Human History and the World Views of Civilized Nations
GA 353 — 1 March 1924, Dornach
Erster Vortrag
Guten Morgen, meine Herren! Hat sich für heute etwas aufgetan?
Herr Dollinger: Ich möchte fragen, warum das so ist, daß die Menschen, die in der Nähe eines Friedhofes wohnen, oft nicht so lebhaft sind und bleich aussehen? - Er führt ein Beispiel an, das dieses zu bewahrheiten scheint. - Ich möchte wissen, wie der Rhythmus in den Leibern ist - ob es nicht auch etwas Gutes bewirken könne?
Dr. Steiner: Nun, ich glaube ja, daß ich ziemlich gut über diese Frage Auskunft geben kann, weil ich von meinem achten bis zu meinem achtzehnten Jahre unmittelbar am Friedhof gewohnt habe - ich muß also wohl dazumal furchtbar bleich ausgesehen haben. Es hat so ein wenig gestimmt. Nach den verschiedenen Angaben, die Sie gemacht haben, müßte das gerade bei mir gestimmt haben.
Nun, der Friedhof war der Friedhof eines kleinen Ortes - der Ort hatte vielleicht sechshundert Einwohner -, und es war also ein mäBig großer Friedhof. Aber immerhin war er unmittelbar an dem Hause und dem Bahnhof, wo wir wohnten. Und die Leute wohnten ringsherum ziemlich nahe, wie es eben in solchen Orten üblich war. Da war die Kirche, ringsherum der Friedhof und dann kamen die Häuser: man konnte immer sehen, wie die Leute mit ihrer Gesundheit beschaffen waren, die um den Friedhof herum wohnten. Nun, man kann sagen, daß schon beträchtliche Unterschiede waren an den Einwohnern, und daß zum Beispiel der nicht sehr weit entfernt vom Friedhof wohnende Pfarrer nicht blaß und auch nicht schmächtig war, sondern der war ziemlich korpulent und schaute auch ganz gut aus. Das ist so mein Befund von dazumal.
Aber die Ansicht, die man sich da bildet, ist doch diese, daß, wenn man sonst gesundheitliche Verhältnisse herstellt - und das geschah vielfach an Orten, wo Friedhöfe um die Kirchen waren -, man nicht annehmen kann, daß das so furchtbar schadet. In den Orten waren zu gleicher Zeit überall Nußbäume, Walnußbäume verbreitet. Diese Walnußbäume sind so, daß sie auch durch den Duft, den sie verbreiten, außerordentlich stärkend auf die Gesundheit wirken. Nun müssen Sie nur annehmen, daß in denjenigen Orten gesunde Instinkte waren, wo das ursprünglich allgemein Sitte war; die haben dazu geführt, weil der Kirchhof innerhalb des Ortes ist und die Leute ringsherum wohnen, Kastanien- oder Walnußbäume, namentlich auch Lindenbäume in die Nähe zu bringen. Lindenbäume und Walnußbäume, die wirken dann im Gegensatz zu dem, was der Friedhof an schädlichen Wirkungen bringt, wiederum ausgleichend.
Nun ist auch dieses noch zu beachten: Sehen Sie, wenn man genauer auf das eingeht, was eigentlich Herr Dollinger wissen will, nämlich die Wirkung auf die höheren Leiber, so muß man sich klar sein darüber, daß eigentlich von diesen Leibern, die ich angeführt habe, nur der physische Leib und der Ätherleib belebend wirken, während der astralische Leib und das Ich nicht belebend, sondern im wesentlichen lähmend wirken; die wirken als Seele und Geist. Und schon aus manchem, was ich Ihnen gesagt habe, werden Sie sehen, daß physischer Leib und Ätherleib wie eine Pflanze sind; die wachsen, da bilden sich die Organe. Wenn wir nur diese hätten, physischen Leib und Ätherleib, würden wir fortwährend ohnmächtig sein. Wir würden sonst ein Schlafleben führen wie die Pflanzen, wenn nicht fortwährend in uns abgebaut würde; nur dadurch, daß in uns immer wiederum abgebaut wird, führen wir kein Schlafleben wie die Pflanze. Der Astralleib und das Ich bauen ab, die zerstäuben wiederum. Es wird immer im Menschen aufgebaut und abgebaut. Und der astralische Leib, der ist derjenige, der eigentlich am stärksten in unserem Menschenwesen abbaut. Und alle diese Auswurfprodukte, von denen ich gesprochen habe, die werden eigentlich durch Astralleib und Ich abgebaut. Der Ätherleib wirkt nur ein bißchen mit. Das habe ich Ihnen ja auseinandergesetzt.
Nun sehen Sie, meine Herren, die Friedhofsatmosphäre, die da aufsteigt, die ist verwandt mit demjenigen, was im astralischen Leib im Menschen abbaut, und die unterstützt dann das Abbauen. Und der Mensch wird mehr abgebaut, wenn er in der Nähe vom Friedhof wohnt, als wenn er irgendwo draußen im Walde wohnt. Wenn er draußen im Walde wohnt, sind seine aufbauenden Kräfte stärker; wenn er beim Friedhof wohnt, sind seine abbauenden, seine zerstörenden Kräfte stärker. Aber wenn wir keine zerstörenden Kräfte hätten, dann würden wir ja, wie ich Ihnen schon gesagt habe, lebenslänglich dumm bleiben. Wir brauchen eben diese zerstörenden Kräfte. Dann ist noch etwas zu beachten. Ich sagte Ihnen: Ich kann reden über die Sache, weil ich sie selbst erfahren habe und erfahren habe gerade im jugendlichen Alter, wo sich so viele Dinge heranbilden. Ich habe immer einen Hang gehabt, genau zu denken. Nun, diesen Hang, genau zu denken, den verdanke ich nach meiner Überzeugung gerade dem Umstande, daß mich das Schicksal hat aufwachsen lassen in der Nähe eines Friedhofs. Also das ist wiederum das Gute, meine Herren. Das müssen Sie auch wiederum in Betracht ziehen.
Nicht wahr, das Schädliche am Friedhof sind die Leichname, die darinnen sind. Die Leichname setzen ja nur den Abbau fort. Wenn wir sterben, fällt das weg, daß wir immer wieder aufbauen und abbauen. Der Aufbau fällt nun fort. So daß also der astralische Leib aufgefordert wird in der Nähe des Friedhofes, eigentlich gut zu denken. Das ist auch wieder nicht zu leugnen.
Im heutigen sogenannten Burgenlande, wo ich aufgewachsen bin, waren überall die Dörfer so, daß die Friedhöfe in der Mitte waren. Das Burgenland ist ja dasjenige, um das so viel gestritten worden ist. Es sind einzelne größere Städte, Eisenstadt und so weiter, aber die sind weit auseinander, so daß also überall die Dörfer verbreitet sind, und überall lag der Friedhof in der Mitte. Und da ist es schon so, daß man sagen kann, die Leute dort hatten eine gewisse Bauernschlauheit. Und das ist auch wiederum nicht abzuleugnen, daß diese Bauernschlauheit eigentlich gewachsen ist unter dem Einfluß der Friedhofsatmosphäre. Das Schädliche haben sie abgehalten dadurch, daß sie überall Walnußbäume und Lindenbäume gepflanzt haben.
Dann war die Gegend dort auch eine Weingegend. Die Atmosphäre der Weinrebe wirkt auch in einer gewissen Weise ausgleichend. Der Lindenblütenduft, das wissen Sie ja, ist ein sehr starker Duft, der Walnußbaum hat auch einen sehr starken Duft; das wirkt auf den astralischen Leib wieder mehr belebend. Und die Atmosphäre der Weinrebe wirkt wieder mehr belebend auf das Ich. So daß Sie da schon auch auf die höheren Leiber des Menschen eine sehr starke Einwirkung haben.
Nun darf man aber natürlich wiederum nicht in Abrede stellen, wie mit der wachsenden Kultur sich die Sachen ändern. Natürlich, in dem Augenblicke, wo die Ortschaften größer werden, wo viele Häuser herumgebaut werden und dadurch, daß Häuser herumgebaut werden, die Wirksamkeit der Bäume beeinträchtigt wird, fängt der Friedhof an schädlich zu wirken, dann sind natürlich um den Friedhof herum diese Bleichgesichter. Das kann sich nicht mehr ausgleichen und die Folge davon ist, daß dann der Friedhof bewirkt, daß die Menschen unter der Friedhofsatmosphäre leiden. Das hat wiederum zu einem natürlichen Instinkt geführt: daß man dann, wenn die Dörfer zu Städten angewachsen waren, den Friedhof außerhalb der Stadt gemacht hat.
Nun kommt natürlich noch etwas in Betracht. Das ist dann der Fall, wenn die Wirkung noch weiter geht, wenn sie auf den Ätherleib geht. Sehen Sie, alles das, was in der Atmosphäre aufsteigt als feiner Dunst, wirkt auf den astralischen Leib und auf das Ich. So daß also ebenso der feine Leichengeruch, der ja immer um einen Friedhof herum ist, wie auch Walnußduft, Lindenblütenduft, Roßkastanienduft, der besonders belebend wirkt, eigentlich nur auf die höheren Leiber wirken können; an den Ätherleib kommen diese nicht so stark heran.
Nun ist es aber mit dem Ätherleib so, daß auf den Ätherleib besonders stark das Wasser in irgendeiner Gegend wirkt. Das Wasser wirkt ganz besonders stark. Und das Wasser ist in der Umgebung eines Friedhofs doch sehr leicht durchsickert von demjenigen, was also eben aus den Leichen herauskommt. Das Wasser wird getrunken, mit dem Wasser wird gekocht. Und wenn also irgendwo in einem Dorf, wo der Friedhof in der Nähe der Häuser ist, das Wasser beeinträchtigt wird, so helfen keine Bäume! Dann hilft die Natur sehr wenig. Und die Folge davon ist, daß dann allerdings die Leute sehr leicht schwindsüchtig werden, und daß sie dann darunter außerordentlich stark leiden.
Sehen Sie, das konnte ich auch sehr gut konstatieren. Es war da ein Ort - er war mehrere Stunden entfernt von dem Ort, wo ich wohnte -, ein kleiner Ort. Fast alles wohnte um den Friedhof herum. Die Leute waren sehr träge von Natur aus; sie konnten einfach nicht. Sie hatten schlaffe Muskeln, schlaffe Nerven, alles an ihnen war schlaff; sie waren blaß. Und da kam mir doch der Gedanke: Woher kommt das? - Und sehen Sie, das ist sehr interessant: Bei uns in Neudörfl waren die Leute, die auch um den Friedhof herum wohnten, verhältnismäßig gesund! Nun, das ist eine große Frage für den, der das Land wirklich betrachtet nach den Verhältnissen, die für die Menschen in Betracht kommen. Da hatte man ein Dorf, wo die Leute um den Kirchhof herum wohnten, und wo sie nichts anderes taten, als Nußbäume pflanzen; die pflanzten sie schon auch, das war ein sehr gesunder Instinkt - aber im übrigen nahmen sie das Wasser zum Kochen sogar sehr häufig aus dem Dorfbächlein! Da war eine Reihe von Häusern (es wird gezeichnet), dazwischen das Dorfbächlein; da war der Kirchhof, da war die Kirche; da wohnten wir, da der Pfarrer, da war das Schulhaus; dann war hier eine Häuserreihe, zwischendurch ein Bächlein, und da waren überall Nußbäume. Die Leute nahmen sich das Wasser einfach aus dem Bächlein; in dem Bächlein waren natürlich die Überreste und die Bakterien, die Bazillen von dem, was aus dem Friedhof durchsickerte. Das war überall vorhanden. Die Leute, namentlich jene, die dort wohnten, die zeichneten sich nicht durch eine besondere Reinlichkeit aus: da waren Häuser mit Strohdächern und überall der Misthaufen unmittelbar am Eingang, der Schweinestall auch daneben - eine schöne Verbindung gab das von Schweinestall und Misthaufen -, wiederum der Abgang zum Dorfbächlein, so daß, wenn man hineinkam, man in einer bräunlichen Sauce watete. Nun, sehen Sie, es war schon nicht gerade, wie man heute sagt, hygienisch hergerichtet! Und dennoch waren die Leute gesund! Man konnte nicht anders sagen, als daß sie gesund waren.
Nun, erstens, wenn die Leute gesund sind, sind auch die Leichen im Anfang nicht so schlimm, als wenn die Leute im Orte verseucht sind. Aber das hat ja weniger Bedeutung. Dagegen war doch die Frage eine große: Woher kam es, daß die Leute gesund waren, und die anderen krank oder schlapp und unfähig zu leben? - Das erklärt sich aus dem Folgenden. In der Nähe dieses Ortes war ein anderer, ganz kleiner Ort, aber ein Kurort: da war ein Säuerlingquell, kohlensaures Wasser. Das ganze Dorf holte sein Trinkwasser von diesem Orte. Und das Trinkwasser von diesem Orte, das kohlensaure Wasser, wirkte wiederum ausgleichend gegenüber dem verseuchten Wasser vom Friedhof. Das hatten die anderen, die weit ablagen von dieser Säuerlingquelle, eben nicht. Also da konnte man direkt studieren, wie das kohlensaure Wasser, das, wie ich Ihnen einmal dargestellt habe, besonders stark auf das Ich und auf das Denken wirkt, wiederum zurückwirkt auf das Ich und den Ätherleib, und im Ätherleib wiederum ausgleicht das Zerstörende desjenigen, was vom Friedhof durchsickerte in das Dorfbächlein.
Natürlich, wenn in Städten der Friedhof noch dableibt, ist im Grunde genommen, wenigstens solange nicht Quellwasser von weitem hergeleitet wird, kaum eine Hilfe für die Umwandlung der Friedhofsatmosphäre möglich. Wenn also eine Stadt so liegt, daß der Friedhof noch in der Mitte des Ortes liegt und das Wasser noch als Brunnenwasser bezogen wird, dann sind da natürlich die schlechtesten Bedingungen für die Gesundheit, weil dann der Ätherleib angegriffen wird; und der Ätherleib ist dasjenige, was vom astralischen Leib und vom Ich aus nicht weiter bezwungen werden kann.
Sehen Sie, die sanitären, die hygienischen Verhältnisse, die sind schon gerade von diesem Gesichtspunkte aus außerordentlich interessant. Es darf aber dann natürlich wiederum nicht außer acht gelassen werden, daß auf solche Leute, die um den Friedhof herum wohnen, doch auch fortwährend, wenn sie noch gläubige Leute sind, wenn sie nicht schon ungläubig geworden sind, immer wiederum erwärmend wirkt das immer fortdauernde Ansehen der Leichenzeremonie! Die wirkt doch wiederum ausgleichend. Die wirkt auf das Ich. Die wirkt schon stärkend. Man muß doch auch das vom Gesundheitsstandpunkt aus betrachten können. Das wirkt doch auch wiederum ausgleichend.
Das ist wohl so ungefähr das, was Sie haben wissen wollen? Vielleicht ist noch jemandem etwas eingefallen?
Nun, meine Herren, dann will ich, von einer ganz anderen Seite aus betrachtet, gerade diese Frage fortsetzen. Sehen Sie, wir haben ja schon vieles betrachtet; wollen wir heute einmal von dem Gesichtspunkt, von den Erkenntnissen, die wir gewonnen haben, das Folgende uns anschauen.
Wenn Sie die Landkarte anschauen, so können Sie für die Landkarte sich so interessieren, daß Sie sagen: Nun, da wohnt dieses Volk, dort wohnt jenes Volk. Wir interessieren uns für die verschiedenen nebeneinander wohnenden Völker. - Aber Sie können auch sagen: Ich will mir die Landkarte einmal von dem Gesichtspunkte aus anschauen, wie sich die Menschheit entwickelt hat. - Und da wird dann die Landkarte wirklich recht interessant.
Wollen wir einmal ein Stückchen Landkarte betrachten. Ich will das nur ganz annähernd zeichnen. Da haben wir zum Beispiel, wenn wir nach Asien hinübergehen - ich habe es Ihnen einmal aufgezeichnet für die Menschenrassen -, Indien, Vorderindien; da haben wir Arabien; dann haben wir hier Kleinasien. Da geht dann Asien schon nach Europa herüber; wir kommen dann schon herüber nach Europa, also an die Inseln, die nach Europa herübersehen. Da ist Griechenland. Dann kommen wir hier nach Afrika. Und da haben wir dann einen Fluß: das ist der Nil; da ist Ägypten - heute, wie Sie wissen, von den Engländern ganz beherrscht -; das war einmal ein freies Land. Nun sehen Sie, heute wohnen überall die Völkerschaften. In Indien wohnen die Inder, die sich heute ja ganz aufraffen. Sie waren lange Zeit von den Engländern beherrscht, sind es natürlich auch heute noch, aber sie raffen sich heute auf, und derjenige, der etwas einsichtsvoll in England ist, hat eine heillose Angst davor, daß die Inder sich irgendwie einmal unabhängig machen könnten. Es gibt heute eine große indische Bewegung: der sogenannte Mahatma Gandhi hat in Indien eine solche Bewegung aufgerüttelt und ist dann eingesperrt worden, ist aber jetzt wieder freigelassen worden aus Gesundheitsrücksichten. Ebenso wohnen hier in Arabien Leute, die mehr oder weniger von den Engländern beherrscht sind; das ist eine ziemlich unwegsame Gegend noch, Arabien. Sie wissen ja, daß unter den Kriegsursachen für den großen Weltkrieg hauptsächlich auch die war, daß man eine Bahn anlegen wollte durch die Türkei hindurch, hier herüber, und den Weg gesucht hat auf der einen Seite nach Indien, auf der andern Seite nach Arabien. Das wollte Deutschland machen, und dadurch hat Deutschland so vielfach den Neid und die Eifersucht der anderen Völker hervorgerufen, weil es durch die Türkei hindurch die sogenannte Bagdadbahn bauen wollte, bis nach Asien hinein. - Und da war einstmals Syrien.
Sehen Sie, von den allerverschiedensten Gesichtspunkten aus ist es interessant, sich einmal zu fragen: Da lebten also seit uralten Zeiten überall Völker; die waren ganz verschieden geartet in ihrem Leben. Man braucht nur ein paar Sachen zu nennen, dann wird man finden, wie verschieden diese Menschen in ihrem Leben waren. In Indien gab es zum Beispiel eine strenge Kasteneinteilung, eine Kasteneinteilung, gegen die alles dasjenige, was die europäischen Klassen sind, eigentlich nur ein Schattenbild ist. In Indien wurde man hineingeboren in eine Kaste. Die oberste Kaste waren die Brahmanen. Das waren diejenigen, die die Priesterdienste leisteten, die etwas lernen durften. Es gingen also die Kinder der Brahmanen eigentlich alle in den ältesten Zeiten in die Schule. Das waren diejenigen, die schreiben konnten; das war die oberste Kaste. Aus dieser Kaste wurden zwar die Priester genommen, nicht aber die Könige. Die Könige wurden schon aus der zweiten Kaste genommen, aus der Kriegerkaste. Aber niemals konnte jemand aufsteigen aus der Kriegerkaste in die Brahmanenkaste; das war streng geschieden. Die dritte Kaste waren die Ackerbauer, die Landleute; und die vierte Kaste waren diejenigen, die eigentlich als Handarbeiter galten. Nun waren strenge Trennungen zwischen diesen Kasten. Das war ganz so angesehen im alten Indien, wenn ein Mensch von einer Kaste in eine andere hineingekommen wäre, wie wenn ein Löwe hätte ein Lamm werden sollen! Man hat die Kasten so getrennt voneinander angesehen, wie man die einzelnen Gattungen der Tiere voneinander getrennt hat. Und deshalb nahmen auch die Leute gar keinen Anstoß daran. Es wäre ihnen so verrückt vorgekommen, wenn einer von der dritten Kaste hätte in die erste kommen sollen, wie wenn ein Löwe ein Ochs hätte werden wollen. Also das ist ganz evident gewesen, das war eine absolute Selbstverständlichkeit bei den Leuten. Nun, das war also in Indien.
Gehen wir nun herüber nach Ägypten: da waren auch noch Kasten. Was ich Ihnen jetzt erzähle, meine Herren, das können Sie versetzen in die Zeit ungefähr dreitausend oder dreitausendfünfhundert Jahre, vielleicht auch noch viertausend Jahre vor der Entstehung des Christentums. Wir müssen also zurückgehen um fünf bis sechs Jahrtausende, wenn wir in die Zeit, von der ich Ihnen jetzt erzähle, zurückblicken wollen. In Ägypten also, da waren wiederum auch Kasten, aber sie waren nicht so streng eingehalten; da konnte schon der eine oder andere von der einen in die andere Kaste hinüberkommen. Also so streng war es nicht eingehalten, aber es gab in Ägypten noch Kasten. Dagegen war es in Ägypten so, daß wiederum die ganze Staatseinteilung ausging von der Priesterschaft. Die Priesterschaft ordnete alles an. Das war in Indien auch so, aber da war eben durch die Kasteneinteilung alles gegeben, während in Ägypten die Kasteneinteilung nicht so streng war. Aber man hielt daran fest, daß alles das, was Gesetz werden sollte, ausging von der Priesterschaft.
Und in entsprechender Weise waren auch die anderen Völker, die in Syrien wohnten, in Kleinasien wohnten. Sie hatten ihre Eigentümlichkeiten, sie waren verschieden.
Nun möchte ich Ihnen heute, damit Sie sehen, was in der Menschheitsgeschichte die Dinge, die wir gelernt haben, für eine Rolle spielen, gerade von diesen Völkerschaften noch etwas anderes erzählen. Nehmen wir vier von diesen Völkerschaften heraus: erstens die Inder, dann die Ägypter, dann diejenigen Völker, die da hier gesessen haben. Der Euphrat und Tigris münden da in diesen Meerbusen hinein, und da war ein Volk, welches später die Babylonier hieß. Diese wollen wir als dritte betrachten.
Und dann wissen Sie ja, daß hier sich ein Volk hervortat, das später eine große Rolle in der Geschichte gespielt hat: das sind die Semiten, die Hebräer, die Juden. Sie zogen herüber nach Ägypten, zogen später wieder zurück und wohnten dann hier in Palästina — ein an Ausdehnung verhältnismäßig kleines Volk, aber ein Volk, das seine große Rolle in der Geschichte gespielt hat. Wir können also hintereinander betrachten: Erstens die Inder, zweitens die Ägypter, drittens die Babylonier, viertens die Juden. Wollen wir heute einmal diese vier Völker betrachten.
Sehen Sie, das ist besonders charakteristisch an den Indern, daß sie eigentlich die Menschen, die da sind, so getrennt voneinander anschauen wie die Tierklassen und sie in vier Kasten einteilen. Dazu kommt die eigentümliche Religion, die in den alten Zeiten die Inder gehabt haben. Die Inder haben nicht unterschieden zwischen Geistund Körperwelt; in der Zeit, in der diese indische Bevölkerung in Indien zuerst sich ausgebildet hat, da unterschied man nicht zwischen Geist und Körper. Ein Baum wurde nicht etwa unterschieden wie bei vielen anderen Völkern: da ist der physische Baum, und da lebt ein Geist drinnen - nichts, das war nicht unterschieden. Der Baum war zugleich ein Geist, nur ein etwas gröberer Geist als der Mensch und das Tier. Das Tier war auch für die Inder nicht unterschieden in Körper und Seele, sondern es war Seele und der Mensch auch. Es war nicht unterschieden in Körper und Seele. Und wenn der älteste Inder nach der Seele fragte - und er wußte, daß man einatmet, die Luft einatmet -, da war ihm die Luft, die man einatmete, der Geist. Und dann wußte er: Die Luft ist da draußen; das ist der Geist, der die ganze Erde umgibt. Und wenn dieser Geist, der die ganze Erde umgibt, anfängt zu strömen, zu wehen, dann nannte er den Geist, der sich bewegt, der auf der ganzen Erde weht: Varuna. Aber das, was er in sich hatte, das war auch Varuna. Wenn es gestürmt hat draußen, war es Varuna; drinnen: auch Varuna. Heute hört man vielfach sagen, diese Inder hatten einen Naturdienst, weil sie Wind und Wetter verehrten und so weiter. Aber man kann ebensogut sagen, sie hatten einen Geistdienst, weil sie wiederum alles als Geist ansahen. Den Körperbegriff hatten die Inder gar nicht. Und weil das so war, war bei den Indern jeder Teil des Menschen zugleich ein Geist: Leber war Geist, Niere war Geist, alles war Geist. Sie unterschieden nicht zwischen Körper und Geist. Das ist gerade das Geheimnis der alten indischen Weisheit, daß gar nicht unterschieden wird zwischen Körper und Geist. Leber war Lebergeist, Magen war Magengeist.
Ja, sehen Sie, wenn wir heute den Magen anschauen, dann finden wir, daß etwas im Magen sein muß, wenn der Magen richtig verdauen soll; wir nennen den Stoff Pepsin. Wenn er fehlt, so wird nicht ordentlich verdaut; dann müssen wir etwas Salzsäure hineintun. Der Inder hat sich gesagt - er hat den Namen noch nicht gehabt, aber er hat gewußt, daß da ein Geist ist -, der Magen ist so aufgebaut: das ist der Magengeist. Und davon ist dann die Bezeichnung der Heilmittel geblieben: «Magengeist.» Freilich, heute kann man Tropfen nehmen für den Magen, nicht mehr «Magengeist», sondern nach dem Erfinder «Hoffmannsgeist» oder so irgendwie genannt; aber Sie werden noch immer finden, wo einfach geredet wird, daß der Geistbegriff noch in den Worten drinnensteckt.
Also die Inder sahen überall Geist. Und deshalb haben sie auch keinen Anstoß genommen an dem Kastengeist, weil sie das als etwas Geistiges angesehen haben, so wie sie die Gliederung der Tiere als etwas Geistiges angesehen haben.
Wenn man auf diese indischen Anschauungen eingeht, dann ist es interessant, daß die Inder eine ganz genaue Kenntnis hatten von allen menschlichen Organen. Sie sahen sie nur als Geist an. Der Mensch war aus lauter Geistern zusammengesetzt: Lungengeist, Magengeist, Nierengeist und so weiter; sie sahen dabei nur auf den physischen Körper. Wenn wir also auf die Inder schauen, so können wir sagen: Die Inder waren durchdrungen von einer Anschauung, die auf den physischen Körper ging. Den physischen Körper sahen sie als Geist an.
- Inder: Physischer Körper geistig
Das ist sehr interessant, denn jetzt haben wir ein Volk entdeckt, das zunächst eine genaue Kenntnis vom physischen Leib, physischen Körper hat.
Jetzt gehen wir zu den Ägyptern hinüber. Bei den Ägyptern ist das eine merkwürdige Geschichte. Die Ägypter hatten ja den Nil. Der Nil ist eigentlich, man könnte sagen, der Nährvater des Landes. Jedes Jahr, wenn der Juli kommt, steigt der Nil aus seinen Ufern heraus, und im Oktober geht er wiederum zurück. So daß der alte Ägypter eigentlich nichts anderes gewußt hat, als: Der Nil enthält das Wasser; das Wasser geht zurück während der kalten Jahreszeit; das Wasser kommt wieder heraus, überschwemmt das Land und wird zum Wohltäter der Menschen. Wenn aber das Wasser im Oktober zurückgeht, dann bleibt zurück - die brauchen nicht zu düngen! - ein ganz fruchtbarer Schlamm. In diesen Schlamm wurden die Getreidearten und so weiter hineingesät; die gingen dann auf und wurden geerntet, bevor wieder der Nil überschwemmte. Und so bereitete ihnen der Nil eigentlich alljährlich das Ackerland. So daß die Ägypter tief durchdrungen waren von der Wohltätigkeit des Wassers. Sie haben sich vielfach beschäftigt mit dem, was das Wasser in der Natur ist. Sehen Sie, wir bewundern heute an unserer Ingenieurkunst, daß sie kanalisieren kann. Ja, die Ägypter haben Tausende von Jahren vor uns schon sehr gut kanalisieren können! Natürlich, wenn der Nil über die Ufer getreten ist und da überall überschwemmt war, da ist er auch unter Umständen dorthin gekommen, wo er nicht hätte sein sollen. Da haben die Ägypter schon in den ältesten Zeiten den Mörissee angelegt - einen ganzen See! Der ist nicht von der Natur aus dagewesen, sondern der ist angelegt worden, damit er die Überschwemmung in richtige Geleise gebracht hat. Was Überflußwasser war, hat sich in diesem Mörissee gesammelt. Also eigentlich künstlich haben die Ägypter die Natur beherrscht. Aber dadurch ist ihre Aufmerksamkeit außerordentlich auf das Wasser gelenkt worden.
Nun habe ich Ihnen schon bei der Beantwortung dessen, was Herr Dollinger gefragt hat, gesagt: Das Wasser hat ungeheuren Einfluß auf den Ätherleib des Menschen. Und bei dem Instinkt, den die Ägypter noch gehabt haben, haben sie die Lehre ausgebildet: Der Mensch besteht nicht bloß aus einem physischen Körper, sondern der hat noch einen Ätherleib. - Es ist interessant, sehen Sie: Da hinten in Indien waren älteste Völker; viele von diesen ältesten Völkern sind über Arabien herüber erst nach Ägypten eingewandert. In Ägypten war eine Art alte Kultur: alles von Indien her. Wie die Inder nach Ägypten eingewandert sind, haben sie die Wohltat des Wassers empfunden. Aber sie haben sich gesagt: Das wirkt nicht auf den physischen Leib, den wir in Indien kennengelernt haben, sondern das wirkt auf einen noch höheren Leib des Menschen. - Und so haben die Ägypter - die Inder auch - hauptsächlich durch das, was sie erlebt haben mit dem Wasser, eigentlich den Ätherleib entdeckt.
Dadurch, daß die Ägypter den Ätherleib entdeckt haben, dadurch haben sie ihre ganze Religion ausgebildet, denn die ist eine Religion des Ätherleibes. Wenn man das Allerwichtigste aus der ägyptischen Religion nimmt, so ist es die folgende Sage. Diese Ägypter sagten, - und das war etwas, was die Ägypter überall erzählten, wie in einer gewissen Zeit in Europa die Evangeliengeschichten erzählt worden sind: Es gibt einen hohen Gott; Osiris nannten sie diesen hohen Gott. Dieser hohe Gott ist der Wohltäter der Menschen. Er ist eigentlich der Urheber alles desjenigen, was dem Menschen durch das Element des Wassers kommt. Aber er hat einen Feind. Er wirkt zur Wohltat des Menschen; aber er hat einen Feind. Und dieser Feind, der lebt im heißen Wind, der von der Wüste kommt. Da war ja die Wüste (auf die Zeichnung deutend). So hatten sie zwei Gottheiten gehabt: den Osiris und den Typhon, den Osiris und seinen Feind, den Typhon. - Das alles, was sie da in der Natur gesehen haben, haben sie auch im Menschenleben drinnen gesehen. Aber sie haben es nicht wie die Inder dem physischen Leib, sondern dem Ätherleib zugeschrieben. - Dann erzählten sie die Sage weiter: Eines Tages erschlug der Typhon den Osiris und verschleppte ihn. Und die Gemahlin des Osiris, die Isis, holte den Leichnam wiederum zurück, begrub die verschiedenen Glieder an verschiedenen Orten. Da hat man dann Baudenkmäler darüber errichtet. Und seither nun ist der Osiris Herrscher über die Toten. Einmal war er Herrscher über die Lebendigen, dann ist er Herrscher geworden über die Toten. Die Ägypter haben ja schon an den Tod gedacht.
Nun wissen Sie - ich habe es Ihnen schon gesagt -, ein paar Tage nach dem Tode geht der Ätherleib des Menschen fort; dann kommt der Mensch allmählich erst wieder zum Bewußtsein. Das drückt sich in der Sage so aus, daß der Osiris fortgeht und wiederum zurückgebracht wird von der Isis. Der Mensch bekommt sein Bewußtsein wiederum nach dem Tode.
So daß man sagen kann: Die Ägypter sind darauf gekommen, daß der Mensch einen Ätherleib hat. - Sehr interessant ist das! Die Inder, die haben noch den physischen Leib als Geistiges genommen. Die Ägypter, die kamen auf den Ätherleib und nahmen den als Geist:
- Ägypter: Ätherleib geistig Osiris Typhon Isis
Und alles das, was die Ägypter geglaubt haben, alles das, wofür sie gearbeitet haben, war eigentlich für den Ätherleib. Das beherrschte ganz ihr Anschauen.
Sehen Sie, meine Herren, Sie haben jedenfalls von den Ägyptern eines gesehen: das sind die Mumien. Ich habe sie Ihnen neulich erwähnt; ich habe gesagt: Wenn die mittelalterlichen Mediziner von Mumien gesprochen haben, so ist es etwas Geistiges gewesen; das habe ich Ihnen erklärt. Aber der Mensch meint heute, wenn von Mumien gesprochen wird, nur diese ägyptischen Mumien. Die Leichname wurden einbalsamiert, fein einbalsamiert und wurden aufbewahrt. Ja, warum geschah denn das? Die Ägypter wußten nur vom Ätherleib und bewahrten den physischen Leib auf, damit, wenn der Mensch wieder einmal lebt, er seinen physischen Leib wieder findet. Hätten sie schon vom Astralleib und vom Ich gewußt, dann hätten sie nicht geglaubt, daß man den physischen Leib aufbewahren muß. Sie kannten erst den Ätherleib, den zwar sehr geistig. Hätten sie vom Ich und vom Astralleib gewußt, dann hätten sie gesagt: Die bauen sich ja selber ihren physischen Leib auf. - Aber sie haben nur den feinen Ätherleib gekannt; da haben sie geglaubt, man muß den physischen Leib erhalten, damit der Mensch ihn wieder findet, wenn er wiederkommt. Also die Ägypter haben den Ätherleib entdeckt.
Jetzt kommen wir zu den dritten, zu den Babyloniern. Die haben etwas sehr groß und stark ausgebildet, nämlich das Denken gut ausgebildet, so daß vieles von dem Denken der Babylonier heute noch erhalten ist; aber was sie ganz besonders stark ausgebildet haben, das war die Sternkunde. Sie haben ihre großen Sterntürme gebaut, von denen aus sie die Sterne beobachtet haben. Und da haben sie gesehen, daß der Mensch nicht nur abhängt von dem, was auf der Erde ist, sondern abhängt von dem, was in den Sternen ist. Sie haben die Einflüsse der Sterne auf den Menschen ganz besonders gesucht und haben vor allen Dingen ihre Beobachtungen darüber angestellt, wie das Jahr sich einteilte. Das Jahr hat wiederum durch die Sterne einen großen Einfluß auf den Menschen. Die Babylonier gingen also zuerst mit ihrem Leben von der Erde weg und bildeten die Sternkunde, das Wissen von dem Einfluß der Sterne auf die Menschen, in ihrer besonderen Wissenschaft aus. Und dadurch kamen sie auch darauf, daß sie alles nach sechzig und zwölf und so weiter einzuteilen haben.
Sie haben zum Beispiel das Geld nach sechzig und zwölf eingeteilt. Erst später ist die Zehnereinteilung gekommen, die Dezimaleinteilung. Aber Sie finden heute noch im englischen Shilling diese alte babylonische Einteilung nach zwölf. Also diese Zahleneinteilung ist zuerst vom Himmel heruntergeholt worden von den Babyloniern. Nun, auf was hat denn beim Menschen die Sternenwelt besonderen Einfluß? Auf den Astralleib, meine Herren. Der Astralleib steht ganz und gar unter dem Einfluß der Sternenwelt. Aber weil die heutige Sternenwissenschaft nichts wissen will vom Astralleib, geht sie auch nicht darauf aus, die Sterne in ihrem Einfluß auf den Menschen zu beobachten. Was da errechnet wird in der heutigen Astronomie, das hat wirklich keinen besonders starken Einfluß auf den Menschen. Aber die Babylonier hatten eine feine Sternenwissenschaft. Und sie entdeckten dadurch den Astralleib des Menschen. Das ist das Wunderbare. So daß wir sagen können, die Babylonier entdeckten den Astralleib geistig.
- Babylonier: Astralleib geistig
Der Astralleib hat ja sogar daher den Namen. Zuerst haben die Babylonier ihn entdeckt. Und weil sie ihn aus den Sternen entdeckt haben, aus dem Astralischen - Astrologie, Astronomie, Sternenwissenschaft, Sternenkunde -, hat man ihn den Astralleib genannt. Also Sie sehen, die aufeinanderfolgenden Völker entdeckten aus dem Geist heraus nacheinander: die Inder den physischen Leib, die Ägypter den Ätherleib und die Babylonier den Astralleib.
Wenn man dem nachgeht, was den babylonischen Sagen überall zugrunde liegt, sind es die Sterne. Sie müssen sich nur nicht täuschen lassen von der heutigen Wissenschaft und ihren Büchern. Da ist ein Gelehrter, der sagt: Ursprünglich sind alle Religionen ausgegangen von einem Sternendienst. Deshalb müsse man den Sternendienst als den Ursprung aller Religionen ansehen. - Ein anderer kommt und sagt: Ach was, die Religionen sind alle ausgegangen von Naturverehrungen. Da sind der Wind und das Wetter verehrt worden. - Ein dritter sagt: Die Religionen sind alle ausgegangen von den Elementen, vom Wasser und seinen Wirkungen. - Ja, meine Herren, woher rührt das, daß die Leute das sagen? Derjenige, der Ihnen sagt, die Religion rührt her vom Sternendienst, der hat nichts anderes studiert als die babylonische Zeit. Nun glaubt er, so wie es bei den Babyloniern war, sei es überall gewesen. Derjenige, der Ihnen sagt, die Religion rühre her von den Elementen, hat nichts studiert als die Ägypter. Nun wiederum verägyptisiert er alles. - Und er sagt: Alle Religionen sind aus der Verehrung von Wind und Wetter entstanden. - Das rührt davon her, daß die Leute beschränkt sind, daß sie nur einzelne Sachen studieren. Die Religionen gehen aus von dem verschiedensten.
Nun gibt es etwas noch, sagte ich Ihnen, ein kleines Volk da in Palästina: die Hebräer, die Juden. Sehen Sie, die lebten unter diesen anderen Völkern, und die waren von gar nichts befriedigt bei den anderen Völkern. Sie können es in der Bibel, im Alten Testament, lesen, wie die Juden überall unbefriedigt sind und wie sie auf eine ganz unsichtbare, geistige Wesenheit kommen. Der physische Leib ist natürlich ganz sichtbar. Der Ätherleib drückt sich aus in den Überschwemmungen, in den Wasserwirkungen des Nil; sie sind da. Der astralische Leib der Babylonier, der ist zwar auf der Erde nicht mehr sichtbar, aber wenn man die Sterne studiert, findet man den Astralleib. Die Juden wollten alles das nicht mehr haben, sondern nur einen unsichtbaren Gott. Dieser unsichtbare Gott, was ist er? Er ist dasjenige, was auf das menschliche Ich wirkt. Also:
- Juden: Ich geistig (Jahve)
Die Juden, die kamen auf das Ich als Geistiges und nannten es Jahve.
Und jetzt haben Sie Geschichte! Sie können in Geschichtsbüchern lesen, so viel Sie wollen: Sie werden nicht verstehen, wie die Völker des Altertums fortschreiten. Da wird Ihnen überall von allem möglichen erzählt, von allen möglichen Kriegen und Königen das gibt ein kunterbuntes Chaos im menschlichen Schädel; da weiß man nicht, was das eigentlich ist. Dann wird höchstens noch erzählt von Religionen; aber man weiß nicht, woher die kommen. Wenn Sie aber jetzt wissen: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich, und diese sind nacheinander von den Menschen erst entdeckt worden, und davon waren ihre Lebensanschauungen abhängig, dann kriegen Sie in dieser Hinsicht heraus: Die Inder entdecken den physischen Leib, die Ägypter den Ätherleib, die Babylonier den Astralleib, die Juden das Ich. Nach und nach kommt es heraus, daß der Mensch diese verschiedenen Leiber hat. Das ist nicht gleich vom Himmel gefallen, sondern das entdecken die Menschen nach ihren Lebensverhältnissen.
Die Inder, bei denen viele Völker durchgezogen sind, so daß sie rassisch verschieden sind, kommen auf den physischen Leib. Die Ägypter, die sich viel mit dem Wasser zu befassen hatten, kommen auf den Äther und dadurch auf den Äthermenschen. Die Babylonier, die alles dasjenige, was sie für den Astralleib brauchten, von den anderen Völkern übernahmen, bei denen kamen die Priester darauf, hohe Türme zu bauen: die kamen auf die Sternkunde. Und die Juden, die immer gewandert sind - Sie können das in den Geschichten von Abraham, Moses und so weiter verfolgen -, waren abgeneigt, überhaupt in dem Oben und Unten etwas Sichtbares zu verehren: die kommen auf den unsichtbaren Jahve, der der Schöpfer und Auswirker des menschlichen Ich ist.
Da bekommen Sie Sinn in das Ganze hinein! Da sehen Sie, wie nach und nach der Mensch sich selber entdeckt. Dann geht das weiter. Wir wollen das auch noch betrachten. Also, meine Herren heute ist Samstag -, am nächsten Mittwoch sehen wir uns dann wiederum.