Cosmic Workings In Earth and Man
GA 352 — 9 February 1924, Dornach
Fünfter Vortrag
Meine Herren, ich möchte heute noch einiges sagen, was Ihnen zur Aufklärung über verschiedenes dienen kann, was wir schon durchgenommen haben, und dann bereiten Sie sich für das nächste Mal wiederum Fragen vor, die Ihnen aufgestoßen sind. Heute möchte ich gern einiges zu Ihnen sprechen, das Sie noch einmal darauf aufmerksam machen kann, wie die Erde, die ja, wie Sie wissen, ein kugeliger Körper im Weltenall ist, mit der ganzen Welt zusammenhängt. Wollen wir das heute einmal an den Flüssen und an den Meeren betrachten.
Sie wissen ja, daß die Erde nur zum Teil festes Land zeigt nach außen; zum größten Teil ist sie eine Wasserkugel, die im Weltenall sich bewegt, eine Wasserkugel, ein Meer. Und von den Flüssen kann man im allgemeinen sagen, daß sie irgendwo auf der Erde ihren Ursprung haben, entspringen, wie man sagt, und daß sie dann zum Meere hin verlaufen. Nehmen wir zum Beispiel die Donau. Sie wissen, die Donau entspringt im Schwarzwald. Oder nehmen Sie den Rhein. Sie wissen, der entspringt in den südlichen Alpen. Die Donau fließt dann durch verschiedene Täler in das Schwarze Meer. Der Rhein fließt durch verschiedene Täler in die Nordsee. Nun, gewöhnlich betrachtet man, wenn man Flüsse und Meere betrachtet, eben nur diesen Lauf und die Mündung ins Meer. Man erfreut sich an den Flüssen. Man denkt dabei nicht, welche große Bedeutung die Flüsse zusammen mit dem Meere eigentlich für das ganze Leben der Erde haben.
Beim Menschen weiß man gewöhnlich schon mehr über das zu sagen, was in ihm flüssig ist. Ich habe Ihnen ja gesagt, der Mensch ist zum größten Teil auch eine Flüssigkeitsmasse. Und Sie wissen ja, daß in einer gewissen Art von Flüssigkeit eben in den Adern das Blut fließt. Man weiß auch, daß diese Tatsache, daß das Blut fließt, die denkbar größte Bedeutung für das Leben hat. Das Blut bildet das Leben, erhält das Leben. Wir sind als physische Menschen ja ganz und gar darauf angewiesen, daß dieses Blut in der richtigen Weise durch den Körper fließt, und zwar, daß es ganz bestimmte Wege macht. Würde es sich aus diesen Wegen verirren, so würden wir ja auch nicht leben können. Daß das Wasser, so wie es in Flüssen und im Meere angeordnet ist, eine ebenso große Bedeutung für die Erde hat, das beachtet man gewöhnlich nicht. Man beachtet gewöhnlich nicht, daß das Wasser eigentlich die Blutzirkulation der Erde bildet. Warum beachtet man das gewöhnlich nicht?
Ja, sehen Sie, beim Blute fällt es einem auf; es ist rot, es enthält allerlei Stoffe, und dadurch sagt man sich: Das Blut ist eben etwas Besonderes. Beim Wasser glaubt man eben einfach: Nun ja, das ist eben Wasser! Es fällt weniger auf; und die Stoffe, die es außer dem Wasserstoff und Sauerstoff, die ja im Wasser sind, noch enthält, sind nicht in so großer Menge, wie zum Beispiel das Eisen im Blute, vorhanden. Daher beachtet man die Sache wieder nicht. Aber dennoch ist es wahr, daß der ganze Wasserkreislauf eine ungeheure Bedeutung für das ganze Leben der Erde hat. Und ebensowenig, wie der menschliche Organismus leben könnte, wenn er nicht die Blutzirkulation, den Blutkreislauf hätte, ebensowenig könnte die Erde leben, wenn sie nicht den Wasserkreislauf hätte.
Dieser Wasserkreislauf zeichnet sich dadurch aus, daß er da, wo er beginnt, von etwas ganz anderem ausgeht als dasjenige ist, in das er dann kommt, wenn er ins Meer mündet. Sehen Sie, wenn Sie die Flüsse verfolgen, so finden Sie: Diese Flüsse sind nicht salzhaltig, es ist süßes Wasser. Süßwasser ist in den Flüssen. Das Meer ist salzhaltig. Und alles dasjenige, was das Meer zeitigt, gründet sich auf diese Salzhaltigkeit des Meeres. Das ist von außerordentlicher Wichtigkeit: Das Wasser beginnt auf der Erde zu zirkulieren, zu kreisen in süßem, salzfreiem Zustande und endet im Meere mit dem Salzzustand.
Gewöhnlich verfolgt man die Sache in der Weise, daß man sagt: Nun ja, solch ein Fluß wie der Rhein, der entspringt irgendwo, fließt dann so weiter (siehe Zeichnung) und fließt dann ins Meer. — Das ist eben dasjenige, was man äußerlich sieht. Aber was man nicht beachtet, das ist, daß der Fluß, der Rhein zum Beispiel, ja allerdings äußerlich so fließt, aber während dieser Fluß äußerlich in seinem Wasser von den Südalpen zu der Nordsee hinfließt, geht wiederum unter der Erde eine Art Kraftströmung zurück von der Mündung bis zum Ursprung. Die geht zurück. Und dasjenige, was da geschieht (oberirdisch), das ist das, daß der Fluß süß ist, salzfrei ist. Dasjenige, was da (unter der Erde) zurückgeht, trägt in die Erde immer in der Richtung des Flusses das Salz hinein, so daß die Erde Salze in sich kriegt, die eigentlich aus dem Meere kommen. Wir haben also gewissermaßen unter der Erde, von der Mündung eines Flusses bis zum Ursprung zurückgehend, eine Salzströmung. Und die Erde hätte kein Salz, wenn nicht von der Mündung der Flüsse bis zum Ursprung unter der Erde die Salzströmung wieder zurückgehen würde. Daher wird die sogenannte Geologie, die ja die Erde im Innern untersucht, immer darauf aufmerksam sein müssen, wie da, wo Flußbette sind, etwas tiefer in der Erde drinnen Salzablagerungen sind.

Aber, meine Herren, wenn keine Salzablagerungen in der Erde wären, könnten in der Erde drinnen keine Pflanzenwurzeln wachsen, denn die Pflanzenwurzeln wachsen in der Erde eben nur dadurch, daß sie das Salz der Erde gewissermaßen zur Nahrung kriegen. Die Pflanze ist unten in der Wurzel am meisten salzhaltig, oben wird sie immer weniger salzhaltig, und die Blüte hat wenig Salz. So daß man also fragen kann: Woher kommt es, daß unser Erdboden Pflanzen hervorbringen kann? Das kommt ja davon her, daß er einen Wasserkreislauf hat, daß geradeso wie bei uns Menschen vom Herzen aus die Blutadern und wiederum zurück die Venen gehen, die das blaue Blut zum Herzen zurückführen, so auf der Erde die Adern der Gewässer nach der einen Seite hingehen, und unter der Erde die Salzadern zurückgehen. So daß da auch eine richtige Zirkulation, ein richtiger Kreislauf ist.
Warum ist es denn überhaupt so, daß die Erde gewissermaßen auf der einen Seite aus einem wässerigen Salzkörper besteht, aus dem festen Land auf der anderen Seite, und dann aus den süßen Gewässern, aus den Flüssen, die die Länder durchziehen, und daß fortwährend auf diese Weise Salz vom Meere hineingeschoben wird? Ja, sehen Sie, wenn man nun das eigentliche Salzwasser, das sehr salzhaltige Meerwasser untersucht, da kommt man darauf, daß dieses salzhaltige Meerwasser wenig mit dem Weltenraum in Beziehung steht. Geradeso wie bei uns zum Beispiel der Magen wenig mit der Außenwelt in Beziehung steht, nur durch das, was er hereinbekommt, ebenso steht das Innere des Meeres wenig in Beziehung mit dem Himmelsraume. Dagegen steht für die Erde in ganz großer Beziehung mit dem Himmelsraume alles das, was Land ist, wo die Gewässer durchfließen, wo durch die Ablagerungen von Salz Pflanzen hervorgebracht werden, aber namentlich, wo die Gewässer durchfließen.
Wenn wir die Sache so anschauen, meine Herren, dann gehen wir noch ganz anders zu den Quellen im Gebirge! Wir erfreuen uns daran, daß die Quellen rieseln, schön fließen, daß sie so wunderbar reinliches Wasser haben und so weiter. Aber das ist nicht das einzige! Die Quellen sind nämlich die Augen der Erde. Mit dem Meere sieht die Erde nicht hinaus in den Weltenraum, weil das Meer salzig ist, und das macht, daß das innerlich nur so ist, wie unser Magen innerlich ist. Die Quellen, die süßes Wasser haben, sind frei für den Weltenraum und sind wie unsere Augen, die sich auch hinaus ins Freie öffnen. So daß wir sagen können: Da auf den Ländern, wo Quellen sind, da schaut die Erde weit in den Weltenraum hinaus, da sind die Sinnesorgane der Erde, während der Körper der Erde, mehr die Eingeweide der Erde, im salzigen Meer sind. Es ist natürlich anders als beim menschlichen Körper; es sind nicht solche abgeschlossenen Organe, nicht solche Organe, die man ganz aufzeichnen kann. Man könnte sie auch aufzeichnen, aber sie sind nicht so sichtbar. Aber die Erde hat ihre Eingeweide im Meere und hat ihre Sinnesorgane in den Ländern. Und alles das, wodurch die Erde in Verbindung steht mit dem Weltenraum, alles das kommt vom süßen Wasser. Alles dasjenige, wodurch die Erde ihre Eingeweide hat, kommt vom salzigen Wasser.
Nun will ich Ihnen einen Beweis liefern davon, daß das so ist. Sehen Sie, ich habe Ihnen einmal gesagt: Mit dem Himmelsraum steht auch die Fortpflanzung des Menschen und der Tiere in Verbindung. Ich sagte Ihnen: Das hängt nicht allein davon ab, daß das Ei, der Keim im mütterlichen Leibe, sich nur in diesem mütterlichen Leibe ausbildet, sondern da wirken die Kräfte vom Weltenall herein, und dadurch, daß die Kräfte vom Weltenall hereinwirken, entsteht eben gerade erst das Ei in seiner Rundung. Wie wir außen rund sehen die Bewegung des Weltenalls, so ist dieses kleine Eichen ein Abbild des Weltenalls, weil die Kräfte von allen Seiten wirken. Also da, wo die Fortpflanzung wirkt, da wirkt eigentlich das Himmlische auf die Erde. Ebenso sehen Sie beim Auge: das ist eine Kugel. Das habe ich beschrieben neulich. Es ist auch vom Weltenall hereingebildet. Sinnesorgane und Auge sind vom Weltenall hereingebildet. Wenn Sie die Milz ansehen, so ist die nicht kugelig, sondern sie ist mehr von der Erde, von den irdischen Kräften gebildet, von den Eingeweidekräften der Erde. Das ist eben der Unterschied.

Von solchen Dingen kriegt man, wenn man nur aufmerksam ist auf die Sachen, ich möchte sagen, Beweise. Ich sagte, ich werde Ihnen nachher von dem, was Meer und Land ist, einen Beweis liefern. Jetzt will ich etwas einschieben. Ich habe Ihnen schon erzählt: Wir haben vor einiger Zeit in unserem biologischen Laboratorium Versuche gemacht über die Bedeutung der Milz. Die Milz hat ja die Bedeutung, wenn wir nicht regelmäßig essen können - wir essen alle mehr oder weniger unregelmäßig -—, das alles wieder auszugleichen; sie ist der Regulator. Dafür haben wir den Beweis erbracht in unserem biologischen Laboratorium. Es gibt ja ein kleines Büchelchen von Frau Kolisko, das alles das beschreibt. Während dieser Versuche waren wir auch genötigt — weil das ja die heutige Wissenschaft verlangt -, nachzuweisen, einen handgreiflichen Beweis, einen sichtbaren Beweis zu liefern. Das wird nicht mehr nötig sein, wenn die Wissenschaft einmal an übersinnliche Beweise glauben wird, aber heute ist es noch nötig. Da haben wir ein Kaninchen genommen, dem Kaninchen natürlich sonst nicht wehgetan man kann das schon mit aller Vorsicht machen -, die Milz herausgenommen und es weiterleben lassen. Es ging ganz gut. Das Kaninchen würde an der Milzoperation nicht gestorben sein, sondern es hat sich durch eine Ungeschicklichkeit einmal erkältet und ist so zugrunde gegangen. Dann haben wir es seziert und waren natürlich sehr gespannt darauf, wie die Geschichte nun ist mit der Milz, die man herausgenommen hatte. Was muß man von der Geisteswissenschaft aus sagen? Was bleibt denn noch übrig, wenn man die physische Milz herausschneidet? Nun, nicht wahr, wenn die Milz da ist (siehe Zeichnung), und man schneidet sie heraus, tut sie weg, so bleibt an der Stelle noch der Ätherleib der Milz übrig und der Astralleib und so weiter. Die Milz ist von der Erde aus gebildet, und daher hat sie ihre Form. Nimmt man jetzt die physische Milz heraus, und es ist nur die ätherische Milz darinnen, wie es bei dem Kaninchen der Fall war, was muß denn da geschehen? Ja, meine Herren, da muß das geschehen: Während die physische Milz von der Erde abhängig ist, zu der Erde neigt, muß die ätherische Milz, die ganz freigeworden ist, nicht mehr von der physischen Milz beschwert ist, jetzt wieder unter den Himmelseinfluß kommen. Und man muß voraussetzen, daß da etwas entsteht wie ein Abbild des Himmels. Und siehe da, als wir das Kaninchen sezierten, war da drinnen ein kleiner runder Körper, aus feinem weißen Gewebe gebildet! Also die Sache hat vollständig gestimmt. Es ist das eingetreten, was eintreten muß nach den Voraussetzungen der Geisteswissenschaft. Es ist da ein kleiner, nußgroßer Gewebekörper entstanden in verhältnismäßig kurzer Zeit. Sie sehen also, man braucht nur an die Sache richtig heranzutreten, dann findet man überall die Beweise für dasjenige, was die Geisteswissenschaft sagen muß. Aus dem können Sie entnehmen, daß eben wirklich im Physischen dasjenige eintritt, was man geistig erkunden kann, herausbekommen kann dadurch, daß man die Geschichte in der richtigen Weise verfolgt.
Nun, ebenso, wie hier der weiße Körper sich gebildet hat durch den umgebenden Einfluß, so bildet sich im Eikeim eben zunächst kugelig die Menschen-, die tierische Anlage und so weiter durch den Himmelseinfluß herein.
Wenn wir dieses nun wissen, so müssen wir sagen, die Fische sind in einer besonderen Lage, denn die kommen eigentlich niemals ans Land. Sie können ja am Land höchstens ein bißchen schnappen, aber sie können nicht auf dem Land leben, sie müssen im Meere leben. Dadurch sind auch die Fische ganz besonders eingerichtet; sie kommen nicht dahin, wo die Erde sich dem Weltenlauf öffnet. Daher kommen die Fische sehr schwer dazu, ihre Sinne auszubilden und namentlich ihre Fortpflanzungsorgane auszubilden. Denn das hängt vom Weltenraum ab, daß sie drinnen sein können. Die Fische müssen daher das wenige, was vom Licht und von der Wärme aus dem Weltenall ins Meer hineinfällt, sorgfältig benützen, damit sie sich fortpflanzen und Sinnesorgane haben können. Aber die Natur sorgt ja für vieles; Sie können es sehen bei den sogenannten Goldfischchen. Die benützen ihre ganze Haut, um unter den Einfluß des Lichtes zu kommen; daher werden sie so golden. Die Fische benützen jede Gelegenheit, um das aufzuschnappen, was vom Weltenall ins Wasser fällt. Und sie müssen ihre eigenen Eier überall da ablegen, wo Licht noch etwas hineinkann, damit von außen diese Eier bebrütet werden. Also die Fische sind sozusagen darauf eingerichtet, unter dem Wasser zu leben; sie kommen nicht aus dem Wasser heraus. Aber das, was ich sage, das bezieht sich ja nicht so sehr auf die Süßwasserfische — das süße Wasser ist schon wiederum für das Weltenall durchgängig —, das bezieht sich mehr auf die Meeresfische. Die Meeresfische aber zeigen überall, daß sie darauf eingerichtet sind, ja alles, was noch ins Salzwasser kommt vom Weltenall, zu benützen, um die Fortpflanzung zu haben.
Eine ganz merkwürdige Ausnahme aber macht der Lachs. Der Lachs hat nämlich eine sonderbare Organisation. Der Lachs muß im Meere leben, damit er ordentliche Muskeln kriegt. Damit er sich für seine Muskeln ordentlich ernähren kann, dazu braucht er Erdenkräfte. Die sind vorzugsweise im Salz des Meeres. Er muß im Meeressalz leben, damit er seine starken Muskeln bekommt. Aber wenn der Lachs nun im Meere lebt, dann kann er sich nicht fortpflanzen, weil er so eingerichtet ist, daß er durch das Meerwasser ganz abgeschlossen wird vom Weltenall; und die Lachse wären längst ausgestorben, wenn sie sich im Meere fortpflanzen sollten. Die Lachse sind Ausnahmen. Während sie sich stark machen im Meere — sie bekommen da ihre Muskeln —, sind die Lachse erstens ziemlich blind, und zweitens können sie sich nicht fortpflanzen. Ihre Fortpflanzungsorgane und ihre Sinnesorgane werden schwach, sie sind stumpf. Die Lachse im Meer aber werden dick. Nun, damit der Lachs nicht ausstirbt - wir können das sehen an den Lachsen hier in der Nordsee und gegen das Atlantische Meer zu -, wandert der Lachs jedes Jahr in den Rhein herein. Daher heißt er auch Rhein-Lachs. Aber der Rhein macht den Lachs mager; er verliert wieder seine Muskeln. Das, was er im salzigen Meer an Dicke gewonnen hat, das verliert er im Rhein. Der Lachs wird ganz schlank; und seine Sinnesorgane und namentlich seine Fortpflanzungsorgane, beim Männchen und Weibchen, bilden sich kolossal aus, und der Lachs kann sich im Rhein fortpflanzen. So muß der Lachs also jedes Jahr vom salzigen Meer nach dem süßen Rhein wandern, damit er sich fortpflanzen kann. Er muß da sogar mager werden, weil das süße Wasser nicht beitragen kann zu seiner Muskelbildung. Dann wandert, wenn die Alten noch leben und die Jungen da sind, wiederum alles zum Meere, um aus der Schlankheit in die Dicke zu kommen.
Sie sehen, meine Herren, die Sache stimmt vollkommen. Man kann sagen, da wo die Erde salzig ist, da wirkt sie mit den Erdenkräften. Sie wirkt auf diejenigen Organe, die von der Erde aus gebildet sind. Unsere eigenen Muskeln werden von der Erde aus gebildet, wenn wir uns mit der Schwerkraft bewegen. Schwerkraft ist die Erdenkraft. Auf alles Muskulöse wirkt die Erde, auf alles Knochige wirkt die Erde. Die Erde teilt uns ihr Salz mit, und wir kriegen starke Knochen, starke Muskeln. Mit diesem Salzabgang der Erde könnten wir aber gar nichts machen für die Sinnes- und Fortpflanzungsorgane; die würden dabei verkümmern. Die müssen immer unter den Einfluß der außerirdischen Kräfte, der Himmelskräfte kommen. Und der Lachs zeigt das, welchen Unterschied er macht zwischen Salz- und Süßwasser. Er geht ins Salzwasser, um dick zu werden, nimmt die Erdenkräfte auf, und um fortpflanzungsfähig zu werden, geht er ins Süßwasser, nimmt die Himmelskräfte auf.
So kann man sagen: Die Erde hat auch in bezug auf die Tiere eine Art Kreislauf, wie zum Beispiel in bezug auf den Lachs. Es treibt den Lachs abwechselnd ins Meer und in den Fluß. Da geht er also hin und geht zurück, hin und zurück. Die ganze Lachsgesellschaft geht hin und zurück. An dem Lachs sieht man so recht, wie alles im Leben in Bewegung ist auf der Erde.
Wenn man in dieser Weise das am Lachs kennenlernt, dann hat man ja auch ein Bild von noch etwas anderem, was uns immer vor Augen ist, und was ein so wunderbares Schauspiel ist: die Zugvögel. Die ziehen nur in der Luft herum, hin und her; der Lachs zieht im Wasser hin und her. Die Lachszüge sind im Wasser geradeso wie die Vogelzüge in der Luft, nur daß der Lachs hin und her geht zwischen Salzwasser und Süßwasser, und die Vögel in der Luft hin und her gehen zwischen kälteren Partien und wärmeren Partien, die sie brauchen. Wer die Lachszüge versteht, hat auch ein Bild von den Vogelzügen. Und man kann sagen: All das hängt damit zusammen, daß auch die Vögel, um in die rechten Wärme-Erdenkräfte zu kommen, nach Süden ziehen müssen; da bilden sie mehr ihre Muskulatur aus. Um Himmelskräfte zu haben, da müssen sie mehr in die reinere Luft des Nordens kommen; da bilden sie ihre Fortpflanzungsorgane aus. Diese Tiere brauchen die ganze Erde. Nur die höheren Tiere, die Säugetiere, und der Mensch, die sind mehr von der Erde unabhängig geworden, haben sich mehr emanzipiert von der Erde, sind in ihrer ganzen Organisation mehr unabhängig geworden.
Aber das scheint uns auch nur so. Sehen Sie, wir Menschen sind eigentlich immer zwei Menschen. Wir sind ja noch mehr Menschen; ich habe Ihnen gesagt: physischer Mensch, ätherischer Mensch und so weiter. Aber schon im physischen Menschen sind wir nämlich zwei Menschen: ein rechter und ein linker Mensch. Die rechte Körperhälfte ist ja von der linken kolossal verschieden. Ich glaube, die wenigsten von Ihnen, die hier sitzen, werden mit der linken Hand schreiben können; wir schreiben mit der rechten Hand. Aber der Teil, der zum Beispiel mit der Sprache zusammenhängt beim Nervensystem, der sitzt in der linken Gehirnhälfte. Da sind starke Windungen; an derselben Stelle rechts nicht. Nur beim Linkshänder ist es umgekehrt. Diejenigen, die Linkshänder sind, die haben rechts ihre Sprachorganisation - aber nicht das Äußere, sondern nur das Innere, das die Sprache anregt. Sehen Sie, meine Herren, da kann man sagen: Der Mensch ist links und rechts kolossal verschieden. Aber auch sonst ist dies der Fall. Das Herz ist mehr nach links geschoben, links ist der Magen, rechts ist die Leber. Aber auch diejenigen Organe, die sonst symmetrisch sind, sind es in Wirklichkeit nicht ganz. Unsere Lunge hat links zwei Lappen, rechts drei. Also der rechte Mensch ist vom linken Menschen sehr verschieden. Woher kommt denn das? Nun, gehen wir von etwas sehr Einfachem aus. Links lernen wir also für gewöhnlich nicht schreiben; rechts lernen wir schreiben. Das ist eine Tätigkeit, die mehr vom Ätherleib abhängt. Der physische Leib ist mehr schwer, ist links mehr ausgebildet, rechts ist der Ätherleib mehr ausgebildet. Der linke Mensch bildet zwei Lappen; der rechte, mehr tätig, der bringt mehr Leben in die Lunge hinein, bildet drei Lappen in der Lunge aus. Es ist so beim Menschen, daß er links mehr physischer Mensch ist, rechts mehr ätherischer Mensch ist. Und so ist es auch mit der Sprache. Die Ernährung im Gehirn ist bei Rechtshändern links mehr notwendig als rechts. Und so ist alles mögliche eingerichtet beim Menschen, daß der Mensch links mehr die Erdenkräfte enthält und rechts mehr die ätherischen Himmelskräfte.
Sehen Sie, meine Herren, unsere jetzige Wissenschaft, die nur auf die Materie sehen will und dadurch gerade vom Materiellen nicht viel weiß, kultiviert in der Erziehung der Kinder ja den Unfug, daß die Kinder links und rechts in gleicher Weise alles lernen. Ja, darauf ist der Mensch gar nicht eingerichtet! Wenn man das übertreibt, so werden die Menschen nämlich halb verrückt erzogen, weil der menschliche Körper darauf eingerichtet ist, daß er links mehr physisch und rechts mehr ätherisch ist. Aber was kümmert sich die heutige Wissenschaft viel um physisch und ätherisch! Für sie ist ja alles beides gleich, linker Mensch, rechter Mensch. Diese Dinge muß man schon mit der Geisteswissenschaft durchdringen können, wenn man sie überhaupt irgendwie verstehen will. Also links ist der Mensch mehr irdisch, rechts, man kann sagen, wenn das Wort nicht mißverstanden wird, mehr himmlisch, kosmisch.
Nun, der Mensch hat sich schon stark von der Erde emanzipiert. Er bildet, wie ich es Ihnen gesagt habe, dieses linke Irdische, dieses rechte Himmlische so aus, daß er das herumtragen kann als physischer Mensch, und man auch nicht mehr recht merkt, daß er links der Erde zuneigt und rechts dem Himmel zuneigt. Aber es gibt Menschen, die mehr die Neigung haben, nach der Erde sich hinzuneigen; die schlafen eigentlich meist auf der linken Seite, legen sich auf die linke Seite. Auf die rechte Seite legen sich die Menschen entweder, wenn sie auf der linken ermüdet sind, oder wenn sie sich mehr beschäftigen mit Kräften, die sich mehr dem Himmlischen zuneigen. Solche Sachen sind natürlich schwer zu beobachten, weil da noch allerlei anderes in Betracht kommt. Es braucht ja nur, wenn sich der Mensch auf die rechte Seite legt, das die finstere Seite des Zimmers zu sein; so hat er auch einen Grund. Durch Gedanken, durch andere Dinge ist es schwer zu beobachten, aber im allgemeinen wird es schon so sein, daß der Mensch gern eine Neigung hätte, sich auf die linke Seite zu legen beim Schlafen, weil das die Erdenseite ist. Aber man braucht das gar nicht anzuschauen, weil der Mensch sich eben emanzipiert von der Erde und in seinen Handlungen sich unabhängig macht von der Erde. Aber man kann das einmal bei Tieren beobachten. Überall sieht man die Geheimnisse der Welt in einer sehr merkwürdigen Art sich enthüllen.
Denken Sie sich, hier wäre die Meeresoberfläche (siehe Zeichnung $. 92), unten das salzige Meerwasser mit allerlei anderen Stoffen in sich. Nun gibt es gewisse Fische, die sind ganz merkwürdig organisiert. Diese Fische sind nämlich so organisiert, daß sie sehr stark zu den Erdenkräften sich hinneigen, während die übrigen Fische eigentlich furchtbar stark schnappen nach allem, was von Licht und Luft ins Wasser hineinkommt. Sie können, weil sie keine Lungen haben, nicht in der Luft atmen; sie sterben ab in der Luft, gehen zugrunde, aber mit ihren Kiemen schnappen sie nach allem, was von Luft und Licht ins Wasser hineinkommt. Aber es gibt einen Fisch - in seinen großen Arten heißt er Heilbutt, in seinen kleinen Arten Scholle -, dieser Fisch ist ein sehr guter Nährfisch, hat sehr viel Nährstoffe, die meisten Nährstoffe fast von allen Fischen. Das zeigt schon, daß er sich zu der Erde neigt, weil von der Erde die Nährstoffe kommen. Er hält es sozusagen mit der Erde, der Heilbutt. Was können wir denn erwarten von diesen Fischen?

Wir können von ihnen erwarten, daß sie das auch äußerlich in ihrem Leben zum Ausdruck bringen, daß sie es mit der Erde halten. Das bringen sie auch zum Ausdruck. Sie legen sich auf die eine Seite; die wird blaß, weiß. Und so stark legen sie sich auf die eine Seite, daß sich der Kopf umdreht und die Augen auf die andere Seite zu liegen kommen. So daß eine solche Scholle von unten so aussieht (siehe Zeichnung links).

Da ist sie ganz flach und weiß; und von der anderen Seite, von oben, sind die beiden Augen auf der einen Seite; der Kopf ist umgedreht, weil sie sich sozusagen immer auf die linke Seite hinlegt. Die linke Seite wird ganz die Nährseite, ist blaß und weiß. Die andere Seite nimmt die Farbe vom Himmel und so weiter an, wird bläulich, bräunlich, und die Augen wenden sich sogar von der Nährseite ab, der Kopf dreht sich um. Solch eine Scholle ist ganz einseitig, hat die Augen, alle Organe auf der einen Seite; die andere Seite ist flach und blaß. Die Heilbutte entwickeln wirklich in sich viele Nährstoffe, weil sie zur Erde hinneigen. Mancher wird ja über dreihundert Kilogramm schwer. Es sind also große Fische. Sie werden als Nahrungsmittel sehr viel gefischt. Nun, diese Heilbutte, die zeigen also ganz klar: ihr Körper, der hält es mit der Erde, der legt sich immer auf die eine Seite. Und er legt sich so stark auf diese eine Seite, daß, wenn der Mensch sich jede Nacht auf die linke Seite legen könnte, sich sein Kopf umdrehen und er immer auch nach der einen Seite gucken würde. Aber beim Menschen kommt es nicht soweit. Der Mensch ist eben emanzipiert von der Erde, der Mensch hält sich unabhängig von der Erde.
Aber etwas kann schon beim Menschen eintreten; es kann zum Beispiel schon sein, daß man an einen Menschen mit einer merkwürdigen Krankheit herankommt; er sieht nämlich mit dem rechten Auge oder überhaupt mit einem Auge etwas besser als mit dem andern. Wenn das nicht angeboren ist, so bekommt man meistens durch Fragen heraus, daß der Mensch sich auf die andere Seite legt beim Schlafen. Auf die Seite, auf die man sich sehr häufig legt, wirken die Erdenkräfte; das Auge wird etwas schwächer, schwachsichtiger. Es wird nicht so stark gewirkt wie beim Heilbutt, aber schon ein bißchen. Das Auge, das sich hinaus zum Himmel neigt, das abgewendet ist von der Erde, das wird etwas stärker. Sehen Sie, so merkwürdig sind die Zusammenhänge. Ich habe gesagt: Irgendwo zeigt uns schon die Natur, mit welchen Kräften sie arbeitet. Wenn man diese Scholle sieht - diese kleine Scholle können Sie überall auf den Fischmärkten sehen; die großen Schollen sind im Meer, im Salzwasser —, so sagt man sich: Da kann sich ja nur alles dasjenige bilden, was eben mit Nährstoffen angefüllt wird, das muß gelöst werden. Wollen diese Tiere etwas vom Himmel haben, dann müssen sie die andere Seite immer dem Himmel zuwenden, dann neigen sich die Augen hin, und die Tiere werden dadurch auch fortpflanzungsfähig. Die machen es also anders als der Lachs. Der Lachs wandert, der geht von der Nordsee in den Rhein, vom Rhein in die Nebenflüsse, um sich fortpflanzen zu können. Die Schollen legen sich auf die eine Seite, damit von der anderen Seite der Himmel wirkt, um Sinne zu haben und um fortpflanzungsfähig zu sein.
Und die Erde selber, was tut die? Ja, meine Herren, wenn es bloß salziges Meer gäbe, wäre die Erde längst zugrunde gegangen, denn in sich selber kann sie nicht bestehen. Sie hat nicht nur das salzige Meerwasser, sondern auch das süße Gewässer, und das süße Gewässer nimmt vom Himmelsraum die Fortpflanzungskräfte für die Erde auf. Das salzige Meer kann aus den Weltenweiten nicht dasjenige hereinbringen, was die Erde immer wieder erfrischt. Wenn Sie an eine Quelle gehen und da das wunderbar reine Wasser herausrieselt: Sie werden merken, in der Nähe der Quelle, da grunelts, da riecht es so wunderbar, und alles ist so frisch. Ja, das, was da frisch ist in der Nähe der Quelle, das erfrischt auch die ganze lebende Erde. Da öffnet sich die Erde wie durch ihre Augen und Sinnesorgane dem Weltenraume. Und an solchen Tieren wie dem Lachs und der Scholle merkt man noch: die gehen da hin, wo das ist; die haben eine Art Instinkt dafür, sich an das zu halten, was die Erde ist. Der Lachs sucht direkt das süße Gewässer auf. Die Scholle wendet sich, indem sie ihren Körper so einrichtet, dem Lichte zu. An Quellen kann sie nicht kommen. Aber die Quellen sind so wie die Schollen; sie sind an der Erde das, wo sich die Erde dem Lichte zuwendet. Die Scholle, der Fisch, muß sich direkt dem Lichte zuwenden mit ihrem eigenen Körper.
Diese Dinge sind ungeheuer lehrreich, weil man an ihnen sieht, was im Menschen auch noch ist, aber im Menschen nicht mehr so ordentlich beobachtet werden kann, weil er eben, wie ich Ihnen gesagt habe, sich emanzipiert hat von der Erde. Aber wenn man auf solche Dinge gar nicht aufmerksam ist, dann versteht man ja eigentlich das ganze Erdenleben gar nicht. Es ist wirklich so, daß man sagen kann: Schauen wir auf das Meer hin und erblicken wir da diese Schollen, wir können überall sehen, das Meer, das öffnet sich durch die Schollen überall dem Himmel! Diese Schollen sind ein Beweis, daß das Meer durstig ist nach dem Himmel, weil sein Salzgehalt es vom Himmel abwendet! Man kann sagen, die Schollen drücken aus den Durst des Meeres nach Licht und Luft. Und wenn wir unseren eigenen Kreislauf anschauen, dann haben wir an den Stellen, wo wir salziger werden, wo die Muskeln sitzen, auch feine Sinnesorgane, die Tastorgane. Da öffnet sich der Mensch — nicht wie mit den Augen, wo er sich direkt dem Licht öffnet — auch nach außen. Das sind gewissermaßen die Stellen, wo im Meere die Schollen sitzen. Diese Schollen, die öffnen sich dem Himmel. Und der gibt ihnen nämlich auch eine außerordentliche Klugheit. Geradeso wie wir, wenn wir unsere äußeren Tastorgane gut benützen können, geschickt werden, so werden die Schollen geschickt, weil sie sich dem Himmel öffnen. Was unten im Meere ist — beobachten Sie es nur einmal -, das ist plump, ungeschickt. Die Schollen, oh, die werden furchtbar geschickt; sie werden schlaue Tiere dadurch, daß sie sich vom Meere auf der einen Seite abwenden. Wenn sie sich auch den Erdenkräften zuwenden, so sagen sie: die Erdenkräfte bleiben für sich, häufen Nährstoffe an, bis zu dreihundert Kilogramm, wie gesagt; aber sie haben diese feinen Organe, durch die sie sich dem Himmel öffnen. Die Schollen fressen die anderen Fische, die kleineren nämlich. Aber sehen Sie, die Fische würden, wenn eine solche Scholle kommt, besonders da sie ja wie ein Gespenst für die andern Fische ist, nach beiden Seiten weggehen, denn die andern Fische betrachten es als notwendig, die Augen auf beiden Seiten zu haben und auf beiden Seiten gleich ausgebildet zu haben. Die Schollen sind für die andern Fische geradeso, wie wenn ein Mensch auf sie zukommt; die Fische würden rasch weggehen und die Schollen würden nichts zu essen bekommen, wenn sie nicht gescheiter wären als die andern. Aber die andern Fische, die die Augen auf beiden Seiten haben, die sind eben nicht so gescheit, weil sie sich nicht so stark dem Himmel zuwenden. Die Schollen suchen sich an denjenigen Stellen, wo das Meer so ein wenig Ufer hat, in den seichteren Meeresstellen die Orte auf, wo sie sich niederlassen. Mit ihrem flachen Körper bohrt sich die Scholle ins Erdreich ein, benutzt ihr Maul dazu, um sich ein bißchen mit Sand zu bedecken, wirbelt dann Sand auf, aber so fein, daß ein Fisch durchschwimmen kann. Da kommen die Fische und Krebse, bemerken die Scholle nicht, und flugs, wenn dann die Fische vorüberziehen, schnappt und schnappt die Scholle die Fische! Außerordentlich gescheit macht das die Scholle! Aber das kann natürlich nur ein Tier, das sich sozusagen in feiner Weise mit den Himmelskräften, den Kräften des Weltenalls in Verbindung setzt.
Auf der einen Seite hat also solch ein Tier seinen physischen Leib ausgebildet, auf der andern Seite bildet es besonders stark den unsichtbaren Ätherleib aus. An solchen Dingen kann man eben sehen, wie alles das, was in uns auch geistige Kräfte sind, nicht von den Erdenkräften herstammt. Die Erdenkräfte machen uns muskulös, geben uns die Salze, und die Himmelskräfte geben uns eigentlich diejenigen Kräfte, die dann sowohl Fortpflanzungskräfte wie auch spirituelle Kräfte, Gescheitheitskräfte sind.
Sehen Sie, beim Menschen ist es nun so, daß er im Grunde genommen eine kleine Erdkugel ist, Der Mensch besteht ja auch - ich habe es Ihnen immer wieder gesagt — zu neunzig Prozent aus Wasser. Eigentlich ist ja der Mensch auch ein Fisch, denn was der feste Mensch ist — der schwimmt da in dem Wasser drinnen -, das sind ja nur zehn Prozent. Im Grunde genommen sind wir ja alle Fische, die in dem eigenen Wasser schwimmen. Das gibt ja auch die äußere Wissenschaft zu, daß wir durchaus der Hauptsache nach ein kleines Meer sind. Und wie das Meer Flüsse aussendet, so sendet unser Meer, unser Flüssigkeitskörper, salzfreie Säfte aus. Wir haben auch unsere Süßwasserströmungen. Die liegen außerhalb der Muskeln und Knochen. Dagegen in den Muskeln und Knochen haben wir dieselben Salzablagerungen, die das Meer hat. Da ist eigentlich unsere Ernährung, in den Muskeln und Knochen. Wir sind also schon in dieser Beziehung eine kleine Erdkugel, wir haben unser salziges Meer in uns.
Wird der Mensch so, daß seine Flüssigkeit, seine Süßwasserströme zu stark werden — was bei Kindern leicht sein kann, wenn die Milch zu wenig salzreich ist -, dann wird er rachitisch, kriegt die sogenannte Englische Krankheit. Wenn er zuviel Salz kriegt, dann wird er zuviel Meer; dann werden seine Knochen brüchig und die Muskeln werden plump und ungeschickt. Beim Menschen muß immer ein Gleichgewicht sein zwischen dem Salzgenuß und demjenigen, was eben in anderen Nahrungsmitteln liegt.

Nun, was liegt in anderen Nahrungsmitteln? Meine Herren, sehen Sie sich eine Pflanze an. Sie wissen jetzt, die Pflanzen wachsen dadurch, daß von den Flüssen, die ins Meer gehen, innerlich diese salzigen Strömungen zurückgehen, sich dann ausbreiten und die Pflanzen wachsen machen. Also in der Erde, da haben die Pflanzen ihr Salz drinnen, die Wurzeln. Aber wenn die Pflanze nun aus der Erde herauswächst, da wächst sie immer mehr der Blüte zu. Die Blüte wird schön farbig, weil sie das Licht aufnimmt. Da draußen in der Blüte, da nimmt die Pflanze das Licht auf; in der Wurzel nimmt sie das Salz auf. Da draußen wird die Pflanze ein Lichtträger, da unten wird sie ein Salzträger. Da unten wird sie dem Meeresteil der Erde ähnlich, oben wird sie dem Himmel ähnlich. Die Wurzel ist salzreich, die Blüte lichtreich. In früheren Zeiten hat man das viel besser gewußt. Daher hat man dasjenige, was in der Blüte ist, Phosphor genannt. Heute, wo alles materialistisch ist, ist ja der Phosphor auch nur ein fester Körper. Phosphor: Phos heißt Licht, phor heißt der Träger; Phosphor heißt Lichtträger; Phosphor war eigentlich dasjenige, was in der Blüte das Licht trägt. Man hat nur das Mineral Phosphor auch Phosphor genannt, denn man braucht es ja nur anzuzünden, so sieht man, wie Licht herauskommt. Aber der eigentliche Lichtträger ist die Pflanzenblüte. Die Pflanzenblüte ist Phosphor. So daß wir sagen können: Für diejenigen Organe in unserem Menschenleibe, welche gewissermaßen die Süßwasserströmungen enthalten, brauchen wir Licht, brauchen wir dasjenige, was uns die Pflanzen geben, wenn sie dem Lichte zustreben. Für die Muskeln, für die Knochen, für dasjenige, was in uns salzig werden soll, brauchen wir eben Salz und die festen Zusätze in unseren Nahrungsmitteln. Und zwischen denen muß das richtige Gleichgewicht sein. Im richtigen Maße muß das eine oder andere in uns hineinkommen.
So ist es aber auch mit der Erde, meine Herren. Aber Sie werden noch nicht gesehen haben, wenn Sie noch so weit herumgekommen sind, und weder die Weltenbummler, noch die richtigen Weltreisenden haben irgendwo gesehen, daß die Erde sich etwas gekocht hat, ein Mittagsmahl gekocht hat! Aber dennoch, sie ernährt sich, die Stoffe werden fortwährend ausgetauscht, denn es geht immerfort dasjenige, was Erde ist, durch Dunst und Nebel hinauf. Und Sie wissen ja: Das Regenwasser, das herunterfällt, ist destilliert, das heißt, ist reines Wasser, hat nichts in sich. Aber die Erde ernährt sich in feiner Weise aus dem Weltenraum, Sie braucht nicht Mahlzeiten zu halten. Nur wir Menschen, weil wir uns eben emanzipiert haben von der Erde, müssen von der Erde erst unsere Nahrungsmittel beziehen. Die Erde selber nährt sich von den feinen Stoffen, die überall im Weltenall vorhanden sind. Sie ißt fortwährend, nur merkt man es nicht, weil sie fein ißt. Aber sehen Sie, wenn einer den Menschen recht grob beobachtet, merkt er ja schließlich auch nicht, daß er fortwährend Sauerstoff aufnimmt. So auch merkt man an der Erde nicht, daß sie fortwährend ihre Nahrungsmittel aus dem Weltenraum aufnimmt.
Nun, meine Herren, wir Menschen, wir halten unsere Mahlzeiten. Da essen wir durch unseren Magen in unseren Unterleib hinein die Nahrungsmittel. Das ist ganz deutlich, furchtbar deutlich. Aber bei der Atmung, da wird es schon wieder undeutlicher. Und in bezug auf dieses Deutliche entstehen ja die sozialen Fragen: Der eine hat es besser, der andere schlechter. Die Menschen wollen es alle gut haben; es entstehen die sozialen Fragen in bezug auf das Deutliche. Aber schon undeutlicher werden die sozialen Fragen in bezug auf die Luft, die wir alle einatmen. Da geht es nicht so gut, daß der eine sie dem andern wegnimmt; es geht auch etwas, aber nicht so gut. Mit unserem Unterleibe sind wir von der Erde ganz verschieden. Mit unserer Atmung werden wir schon ähnlicher der Erde, das geht schon mehr unvermerkt. Wir nehmen nämlich fortwährend - nicht nur, daß wir hören — Eisen auf durch das Gehör; fein, fein saugen wir Eisen ein. Wir saugen durch die Augen das Licht, aber auch fortwährend Stoffe ein. Das kann man an denen finden, die diese Stoffe nicht haben. Namentlich durch die Nase nehmen wir ungeheuer viel Stoffe auf, ohne daß wir es bemerken. Mit unserem Unterleib haben wir uns von der Erde emanzipiert, freigemacht. Da können wir nur diejenigen Nahrungsmittel, die die Erde fabriziert, auch nachher zusammenbackt, dichter macht, aufnehmen. Die Luft können wir schon aufnehmen, wie sie im Weltenraum ist. Und mit unserem Kopf, mit den Sinnen, halten wir es ganz mit der Erde. Da nehmen wir auch auf dieselbe Weise Nahrung aus dem Weltenall auf, wie die Erde selbst sie aufnimmt. Der Kopf ist nicht umsonst kugelig der Erde nachgebildet. Er macht es nämlich geradeso wie die Erde mit dem Weltenraum. Nur nach unten, da kommt die Schwerkraft. Da wird der menschliche Leib nach der Erde ausgebildet: physische Hände, da zieht die Schwerkraft nach unten. Auf den Kopf hat die Schwerkraft nicht viel Einfluß, der bleibt rund. Daher muß man auch da vom Sichtbaren zum Unsichtbaren übergehen. Man muß sich sagen: Die Schollen würden krepieren, trotzdem sie Fische und Krebse fressen - denn die Fische und Krebse, die nützen ihnen nur für den blassen, flachen Unterleib -, wenn sie nicht dadurch, daß sie sich einseitig machen, dasjenige, was aus dem Weltenraum kommt, doch in einer gewissen Weise aufnehmen würden. Das sind die schönen, die feinen Zusammenhänge, meine Herren, wodurch man hineinschaut, ich möchte sagen, in die Gesetze und Geheimnisse des Weltenalls.
Das ist dasjenige, worauf immer wieder die Geisteswissenschaft aufmerksam machen muß, daß man nicht durch grobe, sondern durch feine Beobachtung die wirklichen Gesetze erkennt.
Also am Mittwoch um neun Uhr werden wir dann fortsetzen. Wenn Sie Fragen haben, stellen Sie sie.