Rudolf Steiner's handwritten draft of the 1908 Annual Report
An den Präsidenten der TS
In herzlicher Hochachtung und mit brüderlichen Grüßen gebe ich mir die Ehre, Ihnen den Jahresbericht der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft zu unterbreiten.
Die theosophische Sache in Deutschland machte im Laufe des Jahres sehr befriedigende Fortschritte sowohl in Bezug auf die Ausbreitung des Arbeitsfeldes durch die Begründung neuer Zweige, als auch durch die Vertiefung der Arbeit in den bestehenden Zweigen. Neue Zweige konnten gegründet werden in Bern, Straßburg, Mannheim, Wiesbaden, Eisenach, Zürich, Pforzheim, Malsch. — Als aufgelöst zu betrachten ist der Zweig Charlottenburg. Die Gesamtzahl der Zweige beträgt ... und ein Zentrum.
Neu eingetreten sind ... Mitglieder. ... sind ausgetreten, ... dropped, ... gestorben, ... in andere Sektionen übergetreten.
Die Zunahme der Mitgliederzahl beträgt ... . Bei der letzten Jahresversammlung am 25. u. 26. Oktober betrug die Gesamt-Mitgliederzahl ....
In Bezug auf die Vertiefung der Arbeit darf angeführt werden, dass die Vorträge Dr. Rudolf Steiners auch in diesem Jahre ihre Fortsetzung gefunden haben. Es konnten in diesen Vorträgen nicht nur in den Zweigen immer tiefere Fragen der Theosophie und des Okkultismus behandelt werden, sondern auch in den öffentlichen Vorträgen, die in allen Städten, wo Logen sind, und auch in andern vor einem Publikum gehalten werden, das nicht zur TS gehört, konnten immer schwierigere Fragen in Angriff genommen werden. In vielen Städten zeigte sich ein ständiges Zunehmen des Interesses für Theosophie auch bei denjenigen Zuhörern, die aus diesem oder jenem Grunde der Gesellschaft noch nicht beitreten. Auch die Zahl solcher Zuhörer wird immer größer.
Von besonderer Bedeutung für die Vertiefung der Arbeit ist die Tatsache, dass Dr. Steiner außer den Einzelvorträgen eine Reihe von Vortragszyklen abhalten konnte, und zwar in Basel, Köln, Hamburg, Nürnberg, Stuttgart, Leipzig. Diese Kurse waren sehr gut besucht. In Stuttgart waren sogar über 300 Mitglieder versammelt. Es darf hervorgehoben werden, dass wir uns bei allen diesen Kursen auch des Besuches von Mitgliedern anderer Sektionen zu erfreuen hatten.
Ein weiterer Fortgang der Arbeit ist zu sehen in der Arbeit, welche z.B. in München für die Popularisierung der theosophischen Sache geleistet wird. Die unermüdliche Wirksamkeit von Fräulein Stinde und Gräfin Kalckreuth hat dort eine besondere Institution für die Popularisierung der Theosophie geschaffen.
Es werden in «Kunst- und Musikzimmern» für das Volk künstlerische und theosophische Darbietungen geboten, welche sich eines außerordentlich regen Besuches erfreuen. Es wird dadurch in breitere Schichten der Bevölkerung das Interesse für das geistige Leben getragen. Dr. Peipers und Baronin v. Gumppenberg und andere Mitglieder wirken dabei in der segensreichsten Art durch Vorträge, Lichtbilderdarstellungen, etc. mit. Auch in anderer Art wird gesucht, die Brücke zu schlagen zwischen der Theosophie und dem allgemeinen Geistesleben. Während der Vortragszyklen werden musikalische Darbietungen geboten und Rezitationen solcher Dichtungen geleistet, welche sich in den Rahmen der theosophischen Arbeit organisch eingliedern. Frl. v. Sivers hat durch ihre rezitatorische Kunst zu den Veranstaltungen Schönes beigetragen.
Ein bedeutungsvoller Fortschritt liegt in der intensiven Arbeit, die an einzelnen Orten durch Ausarbeitung der Theosophie nach den verschiedensten Seiten geleistet wird. Dr. Unger arbeitet in Stuttgart in unermüdlicher Art in Vorträgen und auf andere Art an der erkenntnis-theoretischen Grundlegung der Theosophie, Frl. Toni Völker in Stuttgart wirkt für die mystische Seite, Frau Wolfram in Leipzig hat in der Interpretation der Sagen und Mythen sich ein besonderes Feld erwählt. In Berlin werden besondere Kurse gehalten von Frau Wandrey, Frl. Boezé, Herrn Walther, Herrn Günther Wagner. Es können hier nur die charakteristischen Züge unserer Arbeit an einzelnen Beispielen angegeben werden.
Dr. Steiners Bemühungen gehen dahin, Theosophie auf eine möglichst breite Basis zu stellen. Das philosophische, wissenschaftliche und religiöse Element sollen neben dem im Mittelpunkte stehenden okkulten voll zur Geltung kommen, und die Einseitigkeiten des untergeordneten Psychismus sollen vermieden werden.
Die Zeitschrift «Luzifer - Gnosis» von Dr. Rudolf Steiner redigiert, die in freien Heften erscheint, ohne sich an periodische Erscheinungszeiten zu binden, nimmt an Verbreitung stets zu. Das Sektions-Organ «Mitteilungen» erscheint in der gleichen Art wie früher weiter.
Veröffentlicht sind worden: Dr. R. Steiners «Theosophie» in zweiter Auflage; ferner: ...
Die sechste Generalversammlung fand am 25. u. 26. Okt. in Berlin statt. In den Vorstand der Sektion wurden dabei gewählt: Dr. R. Steiner (Gen[eral] Sekr[etär]), Franz Seiler (Kassierer), ferner Frl. v. Sivers, Bernhard Hubo, ...
Auch für dieses Jahr dürfen wir sagen, dass der gemachte Fortschritt uns das Beste für die Zukunft hoffen lässt.
Wir senden unsere wärmsten Grüße, allen Brüdern in Indien und insbesondere unserem tief verehrten Präsidenten
Dr. Rudolf Steiner
General Sekretär