Health and Illness, Volume I

GA 348 — 24 October 1922, Dornach

Zweiter Vortrag

Nun, meine Herren, ist gewünscht worden, daß wir etwas sprechen über die inneren menschlichen Organe, und ich habe damit das letzte Mal angefangen. Solch eine Sache kann man natürlich nur, ich möchte sagen, von weit her besprechen. Man kann sie nur so besprechen, daß man wirklich auf die Sache von Anfang an eingeht. Und ich habe Ihnen gesagt, nicht nur, daß das vorkommen kann, daß der Mensch gewissermaßen, wie ich Ihnen das an dem Beispiel von William Windom erklärt habe und noch an einem andern Beispiel, aus sich heraus redet wie dieser Windom, der während einer Rede gestorben ist und fast ganz seinen eigenen Zustand in Worten geschildert hat - ich habe Ihnen nicht nur das gesagt, sondern ich habe Ihnen gewisse Dinge gesagt über den Verlauf des menschlichen Lebens so, daß wir finden, daß in den allerersten Lebenszeiten, also während der Mensch Säugling ist, in den ersten Kinderjahren ist, die Sterblichkeit am allergrößten ist. Da sterben die Menschen am häufigsten. Und wenn das auch später mit dem dritten, vierten, fünften Jahre abnimmt, so kann man trotzdem sagen: Die größte Sterblichkeit ist bis zum Zahnwechsel, so um das siebente Jahr herum.

Dann, von dem Zahnwechsel an, bis das Kind geschlechtsreif wird, ist eigentlich der Mensch am allergesündesten. Tatsächlich ist es so. Wenn wir nicht selber in der Schule die Kinder ungesund machen, wenn wir sie nicht durch allerlei falsches Sitzen und dergleichen dazu bringen, daß sie Verkrümmungen oder durch schlechte Luft irgendwelche inneren Erkrankungen zeigen, wenn wir achtgeben, so können wir in der Tat während des sogenannten schulpflichtigen Alters, während der Volksschulzeit, darauf rechnen, daß wir da die Kinder im allgemeinen am gesündesten haben. Was da vorkommt an Erkrankungsfällen, das ist meistens von außen verschuldet. Die große Gefahr, daß der Mensch wiederum durch sich selber krank wird, die beginnt eigentlich erst wiederum im fünfzehnten, sechzehnten Lebensjahre. Und dann treten ganz andere Krankheiten auf, als im Kindesalter auftreten.

Sehen Sie, da ist es so: Bei ganz kleinen Kindern - ich habe es schon zum Teil gesagt — finden wir, daß sie zum Beispiel sehr leicht Vereiterungen des Blutes kriegen. Das Blut wird eiterig. Das kann so weit kommen, daß gelbsuchtartige Erscheinungen auftreten. Dann tritt sehr häufig bei den Kindern eine unregelmäßige Verdauung in Form von Durchfall auf. Dann bekommen die Kinder diese kleinen weißen Pustelchen an den verschiedenen Stellen, Schwämmchen, wie man sagt, und dergleichen; und dann bekommen die Kinder noch eine ganz andere Art von Erkrankung, die sogenannten Fraisen - Kinderkrämpfe sind das. Heute tritt ja ganz besonders stark auf als eine Kinderkrankheit die sogenannte Kinderlähmung, die auch noch im späteren Alter auftritt, die aber eine furchtbar verderbliche Krankheit ist. Die Kinder kommen in die Unmöglichkeit, zum Beispiel ihre Beine zu bewegen. Sie haben ganz gelähmte Beine und dergleichen. Diese Krankheit tritt heute immer stärker auf. Sie haben ja vielleicht gelesen, daß von Thüringen gemeldet wird, daß selbst Schulen geschlossen werden mußten, weil die Kinderlähmung epidemisch auftritt.

Aus alledem und noch aus manchem anderen kann man sehen, daß die Kinderkrankheit einen ganz besonderen Charakter hat. Die Kinderkrankheiten schauen anders aus als die Krankheiten, die der Mensch später bekommt. Die Kinderkrankheiten sind ja gerade Scharlach, Masern - allerdings, Masern ist ja eine Krankheit, die der Mensch auch später bekommen kann, und wir müssen uns fragen: Warum bekommen sie die Kinder am allerhäufigsten?

Sehen Sie, man kann diese Dinge nur verstehen, wenn man weiß, wie eigentlich im menschlichen Leib die Kräfte wirken. Wenn man das Kind als Menschenkeim betrachtet, bevor es geboren wird, sagen wir sogar, betrachtet im ersten, zweiten, dritten Monat, so ist ja das Kind eigentlich im Grunde genommen etwas ganz anderes als der spätere Mensch. Das Kind ist im ersten Monat, und im zweiten auch noch, so, daß es eigentlich nur Kopf ist, und die anderen Organe sind eigentlich nur ein Anhang am Kopfe. Alles das, was später Gliedmaßen sind, Hände, Füße, sind ja kleine Stumpfe; und auch die eigentliche Brust- und Bauchgegend funktioniert ja noch nicht, ist ja noch nicht tätig. Es ist ja so, sehen Sie, daß wenn man den Kindeskeim hat, so schaut er ja eigentlich so aus: Da hier ist dann, ich möchte sagen, eine Art von Sack, in dem er drinnen ist, und in diesem Sack sind vom mütterlichen Leibe aus Blutgefäße. Diese Blutgefäße, die gehen dann in das Kind hinein und füllen es aus. Das Blut kriegt das Kind von der Mutter, und ebenso die Nahrungsstoffe. Das sind Anhangsorgane, die später abfallen. Das fällt ja alles ab. Der Kopf ist im Verhältnis zu dem Körper bei dem Kindeskeim riesengroß. Das ist der Kopf (siehe Zeichnung); das andere sind nur Anhängsel — das ist noch nicht tätig. Da entsteht später das Herz und der Verdauungsapparat. Die Blutzirkulation wird von außen, von der Blutzirkulation der Mutter besorgt. Da sind nur kleine Stumpfel als Hände und Füße; das wird später erst entwickelt. So daß man sagen muß: Das ist alles der Kopf, und alles andere sind unbedeutende Organe, denn alles, was Nahrungs- und Luftaufnahme ist, das wird beim Kind von der Mutter aus besorgt. Also das Kind ist eigentlich in den ersten Monaten von der Mutter aus ganz Kopf.

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Sehen Sie, meine Herren, die Leute wundern sich darüber, daß Geisteskrankheiten, wie man sie nennt, durch Vererbung entstehen. Geisteskrankheiten sind aber immer körperliche Krankheiten, die sich dadurch ausdrücken, daß der Körper seine Funktionen nicht ordentlich ausführt. Der Geist wird nicht krank, die Seele auch nicht; Geisteskrankheit ist immer etwas Körperliches. Also die Leute wundern sich darüber, daß jemand, wie man also sagt, geisteskrank wird durch Vererbung. Ja, gewiß, der Mensch wird geisteskrank durch Vererbung. Wenn die Eltern, namentlich die Mutter, an Schwindsucht leiden, oder wenn sie an irgendwelchen Krankheiten, sagen wir zum Beispiel an Arterienverkalkung leiden — das kommt ja in der Jugend weniger vor, aber es kommt bei manchen Leuten vor -, wenn also die Eltern leiden an Schwindsucht, an Tuberkulose, an Arterienverkalkung, so werden die Kinder nicht durchaus wieder an Schwindsucht, an Tuberkulose, an Arterienverkalkung leiden, sondern sie können geisteskrank werden. Da wundern sich die Leute.

Ja, meine Herren, braucht man sich darüber zu wundern? Dasjenige, was der Mensch erben kann, muß er ja zunächst über den Kopf erben. Also wenn die Mutter schwindsüchtig ist, so braucht man sich nicht zu wundern, daß das nicht übergeht auf die Lunge — die ist ja noch gar nicht tätig —, sondern auf den Kopf geht das über, so daß es im Kopf zur Ausgestaltung kommt. Also man braucht sich gar nicht darüber zu verwundern, daß dasjenige, was vererbt wird, ganz andere Krankheiten sind als diejenigen, die die Eltern hatten, die sie vererbten.

Sehen Sie, wenn die Eltern zum Beispiel irgendwie geschlechtskrank sind, so können die Kinder eine Augenkrankheit zeigen. Das ist nicht zu verwundern. Wie soll man sich denn nicht verwundern, wenn die Eltern geschlechtskrank sind, und das Kind den Kopf ausgebildet hat die Augen sind ja am meisten ausgesetzt dem, was die Eltern haben; sie sind ja in einer geschlechtskranken Umgebung! Über diese Sache braucht man sich also gar nicht zu verwundern.

Und nun wird das Kind geboren. Das weiß nun jeder von Ihnen auch:,Wenn das Kind geboren ist, dann ist der Kopf zunächst auch noch am meisten ausgebildet. Das Kind muß mit dem anderen Körper erst in der späteren Zeit am meisten wachsen. Der Kopf ist am meisten ausgebildet, wächst nicht mehr so stark wie die andern Organe, wächst viel weniger. Und daran, an alledem kann man ja sehen, wie eigentlich die inneren Organe eines Menschen arbeiten. Darüber kann sich die materialistische Wissenschaft keine richtige Vorstellung bilden. Das ist ganz unmöglich, weil sie gar nicht so richtig darauf kommt, daß beim Kinde alles Wachstum vom Kopfe ausgeht. Alles wird vom Kopfe aus geregelt. Beim Kindeskeim ist es am auffallendsten, daß vom Kopfe aus alles geregelt wird, weil es nur den Kopf hat. Später aber ist noch immer, was im menschlichen Leibe vor sich geht, vom Kopfe aus geregelt. Vom Kopfe aus wird alles geregelt im menschlichen Organismus. Der Magen, die Darmtätigkeit und der Blutumlauf, alles wird vom Kopfe aus geregelt.

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Nehmen Sie jetzt einmal an, ein Kind wird geboren, und durch irgend etwas hat es einen zu langsamen Blutumlauf. Das kann also vorkommen. Es kann das vorkommen, daß das Kind durch Vererbung einen zu langsamen Blutumlauf hat; das gibt es einmal. Nun denken Sie sich einmal, das Kind - ich will jetzt Adern zeichnen — hat so die Adern und da geht das Blut zu langsam durch; da ist das Herz, da geht das Blut zu langsam durch. Aber das Herz wird vom Kopfe aus gebildet. Der Kopf kann ganz in Ordnung sein, doch der Blutumlauf ist zu langsam. So kommt es, daß das Herz zwar ordentlich ausgebildet ist, aber daß das Blut nicht ordentlich hereinfließt ins Herz. Das ist bei Kindern im allerersten Säuglingsalter sehr häufig der Fall, daß der Kopf ganz ordentlich ist, aber nicht ein ordentlicher Blutumlauf stattfindet. Das kann einfach dadurch geschehen, daß das Kind in stickiger Luft lebt; so kann es dann nicht richtig atmen, und der Blutkreislauf stockt. Oder wenn es nicht die richtige Nahrung kriegt, kann das Blut nicht richtig in den Körper übergeführt werden; der Blutkreislauf kann stocken. Der Kopf ist ganz in Ordnung, will das Herz richtig ausbilden, aber der Blutumlauf stockt. Statt daß die Sache richtig abgeführt wird vom Herz in die Nieren und herausginge, bleibt sie im Körper, bleibt sie im Blut drinnen. Sind Stoffe, die nicht im Körper sein sollten, die schon herausgeschafft sein sollten, noch im Blut drinnen, so vereitert das Blur.

Sehen Sie, diese Gefahr ist eben später, sagen wir, im achten, neunten Jahre nicht mehr so stark vorhanden, als sie vorhanden ist im allerersten Kindesalter. Warum? Nun, wenn das Kind die zweiten Zähne ordentlich gekriegt hat, so ist das schon ein Beweis dafür, daß sein Körper eigentlich stark ist. Sonst kriegt es die zweiten Zähne nicht ordentlich. Warum? Ja, sehen Sie, die zweiten Zähne, die werden ja aus dem ganzen Körper herausgetrieben. Was da in einem Zahn sitzt, das kommt aus dem ganzen Körper heraus; das ist nicht bloß etwa da im Kiefer, sondern beim zweiten Zähnekriegen ist der ganze Körper tätig. Aber nur bei den zweiten Zähnen. Bei den ersten Zähnen noch nicht. Die ersten Zähne, die das Kind kriegt, die sogenannten Milchzähne, die sind etwas ganz anderes als die zweiten Zähne. Die ersten Zähne kriegt das Kind durch Vererbung, weil seine Mutter und sein Vater auch Zähne haben. Diese werden im Lauf der ersten sieben Jahre ausgestoßen, und dann kriegt das Kind erst seine eigenen Zähne, die zweiten Zähne, die der Körper selber fabrizieren muß.

Überhaupt, wenn Sie ein Kind angucken, das neun oder zehn Jahre alt ist, so hat es ja schon seinen zweiten Körper. Da ist der erste, den es geerbt hat, ganz weggeschmissen. Eigentlich kriegt das Kind seinen eigenen Körper erst so um das siebente Jahr herum. Und während der ganzen Zeit bis zum siebenten Jahre, da zeigt es sich, daß das Kind so stark geboren ist, daß es die Luft und die Nahrung verträgt. Hat es gezeigt, daß es die zweiten Zähne kriegen kann, dann ist die Gefahr, krank zu werden, nicht mehr so groß, weil es schon seinen Körper aufgebaut hat; dann hat es eben die Zähne schon. Und deshalb ist die Gefahr am allergrößten beim Säugling. Er muß in alles, was er sonst im Schutze des Mutterleibes getan hat, sich hineinfinden. Der Kopf ist eigentlich immer im ersten Stadium gut; er wird erst später schlecht. Wenn man einmal alt wird, ist der Kopf nicht mehr so ordentlich. Da soll er denken, sich mit der Außenwelt beschäftigen. Da muß er sich auch erst hineinfinden. Da hapert es auch häufig! Aber in den allerersten Lebensjahren braucht das Kind noch nicht Geschicklichkeit für die Arbeit, braucht noch nicht in die Schule zu gehen, noch nichts zu lernen. Der Kopf arbeitet nur am eigenen Körper. Dazu ist er meistens gut. Aber der eigene Körper, der ist im zarten Kindesalter am allerschlechtesten, denn da muß man sich erst eingewöhnen in die Welt.

Nun, nicht ganz so, wie ich es erzähle, weil ich Ihnen die Tatsachen ganz genau erzähle, aber so ähnlich erzählt das ja auch die äußere Wissenschaft. Aber diese äußere Wissenschaft versteht eigentlich den ganzen Vorgang nicht. Diese ganze äußere Wissenschaft steht eigentlich wie vor einem Rätsel, wenn sie nun sieht, wie der Mensch in den allerersten Jahren den größten Krankheiten ausgesetzt ist. Aber das ist aus dem Grunde, weil diese äußere Wissenschaft glaubt, daß das, was man Seele und Geist nennt, eigentlich nichts Rechtes ist.

In Wirklichkeit ist das so: Wenn das Kind noch im Leibe der Mutter ist und dann geboren wird, so ist ja das Seelisch-Geistige hauptsächlich mit dem Kopf verbunden. Was da drinnen arbeitet, sind ja Kräfte, ist ja dasjenige, was man nicht sieht. Diese Kräfte, diese geistig-seelischen Kräfte arbeiten an dem Kinde.

Sie werden sagen: Ja, das ist eine Ansicht, die man haben kann oder nicht. Aber wenn Sie glauben, daß man diese Ansicht haben kann oder nicht, dann machen Sie sich desselben Irrtums schuldig, wie jemand, der sagt: Da ist ein Stück Eisen; ein anderer kommt und sagt: Her damit, damit will ich mein Pferd beschlagen! — Der erste sagt ihm aber: Kerl, du bist aber dumm, wenn du damit dein Pferd beschlagen willst! Das ist nämlich ein Magnet, da ist eine Kraft drinnen. Diesen Magnet, den verwendet man zu etwas ganz anderem als zum Pferdebeschlagen! - Der eine weiß, das ist einfach ein Hufeisen; der andere weiß, daß es ein Magnet ist, in dem eine unsichtbare Kraft drinnen ist. Sie können das ja nicht sehen. Und ebenso ist der, der mit der materialistischen Wissenschaft sagt: Nun ja, das ist ein Stück Fleisch, der Kopf. - Der ist geradeso wie der, der sagt: Das ist ein Hufeisen! — Der kindliche Kopf ist eben nicht bloß ein Stück Fleisch, sondern da drinnen arbeiten die unsichtbaren Kräfte, die wie ein Bildhauer den ganzen menschlichen Organismus aufbauen. Sie bauen ganz frisch auf in den ersten sieben Jahren. Der Mensch behält ja manches davon als die Form, die Gestalt, was er geerbt hat. Und die Kräfte, mit denen der Mensch da ganz frisch aufgebaut wird, das sind die seelisch-geistigen Kräfte, die vom Kopfe ausgehen, und die bringt der Mensch von ganz woanders her als von den Eltern.

Wenn er sie sich von den Eltern herbrächte - ja, meine Herren, wenn mal einer ein Genie ist, haben Sie gesehen, daß dann die Kinder auch Genies werden? Oder wenn die Kinder Genies sind, haben Sie gesehen, daß die Eltern es auch sind? Das ist ganz gewiß nicht der Fall! Nehmen Sie zum Beispiel Goethe, der ganz gewiß ein Genie war: sein Vater war ein furchtbarer Philister, seine Mutter war auch kein Genie — sie war eine liebe, nette Frau, die schöne Geschichten erzählen konnte -, und sein Sohn war dumm, der war gar kein Genie. Also dasjenige, was geistig-seelisch ist, das kann man nicht vererben, das bringt man sich aus ganz anderen Welten mit. Das vereinigt sich nur mit dem, was man vererbt. Der Mensch hat eben außer dem, daß er ein Dasein hat im Mutterleibe, ein Dasein vorher als geistig-seelischer Mensch.

Sehen Sie, daß die Menschen das heute ableugnen, das beruht ja nur darauf, daß das ganze Mittelalter hindurch die katholische Kirche gesagt hat: Man darf dem Menschen nicht ein geistig-seelisches Dasein vor der Geburt zuschreiben — weil die katholische Kirche angenommen hat, die Seele muß geschaffen werden bei der Geburt von irgendeinem solchen Gotte, wie ihn eben die katholische Kirche angenommen hat. Und dasjenige, was die katholische Kirche das ganze Mittelalter hindurch verboten hat anzunehmen, daß man eine, wie man es dazumal nannte, Präexistenz hatte — das heißt vorexistieren, vorher existieren -, das beobachtet heute die materialistische Wissenschaft auch und fühlt sich furchtbar gescheit. Das ist es eben, daß die Leute gar nicht wissen, wie sie erst dressiert worden sind zu solcher Ansicht, und nachher glauben, gerade mit einer solchen Ansicht besonders gescheit zu sein.

In Wahrheit ist es so, daß tatsächlich der Mensch, geradeso wie er ein physisches Dasein in seinen Eltern, Großeltern und so weiter hat, ein geistig-seelisches Dasein hat, das er sich mitbringt. Das arbeitet in ihm. Das ist das Geistig-Seelische. Und derjenige, der nicht einsieht, daß das Geistig-Seelische vor dem Körper schon da ist, sieht auch nicht ein, daß das Geistig-Seelische nach dem Tode bleibt, sondern er kann höchstens daran glauben. Ein Wissen von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele kann man nur dadurch bekommen, daß man auch weiß: sie ist vorher schon da. Natürlich stünde es einem göttlichen Schöpfer zu, wenn er den Menschen schaffen würde, die Seele auch wieder verschwinden zu lassen, wenn der Mensch stirbt; aber wenn diese Seele erst da sein muß, damit der Körper aufgebaut werden kann, dann bleibt sie natürlich auch vorhanden, wenn der Körper stirbt.

Also Sie können sich sagen: Aus alle den Dingen, welche man richtig beobachten kann, folgt ganz ohne weiteres das Dasein der menschlichen Seele. Und wie soll sie denn sterben, wenn sie es ist, die das Sterbliche erst aufgebaut hat! Man müßte ja in ganz andere Welten gehen, um einzusehen, daß die Seele sterben könnte. Darüber wollen wir dann in späteren Vorträgen reden, daß sie dort auch nicht sterben kann. Aber durch den Körper kann sie nicht sterben, weil sie den Körper erst selber aufbaut.

Jetzt haben wir solche Krankheiten kennengelernt, die dadurch entstehen, daß vom Kopfe aus das Geistig-Seelische arbeitet und der Körper nicht in Ordnung ist. Es kann aber noch anderes eintreten. Es kann das eintreten, daß der Blutkreislauf zu langsam ist und die Stockung eintritt, von der ich Ihnen gesagt habe, daß das Blut vereitert. Aber es kann noch etwas ganz anderes eintreten. Es kann das eintreten, daß das Kind Nahrung bekommt und es zu schwach ist, diese Nahrung überhaupt vom Darm aus nur ins Blut hinein zu kriegen. Es geht nicht durch die Darmzotten durch. Der Körper ist zu schwach. Was tritt dann ein? Dann kriegt das Kind zunächst einmal Durchfall. Natürlich, was nicht aufgenommen wird, muß heraus; aber es sollte eigentlich im Körper bleiben und aufgenommen werden. Statt dessen geht es im Durchfall unverarbeitet hinaus. Aber das ist noch mit etwas anderem verbunden. Gewiß, das Kind kriegt ein bißchen Durchfall, stärkeren Durchfall, kriegt vielleicht Brechdurchfall. Das ist oftmals nur das erste Stadium. Aber wenn das Kind längere Zeit die Nahrungsstoffe nicht verarbeiten kann, dann können ja die inneren Organe nicht aufgebaut werden. Der Kopf will sie fortwährend aufbauen. Die inneren Organe können nicht aufgebaut werden, weil kein Stoff durchgeht. Es ist so, wie wenn Sie, sagen wir, an irgendeiner Bildsäule arbeiten und keinen Stoff haben, aus dem Sie sie machen können, und Sie fuchteln in der Luft herum. So fuchtelt der Kopf in der Luft herum, wenn zum Beispiel das Kind keinen Stoff bekommt, aus dem es die Organe formen kann. Er will das Herz formen, den Magen formen. Er fuchtelt in der Luft herum, weil er keinen Stoff kriegt, weil der durch den Durchfall weggegangen ist.

Ja, wenn man nun materialistischer Gelehrter ist, kann man jetzt überhaupt nichts begreifen. Da sagt man sich halt: Ich untersuche das Kind; nun, das hat Durchfall. Geben wir ihm irgendwelche Mittel, daß es nicht weiter Durchfall hat. - Da wird nur die Folge sein, daß die Nahrungsstoffe sich im Darm ansammeln, denn aufgenommen können sie nicht werden, und das Kind kriegt einen dicken Bauch, aber weiter nichts. Man untersucht weiter und findet, daß zum Beispiel die Lunge nichts anderes als ein leerer Beutel wird. Sie will gebildet werden, aber die Stoffe sind nicht da. Man findet nichts als einen leeren Beutel anstelle der Lunge.

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Derjenige, der also die Lunge anguckt und nur einen leeren Beutel findet, der muß aber wissen, daß in diese Lunge eben gerade diejenigen Kräfte hineingehen, die vom Kopfe ausgehen. Das, was vom Kopfe ausgeht, das geht in die Lunge, durch die Lunge. Jetzt wollen die Kräfte vom Kopfe aus etwas haben, wodurch sie sich betätigen können. Die greifen etwas an, was ihnen keinen Halt gibt. Jetzt ist das so: Wenn ich den Stuhl schüttle, da habe ich Halt am Stuhl; wenn ich aber so herumfuchtle und nicht den Stuhl kriege, habe ich keinen Halt. Sie sehen dann nur, daß ich wie ein Narr herumfuchtle. Aber wenn der Kopf herumfuchtelt in der Lunge und keinen Halt kriegt, dann entstehen Krämpfe, die Fraisen.

Sehen Sie, wenn einer überhaupt vernünftigerweise die Krämpfe erklären will, dann muß er wissen, daß da der Kopf herumfuchtelt und keinen Halt kriegt. Durchfälle kann man noch auf materialistische Weise erklären; Krämpfe kann man nicht mehr auf materialistische Weise erklären.

Also das zeigt einem, daß gerade beim Kind am meisten geistige Tätigkeit vorhanden ist. Die hört später auf. Denn so viel geistige Tätigkeit ist beim Kind vorhanden, daß aus alledem, was es ißt bis zu seinem sechsten, siebenten Jahre, immer nur ganz kleine, winzige Partikel, Teile, ausgesondert werden, und aus denen werden nun die zweiten Zähne gemacht. Denken Sie, meine Herren, wenn Sie das selber machen müßten! Sie müßten erstens so gescheit sein, daß Sie wissen könnten, wie in den Nahrungsmitteln da drinnen Magnesiumsalze und kohlensaure Salze sind. Das kann man zur Not noch lernen, aber man kann es auch nur dadurch, daß man die Zähne zuerst chemisch analysiert, selber erst aus den Zähnen lernt. Denn kein Mensch kann natürlich heute sagen, wie man solche Zähne macht, denn die künstlichen Zähne, die gemacht werden, sind ja natürlich keine Zähne, keine lebendigen Zähne. Also da wird aus alledem, was das Kind ißt bis zum siebenten Jahre, immer in ganz kleinen Portionen dasjenige herausgeholt, was als zweite Zähne erscheint.

Aber man muß nicht nur wissen, was für Stoffe drinnen sind, sondern man muß wissen, was machen sie im Magen, damit der richtige Stoff ausgesondert wird, oder was machen diese kleinen Partikelchen, die Sie ausgesondert haben im zweiten, dritten Jahre? Wenn Sie das ausgesondert haben, wie halten Sie das lange genug im Blutkreislauf fest, daß es weiter mitgeht, gerade just im sechsten, siebenten, achten Jahr in die Kiefer hineingeht, so daß die Zähne daraus werden? Das alles muß ja gemacht werden und wird gemacht von dem Geistig-Seelischen des Kindes, das nur unbewußt ist. Aber gemacht wird es. Ich glaube, Sie werden sich gar nicht beleidigt fühlen, wenn ich Ihnen sage: Sie sind nicht imstande, wenn ich sage, laß da irgendwo ein einziges Haar wachsen -, Sie sind nicht imstande, dieses Haar irgendwie wachsen zu lassen! Aber das Kind ist dazu imstande, indem es die nötigen Stoffe hintreibt bis zu dem Ort, wo die Haarwurzeln sich eingliedern, diese Stoffe dem Lichte entgegenzubringen - denn die Haare wachsen, werden aus Licht.

Also das alles geschieht in dem Kinde. Sehen Sie, das alles ist etwas, wovon die heutige Wissenschaft nicht reden will. Sie macht den Leuten diese Dinge durchaus unklar. Sie weiß nichts darüber und will nicht reden davon, daß da das Geistig-Seelische drinnen arbeitet, und daß das Geistig-Seelische nicht vererbt wird, sondern daß das Geistig-Seelische eben aus einer geistigen Welt kommt.

Nun, ich habe Ihnen das Beispiel von den Haaren erzählt. Sehen Sie, der Mensch ist ja im allgemeinen während seines normalen Lebens nicht behaart, sondern nur an gewissen Stellen bleiben die Haare, sonst ist er unbehaart. Aber der Mensch war einmal auf der Erde auch behaart. Er hat die Haare verloren. Er war ein ganz behaarter Mensch. Einmal, in sehr alten Zeiten war der Mensch auch zottelig behaart, ganz zottelig behaart. Er hat die Haare verloren. Ja, wodurch hat der Mensch die Haare verloren? Ich will Ihnen darüber keine Theorie geben, denn die kann man sich ausdenken, aber ich will Sie auf Tatsachen verweisen. Andere Wesen zum Beispiel, welche auch, wenn sie in der Natur herumgehen, behaart sind, verlieren die Haare, wenn sie zahm gemacht werden: das sind die Schweine. Schauen Sie sie an im wilden Zustande: da haben sie Haare; und wenn sie gezähmt werden, wenn sie also in solchen Verhältnissen leben, in denen sie ursprünglich nicht gelebt haben, da verlieren sie die Haare. Der Mensch hat auch ursprünglich nicht in solchen Verhältnissen gelebt wie heute. Der Mensch ist nämlich auch wie solch ein gezähmtes Tier. Daß er aber Haare bekommen hat, unter dem Einfluß von Licht und Wärme Haare bekommen hat, das zeigt das Kind ja heute noch; denn in den ersten Monaten, wo es fast nur Kopf ist, da ist der ganze Kindeskeim behaart — im Mutterleib ist das Kind in den ersten Monaten sogar behaart! Die Haare verliert es wieder; die gehen weg. Es ist ganz behaart. Geradeso wie ich Ihnen erklärt habe, daß die Pflanzen im ersten Stadium das Licht und die Wärme noch vom vorigen Jahr haben, so hat das Kind Licht und Wärme von der Mutter, so bekommt es das Licht und verliert erst später die Haare. Also auch daraus können Sie sehen, wie das Geistig-Seelische am Körper arbeitet.

Nun sagte ich Ihnen: Während des schulpflichtigen Alters, da ist der Mensch eigentlich von Natur aus am allergesündesten. Das ist so. Warum? Ja, das ist so, weil nur diejenigen Menschen übrig bleiben, die die Kräfte entwickelt haben, durch die sie die zweiten Zähne entwickeln können, denn das sind starke Kräfte. Man treibt da ganz harte Kräfte aus sich heraus. Diese Kräfte, die muß man durch eine ganz furchtbar starke Angewöhnung erst erwerben während des kindlichen Alters. In den ersten Kindesjahren ist also alles dasjenige, was der Kopf am Innern des Menschen macht, am stärksten entwickelt. Und da ist es wirklich so, daß man sagen muß - natürlich weiß der Mensch nichts davon -: Dieser Kopf, der muß sich anstrengen, der muß ein ganz großer Künstler sein. Und der Körper gibt ihm fortwährend Widerstände. Dagegen muß der Kopf fortwährend ankämpfen. Es hilft ihm nichts. In den ersten sieben Jahren kann er nichts haben, was ihm richtig hilft. Man muß solch eine furchtbare Kraft anwenden. Und unter dieser Kraftanstrengung kommen eben alle diese Krankheiten, von denen ich Ihnen erzählt habe.

Nehmen Sie aber jetzt an, der Blutkreislauf ist nicht dadurch in Unordnung, daß nicht genügend abgeht, sondern daß zu viel übergeführt wird. Das kann ja auch sein. Es gibt schon einmal dieses, daß die Eltern eben nicht so weise sind, wie der menschliche Organismus eigentlich ist. Die Eltern glauben oftmals: Wenn man möglichst viel hineinstopft, so ist das das allerbeste. Nun, man kann ja daraus niemand einen Vorwurf machen, denn es ist wirklich im allgemeinen schwer zu wissen, wann das Kind genug hat. Es weiß es meistens nur durch seinen eigenen Instinkt, durch seine eigene Weisheit, die in ihm ist. Wenn es zu viel Milch kriegt, weil die Mutter zu viel erzeugt, bekommt das Kind einen unsicheren Instinkt und ißt selber zu viel. Dann wird zu viel hineingestopft, da kann der Kopf nicht nach; dann ist er zu langsam, um das Viele da hineinzukriegen. Dann muß er sich wehren, damit das ausgeworfen wird, damit das weggeht. Aber das ist ja schon von dem Darm ins Blut hineingegangen; er kann es nicht mehr auf dem natürlichen Wege des Wiederablassens oder der Verdauung wegwerfen, denn es ist schon ins Blut hineingegangen. Was tut er? Er muß es auswerfen durch die Haut. Scharlach, Masern entstehen! Scharlach und Masern sind ganz andere Krankheiten als Durchfall oder die Krämpfe. Durchfall und Krämpfe, das sind Krankheiten, die das Kind kriegt, weil es im Innern einfach herumfuchtelt und zu wenig Nahrung bekommt. Wenn aber zu viel hineinkommt, dann muß das ausgeworfen werden, und dann entstehen solche Dinge, selbst dasjenige, was dann durch die Lungen ausgeworfen wird, wenn es zu viel ist. Diphtherie, Lungenentzündung, die werden dadurch hervorgerufen, daß der Körper sich dadurch hilft, daß er noch durch die Haut wegwirft, was er sonst nicht herauskriegt. Wenn man den Menschen versteht, versteht man, wie das eigentlich vor sich geht, und es ist ganz natürlich, daß ein Kind solche Krankheiten kriegen kann.

Es kann noch andere Krankheiten kriegen. Denken Sie einmal, es ist gerade zufällig das Kind zu schwach, um die zweiten Zähne herauszutreiben. Es hat die ersten Zähne gekriegt, die hat es geerbt; da braucht es sich nicht anzustrengen. Aber es ist zu schwach, um die zweiten herauszutreiben. Jetzt gehen die Kräfte, die da nicht ankommen, in die Lunge, und das Kind zeigt eine Lungenentzündung. Das kann auch sein. Der menschliche Leib ist ein furchtbar kompliziertes Ding. Wenn also ein Kind eine Lungenentzündung kriegt, so ist nicht nur nachzuschauen, wie es mit dem Kind auf der Lunge ist, sondern wie es ist mit den Nieren, wie mit dem Magen und so weiter. Man muß also bei jeglicher Krankheit den ganzen menschlichen Körper untersuchen, nicht nur einen Teil, an dem gerade die Krankheit auftritt.

Wenn aber das Kind jetzt sieben Jahre alt ist, dann sind auch seine Atmungsorgane so weit, daß nicht mehr der ganze Körper vom Kopf aus die Atmung besorgen muß. Beim ganz kleinen Kind muß der Kopf noch fortwährend die Atmungsorgane in Ordnung bringen. So wie er die Zähne aufbauen muß, so muß er die Atmungsorgane aufbauen. Mit dem siebenten, achten Jahre ist das Kind so weit, daß sie in Ordnung sind. Jetzt kann das Kind ordentlich atmen. Das ist gerade das Allerwichtigste, daß man einsieht: Wenn das Kind die zweiten Zähne gekriegt hat, ist sein Atmungsorganismus in Ordnung gekommen; es hat seine zweiten Lungen bekommen, seine zweiten Bronchien - alles ist aufgebaut. Es atmet nicht mehr mit dem schwachen vererbten Organismus, sondern es atmet mit dem zweiten, aufgebauten Organismus. Dadurch steht es ganz anders da. Jetzt hat es eine Hilfe. Das ist eben die Geschichte. Es ist etwas ganz anderes, ob ich von einem schwachen Vater oder einer schwachen Mutter meinetwillen einen Atmungsorganismus habe, den ich vom Kopf aus dirigieren soll, der aber zu schwach ist, oder ob ich mir als Kind richtig einen zweiten Atmungsorganismus aufgebaut habe, wie ich ihn brauche. Denn der Kopf baut ihn sich ordentlich auf. Und dadurch, daß dieser zweite Atmungsorganismus bei Kindern, die überhaupt so alt werden — die andern sind vorher weggestorben —, in Ordnung ist, dadurch sind diese Kinder zwischen sieben und vierzehn Jahren am allergesündesten, denn bei den Kindern ist es vorzugsweise der Atmungsorganismus, der ganz gesund wird. Das ist das Gute in diesem zweiten Lebensalter, daß der Atmungsorganismus da am allergesündesten wird.

Wenn aber die Geschlechtsreife eingetreten ist, dann nimmt nämlich diese Geschlechtsreife etwas von den Nahrungssubstanzen für sich weg. Früher, wenn das Kind noch nicht geschlechtsreif ist, geschieht das nicht. Da nimmt die Geschlechtsreife noch nicht etwas von den Nahrungsmitteln für sich weg. Jetzt muß eine ganz andere Art von Verdauung eintreten. Das können Sie leicht einsehen, weil etwas ganz anderes nun eingetreten ist, weil die Nahrungsmittel zu etwas anderem hingeleitet werden. Diese neue Art zu atmen, die macht, daß von der Geschlechtsreife an überhaupt die Verdauungsorgane sich erst neu einrichten müssen, daß also erst vom Magen, von den Gedärmen aus der richtige Gegendruck eintreten muß, weil von dem, was früher Druck war, etwas weggenommen ist. Jetzt muß der richtige Gegendruck eintreten. Kein Wunder, daß Bleichsucht bei den Mädchen und andere Krankheiten in diesem Alter auftreten, weil sich der Organismus erst einrichten muß.

So ist das Kind in dieser Zeit vom siebenten bis vierzehnten Jahre am allermeisten geschützt. Denn in den ersten Jahren muß vom Kopfe aus so furchtbar stark hineingearbeitet werden in den Organismus. Daran muß er sich erst gewöhnen. In dieser Zeit vom siebenten bis vierzehnten Jahre, also in der Volksschulzeit, ist das Kind am allergesündesten. Dieser zweite Atmungsorganismus, der ist von nichts beeinträchtigt, und der kann ganz fein den Sauerstoff überliefern. Der wirkt auf der einen Seite günstig nach dem Kopf hinauf, auf der andern Seite günstig nach der Verdauung zu. Da müßte man, wie gesagt, schon von außen durch eigene Schulgeschichten die Sache verderben.

Jetzt kommen wir zur Geschlechtsreife. Sehen Sie sich den Knaben an. Bis zur Geschlechtsreife hat er seinen Organismus ausgebildet mit den gesündesten Kräften, die der Mensch hat. Er hat den Ansturm unternommen, zum erstenmal seinen Organismus neu zu machen. Nichts hat ihm das verdorben, wenn er eben übrig geblieben ist. Doch jetzt kommt die Geschlechtsreife heran. Sehen Sie sich den Knaben an: Der ganze Atmungsorganismus wird da durch die Verdauung beeinträchtigt. Nicht einmal die Stimme behält er. Die Stimme wird tiefer. Der Stimmwechsel zeigt ja, daß die Verdauung heraufwirkt bis in den Atmungsorganismus. Also das zweite Mal, wenn er seinen Organismus bilden muß, da pfuscht ihm die Verdauung hinein. Dieses Hineinpfuschen, das ist eben im Stimmwechsel zum Ausdruck kommend. Da muß er ganz andere Saiten anschlagen. Da stürmen nun wiederum die Krankheiten heran.

Und sehen Sie, erst wenn man den Menschen nun so betrachtet, dann kriegt man die Möglichkeit, überhaupt über eine solche Frage nachzudenken, wie sie einer der Herren das letzte Mal gestellt hat. Vorher kann man ja über diese Fragen überhaupt gar nicht nachdenken, denn man kriegt nichts heraus. Wenn man weiß, daß es einfach der Kopf ist, der in den ersten sieben Lebensjahren am meisten arbeiten muß, was wird man sich da sagen?

Ja, nicht wahr, im mütterlichen Leibe wird das gebilder (auf die Zeichnung deutend); aber der Kopf, der im mütterlichen Leibe gebildet wird, der wird ja wirklich nicht bloß gebildet durch die Befruchtung, nur durch die Substanz, sondern dieser Kopf wird gebildet aus dem ganzen Weltenall herein. Die mütterliche Substanz bilder nur die Grundlage, daß sich das bilden kann. Aber der Kopf des Menschen wird aus dem ganzen Weltenall herein gebildet. Er ist ja auch ein Abbild, er ist ein Bild des Weltenalls. Er ist deshalb oben rund, weil er nachgebildet ist dem Weltenall. Da drauf auf diesen Hirnschädel, den manchmal etwas so Dummes bedeckt beim Menschen, da drauf wirkt die ganze Sternenwelt. Da wirkt wirklich die ganze Sternenwelt. Das ist nicht eine Phantasterei. Das ist ebenso wahr, wie es das Folgende ist, ich habe es Ihnen schon einmal gesagt: Denken Sie sich, es wäre hier eine Magnetnadel; diese Magnetnadel können Sie nicht beliebig zum Stillstand bringen. Sie steht immer von Norden nach Süden. Keinem Menschen wird es einfallen, zu sagen, da sitzen Kräfte in der Magnetnadel drinnen, die diese von Norden nach Süden stellen, sondern jeder sagt: Die Erde ist selber ein Magnet und die Magnetnadel richtet sich nach der Erde. — Das sieht jeder ein. Nur in bezug auf das, was sich da im mütterlichen Leibe drinnen entwickelt, sind die Menschen so dumm, daß sie sagen: Das kommt von der Befruchtung. — Das ist ebenso gescheit, wie wenn man sagen würde: Daß sich die Magnetnadel immer von Süden nach Norden richtet, das kommt von Kräften in der Magnetnadel! - Daß sich da dieser Kopf ausbildet wie ein Abbild von der ganzen Welt, das zeigt eben, daß die ganze Welt wirkt auf den Menschenkopf. Und die Kräfte, mit denen der Kopf dann wiederum im Kinde weiter wirkt, die hat der Mensch aus dem Weltenall bekommen. Wenn also meineLunge aufgebaut wird, dann hat der Kopf die Kraft zum Aufbauen meiner Lunge bekommen aus dem Weltenall. Namentlich wenn zum Beispiel die Nieren ausgebildet werden, so hat der Mensch die Kräfte von weit im Weltenall draußen liegenden Körpern bekommen, vom Jupiter zum Beispiel. Also das sind keine Phantastereien. Das kann man ebenso untersuchen, wie man andere physikalische Sachen untersucht. So daß der Mensch, wenn er mit seinem Kopfe geboren wird, wirklich in seinem Kopf die Kräfte der ganzen Welt drinnen trägt.

Natürlich ist es ein Unsinn, wenn einer sagt, der Mond oder die Sonne oder der Jupiter wirken auf irgendein menschliches Organ. Also wenn die Leute sich hinsetzen und ein Horoskop stellen, weil sie glauben, der Mond, die Sonne, der Jupiter und so weiter wirken, das ist Blech! Aber der Kopf ist herausgebildet aus dem ganzen Weltenall. Und die Kräfte, die dem Kopf aus dem ganzen Weltenall mitgeteilt worden sind, die wirken dann in den ersten sieben Jahren auf den Menschen. Und in den zweiten sieben Jahren gewöhnt sich der Mensch mehr an den Umkreis der Erde, so daß er herauswächst aus dem Weltenall. Er wird also, während er vorher ein Sternenmensch war, mehr ein Luftmensch.

Und nachher, wenn da die Verdauungsstoffe eine so besondere Rolle spielen beim Menschen, daß sie ihm sogar die Stimme verändern, was ist denn das? Ja, das ist nichts anderes als das, was wir hereinbringen von der Erde. Was wir von der Erde hereinbringen, das müssen wir dann verarbeiten. Ich habe Ihnen gezeigt, daß das erst getötet werden muß in den Gedärmen und so weiter. Das wird erst zur Hauptsache in den Zeiten, in denen der Mensch geschlechtsreif wird. Da wird er hauptsächlich von der Erde abhängig. Wir haben als Männer zuerst die Stimme von der Luft; daß die Stimme dann dumpf wird, das kommt davon her, daß später die Erdensubstanzen und die Erdenstoffe drinnen wirken.

Erst kommen wir zur Welt, indem wir Sternenmenschen sind, vom Kopf aus die Kräfte nachwirken lassen, die wir aus der Sternenwelt zuerst hereingebracht haben. Dann werden wir Luftmenschen. Und mit der Geschlechtsreife werden wir erst Erdenmenschen, werden erst richtig dem Erdigen zugeteilt. Später werden wir erst den Dingen zugeteilt, die uns mehr an die Erde fesseln. Und so sehen Sie, daß der Mensch erst von der Welt herein auf die Erde versetzt wird.

Wenn man nicht so verstockt ist wie die Materialisten oftmals, die darüber phantasieren, daß der Mensch wächst und so weiter, dann sieht man ja, wie der Mensch in die Erde hineinwächst. Und wenn er alt genug dazu wird, wächst er nämlich im Alter wieder heraus. Was geschieht zum Beispiel im Alter? Die Kräfte, die wir im Alter haben, die haben wir auch in der Jugend; die haben unsere Knochengebilde sehr, sehr hart gemacht; aber die anderen Teile bleiben weich. Wenn aber im Alter die Kraft, die in den Knochen ist, in den andern Körper übergeht, so verhärten zuerst die Adern, und dann kommt, was man Arteriosklerose nennt. Das Gehirn kann auch verkalken. Das Gehirn muß immer ein bißchen von dem haben, durch das die Verkalkung eintritt. Sehen Sie, wenn das Kind nicht ein wenig Kalksand im Kopfe hat, der von der Zirbeldrüse ausgestreut wird, verteilt wird, wenn es nicht ein wenig Kalksand im Kopfe hat, dann bleibt es dumm, dann kann die Seele nicht eingreifen, denn die bildet in den Kalk hinein. Wenn aber später (im Alter) zu viel Kalk abgelagert wird, dann kommt eben die Verkalkung, und dann kann wiederum die Seele nicht eingreifen, weil das zu stark ist. Dann kommt die Lähmung, der Gehirnschlag, oder so etwas, oder man wird eben ergriffen von Altersschwachsinn, weil man das Gehirn nicht mehr ergreifen kann, nicht mehr verwenden kann. Aber wenn im übrigen Körper eine Verkalkung eintritt, ist es ebenso. Man wird wieder herausgenommen aus den Kräften der Erde. Man kann also sehen, wie der Mensch hineinwächst in die Kräfte der Erde bis zu seiner Geschlechtsreife, und wie er dann wieder herauswächst aus der Erde, wie die abgelagerten Schichten immer dicker und dicker werden und dadurch die Seele nicht mehr eingreifen kann.

So sehen Sie tatsächlich, daß man studieren kann das, was der Mensch vom Weltenall hat. Er trägt es selber herein. Man muß nur nicht der abergläubischen Ansicht huldigen, daß auf die Lunge meinetwillen irgendeines fünfunddreißigjährigen Menschen irgendwie ein Stern wirkt! Aber die Lunge ist aufgebaut nach den Kräften, die zuerst im Kindeskopf von den Sternen hereingekommen sind.

Also wenn man die Sache richtig wissenschaftlich anschaut, dann gibt es eben eine Geisteswissenschaft. Die gibt es einmal, und die kann man ebenso studieren, wie die andere Wissenschaft. Und es ist einmal so, man mag ja noch so stark schimpfen über frühere Zeiten — gewiß, wir können nicht wieder dieselben Zeiten heraufholen, die früher waren —, aber sie waren halt für die Menschen, die früher da waren, brauchbar, für uns nicht mehr. Aber die Zeit, in der wir leben, die ist nur brauchbar für uns. Wenn wieder Leute da sein werden, die etwas wissen von der Welt, die nicht bloß glauben, der Menschenkopf wird nur als, was weiß ich, so eine kleine Kugel im Mutterleibe erzeugt, sondern die etwas wissen von der Sache, wird es auch wieder bessere Politiker geben. Wenn man nichts weiß, kann man auch kein ordentlicher Politiker sein. Denn derjenige, der nichts weiß vom Menschen, der weiß auch nicht, was die Menschen tun sollen. Daher ist es so dringend notwendig, daß Leute entstehen, die wiederum etwas wissen von der Welt. Das ist dasjenige, was unbedingt angestrebt werden muß.

Die Schulen sollen den Menschen wiederum etwas lehren, was einen Wert hat. Heute hat das einen großen Wert, womit man Maschinen machen kann. Dagegen wird auch nichts gesagt von der Geisteswissenschaft, denn das hat ja seinen großen Wert; aber wodurch man unter den Menschen zurechtkommt, das wird gar nicht gelehrt, sondern es wird irgendeine abstrakte soziale Wissenschaft gelehrt, die man erfindet, weil man den Menschen nicht kennt. Den muß man erst kennenlernen, dann aber so, wie wir es hier tun. Das aber, was ich Ihnen hier sage, das wird ja leider nicht gelehrt. Erinnern Sie sich an Ihre eigene Schulzeit! Wo wird denn so etwas gelehrt? Und das ist dasjenige, was heute dem Menschen fehlt. Dasjenige, was der Mensch heute lernt, das ist geradeso in ihm, wie wenn Sie ihm Steine in den Magen hineinlegen. Das verträgt höchstens eine Gans, aber nicht der Mensch. Wenn Sie dem Menschen Steine in den Magen hineingeben, dann ruiniert er seinen Verdauungsapparat. Wenn Sie den Menschen das lehren, was heute gelehrt wird, so ruinieren Sie eigentlich seinen Kopf. Nicht wahr, wenn ich meinen Arm nicht gebrauche, wird er schwach. Wenn ich meinen Kopf nicht richtig gebrauche, wird der Kopf schwach. Aber der Kopf hat auch während des mütterlichen Keimens schon Sternenkräfte bekommen. Wenn Sie ihm nichts erzählen und er keine Gedanken haben kann von den Sternen, so bleibt er schwach, geradeso wie die Muskeln, wenn man sie nicht gebraucht. Wenn man dem Kind nichts beibringt von der Welt, so muß der Kopf schwach bleiben. Und der hauptsächlichste Schaden des heutigen Zustandes ist — Sie müssen das nicht übel nehmen -, daß die Menschen schwache Köpfe haben und nichts verstehen voneinander, sich nach Klassen trennen und gar nichts verstehen voneinander. Das ist geradeso, wie wenn ich Menschen zu Athleten machen will und ihnen ihren Bizeps ganz schwach lasse. So ist es mit Menschen, die ich ausbilde und deren Kopf ich schwach lasse, weil sie dann gerade dasjenige nicht wissen, was sie wissen sollten. Das ist schon so.

Wenn die Kinder mit der unbewußten Weisheit, durch die sie ihren Körper aufbauen, fertig sind und ihre zweiten Zähne gekriegt haben, ist es von besonderer Wichtigkeit, daß man ihnen jetzt bewußt etwas beibringt von dem, was sie früher unbewußt angewendet haben. Dann werden sie auch richtige Menschen, solche Menschen, die nicht so verkehrt denken wie die heutigen, sondern Menschen, die richtig denken eine gesunde Geisteswissenschaft.

Richtet man alles soziale Denken erst zugrunde, so kriegen wir kein vernünftiges Denken über das, was man tun soll. Wenn wir eine richtige Geisteswissenschaft anwenden, so wird in dieser Beziehung vieles besser werden können.

German original of Illnesses Occurring in the Different Periods of Life · ← Previous · Next →