The Stimulating Effect of Anthroposophy on the Individual Sciences
GA 76 — 8 April 1921, Dornach
Sozialwissenschaft und Soziale Praxis
Gestatten Sie, daß ich heute anknüpfe an einiges, das ich gestern nur andeuten konnte und das uns dann überführen soll zu unserer heutigen Betrachtung. Ich hatte gestern anzuknüpfen an einen Satz, der aus der Weltanschauung des ir. Jahrhunderts, sofern diese in Mitteleuropa herrschte, hervorgegangen ist, an den Satz, daß die Zunge, so wie sie aus der Umgebung die Luft hereinzieht, so aus den Zähnen ziehe das Wort, das heißt die Kraft, zu sprechen. Und ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, wie der Gelehrte des 19. Jahrhunderts zu diesem Satze nur hinzuzufügen hat, daß er darüber lachen könne. Aber ich habe auch charakterisiert den Abstand, der da liegt zwischen der Zeit, in die eine solche instinktive Anschauung wie die gestern zitierte hineinfällt, und dem Zeitalter, in dem dann diese philiströs-ironische Kritik sich geltend gemacht hat, jenem Zeitalter, das eben beginnt mit dem ersten Drittel des i5. Jahrhunderts. Jener Ausspruch fällt noch in das vorhergehende Zeitalter hinein und ist durch die Gründe, die ich Ihnen gestern angegeben habe, für dieses Zeitalter in einer gewissen Weise außerordentlich charakteristisch.
Als charakteristisch muß er aber auch empfunden werden seinem Inhalte nach. Denn ich habe Ihnen ja gestern auseinandergesetzt, wie man zum Verständnis der Sprachfähigkeit und der Sprache überhaupt sich zunächst bekanntmachen muß mit dem, was Geisteswissenschaft zu sagen hat im Sinne des von mir in meiner kleinen Schrift «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft» Ausgeführten. Ich habe dort gezeigt, welcher bedeutungsvolle Vorgang sich mit dem Zahnwechsel vollzieht, wie dasjenige, was den Menschen als rhythmischen Menschen und Gliedmaßen-Stoffwechselmenschen später noch erfüllt, ihn vorher aber ganz erfüllt hatte, sich zurückzieht aus der Nerven-Sinnesorganisation und daher gerade diesen Vorgang bewirkt, der dort in meiner Schrift «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft» als die Geburt des Ätherleibes formelhaft bezeichnet wird. Ich habe Sie dann hingeführt dazu, wie in einer ähnlichen Weise jener Vorgang erfaßt werden muß, welcher etwa um das vierzehnte, fünfzehnte Jahr herum liegt, das Geschlechtsreifwerden, und ich habe ausgeführt, wie dasjenige, was da vorliegt, formelhaft mit dem Ausdruck umfaßt werden kann: Geburt des astralischen Leibes. Aber ich habe gesagt, daß die Ereignisse, die so im Leben des Menschen in irgendeinem Lebensabschnitte eintreten, in Metamorphose sich auch zu anderen Zeiten — aber eben dann in Metamorphose — vollziehen, und daß wir das, was sich zwischen dem Menschen und der Außenwelt äußerlich abspielt zur Zeit der Geschlechtsreife, innerlich zu suchen haben als einen Vorgang, der sich abspielt zwischen dem Geistig-Seelischen und dem Körperlich-Leiblichen innerhalb des Menschen als der Vorgang, der im wesentlichen das physiologische Korrelat ist für das Sprechenlernen des Kindes, daß man daher auch zu suchen habe die Anhaltspunkte zu einer wirklichen rationellen Sprachwissenschaft, indem man von einer durchdringenden anschauenden Erkenntnis dieses Vorganges ausgeht.
Ich habe dann gesagt, daß durch die Begründung und Entwickelung der abstrakten Logik und des abstrakten logischen Denkens diejenige Sphäre des Erlebens, in welcher sich lebendig abspielt, was zwischen dem Geistig-Seelischen und dem Leiblich-Physischen vorgeht, gewissermaßen verlegt wird, hinuntergeschoben wird ins Unterbewußte, und daß eben Aristoteles dadurch, daß er das Bewußtsein in die Abstraktion hineinleitete, abgeschnitten hat das Hinsehen nach dem Vorgeburtlichen. Denn hätte man, was man instinktiv im frühen Altertum konnte, jenes Wirken des Astralischen im Geschlechtsreifwerden und im Sprachlichen anschaulich vor sich gehabt, wie wir es jetzt wiederum erstreben müssen, dann hätte man auch dasjenige allmählich anschauend vor sich bekommen können, was die Verbindung des Ich selber mit dem ganzen physisch-ätherisch-astralischen Menschen ist. Das heißt, man hätte auf diesem Gebiet vorrücken können durch die Erkenntnis des Sprechenlernens zu der Erkenntnis der Eingliederung des menschlich geistig-seelischen Ich in sein Leiblich-Physisches. Und Aristoteles hat gerade deshalb sein Dogma aufgestellt, daß mit jeder einzelnen menschlichen Wesenheit, die hier geboren wird, auch das Seelisch-Geistige mitentstehe. Er hat damit aus der Welt der Erkenntnis weggeschafft die Anschauung der präexistierenden Menschenseele.
Die Anschauung dieser präexistierenden Menschenseele gibt allein eine wirkliche Erkenntnis von der Ewigkeit der Menschenseele. Diese Erkenntnis wird durch keinerlei philosophische Spekulation geliefert, sondern einzig und allein durch ein anschauendes Urteil in der Richtung, die ich eben jetzt angedeutet habe. Dieses Dogma von dem Nichtvorhandensein der Präexistenz ist dann in die Kirchenlehre des Christentums übergegangen. Und man muß es streng betonen: daß die Leugnung der Präexistenz, indem sie dann durch Konzile gefestigt wurde, nicht christlich in wahrem Sinn des Wortes ist, sondern aristotelisch ist, und mit dem Eindringen des Aristotelismus in die Christenlehre zum christlichen Dogma geworden ist. In dem Augenblick, wo sich das Christentum von diesem Bestandteil des Aristotelismus wird frei machen können, wird die Bahn auch frei sein für ein Erkennen der Präexistenz.
Man muß sagen: diese Präexistenz, die bis zu Origenes auch nicht angezweifelt worden ist von der christlichen Lehre des Abendlandes, ist durch die staatliche Verfügung des Justinian, der mitgewirkt hat an der Verketzerung des Origenes, aus der Christenlehre des Abendlandes verschwunden. Es ist deshalb den Anhängern dieser nichtchristlichen Christenlehre des Abendlandes so unangenehm, wenn irgend jemand auf die historischen Tatsachen in den ersten Jahrhunderten des Christentums aufmerksam macht. Sie rufen dann alles herbei, was sie an Unwahrhaftigkeiten aufbringen können über Zusammenhänge der Anthroposophie mit der Gnosis und so weiter.
Nun, über diese Dinge kann ich hier nicht weiter mich verbreiten. Was ich aber sagen will, ist dieses: Wenn man das Geistig-Seelische im Menschen einzig und allein begründet auf das, was für die Anschauung des Bewußtseins seit der Geburt lebt, dann kommt man allmählich zu dem, was die Lehre von der Unsterblichkeit zu einem bloßen Glaubensartikel macht.
Man kann sagen, was im Menschen vorgeburtlich, was präexistent war, das gerät durch den Durchgang durch die Geburt in einen völlig unbewußten Zustand. Das kann erst wiederum angeschaut werden, wenn man sich zur Imagination und zur Inspiration herauf erhebt. Aber am anderen Pol des Menschen erscheint es in seiner Willensund emotionellen Natur. Wir haben ja im dreigliedrigen Menschen auf der einen Seite den Nerven-Sinnesmenschen, der zusammenhängt mit dem vorstellenden Menschen, auf der anderen Seite den Gliedmaßen-Stoffwechselmenschen, der zusammenhängt mit der Willensnatur des Menschen und mit seiner emotionellen Natur. Dadurch, daß das Vorstellungsleben abgedämpft ist, heruntergedämpft ist bis zum gegenständlichen Anschauen, dadurch ist zunächst für dieses gegenständliche Vorstellen im Erkennen verschlossen die Präexistenz. Aber was mit ihr gegeben ist, lebt in der Sphäre des Menschen, die am anderen Pol auftritt. Da tritt auf die Willensnatur, die Emotionsnatur. Aus dieser kann zunächst nicht eine Erkenntnis gewonnen werden, daher ein bloßer Glaube. Und wenn das, was vorgeburtlich ist, durch die Erweiterung der Erkenntnis Erkenntnis werden kann, so kann ohne diese Erweiterung der Erkenntnis das, was in Wille und Emotion lebt, nichts anderes werden als ein Glaubensartikel des Menschen. Daher geschieht mit dem Hinabdämmern der übersinnlichen Erkenntnis auch das Hinabdämmern der Erkenntnis der Ewigkeit der Menschenseele bis in die Sprache hinein. Es müßte immerhin auffallen, daß wir in den bekannteren Zivilisationssprachen wohl ein Wort haben für Unsterblichkeit, das heißt, für das Leben im Nachtodlichen, daß wir aber nicht ein Wort haben, welches auf dem anderen Pol des Menschen die Ewigkeit der Menschenseele ausdrücken würde, das Ungeborensein. Das aber wird sich bis in die Sprache hinein die moderne Menschheit wieder erobern müssen: daß die Ewigkeit des Menschen ebenso wie sie nach der einen Seite, nach der Seite des Todes hin, in dem Worte Unsterblichkeit zum Vorschein kommt, auch nach der anderen Seite durch ein Wort wie «Ungeborensein» — das ja selbstverständlich mit der zunehmenden Zivilisation geschickter werden wird — sichtbar werden kann. Dann aber wird dasjenige, was über die Ewigkeit der Menschenseele zu sagen sein wird, nicht mehr bloßer Glaubensartikel sein, sondern ein Erkenntnisinhalt. Solange man bloß beim Nachtodlichen bleibt, muß die Unsterblichkeitsfrage eine Glaubensfrage sein. Sobald man übergeht zu einer wirklichen Erkenntnis des Übersinnlichen, wird die Unsterblichkeitsfrage eine Frage der wirklichen Erkenntnis.
Das ist ein Zusammenhang, der eingesehen werden muß, das ist ein Rubikon, der überschritten werden muß von der modernen Zivilisation. Denn was aus diesem Überschreiten folgt, das wird nicht nur etwas sein, was theoretisch wirkt, sondern das wird in einer ganz anderen Weise noch wirken. Wir können sagen: Lernen wir sachgemäß aufsteigen von so etwas, wie es das Verständnis des Zahnwechsels, das Verständnis der Sprache ist, zu dem, wozu wir dann kommen, so eignen wir uns dadurch eine Erkenntnis des unsterblichen Wesens der Menschenseele an.
Diejenigen, die im ir. Jahrhundert gedacht haben und davon gesprochen haben, daß die Zunge aus den Zähnen die Sprache saugt, haben nicht etwa geglaubt, daß es nur Zahnlaute gibt, wie Wilhelm Scherer sonderbarerweise voraussetzt, sondern sie waren in ihrem instinktiven Erkennen durchdrungen davon, daß man, um die Sprache zu verstehen, hinunterdringen müsse in die menschliche Wesenheit, so wie man beim Verstehen des Zahnwechsels hinunterdringen müsse. Wie da die Kräfte heraufkommen, so müsse man hinunterdringen zu den Ursprüngen des Weges, der mit dem Zahnwechsel zu dem hinweist, was sich auf einem vorigen Schritte der Entwickelung des Menschen gezeigt: zum Entstehen der Sprache. Instinktiv, unterbewußt waren diese Erkenntnisse. Aber wer heute das Entsprechende aus dem Bewußtsein hervorholt, der wird finden, welche Tiefe sie in einer gewissen Beziehung atmen, und welche Philistrosität solche Einwände atmen wie die, von denen ich einzelne gestern besprochen habe. Wir gewinnen aber auch, indem wir uns zu solchen Erkenntnissen wie denen über die Sprache hinaufschwingen, zu gleicher Zeit, ich möchte sagen, den Zugang zum Weg, die Unsterblichkeit zu erkennen. Daher ist mit dem Erkennen dieser übersinnlichen Welt zu gleicher Zeit verbunden das Erringen eines gesunden Urteiles auch über das, was uns im Leben umgibt wie die Sprache. Und wir können nicht, ohne innerlich unehrlich zu werden, vorgeben, einzudringen in so etwas in unserer Umgebung, wie es die Sprache ist, wenn wir nicht zu gleicher Zeit zugeben: hier liegen Grenzen vor, die nicht bloß als Grenzen der gewohnten Erkenntnis anzuerkennen sind, sondern die notwendig machen, daß sie überschritten werden durch eine andersartige Erkenntnis.
So hängt wirkliche Erkenntnis der äußeren Sinnenwelt schon zusammen mit dem Aufschwung zur übersinnlichen Erkenntnis. So müssen in der wirklich gesunden Erkenntnis übersinnliche Anschauung und sinnliche Anschauung zusammenwirken, und es muß das eine das andere tragen. Deshalb darf man glauben, daß mit dem Erringen gesunder Urteile über das Übersinnliche auch gesunde Urteile in bezug auf das gewonnen werden können, was uns auf einem anderen Gebiete als Menschen umgibt, mit dem wir als Menschen zusammenhängen und innige Verhältnisse eingehen müssen: das soziale Leben.
In dem Duktus meiner bisherigen Vorträge habe ich so viel als möglich versucht, mich an das zu halten, was man etwa einen ganz wissenschaftlichen Duktus nennen könnte. Indem wir heute überzugehen haben zu dem, was als Sozialwissenschaft und soziale Praxis aus einer solchen inneren Seelenverfassung folgt, wie sie aus Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, sich ergeben muß, da stehen wir in der Gegenwart selber inmitten der Praxis. Denn was in sozialer Beziehung zu sagen ist, das kann heute durchaus nicht etwa in der gleichen Weise betrachtet werden wie das, was vorangegangen ist.
Es ist notwendig, daß man folgendes noch berücksichtigt. Indem man zur Imagination, Inspiration und so weiter sich hinaufschwingt, wird das, was sonst vorstellungsmäßig ist und nicht unmittelbar den Willen motivierend sein kann, in den Willen hineingedrängt. Daher ist übersinnliche Erkenntnis willensmotivierend, und es gibt auch kein sittliches oder religiöses Ideal, welches nicht wenigstens unbewußt im Übersinnlichen wurzelte. Was durch die Vorstellung nur aus dem Sinnlichen gewonnen wird, kann niemals sozial oder sittlich motivierend sein, weil es unwirksam bleibt für den Willen. Deshalb muß man schon sagen, es könnte vielleicht auffällig sein, daß die Menschen, welche meine Schrift über das soziale Leben von der Dreigliederung in die Hand bekamen, wenn sie in dieser Schrift lasen, nun so gar nichts darinnen fanden von dem, was sie gewohnt waren zum Beispiel in meinen anthroposophischen Schriften als den Grundton zu finden. Man hat vielleicht von manchen Seiten erwartet: wenn derjenige, der sich zur Anthroposophie bekennt, über ein solches Thema schreibt, wie es in meiner Dreigliederung enthalten ist, dann müsse in alle die Einzelheiten, die da auseinandergesetzt werden, alles mögliche hineinfließen von den gewohnten «anthroposophischen» Urteilen; man müsse recht sehr mystelnd zu allerlei Ermahnungen schreiten und so weiter.
Wenn auch von anthroposophischer Seite her vielfach ein solches Urteil gehört worden ist, dann kommt das den Urteilen in der Qualität ganz gleich, die da wollten, als ich meine «Theosophie» schrieb, daß sie dasselbe darinnen finden sollten, wortwörtlich, was zum Beispiel in meinen Auseinandersetzungen mit dem Haeckelianismus stand. Die Menschen können eben nicht verstehen, wie wirkliche Anthroposophie, wenn sie übergeht in den Willen, zur Umwelt führt, das heißt, zum sachlichen Betrachten jedes Gebietes, das sie sich entsprechend vornimmt, daß man also nicht die Formeln, die auf einem Gebiete gelegen sind, in das andere einfach hereinzutragen braucht. Man kann es schon glauben, daß diejenigen, die gewohnt gewesen sind, wortwörtlich durch längere Zeiten dieses oder jenes zu hören, es dann ungewohnt finden und unbequem, dasselbe in einer anderen Sprache zu hören. Allein, die verschiedenen Lebensgebiete fordern verschiedene Sprachen. Und es handelt sich darum, daß, wenn über sie gesprochen wird, aus demselben Geiste gesprochen werde, aber nicht darum, daß man überall dieselben wortwörtlich gleich ausgedrückten Begriffe und Vorstellungen finde. Und in der Anthroposophie kommt es schon darauf an, daß man sie nicht bloß ihrem Wortlaute nach aufnehme, sondern daß man sie ihrem Geiste nach aufnehme. Dann wird man aber erkennen, wenn sie sich betätigen will in einem eminent praktischen Gebiet, wie es das der sozialen Frage ist: welche Betätigung da herausgefordert ist durch die Not der Zeit, durch alles, was an Niedergangskräften in unserer Zeit zutage tritt. Innerlich hängt eben diese Behandlung der sozialen Frage durchaus zusammen mit dem, was eben von anderen Erkenntnisgesichtspunkten, aber nicht von anderen praktischen Gesichtspunkten aus auch durch die mehr theoretischen Seiten der Anthroposophie fließt. Daher muß ich Sie heute schon bitten, zu berücksichtigen, daß ich abgehen muß von dem, was der Duktus meiner bisherigen, eben in den Bahnen einer objektiven Wissenschaftlichkeit gehaltenen Vorträge ist. Denn es ist nötig, daß das, was im unmittelbaren Leben darinnen als Willensimpulse leben muß, was auch seine Stellung sich erst noch zu erkämpfen hat, daß das in anderer Form erfaßt wird, daß das in anderer Weise an unsere Seelen herantritt als das, von dem man sagen kann: So ist es! Sehen Sie auf dasjenige, was mit der Dreigliederung gegeben ist in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage». Und ich will heute mehr vom Standpunkt der großen sozialen Praxis aus sprechen. Nicht theoretisch, sondern vom Standpunkte der sozialen Praxis aus möchte ich sprechen, von demjenigen, was zunächst im umfassenden Sinne getan werden muß. Was getan werden muß, hängt innerlich zusammen mit dem, was in den letzten Jahren in bezug auf die Dreigliederungsfrage getan worden ist, trotzdem es ein solches trampelndes Mißfallen der Kommilitonen hervorgerufen hat, wie es zum Beispiel vorgestern in Stuttgart in einer so abscheulichen Form zutage getreten ist. Deshalb will ich auch ganz aus der Zeit heraus Ihnen charakterisieren, wie das in diese Zeit hineingehört, was Sie seinem Inhalte nach lesen können in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage», in meinem Buch «In Ausführung der Dreigliederung», und was Sie dann nach verschiedenen Seiten charakterisiert finden werden in den Vorträgen, die heute hier noch gehalten werden. Ich möchte nur eine Art von Einleitung zu dem allgemeinen Ton geben, der dann angeschlagen werden wird. Aber ich möchte sagen, daß die Menschheit gerade dadurch, daß sie sich im Laufe der neueren Zeit aus den Gründen, die schon entwickelt worden sind, immer mehr und mehr — trotzdem sie glaubte, so recht praktisch zu sein, glaubte, die Praxis mit Löffeln gegessen zu haben hinaufhob zu einer Abstraktheit, die niemals woanders günstige Früchte tragen kann als in der naturwissenschaftlichen Betrachtung des Unorganischen, daß die Menschheit dadurch ganz und gar unpraktisch wurde. Die Menschheit hatte sich eingelebt in diese Abstraktheit und hatte allmählich begonnen, aus dieser Abstraktheit auch zu sprechen über das, was uns unmittelbar als sozial konkretes Leben umgibt. Lesen Sie sich durch alle die theoretischen Auseinandersetzungen, die gewöhnlich moderne, gelehrte ° Volkswirtschafter ihrem System voransetzen, so werden Sie finden, wie da überall die Frage figuriert: Inwieweit kann überhaupt der wissenschaftliche Betrachter der Volkswirtschaft hineinschauen in das, was sich unmittelbar praktisch um uns betätigend vollzieht? Und wie soll der Volkswirtschafter, um dem wissenschaftlichen Anspruch gerecht zu werden — das heißt aber nichts anderes, als dem wissenschaftlichen Anspruch, den man sich aus Gewohnheit aus der naturwissenschaftlichen Betrachtung angeeignet hat -, wie soll er sich verhalten, dieser Volkswirtschafter, damit er diesen wissenschaftlichen Ansprüchen genügen kann?
Daß Unklarheit in bezug auf diese Frage herrscht, daß sich in dieser Unklarheit Lebensfremdheit gegenüber dem wirklichen sozialen Leben ausdrückt, das hatte ich zunächst zu zeigen in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage», und daß diese Lebensfremdheit selber im heutigen sich verirrenden sozialen Leben lebt. Ich hatte zu zeigen, wie tatsächlich die führenden Menschenpersönlichkeiten in dieser neueren, zur Abstraktion heraufeilenden Zeit zwar die Möglichkeit gefunden haben, sich einzuleben in den technischen Betrieb und in den sozialen Betrieb der Kapitaltechnik, wie aber eben dadurch, daß das Hinschauen auf den Menschen verloren worden ist, von diesen führenden Persönlichkeiten nichts ausgegangen ist für das, was so eng mit dem Menschen und seiner Erkenntnis zusammenhängt wie die soziale Frage. Hatte man doch auch philosophisch den Zusammenhang zwischen der theoretischen Erkenntnis und der sogenannten praktischen Erkenntnis verloren; trotz dem Schopenhauerschen Worte oder vielleicht eben wegen des Sinnes dieses Wortes, weil dieser Sinn so sehr lebte in der modernen Menschheit — trotz dem Worte: Moralpredigen sei leicht, Moralbegründen sei schwer -, trotz diesem Worte konnte man nicht sehen, wie notwendig es ist, nach denjenigen Untergründen des Lebens zu suchen, die die Moral nicht nur predigen, wie Schopenhauer sagt, und damit einen theoretischen Beweis für sie liefern wollen, sondern die die Moral durch Tatsachen begründen wollen, indem sie hinweisen auf das, was in der Tatsachenwelt wirklich lebt.
In der Kantischen Philosophie drückt sich die Verwirrung über dieses Gebiet dadurch aus, daß überhaupt ein scharfer Schnitt gezogen worden ist zwischen dem, was theoretische Betrachtung ist, was kritisiert wird in der «Kritik der reinen Vernunft» und dem, was Inhalt eines bloßen Imperativs und daher eines bloßen Glaubens sein soll, und was kritisiert wird in der «Kritik der praktischen Vernunft». Da soll keine Brücke geschlagen werden dürfen, wogegen sich schon, wie Sie von diesem Platze in diesen Tagen gehört haben, Goethe mit seinem Begriff der «anschauenden Urteilskraft», des «intellectus archetypus», gewendet hat, um dann zu versuchen, dem, was nun das wirklich Praktische ist in der Begründung des menschlichen Handelns, anders näherzukommen. Schopenhauer konnte es nicht finden, weil er das, was in der Vorstellungswelt lebt, von vornherein als etwas bloß so Bildhaftes ansah, daß es nicht durchdrungen werden könne mit Seinsgehalt, und weil er bloß rekurrierte auf den Willen, der aber wiederum nicht für die gegenständliche Erkenntnis ohne höhere übersinnliche Erkenntnis ins Bewußtsein heraufgebracht werden kann. So fühlte er das Unzulängliche der theoretischen Begründung eines praktischen Handelns. Durch die bloße theoretische Vernunft war er unvermögend, auf die Begründung des praktischen Handelns selber hinzuweisen, weil er ja im Willen nur ein Blindes sah, niemals ein von dem Lichte einer Erkenntnis zu Durchdringendes. Denn dieses Licht kann nur das Übersinnliche sein. Und zu dem wollte sich Schopenhauer auch nicht erheben.
Dann kamen andere Versuche, wie zum Beispiel derjenige Herbarts. Bei Herbart finden wir den Versuch, eine Art Begründung im praktischen Leben für dasjenige, was praktisches Handeln ist, zu finden. Aber das Charakteristische für Herbart ist, daß er in seiner praktischen Philosophie sucht, was im Grunde genommen ein ästhetisches Urteil ist, daß er versucht, die praktische Philosophie als einen Teil der Ästhetik zu begründen. Dadurch kommen — indem er implicite hinausgeht über das, was er theoretisch im Bewußtsein hat — die fünf bekannten praktischen Ideen der Vollkommenheit, des Wohlwollens, der inneren Freiheit, des Rechtes und der Billigkeit zum Vorschein. Aber das Verhältnis des Menschen zu ihnen ist das einer Zustimmung, die auch erst wiederum der motivierenden Kraft bedarf. Ich kann auch hier nur darauf hindeuten, wie versucht worden ist, ich möchte sagen, zu durchbrechen, was mit dem bloß abstrahierenden Verstande gegeben war, wie aber dieser Versuch, weil er nicht vordringen wollte bis zur wirklichen Geisteswissenschaft, in allen möglichen Punkten mißlang.
Daher muß ich darauf hinweisen, daß in dieser Entwickelung des neueren geschichtlichen Lebens der Menschheit die Begründung dafür liegt, daß die führenden Persönlichkeiten das nicht finden konnten, was an den Menschen herankommt. Und so fanden sie den Weg zur Maschine, so fanden sie den Weg in die Technik, so fanden sie den Weg zum Kapitalismus. Sie fanden nicht den Weg zum Menschen, den sie neben der Maschine stehen ließen, genau ebenso wie der Naturforscher den wirklichen Menschen neben dem stehen läßt, was er durch seine Naturwissenschaft theoretisch erforscht.
Was sich da in der Naturwissenschaft auslebt, das wurzelt in einer tiefen Lebensgewohnheit und drückt sich auf allen Gebieten aus. Deshalb konnte das erste Kapitel meiner «Kernpunkte» nur so sein, daß es diese Wirkung eines lebensfremden Geisteslebens in der neueren Zeit beleuchtet. Hingewiesen werden mußte scharf auf den Umstand, den mir nicht etwa eine theoretische Erwägung, sondern die in meinem Buche gekennzeichnete Lebenserfahrung geliefert hat, daß die Persönlichkeiten, welche die führenden waren bei allen Traditionen auf künstlerischem, religiösem und wissenschaftlichem Gebiet, neben dem, was die bloße Auffassung im Vorstellen in der neueren Zeit hervorgebracht hat, einen Gefühls-, einen religiösen Inhalt schufen, der in derjenigen Klasse nicht entstehen konnte, welche weggeholt wurde von dem Leben in der Tradition und an die Maschine hingestellt wurde, welche von dem, was in dieser neueren Zeit heraufkam, nur die theoretische Abstraktion aufnahm, so daß zu dem Leben in Mühe und Arbeit bei dieser Klasse noch das hinzutrat, was aus der OÖdigkeit der Seele kommt, die sich zwar theoretisch erfüllen kann mit dem, was eine theoretische naturwissenschaftliche Denkweise geben kann, die aber nicht leben kann damit.
So war das, was leben sollte durch meine «Kernpunkte der sozialen Frage», und schon in dem ihnen vorangehenden «Aufruf», im eminentesten Sinne praktisch gedacht, war als etwas gedacht, was unmittelbar in das Leben übergehen muß, was nicht ergreifen sollte bloß die Intellekte, was ergreifen sollte den Willen. Und es war hervorgegangen aus dem, was den Willen ergreifen sollte.
Als auch für eine größere Anzahl in der Außenwelt stehende Persönlichkeiten klar war, wie die furchtbaren katastrophalen Ereignisse aus dem zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts verlaufen werden, da stellte sich in die Ereignisse etwas hinein — ich will heute, wie gesagt, nur Richtungen andeuten, Sie finden das Genauere darüber in meinen Schriften -—, das die blutleerste Abstraktion war, etwas ganz und gar nur aus der abstrakten Geistigkeit Herausgeborenes. Mit dieser abstrakten Art der Geistigkeit war derjenige heraufgekommen, der aus einem Gelehrten Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika geworden war, Woodrow Wilson. In seinen Vierzehn Punkten war auch als ein Impuls für das Praktische vor die Welt hingestellt, was nur aus einer lebensfremden Abstraktion hervorging. Den praktischen Beweis dafür hat die Lage geliefert - Sie können das bei Maynard Keynes nachlesen -, in der sich Woodrow Wilson bei den Verhandlungen in Versailles befand, wo das, was in seiner Theorie lebte, immer mehr und mehr abschmolz gegenüber dem, was aus den veraltetsten traditionellen Anschauungen heraus dazumal in Versailles ausgemacht worden war. Die geschichtliche Entwickelung selber hat den Beweis für das Lebensfremde der Vierzehn Punkte Woodrow Wilsons geliefert. Als sie aufgestellt wurden, da bezeugten sie aber, daß man mit solcher Abstraktion durchaus auch etwas in die Wirklichkeit hineintragen kann: man trägt in sie etwas hinein, aber man trägt nur den Irrtum hinein! Es ist nicht so, daß Abstraktionen, wenn sie durch Menschen gehen, nicht Wirklichkeiten hervorzaubern könnten; aber es ist so, daß sie immer in diesen Wirklichkeiten Verwirrungen oder Unzulänglichkeiten werden hervorrufen müssen, weil sie eben nicht aus dem Leben geholt sind. So konnten die Vierzehn Punkte Schiffe und Heere über das Meer bringen, aber es konnten diese Vierzehn Punkte nicht einen lebenskräftigen Impuls in die moderne Zivilisation hineinsenden.
Ich fürchte, daß dasjenige, was damit innerhalb der modernen Zivilisation vorliegt, noch immer nicht von einer genügend großen Anzahl von Menschen irgendwie begriffen ist. Denn es folgte nun in der Nachkriegszeit in Amerika auf Woodrow Wilson Harding — und wir haben vor kurzer Zeit die Antrittsrede dieses Harding lesen können: dieselben abstrakten Phrasen, dasselbe Reden von «menschlicher Brüderlichkeit», das nicht motivierend werden kann, weil es in Abstraktionen lebt, die Fortsetzung der Wilsonpolitik unter anderem Namen. Ich kann nicht finden, daß man in einer genügend großen Anzahl von Menschen genügendes Verständnis findet für die Unzulänglichkeit, die sich hier fortsetzt. Es ist, als ob der moderne Mensch geradezu den Zusammenhang mit jedem Enthusiasmus für die Wahrheit, für die lebendige Wahrheit verloren hätte und schlafend selbst vorbeigehen würde an einer solchen Lebensfremdheit, wie sie jetzt wiederum in der Antrittsrede des amerikanischen Präsidenten geklungen hat.
Dazumal, als die Vierzehn Punkte zuerst hereintraten ins moderne Leben, da sollte entgegengesetzt werden demjenigen, was an Lebensfremdheit in diesen Vierzehn Punkten enthalten war, eine wirkliche Lebenspraxis, etwas, was herausstammte aus dem Leben, herausstammte zu gleicher Zeit aus den wichtigsten Bestandteilen des modernen öffentlichen Lebens, aus der wirklichen sozialen Praxis, aus einem Erkennen desjenigen, was als soziale Frage durch die gegenwärtige Menschheit pulsiert.
In einer lebenswirklichen Art habe ich in einem Stuttgarter Vortrage vor kurzer Zeit auf solche Dinge hingewiesen, nachdem Lloyd George den damals drohenden Streikausbruch verhindern wollte und die Verhältnisse leimte. Nach diesem Leimen der sozialen Verhältnisse sagte ich danach in Stuttgart: Man kann mit solchen Dingen, die, trotzdem sie von Lloyd George kommen, durchaus nur theoretisch gedacht sind, zwar die Verhältnisse leimen, aber man kann nicht Wirklichkeiten dirigieren, und die Menschen werden sich überzeugen, daß nur geleimt ist theoretisch, daß aber lebenspraktisch nichts erreicht ist, und daß in Kürze sich das zeigen werde. — Jetzt haben Sie es! Jetzt können Sie sich durch dasjenige, was wirklich eingetreten ist, überzeugen davon, ob dazumal in jenem Stuttgarter Vortrage aus der Erkenntnis der sozialen Kräfte heraus oder ob auch nur theoretisch gesprochen worden ist, während man heute nicht nur theoretisch spricht, sondern auch theoretisch handelt im öffentlichen und namentlich im sozialen Leben, wo es nun wahrhaft gar nicht am Platze ist.
Und so wurde denn dazumal, als, ich möchte sagen, in klassischer Weise die politische Frucht des modernen Abstraktismus in den Vierzehn Punkten Woodrow Wilsons auftrat, versucht, bei denjenigen, die es dazumal mutlos, tatenunlustig anhörten, aber darauf in einer gewissen Weise neugierig waren, Verständnis zu erwecken dafür, daß von Europa aus — zunächst war nur Mitteleuropa zugänglich - in Kundgebungen der Dreigliederung des sozialen Organismus ein Konkretes, ein Lebenspraktisches entgegengestellt werde den unpraktischen Vierzehn Punkten. Und man hätte überzeugt sein können, wenn man Sinn für Wirklichkeiten, nicht bloß für liebgewordene Theorien gehabt hätte, die dann «praktisch» geworden sind, man hätte sich überzeugt halten können davon, daß, ebenso wie die unpraktischen Abstraktionen in der Wirklichkeit Heere und Schiffe auf den Weg gebracht haben, dasjenige, was aus einer Wirklichkeit heraus gesprochen hätte, wenn sie nur vom richtigen Platze aus vermittelt worden wäre, daß das auch Wirklichkeiten hervorgezaubert hätte.
Aber die, die dazumal mitzureden hatten, sie wollten nicht hören. Die soziale Praxis lag ihnen ferne. Sie waren eingewöhnt in das, was sich herausgebildet hat im Laufe der neueren Zeit: hinzugehen den Weg bis zur Maschine, bis zur Maschinerie der sozialen Ordnung, aber nicht hinzugehen den Weg zum Menschen, der an der Maschine steht, der da lebt als Mensch innerhalb der Maschinerie der sozialen Ordnung, und der als Mensch ein handelnder ist.
Da man dazumal nicht verstanden hat, was die Lebensnotwendigkeiten forderten, so ergab sich als eine notwendige Konsequenz, daß, gleich nachdem die blutige Kriegskatastrophe beendet war, auf Veranlassung Stuttgarter Freunde das geschehen ist, was in meinem «Aufruf an das deutsche Volk und die Kulturwelt» liegt, was in meinen «Kernpunkten der sozialen Frage» liegt. Und in der Zeit, in der auf gewissen Gebieten des modernen Zivilisationslebens die alten Gewalten verschwunden waren, wurde versucht, zu den breiten Massen des Volkes zu reden, zu denjenigen, die durch all die Verhältnisse, die ich jetzt angedeutet und sonst immer wieder geschildert habe, am meisten gelitten haben. Der Anfang war im Grunde ein guter. Man konnte die breite Masse des Volkes erreichen. Sie verstanden nach und nach, was in dem Impuls von der Dreigliederung des sozialen Organismus liegt. Denn es ist ein Humbug, zu sagen, daß das schwer verständlich sei in sich selber. Die Schwierigkeit des Verstehens beruht lediglich darauf, daß man aus den alten Denkgewohnheiten nicht heraus kann, daß man nicht verzichten kann, das, woran man gewöhnt ist als starre Denkform, herüberzustülpen auf dasjenige, was eben als ein anderes auftritt. Darin liegt es, nicht in der Schwierigkeit der Sache. Deshalb war auch die Möglichkeit da, Verständnis zu finden gerade innerhalb derjenigen, die aus ihren Bedürfnissen heraus nach einer relativen Lösung der sozialen Frage strebten, und die bis dahin schon gesehen hatten, daß sie aus dem alten dogmatischen Marxismus heraus zu keiner befriedigenden Gestaltung des sozialen Lebens in der neueren Zeit kommen können.
Da wurde ein Strich durch die Rechnung gemacht dadurch, daß sich auf der einen Seite ablehnend verhielten, nicht die Arbeiter, wohl aber die Führer dieser Arbeiter, und auf der anderen Seite führende Persönlichkeiten des alten Bourgeoistums. Von allen Seiten wurde man sozusagen mit Bezug auf den Impuls der Dreigliederung im Stiche gelassen.
Zunächst hatten es diejenigen, die führende Kreise waren, im Frühling 1919 mit einer heillosen Angst zu tun, und sie schnappten nach allem, was sich irgendwie mit der sozialen Frage beschäftigte. Dadurch fanden sich einige dazumal im ersten Anhub zur Dreigliederung, wie sie an sie herankam, hatten aber nicht die Kraft und nicht den Mut, weiter dabei auszuhalten. Einer der gefeierten Führer der Bourgeoisie eines mitteleuropäischen Gebietes sagte mir, als wir dazumal mitten drinnen standen in dem, was geschehen sollte: Ja, in der Art und Weise, wie Sie selber verstanden werden und reden zu der breiten Masse des Volkes, da könnte man sich ja etwas versprechen; aber eine solche Sache darf, das werden Sie einem Parteiführer der alten Parteien zugeben, nicht auf zwei Augen gestellt sein; andere sieht man noch nicht — ich zitiere nur -, die wirksam nach dieser Richtung wären; daher verlassen wir uns schon nicht auf diese ganze breite Bewegung, sondern wir wollen die alte Ordnung, trotzdem sie vielleicht nur noch höchstens durch fünfzehn oder zwanzig Jahre zu halten ist, halten mit den Kanonen und Flinten.
Das war das Echo von der einen Seite. Aber lassen Sie mich auch sprechen von dem Echo von der anderen Seite, weil ich praktisch zu charakterisieren habe, worum es sich handelt. Die arbeitende Bevölkerung, insofern ich zu ihr sprechen konnte, hat sich mit einer verhältnismäßigen Leichtigkeit und mit innerem Verständnis in die Dreigliederungsbewegung hineinzuleben versucht. Da kamen die Arbeiterführer, und sie wurden, ich möchte sagen, blaß vor Neid, daß jetzt auch von anderer Seite als von seiten ihres eingetrichterten Marxismus zu der Arbeiterschaft gesprochen werden konnte. Und sie erfanden, ebenso wie die anderen, alle möglichen Verleumdungen, alle möglichen Schmierigkeiten, um den Arbeitern, die ja autoritätsgläubig in dieser Beziehung zu ihren Führern sind, den Weg zum Verständnisse zu verlegen. Die Arbeiter aber sind heute noch nicht so weit, um sich in dem aus den letzten Jahrzehnten herübergenommenen Autoritätsglauben in der rechten Art zurechtzufinden. In dem Augenblicke, wo man innerhalb der Arbeiterschaft einsehen wird, worum es sich den niederen und höheren Arbeiterführern handelt, wird manches zerstieben, was heute noch auf diesem Felde als gutgemeinter Glaube vorhanden ist, wenn man einsehen wird, daß diejenigen, die etwa von der Sorte des Lenin und Trotzkij, des Lunatscharskij, an der Spitze stehen, in ihrem wirklichen Wollen nicht etwa das Glück und Wohlergehen der Menge im Auge haben, sondern daß sie zu sich und untereinander etwa sagen: Die breite Masse des Volkes ist dumm und wird immer von Leidenschaften durchsetzt sein; mit der kann man nichts machen, als sie tyrannisieren; daher muß es nicht auffällig sein, daß wir ebenso tyrannisieren, ob wir nun Zar Nikolaus oder Lenin heißen; für uns handelt es sich nur darum, daß diejenigen, die früher auf den kurulischen Stühlen gesessen haben, heruntergefallen sind und wir nun darauf sitzen; für uns handelt es sich um die Eroberung der Regierungssitze!
In dem Augenblicke, in dem diese Erkenntnis in weitesten Kreisen aufgehen wird, wird manches anders werden. Dann aber wird auch die Zeit gekommen sein, wo in das soziale Leben wirklich soziale Praxis wird einziehen können. Dann wird man mit praktischem Verständnisse dasjenige anschauen, was ich im zweiten und dritten Kapitel meiner «Kernpunkte der sozialen Frage», ich möchte sagen, wie exemplifizierend für das, was aus solchem Geiste heraus zu geschehen hat, ausgesprochen habe. Dann wird man sehen, daß da alles nicht aus einer Theorie heraus erfunden ist, sondern daß da alles aus einer schwer errungenen Lebenspraxis heraus gewonnen ist, geradeso wie dazumal, als nach dem Bekanntwerden der Vierzehn Punkte Woodrow Wilsons diese Idee von der Dreigliederung des sozialen Organismus zuerst auftrat.
Ich spreche als jemand, der sein halbes Leben, dreißig Jahre, in Österreich, in diesem Experimentierland für soziale Unmöglichkeiten zugebracht hat. Ich spreche als jemand, der wohl weiß, wie man in diesem österreichischen Experimentierland in einem Ministerium, einem liberalen Ministerium geredet hat. Der Liberale Giskra hat, als die Blütezeit des österreichischen Liberalismus war, und als schon hinter dem Liberalismus die soziale Frage auftauchte, gesagt: In Österreich haben wir mit der sozialen Frage nichts zu tun, denn die soziale Frage hört bei Bodenbach auf! — Das wurde im Parlamente des Liberalismus in Österreich von dem verantwortlichen Minister des Innern verkündet, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts.
Wer nun studieren will, wie in diesem österreichischen Parlamente, ich möchte sagen, in der Reinkultur gewirkt hat das unmögliche Durcheinandermischen der drei Glieder des sozialen Organismus — was ich schon ausgedrückt habe in meinen «Kernpunkten», indem ich angeführt habe die Zusammensetzung des Parlaments aus vier Wirtschaftskurien —, der kann sehen, wie allmählich die Dinge sich entwickelten. Und wer das Ultimatum an Serbien verstehen will, der muß alles, was seit dem Jahre 1867 in Österreich geschehen ist bis zu den Zeiten hin, die dem Ultimatum an Serbien vorangingen, vollinhaltlich studieren. Dann wird er sehen, wie es ausgesehen hat mit dem Brotmangel, mit der Teuerung, mit den Teuerungskonflikten in den Monaten, die dem Kriegsausbruch vorangegangen sind gerade in österreichischen Landen, und er wird Gelegenheit haben, an den dortigen sozialen Faktoren zu studieren, wo im Tieferen die wesentlichen Ursachen liegen. Und da würde man in eine neue Art der Betrachtungsweise hineingeführt werden.
Aber was aus jeder solchen Betrachtung hervorgehen muß, das ist, daß es sich darum handelt, für das praktische soziale Leben Impulse zu finden, die aus diesem Leben selbst heraus sprechen. Dann werden wir vielleicht zu der Zeit kommen, in welcher es eine genügend große Anzahl von Menschen gibt, die — unbeirrt durch die alten Richtungsbezeichnungen «rechts» und «links» — ihre Aufmerksamkeit dem Sachlich-Praktischen zuwenden, das, weil es eben aus der Wirklichkeit fließt, sich berufen glauben darf, mitzureden in den wichtigsten Angelegenheiten des Lebens. Und das sind die sozialen Angelegenheiten.
Man stellt sich vielfach heute auf den Standpunkt, die Welt werde in Ordnung kommen, wenn es nur gelinge, die alten Impulse fortzusetzen, und man probiert jetzt schon wiederum seit langem, wie es gehen kann mit dem Fortlaufenlassen des Alten. Man wendet die Augen davon ab, wie unter diesem unsachlichen, wirklichkeitsfremden Operieren immer mehr hinaufkommt, was zermürbend zu gleicher Zeit wirken muß für die ganze moderne Zivilisation.
Nicht eher aber wird eine Möglichkeit entstehen weiterzukommen, als dann, wenn man einsehen wird, wie ohne diesen Blick nach links oder rechts auf das sachliche Betrachten des unmittelbaren Lebens losgegangen werden muß. Denn dadurch allein bekommen wir das Verständnis für solche praktisch-sozialen Ideen, welche ein ethischsoziales Leben nicht nur predigen, sondern begründen können. Denn auf die Begründung dieses Lebens sollte hingewiesen werden mit der Dreigliederung des sozialen Organismus. Die Theoretiker haben aus ihren theoretischen Anschauungen heraus lange genug wiederholt, daß man heute «sozial» betrachten müsse, was auch in der Ethik lebt. Der Mensch sei hineingestellt seit der Arbeitsteilung ganz und gar ins soziale Gebiet, und man müsse «aus dem Sozialen heraus» begreifen, was im Menschen motivierend wirke, wenn er handeln solle.
Solange dieses Urteil blutleer bleibt, solange es eine Abstraktion bleibt, so lange wird es nichts bewirken. Denn es ist als Abstraktion ebenso wahr wie falsch. Daß es falsch ist, habe ich in meiner «Philosophie der Freiheit» gezeigt. Es hat die andere, die bedenkliche wahre Seite, daß der Mensch sich immer mehr und mehr mit seiner Freiheit an den objektiven Wirtschaftsprozeß und dergleichen übergibt, wie das sogar theoretisch im Marxismus ausgeführt ist. Und indem der Mensch sich also dem Wirtschaftsprozeß oder dem Staatsprozeß oder den sonstigen sozialen Einrichtungen, die wir jetzt haben, übergibt, wird natürlich immer mehr und mehr seine Tatmotivierung zu einer sozialen. Das kann und darf eingesehen werden. Denn daß Menschen mit Menschen lernen in Arbeitsteilung leben, darauf zielt die moderne Zivilisation. Wenn aber die soziale Ordnung in dem Menschen ein sachgemäßes soziales Handeln motivieren soll, dann muß sie ein sozialer Organismus sein, der aus der inneren Gesetzmäßigkeit eines solchen Organismus heraus eben zur Motivierung des Willens befähigt ist, dann muß man durch einen lebensfähigen sozialen Organismus nicht nur Moral predigen, sondern soziale Moral begründen. Man muß Moral auf diesem Gebiete nicht durch Worte und Ideen, man muß sie durch die Sache, durch die Wirklichkeiten begründen. Wirklichkeiten sollten angeregt werden durch den Impuls der Dreigliederung des sozialen Organismus.
So wenig verstand man die Sache, daß sich die Abstraktlinge sogar lustig machten, weil ich immer und immer wiederum das Wort «Impuls» statt «Idee» gebrauchte, um anzudeuten, daß Kraft darinnen sein sollte in dieser Tendenz des dreigegliederten sozialen Organismus, nicht bloß Rederei. Das sollte schon im Leben dieses Arbeitens zur Dreigliederung liegen: daß Wirklichkeit darinnen ist, nicht bloßes Reden. Sonst kann man auch als ethisierender Wanderredner, wie es jetzt so viele gibt, herumziehen und den Leuten zureden wollen: Werdet nur wiederum ethisch, werdet nur wiederum gut, dann wird schon eine soziale Harmonie entstehen! — Ich habe zu denen, die es hören wollten, immer gesagt, wenn man zum Ofen im Zimmer spricht: Du Ofen, deiner Wesenheit nach ist es dein kategorischer Imperativ, das Zimmer warm zu machen — er wird das Zimmer nicht warm machen. Aber man braucht nicht zu predigen, wenn man Holz hineinlegt und es anzündet. Man braucht nicht theoretisch zu ethisieren, mystelnd zu ästhetisieren. Man hat nötig nicht bloß «praktische» Ideengemenge, sondern man hat nötig wirkliche Impulse, um ideenerfüllte soziale Kräfte anzuregen, wenn es sich um soziale Praxis handeln soll. Und in dem Augenblicke, wo man aufbringen wird das Verständnis für diesen Tatbestand, wird man erst lernen, über das, was die Dreigliederung eigentlich will, richtig zu denken.
Weil das aber hinunterreicht in Gemüt und Wille, so wird vorausgesetzt für dieses Verständnis der Dreigliederung nicht nur ein theoretisches Interesse an der Wahrheit und an einer theoretischen Diskussion, sondern vorausgesetzt wird Enthusiasmus und Bekenntnis für und gegenüber der Wahrheit. Solange wir nicht imstande sind, die Wahrheit in unseren Willen aufzunehmen, sie aus der Theorie herauszuholen und unseren ganzen Menschen damit zu durchdringen, kann auch nicht einmal der Anfang zu einer fruchtbaren Behandlung der sozialen Frage und sozialen Praxis entstehen.
Darum handelt es sich: daß diejenigen, die Verständnis suchen für das, was Dreigliederung will, mit ihrem ganzen Menschen dieses Verständnis suchen mögen. Dann kommt Enthusiasmus nicht aus blinden Instinkten, sondern er wird angeregt aus lichtvoller Erkenntnis. Dann bleibt er selber nicht blind, sondern wird selber leuchten. Wenn die Willensimpulse nicht aus Instinkten und Trieben kommen, sondern aus einem Überschauen des sozialen Lebens, dann bleiben sie nicht blind und finster, dann werden sie selber sehend und leuchtend. Und daß Enthusiasmus und Wille gegenüber der Wahrheit in diesem Sinne immer leuchtender und leuchtender werde, davon hängt der Weg bezüglich des Impulses der Dreigliederung des sozialen Organismus ab. Und daß dasjenige, was nach dieser Richtung hier gesprochen werden kann, einiges dazu beitrage, in diesem Sinne nicht zu einem blinden und finsteren Enthusiasmus und Willen anzuregen, sondern zu lichtvollen willentlichen Gestaltungen des Lebens, das möchte ich hier am Schlusse gerade dieser Betrachtung als eine Hoffnung ausgesprochen haben.
Schlußwort zum vierten Disputationsabend
Im Lauf der sehr regen Disputation zum Thema «Sozialwissenschaft und soziale Praxis» kam ein holländisches Gesellschaftsmitglied wieder auf den «Weltschulverein» (vgl. S. 92 ff.) zu sprechen. Es forderte dazu auf, «gleich zur Tat zu schreiten», nämlich sofort die Gründung vorzunehmen (im Anschluß an eine holländische Initiative, die von iso Namen getragen war). Dabei berief es sich darauf, daß im April 1912 Mitglieder der «Deutschen Sektion» der «Theosophischen Gesellschaft», auf Anregung eines aus England zugereisten Mitglieds, durch eine solche «Tat» einen «Bund» gegründet hätten, aus dem, «was heute als Anthroposophische Gesellschaft bekannt ist, entsprungen» sel.
Ich möchte Sie nicht mehr lange aufhalten, sondern nur ein paar Bemerkungen machen, zunächst in Anknüpfung an dasjenige, was unser Freund v.L. hier vorgeschlagen hat, was gewiß recht anerkennenswert ist, beziehungsweise sein wird, wenn es zu dem versprochenen Ziele führen wird. Ich möchte nur bemerken, daß es eine bedenkliche Grundlage wäre, wenn die Sache auf demselben Untergrunde aufgebaut würde wie der «Bund», auf den hingewiesen worden ist. Dazumal ist nämlich allerdings mit einem gewissen Eifer so gearbeitet worden, wie Herr v.L. es ungefähr heute skizziert hat: Man hat sich in kleinen Komitees zusammengesetzt, hat alles mögliche beraten, was man tun soll und so weiter. Aber dann fiel ein Satz bei Herrn v.L., der selbstverständlich zunächst ein kleiner Irrtum ist, der aber, wenn er fortwirken würde, einen großen Irrtum hervorbringen könnte. Es wurde nämlich gesagt, aus dieser Arbeit, die dazumal in jener Nacht so rastlos verübt worden ist, sei dann die Anthroposophische Gesellschaft hervorgegangen. — Nein, davon kann gar nicht die Rede sein: aus jener Nacht und aus jener Bundesbegründung ist nämlich gar nichts hervorgegangen! Vor diesem Schicksal möchte ich die beabsichtigte «rastlose Arbeit dieser Nacht» doch bewahrt wissen. Es wurde zwar dazumal viel geredet, was zu tun ist, aber geworden ist gar nichts daraus. Und der Irrtum, der entstehen könnte, beruht darauf, daß man meinen könnte, es müsse nun etwas getan werden in der Richtung wie das, auf was mit jenem «Bunde» hingedeutet wurde. Das, was dann getan worden ist, war, daß diejenigen, die schon in unserer anthroposophischen Arbeit drinnengestanden haben, die also schon durchaus bei uns waren, daß die dann, ganz abgesondert von dieser Bundesgründung, die Anthroposophische Gesellschaft gegründet haben, die sich dann weiterentwickelt hat, während der «Bund» aus einem sanften Schlaf allmählich in den sozialen Tod, sagen wir, übergegangen ist.
Also, es wäre ein kleiner Irrtum! Und es muß dies schon durchaus hervorgehoben werden, damit nicht die Fehler jenes Nachtkomitees durch seine zweite Auflage etwa wiederholt werden. Das ist das eine.
Das andere, worauf ich hinweisen möchte, ist, daß das, was etwa angestrebt werden sollte mit dem Weltschulverein, nun wirklich auf eine breite Basis gestellt und schon mit einem gewissen Mute und mit einem umfassenden Blick von vornherein in Angriff genommen werden müßte.
Es ist ganz richtig von unserem Freund v.L. hervorgehoben worden, daß dasjenige, was in bezug auf freies Geistesleben im Zusammenhange mit der Dreigliederung des sozialen Organismus zu vertreten ist, daß das für die verschiedensten Gebiete in verschiedenster Weise behandelt werden muß. Allein das muß dann auch wirklich
so geschehen, daß die Behandlungsweise für die betreffenden Territorien wirklichkeitsgemäß passe auf diese Territorien. Ich selber werde immer darauf hinweisen, daß zum Beispiel für England es notwendig sein wird, die Dinge in der Art vorzutragen, die eben gerade auf die englischen Zivilisationsverhältnisse paßt.
Man muß gründlich durchschauen, was Einbildung ist gegenüber den großen Menschheitsfragen in der Gegenwart, und was Wirklichkeit ist. Man darf also nicht etwa die Sache so vertreten, daß man den Glauben hervorruft, daß das englische Geistesleben freier ist als das andere. Und Sie werden sehen, wenn Sie wirklich die «Kernpunkte» durchgehen, daß da weniger Wert auf das negative Moment — Befreiung des Geisteslebens vom Staate -, daß viel weniger darauf Wert gelegt wird als auf die Begründung eines freien Geisteslebens überhaupt. Und da wird es immer ein gutes Wort bleiben: daß es auf den Menschen ankommt, daß es wirklich darauf ankommt, aus welchen geistigen Grundlagen der Mensch hervorgeht, welche geistigen Grundlagen zu seiner Bildung geschaffen werden. Nicht so sehr handelt es sich darum, daß man das negative Moment betont, sondern das Positive ist zu betonen. Und ich brauche ja nur das zu sagen: Wenn, sagen wir, formal das Geistesleben befreit würde von dem staatlichen Zwange, und alles bliebe sonst im übrigen beim alten, so würde die Befreiung vom Staate nicht sonderlich viel nützen können.
Es handelt sich darum, daß positiver Geist, so wie er hier in dieser Woche vertreten sein wollte, wie versucht wurde, ihn zu vertreten, daß dieser freie Geist in das Geistesleben international hineingebracht werde. Und dann werden sich die Dinge ergeben, wie sie sich ergeben sollen.
Es handelt sich wirklich zum Beispiel bei der Waldorfschule nicht allein darum, daß sie eine wirklich freie Schule ist, daß sie nicht einmal einen Direktor hat, sondern daß das Lehrerkollegium eine wirkliche repräsentative Gemeinschaft ist. Es handelt sich nicht darum, daß alle Maßnahmen so getroffen werden, daß «nichts anderes» spricht als dasjenige, was aus dem Lehrerkollegium selber hervorgeht, daß man also hier wirklich «eine unabhängige Geistesgemeinschaft» hat, sondern es handelt sich auch darum, daß in allen Ländern das Geistesleben fehlt, von dem hier die ganze Woche gesprochen worden ist. Und wenn man irgendwo betonen hört, daß ja «das Geistesleben hierzulande frei» ist — ich meine jetzt nicht die Schweiz, ich spreche von England -, so ist das eben die andere Frage. Und dieses Positive vor allen Dingen ist es, auf das es ankommt. Da muß dann hervorgehoben werden: Das wird es natürlich nur geben, wenn man versucht, tatsächlich auf die konkreten Verhältnisse in den einzelnen Ländern und Territorien einzugehen.
Aber man muß Herz und Sinn haben für das, was das unfreie Geistesleben zuletzt in unserer Zeit gemacht hat. Nicht etwa, um auf das, was gestern hier vorgebracht worden ist, einzugehen, sondern um zu zeigen, welche Blüten menschlicher Denkungsart sowohl in intellektueller, wie in moralischer, wie in gemütlicher Beziehung unser gegenwärtiges Geistesleben zutage fördert, möchte ich Ihnen einen Satz vorlesen. Ich möchte Sie nicht lange aufhalten und nicht von dem Standpunkt, von dem aus gestern hier eine böse Bekämpfung der Anthroposophie und der Dreigliederung auseinandergesetzt worden ist, will ich wieder sprechen; aber ich möchte doch aus jener Broschüre, über die gestern hier gesprochen werden mußte, einen Satz vorlesen. Herr General v. Gleich schreibt über mich: «Als fast Vierzigjähriger wurde Herr Steiner um die Jahrhundertwende, die auch in der übersinnlichen Welt der Anthroposophie einen Einschnitt bildet, durch Winters Vorträge über Mystik allmählich zur Theosophie hinübergeführt.»
Nun können Sie fragen, wer dieser Herr Winter ist, den hier der Herr v. Gleich anführt als denjenigen, durch dessen Vorträge ich in Berlin zur Anthroposophie bekehrt worden bin. Man kann nur folgende Hypothese aufstellen: Es gibt in der Vorrede zu jenen Vorträgen, die ich in Berlin im Winter 1901/1902 gehalten habe, einen Satz, worinnen ich sage: Es nahm diejenige Bewegung, von der ich sprechen will, ihren Anfang durch meine Vorträge des Winters vom Jahre 1901/1902. — Aus diesem Winter, in dem ich meine Vorträge gehalten habe, wurde jener Herr «Winter», welcher im Jahre 1901/1902 mich zur Theosopie bekehrte.
Sehen Sie, ich will nicht den Ausdruck gebrauchen, der anwendbar ist auf die intellektualistische Verfassung eines Menschen, der jetzt damit zur Führerschaft der Gegner der anthroposophischen Bewegung berufen ist, ich will den Ausdruck nicht gebrauchen; aber Sie werden ihn ja wohl hinlänglich gebrauchen können. Zu solchen Blüten menschlicher Geistestätigkeit führt das Geistesleben, durch das man hindurchgehen konnte in der Gegenwart bis zu jener Stufe, daß man ein Generalmajor werden konnte.
Also man muß schon die Sache aus einer etwas größeren Tiefe heraus ins Auge fassen. Dann wird man erst ein Herz und einen Sinn bekommen für dasjenige, was notwendig ist. Und nur weil eben das Geistesleben vor allen Dingen vom Schulwesen aus in Angriff genommen werden muß, deshalb wäre es so wünschenswert, daß dieser Weltschulverein begründet werden könnte, der gar nicht so schwer zu begründen wäre, wenn der Wille für ihn vorhanden ist. Er muß aber nicht ein kleineres oder größeres Komitee sein, sondern er muß so begründet werden, daß seine Mitgliederschaft unübersehbar ist. Erst dann hat er einen Wert. Er darf — ich will dazu keine Ratschläge geben, denn das, was ich darüber zu sagen habe, habe ich hinlänglich gesagt -, er darf selbstverständlich einem Einzelnen überhaupt gar keine besonderen Opfer auferlegen. Er muß da sein, um Stimmung zu machen für dasjenige, wofür heute Stimmung so dringend notwendig ist! — Das ist etwas von dem, was ich noch anknüpfen mußte an dasjenige, was heute zutage getreten ist.
Zum Schluß muß ich etwas sagen, was ich lieber nicht sagen würde, was ich aber eben doch sagen muß, da es sonst heute abend gar nicht berührt worden ist und es vielleicht für die nächsten Tage, weil da schon wahrscheinlich Abreiseschmerzen kommen, vielleicht zu spät sein könnte. Ich muß schon selber auf die Sache hinweisen. Es handelt sich darum, daß es ja eine volle Selbstverständlichkeit ist, daß für alles, wovon heute gesprochen worden ist, gewirkt werde. Allein dieses Wirken hat nur einen Sinn, wenn wir das Goetheanum, wie es hier steht, erhalten können, und vor allen Dingen zu Ende führen können.
Nun, wenn es noch so gut geht mit «Futurum A.-G.» und noch so gut geht mit dem «Kommenden Tag», irgendwelche ökonomische Stützen für dieses Goetheanum werden diese noch lange nicht sein. Ganz gewiß nicht sein. Und die größte Sorge, trotz allen anderen Sorgen, die heute auf mir lastet — gestatten Sie, daß ich einmal persönlich spreche -, ist diese: daß in nicht gar zu ferner Zeit es der Fall sein könnte, daß wir keine ökonomischen Zuflüsse für dieses Goetheanum haben könnten. Deshalb ist es vor allen Dingen auch notwendig, zu betonen, daß ein jeglicher dafür wirke, daß ein jeglicher, der irgend etwas beitragen kann dazu, daß dieser Bau seine Vollendung finden kann, das tun möge! Das ist es, was vor allen Dingen notwendig ist: daß wir durch die Freunde unserer Sache in die Lage versetzt werden, dieses Goetheanum erhalten zu können, dieses Goetheanum vor allen Dingen zu Ende bauen zu können. Und das ist, wie gesagt, meine große Sorge. Ich muß es hier aussprechen. Denn schließlich, was würde es denn helfen, wenn wir noch so viel Propaganda machen könnten — und wir dieses Goetheanum vielleicht von heute ab in drei Monaten zusperren müßten? Das gehört auch zu den sozialen Sorgen, die schon meiner Meinung nach zusammenhängen mit dem allgemeinen sozialen Leben der Gegenwart. Und diese Sorge mußte ich betonen, weil wirklich die ihr zugrunde liegenden Tatsachen nicht vergessen werden sollten: was möglich macht, die Bewegung, die von diesem Goetheanum ausgeht, zu kräftigen.
Wir sehen ja, aus welchen intellektuellen Grundlagen heraus diejenigen kämpfen, die gerade jetzt gegen uns ihre Posten beziehen. Das wird ein Anfang sein. Man muß wachsam sein, sehr wachsam sein, denn diese Leute sind geschickte Leute. Die wissen sich zu organisieren. Was in Stuttgart geschehen ist, ist ein Anfang, ist als ein Anfang beabsichtigt. Und nur dann wird man gegen sie aufkommen, wenn man einen solchen Idealismus entfacht -, ich möchte es auch diesmal wiederum sagen —, der nicht sagt: Oh, die Ideale sind so furchtbar hoch, sie sind so erhaben, und meine Tasche ist etwas so Geringes, da greife ich nicht hinein, wenn es sich um die erhabenen Ideale handelt. - Da muß es doch gesagt werden: Der Idealismus erst ist der wahre, der auch einmal für die Ideale in die Taschen greift!
Schlußwort zu einer Studentenversammlung
Zur Besprechung der Frage, wie anthroposophische Arbeit an den Universitäten aufgebaut werden könne, fand am Nachmittag des 9 April 1921 auf Anregung deutscher Studenten eine Zusammenkunft statt. Dr. Steiner ergriff zum Schluß das Wort.
Dr. S. hat allerdings auf die drei wichtigsten Dinge, die hier in Betracht kommen, hingewiesen: bei einer Organisation oder bei keiner Organisation, wie es gewünscht wird. Aber ich möchte vor allen Dingen das eine betonen: Wenn man in einer solchen Bewegung drinnensteht, wie es die unsrige ist, so ist es schon notwendig, von dem Vergangenen ein wenig zu lernen und weitere Stadien der Bewegung so zu führen, daß gewisse frühere Fehler vermieden werden.
Worauf es in erster Linie ankommen wird, das wird doch dieses sein, daß Anthroposophie, soweit sie heute schon vom Verständnis der Studentenschaft angenommen werden kann und soweit es durch die vorhandenen Kräfte oder durch die vorhandenen Gelegenheiten irgend möglich ist, daß Anthroposophie in ihren verschiedenen Verzweigungen unter der Studentenschaft verbreitet werde als positiver geistiger Inhalt. Wir haben im Grunde genommen die Erfahrung gemacht, daß etwas Reales doch nur dadurch zu erreichen ist, daß man auf dem Grunde des Positiven wirklich bauen kann.
Ich hatte gestern Gelegenheit darauf hinzuweisen, daß vor Jahren versucht worden ist, eine Art Weltenbund für Geisteswissenschaft zu begründen, und daß aus diesem Weltenbund, der eigentlich bloß nach den Regeln formaler äußerer Organisation vorgehen wollte, doch nichts geworden ist. Er ist sozusagen so ausgegangen, wie man im Deutschen sagt, wie «das Hornberger Schießen». Weil man aber dazumal einen Zusammenhalt, ein Zusammenarbeiten brauchte, mußten die vorhandenen Bekenner zur Anthroposophie in der «Anthroposophischen Gesellschaft» zusammengefaßt werden. Das waren nun mehr oder weniger lauter Leute, welche sich eben mit der Anthroposophie beschäftigt hatten. Mit einer solchen’ Organisation, wo eben schon etwas darinnen ist, kann man dann erst etwas machen.
Natürlich wird es für die Studentenschaft ganz besonders notwendig sein, nicht nur zu arbeiten im Sinne einer Verbreitung der gegebenen anthroposophischen Probleme im engeren Sinne, sondern schon auch der Ausarbeitung von Generalproblemen und dergleichen in dem Sinne, wie es Dr. S. eben gemeint hat. Es wird natürlich zunächst gar nicht so sehr nötig sein, mit solchen Dingen auf Dissertationen hinzuarbeiten. Es ist oft, wirklich recht oft vorgekommen, daß ich in der letzten Zeit gefragt worden bin von jüngeren Semestern etwa in der folgenden Richtung: Ja, wir möchten eigentlich die Anthroposophie zusammenbringen mit unserer speziellen Wissenschaft. Wie kann man sich da verhalten, daß man in der richtigen Weise mit seinem Ziel nach der Promotion, nach dem Staatsexamen, hinarbeitet? Was soll man da tun? Wie soll man seine Arbeit einrichten? — Ich habe dann immer den folgenden Rat gegeben: Versuchen Sie so schnell wie möglich sich durch das offizielle Studium durchzuschlängeln, so schnell wie möglich durchzukommen — wobei ich dann immer sehr gern bereit bin, mit irgendeinem Rat zur Seite zu stehen —, wählen Sie sich irgendein wissenschaftliches Thema, das Ihnen hervorzugehen scheint aus dem Verlauf Ihrer Studien, als Dissertationsarbeit oder Staatsprüfungsarbeit oder dergleichen. Welches Thema Sie auch wählen, ein jedes ist selbstverständlich anthroposophisch diametral entgegengesetzt den anderen Betrachtungsweisen, darüber kann gar kein Zweifel sein. Jedes ist diametral entgegengesetzt. Aber nun rate ich Ihnen: Schreiben Sie Ihre Dissertation so, daß Sie zunächst das hineinschreiben, was der Professor zensieren kann, was er verstehen wird; und nehmen Sie sich ein zweites Heft, da schreiben Sie alles das hinein, was sich Ihnen ergibt im Laufe Ihres Studiums und von dem Sie glauben, daß es eigentlich von der Anthroposophie her hereingearbeitet werden sollte. Das bewahren Sie sich dann auf. Dann machen Sie ihre zwei Bogen, so lang muß eine Dissertation sein. Die reichen Sie ein. Und versuchen Sie fertig zu werden. Dann können Sie mit dem, was Sie sich außer diesem einen im zweiten Heft nach und nach erworben haben, der Anthroposophie wirklich tatkräftig helfen. Denn man merkt in der Tat eigentlich erst, was für bedeutsame Probleme — Spezial- und Spezialistenprobleme — einem aufschießen, wenn man in die Notwendigkeit versetzt ist, wirklich wissenschaftlich zu arbeiten mit einem gewissen Thema und dergleichen. Aber es entsteht eine Gefahr durch, ich möchte sagen, ein unklares Zusammenarbeiten mit der Professorenschaft. Und ein Vorlegen von Dissertationen an die Professoren, die «im anthroposophischen Sinne» gehalten sind — die passen gewöhnlich nicht für Professoren -, das halte ich deshalb nicht für günstig, weil es uns in dem Tempo, das die anthroposophische Bewegung haben soll, eigentlich aufhält.
Wir brauchen möglichst viele akademisch gebildete Mitarbeiter. Wenn uns irgend etwas fehlt, gründlich fehlt heute in der anthroposophischen Bewegung, so ist es eine genügend große Anzahl akademisch gebildeter Mitarbeiter. Ich will damit nicht die Äußerlichkeit bezeichnen, daß man, sagen wir, abgestempelte Leute braucht. So ist es nicht gemeint. Aber erstens brauchen wir Leute, die innerlich wissenschaftlich arbeiten gelernt haben. Dieses innerlich wissenschaftlich Arbeiten lernt man doch am besten bei seiner eigenen Arbeit. Zweitens aber brauchen wir möglichst bald die Mitarbeiter, welche aus der Studentenschaft heraus kommen, und die nicht mehr aufgehalten werden durch die Rücksichten auf ihr späteres Fachstudium. (Sehen Sie, es ist gar nicht weiter wunderbar, daß das so schwer geht, wie es zum Beispiel in der Schweiz geht.) Man hat als Student natürlich leicht die Möglichkeit, in den ersten Semestern sich einem solchen Bunde anzuschließen, wenn man freien Sinn genug dazu hat. Dann kommen die letzten Semester. Da ist man mit anderem beschäftigt, und da wird die Sache schwieriger. Und so reißen immer fort und fort die Fäden ab, die man da gezogen hat. Das ist gerade vorhin hervorgehoben worden.
Also das möchte ich sagen, speziell für das wissenschaftliche Zusammenarbeiten: Die Themen müssen schon in einer solchen Übergangszeit eine zweifache Bearbeitung erfahren: die eine, die der Professor versteht, und die andere, die man sich aufhebt für später.
Selbstverständlich will ich damit durchaus nicht sagen, daß nicht ganz spezielle Gelegenheiten, die da sind, ergriffen werden, und daß nicht diese Gelegenheiten, die da sind, in ganz eminentestem Sinne von der Studentenschaft wachsam beobachtet und auch wirklich im Sinne und Dienste der Bewegung ausgenützt werden: Ich hoffe auf der einen Seite, fürchte fast ganz leise auf der anderen Seite, daß unser lieber Freund, Professor Römer in Leipzig, nun mit einer Unsumme von anthroposophischen Dissertationen überschwemmt wird! Aber ich denke, das würde auch zu den Dingen führen, die ihm wahrscheinlich am liebsten wären. Und ein solches Dokument studentischen Vertrauens würde zeigen, daß er nicht zu den Professoren gehört, von denen jetzt eben gesprochen worden ist. Das würde ja aus dem Fundament hervorgehen.
Nun brauchen wir allerdings einen Ausbau desjenigen, was hier in Dornach schon einmal besprochen worden ist, nämlich doch immerhin eine Art von Zusammenarbeit. Das werden Sie sich später untereinander ausmachen, wie es technisch am besten zu bewerkstelligen ist. Es wäre schon gut, wenn mit Hilfe der Waldorflehrer, die ergänzt würden durch andere Persönlichkeiten aus unseren Reihen — Professor Römer, Dr. Unger und andere -, ein gewisser Austausch vor allen Dingen über die Wahl der Themen der Dissertationen oder der wissenschaftlichen Arbeiten stattfinden könnte, ohne daß irgendwie die freie Initiative des einzelnen davon beeinträchtigt ist. Es kann alles nur in Form von Ratschlägen geschehen. Es sollte gerade dadurch für dieses wissenschaftliche Arbeiten ein engerer Zusammenschluß — der ja nicht gerade eine Organisation zu sein braucht, aber ein Ideenaustausch — von Ihnen gesucht werden.
Das Wirtschaftliche, das ist natürlich eine sehr, sehr bedeutungsvolle Sache. Es ist schon so, daß namentlich das Universitätswesen, aber eigentlich mehr oder weniger das gesamte Hochschulwesen unter unseren Wirtschaftsnöten außerordentlich leiden wird. Nun handelt es sich dabei darum, daß man nun wirklich einmal klar sieht, daß eigentlich nur geholfen werden kann, wenn es möglich ist, solche Institutionen vorwärtszubringen, wie es zum Beispiel für Deutschland der «Kommende Tag» ist, wie es hier das «Futurum» ist. So daß von diesen Organisationen aus eine Reorganisation auch der wirtschaftlichen Lage des Studententums ausgehen kann. Es sind — ich kann Ihnen die Versicherung geben — all die Dinge, die von uns aus nach solcher Richtung hin in Angriff genommen werden, eigentlich auf schnelles Wachstum berechnet. Wir haben nicht Zeit, uns Zeit zu lassen, sondern wir müssen tatsächlich mit solchen wirtschaftlichen Organisationen rasch vorwärtskommen. Und da muß ich nun allerdings sagen: da werden uns die Mitglieder der Studentenschaft, vielleicht mit ganz geringfügigen Ausnahmen, vor allen Dingen helfen können durch das Verbreiten des Verständnisses für solche Dinge. Es ist ja wirklich schon vorgekommen in bezug auf andere Dinge, daß der Student bei seinem Papa einiges durchsetzen konnte für dieses oder jenes, etwas durchsetzen konnte auch bei seiner Verwandtschaft. Nicht jeder hat nur mittellose Freunde. Und da ist dann wirklich etwas vorhanden, was wie eine Lawine wirkt. Lassen Sie sich das nur durchaus durch den Kopf gehen, wie stark erfahrungsgemäß so etwas wie eine Lawine wirkt: wenn man irgendwo anfängt, es geht weiter. Gerade so etwas geht weiter, wo man aus dem Positiven heraus wirkt: Versucht diese Prospekte zu studieren, die erschienen sind vom «Kommenden Tag» und «Futurum», und versucht, Verständnis hervorzurufen für so etwas.
Dieses Verständnis ist es, zu dem sich namentlich die ältesten Leute außerordentlich schwer emporarbeiten. Ich habe gesehen, wie ältere Leute, ich möchte sagen, gekaut haben an dem Verstehenwollen desjenigen, was «Kommender Tag» oder «Futurum» wollen, wie sie immer wieder und wiederum, wie die Katze auf die Pfoten, zurückgefallen sind auf ihre alten wirtschaftlichen Vorurteile, mit denen sie eben hineingesaust sind in den wirtschaftlichen Niedergang, und wie sie sich nicht herausfinden. Da glaube ich, daß wirklich lebt helles Verständnis der lieben Kommilitonen, das auch nach den älteren Generationen hinüber einiges wirken könnte. Auf eine andere Weise können wir doch nicht vorwärts kommen. Denn ich kann Ihnen sagen: Dann, wenn wir einmal in bezug auf diese wirtschaftlichen Institutionen so weit sind, daß wir wirksam etwas machen können, daß wir erstens genug Mittel haben, um ins Große gehend — denn nur da hilft es — etwas zu tun, und auf der anderen Seite überwinden können den gerade auf diesem Gebiete so scharf hervortretenden Widerstand des Proletariats, das sich einfach gerade einer wirtschaftlichen Besserung der Lage der Studenten feindlich entgegenstellt, dann wird es tatsächlich die erste Sorge sein müssen dieser unserer wirtschaftlichen Organisationen, wirtschaftlich gerade in bezug auf die Studentenschaft zu arbeiten.
Die «Kampfprobleme»! Ja, sehen Sie, da handelt es sich darum: die Anthroposophische Gesellschaft, wenn sie auch früher nicht so geheißen hat, besteht seit dem Beginn des Jahrhunderts, und sie hat immer eigentlich nur positiv gearbeitet, wenigstens soweit ich selber in Betracht komme. Sie ließ die Gegner schimpfen, alles mögliche tun. Aber natürlich kommen dann die Gegner mit gewissen Einwänden. Sie sagen, da ist das gesagt worden, da jenes gesagt worden, ja das, das ist ja nicht einmal widerlegt worden. Es ist schon so, daß man schwer Verständnis findet dafür, daß eigentlich derjenige, der etwas behauptet, die Beweisverpflichtung hat, nicht derjenige, dem es angeworfen ist. Und wir konnten es wirklich erleben, immer wieder und wiederum, daß merkwürdige Anschauungen gerade unter den Akademikern, ich meine jetzt Dozenten, Professoren, Pfarrer und solche, die also aus den Akademikern hervorgegangen sind, hervortraten. Denken Sie doch nur einmal, daß von, ich möchte sagen, für die äußere Welt ehrwürdigen — ich sage es aber selbstverständlich nur unter Gänsefüßchen: «ehrwürdigen» — Professoren Dinge vorgebracht werden gegen Anthroposophie, Anthroposophen und so weiter, die so belegt sind, daß, wenn man diesen Belegen mit Beweisgründen nachgeht, das ein Hohn, ein blutiger Hohn ist auf alle irgendwie möglichen Methoden, wie man irgendwie etwas behauptet in der Wissenschaft. Daher mußte ich bei so jemandem, wie es der Professor Fuchs ist, einfach sagen: Es ist unmöglich, daß der Mensch etwas anderes ist als ein ganz unmöglicher Anatom! Denn, soll ich glauben, daß er gewissenhaft seine Dinge prüft, wenn er nach alledem, was vorgelegt worden ist, meinen Taufschein in dieser Weise prüft, wie er ihn geprüft hat? Man muß nämlich von der Art, wie ein Mensch das eine Gebiet behandelt, auf das andere schließen. Solche Dinge zeigen einfach — durch den Umstand, daß die Leute einmal heraustreten und ihre besonderen Gewohnheiten zeigen — die Symptome, wie heute wissenschaftlich gearbeitet wird. Auch die Dinge, die heute an den Universitäten und an den technischen Hochschulen vorgebracht werden, stehen im Grunde genommen kaum auf besseren Füßen, als die Dinge, die auf diese Weise behauptet werden; es treten nur die allgemein ungeheuer locker gewordenen Gewohnheiten im Wissenschaftsleben auf diese Weise zutage. Und das ist es, was nötig ist: daß man gewissermaßen den Kampf auf ein höheres Niveau hebt.
Und da ist es nicht notwendig, daß man sich, wie zum Beispiel der Kommilitone wünschte, was ich sehr gut begreife, als «Kampforganisation» ausspiele. Das ist nicht notwendig. Sondern nur das eine: das zu vermeiden, was in der Anthroposophischen Gesellschaft so zahlreich aufgetreten ist. In der Anthroposophischen Gesellschaft trat immer dieses hervor, so unglaublich es ist — natürlich nicht bei allen, aber sehr häufig: Man war genötigt, sich gegen einen wüsten Anwurf zu verteidigen, auch dann irgendwelche scharfen Worte zu gebrauchen, zum Beispiel, sagen wir in dem Fall, wenn ein Herr v. Gleich einen Vortragenden «Winter» erfindet, indem er liest, daß ich selber Wintervorträge gehalten habe, dann eine Persönlichkeit «Winter» erfindet, und das in einer sehr üblen Weise in den Kampf hineinbringt. Ja, sehen Sie, ich glaube nicht, daß man in diesem Falle zu scharfe Worte sagt, wenn man von Trottelisis sprechen würde! Denn hier hat man es, selbst wenn es bei einem General auftritt, mit einer echten Trottelisis in Reinkultur zu tun. — Und in der Anthroposophischen Gesellschaft war es dann gewöhnlich so, daß man nicht demjenigen unrecht gegeben hat, der etwa so wie Herr v. Gleich handelte, sondern demjenigen, der sich verteidigt hat. Bis zum heutigen Tag! Erfuhren wir es doch ein paarmal, daß es hieß: In dieser Weise darf man nicht aggressiv werden. — Aggressiv werden, heißt nämlich in den Augen von vielen Leuten: sich in dieser Weise zu verteidigen. Da ist schon notwendig, daß man, ohne zu betonen, daß man Kampforganisation ist oder dergleichen, doch mit wachsamem Auge die Dinge verfolgt und zurückweist. Sie müssen da konkret im Positiven auftreten; und dann müssen die anderen dahinterstehen, hinter dem, der genötigt ist, sich zu verteidigen. Es handelt sich nicht darum, daß wir selber Kampfhähne werden; aber darum handelt es sich, daß, wenn es nötig werden sollte, sich zu verteidigen, daß dann die anderen dahinterstehen. Und es handelt sich darum, daß man wirklich die Symptome des Weltanschaulichen, Wissenschaftlichen, Religiösen und so weiter in dieser Beziehung in unserer Zeit verfolgt, sich dafür interessiert.
Nehmen Sie diese einzelne Erscheinung: Ich war genötigt, philosophische, oder wie soll man es nennen, Schreibereien — es ist nach meiner Meinung gleich, wie man sie nennt-des Grafen Keyserlingeinmal in der entsprechenden Weise zu charakterisieren, weil er in seiner unglaublichen Oberflächlichkeit hineingemischt hat die Tollheit, ich sei von Haeckelschen Anschauungen ausgegangen. Das ist natürlich eine nicht bloß objektive, sondern in diesem Falle subjektive Unwahrheit, das heißt, eine Lüge, weil man verlangen muß, daß derjenige, der so etwas behauptet, nach den Quellen sucht; und er hätte sehen können das Kapitel, das ich in den frühesten Jahren meiner Schriftstellerei geschrieben habe in meinen Auseinandersetzungen mit Haeckel, in der Einleitung zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften. Sie können das ja alle sehr gut nachlesen. — Nun hat der Graf Keyserling durch seinen Verleger eine kleine Schrift erscheinen lassen: «Der Weg zur Vollendung.» Ich will diese Schrift nicht weiter charakterisieren, empfehle Ihnen aber, daß einer oder zwei sich diese Schrift kaufen und sie herumgehen lassen; denn wenn es alle kaufen wollten, wäre es schade ums Geld; aber ich empfehle Ihnen trotzdem, es zu lesen, damit Sie eine Vorstellung bekommen von dem, was sozusagen gegen alle Weisheit sich auftut in dieser Schrift «Der Weg zur Vollendung» von Keyserling. Es steht da folgender Satz, den er sich zurechtzimmerte, so ungefähr, wie er mir im Gedächtnis ist: Ja, wenn ich damit etwas Unrichtiges gesagt habe, daß Dr. Steiner von Haeckel ausgegangen ist, so hätte ja Dr. Steiner das einfach rektifizieren können; er hätte das bei mir richtigstellen können, denn ich habe - und nun bitte ich, diesen Satz recht genau zu beachten -, denn ich habe für eine besondere Steiner-Quellenforschung keine Zeit.
Nun also, sehen Sie, wir haben es bereits in der wissenschaftlichen Moral so weit gebracht, daß jemand, der eine «Weisheitsschule» gründet, es für berechtigt hält, daß er Dinge in die Welt hinaussenden darf, für deren Erforschung er zugestandenermaßen keine Zeit hat, die er also nicht erforscht! Hier ertappt man einen scheinbar sich vornehm Dünkenden — denn der Graf Keyserling hat in seiner Schreiberei immer die Allmacht angeführt -, das ist dasjenige, was so imponiert bei dem Grafen Keyserling, daß er immer die Allmacht anführt. Die ganze gegenwärtige Schreiberei ist an einem Punkt angekommen, wo sie am meisten versumpft und verlumpt ist. Und trotz der Allmacht ist hier eine vollständige moralische Verlumpung der Ansichten da. Und da muß schon einmal den Leuten gesagt werden: Ganz gewiß, es verlangt auch von dir niemand, daß du Steiner-Quellenforschung treibst; aber dann, wenn du schon keine Steiner-Quellenforschung treibst, keine Zeit hast, dann — in bezug auf alle diese Dinge, zu denen du von der Sache etwas wissen müßtest: Halte den Mund!
Sehen Sie, das ist notwendig, daß wir uns keinen Illusionen hingeben, daß wir einfach abstreifen jegliches durch das Konventionelle heraufgekommene Autoritätsprinzip und dergleichen, daß wir uns frei gegenüberstellen, wirklich, wirklich prüfend, demjenigen, was in unserer Zeit vorhanden ist. Dann werden wir heute schon recht viel solches bemerken können.
Ich würde Ihnen schon raten, manche der Sätze, die der große Germanist Roethe in Berlin ab und zu, immer wiederum prägt, rein der Form nach - ich will ganz absehen von der Anschauung, die man dabei durchaus respektieren kann — sich anzusehen. Dann werden Sie das Lehrreiche finden. Wir brauchen keine Kampforganisation zu sein. Wir müssen aber bereit und wachsam sein, um, wenn die Dinge, die heute wirklich so schauderhaft in den Niedergang hineinführen, konkret auftreten, dann dagegen auch wirklich aufzutreten. Brauchen wir denn dazu eine Organisation anthroposophischer Studenten zu sein? Wir brauchen ja einfach nur wachsame, anständige und wissenschaftlich gewissenhafte Leute sein zu wollen, dann können wir immer — ganz von dem absolutesten Privatstandpunkt aus — gegen solche Schäden zu Felde ziehen. Und wenn wir außerdem noch für die positive Arbeit organisiert sind, dann kann die Anzahl derjenigen, die dafür organisiert ist, hinter uns stehen und uns halten. Das letztere brauchen wir. Aber es wäre durchaus nicht sehr gescheit, wenn wir uns als Kampfesorganisation auftun würden. Dagegen handelt es sich darum, daß wir wirklich ernsthaftig arbeiten an der Verbesserung unserer gegenwärtigen Zustände. Und dazu gehört schon einmal, daß man die furchtbaren Schäden, die auf dem einen oder anderen Feld zutage treten — und die wirklich sich leicht aufdrängen, denn sie sind in Unsummen da -, daß man diese Dinge beachtet, und daß man den Mut hat, gegen sie in der Form, in der man es kann, aufzutreten.
Sie haben schon etwas getan, wenn Sie nur das tun können: bei einer geringen Anzahl Ihrer Kommilitonen einfach das Urteil richtigstellen in bezug auf solche Dinge, auch wenn das im kleinsten Kreise geschieht. Ich habe gestern zu jemanden von uns hier in bezug auf den Weltschulverein gesagt: Ich halte es gerade in bezug auf solche Dinge besonders wertvoll, wenn angefangen wird damit, daß einer zu zwei, drei anderen, also ganz kleinen Gruppen, davon spricht, selbst wenn es nur zwei sind; und, ganz radikal ausgedrückt, wenn einer gar keinen anderen findet, so sage er es sich wenigstens selber! Also diese Dinge sind schon durchaus so, daß man anfassen kann dasjenige, was der einzelne vermag. Es werden einzelne viel mehr vermögen, wie es tatsächlich schon vorgekommen ist bei einem Arzt, der Mitglied war, und dessen Kommilitonen sich als sehr begeisterungsfähig erwiesen. Es handelt sich darum, daß wir uns nicht dadurch Feinde machen, daß wir in wüster Form als Kampfhähne auftreten, aber auch darum, daß wir den Kampf nicht scheuen, wenn die anderen anfangen. Das ist es: wir müssen immer den anderen anfangen lassen; und dann muß die nötige Hilfe hinter uns stehen, die nicht die Taktik aufkommen läßt, denn es ist eine ganz bestimmte Taktik aufgekommen: daß wir angefangen hätten. Wenn von drüben angefangen wird, dann ist man genötigt, sich zu verteidigen; und dann können Sie immer lesen, daß von anthroposophischer Seite das und das im Kampfe als Angriff geführt worden ist und so weiter. Es wird immer der Spieß umgedreht. Das ist geradezu Methode bei den Gegnern. Das dürfen wir nicht aufkommen lassen.
Was den Weltschulverein betrifft, so möchte ich dazu nur noch das eine sagen: nach meiner Empfindung wäre es wohl das allerbeste, wenn unabhängig voneinander gleichzeitig der Weltschulverein begründet werden könnte in Entente- und in neutralen Ländern, allerdings auch im deutschen mitteleuropäischen Gebiet. Wenn es gleichzeitig geschehen könnte, so daß sozusagen unabhängig voneinander die Dinge gleichzeitig aufschössen, wäre es das allerbeste. Dazu gehört natürlich eine gewisse Wachsamkeit, was etwa geschieht. Es müßte dann, wie ich glaube, ganz besonders von der Schweiz hier eine Vermittlung stattfinden. Es wäre gut, wenn man jetzt gerade für den Augenblick die Sache machen könnte. Ich kann Ihnen versichern: die Dinge sind auf des Messers Schneide — und wenn eben heute dieselben Kriegsmöglichkeiten vorhanden wären, die im Jahre 1914 vorhanden waren, dann, dann hätten wir längst wiederum Krieg. Es stehen die Dinge in bezug auf Stimmungen und so weiter auf des Messers Schneide. Und wir bekommen so etwas wie diesen Weltschulverein nicht zustande, wenn er zum Beispiel jetzt in Deutschland begründet wird, und dann etwa die anderen, wenn auch nur eine Woche, hintennachtrappen müßten. Er käme einfach nicht zustande, es wäre unpraktisch, es zu machen.
Dagegen dürfen wir auf der anderen Seite durchaus wiederum das nicht aufkommen lassen, daß wir im geringsten etwa verleugnen, wie wir überhaupt zu den Dingen stehen. Diese Hochschule für Geisteswissenschaft heißt Goetheanum. Wir haben diesen Namen «Goetheanum» im Verlauf des Weltkrieges hier noch gegeben. Die anderen Nationen, insofern sie sich an der Anthroposophie beteiligt haben, haben den Namen aufgenommen, haben ihn akzeptiert. Wir haben niemals verleugnet, daß wir Gründe haben, die Hochschule für Geisteswissenschaft «Goetheanum» zu nennen, und es wäre daher nicht eigentlich gut, wenn in Deutschland die Sachen als irgendeine Imitation von der anderen Seite auftreten dürften.
Also es würde sich schon darum handeln, daß man in dieser Beziehung — verzeihen Sie das harte Wort — ein wenig nicht ungeschickt vorgehen würde, daß man es ein wenig geschickt machen würde im größeren Weltkultursinne! Da müßte nun von der Schweiz hier mit vollem Verständnis gearbeitet werden. Es müßte also eigentlich unbedingt gleichzeitig von Mitteleuropa, von der Entente und von Neutralen aus die Sache in die Höhe schießen.
Vorläufig weiß ich ja noch nicht, ob sie auch nur an einem oder zwei Orten in die Höhe schießen wird. Ich habe heute morgen die Mitteilung bekommen, daß das gestern zusammenberufene Komitee, das so wacker arbeiten wollte, wenige Minuten, nachdem die Versammlung von gestern den Saal verlassen hat, schlafen gegangen ist; es sei auf heute abend vertagt worden. Ob sie heute abend tagen, wollen wir zunächst noch abwarten. Wir haben schon sehr merkwürdige Erfahrungen gemacht; und aus dieser Kenntnis heraus, daß wir schon die verschiedenartigsten Erfahrungen gemacht haben, habe ich mir jetzt erlaubt, zu Ihnen hier darüber zu sprechen, daß man im weiteren Verlauf der Bewegung die gemachten Erfahrungen berücksichtigen soll.
Ich bin aber auf der anderen Seite überzeugt, wenn gerade unter der Kommilitonenschaft sich finden wird der nötige starke Impuls und die gehörige Begeisterung, namentlich für dasjenige, was ich selbst und andere meiner Freunde im Verlaufe dieses Kurses genannt haben: Begeisterung für die Wahrheit — dann wird die Sache gehen.
Ich möchte noch sagen: Ich habe neulich ein Stück aus einem Feuilleton vorgelesen, und ich kann Ihnen versichern, was neulich in Stuttgart stattgefunden hat, ist nicht im mindesten ein Ende, sondern erst ein Anfang, und ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß es noch viel, viel schlimmer kommen wird. Ich habe das zu unseren Freunden hier des öfteren gesagt — vor sehr, sehr langer Zeit schon -—, ich habe neulich ein Stück aus einem Feuilleton vorgelesen, in dem steht: «Geistige Feuerfunken, die Blitzen gleich nach der hölzernen Mäusefalle zischen, sind also genügend vorhanden, und es wird schon einiger Klugheit Steiners bedürfen, versöhnend zu wirken, damit nicht eines Tages ein richtiger Feuerfunke der Dornacher Herrlichkeit ein unrühmliches Ende bereitet.»
Ich habe wirklich die Meinung, daß dasjenige, was als Reaktion eintreten muß gegen eine solche Aktion, die immer stärker und stärker werden wird, daß das besser gestaltet und vor allen Dingen energischer wird durchgeführt werden müssen. Und ich glaube, daß Sie, meine lieben Kommilitonen, nach dieser Richtung hin nötig haben, all Ihre jugendliche Begeisterung hineinfließen zu lassen in dasjenige, was wir hier öfter während dieses Kurses genannt haben: Enthusiasmus für die Wahrheit. Jugendlicher Enthusiasmus für die Wahrheit war immer ein sehr guter Impuls in der Fortentwickelung der Menschheit. Möge er es in einer Sache, die Sie für gut erkennen, auch in der nächsten Zukunft durch Sie werden.