Die «Denkschrift Über Die Abtrennung Der Anthroposophischen Gesellschaft Von Der 'Theosophischen Gesellschaft»
Herausgegeben Von Dr. Hübbe-Schleiden P.T. Generalsekretär Der Theosophischen Gesellschaft In Deutschland.
Dass mich diese Denkschrift zwingt, das Folgende niederzuschreiben, gereicht mir zur Betrübnis. Denn am liebsten möchte ich gegenüber den heftigen Angriffen, welche deren «Herausgeber» (sic) gegen mich abdrucken lässt, allein das Mitleid walten lassen, das ich für deren Verfasser habe. Es gibt ja wirklich Angriffe - und diese «Denkschrift» ist wahrlich ein Beweis dafür -, die so absurd sind, die so aller Unterlagen entbehren, dass die Sache selbst, nicht bloß das Temperament und die Gesinnung des Angegriffenen, jedes andere Gefühl gegenüber dem des Mitleids in den Hintergrund drängen kann. Allein ich habe in der Angelegenheit, die hier infrage steht, nicht meine Person, sondern eine Sache zu verteidigen. Und dies legt mir die Verpflichtung auf, meine persönlichen Empfindungen zurückzudrängen. Diesen entspricht es wahrlich nicht, in der Art, wie ich es werde tun müssen, Dr. Hübbe-Schleiden gegen Dr. Hübbe-Schleiden sprechen zu lassen. Ich hätte wahrhaftig gerne die folgenden Äußerungen dieses Mannes in meinem Archive ruhen lassen, worinnen eine große Zahl seit mehreren Jahren ruhten. Solche Dinge ruft man nur auf, wenn der Angreifer in solchem Maße zwingt, wie in diesem Falle Dr. Hübbe-Schleiden mich zwingt. Ich muss, durch ihn gezwungen, das Folgende zur Mitteilung bringen.
Sogleich auf S. 7 dieser Denkschrift - der ersten, die für den Text in Betracht kommt - lässt Dr. Hübbe-Schleiden drucken: «Indessen hat sich aus den Mitgliedern dieser früheren Deutschen Sektion eine neue Vereinigung, ‹die Anthroposophische Gesellschaft›, herausgebildet. Dies war eine ganz naturgemäße Ausgestaltung der Verhältnisse, da in den letzten sieben Jahren die Gesinnung und die Strebensziele in der Sektion so durchaus andre geworden waren, als das Wesen und Programm der Theosophischen Bewegung. Diese Gemeinschaft folgte andern Geistesführern als denen, in deren Sinne die Theosophische Gesellschaft vor Jahrzehnten begründet worden ist und noch geleitet wird. — Dieser Sinn und Zweck der Theosophischen Gesellschaft kommen nun hier grundlegend infrage. Darüber zu urteilen und Auskunft zu erteilen, ist in Deutschland aber wohl niemand so gut imstande wie der Herausgeber dieser Auf Seite 73 und 74 seiner «Denkschrift» lässt Dr. Hübbe-Schleiden die Programmsätze eines «Undogmatischen Verbandes» drucken, den er habe gründen müssen mit einer Aufgabe, welche die Schlusssätze dieses Programms in folgender Weise ausdrücken: «Ihm liegt nur der Zweck zugrunde, dass der ursprüngliche Sinn der Theosophischen Gesellschaft auch in Deutschland wieder seinen Ausdruck finde innerhalb der Organisation, wie sie geschaffen worden ist von den Begründern der Gesellschaft.» Nach dem Entwurf des Programmes, der mir vorliegt, ist dieser «Undogmatische Verband» im August 1912 von Dr. Hübbe-Schleiden und Herrn J.H. Cordes begründet worden. Die ganze Sachlage zwingt dazu, anzunehmen, dass Dr. Hübbe-Schleiden im August 1912 die Ansicht vertreten hat, die im Oktober 1902 begründete Deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft habe sich nach und nach zu einer Körperschaft entwickelt, welche den «ursprünglichen Sinn der Theosophischen Gesellschaft» nicht zum Ausdruck bringt, über den niemand so gut als er «Auskunft» zu geben vermag. Auf S. 8 der «Denkschrift», welche Dr. Hübbe-Schleiden herausgegeben hat, ist zu lesen: «Zu der Vorgeschichte und zu dem Verlaufe der jetzigen Abtrennung der Anthroposophischen Gesellschaft soll hier das folgende Tatsachen-Material angegeben werden.» Hier aber muss dem in der «Denkschrift» angegebenen «Tatsachen-Materiale» ein andres gegenübergestellt werden. Dem Leser soll es dann überlassen sein, sich ein Urteil über diese «Denkschrift» zu bilden. Er könnte wahrlich, wenn er nur diese Denkschrift liest, die Meinung sich bilden: Dr. Hübbe-Schleiden habe es mit ansehen müssen, wie durch die 1902 begründete «Deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft» der Sinn und Zweck dieser Gesellschaft gründlich missverstanden, ja in sein Gegenteil verkehrt worden sei, sodass er, der über diesen «Sinn und Zweck» «zu urteilen und Auskunft zu erteilen» imstande ist, sich genötigt sah, im August 1912 für diesen «Sinn und Zweck» durch Begründung eines «Undogmatischen Verbandes» zu sorgen; ja, dass er gar sich genötigt sah, im Februar 1913 zur Begründung einer besseren Deutschen Sektion der Präsidentin Annie Besant an die Seite zu treten, nachdem diese die 1902 begründete Deutsche Sektion wegen ihrer angeblich gegen Sinn und Zweck der Theosophischen Gesellschaft verstoßenden Verhaltungsweise aus dieser Gesellschaft ausgeschlossen hat. Wer diese Meinung sich bildete, der könnte dann fragen: Warum hat sich die 1902 begründete Deutsche Sektion nicht ordentlich der Theosophischen Gesellschaft eingefügt und dann weiter gemäß dem «Sinn und Zweck» dieser Gesellschaft verhalten? Es hätte doch nur Dr. Hübbe-Schleiden über diesen «Sinn und Zweck» gefragt zu werden gebraucht, da er - nach dem angeführten Ausspruche, den er in der von ihm «herausgegebenen» «Denkschrift» drucken lässt -, diese genau kannte. Einem Leser, der etwa zu dieser Frage käme, muss ohne Zweifel wichtig sein, zu wissen, ob denn 1902 der General-Sekretär der Deutschen Sektion so gar nichts durch Dr. Hübbe-Schleiden vernommen hat über «Sinn und Zweck» der Gesellschaft, da er doch bis 1913 diese Sektion, nach Dr. Hübbe-Schleidens Meinung, so gründlich missleitet hat, dass der Mann, der über diesen «Sinn und Zweck» in Deutschland am besten urteilen kann, die so arg verfahrene Sache wieder in das rechte Geleise zurückzubringen sich genötigt sieht. Nun sei zunächst von mir kein Widerspruch erhoben, wenn Dr. Hübbe-Schleiden sich rühmt, dass er besser als jeder andere über «Sinn und Zweck» der Theosophischen Gesellschaft Auskunft geben könne, dass er mit Olcott und Blavatsky zusammen gearbeitet und vor dreißig Jahren die «ganze theosophische Bewegung in Deutschland eingeführt» habe. Nun - man sollte es wenigstens glauben - wenn Dr. Hübbe-Schleiden dies gegenwärtig drucken lässt, so müsste er zugeben, dass jemand nicht - sagen wir -illoyal gegen Dr. Hübbe-Schleiden im Jahre 1902 gehandelt hätte, der, weil er damals durch die Verhältnisse dazu geführt worden ist, der Generalsekretär bei der Begründung der Deutschen Sektion innerhalb dieser Gesellschaft zu werden, sich an Dr. Hübbe-Schleiden um solche «Auskünfte» gewandt hätte. Dieser «Jemand» könnte z.B. ich gewesen sein. Angenommen, ich hätte 1902 Dr. Hübbe-Schleiden, der 1913 behauptet, niemand sei so gut wie er imstande, über diese Dinge Auskunft zu geben, um diese Auskunft verschiedentlich gefragt. Ich habe jedenfalls damals von ihm zu wiederholten Malen solche «Auskunft» erhalten. Ich will jetzt von mündlichen Auskünften nicht reden. Ich will nur diejenigen anführen, die in noch vorhandenen Briefen enthalten sind. Am 15. August 1902 lautete eine Stelle in einem Briefe Dr. Hübbe-Schleidens (der «so gut wie niemand imstande war, über diese Dinge Auskunft zu geben»): «Sie empfinden erst jetzt die Misslichkeit ja Hoffnungslosigkeit der Aussichten für eine Verwendung unsrer alten Theosoph. Gesellschaft innerhalb der ganzen Theos. Bewegung in Deutschland. Fast alles Menschen-Material, was wir bis jetzt als Mitglieder erworben haben, ist nicht nur unbrauchbar, sondern ein fast unüberwindliches Hindernis. - Der Geist der Theosophie, wie ihn H.P.B. und Annie Besant auffassen, wird außerdem auch von ... (hier folgt der Name eines Mannes, der im Lager der Gegner der von Olcott und Blavatsky begründeten Theosophischen Gesellschaft stand) und seinen Leuten so vollständig und adäquat vertreten, dass wir neben diesen als «Theosophen» ganz überflüssig sind. Olcotts Art und Gesinnung ist im Wesentlichen die von ... und ... (hier stehen zwei Namen für Männer, welche scharfe Gegner Dr. Hübbe-Schleidens waren); und deshalb habe ich immer dafür gestimmt, keine Sektion unserer Theos. Gesellschaft neben der Leipziger Bewegung zu begründen, sondern sich die alte Theos. Gesellschaft hier in Deutschland in den Sand verlaufen zu lassen, da ihre Leistungen geistig und organisatorisch unfähig sind. Da aber niemand außer ... (hier steht der Name eines langjährigen Freundes Dr. Hübbe-Schleidens) und den Münchenern bisher meiner Ansicht ist, so lasse ich passiv geschehen, was man will. Ich selbst werde die Geistesbewegung, der ich diene, schwerlich je unter dem Namen Theosophie und Theosoph. Gesellschaft öffentlich vertreten. Für mich finden sich aus der Sache heraus ganz andere Namen. Trotzdem versuche ich gerne, der bisherigen Theosophischen Bewegung zu dienen, und das tut ganz allgemein die kleine Schrift «Diene dem Ewigen!» - In der Leipziger Gesellschaft werden Hunderte sein, die sie lesen und Geschmack daran finden werden. In unserer Gesellschaft wird sie von ... (folgen wieder die Namen der beiden Gegner Dr. Hübbe-Schleidens) und deren Anhängern einfach in die Ecke geworfen werden. Neu zu gewinnende Interessenten aber werden sich dieser Geistesrichtung lieber dann zuwenden, wenn sie nicht mit dem üblen Geruche von Lug und Trug, Unaufrichtigkeit und Oberflächlichkeit, Urteilslosigkeit und Unbildung belastet ist ...» Am 18. August 1902 schreibt wieder Dr. Hübbe-Schleiden die folgende «Auskunft» nieder: «Ich bin ganz Ihrer Meinung, dass unsere Theosoph. Bewegung weit über H.P.B. und Annie Besant hinauszugehen hat. Ob dies aber jetzt noch hier in Deutschland unter den Schlagworten Theosophie und Theosoph. Gesellschaft möglich sein wird, das bezweifle ich sehr stark ...» Am 21. August 1902 gab Dr. Hübbe-Schleiden diese «Auskunft»: «Ich kann Ihnen in summa immer nur wiederholen, dass ich diese Sektionsbildung für gänzlich irrelevant halte. Ihnen persönlich mag sie eine Grundlage gewähren; (hier fügt Dr. Hübbe-Schleiden die Randbemerkung noch hinzu: «Nur von diesem Gesichtspunkte aus billige ich die Sektionsbegründung»), aber sachlich und geistig ist sie nur ein Hindernis für Sie. Eine Bewegung von Mitgliedern, die wir gebrauchen können für geistiges Leben, soll erst gemacht werden. Solche Mitglieder müssen erst gefunden werden. Ob dies überhaupt unter den Schlagworten Theosophie und Theos. Gesellschaft noch möglich sein wird? Ich halte es nicht für möglich. Aber versuchen Sie es! ...» Am 26. September 1902 schreibt Dr. Hübbe-Schleiden die folgende «Auskunft» — die «niemand so gut» wie er geben konnte -: «Zunächst muss Ihnen (der Briefschreiber meinte mich, Rudolf Steiner) freie Bahn und Möglichkeit geschaffen werden ohne die hoffnungslos kompromittierten Schlagworte, einige Gemeinden zusammenzubringen, mit denen man nachher vielleicht eine Sektion begründen kann.» Am 26. September 1902 gab Dr. Hübbe-Schleiden die folgende «Auskunft»: «Überdies ist es meine ja oft ausgesprochene Meinung, dass Theosophie, so wie Frau Besant und Leadbeater sie auffassen, völlig adäquat von den Hartmannianern vertreten wird. ... Aber das ist noch nicht alles, ja dies alles ist auch nicht einmal das Wichtigste. Für das Wichtigste halte ich den Umstand, dass man in dem Sinne, wie heute die Theosoph. Bewegung betrieben wird, überhaupt gar keine Existenz-Berechtigung in der modernen und zukünftigen Geisteskultur hat. Es fehlt nicht nur die wissenschaftliche Begründung, sondern das, was sich heute Theosophie nennt, ist sogar jeder wissenschaftlichen Begründung feind. Das ist der einzige Gesichtspunkt, in dem unsere ..., ... (folgen wieder die Namen der beiden Gegner Dr. Hübbe-Schleidens) und Konsorten mit ... (folgen die Namen von Gegnern der Theos. Ges., welcher Dr. Hübbe-Schleiden angehörte) und Anhängerschaft übereinstimmen. Jede Energie-Menge daher, die Sie in eine Bewegung hineinwerfen, die sich «Theosophie oder ‹Theosoph. Gesellschaft› nennt, ist eine schändliche Vergeudung Ihrer (gemeint bin tatsächlich ich, Rudolf Steiner) lebendigen Geisteskraft. Sie begehen damit eine Sünde wider den heiligen Geist, denn Ihr inneres Bewusstsein sagt Ihnen, dass das, was sich heute ‹Theosophie› und ‹Theos. Gesellschaft› nennt, kulturwidrig, kulturfeindlich ist. Es ist das Gegenteil des Geistes, den Sie in Ihrem ‹Christentum› (besonders S. 1.) ausprägen ...» Am 30. September 1902 kam von Dr. Hübbe-Schleiden die folgende «Auskunft» (die wohl auch «Niemand» hätte besser geben können): «Ferner scheint es mir aus Ihrem Schreiben hervorzugehen, dass Sie doch eigentlich Lust haben oder bereit sind, sich die Sektion, so wie sie jetzt gestaltet sein wird, sich als Klotz an die Beine zu binden ...» Nun, ich will hier nicht über die Gründe sprechen, welche mir damals die Begründung der Deutschen Sektion für richtig und nötig erscheinen ließen. Das mag vielleicht bei einer anderen Gelegenheit geschehen. (Kann auch in meinen wiederholt gegebenen Darstellungen nachgelesen werden.) Ich will zu den obigen «Auskünften» Dr. Hübbe-Schleidens, die niemand besser als er zu geben vermochte, nur kommentierend hinzufügen, dass ich vor der konstituierenden Generalversammlung der Deutschen Sektion im Oktober 1902 im Berliner Giordano-Bruno-Bund einen Vortrag hielt, in dem ich auseinandersetzte, warum ich eine theosophische Bewegung in unserer Zeit für nötig halte, was ich ungenügend fand an dem, was sich so nennt, und wie ich mir diese Bewegung denke. Ob ich von dem, was ich damals gewissermaßen als Programm charakterisierte, jemals bis heute abgewichen bin, darüber glaube ich mich dem strengsten Urteile Einsichtiger aussetzen zu können. Was schrieb der Mann (Dr. Hübbe-Schleiden), der so gut wie niemand das wissen musste, wie die «Denkschrift» behauptet, über die Mitteilung, die ich ihm von diesem Vortrage machte? Er schrieb am 15. Oktober 1902: «Ihr vorgestriges Schreiben hat mir wirklich eine große Freude gemacht, und zwar in vielseitiger Hinsicht. Am meisten erquickt mich Ihr optimistischer Enthusiasmus; wenn der Erfolg in solchen Versammlungen auch gar keinen anderen Zweck hätte, als Ihnen diese Begeisterung und die daraus aufblühende Leistungsfrische zu erhalten, so wäre das schon Zweck genug. Aber der Erfolg wird weiter reichen ... Ob oder dass solche Erfolge unserer Gesellschaft heben und ihr bessere Mitglieder zuführen können, bezweifle ich und halte ich auch für ganz irrelevant. Ich bleibe sehr entschieden bei meinem Abraten - besonders im Anfang oder gar in Ihrem Programm von der Theosoph. Gesellschaft zu reden, und ich rate auch «Theosophie in ganz ausdrücklicher Weise auch immer nur im Sinne Eckharts, Jak. Böhmes und Fichtes zu gebrauchen.» Und darüber, ob ich die geeignete Persönlichkeit sei, die geplante Sache durchzuführen, gab der Mann, der es so gut wie niemand konnte, die Auskunft (in demselben Briefe vom 15. Okt. 1902): «Aber Sie sind jetzt das Werkzeug. (Wirklich bin ich, Rudolf Steiner, gemeint). Ihre Person steht im Mittelpunkt. Alles muss sich um Ihre Person drehen. Sie sind es, der jetzt öffentlich dient, wie H.P.B. gedient hat, wie Annie Besant dient. Aber ebenso wenig wie H.P.B. das, was sie war und leistete, durch die Gesellschaft geworden ist, so sollten auch Sie zunächst sich selbst erst eine unerschütterliche Stellung im Geistesleben unserer deutschen Kultur erringen. Vorher können Sie nichts für die Gesellschaft tun, und die Gesellschaft wird nur Ihren Gang und Ihre Flügel lähmen. Doch Sie wissen ja: Ich wünsche Ihnen allen Segen! ...» So hat der Mann, der es so gut wie niemand wissen musste, über den Wert der Theosophischen Gesellschaft «Auskunft» gegeben, bevor die Sektion gegründet worden ist. Aber vielleicht könnte irgendjemand einwenden: das habe Dr. Hübbe-Schleiden nur bezogen wissen wollen auf dasjenige, was sich damals in Deutschland «Theosophie» und «Theosophische Gesellschaft» nannte. Nun obzwar dieser Einwand schon durch den Inhalt der obigen «Auskünfte» widerlegt wird, so seien doch noch einige unzweideutige «Auskünfte» Dr. Hübbe-Schleidens über die ganze Theosophische Gesellschaft hier wiedergegeben. Am 17. April 1903 gibt Dr. Hübbe-Schleiden die folgende «Auskunft»: «Auch ist der mystischen Veranlagung des deutschen Geistes nichts fremder und disharmonischer als die englisch-amerikanische Reklame, mit der unsere Bewegung in der Welt betrieben wird ...» Am 26. Sept. 1902 hatte ja Dr. Hübbe-Schleiden auch bereits in einem Briefe an mich über seine bis zu dieser Zeit gehende Beteiligung an dieser Theosophischen Gesellschaft als Ganzes die «Auskunft» gegeben: «Für mich schließe ich diese alte Periode ab, indem ich die drei Artikel «Einigung als Mahnung an die alte (englisch redende und denkende) Theosoph. Gesellschaft richte. Da der Verketzerungs-Geist unter diesen ebenso groß ist wie bei ... und ... (folgen wieder die Namen der beiden deutschen Gegner Dr. Hübbe-Schleidens), so ist dieser Mahnruf ganz vergeblich. Aber er muss ergehen! Die Leute sollen nicht sagen, sie seien nicht zur rechten Zeit gewarnt worden.» Der Zusatz (englisch redende und denkende) ist von Dr. Hübbe-Schleiden selbst gemacht. Auf S. 63 der «Denkschrift» lässt Dr. Hübbe-Schleiden drucken: « Als Dr. Steiner General-Sekretär ward. Herr Dr. Steiner ist in seinen Klagen gründlich vorgegangen. Er hat auch sehr weit zurückgegriffen. Wie Herr Dr. Steiner es mit seinem Gewissen verantworten kann (laut Protokoll S. 5) zu sagen, dass ihm durch mich «Schwierigkeiten erwachsen seien im Beginne der Sektionsgründung», das ist mir unverständlich. Sollte sich Herr Dr. Steiner wirklich einreden, er hätte ohne meine Hilfe General-Sekretär werden können? Weiß er nicht mehr, dass Herr Rich. Bresch die Begründung der Sektion angeregt hat und General-Sekretär werden sollte, dass es sich auch außerdem noch um die Kandidatur von zwei anderen Personen nacheinander handelte, und dass, als dieses sich als undurchführbar erwies, ich es war, der Herrn Dr. Steiner für den Posten vorschlug? War er nicht noch im Januar 1902 ein Gegner der Theosophischen Gesellschaft? - Schon in dieser seiner vor-theosophischen Periode war Herr Dr. Steiner wiederholt mein Gast in Döhren bei Hannover. Dass er von der Theosophischen Gesellschaft damals eine sehr geringe Meinung hatte, wusste ich; zu überreden ist nicht meine Sache.» Zwar weiß ich noch ganz gut, dass durch diese Sätze die Dinge, wie sie sich damals abgespielt haben, auf den Kopf gestellt werden; doch will ich diesmal von Erinnerungen an mündliche Gespräche absehen und mich auf das schriftlich Belegbare beschränken. Vielleicht wird es doch einigen Menschen verständlich sein, dass ich im Februar 1913 sagen konnte, dass durch Dr. Hübbe-Schleiden «Schwierigkeiten erwachsen seien schon im Beginn der Sektionsgründung», wenn sie die oben angeführten «Auskünfte» sich vor Augen halten. Auch überlasse ich es anderen zur Beurteilung, ob die «sehr geringe Meinung», welche Dr. Hübbe-Schleiden damals von der Theosophischen Gesellschaft - nach obigen «Auskünften» hatte, von jemand leicht überboten werden konnte. Doch seien noch einige Spiegelungen der Art, wie Dr. Hübbe-Schleiden sich damals zur Sektionsgründung stellte, angeführt, damit ein jeglicher beurteilen könne, wie recht ich hatte, von solchen «Schwierigkeiten» zu sprechen. Am 26. September 1902 schrieb Dr. Hübbe-Schleiden an mich: «Wir können jetzt keine Sektion begründen. Ich reise nicht nach Berlin, um eine Sektion zu gründen, in der irgendwie der Geist der ... zu Worte kommen kann. (Angeführt sind wieder die Namen der beiden deutschen Gegner Dr. Hübbe-Schleidens.) Hoffentlich kommt auch Frau A.B. (Annie Besant ist gemeint) nicht ...» Am 30. September 1902 schrieb mir Dr. Hübbe-Schleiden: «Nun, dass sich die Sektion gründen lässt, wenn wir es à tout prix wollen, das ist doch fast selbstverständlich. Also dann trete ich mit meiner Ansicht zurück und, wie immer, stehe ich natürlich gern zu Diensten. Nur übernehme ich für nichts die Verantwortung. Ich glaube, meine Pflicht getan zu haben, indem ich abriet.» In dem Briefe vom 26. September 1902 findet sich noch folgendes Urteil Dr. Hübbe-Schleidens: «Ich halte es ... für eine Torheit - nein, für eine Lüge - eine Deutsche Sektion zu begründen. Mit vier Leuten, wie ... können Sie doch allein noch keine Sektion begründen, umso weniger aber, wenn uns eine ganze Masse urteilsloser und gehässiger Schreier gegenüberstehen. Jede Gemeinschaft, wie immer sie sich nennen mag, in der irgendwie solche Elemente wie ... zur Geltung kommen, wenn auch nur nebensächlich, wird immer das Gegenteil sein von dem, was ich für Theosophie halte.» Nun, vielleicht findet doch mancher, dass sich in diesen Sätzen einiges von dem ausdrückt, was gemeint ist mit den «Schwierigkeiten, welche Dr. Hübbe-Schleiden schon vor der konstituierenden Versammlung der Deutschen Sektion gemacht hat». Am 20. Oktober 1902 ist die Sektion formell begründet worden; und die angeführten Sätze Dr. Hübbe-Schleidens spiegeln die Ereignisse vom September 1902. Nun, was meine Gegnerschaft gegen die Theosophie in der damaligen Zeit anbetrifft! «Im Januar des Jahres 1902» war, so schreibt die «Denkschrift», Dr. Steiner «ein Gegner der Theosophischen Gesellschaft». Es gibt eine Persönlichkeit, welche dem Kreise recht nahe stand, von dem Dr. Hübbe-Schleiden in der Denkschrift die wohl berechtigten Worte drucken lässt: «Dies Verdienst haben sich Graf und Gräfin von Brockdorff erworben, indem sie an regelmäßigen Versammlungs-Abenden alle geistesverwandten Richtungen zu Worte kommen ließen» (Denkschrift S. 9. Ich unterschreibe dies vollinhaltlich) -—. Diese Persönlichkeit schrieb mir am 1. Februar 1902 aus Colombo - also zur Zeit, in welche die «Denkschrift» meine Gegnerschaft ansetzt, das Folgende: «Soeben lese ich in der ‹Theosophical Review› vom 15. Januar einen sehr anerkennenden Artikel, aus der Feder Bertram Keightleys, über Ihr neues Buch «Die Mystik im Aufgang des neuzeitlichen Geisteslebens» usw., es steht auf S. 45f. ... Es freut mich so sehr, dass die Engländer (gemeint sind die damaligen englischen Theosophen) Ihr Buch anerkennend hervorheben, und gerade, dass sie es in dieser Art und Weise tun, sie, die sonst immer sagen: «Deutschland ist noch nicht reif oder «was kann aus Deutschland Gutes kommen». Sie haben den Engländern, nach meiner Ansicht, wirklich gezeigt, dass Sie nicht nur reif sind, sondern dass Sie, oder sagen wir lieber, die deutschen Mystiker, und Sie mit Ihrer Auffassung derselben den Engländern (gemeint sind immer die damaligen englischen Theosophen) weit voraus sind. Ich habe bei der Entstehung Ihres Buches selbst zugesehen, zu uns haben Sie zuerst gesprochen wie ein Lehrer zu seinen Schülern und Schülerinnen, und ich habe mit dem, was Sie vortrugen, weit mehr Sympathie und Verständnis gespürt als mit der Gelehrsamkeit in Adyar; die Stunden, die wir in der Bibliothek mit Ihnen zubrachten, haben mir mehr Gewinn gebracht als die kunstvollen gelehrten Mrs. Besants, deren Können und Wissen ich staunend bewundert habe, aber mein Herz hat nur bei Ihnen sein Recht gefunden; und das wahre Wissen, die Intuition, hat im Herzen seinen Sitz und wirkt erst von dort aus aufs Gehirn. Alle andern wollen aber vom Gehirn auf Herz und Verstand wirken ... Hier gibt es weit mehr Mitglieder der Th. Gesellschaft, und zwar gelehrte Mitglieder, aber ich glaube, die Gesellschaft als solche hat sich überlebt; das Beste kommt von solchen Menschen, welche nicht auf dem Papier Mitglieder sind, die aber der Wahrheit, ohne Diplom aus Adyar oder London, weit näher stehen ...» - Ich hätte gewiss niemals etwa aus Eitelkeit diese Worte aus meinem Archiv hervorgeholt; nun mögen sie doch hier stehen, weil sie zeigen, wie eine Persönlichkeit, welche meine im Winter 1900 auf 1901 gehaltenen Vorträge gehört hat, über meine Stellung zur Theosophie dachte, und weil sie auch verraten, wie ein berufenes Mitglied der Theosophischen Gesellschaft, Bertram Keightley, der damalige Generalsekretär der englischen Sektion, in der gleichen Richtung urteilte. Und Dr. Hübbe-Schleiden lässt in seiner «Denkschrift» drucken: «War er - Dr. Steiner - nicht noch im Januar 1902 ein Gegner der Theosophischen Gesellschaft? Schon in dieser seiner vortheosophischen Periode war Herr Dr. Steiner wiederholt mein Gast in Döhren bei Hannover. Dass er von der Theosophischen Gesellschaft damals eine sehr geringe Meinung hatte, wusste ich; zu überreden ist nicht meine Sache.» Nun, ich lasse erstens jeden Leser darüber urteilen, ob dasjenige, was Dr. Hübbe-Schleiden als «Auskünfte», die niemand besser als er geben konnte, geeignet war, mich zu überreden. Und ich lasse zweitens den Leser darüber urteilen, ob nicht vielleicht Dr. Hübbe-Schleiden gegenüber, der doch nachweislich «eine sehr geringe Meinung» von der Theosophischen Gesellschaft hatte, die Frage vielleicht berechtigt war: «Wie ist es doch möglich, dass ein so intelligenter Mensch wie Sie der Theosophischen Gesellschaft angehört?» («Denkschrift» S. 64). Wenn er nämlich die Meinung von ihr hat, die den Inhalt seiner angeführten «Auskünfte» bildet. Nun muss ich den Leser schon auch noch bitten, die von Dr. Hübbe-Schleiden vor der Sektionsbegründung erteilten «Auskünfte» mit dem Satze zu vergleichen, den er $. 64 der «Denkschrift» drucken lässt: «Aber habe ich nicht auch vor der Sektions-Begründung intensiv für Dr. Steiner gearbeitet? Ist nicht mein «Diene dem Ewigen» durchaus im Einklange mit ihm geschrieben worden?» Dazu aber bitte ich noch das Folgende hinzuzunehmen. Dr. Hübbe-Schleiden ist Verfasser der Schrift «Diene dem Ewigen». Ich weiß nicht, was der Satz bedeuten soll: «Ist nicht mein «Diene dem Ewigen» durchaus im Einklange mit ihm geschrieben worden», wenn dieser Satz sich in der «Denkschrift» anschließt an den andern: «Aber habe ich nicht auch vor der Sektionsbegründung intensiv für Dr. Steiner gearbeitet?» Der Leser urteile, wer damals für den andern gearbeitet hat, da ja doch nicht ich, sondern Dr. Hübbe-Schleiden die Schrift «Diene dem Ewigen» veröffentlicht hat. Am 14. August 1902 schreibt Dr. Hübbe-Schleiden an mich: «Heute komme ich noch einmal auf die Ihnen gesandte Korrektur zurück. Da ich einmal in der Schrift (Diene dem Ewigen!) gern jeden Satz nach Form und Inhalt Ihnen mundgerecht machen möchte, gebe ich Ihnen hier die Änderung des Anhanges vom letzten Absatze der Einleitung, in dem ich als Beispiel schließlich Julius Sturm zitiere (weil sich Verse an der Stelle besser machen als Prosa). Ich schreibe diese neue Fassung auf das hier anhängende Blatt. Falls Sie bei Empfang dieses Briefes den Anfang der Korrektur schon an mich abgesendet haben, so würde ich Sie bitten, mir etwa auf einer Postkarte Ihre Einwendungen gegen diesen Zusatz anzugeben, falls Sie etwa damit oder mit irgendeiner Einzelheit nicht einverstanden wären.» In demselben Briefe schreibt Dr. Hübbe-Schleiden: «Darüber haben wir uns ja verständigt, dass Sie Ihren Fahnenabzug an mich hierher senden, nicht direkt an die Druckerei.» Am 18. August 1902 schreibt Dr. Hübbe-Schleiden an mich mit Bezug auf «Diene dem Ewigen»: «Allem, was Sie mir am 15. und 16. schrieben, stimme ich im vollsten Maße zu. Ihre Verbesserungen meines Textes habe ich dankend akzeptiert und fast ganz wörtlich so aufgenommen; ich halte sie für sehr wertvoll.» In demselben Briefe steht: «Anbei sende ich Ihnen ... den Rest meiner Anmerkungen - nämlich zu «Diene - dem Ewigen' - zu, damit Sie sie lieber erst durchsehen, ob Ihnen nichts Störendes darin ist.» Nun auch dies alles hätte in meinem Archiv weiter schlummern können, wenn mich nicht die «Denkschrift» zwänge, die Sache ans Licht zu ziehen. Denn es zeigt, was damals geschah. Dr. Hübbe-Schleiden verfasste eine Schrift; ich las die Korrektur und machte «Verbesserungen» — so sagt er, - die er «sehr wertvoll» findet - so sagt er. - Dr. Hübbe-Schleiden nennt dies, er habe «intensiv für Dr. Steiner gearbeitet». Nun könnte vielleicht noch jemand auf den Gedanken verfallen, die «Auskünfte», die niemand so gut geben konnte wie Dr. Hübbe-Schleiden, bezögen sich nur auf äußere Dinge der Gesellschaft; er hätte aber über «Sinn und Zweck» des Innern der theosophischen Bewegung damals schon seine Bedenken gegen meine Richtung gehabt. Auch darüber möge wieder er selbst Auskunft geben. Am 18. August 1902 schrieb Dr. Hübbe-Schleiden an mich: «Wir sollten ängstlich den Schein meiden mit phänomenalistischem Spiritualismus verquickt zu sein. Tatsächlich ist dies bei der Besant und Leadbeater sowie bei HPB und der ganzen TS der Fall. Mir ist aber der Okkultismus ganz besonders unsympathisch und der Spiritismus erst recht. Zwischen diesem und uns sollten wir das Tischtuch zerschneiden.» (Natürlich ist damit das gemeint, was Dr. Hübbe-Schleiden damals unter Okkultismus verstand.) Wenn etwa jemand meinen könnte, ich sei Dr. Hübbe-Schleiden etwa bedenklich gewesen wegen meiner Stellung zu Haeckel, so möge auch er selbst darüber gehört werden. Er schrieb mir nämlich in demselben Briefe vom 18. August 1902: «Nun weiter vor allem herzlichsten Dank für die Widmung Ihrer Haeckel-Schrift! (Gemeint ist meine Schrift ‹Haeckel und seine Gegner›) ... es ist mir sehr lieb, die Schrift zu besitzen. Sie muss zum Schlusse der Anmerkung 8 unserer (sic. gemeint ist «Diene dem Ewigenb) Schrift hinter Prof. Dr. Raph. v. Koebers gleichgesinnter Schrift «Faeckel kein Materialist» zitiert werden. Ich selbst habe von jeher für Haeckel die größte Sympathie und Verehrung gehegt. Von Virchow wird man nach 100 Jahren nichts mehr wissen, von Haeckel noch nach 1000 Jahren, ebenso und mehr als von Darwin (es sei denn, dass die deutsche Geisteskultur ganz zugrunde ginge, was nicht unwahrscheinlich).» Diese Anmerkung rührt von Dr. Hübbe-Schleiden selbst her. — Und am 26. September 1902 (also 24 Tage vor der formellen Begründung der Deutschen Sektion) schrieb Dr. Hübbe-Schleiden an mich: «Damit - gemeint ist mein «Christentum als mystische Tatsache - haben Sie - gemeint bin wirklich ich, Rudolf Steiner - ein Programm geschaffen, mit dem Sie für eine weite, sehr weite Zukunft Bahn brechen können. In dieser Richtung sind auch mir seitdem schon sehr weite und klare Perspektiven eröffnet worden. ... Ihr «Christentum ist der Anfang einer neuen Epoche für uns. Mein «Diene dem Ewigenb ist nichts als ein überflüssiger und fast wertloser Abschluss einer alten, für uns überwundenen Periode. Es ist gänzlich unbrauchbar, weil darin die Schlagworte ‹Theosophie› und ‹Theosoph. Gesellschaf› vorkommen. Kein ernster, wirklich gebildeter Mensch kann heutzutage etwas ernst nehmen, das sich mit dem verknüpft, was man in Deutschland heute so nennt und künftighin so nennen wird.» Auf S. 11 der von Dr. Hübbe-Schleiden herausgegebenen «Denkschrift» ist zu lesen: «Anhänger von Dr. Steiner führen meistens gegen Angaben, wie sie in dieser ‹Denkschrift› dargestellt sind, an: Herr Dr. Steiner sagt doch das Gegenteil! - Das aber ist es gerade, um was es sich handelt. - Es wird hier nicht nötig sein, an die bekannte Nachwirkung psychischer Suggestionen zu erinnern und auf deren autoritative Macht hinzuweisen. Es ist hier auch nicht die Frage näher zu erörtern, ob dabei nur ein menschlicher Wille wirkt. Wer je an menschliche Unfehlbarkeit glaubt, dem hilft kein Tatsachen-Material. Wie aber die Tatsachen in der Wirklichkeit sind, das mag jeder selbst beurteilen, der aufrichtig und ehrlich, gründlich und gewissenhaft die Angaben von beiden Seiten prüft. ‹Audiatur et altera pars!›» Nun, bei Dr. Hübbe-Schleiden kann - wie es für die oben erwähnten «Auskünfte» doch wahrlich scheint - der «andre» Teil allein für sich gehört werden; denn man könnte glauben, auch ohne dass Dr. Steiner «das Gegenteil» sagt, könne sich jeder unbefangene Leser ohne die «bekannte Nachwirkung psychischer Suggestionen» ein unbefangenes Urteil bilden. Wieder nur als Kommentator muss ich hier einiges einfügen. Die Deutsche Sektion wurde 1902 aus Gründen, über welche heute zu sprechen zu weit führen würde, gegründet trotz der «Auskünfte», welche der Mann gab, der die «ganze theosophische Bewegung in Deutschland eingeführt hat». Ich aber, den man aufforderte, das Generalsekretariat zu übernehmen, musste mit dieser Einführung als einer gegebenen Tatsache damals rechnen. Denn es war und ist meine Meinung, dass in ähnlichen Fällen stets mit solchen Voraussetzungen zu rechnen ist. Zu diesen Voraussetzungen gehörte nun auch, dass einer Anzahl von Personen, welche der theosophischen Bewegung damals nahestanden, Dr. Hübbe-Schleiden als derjenige galt, als der er auch jetzt wieder auf S. 7 und 8 seiner «Denkschrift» charakterisiert wird. Ich verhielt mich zu ihm dieser Voraussetzung gemäß. Ja, ich stellte zunächst meine eigne Meinung bei mir selbst über ihn ganz zurück, und ließ in mir ein Gefühl sprechen, das man dem Einführer der theosophischen Bewegung in Deutschland gegenüber haben konnte. Personen, welche davon wissen können, vermögen wohl heute noch davon zu erzählen und Aussprüche von mir aufzuweisen, wie ich für ihn eingetreten bin. Und wenn es auch solche gibt, die mir vielleicht vorwerfen, ich habe Dr. Hübbe-Schleiden überschätzt, so will ich diesen nicht weiter entgegentreten. Geltend aber machen darf ich, dass ich in meinen Handlungen und Maßnahmen innerhalb der theosophischen Bewegung mich nie nach Dr. Hübbe-Schleidens Urteil gerichtet habe. Man kann dies wohl hinlänglich daraus ersehen, dass ich mich zum Generalsekretär der zu gründenden Sektion trotz der «Auskünfte» Dr. Hübbe-Schleidens habe machen lassen. Wie er aber die Gründe dieses meines Verhältnisses zur theosophischen Bewegung beurteilt hat, dafür mögen wieder seine eigenen Worte Zeugnis ablegen. Am 17. April 1903 schrieb Dr. Hübbe-Schleiden an mich: «Andrer Ansicht als Sie bin ich nur in Bezug auf die Absicht und den Zweck der Theosoph. Bewegung. Sie und alle anderen heutigen Vertreter wollen aus dieser Bewegung für sich und möglichst viele andere einzelne Personen den geistigen Vorteil und Nutzen ziehen. Ich halte dies zwar für sehr gut und sehr berechtigt, aber doch immer nur für einen sich nebensächlich darbietenden Nutzen. Als die Hauptaufgabe unserer Bewegung erachte ich nur, unsere Weltanschauung zu einem Faktor im Geistesleben unserer europ. Kultur zu machen, sodass es uns, wenn wir in 3000 Jahren wieder mitwirken, gelingen kann, diese Weltanschauung an die Stelle der heutigen «christlichen» zu setzen.» — An die Stelle des Briefes Dr. Hübbe-Schleidens, an welcher sich dieser sein Ausspruch befindet, schrieb ich damals (mit Bleistift) einige Worte. Indem ich diese meine Worte heute lese, ersehe ich aus ihnen wieder, wie weit Dr. Hübbe-Schleiden damals von dem Verständnisse dessen entfernt war, was mir vorschwebte, ich schrieb nämlich an den Rand: «Das ist eben die grundfalsche Voraussetzung, die alle Missverständnisse hervorruft. Nicht Nutzen und nicht Vorteil, sondern notwendige Erfüllung eines klar erkannten Karmas!!! Für mich war die Differenz klar, als ich sah, dass meine dahingehenden ... Andeutungen in Berlin auf keinen fruchtbaren Boden fielen und nur von ... (folgt der Name einer mir nahestehenden Persönlichkeit) verstanden wurden.» - Zunächst sei auch noch denjenigen Lesern gedient, welche ohne «die bekannte Nachwirkung psychischer Suggestionen» sich ein unabhängiges Urteil über die Frage bilden wollen, ob denn die Meinung über Dr. Steiners Führung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft bei Dr. Hübbe-Schleiden sich nicht sehr bald geändert habe, nachdem dieser Mann, der dies so gut wie niemand beurteilen kann, gesehen hat, wie der Generalsekretär die Bewegung auffasst. Es könnte doch sein - so könnte man sagen — dass die Aufwärmung alter Briefstellen nichts besage gegenüber der, aufgrund seiner Erfahrung mit Dr. Steiner vonseiten Dr. Hübbe-Schleidens, von diesem eben gründlich geänderten Meinung. Und liest man auf S. 65 der von Dr. Hübbe-Schleiden «herausgegebenen» «Denkschrift» die folgenden Worte, so könnte es in der Tat scheinen, dass Dr. Hübbe-Schleiden recht bald von alle dem zurückgekommen sei, was er 1902 oder 1903 an Dr. Steiner geschrieben hat, nachdem ihm über die unmögliche Haltung des Letzteren die Augen aufgegangen waren. Diese Worte stehen auf $. 65 der «Denkschrift» und lauten: «Ausgetreten (nämlich aus dem Vorstand der Deutschen Sektion meint Dr. H.-Schl.) aber bin ich, weil ich für die in der Sektion vertretene Geistesrichtung nicht weiter verantwortlich sein wollte.» Es könnte nun jemand glauben, diese in der Sektion «vertretene Geistesrichtung» beziehe sich auf eine Abweichung von Sinn und Zweck der Gesellschaft, für welche Dr. Hübbe-Schleiden durch die von ihm «herausgegebene» «Denkschrift» wieder eintreten müsse, denn S. 12 dieser «Denkschrift» ist ja zu lesen: «Die 1902 für die Sektion geschaffenen Satzungen waren völlig im Einklange mit der Verfassung der Gesamt-Gesellschaft. In den ersten Jahren arbeitete die Sektion auch ganz im Sinne des Programms der Gesellschaft.» Nun am 1. Januar 1906 schrieb Dr. Hübbe-Schleiden an mich: «Am heutigen Neujahrstage kann ich nicht unterlassen, Ihnen aus vollem Herzen ... unsere innigsten aufrichtigsten Wünsche für ein möglichstes Gedeihen unserer Bewegung während dieses Jahres auszusprechen. Das verbindet sich von selbst mit den herzlichsten Wünschen für Ihre Person und für den Erfolg /hrer Leitung dieser unserer Bewegung. — Sie wissen ja, dass meiner Meinung nach der Erfolg für unsere Geistesrichtung, den wir alle ebenso wie Sie wünschen, nach meiner bisherigen 22-jährigen Erfahrung in dieser Betätigung nur in einer etwas anderen Art des Vorgehens zu finden sein wird als in der, die ich 10 Jahre lang verfolgt habe, und die Sie jetzt nun auch schon 3 Jahre versuchen.» Die Art meines Vorgehens mögen ruhig andere beurteilen; was Dr. Hübbe-Schleiden über seine Art des Vorgehens hier schreibt, möge man mit den Ausführungen in der «Denkschrift» unbefangen vergleichen. Am 28. Februar 1911 schrieb Dr. Hübbe-Schleiden in einem Briefe an mich: «In Sachen und im Interesse unserer theosophischen Bewegung muss ja selbstverständlich alles im Einklange mit Ihnen eingerichtet werden.» Dieser Satz bezieht sich zwar auf ein spezielles Projekt; er kommt aber — wie mir scheint - umso mehr in Betracht, als es nichts verstoßen hätte, wenn dieses spezielle Projekt ganz ohne «Einklang» mit mir behandelt worden wäre. Am 4. Juli 1911 schrieb Dr. Hübbe-Schleiden an mich: «Frau Besant hat mich, ohne vorherige Anfrage bei mir (Randanmerkung Dr. H.-Schls: «Mit der Meldung zur Mütgliedschaft war freilich selbstverständlich meine Hilfsbereitschaft erklärt») zum Vertreter des Order of the Star in the East für Deutschland ernannt. Nach Erwägung der gewaltigen Schwierigkeiten aller Arten, die damit für mich verbunden sind, habe ich die Verantwortung für diese Aufgabe übernommen. ... Der Grund, weshalb ich mich zur Mitgliedschaft des Ordens gemeldet hatte, ist der, dass die in dessen Prospekt ausgesprochene Gesinnung und Organisation genau meiner ganzen Vorentwicklung ... seit meiner Verbindung mit der Theosophischen Gesellschaft 1884 entspricht. Die minimale Organisation vermeidet alle Nachteile, die mir bei dieser Gesellschaft stets hinderlich waren; und sie entspricht im Wesentlichen der Einrichtung meiner ‹Theosophischen Vereinigung› 1892–94 in Berlin. ... Als drohende Gefahr erschien mir sofort, als ich die erste Notiz von dem Orden in Vollraths ‹Theosophie› las, dass diese neben der Theosophischen Gesellschaft hergehende Bewegung von anderer Seite in fremden Händen gegen die von Ihnen in Deutschland so meisterhaft geleitete theosophische Bewegung, gegen Sie und gegen das Rosenkreuzertum gewendet werden könnte. Sie würden sich dadurch wahrscheinlich weder berührt noch gar beeinträchtigt fühlen, so wenig wie durch die Hartmann-Gesellschaft noch durch die Tingley-Gesellschaft. Aber es schien und scheint mir sicher, dass wenn ich das mir übertragene Amt abgelehnt hätte, Dr. Franz Hartmann an meine Stelle gesetzt worden wäre. Dann würde der Hexenkessel in Deutschland wieder ins vollste Sieden kommen; und - was immer Sie darüber denken mögen - mir erscheint dies sehr unerwünscht, und ich möchte nicht die Verantwortung dafür tragen, indem ich mich der Übernahme dieses sehr schwierigen, peinlichen Amtes entzogen hätte. Die ‹Brüderlichkeit› der Theosoph. Gesellschaft steht in Deutschland schon zu sehr in dem Rufe von persönlicher Streiterei.» An einer späteren Stelle dieses Briefes heißt es: «Dieses Geltenlassen aller Religionsformen mit voller Gleichberechtigung jeder für diejenige Kultur-Form oder Rasse, für die sie gegeben worden, ist der grundlegende Sinn der theosophischen Bewegung. Er ist das, was mir beim Eintritte in die Gesellschaft schon vor 27 Jahren gleich besonders eingeleuchtet hat und mir sympathisch ist. Darin kann auch kein Unterschied des Strebens zwischen Ihnen und Frau Besant vorliegen. Sie haben diese Weite der Gesinnung sehr oft ausgesprochen, und Sie würden sonst ja auch nicht die Sektion der Theosoph. Gesellschaft leiten.» Es wird doch nun wohl nicht gleich eine Anrufung der «bekannten Nachwirkung psychischer Suggestionen» sein, wenn noch einmal auf das Datum dieser Auslassung Dr. Hübbe-Schleidens verwiesen wird. Es ist der 4. Juli 1911. Man vergleiche damit, was Dr. Hübbe-Schleiden in seinem am 19. Juni 1912 in Hannover gehaltenen Vortrag «Die Botschaft des Friedens» gesagt hat (Der Vortrag ist im Druck erschienen). $. 7 heißt es da: «Es ist nicht duldsam, es ist untheosophisch, wenn man denkt: «der Andere mag glauben, was er will; auf die Erörterung der Meinungs-Unterschiede lasse ich mich nicht mit ihm ein. Er mag meine Ansichten annehmen, wenn er Wahrheit wissen will; aber er muss meine Ansichten auf Vertrauen hin annehmen. Alle seine Gegengründe haben keinen Wert für mich; ich halte sie von vornherein für Irrtümer. Mich kümmert keine Forschung; ich folge nur einer mir fertig gegebenen Offenbarung und nur meinem jetzigen Verständnis dieser Offenbarung». Wenn man etwa sagen wollte, diese Sätze brauchten sich gar nicht auf Dr. Steiner zu beziehen, so muss doch wohl der Gedanke erwogen werden, ob sie ein Leser der «Botschaft des Friedens» nicht auf diesen beziehen werde, der in dieser «Botschaft des Friedens» auf S. 11 liest: «Das sind alles zweckmäßige, altbewährte Maßregeln; und sie erfüllen tatsächlich in unserer «Deutschen Sektion» den Zweck, sowie in jeder Kirche oder Sekte, deren Weistümer zu schützen ...» «Der Erfolg ist auch der, dass in Deutschland kaum noch ein paar ZweigGesellschaften unserer Sektion zu finden sind, in denen andere in der Gesellschaft weitverbreitete Ansichten vorgetragen werden können, die nicht gerade diese eigenartigen «Geistesschätze sind. Dieses alles freilich widerspricht dem ersten zwingenden Grundsatze der theosophischen Bewegung und der allgemeinen Satzungen unserer Gesellschaft.» So spricht Dr. Hübbe-Schleiden am 19. Juni 1912, also nicht ein ganzes Jahr, nachdem er an mich (am 4. Juli 1911) geschrieben hatte: «Als drohende Gefahr erschien mir ... dass diese neben der Theosophischen Gesellschaft hergehende Bewegung von anderer Seite in fremden Händen gegen die von Ihnen in Deutschland so meisterhaft geleitete theosophische Bewegung, gegen Sie und gegen das Rosenkreuzertum gewendet werden könnte». Und nachdem er an demselben Tage (4. Juli 1911) mir das Kompliment gemacht hat: «Sie haben diese Weite der Gesinnung sehr oft ausgesprochen, und Sie würden sonst ja auch nicht die Sektion der theosoph. Gesellschaft leiten» sagt er - nicht ganz ein Jahr darnach - die oben angeführten Sätze seiner «Botschaft des Friedens». — Im Zusammenhang mit alledem muss besprochen werden, was - wohl in Liebe und in brüderlicher Gesinnung - Dr. Hübbe-Schleiden auf $. 72 der von ihm «herausgegebenen» «Denkschrift» drucken lässt. Dort ist nämlich zu lesen: «Herr Dr. Steiner setzte weiter seine heftigen Anklagen in den folgenden Sätzen fort (Protokoll $. 7 und 8): Dr. Hübbe-Schleiden schickte eine Schrift herum als Propagandaschrift für einen «Undogmatischen Verband. Diese Schrift wimmelt von Anklagen, die aus der Luft gegriffen sind. Wir hatten hier nicht nur ein Mitglied des «Sternes im Osten» vor uns, sondern einen Mann, der uns auf Schritt und Tritt bekämpfte, der nichts anderes wollte, als uns bekämpfen.» Und weiter: «Dr. Hübbe-Schleiden hatte herumgeschickt überall seine die Deutsche Sektion in heftigster Weise angreifenden Mitteilungen über den ‚Undogmatischen Verband’». Das alles habe ich tatsächlich gesagt. Nun - wagt Dr. Hübbe-Schleiden in seiner «Denkschrift», daran anschließend, die folgenden Worte drucken zu lassen. ($. 72.): «Dazu sei hier der Prospekt dieses Verbandes selbst vollständig abgedruckt. Etwas anderes ist nie über den Verband veröffentlicht. Der Leser kann sich daraus überzeugen, dass darin kein Wort mehr gesagt ist, als was jede im Sinne der Theosophischen Gesellschaft arbeitende Vereinigung anerkennen muss, kein Wort mehr.» Und dann lässt Dr. Hübbe-Schleiden «den Prospekt» abdrucken, der kein Wort von alledem enthält, was ich laut Protokoll gesagt habe. Nichts Geringeres also wagt Dr. Hübbe-Schleiden, als zu behaupten, dass ich mit meiner Behauptung einfach gelogen habe. Denn das hätte ich, wenn wahr wäre, was Dr. Hübbe-Schleiden drucken lässt. Nun ich will dem Leser Gelegenheit geben, sich zu «überzeugen», wer die Wahrheit gesagt hat. Im November 1912 wurde «herumgeschickt» ein von Dr. Hübbe-Schleiden und John. H. Cordes unterzeichneter gedruckter «Appeal» über den «Undogmatischen Verband». (Diesen Titel trägt er ausdrücklich: Undogmatic Federation.) Derselbe trug auch noch den Stempel: «Recording Secretary. Theosophical Society. Adyar. Madras.» In dieser Schrift stehen u.a. die folgenden Sätze: «The Society expects from them (nämlich ihren Mitgliedern) that they shall be perfectly able to justify their beliefs rationally (vernünftig) and without having resource to authoritative protection. - It is the German Section alone which makes an exception ... The Council of the Section corresponds therefore with the concilium of Cardinals and the Church Council of State; the lodge-president finds a parallel in the bishop or ordained priest who celebrates the confirmation; and the course of preparation is the equivalent for the instructions preceding confirmation. — This divergence of the General Section from the fundamental objects of the Society has been silently borne so far by the Presidential Leitung» ... (Es soll wohl heißen oben statt General Section German Section). Zu deutsch wäre dieses: «Die Gesellschaft erwartet von ihnen (ihren Mitgliedern), dass sie sich fähig erweisen werden, ihren Glauben vernünftig zu beurteilen und für ihn keinen autoritativen Schutz beanspruchen werden. - In der deutschen Sektion wird allein davon eine Ausnahme gemacht ... Der Vorstand der Sektion entspricht daher einem Konzil von Kardinälen und einem Kirchenrat des Staates; der Vorsitzende einer Loge findet seine Parallele in einem Bischof oder einem ordinierten Priester, welcher die Konfirmation feierlich vornimmt; und ein Vorbereitungskursus findet sein Äquivalent in der der Konfirmation vorangehenden Belehrung. - Diese Abweichung der deutschen Sektion von den Grundgesetzen der Gesellschaft hat bisher die Präsidial-Leitung schweigend geduldet» ... Nach der von Dr. Hübbe-Schleiden in seiner «Denkschrift» zugelassenen oder befolgten - auf dem Titelblatte steht nämlich «herausgegeben» - Methode, ist es doch notwendig, auch noch das Folgende zu sagen. Wenn etwa Dr. Hübbe-Schleiden angesichts der Tatsache, die hier verzeichnet wird, sagen würde: nach seiner Ansicht sei das doch alles richtig, was in dieser von ihm herumgeschickten Schrift stand, so muss erwidert werden, dass es darauf in Bezug auf das hier Gesagte nicht ankommt, sondern allein darauf: es ist wörtlich wahr, dass Dr. Hübbe-Schleiden eine solche Druckschrift herumgeschickt hat, und dass er in seiner «Denkschrift» wagt, zu sagen: «Dazu sei hier der Prospekt dieses Verbandes selbst vollständig abgedruckt. Etwas anderes ist nie über den Verband veröffentlicht.» — Ich mache darauf aufmerksam, dass ich mich sogar bis auf das Wort «herumgeschickt» exakt und präzis ausgedrückt habe. Ich habe eine erweislich wahre Tatsache dargestellt; und Dr. Hübbe-Schleiden wirft mir - in brüderlicher Liebe - nichts Geringeres vor, als dass ich gelogen habe. Ich überlasse auch diesen Fall ohne die «bekannte Nachwirkung psychischer Suggestionen» dem Urteil der Leser. Ich werde mich, wie ich das bisher getan habe, trotz der so unerhörten Herausforderung Dr. Hübbe-Schleidens, darauf beschränken, nur diejenigen seiner Auslassungen anzuführen, welche nichts mit irgendeiner Sache zu tun haben, bei der er etwa sagen könnte, er habe sie über sich seinen Briefen an mich anvertraut in dem Glauben, dass man Briefe nicht bei Veröffentlichungen benutze. Ich werde vermeiden, etwas zu erwähnen, was etwa im wahren Sinne auf Persönliches und dergl. sich bezieht, und nur anführen, was Urteile Dr. Hübbe-Schleidens über Sinn und Zweck der Gesellschaft, über den Geist der theosophischen Weltanschauung und dergl. enthält. Auf S. 32 der «Botschaft des Friedens» als deren Fortsetzung die «Denkschrift» auf S. 5 sich bezeichnet, sagt Dr. Hübbe-Schleiden: «Viele von uns, in deren bisherige Geistessphäre diese Vision der Zukunft — gemeint ist die Wiederkunft eines Weltlehrers - wie ein Sonnenstrahl von Hoffnungsfreudigkeit, von Schönheit und Glückseligkeit hineingeleuchtet hat, wir fühlen uns wie aufgeweckt aus einem schweren Alpdrücken. Die alten Farben, die bisher die Sinnbilder des religiösen Lebens waren, tiefschwarz und blutrot, sind für uns abgetan. Was uns zum Göttlichen erhebt, sind hellgoldiger Sonnenschein und Himmelblau, die Farbe der Unendlichkeit, dazu das Silberweiß des Sternenlichtes.» Ich will nicht behaupten, dass mit diesen Worten das Rosenkreuz als Symbolum derer gemeint sein soll, die sich für das von mir vorgebrachte interessieren. Jedenfalls ist dieses Symbolum aber: «die roten Rosen auf schwarzem Kreuzesgrunde». Von diesen Farben gibt Dr. Hübbe-Schleiden am 19. Juni 1912 an, dass sie für ihn und die Seinen «abgetan» seien. Am 9. August 1911 schrieb derselbe Dr. Hübbe-Schleiden an mich: «Trotzdem scheint mir übrigens, kein wesentlicher Gegensatz zu sein zwischen dem, was das Rosenkreuzertum bewirken will und was die Theosoph. Gesellschaft will. Diese wendet nichts dagegen ein, dass das Rosenkreuzertum die Religionsform der nächst-kommenden 6. Kultur-Epoche werde. Wenigstens was mich betrifft, so steht mein Wunsch und Wille dem gar nicht entgegen.» Ich möchte hier ausdrücklich bemerken, dass ich mich stets dagegen verwahrte - ganz besonders in den Reden in Stuttgart bei der Eröffnung des dortigen neuen Logenlokales -, einseitig meine Forschungen als Rosenkreuzertum bezeichnet zu hören. Doch von Dr. Hübbe-Schleiden kann ich nicht verlangen, dass er verstehe, was ich zu sagen habe; so muss ich es von ihm schon hinnehmen, dass er mein Wollen als «nur» rosenkreuzerisch anzusehen scheint. Für die Tragweite der Urteile Dr. Hübbe-Schleidens, also auch für den Wert seiner «Denkschrift» kann dem Leser auch noch das Folgende bedeutsam sein. Am 4. Juli 1911 schrieb Dr. Hübbe-Schleiden an mich: «Allerdings hat ja Frau Besant eine etwas andere Stellung gegenüber dem Mysterium von Golgatha als Sie. Veranlasst wird dies dadurch sein, dass ihr in jüngeren Jahren ... alles, was mit der christlichen Kirche zu tun hat, gründlich verekelt worden ist. Aber wenn es auch ein Mangel bei Frau Besant sein mag, dass sie sich das Rosenkreuzertum nicht hat zu eigen machen können, so anerkennt sie doch den Christusgeist, den Logos als den großen Lehrer (Mahaguru) ...» Am 9. August 1911 schreibt derselbe Dr. Hübbe-Schleiden an mich: «Frau Besant kennt allerdings die rosenkreuzerische Auffassung des ‹Christusgeistes›, wie er sich in Jesu Körpern offenbart habe. Aber sie lehnt diese Auffassung entschieden ab; sie anerkennt sie nicht.» Am 4. Juli 1911 schreibt Dr. Hübbe-Schleiden an mich: «Frau Besant fasst die Aufgabe des kommenden Adepten jedenfalls nicht auf als das, was das «Mysterium von Golgatha» nach rosenkreuzerischer Auffassung ist. Der Adept soll nicht bloß seine Leiber zur Verkörperung des «großen Lehrers hergeben, wie Jesus, sondern er soll als Adept selbst wirken voll vom Geist des Mahaguru, so wie jeder andere Adept, nur nicht geheim, sondern öffentlich.» In seiner «Denkschrift» lässt Dr. Hübbe-Schleiden drucken: «Wir haben sogar Ihr Hauptziel - er meint das rosenkreuzerische - mit Ihnen gemeinsam, das Ziel, das uns ebenso aktiv verbinden sollte, wie es Sie tatsächlich von uns trennt; ich meine die vollständige Hingabe an den Christusgeist, den Christus, der durch Jesus einst auf Golgatha der Menschheit das ganz einzig dastehende größte Sinnbild des Selbstopfers dargestellt hat.» Am 9. August 1911 hat Dr. Hübbe-Schleiden an mich geschrieben: «Frau Besant gebraucht das Wort ‹Christus› nur im Sinne einer indifizierten Theologie. Genau bezeichnet versteht sie darunter nur den Bodhisattva des Maitreya Buddha. Nach der Meinung von Frau Besant war der Christus, der durch Jesu Körper wirkte, gar nichts anderes als dieser Bodhisattva. Nach der rosenkreuzerischen Terminologie wird man wohl deutsch dafür ‹Erzengel› sagen können oder auch ‹Feuergeist›.» Auf S. 68 steht in der von Dr. Hübbe-Schleiden «herausgegebenen» «Denkschrift»: «Dr. Hübbe-Schleiden soll (laut Protokoll S. 6 Spalte 2 oben) gefordert haben, Dr. Steiner solle das Wort «Christus vermeiden, weil Frau Besant dieses Wort für Bodhisattva gebrauche. Dazu sind im Protokoll, nachträglich eingeschoben, Sätze vom 4. Juli 1911 an Herrn Dr. Steiner angeführt. - In diesem Briefe steht nichts von einem Vorschlage über den Gebrauch des von Herrn Dr. Steiner ganz neu aufgestellten Christus-Begriffes. Wohl aber habe ich am Schlusse eines Schreibens vom 9. August 1911 davor gewarnt, Missverständnisse dadurch hervorzurufen, dass man die Bezeichnung für althergebrachte Begriffe auf neue überträgt.» Was soll hier der Satz der Denkschrift: «In diesem Briefe steht nichts von einem Vorschlage über den Gebrauch des von Herrn Dr. Steiner ganz neu aufgestellten Christus-Begriffes.» Man lese das Protokoll, und man wird finden, dass ich dort von dem Briefe vom 4. Juli 1911 nur die Worte anführe, die Dr. Hübbe-Schleiden in diesem Briefe schrieb: «Dass ein 14- bis 15-jähriger Knabe solche Prüfung überstehen kann, wie sie der Krischnamurti jetzt durchmacht, ist mir unfasslich. Er wird von Frau Besant vor aller Welt paradiert als der kommende Adepr. Da die Kulturwelt damit gar keinen Begriff verbindet, sagt Frau Besant den kirchlichen Hörern abgekürzt: «Der kommende Christus als Typus eines göttlichen Adepten. Aber dass sie damit nicht Jesus meint, weiß jeder, der die 30 Vorleben des Krischnamurti gelesen hat, die sie und Leadbeater im ‹Theosophist› veröffentlicht haben.» Da die Denkschrift sagt: «In diesem Briefe steht nichts von einem Vorschlage über den Gebrauch des «Christus-Begriffes»», so könnte der Leser meinen: ich hätte jemals behauptet, es stünde davon etwas in diesem Briefe. Ich habe das nicht behauptet. Wohl aber habe ich (nach Protokoll S. 6) gesagt: «Es trat eines Tages ... Dr. Hübbe-Schleiden auf ... Er erklärte auch unter mancherlei Dingen: nachdem es vorgekommen sei, dass ein Gegensatz in dem, was Frau Besant lehrt, und dem, was Dr. Steiner lehrt, bestehe, solle ich in Zukunft meine Lehre so einrichten, dass von meinen Zuhörern keine Widersprüche konstruiert werden könnten. Es wurde sogar gesagt, ich solle das Wort «Christus vermeiden, weil es nur zu Missverständnissen führen könne. Motiviert wurde das damit, dass Mrs. Besant dieses Wort brauche für Bodhisattva, weil in Europa das Wort Bodhisattva nicht verstanden würde.» Selbstverständlich haben diese Worte ihre begründete Unterlage in dem Briefe, den Dr. Hübbe-Schleiden am 9. August 1911 an mich gerichtet hat. Die von Dr. Hübbe-Schleiden «herausgegebene» «Denkschrift» tut recht unschuldig, indem gesagt wird: «Wohl aber habe ich am Schlusse eines Schreibens vom 9. August 1911 davor gewarnt, Missverständnisse dadurch hervorzurufen, dass man die Bezeichnung für alt-hergebrachte Begriffe auf neue überträgt.» Und um vor seinen Lesern diesem «unschuldigen» Satze einigen Nachdruck zu verleihen, schreibt der Verfasser der «Denkschrift» auf S. 70: «Die Briefe, um die es sich dabei handelt, werden jedem, der nach Ankündigung zu mir kommt, zur Einsicht vorgelegt ...» Nun ich will den Lesern dieser «Mitteilungen» den Weg nach Göttingen ersparen und die Stelle hierher schreiben, die Dr. Hübbe-Schleiden so «unschuldig» als Warnung «am Schlusse» charakterisiert. Nur nebenbei bemerke ich, dass die Worte, auf die es - nach meiner Meinung — hauptsächlich ankommt, nicht «am Schlusse» des Briefes, sondern auf der ersten und zweiten Seite des 8 Seiten umfassenden Schreibens stehen. Sie lauten: «... Dabei warnen Sie dann vor dem Irrtum eines anderen Geisteskreises, der jetzt eine Wiederkunft des Christus im physischen Leibe eines Erdenmenschen erhoffe ... Worauf nun Sie Ihre Warnung etwa speziell beziehen, ist mir nicht bekannt. Von Ihren Schülern aber wird sie durchweg so aufgefasst, als ob sie sich gegen die Ansichten und Absichten von Frau Besant richtete und jetzt auch gegen den von ihr begründeten Sternbund. Da nun aber diese Ihre Warnung gerade für Frau Besant und den Sternbund gar nicht zutrifft, möchte ich Ihnen vorschlagen, entweder auf diese Bemerkung zu verzichten, oder sie in solche Form zu kleiden, dass es Ihren Schülern nicht mehr möglich sein wird, sie als gegen den Sternbund aufzufassen.» Und auf $. 7 desselben Briefes schreibt Dr. Hübbe-Schleiden: «Die Gefahr eines Missverständnisses wird übrigens bereits vermieden, wenn nur für die rosenkreuzerische Christus-Vorstellung ein anderes Wort festgehalten würde. Dabei ist die Auswahl groß. Die ganze sonstige Kulturwelt kann sich höchstens zu dem (dritten) unklaren Begriff erheben, den die Theologie mit dem Wort «Christus verbindet. Dieser reicht ja nicht einmal hinan an den des Bodhisattva oder Erzengels.» Sind diese Sätze - vorausgesetzt, dass man in ihnen überhaupt einen Sinn suchen will - anders zu verstehen, als dass für die sogenannte rosenkreuzerische Christus-Vorstellung ein «anderes Wort festgehalten» werden solle. Es wird ja sogar darauf hingewiesen, dass «dabei» die «Auswahl groß» sei. Dr. Hübbe-Schleiden lässt allerdings in demselben Briefe auch noch eine Belehrung vorangehen. Er sagt: «Nicht sowohl durch die verschiedenen Begriffe als vielmehr durch die Bezeichnung der verschiedenen Begriffe mit demselben Worte «Christus werden endlose Verwirrungen heraufbeschworen. Für die unterschiedlichen Begriffe ist ja dieser selbe Ausdruck jedem Einsichtigen ganz entbehrlich, da die drei verschiedenen Begriffe des Streitpunktes mit noch vielen anderen Worten ausreichend bezeichnet werden könnten. Beispielsweise reicht es ja vollständig aus, wenn wir - Dr. Hübbe-Schleiden meint die Mitglieder des Sternenbundes - nur von dem Bodhisattva oder dem Erzengel des Maitreya-Buddha reden.» Im Übrigen mag Dr. Hübbe-Schleiden durchaus zugestanden werden, dass er in Bezug auf die Vermeidung eines Missverständnisses gegenüber dem Christus-Namen mit gutem Beispiele voranzugehen sich vorsetzte. Denn er schreibt in demselben Briefe: «Aber Missverständnisse durch den Gebrauch desselben Wortes für verschiedene Begriffe kann man und die sollte man vermeiden. Da nun hier allein das griechische Wort «Christus strittig ist, so werde ich fortan bemüht sein, dieses vieldeutige Wort des Zankapfels nie wieder auszusprechen ...» Wie gut es Dr. Hübbe-Schleiden gelungen ist, dieses Versprechen zu halten, das möge man in der «Botschaft des Friedens» und in der von ihm «herausgegebenen» «Denkschrift» nachsehen. Nun könnte es in Anbetracht des Umstandes, dass Dr. Hübbe-Schleiden in seiner «Botschaft des Friedens» eine gewisse - allerdings absurde - Bemerkung macht, die Leser dieser «Mitteilungen» vielleicht auch noch interessieren, dass sich in dem Briefe vom 9. August 1911 noch eine recht kuriose Auslassung findet. Mit Bezug auf jene Persönlichkeiten, die sich für die von mir vorgebrachten geisteswissenschaftlichen Forschungen interessieren, macht Dr. Hübbe-Schleiden S. 41 in der «Botschaft des Friedens» nämlich die folgende Bemerkung: «Auch die katholische Kirche hielt sich für verletzt in ihrem Recht, als Luther auftrat und das Recht des selbstständigen Denkens, offene Wahrheitsforschung und Gedankenfreiheit forderte, und sich nur gegen Unverstand und Übergriffe schützen und verteidigen wollte. Die Kirche aber fühlte sich in der Alleinherrschaft über die Gewissen und die Geister arg beeinträchtigt.» Am 9. August 1911 findet Dr. Hübbe-Schleiden - es wurde das schon angeführt -, dass sein Wunsch und Wille gar nicht dem entgegen wäre, wenn das Rosenkreuzertum die Religionsform der nächstkommenden 6. Kultur-Epoche würde; und er fährt dann in dem Briefe vom 9. August 1911 so fort: «Auszudenken freilich ist die Möglichkeit solcher Verhältnisse nicht leicht. Doch wären wohl zwei Möglichkeiten denkbar. Deren eine wäre, dass die christlichen Kirchen durch die Selbstzersetzung» und staatliche Widerstände zugrunde gingen, wie in Frankreich, Spanien, Portugal und Italien. Aber das ist allerdings nicht wahrscheinlich; wenigstens der katholischen Kirche hat Macanlay wohl mit Recht eine Unverwüstlichkeit vorausgesagt. Daher könnte eher sich die andere Möglichkeit verwirklichen, dass nämlich später einige Kardinäle Rosenkreuzer würden, und dass dann von diesen einer Papst würde. Da dieser dann selber «Eingeweihter sein und die Erkenntnis höherer Welten haben könnte, wäre damit für die Anhänger von solcher Kirche das Erfordernis der wünschenswerten Theokratie annähernd verwirklicht. - Eine solche Ausgestaltung der Verhältnisse scheint mir ganz dem /deale zu entsprechen, dass die Theosoph. Gesellschaft und der Sternbund sich gebildet haben. Was sie wollen, ist zwar etwas, was darüber noch hinausgeht; aber es ist damit doch sehr wohl vereinbar.» In demselben Briefe vom 9. August 1911 schreibt an mich Dr. Hübbe-Schleiden auch noch etwas, das geeignet ist, mit den Auslassungen der «Denkschrift» verglichen zu werden. Es ist das Folgende: «Wenn übrigens der Schüler, in dem der Maitreya Buddha sich zukünftig offenbaren soll, erst soweit fortgeschritten sein wird, und wenn dann die weiße Brüderschaft und die okkulte Hierarchie sehen, dass er dann noch bei den Rosenkreuzern etwas lernen kann, so werden sie ihn ja gewiss zu Ihnen (gemeint bin wirklich ich, Rudolf Steiner) in die Schule schicken. Soll doch Jesus auch bei den Essenern noch etwas gelernt haben.-» Es mussten die vorangehenden Ausführungen gemacht werden, damit die Leser der «Mitteilungen» aufgrund eines Tatsachen-Materials sich ein unbefangenes Urteil über den Wert der von Dr. Hübbe-Schleiden «herausgegebenen» «Denkschrift» bilden können. Zur Beurteilung dieses Wertes könnte ja noch so manches beigefügt werden. So z.B. beschäftigt sich diese «Denkschrift» auf S. 47-50 damit, warum sich Herr Hubo nicht hätte dazu gebrauchen lassen sollen, allerlei vertrauliche Mitteilungen über die Deutsche Sektion nach Adyar zu schreiben, und warum Herr Hubo eine solche Zumutung mit Entrüstung von sich gewiesen hat. Vielleicht wird es verständlich, dass eine Auseinandersetzung mit Dr. Hübbe-Schleiden über eine solche Angelegenheit ganz unmöglich ist, wenn ins Auge gefasst wird, dass Dr. Hübbe-Schleiden — dem als Vertreter des Sternes des Ostens Dr. Vollrath als Repräsentant zugeteilt war — am 4. Juli 1911 mir die folgende Zumutung stellte: Er (Dr. Hübbe-Schleiden) schreibt: «Würden Sie vielleicht die Möglichkeit und Güte haben, mir in Leipzig jemanden bezeichnen zu können, den ich mit der Bitte angehen kann, für mich in unserem Sinne Dr. Vollrath freundschaftlich zu kontrollieren und mich über ihn unterrichtet zu halten, damit ich ihn dann, wenn nötig, rechtzeitig inhibieren kann. — Unserer lieben Frau Wolfram, die mir sehr sympathisch ist, darf ich damit ja gewiss nicht kommen. Die hat schon zu viel Ärger mit Vollrath gehabt. Aber vielleicht können Sie mir dazu eine andere opferwillige Persönlichkeit nennen.» Auf S. 61 und 62 der «Denkschrift» findet sich die folgende Stelle: «Herr Dr. Steiner ‹beklagt› sich besonders darüber, dass Frau Besant die Vermutung ausgesprochen hat, dass er von Jesuiten erzogen worden und deshalb dogmatisch einseitig sei. Herr Dr. Steiner und seine Anhänger (Protokoll S. 11 und 13) lehnen dieses mit großer Entrüstung ab. Warum eigentlich diese Entrüstung?» Dr. Hübbe-Schleiden kann also nicht einen Grund finden für diese Ablehnung. Es fällt ihm also gar nicht bei, dass man etwas aus dem Grunde ablehnen könne, weil es nicht wahr ist. Frau Besant hat an hervorragender Stelle nicht nur vermutungsweise, sondern ganz bestimmt erklärt: Dr. Steiner ist von Jesuiten erzogen. Diese Behauptung ist eine objektive Unwahrheit. Und wenn von «Entrüstung» die Rede ist, so bezieht sich diese darauf, dass die Präsidentin in der General-Versammlung der ganzen Theosophischen Gesellschaft eine solche unwahre Behauptung tun kann. Dr. Hübbe-Schleiden fühlt davon nichts. In seiner Denkschrift stehen wirklich die Worte: «Warum eigentlich diese Entrüstung? Wohl nur wegen der gedanklichen Verwechslung des Jesuiten-Ordens mit dem Vorwurfe des Jesuitismus.» Es ist also möglich - wirklich möglich, dass ein Vertreter der Gesellschaft, welche die «Wahrheit» noch höher stellen will als jedes Bekenntnis, diese Worte drucken lässt! - Angesichts der Tatsache, dass es eine objektive Unwahrheit ist, dass Steiner von Jesuiten erzogen ist - angesichts dieser Tatsache ist es möglich, dass Dr. Hübbe-Schleiden in seiner «Denkschrift» drucken lässt: «Und würde denn Herr Dr. Steiner etwa vor Gericht bereit sein, einen Eid darauf zu leisten, dass nie einer seiner Lehrer dem Jesuiten-Orden angehört hat?» Das steht wirklich in der Denkschrift auf S. 62, in welcher auf $. 11 von der bekannten «Nachwirkung psychischer Suggestionen» gesprochen wird. Nach dieser Probe der Art, wie in dieser Denkschrift das auf S. 3 gepriesene « Tatsachen-Material» vorgebracht wird, bitte ich den Leser, alle «bekannte Nachwirkung psychischer Suggestionen» bei Seite zu lassen und die Frage sich zu beantworten, ob die hier von mir vorgebrachten «Tatsachen» genügen, um sich ein Urteil über den Wert der von Dr. Hübbe-Schleiden «herausgegebenen» «Denkschrift» zu bilden? - Ich habe die Pflicht gehabt, zunächst «Tatsachen» vorzulegen, die andern weniger zugänglich sind. Was die Denkschrift über die letzten Vorgänge in Bezug auf die ehemalige deutsche Sektion der «Theosophischen Gesellschaft» vorbringt, mögen andere besprechen. Ich weiß, dass ich mit dem Vorstande dieser Sektion alles völlig im Einklange getan habe. Der Vorstand kennt alles, was zur Urteilsfindung in Bezug auf die äußeren Tatsachen nötig ist. An andrer Stelle dieser Mitteilung wird von andrer Seite auf die Seite 55 ff. vorgeworfenen «Unterdrückungen und Text-Auslassungen» eingegangen. - Nun Dr. Hübbe-Schleiden ist von jemand, der dieses Stück der Adyar-Brüderlichkeit in dem Berliner Zweige der anthroposophischen Gesellschaft kennenlernte, geschrieben worden, wie er, ohne die «bekannte Nachwirkung psychischer Suggestionen» doch wohl in diesem Falle «brüderlich» gehandelt hat, indem er die Denkschrift zum Ablage-Ort auch noch dieses Adyar-Stückchens machte. Auf diese Mitteilung hin schreibt er am 21. Juni 1913 an mich: «Es tut mir aufrichtig leid, dadurch unbeabsichtigterweise das auf dieser Seite Gesagte verschärft zu haben. Deshalb bitte ich unverzüglich darum, diesen Irrtum zu verzeihen.» - Nun aber, die «bekannte Nachwirkung psychischer Suggestionen» bei Seite -; soll man sentimental werden? Der Mann hat einen «Irrtum» begangen, er bittet um «Verzeihung». Doch man höre die weiteren Worte dessen, der um seines «Irrtums» willen um «Verzeihung» bittet. Wahrhaftig er muss zugeben, dass die Behauptung der Auslassung objektiv unwahr ist - und schreibt im Anschluss an die oben erwähnte Bitte um Verzeihung dann weiter: «Sachlich wird dadurch ja freilich nur die von mir vermutete Absichtlichkeit in der Protokollführung hinfällig, nicht an sich der Vorwurf, um den es sich dabei handelt, und der überdies an Wichtigkeit zurücktritt vor dem weiter Angeführten und den übrigen Gesichtspunkten in meiner ‹Denkschrift›.» Also, es ist möglich, dass jemand einem Anderen den Vorwurf macht: «du hast absichtlich dies getan». Es stellt sich heraus, dass es nicht wahr ist, dass dieser dieses getan hat; der Angreifer erwidert: «du hast nicht absichtlich getan, was du nicht getan hast». Ich muss gestehn, dass ich hier wahrlich nicht sentimentalische Phrasen drechseln möchte. Doch muss ich noch sagen, dass ich mir lange überlegt habe, ob ich das Vorausgehende schreiben solle. Denn mich erbarmt der Mann, von dem hier die Rede ist. Und handelte es sich um ihn: ich hätte nichts geschrieben. Doch was gegen die Sache, der ich zu dienen habe, von diesem Manne im Druck vorgebracht wurde, das erforderte dringend die obigen Mitteilungen. Wenn Dinge vorgebracht werden, wie sie Dr. Hübbe-Schleiden in seiner «Denkschrift» vorgebracht hat, so lösen sich diese Dinge, nachdem sie so vorgebracht worden sind, von dem Vorbringer ab. Sie haben dann ein selbstständiges Dasein. Zur Charakterisierung dieser Dinge ist das Vorangegangene geschrieben. Mit der Person Dr. Hübbe-Schleidens habe ich Mitleid. Doch wie ich auch die Sache ansehen mochte - wenn mich auch noch so sehr das Gefühl überwältigte: zu sagen, was ich gesagt habe, bin ich verpflichtet.