Abwehr von Unwahrheiten
Das Goetheanum, 2. Jg., Nr. 9
Es wird mir mitgeteilt, in der Schweiz erzähle man, dass der ehemalige Staatspräsident von Württemberg, Herr Blos, mit Bestimmtheit behaupten soll, er habe mich mehrmals empfangen. Ich erkläre hiermit, dass das eine glatte Unwahrheit ist. Ich habe Herrn Blos nie einen Besuch gemacht, nie ein Wort mit ihm gesprochen, nie etwas Schriftliches mit ihm gewechselt. Ich habe ihn nur ein einziges Mal von Ferne gesehen. Das war bei meinem Anhören des Vortrages, den der damalige Reichsminister Simons in Stuttgart hielt. Damals zeigte neben mir Kommerzienrat Molt auf einen Herrn, den ich nicht kannte, und sagte: das ist Blos. Damals war dieser längst nicht mehr Staatspräsident. Aber auch damals ist es zu nichts mehr gekommen als zum «Sehen aus der Ferne». Ob Herr Blos nun selbst die obige Behauptung getan hat, ist mir unbekannt; gesagt wird es. Und sie wird angeknüpft an seine auf nichts sich stützenden unwahren Angaben, die er in Memoiren hat drucken lassen. Ich erkläre deshalb weiter, dass ich niemals irgendjemand beauftragt habe, für mich oder in meinem Namen mit Herrn Blos zu reden. Wenn das jemand getan haben sollte, so ist es, ohne mich davon zu unterrichten, gegen meinen Willen geschehen. Ich habe davon, dass jemand dies getan haben soll, selbst erst in den Blos’schen Memoiren gelesen. Auf solchen unwahren Untergründen sind die Dinge aufgebaut, die man so vielfach erzählt. Besonders absurd ist, dass sogar das Märchen erzählt wird, ich hätte in Württemberg Minister werden wollen. Ich habe es bisher für unnötig gehalten, rein aus den Fingern gesogene Unwahrheiten selbst öffentlich zu widerlegen, besonders wenn sie so unsinnig sind wie die eben angeführte. Da aber gesagt wird: Warum widerspricht der Betroffene solchen Behauptungen nicht? —, so erkläre ich auch in Bezug auf dieses, dass es eine glatte Unwahrheit ist. Ich habe auch nie jemandem etwas gesagt, was zur Entstehung eines solchen Geredes einen Anlass hätte geben können. Auf anderes, Zahlreiches, das immer wieder gesagt wird, aber ebensolche Unwahrheit darstellt, gehe ich heute nicht ein. Vielleicht wird auch das noch geschehen.
Dornach, 27. September 1922
Rudolf Steiner