Rudolf Steiner's handwritten draft of the 1910 Annual Report
To the President, TS
Mit dem Ausdruck der herzlichsten Hochachtung und mit brüderlichen Grüßen habe ich die Ehre, den Jahresbericht der Theosophischen Gesellschaft in Deutschland zu übersenden.
Auch in dem verflossenen Jahre hat die theosophische Bewegung in Deutschland Fortschritte gemacht, welche als sehr befriedigend bezeichnet werden dürfen. Es sind ... neue Zweige begründet worden, und es ist die Arbeit in den alten Zweigen so fortgesetzt worden, dass bei den älteren Mitgliedern ein immer tieferes Eindringen in die Theosophie als Wissenschaft und als Leben möglich geworden ist, und die jüngern Mitglieder Gelegenheit hatten, vom Grund auf in die theosophische Gesinnung und Erkenntnis einzuleben. Die Zahl der Zuhörer bei unseren öffentlichen Vorträgen wächst immerwährend, sodass gesagt werden kann, es gelingt der theosophischen Bewegung in Deutschland auch nach außen in durchaus günstiger Art zu wirken und bei den noch nicht zur Gesellschaft gehörigen Zeitgenossen Verständnis zu finden. - Neue Zweige sind gegründet worden zu ... Die Gesamtzahl der Zweige beträgt ... und ... Zentren. Es wurden ... neue Mitglieder aufgenommen; es sind ... gestorben; ... sind ausgetreten oder abgefallen und ... sind in andere Sektionen übergetreten. Der Netto Zuwachs an Mitgliedern beträgt ... Die effektive Zahl der Mitglieder war bei der letzten, Ende Oktober abgehaltenen Jahresversammlung ...
Auch in diesem Jahre ist das Vortragswerk Dr. Rudolf Steiners in intensiver Art fortgesetzt worden; es konnten vielfach in den einzelnen Zweigen höhere Fragen der Theosophie aufgrund der in den vorangegangenen Jahren geleisteten Vorarbeiten berührt werden. Die Ausblicke der okkulten Wissenschaften wurden nach den verschiedensten Richtungen hin erweitert. Um Gründlichkeit in der Behandlung der Gegenstände zu ermöglichen, wurden nicht nur einzelne Vorträge, sondern wie in den vergangenen Jahren Vortragszyklen gehalten. Solche fanden statt in diesem Jahre zu Wien, Hamburg, München und Bern. Diese Zyklen wurden als so zweckgemäß anerkannt, dass auch theosophische Freunde im Auslande sie wie früher auch diesmal einrichteten. Es fand in Christiania ein solcher Zyklus statt. Es war Dr. Steiner auch möglich, im verflossenen Jahr während eines kurzen Aufenthaltes in Italien zu Mailand, Rom und Palermo Vorträge zu halten.
Der Münchner Vortragszyklus Dr. Steiners, der im August stattfand, schloss sich [wie] im Vorjahre an die Aufführung von Ed. Schurés Drama «Die Kinder des Lucifer». Dieses Jahr konnten wir nicht nur eine Wiederholung dieses Dramas bringen, sondern auch die Darstellung von Dr. Steiners Rosenkreuzer-Mysteriendrama «Die Pforte der Einweihung» wagen. Wieder ist sowohl das gesamte Szenenbild von unseren theosophischen Mitgliedern (Malern, Bildhauern) besorgt worden, [sowie hat die Darstellung] selbst allein in den Händen von Mitgliedern gelegen. Die szenische Durchführung leitete auch diesmal Dr. Steiner selbst. Es ist unmöglich, all die Namen derer hier anzuführen, welche in hingebungsvoller Arbeit sich an diesen Darstellungen beteiligten, deren Vorbereitung Wochen «hinter der Szene» in Anspruch nimmt. Es soll nur der Hauptdarsteller gedacht werden: Frl. Waller, Frl. v. Sivers, Herr Doser und Herr Dr. Peipers, Herr Seiling hatten die Hauptrollen in Dr. Steiners Drama. Die Maler und Bildhauer, Herr Volckert, Herr Hass, Herr Linde, arbeiteten den szenisch-dekorativen Teil und Frl. von Eckardtsteins genialisch-allseitige Künstlerschaft betätigte sich an der Herstellung der Bühnenbilder, die überall auf Plastik und Farbenwirkung herausgearbeitet wurden. Der Gräfin Kalckreuth und Frl. Stindes muss gedacht werden, insofern ihre aufopfernde Tätigkeit allein ein solches Unternehmen möglich macht.
Auch die Tätigkeit der Mitglieder im Abhalten von Vorträgen und Kursen schritt in rüstiger Art fort. An der Vortragsarbeit beteiligen sich Dr. Unger, der in selbstständiger Art seine philosophische Denkerarbeit im Dienste der Theosophischen Bewegung und zu deren Segen zur Geltung bringt. Ferner halten Vorträge oder Kurse: Frl. v. Sivers, Frau Wolfram, Frau Wandrey, Herr Walther, Herr Günther Wagner, Frau v. Reden, Herr Mich. Bauer, Herr Adolf Arenson, Dr. Peipers, Herr Schwab, Fräulein Völker, Frau Kinkel, Frau Reif-Busse, Herr Jilg, Herr Baron v. Rainer in und außerhalb ihrer Zweige Frl. Stinde und Frau v. Gumppenberg, Frau Peelen, u. v. a.
Auch die Arbeit in den «Kunst- und Musikzimmern», die im vorigen Bericht beschrieben worden ist, wurde fortgesetzt. Und es sind in Stuttgart und Berlin zu diesen Kunstzimmern neue hinzugekommen.
Die Zeitschrift «Luzifer - Gnosis», welche Dr. Rudolf Steiner herausgibt, kann nicht immer, wegen der Überlastung des Herausgebers mit Arbeiten im Dienste der Gesellschaft, regelmäßig fortgeführt werden; doch aber gewinnt sie an Ausbreitung, da alle alten Nummern in immer neuen Auflagen gedruckt werden mussten. Es wird hoffentlich möglich sein, die weiteren Nummern bald erscheinen lassen zu können. Die Angelegenheiten der Sektion werden in den von Frl. Scholl redigierten «Mitteilungen» für die Mitglieder behandelt.
An neuen Büchern sind erschienen: ... , wozu noch kommt: Dr. L. Deinhard: «Das Mysterium des Menschen».
Die Jahresversammlung der Sektion fand bei zahlreichster Beteiligung der Mitglieder am 28., 29., 30., 31. Oktober statt. An sie schloss sich ein Vortragszyklus von Dr. Steiner über [«Psychosophie» ...].