Rudolf Steiner's handwritten draft of the 1909 Annual Report
Dear Mrs. Besant! Mit dem Ausdruck der herzlichsten Hochachtung und mit den brüderlichen Grüßen habe ich die Ehre, hiemit den jährlichen Bericht der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft zu übersenden.
Auch in diesem Jahre hat die theosophische Bewegung in Deutschland solche Fortschritte gemacht, welche mit voller Befriedigung erfüllen können. Es sind ... neue Zweige begründet worden, und in den alten Zweigen ist die Arbeit so fortgesetzt worden, dass ein Aufstieg der Erkenntnisse und des theosophischen Lebens zu immer höheren Stufen und zu immer größerer Intensität ebensowohl stattfand, wie entsprechend durch Vermehrung der Arbeit und Arbeitskräfte der Vergrößerung der einzelnen Zweige in Bezug auf die Mitgliederzahl Rechnung getragen worden ist. Entsprechend der Würde des theosophischen Geisteslebens wird auf die stille nachhaltige Arbeit auch z.B. der Öffentlichkeit gegenüber der Hauptwert gelegt, sodass es gelungen ist, auch bei öffentlichen Vorträgen einen immer größeren Kreis des Publikums heranzuziehen, trotzdem von allem streng abgesehen wird, was einem unsachlichen Ankündigen unserer Arbeit auch nur ähnlich sehen könnte. Die neuen Zweige sind gegründet worden zu ...
[Hier fehlt ein Blatt mit Angaben zu Mitgliederzahlen, Vortragstätigkeit und Vortragszyklen.]
[In München] z.B. betrug die Zahl der Teilnehmer über [Blattrand abgerissen]. Dass diese Zyklen sich bewähren, mag auch aus der Tatsache hervorgehen, dass Dr. Steiner [diese] über Einladung unserer theosophischen Freunde auch im Auslande, nämlich in Rom, Christiania und Budapest halten durfte.
Von besonderer Bedeutung war die mit dem erwähnten Münchener Zyklus verbundene Aufführung von Edouard Schur&s Drama «Die Kinder des Lucifer» vor 600 theosophischen Freunden des In- und Auslandes. Die Aufführung darf vielleicht deshalb als etwas Bemerkenswertes angeführt werden, weil Dr. Rudolf Steiner bei der szenischen Durchführung durchaus ein Beispiel einer künstlerischen Darstellung nach strengsten theosophischen Grundsätzen geben wollte. Es wirkten bei der malerischen Herstellung der sämtlichen zu dieser Vorstellung neu hergestellten Dekorationen und Bühnenbilder nur Mitglieder der theosophischen Gesellschaft mit. Auch die darstellenden Personen waren nur der theosophischen Gesellschaft entnommen. Die Hauptdarsteller waren Herr Doser, Frl. v. Sivers, Dr. Peipers etc. Mr. Schur& machte uns die große Freude, bei der Vorstellung und auch bei dem Münchener Zyklus zugegen zu sein. Den Münchener Mitgliedern, insbesondere Gräfin Kalckreuth und Frl. Stinde, gebührt der wärmste Dank für die große Arbeit, die sie bei dem Zustandekommen dieser mühevollen Vorstellung geleistet haben.
Auch die Popularisierung der theosophischen Geistesrichtung durch die Einrichtung unserer sogenannten «Kunst- und Musik Zimmer» machte Fortschritte. Das schon in dem vorigen Berichte erwähnte in München wurde durch Gräfin Kalckreuth und Frl. Stinde fortgeführt; ein neues kam in Berlin dazu, das Herr Günther Wagner leitete, und um das sich u. a. unsere Berliner Mitglieder Frl. v. Sivers, Frau v. Sonklar, Frau Baronin Lichtenberg, Fräulein von Eckardtstein und zahlreiche andere verdient machten. Es werden da musikalische, künstlerische Leistungen für weitere Volkskreise geboten, es werden Mythen, Märchen usw. im theosophischen Sinne behandelt, und es wird populär Theosophie vorgetragen.
Besonders hervorgehoben darf werden, dass sich immer mehr die Frucht unserer theosophischen Arbeit auf speziellen Gebieten der Wissenschaft und des Lebens zeigt. So übt Dr. Carl Unger eine intensive Tätigkeit dadurch aus, dass er nicht nur theosophische Vorträge hält, sondern auch die Philosophie im theosophischen Sinne ausbaut. Dr. Peipers entfaltet eine reiche Tätigkeit in der Anwendung unserer theos[ophischen] Erkenntnisse auf dem Gebiete der theoretischen und praktischen Medizin. — Die Entwicklung unserer Tätigkeit schreitet auch dadurch fort, dass wir immer mehr Vortragskräfte aus dem Kreise unserer Theosophen hervorgehen sehen. Es waren in diesem Jahre als Vortragende außer den genannten tätig: Frau Wolfram, Michael Bauer, Frau Wandrey, Frl. Boesé, Frau Reif-Busse, Herr Walther, Herr Schwab, Herr Adolf Arenson, Frl. Völker, Herr Günther Wagner. Außer den Genannten wirken viele andere im engeren Kreise ihrer Zweige als Vortragende.
[Wort fehlt] Zeitschrift «Luzifer - Gnosis» besteht fort und erfreut sich immer größerer [Verbreitung], trotzdem durch die ausgedehnte Tätigkeit Dr. Steiners [in ihrem] Erscheinen leider eine Pause hat eintreten müssen. Das Sektions Organ «Mitteilungen» erschien auch in diesem Jahre wie [bisher].
Neu erschienene Bücher sind: ...
Die Jahresversammlung fand am 23., 24. und 25. Oktober statt. [Sie] war stark besucht. Dr. Rudolf Steiner hielt im Zusammenhange damit einen Vortragszyklus über «Anthroposophie».
Wir treten mit den besten Hoffnungen an ein neues Jahr heran. Wir senden wärmste Grüße dem verehrten Präsidenten und allen Brüdern in Indien
Dr. Rudolf Steiner
General Sekretär