Human History and the World Views of Civilized Nations
GA 353 — 5 May 1924, Dornach
Zehnter Vortrag
Guten Morgen, meine Herren! Hat sich heute irgend jemand von Ihnen etwas ausgedacht?
Herr Erbsmehl: Ich möchte einmal fragen, wie es kommt, daß die heutigen Menschen den Sternenhimmel so betrachten, wie sie es tun, und die alten Babylonier ihn doch ganz anders betrachtet haben?
Dr. Steiner: Nun, die Frage gehört dahin, überhaupt etwas zu sagen über den ganzen Umschwung, der in der Betrachtung der Welt eingetreten ist. Sie haben ja diesen astronomischen Kursus hier durch Fräulein Dr. Vreede - und werden sehen, wie schwer es heute eigentlich ist, durch die rechnerischen und mathematischen Betrachtungen durchzukommen.
Sehen Sie, wenn man sich klarwerden will über diese Dinge, so muß man sich vor allen Dingen vorstellen, daß die älteren Menschen ja wirklich noch viel, man kann schon sagen, geistiger waren als die gegenwärtigen Menschen. Man hat verhältnismäßig noch lange etwas von denjenigen Wirkungen in der Natur gewußt, die heute eigentlich ganz unbekannt sind. Ich möchte Sie auf einiges in dieser Richtung aufmerksam machen. Denn man kann nicht begreifen, was die alten Babylonier und Assyrier mit ihrer Sternenwissenschaft wollten, wenn man nicht gewisse Dinge begreift, die heute eigentlich ganz unbekannt sind.
Es erzählt zum Beispiel noch Rousseau folgendes: Er habe es in Ägypten, also in einer wärmeren Gegend, von der wir ja auch in der letzten Stunde so Merkwürdiges gehört haben, nicht wahr, dahin gebracht, durch seinen Blick, indem er die Tiere in einer gewissen Weise angeschaut hat, zum Beispiel Kröten, die ihm entgegengekommen sind, durch das Anstarren in die Augen hinein, die Kröten zum Stillhalten zu bringen, und dazu zu bringen, daß sie sich überhaupt nicht mehr rühren konnten. Die Kröten waren wie gelähmt. Das ist ihm in wärmeren Gegenden, in Ägypten zum Beispiel, immer gelungen. Er hat da die Kröten lähmen und nachher auch töten können. Dasselbe wollte er aber auch in Lyon treiben. Da kam ihm eine Kröte entgegen. Er schaute sie an, starrte sie an, und siehe da er wurde gelähmt! Er konnte sein Auge nicht mehr bewegen, war gelähmt, wie wenn er tot wäre. Erst als die Leute dazugekommen sind und einen Arzt geholt haben, und man ihm Viperngift, Schlangengift gegeben hat, was ihn eben aus dem Krampfe herausriß, ist er wieder davongekommen. Da hatte sich die Geschichte gedreht. Also Sie sehen, man braucht bloß von Ägypten nach Lyon zu gehen, da drehen sich solche Wirkungen, die ausgehen von Naturwesen, einfach um.
Wir können also sagen: Es gibt schon Wirkungen, die sehr eng zusammenhängen mit dem menschlichen Willen - denn es ist ja eine Entfaltung des menschlichen Willens. Es gibt solche Wirkungen. Und diese Kräfte, die sind eben auch da. Denn nicht wahr, was vor einem Jahrhundert noch da war, das ist auch heute noch da, wird immer da sein, solange die Erde besteht. Aber die Menschen wollen heute nichts mehr von solchen Dingen wissen und bekümmern sich nicht mehr um sie.
Aber, sehen Sie, meine Herren, das hängt noch mit einigen anderen Dingen zusammen. Wir müssen, wenn wir einsehen wollen, wie gewisse Dinge sind, Rücksicht nehmen auf den Ort, wo sie gemacht werden. Wir müssen also in einem gewissen Sinne die Geographie zu Hilfe ziehen. Aber wiederum nicht diejenige Geographie, die heute die gültige ist, denn die redet nicht von dem Unterschied der Krötenwirkungen, vom Menschen ausgehend oder zum Menschen hin, sondern die redet bloß von ganz äußerlichen Dingen.
Nun will ich Ihnen noch ein anderes Beispiel nach dieser Richtung erzählen. Sehen Sie, es gab im 17. Jahrhundert einen Gelehrten, van Helmont. Dieser Gelehrte, der hatte noch viel von demjenigen in sich, was man früher gewußt hat. Denn eigentlich sind die Dinge des früheren Wissens erst im 19. Jahrhundert ganz verlorengegangen. Im 17. Jahrhundert waren sie ziemlich stark noch da, und im 18. Jahrhundert, da begann schon das Zugrundegehen. Aber eben erst im 19. Jahrhundert sind die Leute ganz gescheit geworden nach ihrer eigenen Meinung!
Dieser van Helmont hat nachgesonnen, wie man mehr wissen könnte, als man es durch den gewöhnlichen menschlichen Verstand haben kann. Heute denken die Menschen ja nicht nach darüber, wie man mehr wissen könnte, als man durch den gewöhnlichen Verstand wissen kann, weil sie glauben, daß der menschliche Verstand alles wissen kann. Aber van Helmont, der Arzt war, hat nicht sehr viel gegeben auf diesen menschlichen Verstand. Er wollte ein geistiges Wissen.
Aber das geistige Wissen auf geistige Art zu erringen, so wie wir es heute in der Anthroposophie versuchen, das war dazumal noch nicht möglich. So weit war die Menschheit nicht. So hat van Helmont noch ältere Methoden angewendet. Da hat er folgendes gemacht, wovon ich natürlich nicht irgendwie die Empfehlung geben möchte, daß es nachgemacht werde. Das kann man nicht. Heute wirkt es auch nicht mehr so wie dazumal. Aber van Helmont hat das noch gemacht.
Sehen Sie, er nahm eine gewisse Pflanze, die eine giftige Heilpflanze ist. Bei gewissen Krankheiten verschreibt man sie. Die nahm er. Von dieser Pflanze wußte er natürlich, da er Arzt war, daß er sie nicht essen kann, weil sie eben den Tod bringen würde. Aber er leckte etwas an der Spitze der Wurzel, am unteren Teil der Wurzel. Und nun beschreibt er den Zustand, in den er da gekommen ist, in der folgenden Weise. Er sagt, er hätte so etwas empfunden, wie wenn sein Kopf ganz ausgeschaltet worden wäre, wie wenn er kopflos geworden wäre. Er war ganz kopflos geworden davon. Es war natürlich nicht etwa der Kopf heruntergefallen, aber er hat ihn nicht mehr gespürt. Da hat er durch den Kopf nichts mehr wissen können. Aber jetzt hat angefangen, seine Bauchgegend so zu wirken wie ein Kopf. Und siehe da, er hat große Erleuchtungen bekommen in Form von Bildern, was wir heute in der Anthroposophie Imagination nennen, in Form von Bildern von der geistigen Welt her. Und das hat ihm einen großen Ruck gegeben im Leben, einen furchtbaren Ruck; denn jetzt wußte er: Man kann nicht nur durch den Verstand etwas sagen über die geistige Welt, sondern man kann auch wirklich die geistige Welt sehen. Er hat nicht etwa durch das Nervensystem, das im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem des Menschen ist, gedacht, sondern er hat angeschaut, gesehen wirklich die geistige Welt. Er hat also von der geistigen Welt dadurch Imaginationen bekommen.
Das hat zwei Stunden gedauert. Nach diesen zwei Stunden hat er ein ganz klein wenig Schwindelanfall gehabt. Dann ist er gesund geworden. Nun können Sie sich denken, das hat natürlich seinem Leben einen bedeutenden Ruck gegeben; denn von diesem Zeitpunkt an hat er gewußt, daß man die geistige Welt sehen kann. Aber er hat noch etwas anderes gewußt. Er hat gewußt, daß der Kopf mit seinem Denken ein Hindernis ist für das Schauen der geistigen Welt.
Wir machen es natürlich nicht so, daß wir, wie der van Helmont, an einer Pflanzenwurzel lecken - das glauben ja manche Leute, das ist aber ein Unsinn -, aber es wird durch geistige Übungen das Kopfdenken selber ausgeschaltet. Der Kopf ist nur dazu da, daß er dasjenige auffaßt, was mit dem übrigen Organismus des Menschen geschaut wird, angeschaut wird. Also es wird auf geistige Art derselbe Vorgang hervorgerufen, den auf uralte Weise der van Helmont hervorgerufen hat.
Nun sage ich Ihnen heute nicht alles, was notwendig wäre, um Sie noch einmal hinzuweisen auf die geisteswissenschaftliche Schulung; das kann bei anderer Gelegenheit geschehen. Aber heute sage ich Ihnen das auf die Frage von Herrn Erbsmehl hin. Gerade die zwei Dinge, die ich Ihnen erzählt habe, die hängen nämlich zusammen mit der Sternenwirkung. Und da man heute die Sternenwirkung überhaupt leugnet, so sieht man nicht mehr auf diese Dinge hin.
Der van Helmont, der hat nun diesen großen Ruck in seinem Leben erfahren, und er hat, weil es ihm gefallen hat, die Sache öfter wiederholen wollen, hat noch öfter einmal genascht an dieser Pflanzenwurzelspitze. Und da ist ihm nicht mehr dasselbe gelungen.
Ja, was bedeutet denn das, daß ihm nicht mehr dasselbe gelungen ist? Sehen Sie, das bedeutet, daß der van Helmont irgend etwas später getan hat, was nicht mehr ganz übereinstimmte mit dem früheren. Der van Helmont hat selber keine Erklärung dafür. Nun kann ich Ihnen ja natürlich nicht sagen - aus dem van Helmont können Sie das selber gewinnen, was ich Ihnen jetzt sagen werde -, wann der van Helmont das erste Mal an der Pflanzenwurzelspitze genascht hat, weil er das Datum nicht angibt. Aber aus dem, was man sonst aus der Geisteswissenschaft wissen kann, kann man das Folgende sagen.
Sehen Sie, das erstemal, als der van Helmont an dieser Wurzelspitze genascht hat, da war ganz gewiß Vollmond. Und das hat er nicht beachtet. Später hat er es nicht mehr bei Vollmond gemacht, und da ist es ihm nicht mehr in der Weise gelungen. Es ist ihm etwas zurückgeblieben vom erstenmal; er hat immer wieder etwas in die geistige Welt hineinsehen können. Aber solch ein Ruck, wie das erstemal, ist ihm nicht wieder gelungen.
Nun wußte er im 17. Jahrhundert schon nicht mehr, daß das vom Monde abhängig ist und glaubte, daß es von der Pflanzenwurzel allein herrühre. Aber in älteren Zeiten hat man solche Dinge ganz genau gewußt. Und daher war in älteren Zeiten überall auch diese Ansicht ganz lebendig, daß die Sterne auf das Leben der Menschen, der Tiere und der Pflanzen einen sicheren Einfluß haben.
Wenn man nun prüfen würde, wie solche Sachen geschehen, so müßte man sich sagen: Wir essen zwar nicht Giftpflanzen, aber wir essen doch Pflanzen, essen auch die Wurzeln der Pflanzen. Und während man die Giftpflanzen nur anwenden kann bei der Heilung, wendet man die anderen Pflanzen, die nicht Giftpflanzen sind, als Nahrungsmittel an. Sehen Sie, meine Herren, da ist die Sache so: Wenn man eine Pflanzenwurzel ißt, so steht diese geradeso wie die giftige Pflanzenwurzel unter dem Einfluß des Mondes. Der Mond hat einen Einfluß auf das Wachstum der Pflanzenwurzeln. Daher sind auch gewisse Pflanzenwurzeln bei einer gewissen menschlichen Konstitution sehr notwendig. Sie wissen ja, daß es zum Beispiel auch eine Bevölkerung gibt des Darmes, also der Verdauungsorgane, Würmer, die etwas sehr Lästiges darstellen. Nun, für Leute, die leicht Würmer haben, ist ein gutes Nahrungsmittel die Rote Rübe. Wenn die Rote Rübe in den Darm hineinkommt, da werden die Würmer böse, werden gelähmt und gehen dann mit dem Darmkot ab. So daß Sie also daraus ersehen, daß auf das Leben dieser niederen Tiere, der Würmer, die Wurzel schon auch einen Einfluß hat. Die Rote-Rüben-Wurzel vergiftet uns nicht, aber sie vergiftet die Würmer. Und wiederum ist das so, daß Sie finden werden, daß die stärkste Wirksamkeit zur Vertreibung der Würmer dann ausgeht von jenen Pflanzenwurzeln, welche wir essen während des Vollmondes. Solche Dinge müssen durchaus berücksichtigt werden.
Nun, sehen Sie, man kann sagen: Wenn man die Pflanzenwurzel studiert, dann ist das so, daß die Pflanzen uns etwas geben, was sehr stark wirkt auf das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem. Man könnte sogar Leuten, welche gewisse Krankheiten haben, dadurch große Hilfe gewähren, daß man ihnen gerade eine Wurzeldiät gibt, Wurzeln zu essen gibt und es so macht, daß man zur Zeit des Vollmondes das gibt und zur Zeit des Neumondes aussetzen läßt.
Nun, sehen Sie, alles dasjenige, was man also an den Pflanzen beobachten kann, hat aber auch für den Menschen eine Bedeutung, nämlich für die menschliche Fortpflanzung, für das menschliche Wachstum. Kinder, die die Sucht haben, klein zu bleiben, die könnte man auch mit einer Wurzelnahrung etwas aufpäppeln, daß sie leichter wachsen würden; man muß es nur in entsprechender Jugend tun, zwischen der Geburt und dem siebenten Lebensjahr. Auf alles dasjenige, was in der Pflanzenwelt ist, und auf alles dasjenige, was in der Tierwelt und Menschenwelt mit der Fortpflanzung, mit dem Wachstum zu tun hat, haben die Mondenkräfte einen großen Einfluß. Man muß also den Mond nicht nur studieren dadurch, daß man ein Fernrohr auf ihn richtet, sondern dadurch, daß man das studiert, was er bewirkt auf der Erde. Und bei den Babyloniern und Assyriern wußten diejenigen, die dort die Gelehrten waren, die man damals Eingeweihte genannt hat, genau: diese Pflanze steht so unter dem Einfluß des Mondes, eine andere so, und so weiter. Die sprachen nicht vom Mond als einer bloßen Kugel, die da oben vereist im Weltenraum ist, sondern die sahen die Mondenwirkungen überall. Und diese Mondenwirkungen, die zeigen sich ja hauptsächlich an der Oberfläche der Erde. Sie gehen nicht tiefer in die Erde hinein. Sie gehen gerade noch so weit, daß die Wurzeln der Pflanzen angeregt werden können. Sie stecken gar nicht in der Erde drinnen.
Sie können zum Beispiel den Beweis finden, daß die Mondenkräfte gar nicht in die Erde hineingehen, wenn Sie irgendwo Schwimmer fragen, die bei Mondenlicht schwimmen. Die gehen bald wieder heraus, weil sie immer das Gefühl haben, sie versinken. Es ist das Wasser stockschwarz. Es geht nicht ins Wasser hinein, es geht überhaupt nicht tiefer hinein, es verbindet sich nicht mit der Erde, das Mondenlicht. Und so sehen Sie, daß die Sache so ist, daß die Tiere und Pflanzen unter einem Einfluß des Mondenlichtes stehen, das gar nicht von der Erde aus wirkt, sondern nur von der alleräußersten Oberfläche noch bis zu den Wurzeln der Pflanzen. Nun, dieses gibt Ihnen einen ersten Aufschluß über den Sternenhimmel.
Gehen wir jetzt zu dem Beispiel, das ich Ihnen angeführt habe von Rousseau, der Kröten lähmen, ja töten konnte in der heißen Zone, der aber selber gelähmt wurde in der gemäßigten Zone, in Lyon. Was liegt denn da zugrunde?
Ja, meine Herren, Sie müssen nur bedenken: Wenn die Erde, die ja eine Kugel ist, nahezu eine Kugel ist, wenn diese von der Sonne beschienen ist, so fallen die Sonnenstrahlen in der heißen Zone fast senkrecht auf. Da wirken sie ganz anders als in der gemäßigten Zone, wo sie schief auf die Erde auffallen, unter einem ganz anderen Winkel. Und ebenso wie Wachstum und Fortpflanzung bei den Pflanzen und beim Menschen unter dem Einfluß des Mondes stehen, so steht dasjenige, was seine inneren animalischen Kräfte sind, was sich überträgt auf den Blick, unter dem Einfluß der Sonne. Diese animalischen, diese tierischen Kräfte, die ja Taten sind, die hängen von der Sonne ab. So daß also die Sonne bewirkt mit ihren Kräften, daß in Ägypten der Mensch die Kröten leicht faszinieren, lähmen, ja töten kann, während er sich in der gemäßigten Zone dem Einfluß der Kröten selber hingeben muß. Das hängt also wiederum von der Sonne ab.
Und dann werden Sie ja wissen, daß Ihnen manchmal das Denken selber, überhaupt das ganze innere Leben schwerer ist, manchmal leichter ist. Das hängt wiederum ab vom Saturn, je nachdem, wo er steht.
Und so haben wir für alles, was im menschlichen, im tierischen, im pflanzlichen Leben auftritt, Sternenwirkungen. Bloß die Mineralien sind Erdenwirkungen. Daher kann man mit einer Wissenschaft, die sich bloß auf das Irdische beschränkt, gar nicht dahin kommen, den Menschen irgendwie wirklich zu begreifen. Und man kann auch nicht wissen, was die Sterne tun, wenn man nicht die Taten der Sterne anschaut.
Denken Sie sich doch nur einmal - heute ist das ja nicht mehr so schlimm, aber früher konnte es noch vorkommen -, daß einer meinetwillen ein großer Staatsmann wäre. Man hätte nun fragen können diejenigen, die mit ihm im Hause wohnten, die für ihn kochten, die Köchin zum Beispiel, die sich gar nicht interessiert hat für Staatskunst, was der Mann tut. Da hätte sie vielleicht gesagt: Der frühstückt, ißt Mittag, ißt Abendbrot; sonst tut er überhaupt nichts, während der anderen Zeit geht er fort. Sonst tut er nichts. - Die hätte einfach nicht gewußt, was er sonst noch tut.
Die heutigen Gelehrten reden auch nur das von den Sternen, was sie errechnen können, wissen nur das. Die anderen, die früheren Menschen, haben sich interessiert für das, was die Sterne sonst noch tun. Und daher haben sie eine solche Sternenwissenschaft gehabt. Die wußten, der Mond hat eine Beziehung zu dem Pflanzlichen im Menschen, die Sonne zu dem Tierischen im Menschen, und der Saturn hat eine Beziehung zu dem ganz Menschlichen im Menschen. Und so gingen sie weiter.
Nun sagten sie sich: Die Sonne hat also eine Beziehung zu dem Tierischen im Menschen. Wenn die Sonne ganz senkrecht aufscheint, dann kann der Mensch in der heißen Zone stark auf die Tiere wirken.
Nun, sehen Sie, es gibt zum Beispiel in Europa eine starke Wirkung von dem Menschen auf die Pferde; aber so innig zusammenhängend mit dem Pferde, wie es bei den Arabern ist, also in der heißen Zone, so kann es in Europa niemals werden, weil diese Beziehung zwischen den Menschen und den Tieren eben da nicht stattfinden kann. Das hängt ab vom senkrechten Auffallen der Sonnenstrahlen, von den Sonnenwirkungen.
Sehen Sie weiter, meine Herren. In Babylonien und Assyrien wußte man, von der Sonne gehen gewisse Wirkungen, gewisse Kräfte aus. Aber nun haben die Leute die Sonne beobachtet (es wird gezeichnet). Sie haben sich gesagt, da ist das Sternbild des Löwen, also eine Gruppe von Sternen draußen auf dem Himmel, und da ist meinetwillen das Sternbild, sagen wir, des Skorpions. Nun gibt es eine gewisse Zeit im Jahre, da steht die Sonne im Sternbild des Löwen, das heißt, sie deckt den Löwen zu, man sieht hinter der Sonne den Löwen. Zu einer andern Zeit deckt die Sonne das Sternbild des Skorpions zu, oder das Sternbild des Schützen oder irgendeine andere Sterngruppe.
Nun wußten die Babylonier und Assyrier: Diese Wirkungen, die vom Menschen auf Tiere ausgehen, die sind dann am stärksten, wenn die Sonne vor dem Löwen steht; sie werden schwächer, wenn die Sonne weitergeht und in der Jungfrau oder im Skorpion steht. Also sie wußten nicht nur, bei den Planeten besteht eine Beziehung zu dem, was der Mensch macht, sondern sie wußten, es besteht auch eine Beziehung zu der Stellung der Sonne, ob sie den Löwen bedeckt, oder den Skorpion bedeckt, denn da ändern sich diese Dinge.
Was tut man heute? Heute rechnet man einfach aus: Die Sonne steht im Tierkreis im Widder, im Stier, in den Zwillingen, im Krebs, im Löwen, in der Jungfrau, in der Waage, in den Fischen und so weiter; da rechnet man aus, wie lange sie da in dem Sternbilde steht, wann sie darinnen steht und so weiter. Daß am 21. März die Sonne im Sternbild der Fische steht, das weiß man, aber mehr weiß man halt nicht. Die alten Babylonier und Assyrier wußten zum Beispiel noch, daß, wenn der Saturn in einem gewissen Sternbilde steht, das man die Plejaden nennt, dann der menschliche Kopf am freiesten ist. Das alles wußten sie. Sie konnten das leicht beurteilen, weil sie eben in einer heißeren Gegend wohnten als wir und da eine gewisse Wissenschaft ausbildeten, nach der sie den ganzen Menschen aus dem Himmel heraus begriffen.
Wenn man also sagen kann, diese Wissenschaft war so, daß sie auf den Menschen angewendet wurde - nun, diese Wissenschaft ist eben allmählich vergessen worden. Damals aber hat man das Planetensystem überschaut, und hat auch den Fixsternhimmel überschaut. Man wußte, je nachdem ein Planet da oder dort steht, bedeutet er für das menschliche Leben dies oder jenes. Man wußte, wenn die Sonne im Löwen steht, so übt die Sonne den stärksten Einfluß aus auf das menschliche Herz.
Die Sache ist ja so: Die Leute haben jetzt probiert, wie das nun steht mit den Mineralien. Sie haben sich gesagt: Auf Pflanzen, Tiere und Menschen wirken die Sterne; auf die Mineralien wirken sie nicht. Auf die Mineralien wirkt bloß die Erde. Aber die Mineralien in der Erde sind ja nicht heute bloß entstanden, sondern sie sind viel früher entstanden und waren in alten Zeiten auch Pflanzen. Alle Mineralien waren Pflanzen. Von den Steinkohlen wissen Sie es ja, daß sie Pflanzen waren. Aber ebenso wie die Steinkohlen waren alle anderen Mineralien früher einmal Pflanzen. Da hat der Mond auf sie einen Einfluß gehabt, und in noch früheren Zeiten auch die Sonne, und in noch früheren Zeiten auch der Saturn. Und nun wollte man wissen, welches Mineral in viel früheren Zeiten, als es noch Pflanze war, einen Einfluß von der Sonne gehabt hat. Da hat man die Mineralität geprüft in ihrer Wirkung auf den Menschen, und hat zum Beispiel herausbekommen: Wenn die Sonne vor dem Löwen steht und den starken Einfluß auf das Herz hat, dann kriegt man dieselbe Herzwirkung heraus, wie wenn man dem Menschen Gold eingibt. Daraus haben sie geschlossen, daß die Sonne einmal einen großen Einfluß auf das Gold gehabt hat. Oder wenn Saturn im Sternbild der Plejaden steht, dann ist der stärkste Einfluß auf den menschlichen Kopf. Der wird nämlich frei. Und dann haben sie probiert, welches Mineral einmal, als es noch Tier war - denn bevor sie Pflanzen waren, waren die Mineralien Tiere -, den stärksten Einfluß gehabt haben kann vom Saturn aus. Dann haben sie gefunden, das ist das Blei. Und auf diese Weise bekommt man heraus, daß das Blei auch dahin wirkt, daß der menschliche Kopf freier wird. Man muß daher jemandem, der einen dumpfen Kopf kriegt, und bei dem das daher rührt, daß er gewisse Verdauungsprozesse, die eigentlich im Kopf nicht mehr vor sich gehen sollten, durch Krankheit mit dem Kopf ausführt, dem muß man Blei eingeben.
Und so bekommt man für jeden Planeten ein Metall. Und daher haben die Babylonier und Assyrier die Sonne mit diesem Zeichen geschrieben:®. Aber mit diesem Zeichen haben sie auch das Gold geschrieben. Sie haben also gewußt, die Sterne haben jetzt, wo die Erde da ist, keinen Einfluß mehr auf die Mineralien, aber sie haben ihn einmal gehabt. Sie haben die Sonne und das Gold so aufgeschrieben:®. Wir schreiben die Sonne und das Gold halt mit den Buchstaben, die in unserem Alphabet sind; aber die Alten haben immer dieses Zeichen gemacht:®. Sie haben auch nicht «Blei» geschrieben, sondern sie haben dieses Zeichen gemacht:, und das bedeutet sowohl Saturn wie Blei. Keinem wäre es eingefallen in den alten Zeiten, mit gewöhnlichen Buchstaben Saturn zu schreiben oder Blei zu schreiben. Wenn er das schreiben wollte, schrieb er dieses Zeichen Ahin. Wenn er «Silber» schreiben wollte, schrieb er dieses Zeichen hin:C. Das bedeutet sowohl den Mond wie das Silber. So daß man also die Erde, insoferne sie metallisch ist, auch auf die Sterne bezog.
Ja, sehen Sie, meine Herren, man weiß eigentlich vom Menschen und seiner Beziehung zum Weltenall nicht sehr viel, wenn man auf solche Dinge nicht eingehen kann.
Nun weiter. Diese Dinge waren im Altertum allgemein bekannt. Die Sache ist ja so: Als sich zunächst das Christentum ausgebreitet hat, da war auch über die südlicheren Gegenden von Europa eine solche Wissenschaft verbreitet. Es gibt zum Beispiel noch aus den ersten christlichen Jahrhunderten ein Buch über die Natur - das enthält vieles von dem. Man muß es heute wiederum wissen, sonst kann man die verworrenen Angaben dort nicht herausfinden, denn es ist schon ziemlich verworren; aber es enthält vieles von einer solchen alten Weisheit. Dann aber kam die Zeit, in der das Christentum sich nur auf den Verstand beschränkt hat, und das andere alles nur für das Dogma hingegeben hat. Das war die Zeit, in der überhaupt alles von einer solchen alten Wissenschaft in Europa ausgerottet worden ist. Zwischen dem 5. und dem 11., 12. Jahrhundert hat man eigentlich daran gearbeitet, in Europa diese alte Wissenschaft auszumerzen. Und das ist ja auch in einem hohen Grade gelungen. Denn, sehen Sie, die Sache war ja so: Diejenigen Menschen, welche diese alte Wissenschaft im alten Griechenland, in Rom, in Spanien getrieben haben, also in südlichen Gegenden, diese Menschen waren zu gleicher Zeit schon ganz seelisch und leiblich verdorbene Menschen. Die Geschichte von Rom in dieser Zeit ist eigentlich eine fürchterliche; es waren sittlich ganz verdorbene Menschen. Die haben zwar noch die alte Wissenschaft gehabt, haben sich aber als Menschen nicht mehr aufrechterhalten können, solche Gestalten, Alleinherrscher wie Nero oder Commodus.
Von Commodus zum Beispiel, dem römischen Cäsar, kann man folgendes erzählen. Dieser Commodus, der war, wie alle römischen Kaiser, ein Eingeweihter. Aber nun, was heißt ein «Eingeweihter» in diesem Falle? Das ist so, wie wenn man heute dem Namen nach irgendeinen Titel trägt. Jeder römische Kaiser galt von vornherein, weil er Kaiser war, als ein Eingeweihter. Das bezeugt allerdings, daß man dazumal die Wissenschaft sehr hoch geschätzt hat. Nur, die römischen Kaiser haben - außer Augustus - diese Wissenschaft nicht gehabt. Aber sie sind auch in die Mysterien hineingekommen; sie haben sogar selber andere einweihen können. Nun gab es einen gewissen Grad, da mußte man dem, der eingeweiht wurde, einen Schlag auf den Kopf geben. Das ist eine sinnbildliche Handlung. Der Kaiser Commodus hat diesen Schlag so gegeben, daß der Betreffende tot zusammensank. Man konnte das nicht bestrafen, weil es eben der Kaiser Commodus war. Ebenso, wie sie waren als «Eingeweihte», waren sie als Menschen.
Weiter im Norden wohnten ja noch diejenigen Menschen, die sich später allerdings zu der mitteleuropäischen Kultur entwickelt haben, aber damals noch ganz unzivilisiert waren. Aber die Germanen eroberten später Italien, Griechenland, Spanien. Da haben sich nur diejenigen erhalten, die mit der bloßen Logik, mit dem bloßen Denken arbeiteten. Das sollte nur Dogma sein. Das andere sollte man nicht einsehen. Das Denken wurde beschränkt nur auf die alleräußerlichsten Dinge. Und so ist es denn gekommen, daß von den Schulen, von den Klöstern überall ausgerottet worden ist dasjenige, was altes Wissen war. Und man kann sehen, wie eigentlich nur auf Schleichwegen, ich möchte sagen, durch Konterbande, etwas von dieser babylonischen Wissenschaft nach Europa gekommen ist. Aber es ist in der Regel nicht weit gekommen. In Babylonien ist noch verhältnismäßig lang eine solche Wissenschaft gepflegt worden.
Aber noch bis ins Mittelalter hinein gab es ein griechisches Kaisertum in Konstantinopel. Ja, sehen Sie, meine Herren, es waren schon merkwürdige Gestalten! Wie wenn zu uns manchmal die polnischen Juden kommen mit den Kaftanen und ihren alten Rollen, die aber ja auch nicht sehr angesehen sind manchmal, aber grundgelehrt sind im Judentum, so kamen auch solche Gestalten nach Konstantinopel immer wieder in der Zeit an, als alles ausgerottet wurde. Die kamen an mit großen, mächtigen Pergamentrollen, wo sie vieles aufgeschrieben hatten. Nun, sehen Sie, diese Pergamentrollen hat man diesen merkwürdigen Gestalten alle in Konstantinopel abgenommen und hat sie dort aufgemacht. Und so ist in Konstantinopel alles aufgespeichert worden, was von Babylonien und Assyrien herübergekommen ist. Und gekümmert hat sich keiner darum. Und in Europa hat man alles ausgerottet. Erst im 12., 13. Jahrhundert und später im Mittelalter wurden mit dem Untergang des Kaiserreichs diese Pergamente wieder frei, und da stibitzten sie mancherlei Leute. Die zogen dann in Europa herum. Von dem ist alles gekommen, was dazumal noch nicht die gelehrten Leute, aber die ungelehrten Leute entziffert haben aus diesen Pergamentrollen.
Und so ist wieder im Mittelalter ein kleines Wissen verbreitet worden. Solch ein kleines Wissen hat dann wieder auf andere anregend gewirkt, sonst hätte es nicht einen van Helmont, Paracelsus und so weiter geben können, wenn diese Leute nicht die Pergamentrollen, die sie stibitzt haben, nach Europa gebracht und dort um teures Geld verkauft hätten. Dadurch ist wiederum manches nach Europa gekommen. Und von alledem, was da nach Europa gekommen ist, leben heute noch manche Geheimgesellschaften. Es gibt allerlei Orden, Freimaurer, Odd Fellows und so weiter; die hätten gar kein Wissen, wenn nicht das von Konstantinopel nach Europa herübergekommen wäre in den Pergamentrollen, die dazumal für teures Geld verkauft worden sind.
Aber dieses Wissen schätzte man nicht. Wenn man ein gelehrter Domherr war wie der Kopernikus, so ging man doch nicht zu denjenigen Leuten, die solche Pergamentrollen hatten. Man durfte das nicht tun. Man hätte alles Ansehen verloren. Ja, aber dadurch verlor auch die alte Wissenschaft alles Ansehen. Und solch ein Mann wie Kopernikus, der hat dann diejenige Wissenschaft zuerst begründet, die wir noch heute haben, richtig noch heute haben.
Aber da geschah etwas sehr Merkwürdiges, meine Herren. Das Schönste dabei ist, daß der Kopernikus nun eine gewisse astronomische Wissenschaft begründet hat, und die war schon so, daß er alles das, was man darüber früher gewußt hat, nicht mehr wußte, wie man es auch heute nicht mehr weiß. Aber die folgende Zeit verstand nicht einmal mehr das, was Kopernikus gesagt hat. Zwei Sätze von Kopernikus verstand man; den dritten verstand man nicht mehr. Denn wenn man die zwei Sätze des Kopernikus versteht, so glaubt man, die Sonne steht im Mittelpunkt, um die Sonne dreht sich die Venus, der Merkur, die Erde und so weiter. Das wird heute in allen Schulen gelehrt. Wenn man aber den ganzen Kopernikus versteht, so ist die Sache gar nicht so, sondern Kopernikus selber macht noch darauf aufmerksam, daß da die Sonne steht (es wird gezeichnet), hinter ihr Merkur, hinter ihr Venus, hier die Erde und so weiter. Das alles dreht sich in Wirklichkeit mit der Sonne durch den Weltenraum in einer solchen Schraubenlinie. Das kann man schon aus dem Kopernikus lesen, wenn man will. Also es liegt die sonderbare Tatsache vor, daß schon der Kopernikus die alte Wissenschaft mit Füßen getreten hat, daß aber die Neueren nicht einmal den Kopernikus verstanden haben. Jetzt fängt man etwas an, den Kopernikus zu verstehen, das heißt, darauf zu sehen, daß er drei Sätze, nicht nur zwei, gesagt hat; der dritte Satz war den Leuten zu schwer verständlich. Und so ist die Astronomie nach und nach zu dem geworden, was sie heute ist: eine bloße Rechnerei.
Und nun können Sie sich ja denken: Das, was von der alten Wissenschaft übriggeblieben ist, es war nicht in der Weise errungen, wie wir heute etwas erringen wollen. Wir müssen heute etwas erringen mit der vollen Klarheit der Seele. Die Alten gingen mehr instinktiv vor. Und so ist es gar nicht mehr verständlich, was die Alten mit Wissen gemeint haben.
Da hat es vor ein paar Jahren ein ganz interessantes Beispiel gegeben. Da kam ein schwedischer Gelehrter dazu, ein altes alchemistisches Buch zu lesen, in dem allerlei drinnen stand über Blei, über Silber, wenn man Blei zu Silber bringt, geschieht das, wenn man Gold dazufügt, geschieht das und so weiter. Was tat der Gelehrte? Er sagte: Da haben wir die Sachen aufgeschrieben; wollen wir die nachmachen! - Und er machte sie nach in seinem Laboratorium, nahm Blei, wie man es heute hat, Silber, wie man es heute hat, behandelte die im Feuer, wie es da beschrieben war - nichts kam dabei heraus!
Es konnte auch nichts herauskommen, denn, was er dort gelesen hat, das waren solche Zeichen. Nun hat er geglaubt, dieses Zeichen © bedeutet Gold; also nehme ich Gold und verarbeite es chemisch. Dieses Zeichen r. bedeutet Blei; also nehme ich Blei und verarbeite es chemisch.
Aber das Schreckliche war nur dieses, daß der Mann, bei dem der schwedische Gelehrte das gelesen hat, der Alchemist, nicht die Metalle in diesem Falle gemeint hat, sondern die Planeten, und gemeint hat, wenn man Sonnenkräfte mit Saturnkräften und Mondkräften mischt - was da an dieser Stelle beschrieben wird, bezieht sich nämlich auf den menschlichen Embryo -, wenn auf das Kind im Mutterleibe Sonnen- und Mondenkräfte wirken, dann geschieht das und das.
Nun ist es diesem schwedischen Gelehrten also passiert, daß er das, was sich bei diesem alten Alchemisten auf die Keimung im menschlichen Mutterleib bezieht, in der Retorte machen wollte mit den äußeren Metallen. Natürlich konnte das nicht stimmen, denn er hätte die Entstehung im menschlichen Mutterleib ansehen müssen; dann hätte er darauf kommen können. Sehen Sie, so wenig versteht man heute, was eigentlich in dieser alten Wissenschaft gemeint war.
Alles das wird Ihnen nun bezeugen, wie diese Frage, die Herr Erbsmehl gestellt hat, eigentlich zu beantworten ist. Sie ist eigentlich so zu beantworten, daß einem bewußt wird: Es ist ja alles gut und schön und recht mit der neueren Wissenschaft, man kann heute genau den Ort berechnen, wo ein Stern steht; man kann die Entfernung berechnen, die er zu einem anderen Stern hat, kann auch durch das Spektroskop sehen, welche Farbe die Lichtstrahlen haben, kann daraus auf die stoffliche Zusammensetzung der Sterne schließen. Aber wie die Sterne auf die Erde wirken, das muß man erst wiederum erforschen! Und das darf man nicht so erforschen, wie es viele Leute heute tun, indem sie einfach alte Bücher nehmen. Es wäre natürlich leicht, wenn man einfach alte Bücher nehmen würde, und aus ihnen dasjenige wissen könnte, was die Leute heute nicht mehr wissen. Aber das nützt schon nichts mehr bei Paracelsus, denn den verstehen schon die Leute nicht mehr, wenn sie ihn mit den heutigen Augen lesen, sondern es handelt sich darum, daß man wiederum auch von neuem erforschen lernt, was die Sterne für einen Einfluß auf die Menschen haben. Und das kann man eben nur mit der Geisteswissenschaft, mit der anthroposophischen Geisteswissenschaft.
Da kommt man wiederum darauf, zu erforschen, nicht nur, wo der Mond steht, sondern wie der Mond zusammenhängt mit dem ganzen Menschen. Da kommt man darauf, daß das Kind zehn Mondmonate, also zehn mal vier Wochen im Mutterleibe erlebt den Einfluß des Mondes, und den Einfluß des Mondes so erlebt, daß da in dieser Zeit acht-, neun-, zehnmal der Vollmond erlebt wird. Nun, das Kind schwimmt im Fruchtwasser, ist also ein ganz anderes Wesen, bevor es geboren wird, wird geschützt vor den Erdenkräften. Das ist das Wichtige, daß es geschützt wird vor den Erdenkräften, und da vorzugsweise - es hat ja auch den Einfluß von den anderen Sternen - den Einfluß des Mondes hat.
Sehen Sie, so müßte es geschehen, daß heute an unseren Universitäten und an unseren Schulen, und schon an den Volksschulen in gewisser Weise, soweit das sein kann, ganz anders die Dinge studiert würden, daß der Mensch vor allen Dingen studiert würde, menschliches Herz, menschlicher Kopf, und im Zusammenhange damit die Sterne studiert würden. Und an den Universitäten müßte es erstens geben eine Beschreibung, wie sich aus dem ganz kleinen Menschensamen der menschliche Keim durch die erste, zweite, dritte, vierte, fünfte Woche und so weiter entwickelt. Das hat man, das gibt es, diese Beschreibung, aber die andere Beschreibung gibt es nicht, was in derselben Zeit der Mond macht. Deshalb kann man nur eine Wissenschaft von der physischen Entstehung des Menschen haben, wenn man auf der einen Seite das beschreibt, was vorgeht im Mutterleibe, und auf der anderen Seite beschreibt die Taten des Mondes.
Und wiederum, man kann nur ganz richtig verstehen, wie zum Beispiel die Zähne wechseln um das siebente Jahr herum, wenn man nicht nur - was heute geschieht - beschreibt, wie da der Milchzahn ist, der andere nachwächst, dem Milchzahn nachgeschoben wird, sondern wenn man wiederum eine Sonnenwissenschaft hat; denn das hängt von den Sonnenkräften ab.
Und ebenso, wenn der Mensch geschlechtsreif wird, da beschreibt man heute die rein physischen Vorgänge. Die hängen aber vom Saturn ab; da braucht man eine Saturnwissenschaft. Also man kann gar nicht so vorgehen, wie man heute vorgeht, daß man jedes Ding für sich beschreibt. Denn dann kommt natürlich das heraus, wie es geschah in einem Krankenhaus in einer großen europäischen Stadt. Da kam einer mit einer Milzkrankheit, wie er glaubte, ins Universitätsspital. Da fragte er: Nach welcher Abteilung soll ich da gehen mit einer Milzkrankheit? - Da gab man ihm Anweisung, daß er in irgendeine Abteilung gehen sollte. Nun erwähnte er dort unglückseligerweise nebenbei, daß er auch eine Leberkrankheit habe. Da sagte man ihm: Da können Sie bei uns nichts haben, da müssen Sie in ein ganz anderes Spital hinübergehen, dort ist es für Leberkranke, und die bei uns sind, sind nur Milzkranke. - Der war nun «zwischen zwei Bündeln Heu», wie der bekannte Esel, zwischen zwei Bündeln Heu, die gleich groß waren, die sich gar nicht voneinander unterschieden. - Es ist ja ein berühmtes logisches Bild über die Freiheit des Willens! Da hat man gesagt: Was tut ein Esel, wenn er zwischen zwei Bündeln Heu steht, die ganz gleich groß sind, ganz gleich stark riechen? Will er sich für das linke entscheiden, dann denkt er sich: das rechte schmeckt ebensogut; will er sich für das rechte entscheiden, denkt er: das linke ist ebensogut. Und dann fährt er immer hin und her und stirbt zwischen diesen zwei Heubündeln vor Hunger! - So war dieser mit den zwei Krankheiten, er wußte nicht, wohin, und hat eigentlich sterben können zwischen seinem Entschluß drinnen, ob er nun zur Abteilung für Leberkrankheiten oder zur Abteilung für Milzkrankheiten gehöre!
Ich will das nur erwähnen, um zu zeigen, daß jeder heute nur etwas weiß von einem ganz kleinen Stückchen der Welt. Aber so kann man heute nichts wissen! Denn wenn man heute etwas wissen will vom Mond, muß man auf die Sternwarte gehen und die Leute fragen. Aber die wissen wiederum nichts über die Entstehung des Menschen. Da muß man wiederum den Gynäkologen, den Geburtshelfer, den Frauenprofessor fragen. Der weiß aber nichts von den Sternen. Aber die zwei Dinge gehören zusammen.
Darauf beruht ja das Elend des heutigen Wissens, daß jeder ein Stück von der Welt weiß, aber niemand das Ganze. Daher kommt es, darauf beruht es, daß die Wissenschaft heute, wenn sie vorgetragen wird in populären Vorträgen, so furchtbar langweilig ist. Natürlich, meine Herren, die Sache muß ja langweilig sein, wenn Ihnen die Leute nur das erzählen, was nur ein kleines bißchen von der Sache ist.
Nehmen Sie an, Sie wollten wissen, wie ein Stuhl ausschaut, der nicht gerade hier ist, und einer beschreibt Ihnen das Holz; Sie wollen aber wissen, wie er gestaltet ist. Dann wird Ihnen das langweilig sein, wenn der am Stuhl Ihnen nur das Holz beschreibt. So ist es heute langweilig, wenn man, wie man es heute nennt, Anthropologie, die Wissenschaft vom physischen Menschen, lernt, weil das, worauf es ankommt, nicht mitbeschrieben wird. Und wenn es mitbeschrieben wird, hat es gar keinen Bezug zur Sache.
Also Sternenwissenschaft wird nur in Ordnung kommen, wenn man sie verbinden wird mit Menschenwissenschaft. Und darum handelt es sich; das ist die Art, wie ich diese Frage Ihnen sachgemaß heute beantworten kann. Es ist wirklich so, daß man solche wichtigen Dinge, wie die, welche ich Ihnen von Rousseau und van Helmont erzählt habe - die ja da sind, und die man gar nicht von der Erde aus verstehen kann -, daß man die verstehen muß. Die Leute sind schon materialistisch geworden selbst in bezug auf die Worte. Wie hat man zum Beispiel so etwas genannt, das darin bestand, daß irgendein Mensch Tiere hat lähmen können durch seinen Blick? Man hat das Magnetismus genannt. Ja, aber das Wort Magnetismus hat man später nur angewendet auf das Eisen, auf den Magneten. Und wenn man heute redet in der Wissenschaft, redet man nur davon, es beim Eisen zu belassen, und Magnetismus nicht zu mißbrauchen. Nur die Scharlatane, die reden noch davon, daß man einen Menschen magnetisiert; aber sie können sich nichts mehr darunter vorstellen. Dazu, um solches zu durchschauen, braucht es eben eine geistige Wissenschaft.
Das nächstemal um neun Uhr am Mittwoch.