Human History and the World Views of Civilized Nations

GA 353 — 5 March 1924, Dornach

Zweiter Vortrag

Nun, meine Herren, ist für heute jemandem noch etwas eingefallen?

Fragesteller: Es wird nach dem Zweck der Fastnacht, des Faschings, gefragt, ob man darüber etwas von Dr. Steiner hören könne? Woher das Fastnachtsfest komme, was es bedeute?

Dr. Steiner: Also Sie meinen, was für einen Zweck die Fastnacht, der Fasching hat? Nun, sehen Sie, das Fastnachtsfest ist nicht gerade dadurch zu verstehen, daß man nach dem Zweck frägt, denn, mindestens nach der Art und Weise, wie man es heute feiert, werden Sie ja zugeben, daß schließlich die Menschheit mit den Jahren auch ohne Fasching auskommen könnte. Also man kann schon sagen, nach dem heutigen Anschauen ist das Faschingsfest im Grunde zwecklos. Aber es hat auch nicht mehr seine ursprüngliche Bedeutung. Es ist mit solchen Dingen wie Faschingsfesten geradeso gegangen, wie es mit den Orden gegangen ist, mit den Gewändern und so weiter. Die haben früher ihren guten Sinn gehabt; nach und nach haben sie diesen Sinn verloren. Nun, nicht wahr, es verschwinden nach und nach auch die anderen Feste des Jahres; allmählich, wenn sie nicht mehr aufgefrischt werden in ihrem Sinn, verlieren sie ihre Bedeutung. Für das Faschingsfest ist noch nicht außerordentlich viel getan, um seine Bedeutung wieder zu gewinnen. Denn eigentlich würde das Faschingsfest tief eingreifen in das ganze soziale Leben, wenn es den ursprünglichen Sinn, den es zum Beispiel im alten Rom gehabt hat, wo es etwas früher gefeiert worden ist, wieder bekommen hätte.

Gehen wir gerade ins alte Rom zurück, dann finden wir das Folgende. Die Leute waren damals auch, wenn man so sagen darf, so eingeteilt, wie hier in der jetzigen Zeit: der eine war Staatsbeamter, der andere war Krieger, der dritte war Arbeiter und so weiter, und die Einteilung war damals mindestens im sozialen Sinne noch härter als heute. Denn derjenige, der Sklave war, konnte ja sogar als Mensch gekauft werden! So daß man sagen kann: Es war der Unterschied der Menschen im alten Rom noch ein sehr, sehr bedeutender. Aber das Bewußtsein, daß man diese oder jene Stellung hat, das sollte wenigstens für einige Tage des Jahres verlorengehen. Nicht wahr, heute redet man von der Demokratie und meint, zunächst allerdings mehr im theoretischen Sinne, daß alle Menschen gleich seien. Nun, das haben die Römer durchaus nicht irgendwie geglaubt, sondern bei denen war derjenige, der in irgendeinem höheren Stand geboren worden war, erst ein richtiger Mensch. Sie wissen ja, daß bis in unsere Zeiten herein noch für gewisse Leute das Sprichwort gegolten hat: Der Mensch fängt erst beim Baron an. - Also diejenigen, die unter dem Baron sind, sind keine Menschen.

Im alten Rom war das natürlich außerordentlich stark. Wenn auch dazumal der Adel in der Weise nicht eingeführt war, wie er dann später erschien - denn das ist eine mittelalterliche Einrichtung aus der sogenannten Feudalzeit -, so war aber doch ein großer Unterschied der Stände im alten Rom üblich. Nun aber, ein paar Tage im Jahr hindurch sollten die Menschen gleich sein, sollte Demokratie herrschen. Das konnte man natürlich nicht so machen, daß die Menschen mit ihren gewöhnlichen Gesichtern kommen, sonst hätte man sie ja erkannt; da mußten sie Masken tragen. Da waren sie dann, was die Masken waren. Da gab es dann auch einen Menschen, der Faschingskönig war. Der konnte in diesen Tagen tun, was er wollte. Er konnte Befehle ausüben, während er sonst nur Befehle empfangen hat. Und das ganze Rom war in dieser Zeit ein paar Tage verrückt, von der Stelle gerückt; und die Menschen konnten sich auch ihren Vorgesetzten gegenüber anders benehmen, brauchten ihnen gegenüber nicht höflich zu sein - also für einige Tage, um die Menschen gleich zu machen! Und diese Einrichtung hat natürlich dazu geführt, daß die Leute in diesen Tagen nicht gerade geweint und getrauert haben; denn das hat sie gefreut, daß sie ein paar Tage so leben konnten. Aus dieser Freude heraus ist dann die Faschingslustbarkeit geworden: Die Leute haben nur tolle Streiche gemacht, wenn sie frei geworden sind für ein paar Tage. Und so ist die ganze Faschingsvergnüglichkeit entstanden.

Die Folge davon war, daß, weil das den Leuten sehr gut gefallen hat, es sich auch erhalten hat. Aber die Dinge erhalten sich, ohne daß man den ursprünglichen Sinn noch weiß. So bleibt nur der Fasching als die Zeit, in der man tolle Streiche macht - weil man da tolle Streiche machen durfte. Dann hat das Kirchentum gefunden, daß es notwendig ist, daß man just danach auch den Aschermittwoch folgen läßt, daß man sich als schuldiger Mensch fühlt, nicht alles darf, was man will und so weiter, und da das Christentum, wenigstens in früherer Zeit, den Brauch entwickelt hat, daß der Mensch entbehren soll, so wurde die Fastenzeit eingerichtet. Und es war natürlich zweckmäßig, gerade die Fastenzeit anzureihen an die Faschingszeit, weil da die Leute am wenigsten entbehrt haben; alles das, was ihnen wohlgefallen hat, haben sie eben, so gut es ging, gemacht. Und nachher ist es viel schlimmer, die Sachen nicht zu essen, die man da vorher gegessen hat. Es war dann, als ob die Zeit nicht vorangegangen wäre. Und so haben sich diese Feste zusammengestellt.

Nur war die Sache in Rom so, daß der Fasching viel früher war, ungefähr um unsere heutige Weihnachtszeit, denn alles ist etwas hinausgerückt worden in eine spätere Jahreszeit. Dadurch haben wir diesen heutigen Fasching eben erhalten. Das Datum des Faschings richtet sich ja, wie ich glaube, in allen übrigen Gegenden nach der Osterzeit, nur in Basel wird es um eine Woche später gefeiert, soviel mir bekannt ist. Aber das führt ja, wie ich höre, nur dazu, daß man es dann zweimal feiert!

Nun, das ist also dasjenige, was in bezug auf diese Frage zu sagen wäre. Das kann man von vielen Sachen in der Menschheit sagen, daß sie ursprünglich schon einen Sinn hatten, aber diesen Sinn dann später verloren haben. Dann frägt man sich: Warum denn das alles?

Nun, vielleicht hat jemand für heute noch etwas anderes zu fragen?

Fragesteller: Ich möchte Herrn Doktor fragen, ob er vielleicht fortfahren würde mit der Geschichte vom letzten Mal?

Fragesteller: Ich möchte Herrn Doktor fragen, ob so etwas möglich wäre, daß Menschen einen anderen beleidigen oder ihm Schmerz zufügen können, also auf andere einwirken können? Frau A hatte ein dreijähriges Kind, das sah immer Wesenheiten zur Türe und zu den Fenstern hereinkommen. Das Kind hatte oft unruhige Nächte, und besonders wenn die Frau die Leibwäsche gewaschen hatte - die Frau entlehnte Sachen im Haus -, so wurde das Kind immer unruhig. Zuletzt hat es dann nichts mehr gegeben; dann ist die Frau später gestorben. Ich möchte Herrn Doktor fragen, ob so etwas möglich wäre?

Dr. Steiner: Das sind natürlich Dinge, die in allerlei Gebiete hineinschlagen, in denen ebenso stark mitspielen kann - weil die Leute leichtgläubig sind - der Aberglaube, aber auch die Tatsachen. Sie müssen sich nur klar darüber sein, daß in der Welt Zusammenhänge vorhanden sind, die physisch nicht ohne weiteres zu verfolgen sind. Ich will von ganz einfachen Zusammenhängen ausgehen.

Nehmen Sie einmal die Sache so: nehmen Sie eine Weinernte. Sie ernten Wein und Sie pressen ihn aus, richten ihn zu, geben ihn in Fässer, kellern ihn ein. Nun, Sie werden bemerken, daß er in der Zeit, in der dann der nächste Wein herankommt - wenn die Zeit herankommt, wo der Wein wieder gärt -, unruhig wird. Er bleibt, ohne daß er physisch einen Zusammenhang hat, noch in Verbindung. Das ist eine einfache Tatsache, die Ihnen zeigt, daß es in der Natur selbst solche Verbindungen gibt, die man nicht ohne weiteres mit dem Auge und so weiter verfolgen kann.

Nun gibt es aber heute schon, wie Sie wissen, eine Möglichkeit, die gewöhnliche Sichtbarkeit zu überbrücken. Sie brauchen nur daran zu denken, daß also selbst in der leblosen Natur heute Einrichtungen vorhanden sind, wo man das gewöhnliche Sichtbare - nicht das feiner Sichtbare, aber das gewöhnlich Sichtbare - überwindet; Sie brauchen nur an die Funktelegraphie zu denken! Worauf beruht denn die Funktelegraphie? Sie beruht darauf, daß Sie irgendwo einen Elektrizitätserreger haben; an den schließt sich zunächst gar kein Draht an, sondern der steht für sich da. Irgendwo anders, ohne Verbindung damit, findet sich ein Apparat, in dem gewisse feine Scheibchen drinnen sind, die in Bewegung kommen können. Man nennt einen solchen Apparat einen Kohärer. Sie haben gar keine physische Verbindung zunächst, wie es scheint, sondern wenn Sie hier die Elektrizität erregen, so kommt es dazu, daß sich dort die Zeichen bewegen; und wenn Sie es da mit einem Apparat in Zusammenhang bringen, so können Sie dort die Depeschen aufnehmen, geradeso wie Sie mit den Drähten Elektrizität aufnehmen können. Gewiß, es beruht darauf, daß sich die Elektrizität ausbreitet, aber die kann man eben nicht sehen; sie breitet sich ohne eine gröbere physische Verbindung aus. Da haben Sie also selbst in der leblosen Natur eine Verbindung, die durchaus so ist, daß man sagen kann: Es ist das Sichtbare wenigstens bis zu einem gewissen Grade überwunden.

Nun kann ja die Sache weitergehen. Nehmen Sie einmal gewisse Zwillingsgeschwister an. Zwillingsgeschwister stehen auch nicht mehr in einem physischen Zusammenhange, wenn sie ein späteres Alter erreicht haben. Der eine ist vielleicht da, der andere dort. Dennoch kann man gerade bei Zwillingsgeschwistern wahrnehmen, wie der eine zu einer bestimmten Zeit zum Beispiel eine Krankheit kriegt; der andere, der weiter entfernt ist, auch! Oder der eine wird in einer bestimmten Zeit durch irgend etwas traurig; der andere auch. Alle solche Dinge zeigen Ihnen, daß es schon Wirkungen in der Welt gibt, wo man nicht gleich von einer physischen Einwirkung sprechen kann.

Wenn man aber nun ans Tierreich herankommt, dann merkt man sehr bald, daß es zum Beispiel Wahrnehmungen gibt bei den Tieren, die der Mensch nicht hat. Nehmen Sie zum Beispiel an, in irgendeiner Gegend käme ein Erdbeben oder ein Vulkanausbruch, der sehr schädlich wird für die Menschen. Die Menschen bleiben ruhig sitzen; die Tiere sieht man manchmal schon tagelang vorher wegziehen, die Gegend verlassen! Auch aus dem können Sie sehen, daß für die Tiere eine Empfindung von etwas da sein kann, was man nicht physisch wahrnimmt. Würde man es physisch wahrnehmen, so würde auch der Mensch in der Lage sein, die Sache wahrzunehmen.

Aus alledem sehen Sie, daß es eben Verbindungen gibt, die außer dem Physischen in der Welt möglich sind. Nun, wenn wir auf solche feinere Verbindungen eingehen, so kommen wir dazu, daß zuweilen Menschen etwas in sich spüren, was sie ganz gewiß nicht physisch haben wahrnehmen können. Ich will zum Beispiel sagen: Es gibt irgendwo einen Menschen - die Dinge sind ja in Hunderten und Tausenden von Fällen vorgekommen -, der zuckt plötzlich zusammen und sieht etwas vor sich wie ein Bild - es ist natürlich nur ein Traum - und er schreit und sagt: Mein Freund! - der Freund ist aber vielleicht weit weg; der kann das in Europa erleben, der Freund ist vielleicht in Amerika -, mein Freund! Dem ist jetzt etwas passiert! - Es stellt sich heraus: Der ist gestorben. Also solche Dinge sind durchaus vorhanden. Man kann da wiederum konstatieren, wie solche Wirkungen stattfinden können, ohne daß eine physische Verbindung da ist.

Ja, man muß nun aber schon sagen: Für unsere Menschheit ist es gut, daß diese Dinge nicht allzu verbreitet sind; denn denken Sie nur, wenn Ihr Kopf geeignet wäre, all dasjenige wahrzunehmen, was der eine oder andere Mensch zum Beispiel Schlimmes über Sie denkt oder sagt, dann wäre das eine schlimme Geschichte! Nicht wahr, Sie wissen ja, wenn man einen Telegraphenapparat hat, dann muß erst die Einrichtung erfolgt sein, der Draht muß erst eingeschaltet sein, dann geschieht die Übertragung. Ebenso muß bei der drahtlosen Telegraphie das hier in Ordnung sein, darf nicht weggenommen sein (auf die Zeichnung deutend), dann geschieht die Übertragung. Nun, im allgemeinen, beim voll gesunden Menschen ist es so, daß der Mensch eben nicht eingeschaltet ist in all die Strömungen, die da gehen; er ist ausgeschaltet; aber in speziellen Fällen kann es allerdings geschehen, daß man eingeschaltet ist in irgend etwas.

Nehmen Sie also zum Beispiel an - auf Ihren Fall kann ich aus dem guten Grunde nicht gut eingehen, weil Sie wahrscheinlich nicht wissen, wie stark er beglaubigt ist; aber ich will auf ähnliches eingehen, dann werden Sie auch dieses sich erklären können. Ich möchte immer nur über Dinge reden, die absolut beglaubigt sind, weil man sonst sehr leicht in die bloße Rederei hineinkommt. Sie haben den Fall wahrscheinlich nicht selbst erlebt, sondern gelesen oder erzählen hören? Also nur auf das, was gut beglaubigt ist, will ich eingehen. Nehmen Sie an: Eine Frau A, die habe während der Schwangerschaft einen Streit gehabt mit einer Frau B, die in der Nachbarschaft wohnt. Es kommt ja vor, nicht wahr, daß die Leute miteinander streiten. Nun hat vielleicht diese Frau B, die in der Nachbarschaft wohnt, ganz besonders stark die Frau A verwünscht, und die Frau A ist, als die Frau B gezetert und geschimpft hat, furchtbar erschrocken. Dadurch kann das Kind, das dann geboren wird, in eine gewisse Abhängigkeit von der Frau B kommen, aber auch die Frau B in eine gewisse Abhängigkeit zum Kind, und es kann schon vorkommen, daß dadurch das Kind empfänglich wird für dasjenige, was sie ihm als Leibwäsche oder dergleichen gibt, wenn es die Frau B wäscht. Aber auf der anderen Seite kann es auch wichtig sein für die Frau B, daß sie Leibwäsche bekommt; sie braucht dann, weil sie doch ein bißchen Reue hat darüber, daß sie der Frau A das angetan hat, irgend etwas aus diesem Hause, um sich fortwährend zu beruhigen; und in dem Augenblicke, wo ihr das dann entzogen wird, da sucht sie es auf alle mögliche Weise zu bekommen. Es können Leute dadurch, daß sie so etwas bekommen wollen, ohne daß sie von Natur aus Diebe sind, allerlei Sachen entwenden. Sie werden diebisch nur für diese Dinge; sie stehlen sonst nicht, aber suchen auf alle Weise diese Dinge zu bekommen. Dann kann es allerdings sogar vorkommen, daß sie, wenn ihnen das entzogen wird, weil schon einmal auch geistig-seelische Einflüsse auf die Gesundheit des Menschen vorhanden sind, dadurch an einer Art inneren Auszehrung, an einem Auszehrfieber siechen und dahinsterben, oder sagen wir, selbst an einem Herz- oder Nervenschlag dahinsterben. Es kann das durchaus sein.

Man kann also sagen: Diese Dinge kommen vor in der Welt, und diese Dinge sind auch erklärlich, weil eben, ohne daß eine physische Verbindung besteht, durchaus ein Einfluß von einem Menschen auf den andern unter gewissen Verhältnissen ausgeübt wird. Aber man muß dann immer auf die Veranlassung eingehen können. Es kann in diesem Fall, den Sie nannten, eine ganz andere Veranlassung gewesen sein. Aber wenn zum Beispiel während der Schwangerschaft ein Krakeel zwischen den beiden Frauen gewesen wäre, so könnte das die Ursache sein, daß eine Einschaltung zwischen dieser Frau und dem Kinde später noch stattgefunden hat. Nun, meine Herren, es wurde gewünscht, daß ich noch etwas weiter spreche über dasjenige, was ich neulich ausgeführt habe. Ich habe Ihnen gezeigt, wie im alten Indien in einer Zeit, die heute vielleicht vier- bis fünftausend Jahre zurückliegt, die Menschen unter ganz andern Verhältnissen lebten. Und gerade durch diese besondere indische Natur und durch die Art, wie die Völker beisammen waren, haben diese alten Inder die Ansicht ausgebildet von dem physischen Menschenleib.

Die Ägypter wiederum, die ihr Land ganz unter dem Einfluß des Nils gehabt haben, die sozusagen alles, was sie waren, dem Nil verdankten, die haben, weil dadurch der Mensch auch auf den Äther aufmerksam wird, die Anschauung von dem Ätherleib des Menschen ausgebildet.

Die in Assyrien Wohnenden und die Babylonier, die haben, weil bei ihnen durch die besonders reine Luft, durch die Höhenlage, die Sterne zu gewissen Jahreszeiten leicht beobachtbar waren, den Astralleib als Anschauung ausgebildet.

Und die Juden, die eigentlich wandern mußten in ihrer früheren Zeit, die nirgends zunächst seßhaft waren, erst später seßhaft geworden sind, die mehr aus dem Inneren der Menschennatur heraus gedacht und empfunden haben, die haben ausgebildet die Anschauung von dem Ich des Menschen.

So hat sich nach und nach die Anschauung von dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem Astralleib und dem Ich ausgebildet. Sehen Sie, das Wort Jahve heißt ja nichts anderes als: Ich bin der Ich-bin. Das ist die Wortbedeutung. Da wird eben, indem Jahve gilt als der oberste Gott, durch dieses Bekenntnis zum obersten Gott auf das menschliche Ich in klarer Weise hingedeutet.

Wenn wir diese Entwickelung der Geschichte verfolgen, dann finden wir, daß eigentlich alle diese Völker mehr das in ihren Gedanken, in ihren Gefühlen zum Ausdruck gebracht haben, was sie erlebt haben. Der Inder hat eine fruchtbare, reiche Natur erlebt - da ist alles in einem fortwährenden Blühen und Wachsen: eine reiche, üppige Natur. Er hat also eigentlich den Reichtum des Physischen besonders wahrgenommen, und er hat demgemäß aus seiner Anschauung heraus die Ansicht vom physischen Leib besonders ausgebildet. Der Ägypter wiederum, der hat gesehen, daß ihm nur der Nil, den man sieht, hilft; der hat deshalb die Lehre vom Äther ausgebildet und so weiter. Aber alle diese Menschen haben eigentlich alles das ausgebildet, was sie erlebt haben.

Dem gegenüber stand nun ein anderes Volk. Wir können sagen (es wird eine Zeichnung entworfen): Hier das alte Indien, hier Arabien; hier also dann Ägypten, da fließt der Nil. Nun geht es hier herüber, und hier haben wir dann gegen Afrika her gerichtet ein Land, das sich dann an Europa anschließt. Hier würde wiederum Assyrien sein, wie ich Ihnen das letzte Mal gesagt habe, hier Ägypten, hier Indien; hier würde Palästina liegen, wo die Juden ansässig waren; und hier haben wir dann Griechenland. In diesem Griechenland sind Völker ansässig geworden, die aus den verschiedensten Gebieten von Asien und Europa eingewandert sind, und die also dort sich untereinander vermischt haben. Sie haben auch schon ursprüngliche Einwohner gefunden, als sie eingewandert sind, aber es hat sich dann auf dieser Halbinsel von Europa eben nach und nach das griechische Volk ausgebildet. Dieses griechische Volk, das war nun eigentlich das erste, welches, man möchte sagen, die Augen aufgemacht hat und auch etwas gesehen hat von der Welt, was nicht nur von innen erlebt war. Der Inder hat die Natur von innen erlebt; der Ägypter hat die Ätherwirkungen erlebt; die Assyrier haben den Astralleib an den Sternen erlebt; die Juden haben ihr Ich erlebt. Die Griechen, die haben eigentlich zuerst, wie ich schon sagte, die Augen nach außen gerichtet und die Welt angesehen. Die anderen haben ja eigentlich die Welt nicht angesehen. So daß man sagen kann: Die Naturanschauung, die war weder bei den Indern und den Ägyptern noch bei den Babyloniern und bei den Juden besonders entwickelt; sie haben nicht viel gewußt von der Natur, weil sie nicht die Augen aufgemacht und herausgeschaut haben. Bei den Griechen erst ist eine Naturanschauung entstanden, weil eben die Griechen die Augen aufgemacht und nach außen geschaut haben. Und so wird der Mensch in Griechenland eigentlich erst auf die äußere Welt aufmerksam.

Sehen Sie, die Inder, die haben ganz gut gewußt: Diese physische Welt hier, die ist ein Teil der ganzen Welt, und ich bin bei der Geburt herausgekommen aus dem Geistigen; ich gehe nach dem Tode wiederum hinein. Die Ägypter haben zwar geglaubt, daß man die Mumien erhalten müsse, damit der Mensch wiederum zurückkommen könne; aber sie haben auch besonders auf das Geistige gesehen. Die Babylonier haben in dem Sternenhimmel, den sie beobachtet haben, im Astralen, den Willen der Geister gesehen. Also sie haben auch an Geister geglaubt. Und von den Juden wissen Sie ja, daß sie der Anschauung waren, daß Jehova, Jahve, sie wiederum zurückführt in jene alten Zeiten, in denen die Urväter gelebt haben. Also die haben im Grunde genommen auch auf dasjenige gesehen, was den Menschen mit der geistigen Welt verbindet.

Bei den Griechen ist das anders geworden. Die Griechen haben eigentlich als die ersten die äußere Welt liebgewonnen. Den früheren Völkern lag nicht viel an der äußeren Welt. Den Griechen lag sehr viel an der äußeren Welt; und es gibt einen griechischen Ausspruch, der besagt: Es ist besser, ein Bettler zu sein in der Oberwelt also, er meint in Griechenland, auf der Erde -, als ein König im Reiche der Schatten, also der Abgestorbenen. Also die Griechen haben vor allen Dingen die Welt liebgewonnen und haben dadurch zuerst auch eine Naturanschauung gewonnen.

Die anderen Völker haben zum Beispiel entwickelt eine Menschenansicht. Bei den Indern namentlich war schon in den ältesten Zeiten eine gewisse Menschenansicht. Aber die haben diese Menschenansicht nicht etwa dadurch gewonnen, daß sie den toten Menschen in den Seziersaal gebracht und zerschnitten haben! Wenn die Inder das hätten machen müssen, so hätten sie niemals ihre Menschenansicht gewonnen. Sondern sie haben gespürt in den einzelnen Teilen des Menschen - das war in der Zeit noch möglich -, wie sich die Leber, die Lunge verhält. Durch innere Erkenntnis haben sie das gewußt. Das ist dasjenige, was die Inder zu ihrer großen Weisheit geführt hat, daß sie durch inneres Empfinden und Fühlen gewußt haben, wie die Leber wirkt und so weiter. Heute weiß der Mensch nur, wie ihm ein Stückchen Fleisch im Munde schmeckt. Der Inder hat gewußt, wie sich ein Stückchen Fleisch verhält in den Gedärmen, was die Leber, was die Galle tut, durch inneres Erleben, so wie der Mensch heute die Stückchen Fleisch, die er ißt, im Munde spürt.

Die Ägypter haben die Geometrie ausgebildet, weil sie das brauchten. Sie mußten immer wieder feststellen, wo die Äcker liegen; der Nil hat ja jedes Jahr alles überschwemmt. Das ist auch etwas, was man aus dem Kopf heraus spinnt. Die Babylonier haben die Astrologie ausgebildet, die Sternenerkenntnis - also auch wieder etwas, was nicht mit dem Irdischen zusammenhängt; sie haben kein starkes Interesse gehabt für das Irdische. Und daß die Juden kein starkes Interesse haben für das Irdische, zeigt sich darin, wie der Jude alles eher hat als ein eigentliches Interesse für dasjenige, was in der Sinneswelt um ihn herum ist; er kann gut denken, aber er hat nicht ein eigentliches Interesse für das, was in der Sinneswelt um ihn herum ist.

Das Volk, das am meisten Interesse hat für das, was in der Sinneswelt um einen herum ist, das sind die Griechen. Wenn man nachforscht, so ist es interessant, daß man darauf kommt, daß sie die ganze Welt anders gesehen haben, als wir heute. Das ist sehr interessant. Wir sehen heute den Himmel blau. Die Griechen haben gar nicht einen solchen Eindruck von der blauen Farbe gehabt wie wir, sondern sie haben den Himmel viel dunkler, fast schwärzlich gesehen, und einen etwas grünlichen Anstrich. Ganz besonders stark haben sie das Rot wahrgenommen. Wir können uns gar nicht mehr vorstellen mit unserer matten Rotwahrnehmung, welchen starken Eindruck die rote Farbe auf die Griechen gemacht hat! Gerade weil sich in der Menschheit nach und nach die Empfindung für das Blaue entwickelt hat, dadurch ist die Menschheit wiederum zurückgekommen von dem sinnlichen Eindruck. Also die Griechen haben zuerst dasjenige besonders liebgewonnen, was außer ihnen vorhanden war. Und dadurch haben die Griechen ganz besonders dasjenige ausgebildet, was man heute eine Mythologie nennt. Die Griechen haben eine ganze Götterwelt verehrt: Zeus, Apollo, Pallas Athene, Ares, Aphrodite; überall haben sie Götter gesehen. Eine ganze Götterwelt haben sie verehrt, weil ihnen das, was sie liebten als äußere Natur, überall noch belebt und durchgeistigt vorkam. Nicht so tot, wie es bei uns ist, sondern überall noch belebt und durchgeistigt kam es ihnen vor. Also sie verehrten in der Natur selber, die sie liebgewonnen hatten, überall die Götter.

Dadurch aber ist während der Griechenzeit gerade für alle diejenigen Menschen, die von der griechischen Zivilisation, von der griechischen Kultur, vom griechischen Geistesleben abhängig geworden sind, vergessen worden, was eigentlich die Inder, die Ägypter, die Babylonier vom Geistigen erlebt haben.

Nun werden Sie ja wissen, meine Herren, einen wie großen Einfluß auf die ganze Entwickelung der Menschen eigentlich Griechenland genommen hat. Das geht ja bis heute! Wer heute seinen Sohn ins Gymnasium schicken kann, der läßt ihn heute noch die griechische Sprache lernen. Das war früher aber viel ausgebreiteter. Man war früher sozusagen ein Esel, wenn man nicht Griechisch konnte, oder nicht wenigstens die griechischen Schriftsteller, Poeten lesen konnte. Griechenland hat einen ungeheuer starken Einfluß auf die Welt genommen, weil es sich zuerst interessiert hat für diese äußere Welt.

Nun, während in Griechenland sich dieses Interesse für die äußere Welt entwickelt, tritt in Asien drüben das Bedeutsame ein, daß von da aus sich das Mysterium von Golgatha entwickelt hat, das heißt, als Griechenland schon überwunden war, alles eigentlich schon römische Herrschaft war. Aber was bedeutet diese römische Herrschaft? Sie war ja ganz erfüllt von griechischem Geist. Die gebildeten Römer hatten auch alle Griechisch gelernt, und wer in Rom gebildet war, konnte eben Griechisch. Das Griechische hat überall den allergrößten Einfluß gewonnen. Während also das Griechische sich so ausbreitete, war in Asien drüben, in einer eigentlich wenig bekannten römischen Provinz - das war dazumal Palästina, die Juden waren überwunden, Palästina war römische Provinz geworden - ein Mensch aufgetreten, Jesus aus Nazareth, der etwas ganz anderes sagte, als was bisher die Menschen jemals gesagt haben. Und Sie können sich vorstellen, weil er so etwas Besonderes sagte, wurde er auch von den anderen nicht gleich begriffen. Daher ist er in der ersten Zeit nur von wenigen begriffen worden.

Was sagte denn eigentlich diese Persönlichkeit des Jesus, als er ın Palästina auftrat? Nun, diese Persönlichkeit des Jesus sagte in der Art, wie er es dazumal ausdrücken konnte: Ja, man glaubt heute — das war das damalige «heute» - überall, daß der Mensch ein Erdenwesen ist. Das ist er aber nicht. Er ist ein Wesen, das aus der geistigen Welt stammt und das, wenn es stirbt, wiederum in die geistige Welt zurückgeht. - Heute, wo das Christentum fast zweitausend Jahre gewirkt hat, muß man sich wundern, daß so etwas damals gesagt worden ist. Aber damals war es eben nicht so. Die asiatischen und afrikanischen Vorstellungen vom Geiste waren in Griechenland wenig bekannt, wenig ausgebreitet. Da war man mehr der Welt zugewandt. Und daher war schon insbesondere auch gegen das verweltlichte Griechentum, wie es in Rom war, dasjenige, was der Jesus aus Nazareth zunächst lehrte, etwas ungeheuer Bedeutendes.

Aber damit hätte er noch nichts anderes getan, als daß er dasjenige, was schon die früheren Völker, die Inder, die Ägypter und so weiter auch gesagt haben, wiederum hätte auferstehen lassen. Es wäre nur dasjenige wiederum auferstanden, was ich Ihnen eben erzählt habe; es wäre nur das wiedergekommen, was schon da war. Aber jener Jesus aus Nazareth hat nicht nur dasjenige wiederum aufgewärmt, was schon da war, sondern er hat auch noch folgendes gesagt. Er hat gesagt: Ja, wenn ich heute nur auf dasjenige hingehört hätte, was mir die Menschen sagen können, so wäre ich gar nicht auf die Lehre vom Geist gekommen, denn die Menschen wissen gar nicht mehr in Wirklichkeit etwas vom Geiste. Das ist mir gekommen von außerhalb der Erde. - Und so ist er sich bewußt geworden, daß er nicht bloß der Jesus war, sondern daß in seiner Seele eine Wesenheit aufgegangen ist, die der Christus war. Der Jesus, der war für ihn derjenige, der auf der Erde aus dem Mutterleib geboren ist. Der Christus war derjenige, der in seine Seele hineingeströmt ist erst in späterer Zeit. Dadurch ist in seiner Seele die Wahrheit aufgegangen, daß die Menschen geistiger Natur sind.

Jetzt müssen wir uns einmal fragen: Wie sind denn die verschiedenen alten Lehren in Indien, in Ägypten, in Babylonien und auch unter den Juden gepflegt worden? Wenn Sie sich heute in dem geistigen Leben umsehen, so finden Sie auf der einen Seite die Kirche, auf der anderen Seite die Schulen. Höchstens streiten sich die Herrscher der Kirche mit den Beherrschern der Schulen, wie groß der Einfluß von dem einen auf das andere sein soll; aber abgesondert ist es voneinander. Das war bei diesen alten Völkern weder bei den Indern noch den Ägyptern noch den Babyloniern noch auch bei den Juden der Fall. Alles, was dazumal mit Religiösem verknüpft war, war zu gleicher Zeit mit den Schulen verknüpft; es war eines, der Kirchendienst und der Schuldienst. Vieles davon hat sich natürlich noch in unsere Zeit herein verpflanzt; aber so ist es eben nicht, wie es in alten Zeiten war, daß der Priester zugleich der Lehrer war. Der Priester war der Lehrer sowohl in Indien wie in Ägypten, Babylonien und so weiter. Der Priester war der Lehrer. Und wo lehrte er? Nun, er lehrte dort, wo man auch den Gottesdienst verrichtete, wo man den Kultus hatte. Der Kultus war überhaupt mit dem Lehren ganz verbunden. Das waren die Mysterienstätten. Man hatte nicht Kirche und Schule, sondern man hatte solche Orte, also solche Institute, die beides zugleich waren, und die wir heute Mysterien nennen. Aber es war da überall die Ansicht, daß man vorsichtig sein muß mit alldem, was da gelernt werden kann.

Sehen Sie, meine Herren, das war eben eine alte Anschauung: daß der Mensch erst reif sein soll dazu, wenn er ein bestimmtes Wissen bekommt. Das ist heute ganz verlorengegangen. Und so hat man überall diejenigen, welche die höchste Würde hatten in den Mysterien, die «Väter» genannt. Es ist davon noch zurückgeblieben, zum Beispiel in der katholischen Kirche, daß man gewisse Priester die Patres nennt, die Väter. In den alten Zeiten, sowohl bei den Indern, den Ägyptern, den Babyloniern und so weiter, überall waren diejenigen, die eigentlich eingeweiht waren in das Wissen, die Erkenntnisse hatten, die «Väter» genannt worden. Und wenn diese Väter dann gelehrt hatten diejenigen, die aufgenommen worden sind, von denen sie geglaubt haben, daß sie sie reif machen können, dann hatten sie sie auch erst, so wie sie «Väter» genannt worden waren, die «Söhne» genannt. Und alle übrigen Menschen, die nicht in die Mysterien hineinkamen, die nicht aufgenommen wurden, die nannte man die «Kinder» der Väter; oder man sagte auch zu ihnen: Söhne und Töchter. Nun, Sie können begreifen, daß sich da eine bestimmte Anschauung herausgebildet hat, Diese Anschauung bestand darinnen, daß die Menschen, die dazumal viel gläubiger waren als sie heute sind, wirklich auch im geistigen Sinne diejenigen, die in den Mysterien waren, als ihre Väter empfunden haben; sie haben gern sie als ihre Väter angesehen, als ihre geistigen Väter. Und sie haben vor allen Dingen geglaubt: Diese geistigen Väter stehen mit den Göttern in einem engeren Verkehr als sie draußen; sie draußen müssen erst die Botschaft, die Kundschaft von den Vätern empfangen. Und so sind allmählich die Menschen stark abhängig geworden von den Vätern. Der Zustand, den heute die katholische Kirche, ich glaube, von Herzen gern herstellen möchte, der ist in den alten Zeiten das Selbstverständliche gewesen. Es war überall so. Da hat sich auch kein Mensch dagegen aufgelehnt. Man hat eben gesagt: Wenn man richtig Mensch sein will, dann muß man entweder selber ein Vater sein, dann verkehrt man direkt mit den Göttern, oder man muß eben von den Vätern etwas von den Göttern erfahren. - Man ist also ein Mensch dadurch, daß einem diejenigen, die in den Schulen, in den Mysterien sind, etwas sagen. Dadurch entstand der Unterschied zwischen Gotteskindern und Menschenkindern, Gottessöhnen und Menschensöhnen. Diejenigen, die in den Mysterien waren, nannte man die Gottessöhne, weil sie wiederum zu den Göttern aufschauten wie zu den Vätern. Aber diejenigen, die draußen lebten, denen dann nur verkündet wurde, was in den Mysterien war, die nannte man die Menschenkinder oder Menschensöhne. Und so unterschied man die Menschen in Göttersöhne und in Menschensöhne oder Menschenkinder. Heute kommt das dem Menschen sogar lächerlich vor, aber dazumal war das ganz natürlich. Heute unterscheidet er zwar - wenn auch nicht gerade in der Schweiz, aber ich weiß nicht, ob da etwas Ähnliches auch trotzdem ein bißchen Platz greift; aber gleich in den Nachbarländern -, jetzt hat es etwas aufgehört, aber es ist noch nicht lange her, da unterschied man zwar Exzellenzen von gewöhnlichen Menschen, die Barone von gewöhnlichen Menschen; das nahm man mehr als selbstverständlich hin. Aber in der alten Zeit war es eben ganz etwas Selbstverständliches, daß man unterschied zwischen Göttersöhnen, Götterkindern und Menschenkindern.

Derjenige, der sich dann Christus Jesus genannt hat, der so genannt wurde, der sagte: Ein Gottessohn, ein Geisteskind wird man nicht durch einen anderen Menschen, sondern jeder wird es durch Gott selber. Es kommt nur darauf an, daß man sich dessen bewußt wird. Der alte Mensch sagte: Der Vater aus den Mysterien, der muß einem das zum Bewußtsein bringen. - Der Christus Jesus sagte: Man trägt schon den Keim des Göttlichen in sich, und man kann ihn, wenn man sich nur richtig anstrengt, selber aus sich herausholen.

Damit aber hat der Christus Jesus dasjenige gelehrt, was die Menschen über die ganze Erde in der Seele gleich macht. Und der größte Unterschied, der durch den Christus Jesus überwunden worden ist, das ist der zwischen Göttersöhnen und Menschensöhnen.

Die Leute haben dies dann in aller möglichen Weise mißverstanden - die Alten, weil sie nicht wollten, daß das aufkommt, nicht mehr zu unterscheiden zwischen Göttersöhnen und Menschenkindern, die Späteren, weil sie überhaupt nicht mehr gewußt haben, was damit gemeint war. Geradeso wie die Späteren nicht mehr den Fasching gekannt haben, so haben sie auch nicht mehr gewußt, was mit «Göttersöhnen» und «Menschensöhnen» gemeint war. Daher ist in die Bibel, in das Neue Testament fortwährend hineingekommen, daß der Jesus Christus einmal der Gottessohn und einmal der Menschensohn genannt wird, während all die Stellen, die von dem Gottessohn und dem Menschensohn reden, eigentlich meinen, daß man beides in dem gleichen Sinne gebrauchen kann; deshalb wird abwechselnd davon geredet. Aber wenn man das nicht weiß, daß das dazu geführt hat, kann man eigentlich die Evangelien gar nicht verstehen. Und sie werden eigentlich heute in sehr schlechtem Sinne verstanden gerade von denjenigen, die sich dazu bekennen.

Damit haben Sie gefühlsmäßig dargestellt, was eigentlich durch den Christus Jesus in die Welt gekommen ist. Und wenn ich zunächst heute auf die äußeren Dinge eingehe, so muß ich sagen: Sehen Sie, überall gab es auch sonstige große Unterschiede zwischen den Menschen. Man braucht nur an das alte Indien zu denken. Da wurden unterschieden, wie die Tiere oder Tierklassen: die Brahmanen, die Priester, die Landleute, die Arbeitenden. Die Ägypter wiederum hatten ein ganzes Heer von Sklaven. Die Kasten waren nicht so streng voneinander abgegrenzt, aber sie waren doch auch in einem gewissen Sinne vorhanden. Ja, noch in Griechenland und Rom gab es den Unterschied zwischen Freigeborenen und Sklaven. Diese äußeren Unterschiede, die sind nur dadurch in der neueren Zeit weggewischt worden in der Geschichte, weil der Unterschied weggewischt worden ist zwischen Götterkindern und Menschenkindern. Also es war schon auch auf das ganze soziale Leben der Menschheit ein ungeheurer Einfluß ausgeübt worden von dem, was durch den Christus Jesus in Palästina geschehen ist.

Aber nun kann man tatsächlich bei allem fragen: Ja, ist es denn so, daß aufgefunden werden kann, woher eigentlich das Geistige von außerhalb der Erde in den Menschen hereinkommt? - Sehen Sie, in dieser Beziehung ist es heute sogar sehr schwer zu reden, denn heute wird eigentlich alles nur materialistisch betrachtet. Zum Beispiel, sagen wir, die Sprache. Sie wissen ja, es werden verschiedene Sprachen in verschiedenen Gebieten, verschiedenen Ländern der Erde gesprochen; aber dennoch, die Sprachen haben alle eine geheime Ähnlichkeit. Es braucht ja die Ähnlichkeit nicht so auffällig zu sein, wie, sagen wir, in Deutschland und in England, in Deutschland und in Holland. Aber dennoch, es ist schon so, daß die Sprachen, trotzdem sie verschieden sind, eine gewisse Ähnlichkeit haben. Man kann finden, daß zum Beispiel die Sprache, die in Indien geredet wird, wenn man es auch nicht ohne weiteres versteht, wenn man darauf eingeht, so sind doch die einzelnen Wortbilder zum Beispiel der deutschen Sprache ähnlich.

Nun, was sagen da die Leute, die heute so etwas erklären wollen? Sie sagen: Nun ja, solch eine Sprache ist an einem Orte der Erde entstanden - weil alles nur von der Erde herrühren soll -, dann sind die Völker gewandert, haben die Sprache irgendwo anders hingetragen, da hat sie sich etwas verändert. Aber das stammt alles von einer Sprache ab.

Das ist der größte wissenschaftliche Aberglaube, der in der neueren Zeit herausgekommen ist. Denn sehen Sie, meine Herren, dieser wissenschaftliche Aberglaube, der ist gerade so, wie das Folgende wäre, Denken Sie sich, ein Mensch lebt in Indien, und er wird, wenn die Sonne scheint, warm. Nun, da bildet sich die Ansicht: Der Mensch kann warm werden. - Nun entdecken später die Menschen in Europa, daß sie auch im Sommer warm werden. Sie werden auch warm. Jetzt nehmen sie nicht ihren Verstand zu Hilfe, sondern die Sinne. Sie sagen: Daß man warm wird, das kann man aus der Gegenwart nicht erklären; aber im alten Indien, da sind die Menschen warm geworden; die sind ausgewandert nach Europa und haben die Eigenschaft, warm zu werden, nach Europa verpflanzt. - Ja, meine Herren, wenn das einer sagt, so ist er natürlich verrückt. Aber die Sprachgelehrten sagen dasselbe! Die sagen nicht, wenn eine Sprache in Europa ähnlich ist einer Sprache in Indien, daß in Indien derselbe Einfluß von außerhalb der Erde gewirkt hat wie in Europa, sondern sie sagen: die Sprache ist hingewandert! Wenn in zwei Gegenden ein Mensch warm wird, so wird man nicht sagen, der hat die Eigenschaft, warm zu werden, durch Wanderung hierhergebracht, sondern man blickt auf zu der gemeinsamen Sonne, und die wärmt sowohl den in Indien wie den in Europa. Wenn man zwei Sprachen findet, die einander ähnlich sind an entfernten Orten, so rührt das nicht davon her, daß die Sprache hinübergewandert ist, sondern daß der gemeinsame Einfluß, geradeso wie der Einfluß der Sonne für die ganze Erde da ist, der gemeinsame Einfluß vom Außerirdischen auf die Völker der verschiedensten Erdgebiete wirkt. Aber weil die Menschen durchaus nicht zugeben wollen, daß ein außerirdischer Einfluß im Geistigen stattfindet, so sinnen sie allerlei Dinge aus, bei denen man nur nicht merkt, daß sie verrückt sind, weil sie so gelehrt sind. Wenn die Menschen sich nicht fürchteten davor, daß man sie für verrückt halten würde, so würden sie ja auch überall ableugnen, daß die Sonne wärmt, sondern sie würden sagen: In Urzeiten ist einmal die Eigenschaft entstanden, warm zu werden, und das hat sich verpflanzt über die ganze Erde. - Sie würden den Sonneneinfluß ableugnen, wenn das nicht verrückt wäre! - Das ist etwas, was man berücksichtigen muß, wenn man die Entstehung des Christentums verstehen will.

Für die weitere Beantwortung ist es heute schon zu spät; darüber können wir dann nächsten Samstag sprechen.

German original of Supra-physical Connections in the Human Mind · ← Previous · Next →