How Spirit Works in Nature

GA 351 — 24 October 1923, Dornach

5. Über die Natur der Kometen

Guten Morgen, meine Herren! Hat jemand eine Frage zu stellen?

Fragesteller: Vor einigen Vorträgen war gesprochen worden vom großen Weltenkosmos; ich möchte fragen wegen Kometen mit einem großen Schwanz. Was hat das für eine Bedeutung?

Dr. Steiner: Nun, sehen Sie, meine Herren, da müssen wir uns an das erinnern, was ich gerade in der letzten Zeit gesagt habe. Ich will einiges von dem wiederholen, was wir vor einigen Vorträgen gesagt haben.

Wenn wir den Menschen betrachten, so müssen wir sagen: Es ist für sein ganzes Leben, namentlich auch für seine geistigeEntwickelungzweierlei notwendig. Erstens, daß Kohlensäure nach dem Kopfe hinauf geht. Der Mensch sondert ja fortwährend Kohlenstoff in sich aus. Eigentlich kann man sagen: Der Mensch, insofern er ein fester Körper ist, ist aus Kohlenstoff aufgebaut. Also der Mensch sondert fortwährend Kohlenstoff aus sich aus. Nun, dieser Kohlenstoff, der würde ja zuletzt so werden in uns, daß wir alle schwarze Säulen würden. Wir würden schwarze Säulen werden, wenn dieser Kohlenstoff sich erhalten würde. Wir brauchen ihn zum Leben, aber wir müssen ihn fortwährend wieder umwandeln, daß er etwas anderes wird. Das geschieht durch den Sauerstoff. Nun, zuletzt atmen wir den Sauerstoff mit dem Kohlenstoff als Kohlensäure aus. In unserer Ausatmungsluft ist Kohlensäure. Aber diese Kohlensäure brauchen Sie. Man findet sie auch, wenn man zum Beispiel Selterswasser hat, und innen in den Perlen ist Kohlensäure darinnen. Diese Kohlensäure, die nicht ausgeatmet wird, die geht fortwährend nach dem menschlichen Kopf hinauf, und die brauchen wir, damit wir nicht dumm sind, damit wir denken können; sonst würde Sumpfgas, das aus Kohlenstoff und Wasserstoff besteht, nach dem menschlichen Kopf hinaufgehen. Zum Denken also brauchen wir Kohlensäure.

Nun habe ich ja auch schon angedeutet, was wir zum Willen, zum Wollen brauchen. Also fangen wir beim Gehen an, beim Händebewegen, beim Armbewegen - da beginnt ja eigentlich dieses Wollen: da müssen wir eine Verbindung von Kohlenstoff und Stickstoff immer bilden und immer wieder auflösen. Aber dieses Zyan oder die Zyansäure, die muß fortwährend sozusagen in unsere Glieder fahren. Sie verbindet sich in den Gliedern dann mit Kalium. Es entsteht Zyankalium, das aber auch gleich wieder aufgelöst wird. Damit wir überhaupt leben können, muß fortwährend Vergiftung in uns sein und wiederum Entgiftung, Auflösung. Das ist das Geheimnis des menschlichen Lebens: Kohlensäure auf der einen Seite, Zyankali, das mit dem Kalium verbunden wird, auf der anderen Seite. Mit jeder Bewegung, mit jedem Finger bildet sich etwas Zyansäure, und die Sache ist dann so, daß wir die Sache gleich wieder auflösen, indem wir die Finger bewegen. Also das muß im Menschen auch da sein.

Alles aber, was beim Menschen da sein muß, das muß auch im Weltenall draußen da sein, muß im Weltenall draußen irgendwie vorhanden sein. Es ist nun so, daß die Kometen immer wiederum untersucht worden sind. Und gerade mit den Kometen hat sich eine Art, möchte ich sagen, kleine Geschichte abgespielt in der anthroposophischen Bewegung. Ich habe einmal in Paris Vorträge gehalten und rein aus der inneren Erkenntnis heraus gesagt, daß in den Kometen etwas Zyansäure vorhanden sein muß, daß also Zyansäure in den Kometen vorhanden ist. Bis dahin hatte man in der Wissenschaft noch nicht darauf aufmerksam gemacht, daß in den Kometen Zyansäure vorhanden ist. Dann aber ist kurz darauf ein Komet gekommen. Es war eben der, von dem Sie reden. Und gerade an diesem Kometen hat man mit den vollkommeneren Instrumenten, die man ja früher nicht hatte, entdeckt, daß nun wirklich in dem Kometen, dem Kometenstoff Zyansäure drinnen ist! So daß man also darauf hinweisen kann, wenn die Leute immer fragen: Hat denn Anthroposophie irgend etwas vorausgesagt? - Ja, diese Entdeckung des Zyan in den Kometen, die ist zum Beispiel ganz offenbar vorausgesagt gewesen. Es ist bei vielem auch noch so gegangen; aber da, beim Kometen, war es eben ganz offenbar. Nun, es ist eben heute eigentlich kein Zweifel selbst bei der äußeren Wissenschaft, daß in der Kometenatmosphäre, in der Kometenluft - der Komet ist ja eigentlich aus sehr feinem Stoff gebildet, ist ja eigentlich nur Äther, nur Luft - Zyansäure drinnen ist.

Ja, was heißt das, meine Herren? Das heißt, dasselbe, was wir fortwährend in unseren Gliedern bilden müssen, das ist draußen in der Kometenatmosphäre auch drinnen. Jetzt denken Sie sich, wie oft ich gesagt habe hier, daß das Ei gebildet wird aus dem ganzen Weltenall herein-also auch Menschen, Tier und Pflanze, indem sie aus dem Ei gebildet werden, werden sie aus dem ganzen Weltenall heraus gebildet. Ich möchte Ihnen das am Menschen selber erklären, damit Sie ganz genau einsehen, was diese Kometen eigentlich für eine Bedeutung im ganzen Weltenall haben.

Gehen wir da- manchem kann es sonderbar erscheinen, aber Sie werden sehen, daß das, wasSie haben wollen, am bestendadurch erklärt wird-, gehen wir einmal von etwas Geschichtlichem aus. Da gab es ja, Jahrhunderte bevor das Christentum begründet wurde, ein altes Volk im heutigen Griechenland, die Griechen. Die alten Griechen haben so viel für das geistige Leben geleistet, daß heute noch immer unsere Gymnasiasten Griechisch lernen müssen, weil man der Ansicht ist, daß man dadurch ein ganz besonders gescheiter Mensch wird, wenn man heute noch Griechisch lernt. Nun, die Griechen haben wirklich außerordentlich viel für das geistige Leben geleistet. Man lernt heute nicht Indisch, nicht Ägyptisch, sondern Griechisch. Damit wollen die Leute zum Ausdruck bringen, daß die Griechen für das geistige Leben besonders viel geleistet haben. In der einfachen Tatsache, daß wir mit unseren Gymnasiasten das Griechische pflegen, zeigt sich das. Die Griechen selbst haben nur Griechisch mit ihren Kindern getrieben, trotzdem sie für das geistige Leben so viel geleistet haben.

Nun gab es hauptsächlich zwei Volksstämme in Griechenland, die von besonderer Bedeutung waren, die aber sehr verschieden voneinander waren: der eine, das waren die Bewohner von Sparta, der andere die von Athen. Sparta und Athen, das waren die zwei bedeutendsten Städte in Griechenland. Dazu kamen noch ein paar andere, die auch bedeutend waren, aber nicht so bedeutend wie Sparta und Athen. Die Bewohner dieser zwei Städte waren also sehr verschieden voneinander. Ich will heute von den anderen Verschiedenheiten absehen, aber verschieden waren sie schon dadurch, daß sie sich im Reden ganz anders verhielten. Die Spartaner saßen immer ruhig beieinander und redeten wenig. Sie liebten das Reden nicht. Aber wenn sie etwas redeten, da wollten sie, daß das, was sie redeten, eine gewisse Bedeutung habe; das sollte Macht haben über den Menschen. Weil aber der Mensch schließlich nicht immer, wenn er plappert, etwas Bedeutendes sagen kann, so schwiegen sie, wenn sie nichts Bedeutendes zu reden hatten, und redeten immer in kurzen Sätzen. Diese kurzen Sätze waren im ganzen Altertum berühmt. Man redete von den kurzen Sätzen des spartanischen Volkes, und es waren diejenigen, die berühmt wurden, oftmals ungeheure Weisheitssprüche.

Bei den Athenern war es schon nicht so. Die Athener liebten eine schöne Rede; sie liebten es, wenn man schön redete. Die Spartaner: kurz, gemessen, ruhig in ihrer Rede. Die Athener, die wollten recht schön reden. Redekunst lernten sie, indem sie schön redeten. Die plapperten eben schon mehr; nicht so viel wie wir heute, aber sie plapperten doch schon mehr als die Spartaner.

Worauf beruhte denn der Unterschied zwischen dem vielredenden Athener und dem weniger, aber bedeutsam und mächtig redenden Spartaner? Der beruhte auf der Erziehung. Die Erziehungskunst wird heute natürlich wenig studiert. Aber es beruhte das, was ich sage, auf der Erziehung. Die spartanischen Knaben namentlich wurden ganz anders erzogen als die athenischen. Die spartanischen Knaben mußten viel mehr Gymnastik treiben: Tanz, Ringspiele, alle möglichen gymnastischen Künste. Und die Redekunst, die eigentliche Zungengymnastik, die wurde bei den Spartanern gar nicht geübt. Das Reden ließen sie ganz von selber kommen.

Alles dasjenige, was in der Sprache liegt, das bildet sich nämlich aus durch die übrige Bewegung des menschlichen Körpers. Sie können es richtig beobachten: Wenn ein Mensch langsame, gemessene Bewegungen hat, die richtig gymnastisch sind, dann redet er auch ordentlich. Namentlich wenn ein Mensch mit Schritten geht, die ordentlich sind, dann redet er auch ordentlich. Es kommt natürlich auf das kindliche Alter an. Wenn ein Mensch im Alter das Podagra kriegt, so macht es nichts mehr; da hat er schon das Reden gelernt. Es kommt auf die Zeit an, wo man reden lernt. Aber die Spartaner legten allen Wert darauf, daß viel, viel Gymnastik geübt wurde, und sie unterstützten diese Gymnastik noch dadurch, daß sie die Körper der Kinder mit Öl einrieben und mit Sand bestrichen; dann ließen sie sie Gymnastik machen. Die Athener trieben zwar auch Gymnastik - in ganz Griechenland trieb man Gymnastik -, aber eben schon viel weniger, und sie ließen die älteren Knaben Zungengymnastik, Redekunst treiben. Das taten die Spartaner nicht.

Nun, das hat aber eine ganz bestimmte Folge. Wissen Sie, wenn so diese kleinen spartanischen Buben mit ihrem geölten und mit Sand geriebenen Körper ihre Gymnastik trieben, dann mußten sie sehr viel innere Wärme entwickeln - viel, viel innere Wärme entwickeln. Und wenn die Athener ihre Gymnastik trieben, dann war das etwas ganz besonderes bei den Athenern. Wenn solch ein Tag gewesen wäre wie heute und die Buben hätten bei den Spartanern nicht wollen draußen im Freien ihre Gymnastik treiben, nun, da wäre es zugegangen! Da hätten die Gymnasten, die Erzieher, diese Buben ordentlich behandelt! Wenn die Athener einen solchen Tag hatten wie heute, so stürmisch, da versammelten sie ihre Buben mehr im Inneren der Räume und ließen sie die Redekunst treiben. Sie riefen sie aber hinaus, wenn die Sonne ganz wunderbar schien, wenn alles funkelte. Da mußten die athenischen Buben draußen ihre gymnastischen Übungen machen. Denn bei den Athenern wurde etwas anders gedacht als bei den Spartanern. Bei den Spartanern war gedacht worden: Alles, was die Buben an Bewegungen ausführen, müssen sie vom innern Körper aus ausführen; da mag es draußen stürmen und hageln und wettern und winden, das ist ganz gleichgültig. Man sagte sich: Das muß vom Menschen selber kommen.

Der Athener sagte anders. Der sagte: Wir leben von der Sonne, und wenn die Sonne uns aufweckt zur Bewegung, dann wollen wir uns bewegen; wenn die Sonne nicht da ist, wollen wir uns nicht bewegen. So sagte der Athener, und deshalb wurde bei den Athenern auf die äußere Sonnenwärme gesehen. Bei den Spartanern wurde auf die innere Sonnenwärme, auf die Sonnenwärme, die der Mensch schon verarbeitet hat, gesehen, und bei dem Athener auf die äußere Sonne, die schön auf die Haut scheint - die Haut nicht mit Sand eingerieben, wenigstens nicht so viel wie bei den Spartanern, sondern da sollte die Sonne die Haut bearbeiten. Das war der Unterschied. Und wenn heute in den Schulbüchern von dem Unterschied zwischen Athenern und Spartanern steht, dann kriegt man eigentlich nur die Vorstellung, daß da irgend etwas Wunderbares gewesen sein muß, warum just die Spartaner stille, nur gemessen redende, außerdem stark abgehärtete Menschen waren, und warum die Athener die Schönredekunst ausgeübt haben, die dann bei den Römern ihre weitere Ausbildung gefunden hat. Die Leute können heute nicht Geschichte und Naturwissenschaft zugleich treiben. Die Geschichte redet für sich, und die Naturwissenschaft redet für sich. Aber wenn ich Ihnen sage: Die Spartaner haben ihre Buben mit Öl und Sand eingerieben und sie dann bei jedem Wetter ihre spartanischen Künste machen lassen, und die Athener, die haben ihre Buben nicht so viel mit Sand und Öl eingerieben und sonst ihre Redekunst im Inneren der Palästren getrieben -, dann wissen Sie, wie von Naturtatsachen aus dieser Unterschied der ja einander benachbarten Spartaner und Athener eigentlich bewirkt worden ist.

Also sagen wir, wenn wir da (es wird gezeichnet) die Erde haben und hier die Sonne: Wenn auf die Sonne gesehen wird, wie sie scheint, und da der Athener ist, dann entsteht eben der Athener; und wenn nicht so sehr auf die Sonne gesehen wird, sondern auf dasjenige, was die Sonne schon im Menschen gemacht hat, und auf die mehr innere Wärme gesehen wird, dann entsteht daraus der Spartaner. Sehen Sie, da bildet man Geschichte und Naturgeschichte zusammen. So ist es.

351-T07
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Nun können wir also sagen: Wenn der Mensch darauf sieht, daß er in seinem Inneren viel Wärme entwickelt, dann wird seine Sprache kurz und gemessen. - Warum? Weil er sich mit seinem ganzen Verstand mehr an das Weltenall wendet. Wenn aber der Mensch sich von der Sonne bescheinen läßt wie der Athener, dann wendet er sich weniger an das Weltenall mit seinem Verstand; dann wendet er sich gerade mit dem Verstand mehr nach innen, mit der Wärme nach außen; der Spartaner: mit der Wärme nach innen, mit dem Verstand nach außen. Und vom Verstand hat der Spartaner die Sprache des Weltenalls gelernt; die ist weise, die ist in ihm ausgebildet worden. Der Athener hat nicht die Sprache des Weltenalls gelernt, sondern nur die Bewegung des Weltenalls, weil er sich in der Sonnenwärme der Gymnastik überlassen hat.

Wenn wir heute noch das, was von den Spartanern geblieben ist, anschauen, so sagen wir uns: Oh, diese Spartaner haben die Weisheit der Welt wiedergegeben in ihren kurzen Sätzen. - Die Athener haben angefangen, schon mehr das, was der Mensch innerlich an Verstand hat, in ihren schönen Satzwendungen von sich zu geben. Dasjenige, was die Spartaner in ihrer Sprache gehabt haben, das ist zum großen Teil der Menschheit verlorengegangen, das ist in Griechenland mit den Spartanern verschwunden. Mit der Sprache des Weltenalls kann der Mensch heute nicht mehr leben. Aber das, was die Athener angefangen haben zu treiben: schöngewundene Sätze - es ist besonders dann in Rom mit der Schönrednerei groß geworden. Und die Römer haben wenigstens noch schön geredet. Auch im Mittelalter hat man noch gelernt, schön zu reden. Heute reden die Menschen aber furchtbare Sätze. Man braucht nur einmal im einzelnen das anzuschauen - nun, man könnte jede andere Stadt nehmen, aber in Wien sind zum Beispiel schon seit Wochen die Wahlen: Ja, schön geredet wird da nicht, aber furchtbar, eine ganze Sintflut von Reden, aber nicht schön! Und das ist dasjenige, was nach und nach aus dem geworden ist, was bei den Athenern noch, allerdings in Schönheit, gepflegt worden ist. Das kommt aus dem Menschen heraus. Das Weltenall, wahrhaftig, das macht keine Wahlreden - aber der Mensch macht sie! Die Spartaner haben nicht Wahlreden gehalten; die Spartaner haben in ihren kurzen Sätzen ausgedrückt, wie das Weltenall redet. Sie haben nach den Sternen hinaufgesehen und haben gedacht: Der Mensch, der rennt so in der Welt herum und ist ein «Gschaftlhuber». Der Stern, der bewegt sich langsam, so daß er nicht bald langsam, bald schnell, sondern immer gleichmäßig dahingeht. Dann ist das Sprichwort entstanden, das geblieben ist für alle Zeiten: Eile mit Weile - und so weiter. Der Stern kommt doch an sein Ziel! Und so haben gerade die Spartaner sehr viel von dem gelernt, was draußen im Weltenall ist.

Und jetzt können wir übergehen zu etwas, was ich auch schon bei Ihnen hier bemerkt habe, wir können übergehen von der Wärme zum Licht. Über die Wärme möchte ich nur noch das Folgende sagen. Bedenken Sie, wenn ein Mensch notwendig hat, recht viel Wärme zu entwikkeln, dann müßte er ein starker Mensch werden. Und wenn ein Mensch Gelegenheit hat, recht viel an der Sonne zu sein, müßte er gerade dadurch ein recht viel redender Mensch werden. Nun brauchen Sie nur ein bißchen die Geographie anzuschauen: Gehen Sie nach Italien, wo die Menschen mehr der Sonne ausgesetzt sind, so werden Sie sehen, was das für ein geschwätziges Volk ist! Und gehen Sie nach dem Norden, wo die Menschen mehr der Kälte ausgesetzt sind: Ja, da können Sie manchmal in Verzweiflung kommen - die Leute reden nicht, weil, wenn man immer innere Wärme entwickeln muß, das den inneren Antrieb zu reden vertreibt. Schon bei uns hier wirkt es fast komisch, wenn manchmal ein Mensch aus dem Norden komm; er stellt sich hin zum Reden - ja, dann steht er, redet aber noch nichts. Nicht wahr, wenn so ein italienischer Agitator auf die Tribüne tritt, der redet schon, bevor er drauf ist, der redet schon drunten. Dann geht es weiter, dann sprudelt das nur so! Wenn ein nordischer Mensch, der viel Wärme entwickeln muß, weil keine äußere Wärme da ist, sprechen soll: so ein nordischer Mensch, der stellt sich hin - man kommt zur Verzeiflung, denn er fängt gar nicht an; er will erwas sagen, aber er fängt gar nicht an. Das ist schon so: Innere Wärme vertreibt die Begierde zum Reden, äußere Wärme facht die Begierde zum Reden an. Natürlich kann man das alles dann durch Kunst umbilden. Die Spartaner haben das nicht getrieben durch das Äußere, sondern durch ihren eigenen Rassencharakter, haben eben-trotzdem sieNachbarn mit den Athenern waren-, weil sie sich viel vermischt haben mit vom Norden kommenden Menschen, diese Rederuhe entwickelt. Unter den Athenern waren zum Beispiel sehr viele, die aus heißen Gegenden sich rassenhaft gemischt haben unter die Athener; dadurch haben sie den Redefluß entwickelt. Also da sehen wir es, wie selbst der rednerische Mensch zusammenhängt mit Sonne und mit Wärme. Jetzt gehen wir zum Licht.

Da brauchen wir uns nur an etwas zu erinnern, was ich Ihnen schon gesagt habe. Denken Sie einmal an ein Säugetier. Ein Säugetier entwickelt innerlich den Keim zum neuen Säugetier. Der Keim wird innerlich von dem Muttertier getragen; alles geht innerlich vor sich. Nehmen wir dagegen den Schmetterling. Ich habe Ihnen gesagt: Der Schmetterling legt das Ei, aus dem Ei kriecht die Raupe aus, die Raupe verpuppt sich zum Kokon, und aus dem Kokon treibt das Sonnenlicht den Schmetterling aus, der vielfarbig ist. Sehen Sie sich dagegen das Säugetier an (es wird gezeichnet), dieses Säugetier entwickelt in seinem Uterus ganz versteckt das neue Tier. Da haben wir wiederum zwei Gegensätze, wunderbare Gegensätze. Schauen Sie sich an: Da ist das Ei unbedeckt. Wenn die Raupe auskriecht, kommt schon das Licht. Die Raupe, sagte ich Ihnen, geht zum Licht, spinnt ihren Kokon, die Hülle, daß sie zur Puppe wird, nach dem Licht, und das Licht ruft wiederum den Schmetterling hervor. Und das Licht ruht nicht und rastet nicht, gibt dem Schmetterling seine Farben. Die Farben sind durch das Licht hervorgerufen; das Licht behandelt den Schmetterling.

Nehmen Sie dagegen die Kuh, den Hund. Ja, das kleine Junge, das da drinnen ist im mütterlichen Uterus, in der Gebärmutter, das kann nicht das äußere Licht haben, ist dem Äußeren gegenüber ganz in der Finsternis eingeschlossen. Also das muß sich da drinnen entwickeln, in der Finsternis.

Aber nichts, was lebt, kann sich in der Finsternis entwickeln. Das ist einfach Unsinn, wenn man glaubt, daß sich etwas in der Finsternis entwickeln kann. Doch wie ist denn das eigentlich hier mit der Geschichte? Ich will Ihnen einen Vergleich sagen. Man kann ja hoffen, daß man, wenn die Erde einmal sehr arm wird an Kohle, direkte Sonnenwärme durch irgendeine Umwandlung wird zum Heizen benützen können; aber heute geht das eben noch nicht, daß man die Sonnenwärme unmittelbar zum Heizen benützt. Es wird vielleicht gar nicht mehr lange dauern, so wird man darauf kommen, wie man es machen kann; aber heute benützen wir zum Beispiel die Kohle. Ja, meine Herren, die Kohlen sind auch nichts anderes als Sonnenwärme, nur Sonnenwärme, die vor vielen, vielen Tausenden von Jahren zur Erde hergeströmt ist, im Holz sich verfangen hat und aufbewahrt wurde als Kohle. Heizen wir, so bringen wir aus der Kohle die vor Jahrtausenden und Jahrtausenden in der Erde angesammelte Sonnenwärme wieder heraus.

Glauben Sie nicht, daß nur die Kohle sich gegenüber der Sonne so verhält, wie ich eben geschildert habe! So wie ich es eben beschrieben habe, verhalten sich auch andere Wesen zur Sonne, nämlich alle lebenden Wesen. Wenn Sie nun ein Säugetier anschauen, dann müssen Sie sagen: Jedes kleine junge Tier hat ein Muttertier, dieses wieder ein Muttertier und so weiter. Die haben immer Sonnenwärme aufgenommen; die ist noch drinnen im Tier selber, die wird vererbt. Und gerade so wie wir die Sonnenwärme aus der Kohle herausbringen, so nimmt das kleine Kind in der mütterlichen Gebärmutter das Sonnenlicht, das dort aufgespeichert ist, jetzt aus dem Inneren. — Jetzt haben Sie den Unterschied von dem, was im Hund oder in der Kuh entsteht, und dem, was im Schmetterling entsteht. Der Schmetterling geht gleich mit seinem Ei in das äußere Sonnenlicht, läßt es ganz von dem äußeren Sonnenlicht bearbeiten, bis es der bunte Schmetterling wird. Der Hund oder die Kuh sind innerlich ebenso bunt, aber man sieht es nicht. Wie man in der Kohle noch nicht die Sonnenwärme wahrnimmt - man muß sie erst herauslocken -, so muß man mit der höheren Anschauung aus Hund und Kuh erst herauslocken, was da drinnen an aufgespeichertem Licht ist. Da drinnen ist aufgespeichertes Licht! Der Schmetterling ist von außen bunt; da hat das Sonnenlicht von außen gearbeitet. Ja, beim Hund oder bei der Kuh ist innerlich, möchte ich sagen, unsichtbares Licht überall drinnen.

Was ich Ihnen da beschrieben habe, das könnten die Menschen heute schon mit unseren vollkommenen Apparaten einfach feststellen, in ihren Laboratorien nachweisen, wenn sie wollten. Es sollten die Menschen nur einmal ein Laboratorium machen, ganz finster, total finster, und dann sollten sie in diesem Laboratorium vergleichen ein eben gelegtes Ei und einen Kuh- oder Hundekeim in seinem frühen Zustande, dann würde man sehen, daß da durch die Abblendung, die im finstern Zimmer entstehen kann, sich dieser Unterschied, den ich beschreibe, durchaus zeigt. Und wenn man nun, was man auch nicht mit Augen sieht - die Augen sind dafür nicht empfindlich -, photographieren würde, würde man nämlich beweisen können, daß das Schmetterling sei das Spektrum gelb und das Hunde- und Kuhei das Spektrum blau hat in der Photographie. Diese Dinge, die man geistig sehen kann - man braucht nicht, wenn man sie geistig sehen kann, das Äußere -, die werden schon mit den vollkommenen Instrumenten noch bewiesen werden.

Nun können wir also sagen: Der Schmetterling wird im äußeren Sonnenlicht gebildet, die Kuh oder der Hund wird an dem Sonnenlicht gebildet, das innerlich aufgespeichert ist. - So haben wir den Unterschied kennengelernt zwischen der Wärme, die äußerlich wirkt, die den Menschen geschwätzig macht, dem Licht, das äußerlich wirkt, das die vielen Farben beim Schmetterling hervorruft, und der Wärme im Inneren, die den Menschen stumm, gemessen macht — dem Licht im Inneren bei einem Wesen, welches lebende Junge zur Welt bringt, die innerlich das Licht empfangen müssen. Und nun können wir von da aus übergehen zu dem, was Gegenstand unserer Frage ist.

Es gibt nun eben auch Dinge, die der Mensch braucht in seinem Inneren, die er aber in seinem Inneren nicht im Übermaß entwickeln darf, weil er sonst daran sterben würde. Und zu dem gehört das Zyan, die Blausäure. Wenn der Mensch über das bißchen Zyankali hinaus, das da in ihm ist, fortwährend den ganzen Tag Zyankali bilden würde - nun, das würde nicht gehen, das wäre zuviel. Der Mensch bildet in sich zwar etwas Zyankali, aber sehr wenig. Aber er braucht auch von außen etwas; er nimmt es auf mit dem, was er einatmet. Es ist ja auch nicht viel, mehr aber braucht der Mensch nicht.

Nun, meine Herren, dieses Zyankali ist in der gewöhnlichen Luft nicht da. Würden nicht von Zeit zu Zeit Kometen erscheinen, so gäbe es das Zyankali nicht in der Luft. Kometen und dann diese Meteore, Sternschnuppen, die namentlich, wie Sie wissen, im Hochsommer so zahlreich die Luft durchsausen, die bringen dieses Zyankali herunter. Und der Mensch nimmt daraus eigentlich seine Kraft. Daher muß man schon die Menschen, welche kraftlos geworden sind in ihren Muskeln, in solche Luft schicken, die nicht nur frisch geworden ist von der Erde aus, sondern frisch geworden ist vom ganzen Weltenall aus, die meteorische Einflüsse erfahren hat. Und das ist so, daß man zum Beispiel Leute, die an dem leiden, was man früher die Auszehrung genannt hat, die kraftlos werden in ihren Muskeln und bei denen diese Kraftlosigkeit insbesondere gegen den Frühling zu ganz besonders auftritt, im Herbst in diese vom Weltenall frisch gewordene Luft schickt. Im Frühling kann man gar nichts machen; daher sterben solche Leute im Frühling am allerleichtesten. Man muß vorsorgen, denn man kann für solche Leute eigentlich erst im Herbst etwas machen. Wenn im Sommer die meteorischen Kräfte mit den kleinen Mengen Zyankali, die da hereinkommen aus dem Weltenall, ihr Zyankali ablagern, müßten diese Leute dann, wenn der August zu Ende geht und der Herbst kommt, mit ihren kraftlosen Gliedern nun in solche Gegenden kommen, wo der Sommer sein Bestes abgelagert hat, nämlich Zyankali. Dann werden die Glieder wieder kraftvoll. Bei Menschen also, bei denen man bemerkt, für die wird das nächste Jahr etwas sehr Schlimmes werden, denn sie werden kraftlos, da sollte man eigentlich, weil man im Frühling mit den äußeren Dingen nicht viel machen kann, vorsorgen. Man sollte sich sagen: Wenn der Frühling kommt, da gebe ich solchen Menschen, je nachdem sie kraftlos geworden sind, den Saft von gewissen Pflanzen, zum Beispiel den Saft von Schlehdorn. Wenn man den Schlehdornsaft aufbewahrt - Sie kennen die herbe, säuerliche Pflanze - und ihn einem solchen Menschen, der im Frühling kraftlos wird, in den Mund hineinbringt, dann kann man ihn halten über den Frühling und Sommer hindurch. Warum? Ja, sehen Sie, wenn man dem Menschen den Saft von Schlehdorn gibt, dann bildet dieser Schlehdornsaft allerlei Salze. Die gehen zum Kopf und nehmen die Kohlensäure mit. Da machen wir den Kopf dann geneigt, diesen Menschen durch Frühling und Sommer hindurchzubringen. Und im Herbst müssen wir ihn dann in eine Gegend bringen, wo er imstande ist, das andere zu nehmen, was mehr nach den Gliedern gehen muß. Kohlensäure geht nach dem Kopf; die fügen wir ein nach dem Kopf durch Beibringen von Schlehdorn. Haben wir das Glück, daß wir einen solchen Menschen durchgebracht haben durch den Sommer, können wir ihn im Herbst in eine geeignete Gegend hinbringen — nicht besonders lange, zwei, drei Wochen lang sollte er sich aufhalten in einer solchen Luft, von der man weiß, daß sie eben meteorische Einflüsse erhalten hat -, dann ist es so, daß der Mensch dort dadurch, daß man ihn gestärkt hat während des Frühlings und Sommers, dann wirklich die Stärke seiner Glieder wiederum holt.

Ja, meine Herren, da haben Sie die zwei Wirkungen unmittelbar nebeneinander. Da haben Sie die Erdenwirkung, die eigentlich eine Mondenwirkung ist, die Erdenwirkung im Schlehdornsaft, und da haben Sie die Weltwirkung in dem, was die Kometen, und wenn kein Komet da ist, die Sternschnuppen hinterlassen haben — bei denen ist es ebenso, nur klein; aber es sind eben viele -, was von dem Weltenall hereinwirkt. Wie Sie im Grunde kein Irdisches haben im Schmetterling mit seiner Verwandlung, sondern Licht vom Weltenall, wie Sie in den geschützten Eiern Wärme vom Weltenall haben, von der Sonne, so haben Sie auch in sich selbst innerlich menschliche Wärme, die Sie innerlich in Ihrer Substanz entwickeln müssen und die gerade das Entgegengesetzte anregt als die äußere Wärme.

So können wir überall sehen, wie im Menschen eine Abwechslung ist, wie aber auch im ganzen Weltenall eine Abwechslung ist: bald müssen die Dinge draußen vom Weltenall kommen, bald vom Inneren der Erde oder des Menschen. Nun werden Sie sagen: Ja, gewisse Dinge sind regelmäßig; sie können aber allein nicht dasjenige bewirken, was sie bewirken sollen. Tag und Nacht wechseln regelmäßig; die bewirken das eine, was von der Erde ausgeht. - Nun, die Kometen erscheinen mehr oder weniger unregelmäßig; die Sternschnuppen auch. Und das ist auch so. Bei den Sternschnuppen ist eine solche Regelmäßigkeit nicht vorhanden wie beim übrigen. Wenn ein Astronom eine Sonnenfinsternis beobachten will, dann kann er ganz genau den Zeitpunkt finden, wann sie anfängt - das läßt sich berechnen -; es gehört zu dem Regelmäßigen, wirkt aber nicht von der Sonne aus. Da kann er also vorher erst noch zu einem Souper gehen, und er kommt noch immer zur Sonnenfinsternis zurecht. Wenn er das meteoritische Schwärmen der Sternschnuppen zur rechten Zeit beobachten will, muß er die ganze Nacht passen, sonst kann er sie nicht finden. Das ist eben der Unterschied zwischen dem, was unregelmäßig vom Weltenall aus auf die Erde hereinkommt, und dem, was regelmäßig ist.

Nun können Sie eine interessante Frage aufwerfen. Sie können sagen: Die Kometen, die also mit dem Zyan zusammenhängen - was mit unserem Willen zusammenhängt in unserem Menschen -, diese Kometen, die erscheinen unregelmäßig; bald kommt einer, dann ist er lang wieder nicht da. - Es ruft bei den Menschen ja immer auch Anlässe zum Aberglauben hervor; gerade dasjenige, was nicht immer erscheint, das macht sie abergläubisch, wenn es kommt. Im Sonnen auf- und -untergang haben nur die ehemals bereiten Menschengemüter das Göttliche gesehen; spätere, abergläubische Gemüter haben dann über die Kometen allerlei Zeug zusammengeträumt. Sie können nun die Frage aufwerfen: Warum ist es mit den Kometen nicht auch so, daß, wie zu bestimmten Stunden im Jahr morgens die Sonne erscheint, auch ein Komet erscheint? - Nun, wenn das der Fall wäre, wenn gerade so regelmäßig wie Sonnen- und Mondauf- und -niedergang der Komet immer regelmäßig mit seinem Schwanz kommen und verschwinden könnte, dann hätten wir Menschen keine Freiheit; dann wäre alles übrige in uns so regelmäßig, wie Sonnenauf- und -untergang, Mondauf- und -untergang. Und was in uns zusammenhängt mit dieser Regelmäßigkeit im Weltenall, das ist in uns auch Naturnotwendigkeit. Wir müssen essen und trinken, auch mit einer Regelmäßigkeit, müssen schlafen mit einer gewissen Regelmäßigkeit. Wenn die Kometen ebenso regelmäßig auf- und untergingen wie die Sonne und der Mond, dann könnten wir nicht anfangen, uns willkürlich zu bewegen, sondern da müßten wir erst warten: wir wären im Starrkrampf; der Komet erschieneda könnten wir gehen! Verschwände er wieder, würden wir wieder in einen Starrkrampf kommen. Wir hätten keine Freiheit. Diese sogenannten Irrsterne, die sind dasjenige, was aus dem Weltenall dem Menschen die Freiheit gibt. Und so können wir sagen: Das, was im Menschen notwendig ist, Hunger, Durst in ihrem Verlauf, Schlaf, Wachen und so weiter, das kommt von den regelmäßigen Erscheinungen; und dasjenige, was im Menschen willkürlich ist, was die Freiheit ist, das kommt von den kometenartigen Erscheinungen und das gibt dem Menschen die Stärke für die Kraft, die in seinen Muskeln wirkt.

In der neueren Zeit hat man ganz verlernt, auf das, was im Menschen Freiheit ist, überhaupt hinzuschauen. Die Menschen haben ja keinen Sinn mehr für Freiheit. Daher haben die Menschen sich auch in der neueren Zeit ganz versessen auf dasjenige, was nur Notwendigkeit ist. Nun drükken die Menschen in ihren Festen aus, wie sie gesinnt sind. Sie haben beispielsweise die Feste für die Notwendigkeit: Weihnachtsfest, Osterfest; aber sie haben fallengelassen das Herbstfest, das Michaelsfest, weil das zusammenhängt mit der Freiheit, mit der inneren Stärke des Menschen. Und so studieren eigentlich auch die Menschen an den Kometen höchstens das Materielle. Das andere, davon sagen sie: Ja, darüber kann man eben nichts wissen. - Und auf der einen Seite sehen Sie heute, daß die Menschen die Freiheit scheuen; auf der anderen Seite sehen Sie, daß sie keinen richtigen Verstand, keine Vernunft dafür haben, die UnregelmäRigkeiten im Weltenall zu studieren. Wenn die nicht da wären, dann hätte man keine Freiheit. So daß wir sagen können: Die Athener, die nahmen dasjenige auf, was im Inneren des Menschen war. Das machte sie gesprächig. - Auf der einen Seite ist der Materialismus furchtbar gesprächig geworden. Das macht ihn aber auch unempfindlich, stumpf für all dasjenige, wo man kräftig werden kann für die Meteoreinflüsse. Daher ist das Michaelsfest höchstens ein Bauernfeiertag, und die anderen Feste sind etwas, was mit den Notwendigkeiten zusammenhängt, obwohl sie auch nicht mehr so geachtet werden wie in alten Zeiten, weil man überhaupt den Zusammenhang mit der geistigen Welt verlernt hat.

Auf diese Weise wird alles durchsichtig. Wenn die Menschen wiederum verstehen werden, wie wohltätig der Kometeneinfluß ist, dann werden sie sich wahrscheinlich daran erinnern, gern im Herbste irgendeine Festlichkeit zu begehen, um eine Art Freiheitsfest zu haben. Das gehört in den Herbst hinein: eine Art Michaelsfest, Freiheitsfest. Das lassen die Menschen heute vorübergehen, weil sie überhaupt kein Verständnis dafür haben; sie haben kein Verständnis für die Freiheit in der Natur draußen, daher auch nicht für Freiheit im Menschen. Sehen Sie, die ehrsame Dame Mond und der majestätische Herr Sonne, die sitzen auf ihren Thronen, die wollen alles gemessen haben, weil sie für die Freiheit im Universum, im Weltenall, keinen rechten Sinn haben. Es muß natürlich auch sein. Aber die Kometen, das sind die Freiheitshelden im Universum; die haben daher in sich auch denjenigen Stoff, der beim Menschen auch mit der Tätigkeit, mit der freien Tätigkeit, mit der Willkür, mit der Willenstätigkeit zusammenhängt. Und so können wir sagen: Schauen wir zur Sonne hinauf, dann haben wir in ihr dasjenige, was in unserem Inneren immer gleichmäßige rhythmische Spiele treibt, das Herz und die Atmung. Schauen wir zu einem Kometen, so sollten wir eigentlich jedesmal, wenn ein Komet erscheint, ein Freiheitsgedicht machen, weil das zusammenhängt mit unserer Freiheit! - Wir können sagen: Der Mensch ist frei, weil im Weltenall für diese Schwärmer im Weltenall, die Kometen, eben auch Freiheit herrscht. - Und so wie die Sonne hauptsächlich dem Säurecharakter ihre Natur verdankt, so der Komet dem Zyancharakter.

Sehen Sie, meine Herren, da kommt man dann auf die Natur der Kometen, und das ist ein außerordentlich bedeutsamer Zusammenhang, wie man da sieht, daß plötzlich im ganzen Weltenall auch etwas ist, was lebt, aber was lebt so ähnlich wie wir Menschen. So kann man auch sagen: Bei den Spartanern, bei denen war mehr Sinn vorhanden für das Nichtsich-der-Sonne-Entziehen, und deshalb haben sie auch alles dasjenige geschätzt - das ist nicht aus äußerlicher Willkür entstanden -, was mit dem Weltenall zusammenhing. Und Lykurgos, der Gesetzgeber von Sparta, hat eisernes Geld machen lassen. In den Schulbüchern finden Sie: Lykurgos hat Eisengeld machen lassen, damit die Spartaner fein spartanisch bleiben sollen. - Das ist Unsinn. In Wahrheit hat Lykurgos sich belehren lassen von denen, die in Sparta noch diese Dinge gewußt haben; die haben ihm erzählt, daß die Kometen an Eisen gebundenes Zyan enthalten, und deshalb hat er in Sparta Eisen als das Sinnbild für die Kometen prägen lassen zum Geld. Das war etwas, was aus der Weisheit hervorgegangen ist; währenddem die anderen Völker übergegangen sind zu der Goldprägung, welche ausdrückt dasjenige, was mehr in der Sonne ist, das Bild des Sonnenlebens in uns.

So ist es, daß man sieht, daß in den Gebräuchen der alten Völker noch etwas mehr ist von dem, was diese vom Weltenall wußten.

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