhle der Kopfknochen. Eine solche Zelle wird also Ohr. Aber wenn Sie dieses Ohr, dieses menschliche Ohr richtig betrachten, dann ist das eigentlich ein ganz merkwürdiges Gebilde. Ich will es Ihnen einmal, damit Sie einen Begriff davon bekommen, darstellen, damit Sie auch sehen, wie eine solche Zelle allmählich sich gestaltet, teilweise noch unter dem Sterneneinfluß, teilweise unter dem irdischen Einfluß, in einer so merkwürdigen Weise, daß der Mensch dann die Sache brauchen kann.
Gehen wir zunächst einmal von außen nach innen. Da können Sie ja ein jeder sich beim Ohrwaschel anfassen; da haben wir also zunächst einmal das äußere Ohr. Das äußere Ohr, von der Seite gezeichnet, besteht aus Knorpel und ist mit einer Haut überzogen. Es ist eigentlich dazu da, daß recht viel von dem Ton, von dem Schall, der da ankommt, aufgefangen wird. Wenn wir bloß ein Loch da hätten, dann würde weniger von dem Schall aufgefangen werden können. Sie können hineingreifen ins Ohr; da geht dann ein Kanal ins Innere der sogenannten Paukenhöhle, ins Innere des Kopfknochensystems. Sehen Sie, dieser Kanal, der ist nun nach innen abgeschlossen von dem sogenannten Trommelfell. Da ist richtig an diesem Kanal angesetzt so etwas wie ein dünnes Häutchen, so daß man sagen kann: Es ist wie ein Trommelfell. Sie brauchen nur an eine Trommel zu denken, wo eine Haut oben ist, auf die man klopft; so ist das Ohr nach innen durch dieses Trommelfell abgeschlossen.
Und wenn wir da dann weitergehen, da will ich Ihnen die Höhlung zeichnen, die man am Skelett sieht. Sehen Sie, da sind überall die Kopfknochen, hier gehen die Knochen nach dem Kiefer hin; da ist eine Höhle drin, und in diese Höhle der Kopfknochen führt dieser Kanal, der durch das Trommelfell abgeschlossen ist, hinein. Hinter Ihrem Ohrwaschel haben Sie da drinnen eine Höhle; was da alles drinnen ist, will ich Ihnen nun sagen. Aber es geht nicht nur dieser äußere Kanal, in den Sie mit Ihrem kleinen Finger hineingreifen können, in diese Höhle hinein, sondern vom Mund geht auch wiederum ein solcher Kanal in diese Höhle hinein. Wenn da also der Mund ist (siehe Zeichnung), so geht auch wieder ein solcher Kanal da hinein. So daß also in diese Höhle zwei Kanäle hineingehen: einer von außen, einer vom Mund. Diesen Kanal, der vom Mund hineingeht, den nennt man die Eustachische Röhre, die Ohrtrompete. Nun, es kommt ja nicht auf die Namen an.

Nun, sehen Sie, jetzt ist hier ein merkwürdiges Ding. Da würde man dann wiederum auf Knochen kommen. Es ist nun ein Loch, das in den Kopf hineingeht, im Knochen. Das ganze Ohr ist hier in einer Knochenhöhle drinnen. Aber hier ist ein merkwürdiges Ding, so ein richtiges Schneckenhaus (siehe Zeichnung). Und das Ganze besteht aus zwei Teilen; da hier ist eine Haut (das Spiralblatt), und da ist ein Raum (die Vorhoftreppe) und da ist der andere Raum (die Trommelhöhlentreppe). Das Ganze ist ausgefüllt mit Wasser, mit lebendigem Wasser, wie ich es Ihnen beschrieben habe. Und da drinnen ist so etwas wie ein Schneckenhaus, aber aus Haut. Und in dem Schneckenhaus drinnen, da sind lauter Fransen, lauter solche Fransen. Das ist außerordentlich interessant. Wenn Sie da das Trommelfell durchstoßen und weiter hineingehen würden, so würden Sie da drinnen ein Schneckenhaus finden, dieses weiche Schneckenhaus, und das ist innerlich mit solchen hautartigen Fransen besetzt. Was ist denn das eigentlich, dieses Schnekkenhaus da drinnen? Ja, meine Herren, wenn man mit wirklicher Wissenschaft an diese Sache herangeht, dann merkt man, was das ist. Das ist nämlich nichts anderes als ein Stückchen kleiner Darm, der sich ins Ohr verirrt hat. Geradeso wie wir im Bauch unsere Gedärme haben, so haben wir im Ohr ein Stückchen kleinen Darm. Das Ohr ist also so gestaltet, daß es, wie der Mensch selber seinen großen Darm hat, da einen kleinen Darm hat. Und der ist sowohl im Innern ausgefüllt mit solchem lebendigen Wasser, wie auch äußerlich umgeben von solchem lebendigen Wasser. Das ist außerordentlich interessant. Und dieses ganze Schneckenhaus, das ist hier abgeschlossen (siehe Zeichnung) - es ist alles mit Wasser gefüllt - durch ein Häutchen (ovales Fenster). Hier ist wiederum so ein Häutchen darauf (rundes Fenster). Ebenso wie, wenn man auf die Trommel klopft, das Trommelfell der Trommel in Bewegung kommt, so kann, wenn der Schall von beiden Seiten kommt, dieses Häutchen in Schwingung kommen.
Da in der Mitte, sagte ich Ihnen, ist eine Haut. Diese Haut schließt ab das, was mit dickerem lebendigen Wasser durchsetzt ist, und da ist dünneres Wasser; und da ist wiederum solch ein Häutchen zwischen den beiden Räumen. Da kommt nun etwas ganz besonders Interessantes. Da ist nämlich etwas, ich möchte sagen, ganz Wunderbares drinnen. Auf diesem Häutchen (des ovalen Fensters), da sitzt nämlich solch eine Sache darauf: Da sind zwei ganz feine, winzige Knochen; die sitzen so darauf und schauen aus wie ein Steigbügel. Daher haben die Leute das auch einen Steigbügel genannt. Das ist etwas ganz anderes; ich werde es Ihnen nachher sagen, was es ist. Wenn da dieses Häutchen ist, so sitzt da drauf dieser Steigbügel, und der hat richtig hier einen Knochenfortsatz. Und dieser Knochenfortsatz, der ist hier so wie der Oberarm und der Unterarm. Das sitzt dann hier auf diesem Ding drauf, auf diesem Häutchen. Also wenn Sie sich vorstellen würden, da wäre ein solcher Arm, der Oberarm da, der Unterarm da, so ist hier noch kurioserweise ein Knochen, der frei aufsitzt. Die sind im Gelenk miteinander verbunden, der sitzt hier frei auf. Das sind kleine, winzige Knochen. Nun, die materialistische Denkweise, die alles äußerlich betrachtet, die nennt diesen Knochen hier, der unmittelbar am Trommelfell aufsitzt und da aufschlägt, den Hammer, und das da hier, das Stückchen Knochen nennt sie den Amboß. Und das nennt sie den Steigbügel. Diese drei kleinen Knöchelchen werden also von der gewöhnlichen Wissenschaft genannt: Hammer, Amboß und Steigbügel.
Aber die gewöhnliche Wissenschaft weiß eigentlich nicht, was das ist. Dasjenige, was da ist in Steigbügelform, das ist nämlich, nur ein bißchen anders gestaltet, dasselbe, was hier im Oberarm ist. Sehen Sie, wie da das Gelenk ansitzt, so sitzt auf diesem Häutchen drauf das Gelenk. Und hier ist der Ellbogen; das ist also eine Art von Hand. Und da drauf, da sitzt ein freier Knochen. Den haben wir zwar nicht an der Hand, aber da an der Kniescheibe. Wir könnten ebensogut sagen: Das ist ein Bein, ein Fuß; dann wäre das ein Oberschenkel, das wäre das Knie (Zeichnung), da säße der Fuß darauf, und da ist die Kniescheibe.
Es ist sehr interessant, sehen Sie: Wir haben da in unserer Ohrhöhle drinnen zuerst eine Art von Eingeweide, und nachher eine richtige Hand oder Arm oder einen richtigen Fuß. Wozu ist denn das Ganze da? Nun, denken Sie sich, es kommt ein Schall. Der Schall, der schlägt da ans Trommelfell an. Das Ganze, was da ist, kommt in Erschütterung. So probiert der Mensch, ganz ohne daß er es weiß, im Innern des Ohres, was da für Erschütterungen anschlagen. Und denken Sie einmal nach, Sie werden das schon einmal gespürt haben, wenn Sie irgendwo auf der Straße stehen, und da hinten explodiert etwas - ich meine, Sie haben es schon bemerkt -: das spüren Sie in Ihren Eingeweiden! Ja, es kann sogar sein, daß man in den Eingeweiden krank wird von einer solchen Erschütterung. Die feinste Erschütterung aber, die da durch diesen Arm zieht, die verspürt das Wasser in diesem Schneckenhaus. Dieses Wasser im Schneckenhaus, das macht die Schwingungen mit, die der Mensch dadurch kennenlernt, daß er mit dieser Hand das Trommelfell angreift. Können Sie das verstehen? (Ja!)
Nun will ich Ihnen aber noch etwas sagen. Wozu ist denn diese Trompete da, die da vom Mund in das Ohr hineingeht? Ja, wenn da hier ein gewöhnlicher Schall hineingeht, da braucht man eigentlich diese Trompete nicht. Aber wenn wir einer dem andern zuhören, wenn einer redet zu dem andern und wir wollen ihn verstehen, denn wir haben ja reden gelernt - wenn wir selber nicht reden gelernt haben, können wir den andern nicht gut verstehen; dadurch, daß wir reden gelernt haben, dadurch gehen die Töne der Sprache durch die Eustachische Röhre, die Ohrtrompete so hinüber; und wenn der andere so her redet, dann geht das so her, erschüttert da; das geht über in diese Flüssigkeit. Und dadurch, daß die Luft durchgeht, durch die Eustachische Trompete ins Ohr hineingeht, und ich gewohnt worden bin, diese Luft selber zu bewegen durch meine eigene Sprache, kann ich den andern verstehen. Da drinnen in dem Ohr, da trifft sich dasjenige, was ich gewohnt bin, von meiner eigenen Sprache zu haben, und dasjenige, was von der Sprache des andern kommt. Das trifft sich hier.
Sie wissen, wenn ich spreche: Haus — da bin ich gewohnt, daß da drinnen in meiner Eustachischen Trompete gewisse Erschütterungen vorgehen; wenn ich sage: Pulver — eine andere Erschütterung. Diese Erschütterungen kenne ich. Wenn ich sage: Haus — so kommt die Erschütterung von außen, und ich bin gewohnt, wenn ich sage: Haus — dies wahrzunehmen. Und da treffen die beiden zusammen, meine Erkenntnis und die Erschütterung von außen, und ich verstehe, was «das Haus» heißt. Nicht wahr, das ist doch zu verstehen? Meine Trompete, die vom Mund ins Ohr hineingeht, die ist da, wenn wir selber als Kind reden lernen, damit wir zugleich den andern verstehen. Die Dinge sind außerordentlich interessant.
Jetzt ist die Sache aber so: Denken Sie sich, es wäre alles da im Ohr, was ich Ihnen aufgezeichnet habe, aber nichts anderes zunächst. Sie würden allenfalls, sagen wir, den anderen verstehen können, Sie würden auch ein Musikstück anhören können; aber Sie würden sich das, was Sie anhören, nicht merken können. Sie hätten kein Gedächtnis für Sprache oder Töne. Wenn das Ohr nur so wäre, so hätten Sie kein Gedächtnis für Sprache oder Töne. Damit Sie ein Gedächtnis haben, ist noch etwas anderes im Ohr. Damit Sie nun auch im Gedächtnis dasjenige, was Sie hören, behalten können, ist noch eine andere Einrichtung da. Da sind nämlich hier drei solche Bögen; die sind da oben (siehe Zeichnung). Sie müssen sich vorstellen also solche Bögen, die hohl sind. Da ist der zweite, der steht senkrecht drauf auf dem ersten; und da ist noch ein dritter, der steht wiederum senkrecht auf dem andern. Sie stehen in den drei Richtungen senkrecht aufeinander. Das ist also noch ein weiteres wunderbares Gebilde, das in diesem Ohr drinnen ist. Diese Kanäle da oben sind aber hohl — natürlich, weil es Kanäle sind. Und da drinnen ist wiederum ein feines, lebendiges Wasser. Das sitzt da drinnen.
Aber das Merkwürdige an diesem lebendigen Wasser ist das, daß sich fortwährend kleine Kristalle aus diesem Wasser heraus bilden, winzige kleine Kristalle. Wenn Sie zum Beispiel hören: Haus, oder ein C hören, so bilden sich da drinnen solche kleine Kristalle; wenn Sie hören: Mensch, bilden sich etwas andere Kristalle. In diesen drei winzigen Kanälen bilden sich winzige Kristalle, und diese winzigen Kristalle, die machen, daß wir nicht nur verstehen können, sondern auch das Verstandene im Gedächtnis behalten können. Denn was tut der Mensch unbewußt?
Sie brauchen sich nur vorzustellen, Sie hören, sagen wir: fünf Franken; Sie wollen das Gesprochene erinnern, schreiben sich das in Ihr Notizbuch. Das, was Sie da mit Blei in Ihr Notizbuch eingeschrieben haben, das hat nichts mit den fünf Franken zu tun, aber Sie erinnern sich daran durch die Notiz. Geradeso wird in diese feinen Kanäle durch die winzigen Kristalle, die eigentlich wie Buchstaben sind, eingeschrieben, was man hört. Und durch einen unbewußten Verstand wird das wiederum, wenn wir es brauchen, gelesen. So daß wir sagen können: Da drinnen (in den drei halbkreisförmigen Kanälen), da ist das Gedächtnis für die Töne und für die Laute. Da hier, bei diesem Arm oder Bein (Zeichnung, Gehörknöchelchen), da ist das Verständnis. Da drinnen in dieser Schnecke, da ist ein Stückchen Gemüt vom Menschen, ein Stückchen Gefühl. Da fühlen wir die Töne in diesem (Teil des) Labyrinth, in diesem Schneckenhauswasser drinnen. Da fühlen wir die Töne. Und wenn wir reden und selbst den Ton hervorbringen, so geht durch unsere Eustachische Trompete der Wille zum Sprechen. Da ist das ganze Seelische des Menschen drinnen im Ohr: In dieser Trompete hier, da lebt der Wille; da drinnen (in der Schnecke) lebt das Gefühl; da drinnen (bei diesem Arm oder Bein, den Gehörknöchelchen) lebt der Verstand; und da in diesem (in den drei kleinen halbkreisförmigen Kanälen) lebt das Gedächtnis. Und damit der Mensch sich das, wenn es fertig ist, zum Bewußtsein bringen kann, geht von hier aus durch diese Höhle hier (siehe Zeichnung), durch dieses Loch hier ein Nerv. Der Nerv breitet sich überall aus, kleidet alles aus, geht überall hin. Und durch diesen Nerv kommt uns das Ganze dann zum Bewußtsein hier im Gehirn.
Sehen Sie, meine Herren, etwas höchst Eigentümliches! Wir haben da in unserem Schädel, in unseren Schädelknochen, eine Höhle drinnen; es geht einfach eine solche Höhle hinein. In die Höhle kommt man hinein, wenn man vom äußeren Ohr durch den Gehörgang mit Durchstoßung vom Trommelfell hineingeht. In dieser Höhle ist all das drinnen, was ich Ihnen gezeigt habe. Zunächst streckt man die Hand aus, welche die Töne, die hereinkommen, berührt, so daß wir die Töne verstehen können. Dann übertragen wir das auf diese Schnecke, auf das lebendige Wasser; dadurch fühlen wir den Ton. Wir stoßen mit dem Willen hinein durch unsere Eustachische Trompete. Und durch die kleinen Kristallzeichen, die in diesen drei, wie man sie nennt, halbkreisförmigen Kanälen sind, erinnern wir uns an dasjenige, was gesprochen oder gesungen wird, oder was uns sonst als Klang kommt.
Wir können also sagen: Da drinnen tragen wir eigentlich wiederum einen kleinen Menschen, richtig einen kleinen Menschen. Denn der Mensch hat Wille, Gefühl, Verständnis, Verstand und Gedächtnis. In dieser kleinen Höhle tragen wir wieder einen kleinen Menschen drinnen. Wir bestehen halt nur aus lauter kleinen Menschen. Unser großer Mensch ist nur die Zusammenfassung von lauter kleinen Menschen. Ich werde Ihnen nächstens zeigen, daß das Auge auch ein kleiner Mensch ist. Die Nase ist auch ein kleiner Mensch. Und diese kleinen Menschen werden durch das Nervensystem zusammengehalten und geben dann den Gesamtmenschen. Und diese kleinen Menschen entstehen dadurch, daß eigentlich all dasjenige, was da drinnen sich bildet, solange der Mensch im Keimzustand im Leibe der Mutter ist, noch unter dem Gestirneinfluß steht. Denn all diese wunderbaren Gebilde da, also die Kanäle, die die Kristalle bilden, und dieser Arm, die kann die Schwerkraft der Erde und alles, was auf der Erde ist, nicht bilden. Die werden noch im Mutterleibe veranlagt durch die Kräfte, die von den Sternen hereinwirken. Und erst dasjenige, was zum Menschen gehört, also diese Partie dahier, die Schnecke und die Eustachische Trompete, das wird später ausgebildet. Die wird dazu gemacht durch dasjenige, was von der Erde ausgeht, geradeso wie wir als ganzer Mensch unsere ganze Gestalt durch die Erdenschwere kriegen, und wir uns ja erst aufrichten als Kind, das schon längst geboren ist.
Sehen Sie, wenn man zunächst weiß, wie der ganze Mensch ausgeht von einer kleinen Zelle, und die eine Zelle sich zum Auge umbildet, die andere Zelle - es sind eigentlich zehn Haufen, die sich umbilden, es ist nicht nur eine Zelle, aber das macht nicht viel Unterschied, wenn man sich vorstellt, daß das nur eine ist —, also die eine sich zum Auge umbildet, die andere zum Ohr, die dritte zur Nase, dann sieht man, wie sich der Mensch nach und nach aufbaut dadurch, daß er zuerst nur aus einer einzigen Zelle besteht, die eine zweite erzeugt, und dadurch, daß sie an einen andern Ort geht, unter einen andern Einfluß kommt, sie wird jetzt anders, wird zum Ohr, eine andere wird zur Nase, eine dritte zum Auge und so weiter. Aber das ist wahrhaftig nicht alles von den Erdenkräften ausgehend. Die Erdenkräfte könnten nur dasjenige bilden, was im ausgesprochenen Sinne rund ist, geradeso wie in unserem Bauch die Erde unser Gedärm bildet. Aber alles übrige wird noch von den Sternen herein gebildet.
Nun, nicht wahr, das alles wissen wir heute dadurch, daß wir eben Mikroskope haben, durch die wir diese Sachen beobachten können. Diese Knöchelchen sind ja ganz furchtbar klein. Nun aber, das Merkwürdige ist eben, daß man in älteren Zeiten so etwas auch gewußt hat, und daß man das aus einer ganz anderen Art von Erkenntnis heraus gewußt hat, als wir heute das wissen. Und nun haben, sagen wir zum Beispiel, die alten Ägypter vor dreitausend Jahren sich auch mit einer solchen Erkenntnis beschäftigt und haben auch schon in ihrer Art gewußt, wie wunderbar das in dem menschlichen Ohr drinnen ist. Und sie haben sich dann gesagt: Der Mensch hat an seinem Kopf Ohren, Augen und andere Organe. Wenn wir uns diese Organe erklären wollen, so können wir nur sagen: Wodurch ist das Ohr, das Auge — wie gesagt, das werde ich Ihnen nächstens einmal erklären — so geworden, ganz anders als die Organe sonst am Körper? Da haben sie gesagt: Diese Organe am Kopf, Ohr, Auge, die sind deshalb so geworden, weil vorzugsweise auf diese Organe das wirkt, was von außen zum Irdischen kommt, von oben herunter. - Dann haben sie hinaufgeschaut und haben gesagt: Da oben fliegt ein Adler zum Beispiel, der bildet sich aus hoch in den Lüften; da hinauf muß man schauen, wenn man auf die Kräfte schauen will, die im menschlichen Kopfe die Organe bilden. — Deshalb haben sie zunächst, wenn sie den Menschen aufgezeichnet haben, für den Kopf den Adler gezeichnet.
Wenn wir zum Beispiel Herz und Lunge anschauen, so schauen die ganz anders aus als Auge und Ohr. Wenn wir die Lunge anschauen, da können wir nicht viel zu den Sternen gehen, und beim Herz können wir auch nicht viel zu den Sternen gehen. Die Kraft der Sterne wirkt im Herzen ganz besonders, aber die Form, die Gestalt, die können wir nicht so auf die Sterne beziehen. Das wußten auch schon die alten Ägypter vor dreitausend Jahren: die können wir nicht so auf die Sterne beziehen wie die Kopforgane. Nun dachten sie nach: Wo gibt es ein Tier, welches besonders diejenigen Organe ausbildet, die ähnlich sind dem menschlichen Herzen und der menschlichen Lunge und so weiter? Der Adler bildet besonders diejenigen Organe aus, die ähnlich sind dem menschlichen Kopfe. Das Tier — haben die Alten gefunden -, das am meisten das Herz ausbildet, daher auch das mutigste Tier ist, ganz Herz ist, das ist der Löwe. Daher haben sie diese Organpartie, Lunge, Herz und so weiter, «Löwe» genannt. So haben sie also gesagt: Kopf = Adler. Dann der Löwe, der den mittleren Menschen ausmacht. Und dann haben sie gesagt: Aber noch ganz anders schauen des Menschen Gedärme aus. Sehen Sie, der Löwe hat nämlich sehr kurze Gedärme; bei dem sind die Gedärme zu kurz gekommen. Also die Gedärme schauen ganz anders aus. Im Ohr ist eigentlich nur das ganz kleine Gedärm; das ist zierlich gebildet. Unsere übrigen Gedärme sind gar nicht so zierlich gebildet. Wenn man auf die Gedärme hinschauen will, so muß man die Bildung der Gedärme vergleichen mit den Tieren, welche besonders unter dem Einfluß ihrer Gedärme stehen. Der Löwe steht unter dem Einfluß des Herzens; der Adler steht unter dem Einfluß der oberen Kräfte. Unter dem Einfluß der Gedärme — ja, wenn Sie hinschauen, wenn die Kühe gefressen haben, dann können Sie anmerken den Ochsen und Kühen: diese Tiere stehen ganz unter dem Einfluß ihrer Gedärme. Denen ist furchtbar wohl, wenn sie verdauen. Daher nannten die alten Menschen das, was beim Menschen zu den Gedärmen gehört, den Stier- oder Kuh-Menschen.
Und jetzt haben Sie die drei Glieder der menschlichen Natur:
Adler = Kopf
Löwe = Brust
Stier = dasjenige, was zum Verdauungssystem gehört.
Das wußten natürlich diese alten Menschen auch: Wenn ich nun einem Menschen begegne — der Kopf, der ist doch nicht eigentlich ein Adler, und der mittlere Mensch ist auch nicht ein Löwe, der untere ist auch nicht ein Stier oder ein Ochs. Das wußten sie schon. Daher sagten sie: Ja, wenn nichts anderes da wäre, so gingen wir alle so herum, daß wir oben einen Adlerkopf hätten, dann einen Löwen im Körper, und dann würden wir in den Stier auslaufen. So würden wir alle herumlaufen. Aber nun kommt noch etwas, was den Kopf da oben so umbildet und macht wie einen Menschenkopf, und das wiederum, was macht, daß wir nicht ein eigentlicher Löwe sind und so weiter, das ist der eigentliche Mensch. Der faßt dann alles zusammen. (Siehe Zeichnung S. 70.)
Und es ist wirklich eigentlich merkwürdig, wie diese alten Menschen gewisse Wahrheiten, die wir heute wieder erkennen, dadurch zum Ausdrucke gebracht haben, daß sie Bilder geformt haben. Allerdings, diese Bilder waren ihnen leichter zu formen als uns. Sehen Sie, wir heutigen Menschen, wir können ja manches lernen, aber man kann nicht sagen, daß uns diese Gedanken, die wir heute fürs gewöhnliche lernen, wenn wir sie draußen in der Schule lernen, so sehr zu Herzen gehen. Das war bei diesen alten Menschen doch ganz anders. Die wurden wirklich von Gefühl ergriffen von diesen Gedanken, und deshalb träumten sie auch davon. Und richtig träumten diese Menschen: sie sahen im Bilde den ganzen Menschen und gewissermaßen aus der Stirne heraus einen Adler blickend, aus dem Herzen einen Löwen und aus dem Bauch einen Stier. Das malten sie dann zum ganzen Menschen zusammen, ein sehr schönes Bild. So daß man sagen kann: Die Alten haben eben den Menschen zusammengesetzt aus Mensch, Stier, Adler, Löwe.

Das hat sich ja noch fortgesetzt in die Beschreibungen der Evangelien hinein. Man ist viel von diesen Dingen ausgegangen. So zum Beispiel sagte man: Nun, es gibt ein Evangelium nach Matthäus, das beschreibt eigentlich den Menschen Jesus geradeso wie einen Menschen, und deshalb wurde dieser Schreiber des Matthäus-Evangeliums der «Mensch» genannt. Aber nehmen wir den Johannes, sagten die Alten: Ja, der beschreibt den Jesus so, wie wenn er über der Erde schwebte, wie wenn er über die Erde flöge; er beschreibt eigentlich nur dasjenige, was im menschlichen Kopfe vorgeht. Das ist der «Adler». Wenn Sie das Evangelium des Markus lesen, so werden Sie sehen, da wird Jesus als der Kämpfer dargestellt, als der Streitbare, der «Löwe». Der beschreibt so wie einer, der vorzugsweise die Brustorgane darstellt. Und der Lukas, wie beschreibt denn der? Lukas ist ja sogar vorgestellt worden als ein Arzt, der vorzugsweise auf die Heilung ausgeht. Das sieht man dem Evangelium auch an. Heilen muß man, indem man nun in die Verdauungsorgane etwas hereinbringt. Daher beschreibt er den Jesus als «Stier», der vorzugsweise in die Verdauung etwas hereinbringt. Und so kann man die vier Evangelien zusammenfassen:
Matthäus = Mensch
Markus = Löwe
Lukas = Stier
Johannes = Adler
Nun, bei dieser Zeitung [an deren Kopf die vier Gestalten dargestellt sind, nach denen gefragt wurde] war ich ja vor die Aufgabe gestellt, daß darin gegeben werden sollte, was von Menschengeist zu Menschengeist geht, was ein Mensch dem andern Wertvolles sagen kann. So sollte man auch den Menschen darstellen. Es ist also in dieser Figur dargestellt oben der Adler, dann der Löwe, der Stier, die Kuh, und dann der Mensch selbst, der sie zusammenfaßt. Das ist also so, damit man sehen kann, diese Zeitung soll etwas recht Menschliches sein. Sie werden ja begreifen, meine Herren, daß man das heute gern den Menschen sagen möchte, daß man ihnen etwas Menschliches sagen möchte. Denn in dem, was heute vielfach auch durch die Zeitungen gegeben wird, ist ja nicht viel Menschliches enthalten. Also das sollte zum Ausdruck gebracht werden, daß in dieser Zeitung wirklich der Mensch so recht voll alle seine Organe ausleben soll. Es soll nicht dumm sein, was er redet, also: Adler; es soll auch nicht feige sein, also: Löwe. Aber es soll auch nicht in der Luft verfliegen, sondern praktisch auf der Erde stehen, also: Stier, Kuh. Und das Ganze soll dem Menschen etwas geben, soll zum Menschen sprechen. Das möchte man ja heute, daß alles, alles wirklich vom Menschen zum Menschen gehen könnte.
Nun bin ich doch noch dazu gekommen, von dem Ausgangspunkte aus mich dem zu nähern, was Sie gefragt haben, und ich hoffe, daß diese Frage verständlich werden konnte. Hat gerade die Ohrengeschichte Sie etwas interessiert? Man soll wissen, was man eigentlich in sich trägt!
Frage betreffs der Lotosblumen, von denen manchmal gesprochen werde, ob darüber etwas noch gesagt werden könne.
Dr. Steiner: Dazu werde ich dann kommen, wenn ich Ihnen die einzelnen Organe erkläre. Die nächste Vortragsstunde werden wir dann am Samstag um zehn Uhr haben.