Rudolf Steiner's handwritten draft of the 1907 Annual Report
An den Präsidenten der Theosophischen Gesellschaft. Mit den hochachtungsvollen und brüderlichen Grüßen habe ich die Ehre, hiemit den Bericht des Generalsekretärs der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft zu übersenden.
Im Laufe dieses Jahres sind neue Zweige gebildet worden in Kassel, in München (ein dritter zu den bereits bestehenden zwei), die vorherigen Zentren in Elberfeld und Esslingen haben sich als Zweige konstituiert, in Düsseldorf (ein zweiter Blavatsky-Zweig zu dem bereits bestehenden).
Die Gesamtzahl der Zweige beträgt nun 29 und 1 Zentrum. 274 neue Mitglieder sind eingetreten. Gestorben sind 2 Mitglieder, ausgetreten sind ... . Die Gesamtzahl der Mitglieder beträgt 872.
Einen Hauptteil der diesjährigen Tätigkeit der Sektion bildeten die Arbeiten für den Kongress der Föderation europäischer Sektionen, der am 18., 19., 20. u. 21. in München abgehalten worden ist.
Die Vortragsarbeit Dr. Rudolf Steiners wurde in gleicher Art wie in den vorigen Jahren fortgesetzt. Zu den einzelnen Vorträgen, die dieser in einzelnen Städten fortgesetzt gehalten hat, kamen auch in diesem Jahre ganze Vortragskurse, die sich dadurch bewähren, dass die Mitglieder, welche sich für sie zusammenfinden, zusammenhängende übersichtliche Darstellungen der theosophischen Weltanschauung erhalten. Solche Kurse fanden in diesem Jahre statt in München, Kassel und in Hannover. Außer in deutschen und schweizerischen Städten hielt Dr. Rudolf Steiner Vorträge in Wien und Budapest. Mehrere Vorträge hielten auch Michael Bauer, Mathilde Scholl und Elise Wolfram. Ein reger Mitarbeiter, der insbesondere in den wissenschaftlichen Grundlegungen der Theosophie tätig ist, wird uns in Dr. Carl Unger (Stuttgart) erwachsen.
In Dr. Steiners Vorträgen wird der Hauptwert darauf gelegt, die okkultistische Seite der Theosophie mit der logisch-wissenschaftlichen streng zu verbinden und das vielfach bestehende Vorurteil zu zerstreuen gesucht, als ob Theosophie in unklaren Psychismus führen müsse.
Die Zeitschrift «Luzifer - Gnosis», welche Dr. Rudolf Steiner redigiert, nahm ihren Fortgang und findet immer stärkere Verbreitung.
Für die geschäftliche Korrespondenz mit den Sektionsmitgliedern wurden die 1906 begründeten, von Frl. Mathilde Scholl redigierten «Mitteilungen» fortgesetzt.
Neu erschienen sind: Dr. Rudolf Steiner: «Blut ist ein besonderer Saft. Eine esoterische Betrachtung», ferner dessen: «Vater-Unser. Eine esoterische Betrachtung», ferner dessen: «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft», ferner «Bilder okkulter Siegel und Säulen» (mit Einführung von Dr. Rudolf Steiner). Das Letztere ist eine Wiedergabe der okkulten Ausstattung des Münchener Kongress-Saales.
Die fünfte Jahresversammlung fand am 19., 20. und 21. Oktober in Berlin statt. An die Stelle des leider vom Vorstandsposten zurückgetretenen Bernhard Hubo wurde Herr Wilhelm Tessmar (Berlin) gewählt.
Nach den Erfolgen, die unsere Arbeit in diesem Jahre gehabt hat, dürfen wir auch auf weiteren guten Fortgang hoffen.
Wir senden die wärmsten Grüße allen in Adyar versammelten Brüdern und insbesondere dem verehrten Präsidenten.
Dr. Rudolf Steiner
General-Sekretär