A Spiritual Scientific View of Nature and Man
GA 352 — 23 February 1924, Dornach
Aufbau und Abbau im menschlichen Organismus — Die Bedeutung der Absonderungen
Guten Morgen, meine Herren! Vielleicht ist dem einen oder andern wieder etwas eingefallen, das er fragen will? Oder noch etwas zu dem, was wir neulich besprochen haben?
Herr Müller fragt, ob Herr Doktor vielleicht etwas sagen möchte über eine Frage, die er neulich gestellt hat: Es gibt so Quacksalber, die sehen aus dem Urin die Krankheiten der Menschen.
Dr. Steiner: Ja, das haben Sie neulich gefragt. Ich habe die Frage nur übersehen, oder ich habe keine Zeit mehr dazu gehabt, sie zu beantworten.
Herr Müller sagt weiter als Fragesteller: Im Baselbiet gibt es einen Mann, der hat mit
seiner Praxis, Urinuntersuchung, und dem, was er als Heilmittel gegeben hat, gute Erfolge erzielt. Was ist davon zu halten?
Dr. Steiner: Nun, zu dieser Frage bezüglich der Urinuntersuchung habe ich folgendes zu sagen. Die Urinuntersuchung ist nicht etwa bloß beschränkt auf Quacksalber und dergleichen, sondern sie spielt heute ja auch eine große Rolle in der als wissenschaftlich anerkannten Medizin. Nur ist eben doch ein großer Unterschied zwischen der Art und Weise, wie die heutigen Mediziner und die Leute, von denen Sie eigentlich sprechen — und Sie sprachen im Grunde genommen von Nichtmedizinern —, die Dinge behandeln, und das beruht auf folgendem. Die Urinuntersuchung spielte überhaupt bei allen Krankheitsuntersuchungen von jeher, seit uralten Zeiten eine außerordentlich große Rolle. Nur müssen Sie dabei das Folgende bedenken. Wenn Sie zurückgehen auf die alte Medizin, wie sie bestanden hat noch bis ins 18. Jahrhundert — denn die Medizin ist eigentlich erst im 18. Jahrhundert in Italien in den Materialismus hinein reformiert worden —, so werden Sie finden, daß sowohl das Erkennen der Krankheiten wie auch das Heilen auf ganz anderen Prinzipien beruhte. Heute wird diese alte Medizin von der Wissenschaft ganz verachtet. Das ist bis zu einem gewissen Grade auch durchaus berechtigt, aber es ist eben nicht ganz berechtigt. Und man muß sich schon den Unterschied klarmachen zwischen der alten Medizin und der neueren Medizin, um das zu verstehen, was sie eigentlich heute meint. Die alte Medizin wußte nämlich ganz genau, daß der Mensch nicht bloß dieser physische Körper ist, den man mit den Augen sieht, mit den Händen greift, sondern auch ein übersinnliches Wesen ist, das den Körper durchdringt, wie wir es jetzt ja auch schon immer betont haben.
Sie werden die Unterschiede zwischen dieser alten Medizin und der neueren Medizin schon finden, wenn Sie ganz weit im menschlichen Leben zurückgehen, nämlich wenn Sie zurückgehen bis zu der Zeit vor der Geburt. Ich meine jetzt nicht das Geistige vor der Geburt, sondern das Physische, den Leib des Menschen im Murterleibe. Heute sieht die Medizin und die Naturwissenschaft überhaupt das Wesentliche beim Menschen, wie er im Mutterleib entsteht, das Wesentliche sieht sie in dem, wie sich das Ei allmählich aufbaut. Zuerst hat man es nur mit dem Eikeim zu tun, der befruchter worden ist. Das ist also eine kleine, nur mit dem Mikroskop bemerkbare Zelle. Diese Zelle vermehrt sich dann und bekommt eine Art von Becherform. Und diese Becherform stülpt sich etwa in der dritten Woche an der einen Seite etwas auf. Dann wird der Mensch in der sechsten, siebenten Woche ähnlich einem kleinen Fischchen. Auf der einen Seite bildet sich dann der Kopf aus (siehe Zeichnung), hier bilden sich dann die ersten Nervenstränge; und so geht es weiter. Und auf diese Art, Gestaltung nach Gestaltung beobachtend, sucht heute eben die Naturwissenschaft der Enstehung des Menschen und auch des Tieres näherzukommen.
Aber außer dem, was auf diese Weise vorhanden ist, ist ja um den Menschen herum im Mutterleibe fortwährend vorhanden eine dickliche Flüssigkeit. Diese dickliche Flüssigkeit ist so vorhanden (es wird gezeichnet), dann erst ist ringsherum die Gebärmutter. Diese dickliche Flüssigkeit, mit allerlei dicklichen Einschlüssen, fließt dann bei der Geburt als die sogenannte Nachgeburt ab. Die betrachtet man als einen Abfall, als etwas, was keine Bedeutung hat, weil man überhaupt alles, was am lebenden Wesen heute vorkommt, das heißt so vorkommt, daß es herauskommt, als einen Abfall betrachtet.
Aber das ist nicht der Fall, sondern die Sache ist so: Hier, in dem, wie die Zelle sich vermehrt und der physische Menschenleib sich bildet, da wirkt drinnen die äußere Naturkraft, währenddem in der umgebenden Flüssigkeit, die dann abgestoßen wird als Nachgeburt, das Geistig-Seelische wirkt. Dieses Geistig-Seelische ist zunächst in der Umgebung des kleinen Menschenleibes; nachher zieht es erst in den Menschenleib hinein. Und man muß den Geist eigentlich in dem suchen, was dann später als Nachgeburt abgestoßen wird. Das ist natürlich sehr überraschend, aber es ist außerordentlich wichtig.
Es wird heute so sehr verneint, das Geistige zu untersuchen, daß ein Freund von mir sich unter meinen Angaben die Aufgabe gestellt hat, diese Nachgeburt zu untersuchen, wie sie allmählich den Geist abgibt an den eigentlichen Embryo, das eigentlich Physische. Man könnte das ganz gut wissenschaftlich untersuchen; aber das scheitert nur an dem, daß da, wo man Menschenkeime bekommt - es ist ja nicht in sehr vielen Fällen der Fall -, dadurch, daß die Mutter stirbt oder operiert werden muß, die heutigen Naturforscher sogleich alles, was ringsherum ist, wegnehmen, und man kriegt keinen Menschenkeim zu untersuchen, um das herauszubekommen. Also selbst die Art und Weise, wie die Dinge behandelt werden, ist heute störend für die wirkliche Wissenschaft. Das Materialistischwerden, möchte ich sagen, fängt schon an bei der Untersuchung der Entstehung des Menschen.
Nun wissen Sie aber, daß der Mensch auch, während er lebt, absondert. Dasjenige, was abgesondert wird, ist ja etwas, was nicht besonders beliebt ist in der äußeren Welt aus dem Grunde, weil es nicht gut riecht. Fast alle Absonderungen riechen nicht gut. Man betrachtet heute — aber das natürlich mit einem vollständigen Recht - alle Absonderungen als etwas, was halt eben abgesondert, weggewaschen werden muß und so weiter.
Die Absonderungen am Menschen sind also zunächst dasjenige, was Sie angeführt haben: der Urin, die Schweißabsonderungen, nicht wahr, auch die derben Absonderungen, die Fäkalien und einiges andere noch. Schließlich ist ja auch das, was Sie von den Nägeln herunterschneiden, eine Absonderung des Menschen. Es ist eben eine feste Absonderung. Aber manche Dinge, die auch Absonderungen sind, erkennt man wiederum nicht als Absonderungen an, aber sie sind in Wirklichkeit doch Absonderungen.
Sehen Sie, als das edelste Organ im Menschen sieht man oftmals das Auge an. Nun, Sie brauchen sich nur zu überlegen, wie leicht ein Auge herausgenommen werden kann. Es liegt fast ganz abgesondert in der Augenhöhle drinnen. Und dasjenige, was als Flüssigkeit im Auge ist ich habe es Ihnen erklärt -, das ist auch eine Absonderung. Und daß in dem, was die verschiedenen Organe im Gehör, im Ohr sind, auch Absonderungen sind, daß da die Absonderung mitspielt, können Sie schon aus der Bildung des Ohrenschmalzes entnehmen, das eben die äußerste Absonderung ist. Also wir haben es beim Menschen überhaupt überall mit Absonderungen zu tun; auf der einen Seite wird der Mensch aufgebaut, auf der anderen Seite löst er sich aber auf, sondert er ab.
Nun, was folgt daraus? Ich habe Ihnen neulich einmal etwas gesagt, was Ihnen lehrreich sein könnte in dieser Beziehung. Ich habe Ihnen gesagt: Die Menschen sehen die Nerven, das ganze Gehirn als etwas an, was gerade solch ein Organ ist wie die anderen Organe, wie die Leber oder Milz. Das ist aber nicht wahr, meine Herren. Das Gehirn ist eine Absonderung. Das ganze Gehirn, habe ich Ihnen gesagt, ist eine Absonderung! Und wenn man das Gehirn mit etwas vergleichen will, so muß man es nicht vergleichen mit dem Darm, sondern mit dem, was im Darm drinnen ist. Also wenn Sie ein Stück Darm haben, so ist da die Darmwand, und da ist der Darminhalt (siehe Zeichnung S. 159, unten). Die Sache ist so, daß die Darmwand so gewellt ist. Beim Gehirn, beim Nerv, da fehlt die Wand; sie ist auch da, aber sie ist durchsichtig, sie ist nicht sichtbar, und nur der Inhalt ist da (siehe Zeichnung, oben). Sie können ganz richtig sagen: Womit ist denn eigentlich unser Gehirn angefüllt? Mit einem ganz besonders gearteten Darminhalt ist es angefüllt! Und wenn Sie den Darminhalt Dreck nennen, so können Sie sagen, ist das Gehirn Dreck. Das ist durchaus absolut wissenschaftlich richtig. Denn die Denktätigkeit besteht nicht in einer Tätigkeit des Gehirns, sondern die Denktätigkeit besteht darinnen, daß das Gehirn vom Denken ausgesondert wird, abgesondert wird. Je mehr Sie von unten nach oben im Menschen gehen, desto mehr ist der Mensch Absonderung.
Nun habe ich Ihnen vom sinnlichen und vom übersinnlichen Menschen gesprochen, von dem Menschen, den man sieht, und von dem Menschen, der auch in uns ist, den man nicht sieht. Dasjenige, was man am Menschen sieht, ist das, was fortwährend aufgebaut wird, was von dem kommt, was sich zum physischen Menschenleib ausbildet. Dahier kriegt er die Armstumpfe (siche Zeichnung S. 156), da die Beinstumpfe. Aber was das Übersinnliche ist, der astralische Leib und das Ich, die sind zum Absondern da, die sondern fortwährend ab. Nur der physische Leib und der Ätherleib bauen auf. Der astralische Leib und das Ich bauen wieder ab.
Wenn man ein Haus aufbaut, bemüht man sich darum, es möglichst schnell aufzubauen und möglichst lange darinnen zu wohnen. Nach und nach baut die Natur auch ab, sonst müßten Sie die Häuser heute noch sehen, die im alten Indien gestanden haben. Aber von unseren Häusern, die vor dreihundert Jahren hier gestanden haben, werden Sie wenige noch finden. Beim Menschen ist es so, daß das Aufbauen und das Abbauen gleichzeitig vor sich geht. Erst wird aufgebaut: Wir essen, nehmen die Dinge auf; die kommen bis zur Leber, da werden sie umgewandelt. Dann beginnt schon das Abbauen wieder, das Aussondern. Und in diesem Auf- und Abbau besteht eigentlich die ganze Tätigkeit des menschlichen Wesens. Wenn wir bloß aufbauen würden, dann wären wir stumpf und dumm. Lauter blöde Kerle wären wir. Nicht einmal blöde Kerle wären wir, sondern wir wären ganz geistlos herumgehende Pflanzen, wenn wir bloß aufbauen würden. Daß wir abbauen, daß wir zum Beispiel im Gehirn fortwährend aussondern, daß wir also Absonderungsorgane haben, Drüsen, darauf beruht überhaupt das, daß wir nicht blöde Kerle sind, sondern daß wir gescheite Menschen sind, mit Unterschieden natürlich. Aber das Geistige beruht auf dem Abbauen, nicht auf dem Aufbauen. Und daher sind die Absonderungen von ganz besonderer Wichtigkeit.
Sehen Sie, die Sache ist so: Ganz dieselbe Tätigkeit, die vor sich geht, wenn da die Nachgeburt ausgesondert wird, geht vor sich bei jeglichem Abbau. Wenn immer mehr zerstört wird, um den Aufbau des menschlichen Wesens herum, dann wirkt der Geist. Und wenn der Geist dann im menschlichen Körper selber wirken kann, wenn der Mensch geboren wird, dann braucht man die Nachgeburt nicht mehr; dann wird sie eben abgestoßen. Aber es wird das ganze Leben hindurch abgestoßen. Es wird abgestoßen in den mehr oder weniger fest-weichlichen Darmabsonderungen, es wird abgestoßen im Urin, es wird abgestoßen im Schweiß zum Beispiel. Welche Bedeutung der Schweiß als Absonderung hat, das können Sie beobachten, wenn Sie einmal einen richtigen Angsttraum haben. Beobachten Sie es nur einmal, wenn Sie einen richtigen Angsttraum haben. Wenn Sie zum Beispiel träumen, daß jemand Ihnen nachläuft, der Sie umbringen oder wenigstens tüchtig durchprügeln will. Sie laufen ihm davon, Sie laufen im Traum, laufen, laufen, laufen; flugs wachen Sie auf, aber nicht anders, als daß Sie völlig in Schweiß gebadet sind. Da geht diese Tätigkeit, die so gesteigert ist, daß Sie solche Bilder haben, die Ihnen Angst machen, in Schweißausbrüchen vor sich. Und diese Schweißausbrüche sind die körperliche Begleiterscheinung von dem, was der Angsttraum ist. Oder denken Sie an einen schwer Lungenkranken, der nicht im letzten Stadium ist, aber dessen Lunge nicht in Ordnung ist. Die Lunge kann nicht gut atmen, dadurch preßt sich diese Lunge zusammen: Er leidet sehr unter Angstträumen. Aber er ist auch immer, wenn er schläft, in Schweiß gebadet. So haben Sie den Zusammenhang zwischen den Schweißabsonderungen und diesen geistigen Tätigkeiten, Bildern, die im Traum kommen. Ja dann, meine Herren, ist der Ätherleib tätig, weil der Angsttraum eigentlich erst im Moment des Aufwachens entsteht. Man glaubt nämlich nur, das Träumen habe fast die ganze Nacht gedauert. Der ganze Traum spielt sich ab im Moment des Aufwachens.
Das kann man beweisen, wie sich Träume im Moment des Aufwachens abspielen. Ich habe Ihnen früher einmal, wo viele von Ihnen noch nicht da waren, einen charakteristischen Traum erzählt, aus dem Sie sehen, wie man im Aufwachen erst den ganzen Traum durch den Kopf schießen hat. Da steht ein Student an der Türe des Hörsaals. Ein anderer kommt auf ihn zu, rempelt ihn an. Nun, das ist eine furchtbare Beleidigung unter Studenten, wenn man angerempelt wird! Das kann nur mit einem Duell ausgehen; anders geht das nicht. Nun also, sofort, wie der ihn anrempelt, sucht sich der eine einen Sekundanten; der andere muß sich auch einen Sekundanten suchen — das ist eine lange Geschichte, die der Student träumt —, das ganze wird verabredet, die Sekundantenverhandlungen, alles; scheinbar dauert das furchtbar lange. Er träumt, wie sie in den Wald hinausgehen, wie sie sich da aufstellen, Distanz bestimmt wird, abgeschritten wird, wie groß die Entfernung ist. Die Pistolen werden geladen - alles das träumt er -; wie dann angesetzt wird, der erste Schuß fällt, da wacht er auf! Flugs merkt er, daß er, weil er unruhig geworden ist im Schlaf, den Stuhl umgeworfen hat; aber der fällt noch während er aufwacht. Also das Stuhlumfallen hat den ganzen Traum gemacht; in dem Moment schoß der ganze Traum durch den Kopf. Der Traum dehnt sich nur innerlich aus zu der Länge. In Wirklichkeit träumt man eigentlich im Moment des Aufwachens. Und deshalb ist es auch so, daß solche Kranke im Aufwachen nun die Angstträume haben; sie schlafen, wachen auf, und dabei kommen sie in diese Schweißabsonderung. Das ist der Ätherleib, der da tätig ist. Wenn wir von selber früh aufwachen, so gehen wir mit unserem Ich und astralischen Leib, die aus dem physischen Leib heraußen sind in der Nacht, wieder hinein, und dadurch brechen wir in Schweiß aus. Also beim Schwitzen ist es der Ätherleib, der hauptsächlich zuwege bringt, daß wir geistige Wesen sind, denn die Steine und die Pflanzen träumen ja nicht, sind deshalb auch keine geistigen Wesen.
Dann aber die Urinabsonderung. Sehen Sie, das merkt man aus dem Grunde nicht so stark wie beim Schweiß, weil der Schweiß nichts anderes tun kann als herausgehen, und er bedeckt dann die Haut. Würde aber die Haut kleine Säcke haben, wo der Schweiß im Innern sich absondert, und würde darüber noch eine feine Haut das zudecken, so würde man das gar nicht bemerken. Es könnte so sein, daß man im Innern der Haut kleine Säcke hätte. Da ginge der Schweiß hinein, und zu gewissen Zeiten —- man könnte feine Muskeln haben — preßt man die Haut, da könnte der Schweiß abrinnen. Gleichsam wie der Schweiß durch den Ätherleib, so wird der Urin durch den astralischen Leib abgesondert. Aber man merkt nicht, daß wenn man zum Beispiel lebhaftere Gefühle hat, mehr Urin abgesondert wird, als wenn man schwache Gefühle hat, weil sich der Urin nicht gleich nach außen ergießt. Sehen Sie, die Sache ist so: Wenn einer in Begeisterung ist und er in dieser Begeisterung bleibt - gleichgültig ob sie sich äußerlich in Taten auswirkt, oder ob man etwas betrachtet —, und der Mensch hätte nicht die Urinblase, so müßte der Mensch gerade in der Begeisterung fortwährend Urin lassen. Es wäre eine sehr schlimme Einrichtung. Der Mensch könnte in kein Museum gehen, denn wenn er dort die Bilder sieht, in Begeisterung kommt, so müßten lauter Toiletten in der Nähe sein! Da ist es eben so, daß in der menschlichen Natur für diese Absonderung, die bewirkt wird, gesorgt ist. Sie sammelt sich in der Urinblase an und kann zu gewissen Zeiten abgelassen werden. Aber der Urin ist vorzugsweise vom astralischen Leib abgesondert, und der füllt den Menschen überall aus, der Urin kommt von überall her, sammelt sich in den Nieren und geht dann in die Urinblase.
Und die Absonderung des Darmes, die steht ganz besonders unter dem Ich — beim Tiere auch unter dem Astralleib, aber beim Menschen unter dem Ich. Und nicht bloß der Darm ist am Absondern betätigt, sondern der ganze Mensch ist betätigt. Im ganzen Menschen wird fortwährend abgesondert. Der Darm ist nur der Ableitungsapparat. So daß man sagen kann, gerade an der Absonderung sieht man, daß beim Schweiß der Ätherleib tätig ist, beim Urin der Astralleib tätig ist, und beim Fäkalienabsondern das Ich tätig ist.
Wenn Sie das bedenken, so werden Sie nicht darauf kommen, die Absonderungen als etwas so Unwichtiges anzusehen. Denn nehmen wir an, der Mensch hat einen normalen Urin. Ja, dann ist der Astralleib im Menschen auch auf normale Weise tätig. Aber von dem, wie der Astralleib tätig ist, hängt es ab, ob der Mensch gesund oder krank ist. Alles in Gesundheit und Krankheit hängt im Grunde genommen davon ab, wie der Astralleib tätig ist.
Wenn wir zum Beispiel Eier essen und die Eier verdaut werden sollen, da muß das Ei zunächst in den Mund, dann in den Magen gehen; dann geht es in die Gedärme, und da wird es, wie ich einmal gesagt habe, als Ei ganz zerstört. Das Eiweiß wird zerstört. Aber dann bei dem Weg, den das zerstörte Eiweiß macht in die Leber hinein, wird es wieder neu aufgebaut, und es entsteht aus dem tierischen und pflanzlichen Eiweiß auf dem Wege vom Darm in die Leber Menscheneiweiß. Das Menscheneiweiß geht dann erst ins Blut hinein.
Wenn Sie den menschlichen Organismus ansehen, so ist hier das Zwerchfell (siehe Zeichnung), hier sitzt die Leber, und hier sitzt das Herz; sie sind nur durch das Zwerchfell getrennt. Was vom Darm in die Leber kommt, wird umgewandelt aus tierischem und pflanzlichem Eiweiß - ich will das hier gelb machen - in menschliches Eiweiß (dunkler gelb). Das wird in der Leber zusammengehalten, und dann geht das ins Herz hinüber.
Die Sache ist nun so: Wenn wir Eiweiß essen, dann muß unser astralischer Leib arbeiten, damit das tierische und pflanzliche Eiweiß richtig in menschliches Eiweiß verwandelt wird. Ist der astralische Leib faul, kann er nicht ordentlich arbeiten, so wird in der Leber das tierische Eiweiß nicht in menschliches Eiweiß umgewandelt, sondern das tierische Eiweiß geht direkt in die Niere und wird mit dem Urin abgesondert. Untersucht man nun den Urin — das macht die moderne wissenschaftliche Medizin auch -, so findet man im Urin Eiweiß.
Oder denken Sie, meine Herren, Sie essen Kartoffeln. Die Kartoffel wird zumeist im Munde schon umgewandelt, denn die Stärke ist überhaupt ein wichtiges Nahrungsmittel, ist nicht bloß da zum Hemdenstärken. Die Kartoffel besteht ja fast ausschließlich aus Stärke. Auf dem Wege vom Mund in den Magen und in die Gedärme hinein wird nun die Kartoffel allmählich in Zucker umgewandelt. Aus der Kartoffelstärke wird zuerst Dextrin und nachher Zucker. Die Kartoffeln sind nur im Mund schlecht; im Gedärm sind sie ungemein süß, weil sie da in Zucker umgewandelt werden. Aber wenn nun in den Gedärmen die Kartoffelstärke in Zucker umgewandelt worden ist, und wenn die Leber nun Kartoffelzucker oder irgendeinen anderen Zucker in Menschenzucker umgewandelt hat, dann übergibt sie dem Gesamtkörper, der dadurch wärmer wird, der dadurch seine innere Wärme hat, diesen inneren Zucker. Damit das aber geschehen kann, dazu muß der astralische Leib wieder ordentlich arbeiten. Arbeitet er nicht ordentlich, dann wird das nicht bewirkt, daß das ordentlich in Menschenzucker verwandelt wird, sondern der tierische und namentlich der pflanzliche Zucker geht direkt in die Niere. Der Zucker wird abgesondert, und der Mensch wird Diabetiker, zuckerkrank. Sie können wiederum aus dem Zuckergehalt des Urins finden, daß der Mensch krank ist.
Das alles ist etwas, was die heutige Medizin auch macht und was sie als etwas außerordentlich Wichtiges ansieht. Das ist das erste sogar, was man heute tut: Man untersucht den Urin auf Eiweiß und Zucker. Dann hat man gleich einen Anhaltspunkt dafür, ob der Mensch diese oder jene Krankheit haben kann.
Oder nehmen Sie folgendes: Sehen Sie, wenn wir den Kopf gesund haben wollen, was ja schließlich für den physischen Menschen hier auf der Erde auch nicht etwas ganz Unwichtiges ist — die Menschen wollen schon einmal den Kopf gesund haben, weil sie glauben, daß der Kopf das wichtigste Organ ist beim Menschen; also wollen sie den Kopf gesund haben -, wenn wir den Kopf gesund haben wollen, dann müssen wir eine Substanz, die fortwährend sich in uns erzeugt, nämlich die Kleesäure, durch die Brust in den Kopf heraufbringen. Ein gesunder Kopf muß eine bestimmte Menge Kleesäure haben. Wir erzeugen die Kleesäure selber in uns, wie wir auch den Alkohol erzeugen, den wir brauchen. Aber dazu muß wieder der Kopf in richtiger Weise arbeiten, damit die Kleesäure, Oxalsäure erzeugt wird. Arbeitet er nicht richtig und bleibt sie unten, bekommen wir einen Kopf, der blutarm ist, und die Kleesäure wird in den Urin geleitet, geht ab.
Daraus sehen Sie, meine Herren, daß man auch heute durch die gewöhnlichste chemische Untersuchung des Urins auf die wichtigsten Krankheiten kommt. Aber diese Chemie, die man heute hat, die hat es ja früher nicht gegeben. Und eine Medizin hat es doch auch gegeben!
Nun ist die Sache so: Nehmen Sie einmal an, ein Mensch habe Fieber; ich will einen drastischen Fall nehmen. Was heißt das, ein Mensch hat Fieber? Das heißt nicht, sein Astralleib ist schwach und flau geworden, träge, sondern er ist gerade in einer übermässigen Tätigkeit, so daß er bis ins Ich herauf wirkt. Dann wird das Ich wie gepeitscht, wenn der Astralleib in übermäßiger Tätigkeit ist. Aber das Ich bewirkt die Blutzirkulation. Und ein übermäßig tätiger Astralleib, der überall in die Organe hereinwill und nicht kann und daher in sich brodelt wie das sturmgepeitschte Meer, der erzeugt in sich Fieber. Jetzt hat der Mensch Fieber von seinem gepeitschten Astralleib. Was wird die weitere Folge sein? Das Blut wird zu schnell durch den Körper gejagt. Es wandelt sich das Blur nicht ordentlich um. Das Blut hat nicht Zeit, die Organe zu bilden, geht wiederum als Blut vom Herzen in die Niere und von da in den Urin, und wir bekommen einen Urin, der sehr dunkel gefärbt ist. Wer nun die dunkle Farbe des Urins zu beurteilen weiß, der weiß, daß unter allen Umständen, ob er ein bißchen dunkler oder stark dunkel ist, das Fieber im menschlichen Organismus flutet.
Nehmen Sie an, der astralische Leib wird ganz träge, er wird nicht mehr ordentlich arbeiten. Da geht das Blut ganz langsam durch den Körper, der Puls wird kaum bemerkbar. Man kann es dann am Puls abtasten, wie das Blut überall langsam durchgeht. Im Körper schoppt sich alles zusammen. Der Körper bekommt Schmerzen an allen möglichen Stellen; der Urin wird hellgelb oder sogar weiß. Nun, zwischen dem, daß der Urin dunkel ist und weiß ist, gibt es alle möglichen Nuancen, Farbennuancen. Wenn sich einer auf diese Farbennuancen einschult und nimmt den Urin und schaut ihn durchs Licht an, kann er schon aus den Farben des Urins das allerverschiedenste ablesen.
Das Blut will ja fortwährend dasjenige, was von den Organen weggeht, wieder ersetzen. Dadurch hat das Blut fortwährend die Tendenz, fest zu werden. Wenn das Blut nun zu schnell durch die Organe schießt, kann es an die Organe nichts abgeben. Aber es will fest werden. Wenn es dann als Urin aus den Nieren herauskommt, wird der Urin bei einem solchen Blut flockig. Schaut man jetzt wieder durch, hat man einen flockigen Urin. Geht der Astralleib träge und der Puls wird schwach, dann hat man keinen flockigen Urin, sondern einen fast wasserhellen, reinen Urin.
Also nicht nur aus der Farbe, sondern auch aus dieser Wolkigkeit oder Reinheit des Urins kann man viel schließen. Wenn der Urin, wenn man durchschaut, ausschaut wie ein gewittriger Sommertag, wo dunkle Wolken stehen, und wo alles mögliche da drinnen sich zeigt, wo alles brodelt im Urin, also wenn es so ist wie ein sturmbewegter Sommertag, dann hat der Mensch irgend etwas, was starkes Fieber bringt. Und kann man da beurteilen, was los ist, so kann man daraus auf die Krankheit schließen. Schaut der Urin, wenn man durchsieht, entzückend klar aus wie ein heller Sommertag, an dem die Sonne alles beleuchtet, so kann man daraus schließen, daß der Mensch nach der anderen Seite krank ist, daß er sehr leicht neigt zu allerlei zugrundegehenden Organen; das eine Organ wird untätig, das andere Organ wird untätig und so weiter.
Also Sie sehen, die Sache ist diese, daß wer sich eingeschult hat auf dasjenige, was da im Urin abgesondert wird, aus dem Urin sehr viel sagen kann. Aber das ist eben gerade der Unterschied zwischen der heutigen neueren Medizin und der alten: Die alte Medizin hat den Urin angeschaut, so wie man einen Sommertag als einen hellen oder als einen sturmgepeitschten Sommertag anschaut, hat also mehr im groben beurteilt, aber hat dadurch, daß sie sich eingeschult hatte, mehr aus dem Bestande geurteilt. Die heutige, mehr materialistische Medizin untersucht den Urin chemisch, findet Eiweiß, Kleesäure, Zucker und so weiter drinnen. Also der Unterschied ist der, daß der eine das nach der Anschauung gemacht hat, mehr nach der Art, wie es sich ihm gibt, und der andere macht es mehr nach der Chemie.
Nun ist es natürlich so: In der früheren Zeit, wo man auf diese Anschauung noch große Rücksicht genommen hat, da haben die Menschen das ordentlich gelernt, waren noch keine Scharlatane. Heute sind diejenigen, die das machen, zumeist Scharlatane; wobei ich nicht sagen will, daß alle Scharlatane sind. Es kann sich einer so gut einschulen, daß er tatsächlich viel absehen kann, alle möglichen Krankheiten; das ist persönliche Schulung, da muß einer aber viel Erfahrung gehabt haben, und diese Erfahrung muß er angewandt haben.
Nun ist der Unterschied: Die Menschen geben ja heute nicht viel auf den Geist. Der Geist ist ja nahe daran, abgeschafft zu werden. Dasjenige, was die Chemie bietet, das kann jeder lernen, Einen Stoff chemisch zu untersuchen, das lernt man einfach in den drei, vier, fünf, sechs Jahren, in denen man an der Universität ist. Das kann im Grunde genommen jeder Dummkopf leisten, den Stoff chemisch zu untersuchen. Und darnach strebt man ja auch. Der Geist soll abgeschafft werden. Jeder soll das gleiche können. Das war früher nicht der Fall. Früher hat man den Geist sehr geachtet. Aber man muß eben Geist haben, um den Urin ansehen zu können. Das ist der Unterschied: Früher hat man die Menschen geistig gemacht, indem man sie belehrt hat; heute macht man sie zu Handlangern. Die Geschichte ist diese: Man braucht, wenn man arbeiten will, die Hand, und die Hand sollte vom Geiste geführt werden. Es ist heute viel die Rede von Handarbeit und Kopfarbeit, aber die Dinge sollten gar nicht unterschieden werden. Derjenige, der Handarbeit verrichtet, der sollte Gelegenheit bekommen, wiederum sich so geistig auszubilden, daß er ebenso an den Geist herankommt wie der sogenannte Kopfarbeiter. Diese Unterschiede können nur dadurch unter den Menschen gemacht werden, daß wirkliche geistige Arbeit wiederum geschätzt wird. Aber man will heute den Geist abschaffen.
Nun, meine Herren, daraus sehen Sie, daß die frühere Medizin eben mehr darauf gegeben hat, daß die Dinge unmittelbar angeschaut werden. Aber das hat noch eine andere Folge gehabt. Ich weiß nicht, ob Sie wissen, daß die heutige sogenannte wissenschaftliche Medizin ziemlich hohe Nasen macht, na, man kann sie gar nicht so hoch machen, die Nase, wie der heutige Mediziner sie macht, mit der er auf die alte «Dreckapotheke» heruntersieht, weil man früher aus allerlei Absonderungen die Heilmittel herstellte. Und man hat sich gesagt: Der Mensch sondert die Absonderungen ab. Bringt man sie in der richtigen Weise in den Körper zurück, dann wollen sie gleich wiederum heraus. Was tun sie aber da? Dadurch bringen sie zum Beispiel einen trägen Astralleib in eine regelmäßige Tätigkeit oder einen trägen Ätherleib in eine regelmäßige Tätigkeit.
Jetzt können Sie sagen: Findet man also bei einem Menschen, daß der astralische Leib träge geworden ist, so könnte man ihm ja Schweiß geben als Heilmittel -, das könnten Sie sagen. Und Sie könnten sagen: Nun ja, das ist halt die alte Dreckapotheke, die hat ja wirklich so etwas Verwandtes! — Ja, der Unterschied ist da kein sehr großer. Wenn Sie nämlich die heutigen Produkte, die man zu Heilmitteln verwendet, aufsuchen würden, so würden Sie finden, daß das dieselben Produkte sind, die im Schweiß drinnen sind, nur setzt man sie von außen, vom Mineralischen zusammen. Die Alten haben direkt den Schweiß verwendet. Und er war in vieler Beziehung wirksamer als dasjenige, was man erst zusammensetzt, weil — wie ich Ihnen in vielen Fällen gezeigt habe — die Natur viel gescheiter ist als der Mensch. Der Mensch kann sich in seinen Heilmitteln das zusammensetzen, was die Natur zusammensetzt. Da war es bei den Alten sehr merkwürdig, die haben also etwas geschätzt, was heute gar nicht mehr geschätzt wird. Die Alten haben gesagt: Wenn ein Mensch richtig in Schweiß kommt, dann hat er eigentlich um sich herum nun eine ganze Schweißdecke (siehe Zeichnung). — Nun, das ist das erste. Aber der Mensch sondert überall an seiner Oberfläche Schweiß ab. Wenn man diesen Schweiß, den der Mensch da absondert, festhalten könnte und könnte den Menschen wegnehmen — denken Sie sich, das wäre so: hier schwitzt einer furchtbar; da ist sein Körper an der ganzen Oberfläche mit Schweiß bedeckt —, denken Sie, wenn ich diesen Menschen herausnehmen könnte, und der Schweiß bliebe hier bestehen: Das wäre ja der ganze Abdruck vom Menschen, da würde im Schweiß der ganze Mensch dastehen! Sehr interessant, nicht wahr? Es ist also so, daß der Schweiß immerfort die Absicht hat, die menschliche Gestalt nachzuahmen.
Die Alten haben dabei noch etwas anderes gemacht. Die haben jetzt nicht nur den Schweiß so angesehen, sondern sie haben schon den Urin so angesehen. Nun haben sie zum Beispiel hier ein Gläschen Urin gehabt (siehe Zeichnung S. 170). Die Alten haben nun noch eine bessere Anschauung gehabt im Geiste; und siehe da: Aus diesem Urin ist ihnen herausgekommen so etwas wie ein Gespenst vom Menschen! Was der Schweiß von selber bildet, indem er an der Oberfläche sein kann, das ist wie aus dem Urin herausgestiegen. Tatsächlich sah man das in alten Zeiten, wenn man ein Fläschchen Urin hatte. Ja, da stieg - ich weiß nicht, ob Sie diese Sage kennen, daß die Göttin, die Venus, aus dem Meerschaum emporgestiegen ist? —, so stieg ein menschliches Astralgespenst aus dem Urin auf. Und bei einem Menschen, der nach einer gewissen Krankheit hinneigte, sagen wir bei einem Menschen, der nach Auszehrung hinneigte, war dieses Astralgespenst dünn und dürr. Bei einem Menschen, der, sagen wir nach krankhafter Dicke hinneigte, da war dieses Gespenst nach allen Seiten schwellend. Nennen Sie das meinetwillen eine Einbildung; es kann ja eine Einbildung sein, wenn Sie wollen, daß einer, wenn er einen hellen Urin sieht, ein anderes Gespenst herauskommen sieht, als wenn er dunklen Urin sieht. Aber er sieht es halt. Und er hat danach als alter Arzt die Krankheiten beurteilt.
Und genauso ging es in der Zeit, als man noch untersucht hat nicht nur den Urin, sondern die Fäkalien, die Darmabsonderungsprodukte. Die waren in alten Zeiten ganz besonders wichtig für die Bestimmung der Krankheiten. Denken Sie sich einmal, jemand hatte die Darmabsonderungen genommen. Da drinnen kann man finden, bei dem einen ist viel Schwefel drinnen, Eisen drinnen. Je nachdem dieses drinnen ist, können Sie einen schwefligeren Darminhalt haben. Die Hunde haben zum Beispiel viel Schwefel in ihrem Darminhalt, der dann nach außen geht. Je mehr Schwefel drinnen ist, desto weißlicher und fester ist der Darminhalt. Je nachdem mehr Kohle, Kohlehaltiges drinnen ist, desto weichlicher und dunkler ist der Darminhalt; die Katzen haben dies. Nun, so kann man nach dem Darminhalt, der nach außen kommt, aus den Fäkalien, noch viel besser als aus dem Urin, auf die Krankheit zurückschließen.
Auch beim Darminhalt haben die Alten, sagen wir, eine Vision gehabt; sie haben eben solche Visionen gehabt. Das ist etwas sehr Merkwürdiges! Beim Schweiß haben sie gesagt: Wenn der Mensch Schweiß absondert, so hüllt er sich in sein eigenes Gespenst ein. Wenn der Mensch Urin absondert, so ist darinnen sein Gespenst, das aufsteigt. Und beim Darminhalt ist es so, daß es sogar vollständig nach allen Seiten sich abgrenzt und bestimmte Farben hat. Und nach diesen - nennen Sie es Visionen oder Träume, wie Sie wollen -, aber nach diesen Träumen wurden in alten Zeiten viel die Krankheiten bestimmt.
Und in unbestimmter, manchmal ganz dummer Art und Weise machen — indem sie es lesen in alten Büchern, die man heute kaum mehr verstehen kann - solche Leute, wie die von Ihnen erwähnten, das nach. Es gibt auch solche, die nach dem Kot die Krankheiten bestimmen; es kommt dabei meistens nicht viel heraus. Aber es kann einer sich eine große Erfahrung sammeln; dann kann etwas dabei herauskommen. Nur die heutige Wissenschaft gibt nichts darauf, weil sie lieber alles chemisch untersucht. Aber, wie gesagt, es ist bei der heutigen medizinischen Wissenschaft die Urinuntersuchung geradeso wichtig wie bei der unwissenschaftlichen Medizin, die eben ein Überbleibsel ist aus alten Zeiten.
Sie werden nun, wenn Sie in alten medizinischen Büchern blättern und lesen, auf einen Ausdruck stoßen, den Sie gewöhnlich nicht verstehen werden. Allerlei Mystiker und solche Leute, die immer sagen, sie haben alle Weisheit, nicht nur Wissenschaft, sondern Weisheit mit Löffeln gegessen, die werden Ihnen immer vorreden, was sie in alten Büchern gelesen haben. Das hat nicht viel Wert, weil sie die alten Bücher nicht verstehen. Aber wenn Sie darin lesen, werden Sie auf einen Ausdruck stoßen. Es steht da immer wieder und wieder der Ausdruck Mumie. Es wird einem erzählt: Ist die Mumie hell, dann ist der Mensch von allerlei Krankheiten befallen, die ihn zur Auszehrung und so weiter treiben; ist die Mumie ganz dunkel, schwärzlich, dann ist der Mensch von Fieber, von hitzigen Krankheiten befallen. Es wird überall erzählt, wie die Mumie ist, und danach die Krankheiten beurteilt.
Was ist denn die Mumie? Wenn der heutige Mensch das liest, so weiß er ja nur, das sind die ägyptischen Mumien. Nun ja, was macht er daraus, wenn er da liest, daß die Mumie hell oder dunkel ist? Er kommt gar nicht darauf, was gemeint ist. Aber was haben die alten Leute, die die alten medizinischen Bücher geschrieben haben, gemeint? Die Gestalt, die im Schweiß ist, und die Gestalt, die ihnen aus dem Uringlas heraus auftauchte und aus den Fäkalien, die haben sie die Mumie genannt. Die Mumie war gerade der geistige Mensch. Und der geistige Mensch wird aus den Absonderungen sichtbar. Und die Alten haben gesagt: Wenn das Kind geboren wird, da geht die Nachgeburt ab, und da geht der letzte Rest des geistigen Menschen weg. - Und wenn die Menschen das heute untersuchen könnten, so würden sie finden: Wenn ein kleines Kind geboren wird, dann gibt es manchmal ganz wenig, was nachgeht an Nachgeburt und damit an Übersinnlichem. Es gibt aber auch manche, wo recht viel weggeht. Die letzteren, wo recht viel weggeht — da geht schon bei der Geburt der Geist fort -, die werden dann Materialisten.
Und so ist es, meine Herren: Mit der Absonderung hat die geistige Tätigkeit im Menschen, die astralische und Ich-Tätigkeit außerordentlich viel zu tun. Und wenn man gesprochen hat von der alten Dreckapotheke, so deutet das eben darauf hin, daß man heute das nicht mehr schätzt, was einmal geschätzt worden ist. Abfallserscheinungen, die schätzt man heute nicht mehr. Es ist ja auch in mancher Beziehung gut, wenn man sie nicht zu stark schätzt, denn es kommt dann allerlei vor. Ich kannte einen Menschen, der hat das Waschen abschaffen wollen, weil er gesagt hat - nachdem er gehört hatte, daß der Geist in der Absonderung lebt —, daß man dasjenige, was abgesondert wird, bewahren soll, also auch den Schmutz. Und die Folge davon war, daß er den Schmutz außerordentlich geschätzt hat! Ja, meine Herren, all das erscheint manchmal als Narrheit. Aber es ist nicht immer Narrheit. Nehmen Sie zum Beispiel die Pferde. Die Pferde, nicht wahr, haben unten ihre Hufe, und von den Hufen geht es dann ins Weiche der Pferdezehe über. Da sammelt sich Schmutz an. Und es kann sein, wenn Sie beim Pferd den Schmutz fortwährend abschaben, daß es krank wird. Sie müssen einen Instinkt dafür haben, wie lange Sie den Schmutz lassen müssen, damit das Pferd wiederum nachkommen kann, diesen Schmutz zu erzeugen. Also da zeigt sich Ihnen am Pferde ganz handgreiflich, möchte ich sagen, wie bedeutsam der Schmutz, die Absonderung ist. Die Sache ist bedeutsam für das Geistige im Menschen, sie ist auch bedeutsam für Gesundheit und Krankheit. Aus der Absonderung ist eben Gesundheit und Krankheit zu finden. Und die Alten haben das Geistige in der Absonderung eben die Mumie genannt. Wenn Sie das Wort Mumie in alten Schriften finden, werden Sie es von jetzt ab verstehen, weil ich Ihnen gesagt habe, wie die Mumie eigentlich entsteht: daß sie gerade aus den Absonderungsprodukten entsteht.
Sie sehen, es liegt in der Frage, die Herr Müller gestellt hat, eine ganz große Wissenschaft, aber eine Wissenschaft, die man nur bewältigen kann, wenn man auf das Geistige eingeht. Sonst ist eben einfach alles dasjenige, was abgesondert wird, Absonderungsprodukt; man kümmert sich nicht darum. Aber in der Absonderung zeigt der Mensch, welchen Geistes er ist. Und daß das so bei den Fäkalien ist, das zeigt Ihnen ja schon der oberflächliche Anblick. Vergleichen Sie Pferdefäkalien mit den Rinderfäkalien. Die Rinderfäkalien sind größer, breiten sich aus. Die Pferdefäkalien sind fast kleine Häupter, runden sich. Sie können nicht anders, wenn Sie einen Sinn haben für Schönheit — nicht wahr, die Schönheit liegt ja nicht darinnen, daß man bloß geruchlose Dinge schön findet -, wenn Sie einen Sinn haben für Schönheit überhaupt, können Sie nicht anders sagen als, wenn Sie einen Kuhfladen sehen: Die ganze Kuh! Darinnen bildet sie sich ab mit ihrem breiten Auftreten, mit ihrer lässigen Tätigkeit, mit ihrem Hang, sich niederlegen zu wollen; sie ist ganz drinnen in den Fäkalien. Und das Pferd, dieses Springingerl unter den Tieren, das immer loswill von der Erde, das hinaus in die Welt hüpfen und springen will —, ein Pferdeapfel zeigt das ganze Pferd! Und so ist es bei den Fäkalien von allen Tieren, man kann in ihnen das ganze Tier erkennen. Und daraus können Sie ersehen, was die Alten unter Mumie verstanden haben und was eben einfach astralisch ist. Das übersinnliche Tier, der übersinnliche Mensch, das lebt in den Absonderungen.
Mit der Geisteswissenschaft kann man diese Dinge bewältigen. Nur darf natürlich nicht das herauskommen, daß nun wiederum die Feinde sagen, die Geisteswissenschaft beschäftigt sich mit Schweiß, Urin und so weiter, und die ist daher eigentlich eine Dreckwissenschaft. Das möchten ja die Feinde am allerliebsten!
Also, meine Herren, indem Sie die Frage aufgeworfen haben, mußte ich Sie hinweisen auf das, was wahr ist. Aber Sie können auch bei jeder Gelegenheit darauf hinweisen, daß es sich nicht um irgendwelche besonderen Betrachtungen desjenigen handle, was dreckig ist, sondern was das Geistige ist. Denn der Mensch wird ohnmächtig, wenn der Aufbau in ihm zu stark ist. Dann entstehen die Geschwulstbildungen in ihm, wenn er nur aufbaut. Er muß entsprechend abbauen. Er muß abbauen. Der Mensch wird ohnmächtig, dauernd ohnmächtig und geistesabwesend, wenn sich eine Geschwulst im Gehirn bildet, weil dann nur aufgebaut wird. Die Geschwulst wird aufgebaut, wenn im Gehirn nicht richtig abgebaut wird. Und die Gehirnnerven entstehen als Abbauprodukte, als geistige Abbauprodukte. Nur wenn es zu stark losgeht, dann kommt das Blut zu stark hinein; es entsteht die Entzündung. Und da haben Sie den Unterschied zwischen Geschwülsten und Entzündungen. Haben Sie einen dunklen Urin, neigen Sie irgenwo zu Entzündungen im Körper. Haben Sie einen hellen Urin, neigen Sie zu Geschwülsten. Das ist eines. Aber so können Sie vom Urin aus auf alle Krankheiten schließen, wenn Sie den Urin nur richtig untersuchen.
Am Mittwoch also weiter.