Rundbrief an die Mitglieder der Esoterischen Schule
Vertraulich.
Erste Regeln der Esoterischen Schule der TS im Auftrage des Hauptes der Schule.
Die esoterische Schule der Theosophie.
Während die «drei Ziele» der Theosophischen Gesellschaft allgemein bekannt sind, hat sie noch ein weiteres Ziel, über das öffentlich nicht gesprochen wird, nämlich eine Hilfe zu sein bei der Entwicklung des inneren Lebens der ernsteren und hingebenderen ihrer Mitglieder, ihnen den Weg zu weisen zu dem «engen, alten Pfad», der sie zu den höheren Gebieten des Daseins führt.
Durch dieses Ziel ist die esoterische Schule das Herz der Theosophischen Gesellschaft.
Die Schule ist in Grade eingeteilt. Der erste Grad besteht in dem Orden der Prüfung; der nächste ist der erste Grad, der nächste der zweite usw.
Der neu Eintretende kommt in den Orden der Prüfung. Er hat noch kein Gelübde abzulegen, sondern nur das Versprechen zu geben, seine Papiere zurückzuerstatten, wenn er dazu aufgefordert wird, und sie als eine Sache anzusehen, von der man nur Mitgliedern der Schule gegenüber spricht.
Für diejenigen, welche in die Schule eintreten, wird im Laufe der nächsten drei Wochen eine Beschreibung der weiteren Einrichtung der Schule ausgegeben werden.
Hier aber wird zunächst von den allernächsten Aufgaben gesprochen werden, durch welche der auf dem Prüfungspfade Befindliche zu seinen Zielen gelangt. Diese Anweisungen gelten zunächst für die ersten beiden Monate. Nach Ablauf derselben erfolgt weitere Anweisung. Man hat mindestens 12 Monate auf dem Prüfungspfade zu verbleiben. Dann kann Erhebung in den ersten Grad erfolgen.
Man erreicht die Ziele des Prüfungspfades zunächst durch Beobachtung einer «täglichen Regel». Sie besteht in Folgendem:
I. Der Angehörige der Schule soll zu einer bestimmten Stunde aufstehen und, bevor er eine Mahlzeit zu sich genommen hat, eine Meditation pflegen. Die Stunde dazu wird nicht von der Schule bestimmt. Es soll sie jeder sich selbst festsetzen, dann aber streng einhalten. Nur durch die regelmäßige (rhythmische) Gestaltung des Lebens kann der Mensch sich dem rhythmischen Universum eingliedern und auf diese Art die göttlichen Gesetze dieses Universums selbst nachbilden. In dieser Nachbildung der großen Weltgesetze liegt aber die Möglichkeit, zum höheren Dasein zu kommen.
- Die Morgenmeditation hat damit zu beginnen, dass der auf dem Prüfungspfad Befindliche vollkommene Sammlung in sich selbst sucht, sodass er während der für diese Sammlung bestimmten Zeit nichts Äußeres hört, sieht usw. sich auch an nichts dem gewöhnlichen Leben Angehöriges erinnert. Zunächst soll er bei solch innerer Stille die Gedanken nach dem Göttlichen im Weltall lenken. Und dann soll er sich klarmachen, dass das eigene Selbst Eins ist mit diesem Weltall. Zu diesem Zwecke soll er in vollkommener Konzentration sich in seiner Seele die Worte sagen. Diese Worte sollen nicht bloß zum Verstand sprechen, sondern zum ganzen Menschen; sie sollen ein vollkommenes innerliches Erleben sein:
«Strahlender als die Sonne
Reiner als der Schnee,
Feiner als der Äther
Ist das Selbst
Der Geist in meinem Herzen
Dies Selbst bin Ich
Ich bin dies Selbst.»
- Nachdem man damit fertig ist, konzentriere man sich auf einen der Sätze in «Licht auf dem Weg» und zwar:
die ersten 14 Tage auf: «Bevor das Auge sehen kann, muss es der Tränen sich entwöhnen.»
die folgenden 14 Tage auf: «Bevor das Ohr vermag zu hören, muss die Empfindlichkeit ihm schwinden.»
weitere 14 Tage auf: «Eh’ vor den Meistern kann die Stimme sprechen, muss das Verwunden sie verlernen.»
Es handelt sich nicht darum, dass man über diese Sätze spekuliert, sondern dass man ein paar Minuten innerlich mit ihnen lebt, sich liebevoll in sie versenkt.
- Nachdem auch dies vollendet ist, soll jeder die Gedanken zu dem lenken, was ihm das Göttliche ist. Er soll sich in voller Devotion diesem Göttlichen hingeben. Dieser dritte Teil soll eine Art Gefühlshingabe an das sein, was man als seinen Gott anerkennt.
Die ganze Meditation sollte etwa 15 Minuten dauern. Es ist streng darauf zu sehen, dass man während der Meditation vollkommen wach sei, nicht in einen Dämmerzustand des Bewusstseins verfalle.
- Des Abends vor dem Einschlafen werfe man durch 3-4 Minuten einen Rückblick auf die Erlebnisse des Tages. Man frage sich dem gegenüber, was man erlebt hat, ob man genügend Nutzen daraus gezogen habe; und dem gegenüber, was man getan hat, frage man sich, ob man es nicht hätte besser machen können. So werde man sich selbst zum objektiven Richter. Nicht Reue soll man entwickeln. Diese ist für die eigene Persönlichkeit und für die Welt wertlos. Aber lernen sollen wir jeden Tag aus unserer Vergangenheit für unsere Zukunft, und so das Leben zu einer Lektion machen. Darin besteht alle Evolution. Der Rückblick ist so zu halten, dass man mit den letzten Erlebnissen am Abend beginnt und gegen den Morgen (rückläufig) vorschreitet.
- Man soll ein Notizbuch führen, in das man täglich mit ein paar Worten einträgt, wie die Morgen- und Abend-Meditation gelungen ist und aus dem man über Aufforderung den Leiter der Schule von seinen Fortschritten verständigt.
- Der Genuss von alkoholischen Getränken ist unvereinbar mit den Aufgaben der Meditation.
- Die Enthaltung von Fleischspeisen ist nicht geboten, wird aber angeraten, weil sie die Erreichung der Ziele der esoterischen Schule fördert.
Weiteres in den nächsten drei Wochen.