What is the Purpose of Anthroposophy and the Goetheanum?
GA 84 — 26 May 1924, Paris
Wie Erlangt Man Erkenntnis der Übersinnlichen Welt?
Wer heute aus seinem Innern heraus nach Erkenntnis der übersinnlichen Welt strebt, wird in der Regel verwiesen auf die Art und Weise und auf die Ergebnisse, die aus alten Zeiten stammen. Geht man dann demjenigen näher nach, auf das so verwiesen wird, so stößt man in der Menschheitsentwickelung auf die sogenannten Mysterien. Das waren Stätten, in denen auf der einen Seite gepflegt wurde das religiös-kultische Leben - das Spirituelle strömte durch das Religiös-Kultische —, auf der anderen Seite wurde gepflegt, was wir heute wissenschaftliche Erkenntnis nennen. Das Spirituelle strömte in diese andere Form der menschlichen Auffassung hinein. Und ein Drittes war das Künstlerische, das in den Mysterien zum Ausdruck kam. Auf der einen Seite offenbarte sich der sinnlichen Anschauung, der unmittelbar sinnenfälligen Lebensauffassung das, was durch Religion, Kultus und Wissenschaft strömte, auf der andern Seite, was durch die Kunst strömte. Und im Grunde genommen lebt die nach dem Übersinnlichen strebende Menschheit heute noch immer von demjenigen, was die Tradition aus vergangenen alten Zeiten erhalten hat.
In dem heutigen Vortrage möchte ich nicht sprechen von diesen alten Traditionen, auch nicht von den alten Mysterien; aber sprechen möchte ich von der Möglichkeit eines neuen Mysterienlebens, von der Möglichkeit eines neuen Weges nach den übersinnlichen Welten, der in seiner Bedeutung und in der Auffassung gewachsen sein kann demjenigen, was man heute an wissenschaftliche Erkenntnis als Anforderung stellt durch die gewaltigen Fortschritte des naturwissenschaftlichen Denkens der neueren Zeit.
Wenn wir in unser eigenes Inneres hineinschauen, finden wir innerhalb der Betätigung dieses Inneren: Denken, Fühlen, Wollen. Von diesen Seelentätigkeiten ist nur unser Denken unabhängig von unserer Körperlichkeit, solange dieses Denken gesund ist. Derjenige, welcher sich mit der Seele dem Charakter des Denkens ganz hinzugeben vermag, der weiß, daß es nur dadurch unabhängige, logische Gesetze geben kann, weil das gesunde Denken im natürlichen Menschen unabhängig ist von der Körperlichkeit. Erst wenn der Mensch anfängt pathologisch zu denken, wenn in sein Denken Krankhaftes hineinkommt, wird er abhängig von dem Körperlichen. Was heißt das aber? Das heißt nichts anderes als: Solange das Denken gesund ist, hält es sich außerhalb des Körperlichen; es taucht erst in den Körper unter, wird erst in das Unbewußte aufgenommen, indem es in den Körper aufgenommen wird, wenn es krank wird.
Nicht so ist es mit unserem Fühlen, nicht so ist es mit unserem Wollen. Unser Fühlen taucht in seinem ganz normalen Zustand in die Körperlichkeit unter und istunskaum so bewußt wie irgend etwas Traumhaftes. Es west ganz in der Körperlichkeit. Ebenso ist es mit dem Wollen. Wir werden uns im gewöhnlichen Leben des eigentlichen Vorganges des Wollens nicht bewußt, weil es tief unten in der Körperlichkeit untergetaucht ist.
Wollen wir nun eine höhere Erkenntnis erlangen, dann müssen wir Fähigkeiten als Mensch entwickeln, welche ebenso unabhängig sind wie unser gewöhnliches Denken von dieser Körperlichkeit, welche aber imstande sind, höhere Welten wahrzunehmen als dieses gewöhnliche Denken, das in der gegenwärtigen Menschheitsverfassung nur imstande ist, die physisch-sinnliche Umwelt wahrzunehmen, zu zergliedern.
In den alten Mysterien wurde dieses Freimachen geistiger Fähigkeiten von der körperlichen Organisation durch äußere Vorgänge veranlaßt. Machen wir uns einmal klar, welche Wirkung auf unsere Seele zum Beispiel ein Klang, ein Schall, ein Ton hat, der schnell verläuft, der uns in Schreck versetzt. Dieser schnelle Eindruck läßt uns nicht dazu kommen, das, was in unserer Seele gefühlsmäßig vor sich geht, unterzutauchen in die Körperlichkeit. Und gestalten wir gar hintereinander Schreck, Angst, Furcht, so kommen wir dazu, das Seelenhafte außerhalb des Körperlichen zu halten. Die ganz methodischen Veranstaltungen der alten Mysterien bestanden darin, auf diese Art das Seelische vom Körperlichen freizumachen. Schreck, ganze dramatische Vorgänge, die das Seelenleben hinaufführen zu einem Gipfel und dann fallen ließen, sie waren darauf eingerichtet, den Menschen so erleben zu lassen, daß dieses Seelenleben sich außerhalb des Körperlichen hält, nicht untertaucht in das Körperliche. Kam der Mensch nach solchen Vorgängen wieder zu sich, so war ihm klar: während solcher Erlebnisse hatte er Einsicht gewonnen in eine Welt, in die er sonst nicht hineinsieht. Und er nannte diese Welt die «übersinnliche». Solche äußere Verrichtungen, die zum größten Teil in den alten Mysterien kultische Form angenommen haben, taugen nicht mehr für die moderne Menschheit. Sie setzen auch voraus, daß diejenigen, welche zu höherer Erkenntnis geführt wurden, sich absonderten. Die Mysterien waren streng abgesonderte Stätten, die streng geleitet wurden durch Priesterweise, welche diese äußere Verrichtung so anordnen konnten, daß der Mensch wirklich, indem er sie durch Jahre durchmachte, Gewohnheit darin bekam, seine Seele unabhängig vom Leiblichen zu halten und mit diesem unabhängig Seelischen in die geistige Welt, in die spirituelle Welt einzutreten.
Zu Menschen, die auf diese Weise in die geistige Welt hinein den Weg suchen müssen, würde der moderne Mensch kein Vertrauen haben. Denn diese Methoden erforderten strenge Absonderung des geistig Suchenden von der Welt, und es war in alten Zeiten so, daß man eigentlich nur Vertrauen hatte zum Geistesmenschen, wenn er sich absonderte von der übrigen Menschheit. Heute kann man Vertrauen zum Menschen der Erkenntnis nur haben, wenn er im Leben voll darinnen steht, wenn ihm nichts fremd ist aus dem vollen unmittelbaren Menschenleben. Daher bedarf die heutige Zeit und wird bedürfen die nächste Zukunft Methoden für den Weg in die spirituelle Welt, welche mehr innerlich seelisch sind, so daß der Mensch in der Verfolgung dieser Methoden unabhängig von äußeren Verrichtungen, von äußeren Einwirkungen ist. Von Methoden für den Weg in die geistige Welt möchte ich Ihnen sprechen, die ganz still im Inneren der Seele wirksam sind, die aber in ebenso sicherer Weise zur Erkenntnis der geistigen Welt, das heißt zur Initiation führen, wie die älteren Methoden der Mysterien zu dieser Initiation geführt haben.
Ich habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», das ins Französische unter dem Titel «Initiation» übersetzt ist, die modernen Methoden der Initiation auseinandergesetzt. Ich möchte mir gestatten, am heutigen Abend zu sprechen im Prinzipe von demjenigen, was solche moderne Methoden der Initiation sind.
Der Anfang auf dem Wege zur Erkenntnis spiritueller Welten muß gemacht werden durch eine besondere innere seelische Behandlung unserer Gedankenwelt, unserer Gedankenkräfte. Im gewöhnlichen Leben geben wir uns hin der Außenwelt oder dem, was aus unserem Inneren an Gedanken aufsteigt. Und so sehr wir auch in diesem gewöhnlichen Bewußtsein relativ Aktivität entwickeln, so sind wir im ganzen in unserem Denken doch passiv, hingegeben an die sinnliche oder an die innere seelische Welt. Ja, der moderne Mensch legt sogar einen großen Wert darauf, bei dieser Passivität des Gedankens zu bleiben, weil er Furcht hat davor, daß im Augenblick, wo er aus sich selber seine Gedanken formt, er in das Unwirkliche, in das Gebiet der Phantasie komme. Diese ganze Stellung zum Denken muß anders werden, wenn der Mensch in die übersinnliche Welt eintreten will. Er muß sein Denken aktivieren. Ich habe nach einem alten Gebrauch dieses Aktivieren des Denkens «Meditation» genannt. Sie besteht darin, daß wir nun ganz und gar uns nicht hingeben an unser Denken, an irgendein Objektives, sondern daß wir aus der inneren Kraft unseres Seelenlebens einen übersichtlichen Gedankeninhalt möglichst einfacher Art in den Mittelpunkt unseres Bewußtseins stellen, und durch eine gewisse Zeit hindurch, mit Ausschluß jeglicher anderen Aufmerksamkeit, die ganze Aufmerksamkeit der Seele auf diesen einen seelischen Inhalt richten.
Indem wir so mit unserer ganzen Seele aktiv ruhen auf einem Seeleninhalte, tritt mit den Seelenkräften etwas ein, was sonst mit den körperlichen Kräften eintritt, wenn wir zum Beispiel einen Muskel zu einer Arbeit gewohnheitsmäßig immer wieder gebrauchen. Der Muskel erstarkt. So verstärken sich, erkraften sich innerlich die Seelenkräfte, wenn die Aktivität der Seele immer wiederum auf einen Inhalt gerichtet ist. Übersichtlich muß der Inhalt sein aus dem Grunde, weil er nichts enthalten darf, was aus dem Unbewußten kommen kann. Wir müssen völlig mit aller Besonnenheit, der wir nur fähig sind, auf diesem Seeleninhalte ruhen. Nimmt man irgend etwas, was kompliziert ist, was vielleicht aus der Erinnerung heraufgeholt ist als Reminiszenzen, was als alte Seeleninhalte verstandesmäßig oder gefühlsmäßig mit diesen Inhalten verknüpft ist — das darf nicht sein. Wir tun daher am besten, wenn wir einen solchen Seeleninhalt entweder dadurch an uns herankommen lassen, daß wir, sagen wir zum Beispiel ein ganz unbekanntes Buch nehmen, das wir ganz gewiß noch nie gelesen haben, wir schlagen es irgendwo auf, wir lesen einen Satz, der uns sonst gar nicht interessiert, dessen Inhalt sonst kein Interesse für uns hat. Wir versetzen diesen Satz in den Mittelpunkt des Bewußtseins und ruhen darauf. Wir konzentrieren auf einen solchen Inhalt durch lange Zeit hindurch alles Seelenleben. Noch besser ist es, wenn wir das Vertrauen fassen können, zu jemandem, der in diesen Dingen wirklich Kenntnis hat, hinzugehen und uns von ihm einen Seeleninhalt der charakterisierten Art geben zu lassen. Dann wird er, wenn er schon Geistesforscher ist, Praxis darin haben, einfach aus dem Anblick von uns zu sagen, was für ein geistiger Inhalt für unsere Meditation der beste ist. Wenn wir uns so einen ganz im Bewußtsein präsenten, leicht überschaubaren Inhalt nehmen, uns auf ihn konzentrieren, in der Konzentration ganz meditativ verweilen, wird allmählich unser Denken ganz verwandelt. Alle Abstraktheit aus unserem Denken schwindet, alle Kälte schwindet. Das Denken wird ganz bildlich, wir gewinnen die Fähigkeit, in gesättigten, bis zum Farbigen sich sättigenden Bildern zu denken. Bilder, die allmählich wie lebendige Traumbilder sind, aber einen ganz anderen Seelencharakter haben, treten in unser Bewußtsein ein, wir erfahren etwas, was wir früher niemals in diesem Bewußtsein erfahren haben. Wir erfahren die Möglichkeit, so besonnen zu denken, wie nur der besonnenste Logiker oder Mathematiker denken kann, aber nicht abstrakt zu denken, nicht Naturgesetze zu denken, sondern in Bildern zu denken, von denen wir zunächst nicht wissen, woher sie kommen.
Diese erste Stufe der Erkenntnis des Übersinnlichen sei genannt die imaginative Erkenntnis. Ihre Fähigkeiten müssen wir entwickeln, wenn wir in die erste Sphäre der übersinnlichen Welt eintreten wollen. Werden solche Übungen genügend lange fortgesetzt — bei dem einen Menschen, je nach der Individualität, dauern sie jahrelang, bei manchem monatelang -, dann kommt der Mensch endlich dazu, in einer in gewissem Sinne vollendeten Art, so wie man sonst im gewöhnlichen Bewußtsein abstrakt denken kann, ein Bilderbewußtsein zu entwickeln; in Bildern nicht träumen, sondern denken zu können. Dann aber, wenn man genügend weit mit einem solchen bildhaften Denken fortgeschritten ist, dann weiß man durch das unmittelbare Bewußtsein: dieses Bilddenken taucht nicht unter in die Körperlichkeit, ist frei und unabhängig von der Körperlichkeit. Man fühlt sich nun in diesem unabhängigen Bilddenken, man lebt ganz darinnen, man lebt jetzt so in diesem unabhängigen Bilddenken, wie man sonst in seinem physischen Leibe lebt. Wie man in seinem physischen Leibe fühlt mit den allgemeinen Körpergefühlen, mit all demjenigen, was man vielleicht an Schmerz oder allgemeinem Wohlbehagen von diesem Körper in das Seelische hineinströmen fühlt, wie man sich sonst, kurz gesagt, in seinem physischen Leibe fühlt, fühlt man sich jetzt in einem feineren, in einem zweiten Menschen. Man hat gelöst von diesem physischen Leibe diesen zweiten Menschen und man kann dann aus innerer Erfahrung, aus dem unmittelbaren Leben heraus sagen: Ich erlebe mich als Mensch nicht nur im physischen Leibe, ich erlebe mich als Mensch in einem ätherischen Leibe, in einem Leibe von feinerer Substantialität. Man weiß nun aus Erfahrung, daß ein zweiter Mensch in dem ersten darinnensteckt. Ebenso, wie man durch die physischen Werkzeuge des physischen Leibes in der physischen Welt wahrnehmen kann, durch das Auge die Farben, durch die Ohren die Töne, so kann man jetzt - wenn man sich im ätherischen Leibe fühlt und sich weiß wie ein zweiter Mensch durch diesen ätherischen Leib, der ebenso organisiert ist wie der physische — eine neue Welt wahrnehmen, die für den physischen Leib undurchdringlich bleibt.
Die erste neue Welt, die man wahrnimmt, ist die Welt des eigenen letzten Erdenlebens. In einem mächtigen Tableau, majestätisch dastehend, alles dasjenige, was der Zeit nach hintereinander war — gleichzeitig wie in einem Panorama -, steht unser Erdenleben von dem gegenwärtigen Zeitpunkt, in dem wir leben, durch Rückblick bis zur Geburt vor uns. So, wie sonst im Raume die Dinge nebeneinander stehen, so steht in dieser Rückschau das Erlebnis, das wir zum Beispiel im achten Lebensjahredurchgemacht haben, gleichzeitig da mit demjenigen, was wir im zwanzigsten, fünfzigsten Lebensjahre durchgemacht haben. Die Zeit wird wie zum Raume. Und was wir da in anschaulichen Bildern in einem majestätischen Lebenspanorama erleben, lernen wir gut unterscheiden von gewöhnlicher Erinnerung. Die gewöhnliche Erinnerung, die wir in einzelnen Gedanken, Vorstellungen, Bildern aus unserem Menschenwesen hervorholen, ist schwach und blaß. Dasjenige, was wir so überschauen, das ist vollinhaltlich, mächtig koloriert, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf. Aber es erscheint uns auch alles so, wie uns äußere Dinge erscheinen. Wir wissen nun in der Überschau eines sich allerdings etwas ausdehnenden Augenblickes, wie unser Leben auf einen Seelenblick hin erscheint. Und da zeigt sich uns, daß in uns wallt und webt in jedem Augenblick unseres Erdendaseins seit unserer Geburt, oder besser gesagt seit unserer Konzeption, ein Geistig-Seelisches. Dieses Geistig-Seelische verdichtet sich zur Wachstumskraft, zur Ernährungskraft, zu all dem, was in unserem physischen Leibe wallt und webt, aber es ist zuletzt ein Geistiges, das wir schauen, indem wir also zur ersten Stufe der übersinnlichen Erkenntnis aufsteigen. Wir lernen aber zugleich damit erkennen, außer unserem eigenen ätherischen Leibe, die ätherische Welt, die um uns herum ist und der unser ätherischer Leib angehört; wir lernen erkennen, wie anders wir uns verhalten zu dieser ätherischen Welt - die so da ist wie die physische — als zur physischen Welt. In der physischen Welt ist das Ding da, ich bin da. Ich spreche von den physischen Dingen als einem streng von mir Geschiedenen; ich weise darauf hin. Mit der ätherischen Welt bin ich durch meinen Ätherleib so verbunden, wie ein Glied meines Organismus mit dem ganzen Organismus verbunden ist. Und so wie ein Glied, mein Finger, sich aussondert aus meinem Organismus, so sondert sich der Atherleib von dem ätherischen Universum aus, aber er bildet doch ein Glied darinnen. Wir sind viel mehr eine Einheit mit derjenigen Welt, die hinter der physischen Welt steht, als der physische Leib mit der physischen Welt eine Einheit bildet. Das ist die erste Stufe der übersinnlichen Welt, und das ist auch die erste übersinnliche Welt, die wir erreichen auf dem Wege zur übersinnlichen Erkenntnis. Weiter kommt man mit der Stufe der übersinnlichen Erkenntnis, die ich bisher geschildert habe, nicht, als bis zur Einsicht in dieses Wesen der Menschennatur, das von der Geburt bis zum Tode als eine Einheit sich entwickelt, sich wandelt, aber dauernd bleibt während unseres ganzen Erdenlebens hindurch, während die einzelnen Stoffe, die wir aufnehmen, von uns aufgenommen werden, wiederum von uns ausgestoßen werden, so daß wir als physischer Mensch uns stets erneuern, auch während unseres Erdenlebens. Dasjenige, was ätherischer Leib ist, bleibt von der Geburt bis zum Tode als Einheit vorhanden.
Will man aber über dieses erste Übersinnliche hinauskommen, dann muß eine zweite Erkenntnisstufe im Innern der Seele entwickelt werden. Das kann dadurch geschehen, daß wir nun, nachdem wir für die erste Erkenntnisstufe das Denken aktivieren, erkraften mußten, damit wir uns erfassen und ergreifen in unserem ätherischen Leibe, zur zweiten Erkenntnisstufe alles, was wir in dieser Weise an erkraftetem Denken gewinnen, wiederum aus unserem Bewußtsein fortschaffen. Haben wir erst ganz kräftig einen Bewußtseinsinhalt in unsere Seele hereingeschafft, indem wir mit aller Gewalt uns konzentrierten, so müssen wir ihn jetzt wiederum weglassen. Sie wissen, in welchen Zustand der Mensch kommt, wenn er seinen gewöhnlichen Seeleninhalt, die Welt, die ihm die Sinne geben, wegschaffen muß: Er schläft ein. Allmählich versinkt er in einer Seelenlähmung. Das darf nicht eintreten und tritt auch nicht ein. Ja, es ist schwierig, einen Seeleninhalt, den wir mit aller Kraft ins Bewußtsein hineingeschafft haben, wiederum wegzuschaffen. Es ist schwerer, diesen Inhalt wegzuschaffen, als den Inhalt des gewöhnlichen Bewußtseins. Wenn es uns aber gelingt, ihn wegzuschaffen, so ist etwas eingetreten, was sonst nie da ist. Im menschlichen Seelenleben ist dann eingetreten eine völlige Leerheit des Bewußtseins. Durch dasjenige, was der Mensch durchgemacht hat im kraftvollen Erleben seines eigenen Ätherleibes, wird er fähig wie zu abstrahieren, abzusehen von aller Sinnenwelt und von allem gewöhnlichen Denken. Er lebt in einer höheren Region. Schafft er sich nun wiederum diese höhere Region, sein eigenes Lebenstableau weg, dann wird sein Bewußtsein leer und wir sind in jenem Zustand, der bedeutungsvoll ist für alle höhere Erkenntnis: Wir sind in dem Zustand des bloßen Wachens, ohne daß dieses Wachen einen Seeleninhalt hat. Wir richten ein verstärktes, erkraftetes Bewußtsein in die Leerheit der Welt hinaus. Wir schlafen nicht ein, indem wir diese Verrichtung machen, sondern wir bleiben wach, aber wir stehen zunächst wie für einen Augenblick nur dem Nichts gegenüber. Das bleibt nicht lange. Wenn wir also bloßes Wachen in unserem Bewußtsein gehalten haben, wirkliches leeres Bewußtsein, dann dringt eine geistige Welt in uns ein, die nicht unser Atherleib ist, nicht dasjenige, was mit ihm verwandt ist, sondern die eine nun zunächst ganz fernstehende geistige Welt ist. In das bloße Wachen und das leere Bewußtsein dringt die wirkliche geistige Welt hinein, nur muß dieses leere Bewußtsein und Wachsein durch lange Seelenübungen, die ich nur im Prinzip schildern konnte, erworben werden. Denn dieses Unterdrücken alles Inhaltes, es gelingt nicht auf den ersten Anhub. Es muß wiederum und wiederum geübt werden. Wieder dauert es bei manchem Jahre, bei manchem, wenn er dazu veranlagt ist, je nach seinem Schicksal, Monate, daß er dazu gelangt, das Bewußtsein, ohne es einzuschläfern, leer zu halten, so daß die geistige Welt in ihn hineindringen kann.
Gewiß, man kann sagen, wenn ein Mensch also zur geistigen Welt kommt, so könne das eine bloße Suggestion, eine Autosuggestion sein. Wodurch unterscheidet man, so kann man fragen, eine Suggestion von dem, was der Geistesforscher, der Initiierte also, eine reale geistige Welt nennt? Man kann es nur durch das Leben unterscheiden. So wie man durch das Leben ein vorgestelltes heißes Eisen von einem wirklichen heißen Eisen unterscheidet, weil man sich an einem vorgestellten heißen Eisen nicht verbrennt, an dem wirklich ergriffenen Eisen aber verbrennt, so erlebt man in der geistigen Welt, die ins leere Bewußtsein hineinströmt, reale Tatsachen. Man weiß einfach, ebenso wie man ein angegriffenes heißes Eisen von einem vorgestellten unterscheiden kann, durch das Leben, wodurch sich diese geistige Realität von einer bloßen Autosuggestion unterscheidet.
In dem vorhin genannten Buche bezeichnete ich diese zweite Stufe der übersinnlichen Erkenntnis nach einem alten Wortgebrauch, an dem man sich nicht stoßen muß — man braucht eine Terminologie — als die inspirierte Erkenntnis. Kommt man zu einer inspirierten Erkenntnis, so erlebt man sich gewissermaßen noch in einem dritten Menschen. Zuerst steht der physische Mensch da, dann der ätherische Mensch, nun erlebt man sich in einem dritten Menschen. Aber indem man sich in diesem dritten Menschen erlebt, weiß man sich nicht nur wie mit dem erkrafteten, imaginativen Denken unabhängig von seiner Leiblichkeit, sondern völlig außerhalb seiner Leiblichkeit. Man hat den Zustand erreicht, den man nennen kann: Leben im Geiste außerhalb des physischen Leibes. Dann ist der Mensch auch imstande, den ätherischen Leib zu verlassen, das heißt, wie er im leeren Bewußtsein überhaupt allen, auch imaginativen Inhalt getilgt hat, so dieses Lebenstableau, zu dem er zuerst gekommen ist, vollständig auszutilgen; das heißt, dasjenige, was er im Erdenleben hat, hinunterzutauchen in das Unbewußte und außerhalb seines physischen und ätherischen Daseins zu leben. Dann aber, wenn der Mensch das erreicht, dann reicht der Rückblick nicht bloß bis zur Geburt oder Konzeption, dann geht der Rückblick weiter in die Vergangenheit hinein: Wir schauen hin in eine geistige Welt, in der wir waren als geistig-seelisches Wesen, bevor wir in die physische Welt hinuntergestiegen sind. Wir schauen uns handelnd, lebend in dieser geistigen Welt, ebenso wie wir uns als physisches Menschenwesen in der physischen Welt schauen. Wir lernen erkennen, daß dasjenige, was die Natur ausbildet als unseren physischen Menschenkeim, sich vereinigen muß mit dem, was hinuntersteigt aus den geistigen Welten, denn das schauen wir jetzt selber an. Und wenn wir diese Erkenntnis erreicht haben, durch die wir ganz herausgehen aus unserem physischen und ätherischen Leibe, dann schauen wir, wenn wir wieder zurückgehen — das heißt, wenn der Augenblick unseres Schauens der geistigen Welt aufgehört hat-in unseren eigenen physischen und Ätherleib hinein und finden, wie unser Erdenleben im Seelisch-Geistigen ein Abbild ist von demjenigen, was wir eben schon geistig-seelisch waren, bevor wir auf die Erde heruntergestiegen sind. Und gerade indem wir wiederum hineinkommen in unseren Leib, in den physischen und Ätherleib, erobern wir uns die Kraft eines, ich möchte sagen, konfigurierten, individualisierten Schauens. Jetzt lernen wir, während wir mehr eine allgemeine geistige Welt, die wir durchgemacht haben im vorirdischen Dasein, außer unserem physischen Leibe und unserem Atherleibe erleben, jetzt, wo wir wieder zurückkommen in den physischen und Ätherleib, jetzt lernen wir, indem wir zwar nicht untertauchen, aber ich möchte sagen einkehren, darinnen wohnen in unserem physischen und Atherleib, jetzt lernen wir unterscheiden zwischen den geistigen Wesenheiten einer höheren Welt, mit denen wir vereint waren, bevor wir zum irdischen Leben hinuntergestiegen waren, wie wir hier unterscheiden zwischen einzelnen Menschenindividualitäten. Wir lernen Wesen erkennen, die niemals auf die Erde hinuntersteigen, die niemals einen physischen Leib annehmen, geistig-göttliche Wesen. Wir sind die Mitbewohner der geistigen Welt mit ihnen, bevor wir auf diese Erde hinuntergestiegen sind. Und wir lernen schauen, eben dadurch, daß wir nun abwechselnd außerhalb und innerhalb unseres Leibes sein können mit dem Geistig-Seelischen, wir lernen auch erkennen, wie unter diesen höheren geistig-seelischen Wesen, unter denen wir waren, bevor wir auf die Erde gestiegen sind, nun die Menschenseelen sich befinden, die warten auf ihr Heruntersteigen auf die Erde, um es zu erleben in einer späteren Zeit, als wir es erlebt haben.
Und so lernen wir durch diese Stufe der inspirierten Erkenntnis denjenigen Teil der Ewigkeit des Menschenwesens erkennen, der von unserem Zeitbewußtsein, selbst von dem Religiösen, sehr wenig ins Auge gefaßt wird. Die Gegenwart liebt es nicht, hinzublicken auf das vorirdische Dasein. Es interessiert den Menschen zwar, dasjenige ins Auge zu fassen — wenn auch nur durch einen Glauben oder durch Tradition —, was hinter dem Tode liegt; denn das muß erst kommen, während der Mensch ja da ist und deshalb nicht besonders zu reflektieren braucht auf dasjenige, was vor der Geburt vorhanden war. Er ist ja da! Aber ob er auch da bleibe, das interessiert ihn; in seinem Egoismus interessiert ihn der zweite Teil der Ewigkeit, die Unsterblichkeit. Wir haben in den modernen Sprachen nicht einmal ein Wort für die andere Hälfte der Ewigkeit, für das vorirdische Dasein, das nach rückwärts so unendlich ist, wie die Unsterblichkeit nach vorwärts. Denn in Wahrheit lernt man die Ewigkeit des Menschenlebens nur erkennen, wenn man wieder hinweisen kann auf die Worte, die die Ursprachen gehabt haben für die Ewigkeit, und die ebenso bedeutungsvoll sprachen von der Ungeborenheit wie von der Unsterblichkeit. Neuere Initiationswissenschaft setzt wiederum die Ewigkeit des Menschenwesens zusammen aus Ungeborenheit und Unsterblichkeit. Die Ungeborenheit braucht man allerdings weniger für den Egoismus als für die wirkliche Erkenntnis. Für die Unsterblichkeit können die Menschen beim bloßen Glauben bleiben. Die Ungeborenheit, die Sicherheit darüber, daß ein schon vor meiner physischen Bildung existierendes Spirituelles mein Wesen ist, das lerne ich nur erkennen, wenn ich hinzuschauen vermag auf das Ungeborene in mir, nicht nur auf das Unsterbliche, das wir gleich im letzten Teile des Vortrages besprechen wollen.
Wenn man auf diese Weise aus seinem physischen und Artherleibe herausgetreten ist und sich unter geistigen Wesenheiten fühlt, wie man sich vorher im physischen Leibe unter physischen Wesenheiten und Dingen gefühlt hat, so weiß man sich aber immer als Mensch, als dieses bestimmte Ich. Und man hat gewissermaßen — so erlebt man es — nur die Reise zurück anzutreten, durch die Zeitenfolge rückwärtsgehend bis in diejenige Welt, die man durchlebt hat vor dem Erdenleben. Will aber der Mensch, wenn er sich so innerhalb einer geistigen Welt außer seinem physischen und Ätherleibe fühlt, hinabblicken dann zur Sternenwelt, und die Sterne ihm nun nicht mehr als Sterne erscheinen, sondern als Welten, wo höhere oder auch tiefere Wesenheiten weilen, so ist überall, wo für das physische Auge ein Stern ist, eine Weltensphäre von anderen Wesenheiten. Wenn der Mensch, so wie er sich sonst im physischen Leibe auf der Erde fühlt, sich nun in der Sternenwelt in einer geistigen Welt fühlt, so kann man, wie man bei der ersten Stufe der übersinnlichen Erkenntnis vom Ätherleibe spricht, jetzt sprechen von dem astralischen Leibe, weil man jetzt innerhalb der Geistigkeit der Sternenwelt ist.
Will der Mensch weiterschreiten, dann muß er zu der Imagination und zu dem leeren Bewußtsein eine dritte Erkenntnisfähigkeit hinzutragen, eine Erkenntnisfähigkeit, die von dem heutigen Bewußtsein sehr häufig nicht als eine Erkenntnisfähigkeit angesehen wird. Eine Fähigkeit, die zwar im Menschenleben die denkbar größte Rolle spielt, der man aber nicht das Recht zuerkennt, im Wissen irgendwie etwas auszumachen. Das ist die menschliche Kraft der Liebe: Die Liebe, die den Menschen mit anderen zusammenführt in der Art, daß er sich dem Wesen, das er liebt, nähert durch den physischen Leib oder durch die im physischen Leib verkörperte Seele oder den verkörperten Geist. Durch die Weiterausbildung dieser Liebe, so daß diese Liebe hineinreichen kann in das Erleben des Ätherleibes zuerst, daß man aber diese Liebe auch hinüberbringen kann in das Erleben im astralischen Leibe, durch das Weiterentwickeln dieser Liebefähigkeit gelangen wir zuletzt dazu, nicht nur unseren physischen Leib erkennend zu erleben, sondern wir gelangen dazu, nach und nach die Liebe so weit steigern zu können, daß wir nicht nur andere Wesen sehen, sondern auch mit diesen anderen geistigen Wesenheiten — wir selbst sind dann Geist — so in Beziehung treten können, wie wir mtt physischen Menschen auf der Erde in Beziehung getreten sind. Die Intuition gibt die Möglichkeit, mit Geistwesen zu verkehren, wie die physischen Fähigkeiten dem Menschen die Möglichkeit geben, auf der Erde mit physischen Menschen zu verkehren. Haben wir aber die Liebefähigkeit soweit getrieben, daß uns das Geistige objektiv wird, wie uns in der physischen Welt das Sinnliche objektiv ist, dann gelangen wir dazu, nicht nur zurückzuschauen in unser vorirdisches geistiges Dasein, sondern wir schauen zurück in frühere Erdenleben, und Tatsache wird für uns, daß wir das ganze Menschenleben durchgehen in Daseinsformen zwischen Geburt und Tod und dann zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wiederum von der Geburt bis zum Tode, wiederum vom Tode bis zur neuen Geburt, daß wir das Leben durchleben in aufeinanderfolgenden Erdenleben und in aufeinanderfolgenden rein geistigen Leben. Wir lernen zurückschauen auf unsere früheren Erdenleben und sehen das jetzige, gegenwärtige Leben als eine Wiederholung dieser früheren an.
Aber niemand gelangt zur Anschauung dessen, wie er war, was er war, daß er überhaupt da war in einem früheren Leben, der es nicht so weit gebracht haben kann, daß er die Liebe ausgebildet hat bis zu der Stufe, daß er sich ebenso wie einem anderen gegenüberstehen kann, wie ein anderes Wesen ihm gegenübersteht. Ein mächtiger Unterschied muß sein zwischen der gewöhnlichen Erkenntnisfähigkeit und jener liebedurchtränkten Erkenntnisfähigkeit, durch die wir unsere früheren Erdendaseine schauen wie das Dasein eines anderen Menschen in der Gegenwart. Dann, wenn wir zu dieser Stufe aufsteigen, die ich die intuitive, die wahrhaft intuitive Stufe genannt habe, dann schauen wir uns selber in wiederholten Erdenleben vor unserem Geistesauge stehend als geistig wirksame Wesen. Dann sind wir erst völlig außerhalb unseres Leibeslebens. Der aber, der dies erlebt, der weiß, was der Tod ist. Der Tod steht jetzt vor ihm als die äußerliche, objektive Realisierung desjenigen, was er selbst in der Erkenntnis vollzogen hat. Wie er in der Erkenntnis seinen physischen, seinen ÄAtherleib abgelegt hat, so weiß er, daß der Tod nur den physischen und Atherleib ablegt und der Mensch durch die Pforte des Todes eintritt in eine geistige Welt. Der Glaube wird zum Wissen, das Meinen zur Erkenntnis. Sichere, exakte, anschauliche Wissenschaft wird uns von demjenigen, was wir sonst im Leben Unsterblichkeit nennen. Wir schauen hin auf die Unsterblichkeit des eigenen Menschenlebens, auf den Eintritt dieses eigenen Menschenwesens in ein nachtodliches Leben, wie wir hinschauen auf ein vorgeburtliches Geistleben, auf ein vorirdisches Leben.
Wir schauen aber auch hin auf dasjenige, was sich im physischen Erdenleben, zwischen Menschen im physischen Leben angesponnen hat an jenen Verhältnissen, die in der Familie sind, wo Mensch zu Mensch in eine Beziehung kommt, zu jenen Verhältnissen, die durch die Liebe, durch Freundschaft im Menschenleben veranlaßt werden. Auf das alles schauen wir hin. Wie im Tode beim einzelnen Menschen abfällt die physische Körperlichkeit, und die Seele aufsteigt in eine Geistwelt, so fällt auch, was an Freundschaft, an Liebebeziehungen auf der Erde physisch ist, ab, und ein durchseeltes, um so innigeres Zusammenleben tritt dann auf, wenn die Menschen, die hier auf der Erde durch ihr Schicksal zusammengeführt worden sind, durch die Pforte des Todes gegangen sind und sich dort unter höheren Wesen wiederfinden. Es kann durch moderne Initiation nur gezeigt werden, wie der Weg beschaffen ist, um dasjenige, was sonst Sache des bloßen Glaubens ist, durch Schauen zu finden, zu sichern für das Wissen dasjenige, was Unsterblichkeit, die andere Seite der Ewigkeit ist.
So steigt der Mensch auf durch die imaginative Erkenntnis zu der Ansicht desjenigen, was lebt zwischen Geburt und Tod. Es steigt der Mensch auf dann, wenn er diese Erkenntnis erwirbt, zu seinem ätherischen Leibe. Die inspirierte Erkenntnis führt den Menschen zu seinem astralischen Leibe, und er tritt dadurch ein in diejenige Welt, die er durchgemacht hat vor seiner Geburt, in die er wiederum eintritt nach dem Tode. Im astralischen Leibe lernt man die vorirdische und nachtodliche Lebenssphäre des Menschen kennen. Beim Aufstieg zur Intuitionserkenntnis lernt man das vierte Glied der Menschenwesenheit kennen, das wahre, das ewige Ich, das von Erdenleben zu Erdenleben geht, und das zwischen dem einzelnen Erdenleben rein geistige Daseinsformen hat.
Lassen Sie mich zum Schluß, nachdem dieser Weg der modernen Initiation mit einigen Strichen, wenigstens prinzipiell, hat gezeichnet werden können, dieses aussprechen: Wenn man hinschaut auf die alte Erkenntnis, die in der eingangs geschilderten Art errungen worden ist durch äußere kultische und andere Veranstaltungen, so war diese Erkenntnis mehr traumhaft, instinktiv. Und aus alter instinktiiver, traumhafter Erkenntnis sind schließlich die Überzeugungen der Menschen über das Übersinnliche, über das Spirituelle hervorgegangen und als Tradition geblieben. Man kann es aber heute schon spüren, daß mehr Menschen, als es von sich selbst glauben, den Drang, die tiefe Sehnsucht haben, die Wege wiederzufinden nach den spirituellen Welten. Wenige Menschen sind es erst, die das ganz bewußt sich sagen, aber im Unterbewußten sieht man heute, wenn man solche Dinge zu sehen vermag, wie zahlreich die Menschen sind, die wieder nach Mysterien lechzen, weil sie den Weg in übersinnliche Welten finden möchten.
Wir konnten nur einen schüchternen Anfang machen mit demjenigen, was wir in der Nordwest-Schweiz das Goetheanum nennen, in dem geschaffen wurde eine Mysterienstätte, in der in ähnlicher Weise der Mensch einen Weg ins Übersinnliche finden sollte auf moderne besonnene Art, wie er in alten Zeiten auf mehr instinktive Art einen Weg in den Mysterien gefunden hat. Feinde haben uns diese Stätte entrissen. Sie ist ja vor einiger Zeit durch Brandstiftung zugrunde gegangen. Auch diese Dinge haben ihre Ewigkeit. Das physische Feuer konnte uns den physischen Bau, das Goetheanum nehmen, den physischen Bau, in welchem bis dahin gepflegt worden ist jene spirituelle Wissenschaft, von der ich Ihnen eine Andeutung machen durfte. Allein es gibt auch ein geistiges Feuer. Dieses geistige Feuer verbrennt keine physischen Stätten, sondern wird sie immer wieder erstehen lassen. Still und nicht so geräuschvoll wie in den alten Mysterien werden in den neuen Mysterien die Schüler der spirituellen Weisheit sich nähern, die wiederum den Menschen die ihnen so notwendige Kunde vom Ewigen des Menschen und der Welt bringen. Denn der Mensch braucht sie für sein Denken, für das Fühlen und Wollen, damit er in sich zur Klarheit, zu einem in sich harmonischen Leben komme, damit er auch Kraft und Sicherheit für das äußere Leben gewinne. Er braucht die Verbindung mit der spirituellen Welt. Und so etwas wie die spirituelle Schule in Dornach an der Grenze der Schweiz gegen den Nordwesten hin, so etwas wird immer mehr als eine Sehnsucht erwachen aus den Menschenseelen, als eine Sehnsucht herausgeboren aus dem ewigen Drang der Menschheit nach dem Spirituellen. Dieser Drang ruhte einstweilen eine Weile durch Jahrhunderte. Diese Jahrhunderte haben den Menschen gebracht die äußere großartige Naturerkenntnis. Heute steht der Mensch da und klopft wiederum an die Pforte, die ins Übersinnliche führt, weil er mit der Naturerkenntnis seine Seele nicht weiterbringen kann. Dasjenige, was in wenigen Menschen bewußt, in einem großen Teile der Menschheit aber unbewußt lechzt nach der spirituellen Welt, wird nur durch die modernen Mysterien befriedigt werden können. Derjenige, der es ehrlich meint mit der spirituellen Welt, der schaut hin auf einen Willen der Menschen, der ganz gewiß geboren werden wird, nach neuen Mysterien, denn Spiritualität wird unter die Menschen erst wieder kommen, wenn neue Mysterien entstehen werden, in denen die Menschen auf besonnenere, lichtvollere Art als in den alten Mysterien, den Geist finden werden, aber in denen sie auf eine entwickeltere, vollkommenere Art durch die Mysterien wiederum in die geistige, göttliche Welt und damit zum Quell der Menschheit geführt werden können.