Cosmic Workings In Earth and Man
GA 352 — 19 January 1924, Dornach
Zweiter Vortrag
Ich will nun, meine Herren, einiges Ergänzende zu den Vorträgen, die wir bisher gehabt haben, beifügen. Das nächste Mal will ich Sie dann wieder bitten, die eine oder andere wissenschaftliche Frage zu stellen.
Nun, ich habe Ihnen ja gesagt, man muß den Menschen ansehen als bestehend aus seinem physischen Leib, den man mit Augen sieht, aber auch aus höheren Organisationsgliedern, aus unsichtbaren Leibern. Und ich habe Ihnen angeführt, daß der erste unsichtbare Leib der Ätherleib ist. Das ist also ein feiner Leib, den man mit gewöhnlichen Sinnen nicht wahrnehmen kann, der aber eigentlich der Grund ist, warum der Mensch lebt, der aber auch der Grund ist, warum alles Pflanzliche und Tierische lebt. Dann ist ein weiterer höherer Leib der sogenannte Astralleib. Dieser Astralleib macht, daß wir empfinden, daß wir fühlen können. Wir haben das mit den Tieren gemeinsam, denn die Tiere haben auch einen Astralleib. Dann ist aber im Menschen etwas vorhanden, was im Tiere nicht vorhanden ist: das ist das Selbstbewußtsein. Dazu haben wir ein Ich. So daß der Mensch besteht aus dem physischen Leib, den man sieht, und aus den drei höheren Leibern: dem Ätherleib, dem astralischen Leib und dem Ich.
Man kann am besten einsehen, daß es wohl begründet ist, wenn aus einem gewissen übersinnlichen Wahrnehmen heraus behauptet wird, der Mensch hat diese übersinnlichen Wesensglieder - man kann es aus anderem auch einsehen, aber gut einsehen kann man es, wenn man einmal die Giftwirkung auf den menschlichen Körper betrachtet.
Wir haben ja bei der Besprechung der Insekten gesehen, daß die Giftwirkung auf den Menschen unter Umständen eine außerordentlich günstige sein kann. Wir haben gesehen, wie das Insektengift gewisse Krankheiten wegnimmt. Und deshalb sind ja auch Heilmittel meist aus dem zusammengesetzt, was im gewöhnlichen Leben Gifte sind. Man muß sie nur in entsprechender Dosierung nehmen, das heißt, man muß sie so nehmen, daß sie richtig auf den menschlichen Organismus wirken können.
Bei der Giftwirkung hat es so seine Eigenheit mit dem menschlichen Organismus. Sie müssen nur einmal in bezug auf die Giftwirkung das Folgende betrachten. Sehen Sie, Arsenik, das man ja auch als Rattengift zuweilen verwendet, ist ein sehr starkes Gift. Wenn der Mensch Arsenik nimmt, oder auch wenn man dem Tiere Arsenik beibringt, so tritt entweder sofort der Tod ein, oder aber wenn es einem gelingt, durch die entsprechenden Gegengifte den Tod fernzuhalten von dem Menschen, also das Arsenik sozusagen wiederum herauszutreiben, dann kann eine Art von langsamer Arsenikkrankheit beginnen, und es setzt sich dann die Arsenikkrankheit langsam fort. Oder es kommt auch so, daß der Mensch, sagen wir, im Beruf mit irgend etwas zu tun hat, wo Arsenik drinnen sein muß, dann kann eine Arsenikvergiftung durch kleine Mengen von Arsenik zur Berufskrankheit werden. Wenn das eintritt, daß der Mensch nicht so viel Arsenik nimmt, daß er sofort getötet wird, sondern wenn er wenig Arsenik nimmt, aber doch so viel, daß es entsprechend schadet, dann wird er blaß, bekommt eine Art ganz kreidigen Aussehens, wird mager und geht allmählich an dem Hinschwund des Körpers zugrunde. Er verliert das frische farbige Aussehen und verliert außerdem die Fettigkeit für den Körper, die notwendig ist. Also der Körper geht nach und nach, auch wenn die Arsenikwirkung langsam ist, zugrunde.
Aber dem steht etwas anderes gegenüber. Es gibt zum Beispiel in Österreich Alpentäler, wo man im Gestein Arsenik findet. Da fangen die Leute an, ganz kleine, winzige Mengen Arsenik zu nehmen. Das können sie vertragen. Sie fangen mit kleinen Mengen an; dann gehen sie immer weiter und weiter, nehmen immer mehr und mehr, und zuletzt ist das Merkwürdige, daß sie furchtbar viel Arsenik vertragen können.
Warum tun sie das? Ja, sehen Sie, meine Herren, die meisten Leute, die das tun, die tun es aus Eitelkeit. Sie bekommen nämlich eine nach ihrer Ansicht sogar schöne Hautfarbe davon und sie werden, wenn sie vorher mager waren, sogar dicklich. Also sie nehmen das aus Eitelkeit, gewöhnen sich das Arsenikessen aus Eitelkeit an und werden dadurch gut aussehend.
Da haben Sie diesen merkwürdigen Widerspruch. Solche Widersprüche sind nicht nur im menschlichen Denken vorhanden — da widerstreitet ja alles einander für gewöhnlich —, sondern solche Widersprüche sind durchaus auch in der Natur vorhanden. Da haben Sie diesen Widerspruch: Das eine Mal wirkt das Arsenik so, daß der Mensch abmagert und fahl, grau wird - nicht an den Haaren grau wird, sondern die Haut wird grau. Das eine Mal schwindet der Mensch dahin, das andere Mal nimmt der Mensch Arsenik, um gerade gut auszuschauen! Da haben Sie einen vollständigen Widerspruch.
Was liegt denn dem zugrunde? Für solch eine Sache finden Sie überall, wo darüber heute in der Wissenschaft gesprochen wird, nur das einzige, daß man Ihnen sagt: Das kann man nicht erklären, das ist eben so. - Man kann es nicht erklären, wenn man eben nichts weiß von den übersinnlichen Leibern des Menschen! Sehen Sie, die Sache ist so, daß der Mensch geradeso, wie ich Ihnen gesagt habe, daß er immer ‚Ameisensäure in sich haben muß, auch fortwährend Arsenik in sich haben muß. Er erzeugt es nämlich selber. In vieler Beziehung ist ja das, was in Betracht kommt, für den Menschen höchst merkwürdig, denn, nicht wahr, ich habe Ihnen schon einmal gesagt: Wenn behauptet wird, daß der Mensch ganz ohne Alkohol leben kann, so stimmt das nicht. Der eine Mensch kann leben, ohne daß er Alkohol trinkt; das ist wahr. Aber er kann nicht ohne Alkohol leben. Denn wenn er eben keinen Alkohol trinkt, dann erzeugt sein eigener Körper in ihm die nötigen Mengen von Alkohol. Alle Stoffe, die der Mensch hat, werden nämlich in ihm selber erzeugt. Das, was der Mensch von außen aufnimmt, ist nämlich bloß zum Unterstützen, zur Anfeuerung da. In Wahrheit erzeugt der Mensch die Stoffe, die er braucht, aus dem Weltenall herein. Im Weltenraum sind alle Stoffe in ganz feiner Verteilung. Im Weltenraum ist alles; im Weltenraum ist zum Beispiel Eisen. Er atmet es nicht nur ein, sondern er kriegt es auch durch seine Augen und Ohren in den Körper hinein. Und das Eisen, das der Mensch ißt, das ist nur zur Unterstützung da. Das scheidet er zum großen Teil wiederum aus. Wenn der Mensch nämlich nicht darauf angewiesen wäre, zwischen Geburt und Tod auf der Erde zu leben und dadurch auch Erdenverrichtungen zu machen, so brauchte er überhaupt nicht zu essen, denn er könnte alles aus dem Weltenraum anziehen. Aber wenn wir mit unseren Händen arbeiten, oder wenn wir gehen müssen, da brauchen wir die Unterstützung durch das Essen, da erzeugt der Körper nicht genügend.
Also, Arsenik erzeugt der Mensch fortwährend; das Tier auch, die Pflanze nicht. Warum? Weil die Pflanze bloß einen Ätherleib hat! Dasjenige, was Arsenik erzeugt, ist der Astralleib. Daher erzeugen der Mensch und das Tier Arsenik. Und wozu dient das Arsenik? Ja, sehen Sie, meine Herren, wenn der Mensch nicht in sich selber Arsenik erzeugen könnte, so würde er nicht empfinden können. Dann würde er nach und nach ein Pflanzendasein führen. Er würde anfangen, zuerst zu träumen und nachher wie ein schläfriger Kerl herumzugehen. Das Arsenik gibt dem Menschen die Möglichkeit wach zu sein und zu empfinden. Wenn ich mit meiner Hand irgendwo aufdrücke, so wird ja nicht nur die Haut da vorne eingedrückt, sondern ich habe eine Empfindung. Und die Empfindung kommt davon, daß mein Astralleib fortwährend Arsenik erzeugt.
Derjenige nun, der Arsenik ißt, zu sich nimmt, der verstärkt also die Tätigkeit seines Astralleibes. Und was ist die Folge davon? Die Folge davon ist, daß der Astralleib überall im Körper sich einrichtet. Er wird zu stark. Er greift alle Organe an, zermürbt sie. Und das ist die Folge einer schnellen Arsenikvergiftung. Wenn einer viel Arsenik nimmt, schnell, so fängt sein Astralleib an, furchtbar tätig zu werden, wirbelt, wirbelt, wirbelt und zerstört endlich die Tätigkeit der ganzen Organisation. Er treibt das Leben aus den Organen heraus, weil im Menschen ein fortwährender Kampf stattfinden muß zwischen dem Astralleib und dem Ätherleib. Der Ätherleib bringt das Leben, der Astralleib bringt die Empfindung. Aber die Empfindung kann nicht da sein, wenn nicht das Leben unterdrückt wird. Es ist also beim Menschen so, wenn ich es Ihnen schematisch aufzeichne: Da ist der Astralleib, da ist der Ätherleib; die bekämpfen sich fortwährend. Siegt der Ätherleib, dann werden wir ein bißchen schläfrig; siegt der astralische Leib, dann werden wir stark wach. Das wechselt aber fortwährend im Tagesleben, und es ist nur so kurz, so schnell, daß man es nicht bemerkt, daß man glaubt, man sei fortwährend wach. Aber in Wirklichkeit schwingt fortwährend Wachsein, Schlaf, Wachsein, Schlaf und so weiter. Und dasjenige nun, was der Astralleib braucht, um richtig hinunterzuwirken, das hat er gerade durch die Menge von Arsenik, die der Mensch selber erzeugt.

Gibt man nun extra Arsenik in den Astralleib hinein, flugs wird der Astralleib stark, viel zu stark, und tötet das ganze Leben im Ätherleib. Jetzt kann der Mensch gar nicht mehr leben; der Mensch stirbt. Aber wenn ich nun einem Menschen so viel Arsenik gebe, daß der Astralleib viel zu stark wird, dann werden die Glieder, die inneren Organe, allmählich unbeleibt und der Mensch wird mager, bekommt ein graues Aussehen, weil die inneren Organe nicht ordentlich arbeiten. Fange ich aber an, dem Menschen zunächst ein bißchen Arsenik zu geben, ganz wenig, oder nimmt er es— man wird es ihm dann nicht geben, sondern er nimmt es -, dann fängt der Astralleib an, so ein wenig lebhaft zu werden, recht wenig; da regt er gerade die Organe an und die Wirkung ist eine entgegengesetzte. Wenn ich ihm von Anfang an zuviel gebe, flugs tötet er die Organe. Gebe ich ihm nur ein bißchen, da regt er die Organe an. Es regt an, geradeso, wie wenn man ein Gewürz nimmt. Geht man dann langsamer hinauf, gibt eine stärkere Dosis, dann vertragen die Organe das. Der Mensch fängt an, ein etwas schöneres Aussehen zu bekommen, etwas dicker zu werden, weil sein Astralleib tätiger ist als früher, wo er kein Arsenik genommen hat.
Aber nun denken Sie sich einmal, ein solcher Mensch, der nun einmal Arsenik «gefressen» hat, muß damit aufhören. Ja, dann hört auch sein Astralleib auf, tätig zu sein, denn der hat dann nicht mehr die Peitsche von Arsen hinter sich, und dann verfällt der Mensch ganz rasch. Also ist ein Mensch, der anfängt einmal Arsen zu essen und es zu einer gewissen Dosis gebracht hat, darauf angewiesen, es immer zu essen, bis zu seinem Tode. Und das ist das Schlimme: Die Menschen können sich das nicht abgewöhnen. Das ist das Schlimme, daß der Mensch es sein ganzes Leben hindurch essen muß. Sonst müßte man — aber das gelingt auch sehr schwer — anfangen, langsam es wieder herunterzusetzen, immer weniger und weniger zu geben. Aber gewöhnlich geht es dann so, wie es dem Bauern gegangen ist, der einem Ochsen das Fressen abgewöhnen wollte durch eine solche Theorie. Er hat dem Ochsen immer weniger und weniger gegeben. Der Ochse ist zwar sehr mager geworden, aber er hat immer noch gelebt. Schließlich hat er ihm nur noch einen Halm gegeben; da ist der Ochs gestorben. Aber er hat gemeint, der Bauer: Ja, just wenn er sich den letzten Halm auch noch abgewöhnt hätte, dann lebte er heute noch. - Ja, just so ist es bei denjenigen, die das Arsenik sich abgewöhnen sollen! Sie bringen es nicht dahin, das letzte Quantum sich noch abzugewöhnen; vorher gehen sie zugrunde.
Sehen Sie, meine Herren, der Astralleib des Menschen braucht das Arsenik, und es ist sehr merkwürdig, wie heute die Wissenschaft furchtbar herumtapst. Sie tapst wirklich furchtbar herum! Sie hören nämlich heute alle Augenblicke, daß irgendwo zum Beispiel ein Mittel gegen die Syphilis erfunden worden ist. Vor ein paar Tagen haben Sie es wieder in der Zeitung lesen können, daß in Paris ein Mittel gegen die Syphilis erfunden worden ist. Nun, eigentlich wissen die Leute alle nicht, die so herumexperimentieren, worauf die Syphilis beruht. Sie beruht nämlich darauf, daß der physische Leib zu stark tätig wird und der Astralleib nicht eingreifen kann. Aber das wissen die Leute nicht, und deshalb probieren sie herum. Und das Komische ist, in allen diesen Mitteln ist Arsenik drinnen! Sie können es immer bemerken, schauen Sie nur einmal nach. Aber man kann nur durch Geisteswissenschaft in die Dinge wirklich eindringen. In allen diesen Dingen ist immer etwas Arsenik drinnen; aber die Leute wissen nicht, um was es sich handelt, sie tappen ganz im Finstern herum. Das ist die Eigentümlichkeit der heutigen Wissenschaft. Natürlich merken die Leute: es entsteht etwas im Menschen, wenn man so ein Präparat verwendet, wo Arsen drinnen ist. Aber sie wissen nicht, daß der Astralleib in größere Tätigkeit kommt und daß dadurch, daß der physische Leib das empfangen hat an Auflösung, er sich auflösen wird. Das ist eben dasjenige, was eine neue Medizin bewirken muß, daß man wieder richtig hineinsieht in den Menschen; dann erst kann man wirklich Heilwirkungen einleiten.
Nun, wenn wir auf die Gifte weiter zu sprechen kommen: es gibt mineralische Gifte. Mineralisches Gift ist ja zum Beispiel das Arsen, mineralische Gifte sind Kupfer, Blei, Phosphor, Brechweinstein; solche Dinge sind mineralische Gifte, sind Steine, mit denen man es da zu tun hat, oder Pulver, die pulverisiertes Gestein sind. Also mineralische Gifte gibt es. Dann gibt es Pflanzengifte, zum Beispiel das Gift, das in der Belladonna, in der Tollkirsche drinnen ist, oder das Gift, das im Schwarzen Bilsenkraut, Hyoscyamus niger, drinnen ist, oder im Roten Fingerhut, Digitalis purpurea. Das sind Pflanzengifte.Und eine dritte Art sind die tierischen Gifte - von denen haben wir ja vor kurzer Zeit einiges besprochen, ich brauche es deshalb heute nur noch zu ergänzen -: das sind die Insektengifte, die Schlangengifte. Und von den tierischen Giften ist ja ein besonders furchtbares, schreckliches Gift das Wutgift der Hunde, das Wutgift vom wütenden Hund.
Man unterscheidet also mineralische Gifte, pflanzliche und tierische Gifte, Jedes dieser Gifte wirkt auf den Menschen in ganz verschiedener Weise. Nehmen wir zum Beispiel mineralische Gifte, also sagen wir Blei, Kupfer — die Dinge wirken ja alle giftig - oder Schwefelsäure, Salpetersäure, Phosphor und so weiter, Solche Gifte kann man eigentlich nur studieren, wenn sie nicht in solchen Mengen in den Menschen hineingebracht werden, daß sie ihn gleich töten. Denn es ist merkwürdig, stark genommen, tötet das Gift den Menschen, das mineralische Gift tötet den Menschen. Schwächer genommen, macht es ihn krank. Und das ist die Hauptsache, daß man richtig studieren kann, unter welcher Gifteinwirkung der Mensch krank wird. Gerade bei den schwachen Einwirkungen kann man am besten die Wirkungen des Giftes studieren. Und von der entsprechenden Dosis, wenn eine Krankheit vorhanden ist, kann der Mensch gesund werden.
Mit diesen Giften ist es nun so: Wenn der Mensch mineralische Gifte, also Arsenik, Kupfer oder Blei in sich bekommt, dann treten die ersten Erscheinungen auf: Übelkeit, Reiz zum Brechen, zum Übergeben, dann Übelkeit im Bauch, Darmübelkeit, Darmgrimmen, kolikartige Erscheinungen. Das tritt ein, wenn der Mensch mineralische Gifte nimmt. Nun, der Körper hat ja das Bestreben, nur dasjenige in sich aufzunehmen, was er auch wirklich in sich verarbeiten kann. Daher tritt sofort, wenn mineralische Gifte aufgenommen sind, Brechreiz ein. Der Mensch bekommt das Speien. Das ist die Selbsthilfe des Körpers, aber in der Regel reicht das nicht aus. Wenn also eine gewisse Menge von Gift vorhanden ist, reicht das nicht aus, da muß man dann mit Gegengiften wirken. Man muß dafür besorgt sein, daß man ein Gegengift in den Magen und in das Gedärm hineinbringt, mit dem sich das Gift verbindet. Wenn das Gift nun in den Magen kommt und in die Gedärme, da greift es den Körper an. Wenn ich aber ein Gegengift gebe, da verbindet sich Gift und Gegengift, und das wird ein Körper. Dadurch greift das Gift nicht mehr den Körper an, da es sich sozusagen verehelicht hat mit dem Gegengift. Und dann muß ich eben ein starkes Brechmittel oder Abführmittel geben, daß das herauskommt.
Bei schwachen Vergiftungen — von stärkeren Vergiftungen kann man ja nur in der Medizin reden —, aber bei schwachen Vergiftungen mit mineralischen Giften, was sind da die Gegengifte? Sehen Sie, da ist ein gutes Gegenmittel, wenn man rasch lauwarmes Wasser nimmt und ein Ei hineinschlägt, also flüssiges Eiweiß hat, und das in den Magen und in die Gedärme kommen läßt. Mit diesem flüssigen Eiweiß verbindet sich nun das Gift und kann ausgespieen werden oder im Durchfall entleert werden; oder aber, besonders wenn schwache Vergiftung da ist, kann man das mit lauer Milch erreichen, auch mit allerlei Ölen, die man aus Pflanzen gewinnt. Die sind Gegengifte gegen mineralische Gifte, nur nicht gegen Phosphor. Wenn einer Phosphorvergiftung hat, darf man nicht Pflanzenöle geben, die verstärken sogar noch die Giftwirkung des Phosphors. Aber alle anderen mineralischen Substanzen kann man mit öligen Substanzen auch wiederum binden, vertreiben.
Was geschieht denn da, wenn ich das Gift nun da drinnen im Magen habe? Nun, nicht wahr, das Gift ist da. Nehmen wir jetzt das, was ich gesagt habe, also ein Ei in lauwarmes Wasser geschlagen, so umgibt im Magen dieser Stoff das Gift. Alle diese Gifte, die ich Ihnen aufgezählt habe, erzeugt wieder der menschliche Organismus selber. Der menschliche Organismus erzeugt in sich etwas Blei, er erzeugt etwas Kupfer, er erzeugt Phosphor. Der Mensch ist eben ein Produzent von allem möglichen. Es müssen aber diese Stoffe eben nur in derjenigen Menge erzeugt werden, in der sie der Körper braucht. Bringe ich nun Blei in den menschlichen Körper, so ist zuviel Blei drinnen. Da muß man also jetzt sich fragen: Was tut das Blei im Menschen? Ja, sehen Sie, meine Herren, wenn wir nie Blei erzeugen würden im menschlichen Körper, dann würden wir alle rachitisch herumgehen! Unsere Glieder würden weich. Und ein rachitisches Kind ist eben gerade ein solches, das zu wenig Blei erzeugt. Der menschliche Körper darf nicht zuviel und nicht zuwenig Blei haben. Im allgemeinen ist ja der Mensch so gearter, daß er die Stoffe eben in genügender Menge erzeugt. Erzeugt er sie nicht, wird er eben krank. Bringe ich nun also Blei in den menschlichen Organismus, was geschieht da? Was geschieht mit dem Blei, das der Mensch fortwährend erzeugt? Denken Sie sich nur, Sie fangen doch als Kind an, in Ihrem Körper Blei zu erzeugen. Aber Blei ist eigentlich niemals in wahrnehmbarer Menge im Körper zu finden, weil es eben gleich wieder ausgeschwitzt wird. Wenn es aber nicht ausgeschwitzt würde, da hätten Sie, wenn Sie als Kind ein paar Jahre alt geworden wären, schon so viel Blei in sich, daß man das Blei nachweisen könnte. Und jetzt, wo Sie bejahrte Männer sind, da würden Sie alle statt mit den weichen Knochen mit ganz harten Knochen herumgehen. Sie brauchten sich nur irgendwie aufzuschlagen, der Knochen würde gleich, weil er spröde ist, auseinanderfallen. Also das Blei, das der Mensch in sich hat, diese kleine Menge, wird immer erzeugt und wieder ausgeschwitzt. Wenn ich aber einmal zuviel hineinbringe, kann das nicht gleich wieder ausgeschwitzt werden; es zerstört den Menschen. Nun bringe ich Eiweißwasser hinein. Das verhindert, daß das Blei eine schädliche Wirkung hat. Woher kommt das? Ja, meine Herren, daß ich mein eigenes Blei fortwährend ausschwitze, das geschieht dadurch, daß ich ja fortwährend auch Eiweiß in mir habe. Und wenn das Kind die Muttermilch trinkt, die Jauwarme Muttermilch, so ist unter andern Wirkungen, die diese Milch hat, auch diese, daß das Kind sich gewöhnt durch den Milchgenuß, das Blei immer wieder auszuschwitzen. Ich kann also auch lauwarme Milch verwenden; da wird gerade das Blei veranlaßt, seinen Weg aus dem Körper heraus zu nehmen entweder durch Speien oder durch Ausschwitzen. Die letzten Reste müssen immer durch Ausschwitzen heraus.
Also Sie sehen, man bildet ja dasjenige nach, was die Natur fortwährend tut. Das Eiweiß, das immer vorhanden ist im Menschen, löst fortwährend das Blei auf. Bringe ich nun zuviel Blei in den Magen hinein und bringe dann Eiweißwasser wieder hinein, so tue ich ja dasselbe auf künstliche Weise, was der Körper fortwährend tut. Also es ist so, daß diese mineralischen Gifte in ihrer Wirkung dadurch zerstört werden müssen, daß man etwas vom Leben hineinbringt. Es muß immer etwas vom Leben sein, entweder Eiweißwasser - das Ei kommt vom Huhn, ist vom Leben -, oder lauwarme Milch, die vom Tier gekommen ist, vom Leben, oder Öle, die kommen von der Pflanze, sind vom Leben. Also ich muß etwas heranbringen, was vom Leben ist, was noch etwas vom Ätherleben hat. Und so kuriere ich, wenn eine mineralische Vergiftung da ist, den physischen Leib durch den Ätherleib. Der physische Leib schickt seine Stoffe zu stark in den Ätherleib hinein, wenn eine mineralische Vergiftung da ist. So daß wir sagen können: Mineralische Gifte bewirken, daß der physische Leib in den Ätherleib dringt, irgendwo in den Organen in den Ätherleib sich hineinzieht. Also sehen Sie, wenn ich Blei zuviel habe und es im Magen nicht durch das Gegengift forıgeschafft wird, wenn es in den Körper übergeht, dann wird sofort im ganzen menschlichen Körper der physische Leib in den Ätherleib hineingetrieben. Der physische Leib ist tot, der Ätherleib lebt. Der Ätherleib wird aber getötet durch den physischen Leib, der zu stark eindringt.
Wenn ich Kupfergift habe und ich bringe es nicht gleich dahin im Magen, daß es durch Gegengift unschädlich gemacht wird, geht es in den Leib über, und im Unterleibe durchdringt dann der physische Leib zu stark den Ätherleib. Es entsteht wiederum Schädigung des Leibes. Und so kann man sagen, alle mineralischen Gifte bewirken, daß der physische Leib in den Ätherleib eindringt. Gebe ich jetzt mein Gegengift, etwas, was vom Ätherleib herkommt, Eiweißwasser, lauwarme Milch und so weiter, so wird das Physische wiederum ausgetrieben vom Ätherleib. Sehen Sie, da sieht man ganz genau hinein, wie es im menschlichen Körper zugeht.
Nun, und wie ist es bei Pflanzengiften? Wenn man das Gift von der Tollkirsche hat, oder vom Bilsenkraut, oder von Digitalis, Fingerhut, oder von Datura stramonium, Stechapfel, wenn man also irgend solch ein Pflanzengift hat, dann geschieht folgendes. Bei mineralischen Giften ist es so, daß einem übel wird, daß es im Magen anfängt zu kollern, in den Därmen anfängt zu kollern. Aber wenn man Pflanzengifte zu sich nimmt — in starken Mengen genommen, wirkt auch der Alkohol als Pflanzengift, das Opium als Pflanzengift —, da bleibt es nicht bei der Übelkeit, dem Brechreiz und so weiter stehen, sondern da wird der ganze Körper ergriffen. Und zuerst tritt im Magen eigentlich kaum etwas ein bei Pflanzengiften. Dagegen in den weiteren Gedärmen tritt etwas ein, da tritt Durchfall ein. Während bei den mineralischen Giften mehr Brechreiz eintritt, tritt bei den Pflanzengiften mehr Durchfall ein. Aber es geht weiter. Der Körper wird aufgedunsen, wird bläulich, er bekommt Krämpfe. Das Schwarze in den Augen, der Augenstern, geht auseinander, wird groß, oder wird auch klein; bei Opium wird er ganz klein, bei anderen Pflanzengiften wird er ganz groß. Ja, sehen Sie, solche Pflanzengifte greifen viel mehr in den Körper ein. Die mineralischen Gifte greifen nur in den physischen Körper des Menschen ein. Die Pflanzengifte, weil sie vom Ätherischen herkommen, von dem Leben, greifen gleich in den Ätherleib ein. So daß man sagen kann: Pflanzengifte bewirken, daß der Ätherleib sich in den Astralleib hineinzieht. Da geht es tiefer in den Körper hinein. Während mineralische Gifte den physischen Körper irgendwo in den Ätherleib, in das Leben hineintreiben, treiben die Pflanzengifte das Leben in die Empfindung hinein, in den astralischen Leib. Und die Folge davon ist, daß der Mensch betäubt wird, daß überhaupt die Empfindung schwindet, daß er betäubt wird, daß gerade diejenigen Organe, durch die man die feineren Empfindungen hat, die Augen, angegriffen werden - die Pupillen werden groß oder klein —, daß die Haut angegriffen wird, womit man tastet. Also bei Pflanzengiften geht es dann tiefer in den Körper hinein. Und es ist so, daß man jetzt daran denken muß, daß man geradeso, wie man das mineralische Gift aus dem Ätherleib herausgeschmissen hat mit etwas, was vom Leben kommt, man jetzt das Pflanzengift aus dem astralischen Leib herausschmeißen muß. Und da handelt es sich darum, daß man suchen muß nach solchen Pflanzen, die mehr sind als die gewöhnlichen Pflanzen, bei denen der Astralleib aus dem Kosmos, aus der Welt bereits eingegriffen hat.
Sehen Sie, meine Herren, die gewöhnlichen Pflanzen, die wachsen im Frühling, sie dauern den Sommer hindurch, im Herbste dorren sie wiederum ab. Das sind die gewöhnlichen Pflanzen. Es gibt aber auch Bäume; die dorren nicht ab, sondern die dauern lange fort. Das ist deshalb, weil da das Astralische von außen herankommt und eingreift. Das ist bei besonderen Bäumen besonders stark; die werden zwar nicht Tiere, das Pflanzenwesen hat die Oberhand, aber es greift das Astralische ein, und zwar vorzugsweise in der Rinde. Bäume haben ja das Eigentümliche, daß sie sich mit der Rinde umgeben, und am wirksamsten, weil am stärksten da das Astrale eingreift, ist die Rinde von Eichenbäumen und von Weidenbäumen. Aber alle diejenigen Bäume, die dasjenige in sich enthalten, was man Gerbsäure nennt, alle diese sind Bäume, wo das Astrale stark eingegriffen hat. Und die Folge davon ist, daß der Saft, den man von der Rinde von Weidenbäumen oder Eichenbäumen auspressen oder auskochen kann, als Gegengift hilft, weil man damit aus dem astralischen Leib wiederum herausschmeißen kann, was durch das Pflanzengift hineingekommen ist. Aber in einem gewissen Sinne hat eine solche Säure, welche das Schädliche aus dem astralischen Leib herausschmeißt, auch der Kaffee und auch der Tee. Und starker Kaffee und guter Tee haben auch diese Wirkung gegen Pflanzengifte. Und jetzt sehen wir, warum wir, wenn wir Mahlzeiten einnehmen, unter Umständen gar nicht schlecht tun, wenn wir schwarzen Kaffee trinken. Wenn wir schwarzen Kaffee trinken, dann ist das so — weil ja immer in den Pflanzen ein bißchen Gift drinnen ist, daß wir dasjenige, was den Körper verzehrt dadurch, daß der Ätherleib in den Astralleib eindringt, mit dem schwarzen Kaffee aus dem astralischen Leib wieder hinausschmeißen. Und dieses Trinken von schwarzem Kaffee bedeutet eigentlich, daß wir jedesmal, wenn wir durch eine Mahlzeit dem Körper etwas zuführen, was ihn etwas ungesund macht, dasjenige wieder herausbringen, was etwa im Essen drinnen sein könnte und zu stark in den Astralleib hineinkommen könnte.
Beim Tee müßte man die Vorsicht haben, ihn während des Essens zu trinken, weil er sogar etwas stärker wirkt und den astralischen Leib angreift. Wenn der Tee während des Essens getrunken wird, so vermischt er sich mit der Verdauung und befördert die Verdauung, indem er den astralischen Leib wiederum freikriegt, der mit der Verdauung beschäftigt ist. Wenn man aber nachher den Tee trinkt, so geht man direkt an den astralischen Leib heran und macht ihn zu wirbelnd, zu stark tätig.
Aber sehen Sie, meine Herren, die Menschheit hat eigentlich einen ganz guten Instinkt gehabt. Es ist schon so, daß die Menschen nicht umsonst sich gewöhnt haben, ein bißchen Kaffee zu trinken, denn das macht ihren Astralleib von dem, was als Schädigung eintreten will, frei. Immer hat der Körper ein bißchen die Tendenz, Gifte zu entwickeln. Daher muß der Mensch schon auch diese schwachen Gegengifte, die da sind im Kaffee, haben. Und Sie wissen ja auch, daß es Menschen gibt, welche die Verdauung befördern wollen nicht durch schwarzen Kaffee nur, sondern indem sie zum schwarzen Kaffee auch noch ein Gläschen Kognak dazumischen. Ja, mit dem Kognak ist es so, daß in dem Kognak selber etwas als ein Pflanzengift wirkt, und das schaltet den astralischen Leib ganz aus. Und dann wirkt der Ätherleib besonders stark, wenn der Mensch Kognak trinkt. Bei allen Schnäpsen wirkt der Ätherleib besonders stark. Der Mensch fühlt sich wohlig, weil er das Bewußtsein ausschaltet und ganz Pflanze wird. Er senkt sich ganz ins Pflanzenhafte ein, wenn er Schnäpse trinkt, und dabei fühlt er sich wohl, geradeso wie sich der Mensch sonst im Schlaf wohlfühlt. Im Schlaf aber hat er nicht das Bewußtsein vom Wohlsein. Wenn der Mensch nämlich im Schlaf sich wohlfühlen kann, dann fühlt er sich wohl, weil er die Tätigkeit des Fleisches dabei wahrnehmen kann. Aber im gewöhnlichen, wenn die Menschen schlafen, so wissen sie ja nichts von ihrem Wohlsein. Wenn sie aber Kognak trinken, dann wissen sie von ihrem Wohlsein, und dann sind sie doch ein bißchen wach, aber auf der andern Seite schläft ihr Unterleib, und da fühlen sie sich bei diesem schlafenden Unterleib, während der Kopf wach ist, unendlich wohl. Es ist also tatsächlich das Schnäpsetrinken eine Beförderung des tierisch-pflanzlichen Wohlseins beim Menschen.
Nun, die dritte Art von Giften, das sind die tierischen Gifte. Da ist also zum Beispiel das Schlangengift, dann sind die verschiedenen Insektengifte; dann sind solche Gifte da, wie das bei der Wutkrankheit der Hunde auftretende Gift. Diese Gifte wirken im Blut. Man kann das am besten am Schlangengift sehen. Wenn die Schlange Sie beißt, so geht das Gift ins Blut hinein, da wirkt es ungeheuer schädlich. Wenn Sie sich aber eine Mahlzeit bereiten und entziehen den Schlangen Gift und verwenden es mit Pfeffer oder Salz, mischen es zu einer Mahlzeit — es hat nur keinen Sinn, weil es nicht schmeckt, aber ich meine, wenn Sie es zum Vergnügen machen -, dann könnte Ihr Magen das Schlangengift famos vertragen! Im Magen ist es gar nicht giftig. Und in ähnlicher Weise wirken andere tierische Gifte, zum Beispiel Insektengifte. Nur beim Wurgift ist es so, daß es vor allen Dingen in den Speichel dringt und vom Speichel dann wiederum ins Blut kommt und daher unter Umständen wenigstens auch etwas schädliche Wirkungen hervorrufen könnte, wenn man es in den Magen bekäme, aber gar nicht so schädliche, als wenn man vom Hund gebissen wird. Das Wutgift kommt auch aus dem Speichel ins Blut. Also im allgemeinen kann man sagen: Tierische Gifte wirken eigentlich erst im Blut, wirken gar nicht in der Verdauung.
Ja, sehen Sie, wenn der Mensch die Verdauung anfängt, dann kommen die Sachen, die er in sich hineinnimmt, zunächst in den Magen. Da sind sie noch so, wie sie außen sind, physische Dinge, also noch physisch. Wenn die Sache weitergeht bei den Pflanzengiften, die nicht bloß physisch sind, die von einem Ätherleib kommen, da geht es schon tiefer hinein, Aber alle Nahrungsmittel kommen ja auch ins Blut. Schlangengift, das kann richtig verdaut werden; wenn es von der Seite der Verdauung ins Blut kommt, dann macht es nichts. Warum? Nun ja, wenn die Dinge im Magen sind, da wirkt noch der physische Leib. Wenn die Dinge weiter in den Gedärmen sind, bis sie ins Blut übergehen, da wirkt der Ätherleib, beim Übergang ins Blut der Astralleib. Aber im Blut drinnen wirkt das Ich. Wenn Sie also Schlangengift ins Blut bringen, dann bewirkt das, daß der Astralleib ins Ich sich hineinzieht. Mineralische Gifte bewirken, daß der physische Leib in den Ätherleib sich hineinzieht. Pflanzengifte bewirken, daß der Ätherleib in den Astralleib sich hineinzieht. Tierische Gifte bewirken, daß der Astralleib in das Ich sich hineinzieht. Und daher hilft beim tierischen Gift nichts anderes, als daß Sie es aus dem Blut wiederum herausbringen, weil das Ich das Höchste ist. Da kann man nicht mehr etwas geben, wodurch es herausgeworfen wird, da muß man es direkt herausbringen. Und daher kann man es nur durch dasjenige, was im Blute selber ist, herausbringen. Wenn man also Wutgift der Hunde in sein Blut hineinbekommen hat, oder wenn man Schlangengift in sein Blut hineinbekommen hat, dann muß man irgendein Tier nehmen und muß das Tier mit dem betreffenden Gift impfen. Stirbt das Tier, nun ja, so ist es eben durch das Gift zugrunde gegangen; stirbt es aber nicht, dann kann sein Blut dieses Gift bekämpfen. Wenn man dann den Blutsaft aus diesem Blut nimmt und ihn einem wutkranken Menschen einimpft, so bekommt er Blut in sich, das das Gift bekämpfen kann, und auf diese Weise kann man ihn eventuell heilen. So daß man da nur das Gift direkt durch das eigene Gegengift, das im Blut entsteht, herausschaffen kann.
Das ist aber überhaupt lehrreich, wie es mit den tierischen Giften ist. Denn sehen Sie, meine Herren, tierische Gifte erzeugt der Mensch auch fortwährend selber. Alles eigentlich, was vorhanden ist, erzeugt der Mensch selber. Und daß die Tiere solche Gifte erzeugen, das bewirkt ja vor allem, daß sie eigentlich ihre Kräfte haben; sie wären dumm, wenn sie nicht Gifte erzeugen würden. Und der Mensch erzeugt Gifte, die den tierischen Giften sehr ähnlich sind, namentlich in denjenigen Organen, die mehr gegen den Kopf zu liegen, aber wiederum in schwachem Maße, so daß sein Körper sie brauchen kann. Erzeugt er sie zu stark, so kann er solche tierischen Gifte selber zuviel in seinem eigenen Organismus in sich haben.
Das ist zum Beispiel bei Diphtherie der Fall. Die Diphtherie entsteht eben dadurch, daß der Mensch selber tierische Gifte in sich erzeugt. Daher kann die Diphtherie in ähnlicher Weise geheilt werden, indem man Diphtherie einimpft einem Tier, das sie verträgt, und dann den Blutsaft dem Menschen wiederum zurück einimpft. Der bekommt dann in das Blut etwas hinein, was das Diphtheriegift bekämpft.
Sie sehen daraus, daß es in der Natur nicht nur dasjenige geben muß, was in gewissem Sinne nützlich ist, sondern dasjenige, was schädlich ist, hat schon auch seine Aufgabe. Mineralische Gifte, die sind nur in einem stärkeren Maß dasselbe, mit dem es der Ätherleib im Menschen drinnen zu tun hat. Pflanzliche Gifte sind dasselbe, mit dem es der astralische Leib fortwährend im Menschen zu tun hat. Tierische Gifte sind dasselbe, mit dem es das Ich fortwährend zu tun hat. So daß man sagen kann: Etwas von Vergiftung ist fortwährend beim wachen Menschen vorhanden - beim schlafenden auch —, aber dieses Gift hat in sich wiederum die Gegengifte. Und die Sache ist eben wirklich diese, daß man sich klar sein muß, daß Gift und Nichtgift in der Natur eben vorhanden sein müssen, damit der ganze Haushalt der Natur in der richtigen Weise vor sich gehen kann.
Und jetzt werden Sie auch begreifen, warum ich gesagt habe: Ameisensäure muß vorhanden sein. Ameisensäure wird ja fortwährend von den Ameisenhaufen in die große Natur hinaus verdunstet. Dadurch ist eigentlich überall immer Ameisensäure vorhanden. Der Mensch erzeugt sich seine Ameisensäure selber. Aber die Natur braucht die Ameisen, die die Ameisensäure nach außen entwickeln. Und würde die Ameisensäure nicht erzeugt werden, dann würde unsere Erde eben niemals wiederum im Weltenall erneuert werden können, sondern sie würde absterben.
Sehen Sie, wenn man einen menschlichen Leichnam hat, dann entsteht in diesem menschlichen Leichnam das sogenannte Leichengift, wiederum ein Gift. Aber diesen Leichnam trägt ja der Mensch fortwährend an sich herum. Das Gift entsteht fortwährend. Haben Sie einen Leichnam, so liefert Ihnen der Leichnam das Leichengift. Haben Sie einen lebenden Menschen, liefert der physische Körper auch das Leichengift, aber es sind noch der ätherische Leib, der Astralleib und das Ich da. Die beschäftigen sich fortwährend mit diesem entstehenden Gift, zehren es auf, leben davon, daß die Gifte da sind. Wären wir als Leichen nicht giftig, so würden wir als lebender Mensch eben nicht ein Mensch sein können. Aber daraus geht Ihnen ja hervor, daß etwas weggegangen sein muß vom Menschen, wenn der Mensch stirbt. Das ist eben sein Übersinnliches. Jetzt, weil das Übersinnliche weggegangen ist, wird das Gift nicht mehr kaputt gemacht, es bleibt das Gift im Menschen vorhanden. Wenn die Menschen also richtig nachdenken könnten, warum im physischen Körper Leichengift entsteht, so würden sie sagen: Nun ja, der physische Körper hat fortwährend Leichengift erzeugt; es ist gar kein Grund, warum er das nicht erzeugen soll, er ist ja als physischer Körper noch dasselbe, wenn der Mensch gestorben ist oder gelebt hat. Aber der Mensch, der übersinnliche Mensch, der das Leichengift braucht zu seinem Leben, der ist fort; daher bleibt das Leichengift zurück. Also bezeugt doch dieses, wie der übersinnliche Mensch im sinnlichen, im physischen drinnensteckt. Nur kann die heutige Wissenschaft nicht darauf kommen, weil die heutige Wissenschaft nicht denkt.
Das ist also dasjenige, was, ich möchte sagen, die allgemeine Lehre ist, die aus den Giftwirkungen hervorgeht. Sie sehen aber zu gleicher Zeit daraus: Wenn man medizinisch über den Menschen sprechen will, von einem Heilmittel wissen will, dann muß man sich fragen können: Ja, wie wirkt denn dieses Heilmittel? Man muß unter Umständen, wenn man bemerkt, daß der astralische Leib nicht ordentlich wirken kann, über den physischen Leib und Ätherleib nicht Herr wird, dem Menschen gerade etwas Arsenik eingeben, weil das, dem astralischen Leib zugefügt, diesen astralischen Leib verstärkt. Und so ist es, wenn man bemerkt, daß das Ich nicht ordentlich wirkt. Man merkt das daraus, daß der Mensch Gicht oder Rheumatismus bekommt, weil das Ich zu schwach wird und die Nahrungsmittel nicht auflösen kann. Dann dringen sie ins Blut und werden da Fremdkörper. Merkt man das an Gicht oder Rheumatismus, daß die Körper Fremdkörper werden, dann muß man das Ich verstärken. Das kann man eben durch Insektengift tun. Und wenn einen eine Biene sticht, dann wird dies auf naturgemäße Weise erreicht und der Mensch kann dann zu seinem Glück geheilt werden. Kenntnis von den Heilmitteln heißt: Wie wirkt die Natur auf das Ich? Wie wirkt die Natur auf den astralischen Leib? Wie wirkt die Natur auf den Ätherleib? Gerade die übersinnliche Natur muß man kennen, wenn man die Kenntnis von Heilmitteln haben will.
So sehen Sie, wirkliche Wissenschaft entsteht auf irgendeinem Gebiete erst, wenn man den übersinnlichen Menschen betrachten kann. Nun werden Ihnen dabei allerlei Fragen aufgehen oder schon aufgegangen sein. Damit wollen wir am nächsten Mittwoch um neun Uhr fortsetzen.
- Mineralgifte bewirken daß der physische Leib in den Ätherleib sich hineinzieht.
- Pflanzengifte bewirken, daß der Ätherleib in den Astralleib sich hineinzieht.
- Tierische Gifte bewirken, daß der astralische Leib in das Ich sich hineinzieht.