Der Ausschluss Der Deutschen Sektion Aus Der Theosophischen Gesellschaft
Dürfte ich bloß meinen Neigungen folgen, so würde ich in der Angelegenheit der Ausschließung der deutschen Sektion aus der Theosophischen Gesellschaft nicht mehr das Wort ergreifen. Die Arbeit, welche bisher durch mich in der deutschen Sektion versucht worden ist, und an welcher auch weitere Kreise der theosophischen Bewegung teilgenommen haben, ist sachlich übergegangen an die «Anthroposophische Gesellschaft». In keiner objektiv in Betracht kommenden Richtung ist die geringste Unterbrechung eingetreten in diesem Arbeitsversuch, der seit Jahren einen solchen Charakter tragen wollte, dass durch ihn zum Ausdruck kommen sollte, was nach den Bedingungen der Gegenwart die theosophische Bewegung sein kann. - Durch alles, was ich bisher in dieser Sache vorgebracht habe, glaube ich für jeden, der unbefangen die Tatsachen prüfen will, gezeigt zu haben, dass der wahre Grund für die Ausschließung der Deutschen Sektion die Intoleranz des gegenwärtig in Adyar herrschenden Systems war gegenüber dem selbstständigen Leben innerhalb dieser Sektion. - Die Mittel, welche angewandt worden sind, um diese Ausschließung herbeizuführen, können in ihrem wahren Charakter aus meinen bisherigen Ausführungen erkannt werden. Sie erreichten das Übermaß des Unerlaubten dadurch, dass die Präsidentin gelegentlich der letzten Generalversammlung der Theosophischen Gesellschaft in Adyar die aller objektiven Wahrheit direkt widersprechende, ja absurde Behauptung wagte: ich sei durch die Jesuiten erzogen und wäre nicht imstande gewesen, diesen fatalen Einfluss von mir zu schütteln, und wäre so nicht fähig gewesen, die Freiheit der Meinung in der Sektion zu gestatten. Da diese Behauptung objektiv absolut unwahr, ja das Gegenteil der Wahrheit ist, so ist klar, dass die gegenwärtige Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft in der unerlaubtesten Weise Dinge sagt, ohne auch nur im Geringsten die Verpflichtung zu fühlen, sich irgendwie um die Wahrheit dessen zu kümmern, was sie sagt. Mir scheint, dass man mit dieser einen Tatsache schon genug haben könnte. Denn mit derselben als solcher hat meine Person nicht das Geringste zu tun. Was immer an Meinungsverschiedenheiten zwischen der Präsidentin und mir vorhanden gewesen sein mag, steht gar nicht mehr infrage gegenüber dem Unerhörten, dass die an der Spitze der Gesellschaft stehende Persönlichkeit in der Generalversammlung der Gesellschaft eine solch schwerwiegende Behauptung tut, die das objektive Gegenteil der Wahrheit ist. - Doch war ja diese Tat der Präsidentin nur die Krönung eines entsprechenden Gebäudes. Für mich selbst hatte ja diese Behauptung noch einen ganz besonderen Beigeschmack. Es fand nämlich gelegentlich des Budapester Kongresses der europäischen Sektionen im Jahre 1909 ein Gespräch statt zwischen Mrs. Besant und mir, in dem Folgendes berührt wurde. Mrs. Besant sprach zu mir von einer Persönlichkeit, die gegen mich mancherlei einzuwenden hatte. Auf meine Frage, was die betreffende Persönlichkeit nach ihrer Meinung denn gegen mich habe, sagte sie, dass diese Persönlichkeit mich für einen Jesuiten halte, und um zu bekräftigen, wie sehr sie - Mrs. Besant - sich über eine solche Behauptung belustige, fügte sie hinzu, dass dieselbe Persönlichkeit sie - Mrs. Besant - ja auch schon für einen Jesuiten gehalten habe. 1909 wusste also Mrs. Besant, dass die Jesuiten-Beschuldigung eine Lächerlichkeit ist, und betrachtete sie auch als Torheit; 1912 erhebt vor der Generalversammlung der Theosophischen Gesellschaft dieselbe Mrs. Besant dieselbe Beschuldigung, um damit zu beweisen, dass ich unfähig bin, die freie Meinung innerhalb der deutschen Sektion achten zu können! Vielleicht kann doch auch diese kleine Geschichte dazu beitragen, zu zeigen, wie gut begründet die Behauptungen der Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft zuweilen sind, von welcher Präsidentin Herr Leadbeater gesagt hat, er habe mit ihr vor dem Direktor des Globus gestanden. Es ist vielleicht doch noch - wenn auch ganz bescheiden - die Meinung gestattet, dass man von dem Direktor des Globus eine andere Handhabung der Wahrheit lernen könnte.
Dass eine weitere Beleuchtung einer Angelegenheit, in welcher man solches erfahren hat, nicht zu dem gehört, was einer Neigung entspringt, kann begreiflich erscheinen. Denn im Grunde genommen ist doch wahrlich die Sache einfach durch die Anführung dieser einen Tatsache erledigt.
Es gibt aber doch mancherlei, das notwendig macht, noch einiges zu sagen. Neben anderem, das ich anführen könnte, besteht das Folgende. Ich habe vorausgesetzt, dass nach dem Bekanntwerden des Ausschlusses der Deutschen Sektion und dessen Vorgeschichte bei allen, welche Verständnis gewonnen haben für die von mir versuchte Wirkensart, ganz von selbst sich die Empfindung einstellen müsse: ich dürfe in Zukunft die internen Vorträge für die Anthroposophische Gesellschaft nicht vor Persönlichkeiten halten, welche sich noch weiter als Mitglieder der von Adyar geleiteten Theosophischen Gesellschaft betrachten. Dennoch entstanden da und dort Bedenken darüber, dass von allen internen Veranstaltungen der Anthroposophischen Gesellschaft zunächst alle Mitglieder der unter Mrs. Besants Leitung stehenden Theosophischen Gesellschaft ausgeschlossen sein sollen.
Da ein solches Urteil sich hat bilden können, und es also doch noch bei einzelnen Persönlichkeiten auch nur für möglich gehalten wird, dass ich vor Mitgliedern der Theosophischen Gesellschaft interne Vorträge halte, und da auch noch mancher andere Grund vorliegt, so muss ich doch noch einmal aus der Fülle der Tatsachen einiges herausgreifen, um diesem oder jenem Missverständnisse vielleicht noch zu begegnen.
Es soll begonnen werden mit einem Zirkular, welches Mrs. Besant als Antwort auf meine Darstellung der Tatsachen versandt und auch im «Theosophist» hat abdrucken lassen.
Ich hob in meiner Darstellung heraus, dass Mrs. Besant 1909 in der Angelegenheit des Dr. Vollrath an mich schrieb: «Da ein Appell an mich gemacht worden ist, stimme ich, als Präsident, der Handlung der Deutschen Sektion zu ...» und dass dagegen Mrs. Besant 1912 schrieb: «Dr. Vollrath tat keinen Appell an mich; daher hatte ich keine Pflicht, zu beachten Recht oder Unrecht in dieser Sache, und bis heute kenne ich sie nicht.» Um diese beiden einander direkt widersprechenden Behauptungen zu «beleuchten», unternimmt nun Mrs. Besant in dem erwähnten Zirkular (vom 12. Januar 1913) das Folgende. Zunächst führt sie das Wörtchen «it» ins Gefecht. Sie kämpft mit diesem «it» in Bezug auf ihre Worte vom 8. Mai 1912, die lauteten: «Vor einigen Jahren schloss die Deutsche Sektion Dr. Vollrath aus, und der Generalsekretär teilte mir die Angelegenheit mit. Ausschließung aus einer Sektion bedeutet nicht Ausschließung aus der Theosophischen Gesellschaft. Ich wurde nicht gebeten, diese (it) zu bestätigen und so sie — hier steht wieder das Gefechtswort «it» - zu einer Ausschließung aus der Gesellschaft zu machen. Dr. Vollrath tat keinen Appell an mich. ...» Darüber sagt sie nun in ihrem neuerlichen Zirkular: «Es ist ganz einleuchtend, dass das ad, welches «ch nicht gebeten war, zu bestätigem, war die «Ausschließung aus der TS. Dr. Vollrath hatte an mich bloß appelliert gegen seine Ausschließung aus der Deutschen Sektion, und seine Briefe enthielten nur dieses. («It is fairly obvious that the it which «I was not asked to ratify» was expulsion from the TS. Dr. Vollrath had appealed to me merely against his expulsion from the German Section, and his letters dealt with that only.»)
Man beschränke sich zunächst darauf, bloß die beiden Sätze hintereinander zu lesen, denjenigen, welchen Mrs. Besant im Mai 1912 geschrieben hat, und denjenigen, welchen sie im Januar 1913 schreibt, ja nicht nur dieses, sondern, welche sie auf derselben Seite (den ersten wiederholend) hintereinander schreibt:
Mai 1912: «Ausschließung aus einer Sektion bedeutet nicht Ausschließung aus der Theosophischen Gesellschaft. Ich wurde nicht gebeten, diese zu bestätigen, und sie so zu einer Ausschließung aus der Gesellschaft zu machen.»
Januar 1913: «Es ist ganz einleuchtend, dass das «iv, welches «ich nicht gebeten war, zu bestätigen» war die «Ausschließung aus der TS.»
Also Mrs. Besant behauptet, sie wurde nicht gebeten, die «Ausschließung aus der Theosophischen Gesellschaft zu bestätigen»; man füge diese Erklärung in ihren Satz vom Mai 1912 ein, dann heißt er: «Ich wurde nicht gebeten, diese - also die Ausschließung aus der Theosophischen Gesellschaft - zu einer Ausschließung aus der Theosophischen Gesellschaft zu machen.» Wer eine solche Rechtfertigung hinnimmt, nun - der verdient wahrlich weiter ein Anhänger dessen zu sein, der sich so rechtfertigt. Für andere Menschen ist klar, dass zu Sophismen, die so faustdick aufgetragen sind, nur jemand greift, der sich durch ein Wortgeplänkel davor retten will, für objektiv unwahre Behauptungen, die er getan hat, einzutreten. Doch möchte das noch hingehen als eine formelle Sache. Nun aber das Tatsächliche. Von wem sollte denn überhaupt Mrs. Besant gebeten worden sein, die Ausschließung aus der deutschen Sektion zu einer Ausschließung aus der Theosophischen Gesellschaft zu machen? Von mir ist sie um gar nichts gebeten worden. Ich zeigte ihr zunächst 1908 die Ausschließung einfach an. Diese bloße Anzeige enthielt nichts, auch nicht die leiseste Zumutung, sie solle Dr. Vollrath auch aus der Theosophischen Gesellschaft ausschließen. Und als sie mir dann in einem Briefe, in dem sie diesen Ausschluss aus der Gesellschaft im Allgemeinen berührte, den Appell Dr. Vollraths sandte, schrieb ich ihr, was Dr. Vollrath betrifft, so bin ich weit entfernt, einen Einfluss haben zu wollen auf dasjenige, was sie als Präsident für recht halte, in diesem Falle zu tun. Ich sagte nur des Weiteren, dass in dem Falle, dass sie, als Präsident, Dr. Vollrath nun als Mitglied der Theosophischen Gesellschaft annehme, leicht gesagt werden könne, der Präsident desavouiere die Deutsche Sektion. Ich fügte ausdrücklich noch hinzu, dass ich mir keine Sorge über dasjenige mache, was Dr. Vollrath etwa künftig über mich sagte, sondern dass es sich darum handle, die Deutung zu vermeiden, die Deutsche Sektion sei von der Präsidentin der Gesellschaft desavouiert worden. Auf gegnerischer Seite wäre diese Deutung ja immerhin möglich.
Auf diese Tatsachen hin schreibt nun Mrs. Besant am 12. Januar 1913: «Dr. Steiner erwiderte in Bezug darauf, ob Dr. Vollrath ein Mitglied der Theosophischen Gesellschaft im Allgemeinen sein solle, und sagte, dass es für ihn sehr misslich sein würde, wenn ich erlaubte Dr. Vollrath, in der Theosophischen Gesellschaft zu bleiben, da er aus der Sektion ausgeschlossen sei» («Dr. Steiner replied objecting to Dr. Vollrath being a member of the TS at all, and saying that it would be very awkward for him, if I allowed Dr. Vollrath to remain in the TS when expelled from the Section»). Man vergleiche diesen Satz mit dem, was ich oben angeführt habe, und man wird sehen, dass er eine volle objektive Unwahrheit enthält. Ich habe es ausdrücklich betont, dass ich mir persönlich aus etwaigen Angriffen nichts mache; Mrs. Besant schreibt, ich hätte gesagt, es wäre für mich sehr misslich, wenn sie erlaubte, dass Dr. Vollrath ein Mitglied der Gesellschaft bliebe. Die Tatsachen mögen also liegen, wie sie wollen, Mrs. Besant kümmert sich nicht um Tatsachen; sie verkündet der Welt, was sie will, ohne alle Rücksicht auf die Tatsachen.
Und nun zu dem Appell. Der Appell, welchen Dr. Vollrath an Mrs. Besant richtete, ist fünf Quartseiten lang. Er ist so verfasst, dass aus ihm wohl nicht klar hervorgeht, wie es Dr. Vollrath mit seiner Zugehörigkeit zur Theosophischen Gesellschaft im Allgemeinen gehalten wissen will; doch enthält er am Schlusse die Worte: «Falls Sie, verehrte Präsidentin, es für nötig halten, diesen hier geschilderten Fall dem General-Council zu unterbreiten, dann bitte ich es tun zu wollen.» In ihrem Briefe von 1909 sagt Mrs. Besant: «da Dr. Vollrath an mich appelliert hat wegen seines Ausschlusses aus der Deutschen Sektion» («Having been appealed to by Dr. Vollrath, of Leipzig» against his expulsion by the German TS»).
In aller Korrespondenz des Jahres 1909 war nirgends die Rede von einem Ausschluss aus der Gesellschaft, und Januar 1913 zu behaupten, mit dem Appell könne nur ein solcher gemeint sein, der sich auf den Ausschluss aus der Gesellschaft im Allgemeinen beziehen müsse, ist in der Sache so absurd, wie nur möglich. Dr. Vollraths Appell bezog sich auf seinen Protest gegen den Ausschluss aus der Deutschen Sektion, und er war voller Anklagen gegen mich, die noch berührt werden sollen, und er hätte wahrlich nicht anders sein können, wenn Dr. Vollrath seine Mitgliedschaft in der Theosophischen Gesellschaft erstrebt hätte. Dennoch sagt Mrs. Besant 1912: «Dr. Vollrath tat keinen Appell an mich.» Um nun zu beweisen, dass sie dies habe doch schreiben dürfen, macht sie in ihrem Zirkular vom Januar 1913 das Folgende. Sie stellt die Sache so dar, als ob Dr. Vollrath keinen Appell an sie gerichtet hätte, weil sein Appell kein solcher war um seine Aufnahme in die Gesellschaft im Allgemeinen. Von einem solchen Appell war aber nie die Rede. Da aber Mrs. Besant 1909 doch an mich geschrieben hat: «Da ein Appell an mich gemacht worden ist» («As an appeal to me has been made»), so stellt sie jetzt die Sache mit folgenden Worten dar: «Der Appell war von Dr. Steiner zu bestätigen die lokale Handlung der Sektion und von Dr. Vollrath gegen diese Bestätigung» («The appeal was from Dr. Steiner to confirm the local action of the Section and from Dr. Vollrath against that confirmation»). Dieser Satz ist wieder, soweit er mich betrifft, eine objektive Unwahrheit. Denn ich habe nie einen Appell an Mrs. Besant gerichtet wegen der Bestätigung. Ein solcher Appell hätte auch nicht den geringsten Sinn gehabt. Denn die deutsche Sektion betrachtete sich als vollberechtigt, Dr. Vollrath auszuschließen. Sie hat auch nicht einen einzigen Augenblick angenommen, dass diese Handlung der Bestätigung vonseiten des Präsidenten bedürfe. Mrs. Besant hat vielmehr völlig unaufgefordert - bloß auf meine Mitteilung von dem Ausschlusse, nicht auf einen Appell hin - zwei Schriftstücke verfasst - sie sind in den vorangehenden Mitteilungen enthalten -, in denen sie die Ausschließung aus der deutschen Sektion bestätigte. Ich hielt diese Schriftstücke damals für so belanglos, dass ich sie weiter gar nicht in unsere Mitteilungen brachte. Wozu sollte Papier bedruckt werden mit Schriftstücken, die ganz ohne Veranlassung waren.
Mrs. Besant tut also im Januar 1913 nichts Geringeres, als dass sie den Appell, den Dr. Vollrath 1908 an sie gerichtet hat, zu einem Appell macht, den ich gemacht haben soll, den ich aber niemals gemacht habe.
Den Höhepunkt dieses Zirkulars vom Januar 1913 bildet aber wohl der Satz, den Mrs. Besant wagt zu schreiben: «In Bezug auf das Pamphlet - gemeint ist die Druckschrift Dr. Vollraths, welche in den Mitteilungen Nr. 13 abgedruckt ist — hätte ich vorausgesetzt, dass es einiges wichtige enthielte, da Dr. Steiner augenscheinlich sehr ärgerlich darüber war, indem er sagte, dass, wenn dessen Behauptungen wahr wären, «kein Hund mehr ein Stück Brot von uns nähme. Wenn, wie Dr. Steiner nun sagt, es bloß eine Aufwärmung der ursprünglichen Streitpunkte war, die in dem Briefe an mich standen, dann scheint der Ausdruck ein wenig stark.» («As to the pamphlet, I had supposed that it contained something important, as Dr. Steiner was evidently very angry about it, saying that if its statements were true «a dog would not take food from us». If, as Dr. Steiner now says, it was merely a rehash of the original quarrels, stated in his letter to me, the language seems a little strong.»)
Mrs. Besant erlaubt sich, diesen Satz hinzuzuschreiben angesichts der folgenden Tatsache. Dr. Vollrath behauptete in seinem Briefe vom Jahre 1908 an sie: 1. Dass ich seinen (Dr. Vollraths) Widerstand fürchtete, z.B. darin, dass ich durchgesetzt habe, ein festes Gehalt von 2000 Mk. aus der Sektionskasse zu erhalten. (Ich war stets gegen meine Honorierung aus der Sektionskasse.) 2. Dass ich ihn in der Sektion nicht haben wollte, weil er Frau Wolframs Ansichten nicht teilen konnte, die erklärt: Dr. Steiner ist ein hoher Eingeweihter und der einzige Initiator für Europa, er müsse deshalb bei der nächsten Präsidentenwahl gewählt werden. (Mrs. Besant findet den Ausdruck, den ich gebraucht habe, ein «wenig stark». Ich möchte wissen, ob ich wirklich wert wäre, dass «ein Hund einen Bissen Brot von mir nähme», wenn ich jemals eine Persönlichkeit in der Sektion nicht hätte haben wollen, wenn sie die obigen verrückten Forderungen, die ich stellen sollte, nicht billigte. Selbstverständlich kann Frau Wolfram derlei absurde Behauptungen nicht getan haben. 3. Dass ich ihn in der Sektion nicht haben wolle, weil er privatim geäußert habe, dass die Hysterie einiger Leipziger Schüler Dr. Steiners wahrscheinlich auf die okkulten Übungen zurückzuführen sei, die zur Lockerung des Ätherkörpers führen. Und Dr. Vollrath fügt hinzu, er kenne selbst einige Übungen, die ich gebe, die aber mehr dazu dienen, Kräfte zu entwickeln und die Entfaltung der Tugend vernachlässigen. (Mir wäre eine solche «private» Äußerung Dr. Vollraths, wenn ich sie - was nicht einmal der Fall war - gehört hätte, wahrlich recht belanglos erschienen, da sie wohl ebenso gescheit wäre, wie wenn jemand sagte, ich hätte silberne Löffel gestohlen. Mrs. Besant findet es nicht von «einiger Bedeutung», dass Dr. Vollrath solche Dinge hinschreibt.) Diese und noch weitere ähnliche Behauptungen waren in dem «Appell», welchen Dr. Vollrath 1908 an Mrs. Besant richtete. - Es wird dies wohl genügen, um einen hinlänglichen Beweis dafür zu liefern, dass absolut richtig war, was ich sagte, und worauf sich Mrs. Besants Zirkularstelle bezieht, nämlich, dass Dr. Vollrath schon 1908 ähnliche Behauptungen gegen mich in einem Briefe an Mrs. Besant selbst vorbrachte, wie sie in seiner späteren Druckschrift sich wieder finden. Deshalb erklärte ich, dass Mrs. Besants Behauptung, sie habe diese Druckschrift nicht gekannt, belanglos sei, denn sie hat die Art, wie Dr. Vollrath gegen mich vorgeht, gekannt und hat ihn dennoch zum Beamten einer von ihr vertretenen Sache in Deutschland machen lassen. Es ist nun charakteristisch für die Art, wie mich Mrs. Besant einschätzte, dass sie später sogar hervorhob, sie habe wieder für die Absetzung Dr. Vollraths als Sekretär des Sternes im Osten gewirkt, als sie merkte, dass seine Wahl als «antagonistisch zu dem Generalsekretär angesehen werde». Es mutet mir also Mrs. Besant zu, dass ich jemals mich verletzt fühlen konnte, wenn sie einen Gegner von mir zu ihrem Beamten macht. Davon war nie die Rede, sondern lediglich davon, dass die deutsche Sektion — nicht ich - die Ernennung Dr. Vollraths als ein Misstrauensvotum Mrs. Besants gegen mich auffasste, und dass mir die Möglichkeit genommen war, sie zu verteidigen, wenn sie solches tue. Abgesehen davon, dass man durch eine solche Zumutung darüber belehrt war, wie wenig Mrs. Besant in der Lage ist, auf feinere Dinge des Herzenstaktes zu achten, muss ich gestehen, dass ich selbst die Ernennung Dr. Vollraths als mir ganz gleichgültig angesehen habe, und dass ich mich wahrhaft erst verletzt fühlen musste, als Dr. Vollrath abgesetzt wurde unter der Voraussetzung, dass ich diese Absetzung billige, oder gar wünsche. Im Gegenteil, ich empfand es als Unrecht, dass Dr. Vollrath abgesetzt wurde aus dem Grunde, weil man meinte, er sei mir nicht genehm. Für mich war die Tatsache, dass Frau Besant sich in der angegebenen Weise verhielt, ein Beweis, dass meine Worte für sie Luft sind. Und ich konnte dieses Urteil nicht dadurch ändern, dass nachträglich dem Dr. Vollrath mit seiner Absetzung Unrecht getan wurde, weil man glaubte, mir dadurch einen Dienst zu erweisen. Denn — nach meinem Gefühle - ist es unrecht; erst jemand zu ernennen, und ihn dann abzusetzen, weil er einem andern unangenehm ist.
Ich darf nun wohl zusammenfassend sagen, was ich gegenüber der ganzen Angelegenheit der Ausschließung unserer Sektion empfinde, und wozu die vorangehenden und die schon früher in den «Mitteilungen» enthaltenen Ausführungen ein Beleg sind. Ich müsste eine ausführliche Schrift verfassen, wenn ich zu diesem Belege noch alles hinzufügen wollte, was sich seit Jahren vorbereitet und abgespielt hat.
Als ich vor Jahren zum Generalsekretär der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft gewählt worden war, stand mir vor Augen, in dem Rahmen dieser Gesellschaft für die Verbreitung geisteswissenschaftlicher Forschungsresultate zu wirken, und im Zusammenhange damit das Amt des Generalsekretärs so zu führen, wie es sich aus den Konsequenzen dieser Forschungen ergibt. Ich wusste mich damit in vollem Einklange mit den Grundsätzen der Theosophischen Gesellschaft. Ich suchte so zu wirken, wie es auf diesem Gebiete naturgemäß ist: ich sprach aus, was ich für Forschungsergebnis hielt, und wartete ruhig, was dieser oder jener dazu sagen werde. Ich richtete meine Arbeit so ein, dass niemand Gefallen an dem von mir Vertretenen finden konnte, der nicht auf der Grundlage seiner Urteilskraft für richtig ansehen mochte, was ich sagte. Anderes brachte ich nicht vor, als was ich aufgrund der eigenen Forschungen als wahr anerkennen musste, oder wozu mir die geistigen Quellen zugänglich waren. Es entstand dadurch, dass sich innerhalb der Deutschen Sektion und dann auch in weiteren Kreisen der Gesellschaft Persönlichkeiten fanden, die sich aufgrund ihrer eigenen Überzeugung für meine Forschungsresultate interessierten, eine Strömung innerhalb der Theosophischen Gesellschaft, die sich selbstständig fühlte gegenüber anderen Strömungen in dieser Gesellschaft. Es verlangte diese Strömung nichts, als dass sie, gemäß den Satzungen der Gesellschaft, sich frei innerhalb derselben entwickeln und bewegen konnte. Innerhalb der Deutschen Sektion gab es Kreise, die nichts mit uns zu tun haben wollten. Sie vertraten andre Ansichten. Wir ließen sie gewähren. Sie konnten auf ihre Art arbeiten, wie wir auf unsere Art arbeiten wollten. Es ist mit meinem Willen nicht der Versuch gemacht worden, sie in ihrer Arbeit zu stören.
Von dem Zeitpunkte an, da Mrs. Besant immer mehr zeigte, dass sie für das, was wir wollten, kein Verständnis hatte, trat für mich immer mehr die Notwendigkeit ein, nicht damit zu rechnen, dass wir durch irgendwas von der Zentralleitung der Theosophischen Gesellschaft gefördert werden konnten. Wir mussten uns gewöhnen, nur mit unsern eigenen Kräften zu rechnen. Das führte denn dazu, dass in freiem Übereinkommen mit Mrs. Besant gelegentlich des Münchener Kongresses 1907 festgesetzt wurde, dass diejenige Strömung innerhalb der Gesellschaft, welche sich für meine Forschungsresultate interessierte, sich als selbstständiger und in sich geschlossener Kreis entfalten sollte. Eine solche Selbstständigkeit konnte bestehen unbeschadet der Tatsache, dass sich innerhalb der Deutschen Sektion Zweige mit andrer Arbeitsart völlig frei weiterentwickelten und auch neu gestalteten. Wer meine Art, die Geisteswissenschaft zu vertreten, kennt, der wird die Behauptung völlig absurd finden, dass durch diese Vertretung irgendjemand hätte in Vertretung einer andern Meinung gestört werden können.
Einige Zeit nach dem Münchener Kongress tauchte in der Theosophischen Gesellschaft die von Mrs. Besant vertretene Behauptung von dem «kommenden Christus» in einer Form auf, die ich aufgrund meiner Forschungsresultate zunächst für dilettantisch halten musste. Ich vertrat meine Ergebnisse und kümmerte mich nicht um die Wirkung der Behauptungen Mrs. Besants. Es kam dann die Zeit, in welcher Mrs. Besant mit Krischnamurti, nach Dr. Hübbe-Schleidens Ausdruck, «paradierte». Alles, was damit zusammenhing, musste ich, nach allem, was ich erkannte, nun nicht mehr bloß für dilettantisch, sondern für verwerflich halten. Es wurde für mich Pflicht, wenn ich gefragt wurde, ernst meine Gedanken über die Sache zu sagen. Und Pflicht wurde es auch, mich an das von mir Erkannte zu halten. Man hat mir noch im Sommer 1912 aus dem Anhängerkreise Mrs. Besants zugemutet: Ich könne doch sagen: Ich stimme zwar nicht mit den Meinungen Mrs. Besants überein, aber ich solle doch ihre Bücher so empfehlen, dass ich sage, sie vertreten eben andere Ansichten, als die meinigen sind. Ich musste erwidern, dass ich gegen meine Überzeugung handeln würde, wenn ich gegenüber den neueren Schriften Mrs. Besants es so halten würde. Denn ich halte sie nicht bloß für Werke, die «andere» Meinungen vertreten, sondern ich halte sie für schlecht und voller leicht kontrollierbarer Irrtümer, von denen ich nicht sagen dürfte, sie seien bloß eine andere Meinung. Ich konnte mich von diesem sachgemäßen Verhalten nicht abbringen lassen dadurch, dass Mrs. Besant da und dort betonte, sie sei für die freie Entfaltung meiner Meinung und dass sie zum Lesen meiner Schriften aufforderte. Aus dem, was ich von dem selber kontrollieren konnte, was Mrs. Besant über meine «Meinungen» sagte, ergab sich mir, dass sie davon nichts verstand. Mir wäre anderes als die größte Unwahrhaftigkeit erschienen, als zuzugeben, dass ich mit den Lehrmeinungen Mrs. Besants nichts gemein haben wolle. In einer geistigen Bewegung muss Wahrhaftigkeit herrschen. Und wahr wäre es mir erschienen, wenn mich Mrs. Besant nicht gelobt, sondern von ihrem Standpunkt scharf getadelt hätte. Das hätte nicht zu hindern gebraucht, dass man es meinen Forschungsresultaten überlassen hätte können, sich durch das Geltung zu verschaffen, was an ihnen etwa wertvoll ist.
Dass mir z.B. von einem Anhänger Mrs. Besants geschrieben wurde, Krischnamurti werde nun erst seine Studien vollenden und dann auch vielleicht noch zu mir in die Schule geschickt werden mit dem merkwürdigen Zusatz: es hätte doch auch Jesus von den Essäern noch etwas lernen können, das erwähne ich nur nebenbei.
Es kam die «Stern im Osten»-Bewegung. Ich hätte alles verleugnen müssen, was ich als richtig und gesund halte, wenn ich mit dieser Bewegung hätte etwas zu tun haben wollen. Ich musste sie ignorieren. Sie wurde nach Deutschland verpflanzt. Ihre Vertreter traten da so auf, dass ihre Maßnahmen in ausgesprochenen Angriffen gegen die Deutsche Sektion bestanden. Es wurde verbreitet, dass die Deutsche Sektion intolerant gegen jede von der meinigen abweichende Meinung wäre. Von Personen gingen diese Angriffe aus, die stets genauso innerhalb der Deutschen Sektion behandelt worden sind wie alle diejenigen, welche jetzt als blinde Nachbeter meiner Meinung hingestellt wurden. Mir wurde geschrieben, dass diejenigen, die aus unserem Kreise vortragen, nur wortwörtlich wiederholten, was ich sage. Ähnliche Dinge wurden gedruckt. Dinge geschahen, die, wenn man für sie volle Bewusstheit der handelnden Personen voraussetzt, zu recht fataler Charakterisierung führen müssten. Meine Schriften wurden unrichtig wiedergegeben und dann gegen die Karikatur meiner Ausführungen, die man erst selbst gemacht hatte, in unerhörter Weise polemisiert. Nichts war klarer, als dass nur eine reinliche Abtrennung und strengste Ignorierung der «Stern im Osten»-Bewegung für uns notwendig sei.
Nun kam zum Vorschein, dass Mrs. Besant zwar die Worte von Toleranz und freier Meinung stets im Munde führt, aber durch ihr ganzes Wesen jede von der ihren abweichende Meinung von der Gesellschaft ausgeschlossen haben will. Sie stellte nun aufeinanderfolgend die objektiv unwahren Behauptungen über die deutsche Sektion und über mich auf, von denen einzelne ja besprochen worden sind. Ihre Anhänger druckten diese Behauptungen blindgläubig nach. Eine längere Verteidigungsschrift wurde notwendig, welche ich an die Generalsekretäre der verschiedenen Sektionen und an den General-Council sandte. Von allen Generalsekretären war nur derjenige Skandinaviens, der auf meine Verteidigungsschrift einging. Was die andern äußerten, kam einem völligen Unberücksichtigt-sein-Lassen dessen gleich, was ich nicht etwa an Ansichten, sondern an objektiven Tatsachen vorbrachte. Ich hatte völlig in die Luft gesprochen.
Die Stern-im-Osten-Bewegung zwang durch ihr Verhalten die deutsche Sektion, zu erklären, dass sie die zu dieser Bewegung gehörigen Persönlichkeiten nicht als Mitglieder der deutschen Sektion ansehen könne; dies nicht etwa wegen ihrer Meinungen oder wegen ihres Programmes, sondern wegen ihres gegen die obersten Grundsätze der Theosophischen Gesellschaft verstoßenden Verhaltens. Diese Maßregel, welche der deutschen Sektion als eine Art der Notwehr erst aufgezwungen worden ist, wurde dann vom General-Council - unter Ignorierung aller Tatsachen, welche gegen Mrs. Besants Fähigkeit zur Präsidentschaft sprechend vorgebracht worden sind - zum Anlass genommen, einen Beschluss zu fassen, der einer Ausschließung der deutschen Sektion von der Theosophischen Gesellschaft gleichkam. Diese Ausschließung wurde dann durch Schreiben Mrs. Besants (das unten mitgeteilt wird) auch vollzogen.
Alle diese Dinge erweisen sich vor der unbefangenen Beurteilung so, dass sie einen dichten Schleier zu ziehen geeignet sind vor dem wahren Tatbestande. Dieser liegt nur darin, dass die gegenwärtige Leitung der Theosophischen Gesellschaft nur Mrs. Besants Ansichten haben will, und keine andere Anschauung und Arbeitsweise dulden kann. Meine Forschungsresultate wurden als ketzerisch empfunden und durften nicht im Rahmen der Gesellschaft bestehen. Dass man unsre Arbeitsweise nicht haben wollte, wurde verkehrt zu der Behauptung, dass wir keine andre Meinung duldeten. Und so vollzog sich denn die schier unglaubliche Tatsache, dass die Theosophische Gesellschaft eine Arbeitsgruppe von sich ausschloss unter dem Vorwande, diese Arbeitsgruppe sei intolerant. Als ob dies nicht sogar ein Widerspruch in sich wäre. Neben uns hätte sich doch jede andre Arbeitsweise entfalten können nach ihrer Kraft.
Nun frage sich doch jeder, der unbefangen sein kann, ob ich vor Persönlichkeiten weiter interne Vorträge halten darf, die sich zu einer Gesellschaft weiter zählen wollen, die mich als Ketzer von sich ausschließt. Die Theosophische Gesellschaft hat gesprochen, und wer sich weiter zu ihr zählt, spricht in gleicher Weise mit: Wir wollen dich nicht haben in unsern Reihen. Wer von mir verlangt, ich solle vor den Mitgliedern der Theosophischen Gesellschaft interne Vorträge halten, der sollte sich doch klar machen, dass sein Verlangen dem gleich käme, das sich in den Worten ausspräche: Wir weisen dich aus unserm Hause; verlangen aber von dir, dass du dich zu uns auch ferner so benimmst wie vorher.
Außerdem war es stets in allem Okkultismus eine strenge Pflicht, niemandem Lehren aufzudrängen, die er nicht haben will. Die Theosophische Gesellschaft hat gesprochen, dass sie nicht haben will, was ich zu sagen habe; ich würde meine Pflicht verletzen, wenn ich in diesem Augenblicke nicht sagen würde: Also darf ich für Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft nicht Vorträge halten, wegen welcher ich von ihr ausgewiesen worden bin.
Es muss unbegreiflich erscheinen, wie jemand die Meinung haben kann, es wäre nur möglich, dass ich vor Mitgliedern der Theosophischen Gesellschaft interne Vorträge hielte. Von Intoleranz der Anthroposophischen Gesellschaft zu sprechen, ist völlig unmöglich, da doch jeder in dieselbe eintreten kann, der ihrem Ursprung nicht die Berechtigung abspricht. Diese Berechtigung spricht ihr aber derjenige ab, der sich mit dem Ketzerbanne von Adyar durch seine Zugehörigkeit zur Theosophischen Gesellschaft einverstanden erklärt.
Rudolf Steiner.