28. Zur Aufführung unserer volkstümlichen Weihnachtspiele
Im letzten Aufsatz habe ich mitgeteilt, wie die deutschen Weihnachtspiele, die jedes Jahr im Goetheanum in Dornach aufgeführt werden, mir bekannt geworden sind. Diese Aufführung gibt Szenen wieder, die durch Karl Julius Schröer mitgeteilt sind. Nur in einer Falle habe ich in diesem Jahre versucht, durch eine kleine Hinzufügung gegen den Grundsatz zu handeln, nur mündlich oder schriftlich in der Überlieferung Erhaltenes zu bringen. Etwas besonders Charakteristisches bei diesen Spielen war, daß die Spieler, bevor sie den Inhalt des Dargestellten vorführten, schon als eine Art Chor vor ihre Zuschauer traten. Solches Chormäßiges tritt ja auch, den Fortgang der Handlung unterbrechend, an vielen Stellen der Stücke auf. Im überlieferten «Sterngesang», welcher der Darstellung des «Christi-Geburtspieles» voranging, ist ein Einleitungschor erhalten, in dem die Spieler alles das begrüBen, zu dem sie sich, bevor sie mit der Darstellung beginnen, in ein herzliches Verhältnis setzen möchten. Sie grüßen da alles, was ihnen in dem für sie wichtigen Augenblicke seelisch naheliegt: von der heiligen Dreifaltigkeit, von den einzelnen Kategorien der Zuschauer bis zu den «Hölzelein» ihres Sternes, den der Sternsinger trägt. — Es ist mir nun gewiß, daß ein solcher Einleitungschor ursprünglich auch dem ersten der Spiele, dem «Paradeisspiel» vorangegangen ist und daß dieser dem Sterngesang des «Christi-Geburtspieles » ganz ähnlich in der Form der Vorstellungen gewesen ist. Ich habe nun den Versuch gewagt, auch vor dem Paradeisspiel einen solchen Einleitungschor zu geben, weil ich glaube, damit, aus dem Geiste der Überlieferung heraus, etwas hinzustellen, was annähernd so vorhanden war, wenn auch die mündliche und schriftliche Überlieferung es verloren hat. Die Empfindungen des «Sterngesangs» zum Geburtsspiel müssen da, etwas anders, zu finden sein.
Ir liabn meini singa kumts freindli her,
Is g’schircht heunt zu engerer größten freid und er;
Is sitzt vor eng dö gonzi ersami gmoan,
Dö will eng fleißi a wail wol hören an.
Drum stellts eng um mi in ana scheibn;
Den leutn sollts dö wail mit singa vartreibn.
Ir liabn meini singa, mochts frumi augn,
Daß si dö leut recht guat erbaun,
Und schauts, daß enga singa is guat,
Und herzli enga stimm und wuat.
Erst oba wolln ma dö grüaßn alle,
Dö sie heunt hobn eingfundn in dem saale.
Grüaßn ma God Voda im höchsten thron;
Und grüaßn ma a sein einiga Son;
Grüaßn ma a dazua den haligen Geist,
Der unsern söln dö wahren wege weist;
Und grüaßn ma dö gonzi haligi Dreifaltikeit:
Den Voda, den Son und den Geist in da einikeit.
Grüaßn ma Adam und Eva im garten drein,
In den ma olli a gern mechtn htein.
Und grüaßn ma olli bam und tiralein
So vüel als in dem paradeise sein
Und grüaßn ma a ganz fein
Dö wunderschön großn und kloan vögalein;
Grüaßn ma a dös gonzi firmament,
Dös dr liab Hergod hot gsetzt ans weltenend.
Grüaßn ma dö erenfesten amtsleut;
Grüaßn ma den maister heunt wia allezeit.
Grüaßn ma a dö geistlinga herrn,
Oni dö ma ka gspül derfn lern.
Grüaßn ma den gmoaherrn, erenfest
Mit seina gonzn beschwerd aufs allerbest;
Denn dö hot dr liab Hergod b’stellt
Wails erm so gor so guat gfällt. —
Und noa, meini liabn singa, stimmts noamal an,
In da mittn tuat a bam stan;
Von dem derf ka mensch eßn nit,
Wonn ar will holtn d’rechti sitt:
Den bam wolln ma a grüaßn an,
Und olli früacht, dö hängent dran.
D’Eva, dö bösi, dö hot gessen davon,
Unda dr Adam, dr dummi mon.
Da wurdens vo God verstoßn;
Dös woll’n ma uns gsogt sei laßn. —
ur den teifül wolln ma ja grüaßn nit,
Vor den uns dr liabi God bhüat;
Ma wolln ar an schwanz zupfa,
Und erm olli hoar ausrupfa. —
Ir liabn meini singa hobts olli ghört,
Woas si in paradeis dereinst bekert.
Nu grüaßn ma a unsern lehrmaister guat
Und grüaßn ma a den guaten muot,
Mit dem ar unseri grobn stimma
Fei, oni vül schläg hot richtn kinna. —
So, meini liabn singa hobts ghört
Wos enger olter freind von eng begehtt.