Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Hamburg, 1908-05-24
## GA 266/1 — 1908-05-24, Hamburg
Hamburg, 24. Mai 1908 Aufzeichnung A Begierde geht heute aus vom Astralleibe, das Interesse liegt im Ich, der Genuß im Ätherleib. Früher war das Interesse im Astralleib, die Begierde im Ätherleib und der Genuß im physischen Leibe. Bilder stiegen auf im astralischen Leib, und der Mensch wußte danach, was ihm gut war und was ihm schädlich war. Er hatte ein Interesse an diesen Bildern, die in seinem Innern aufstiegen. Und dies Interesse, das Bewußtsein von diesen Bildern, blieb in ihm auch, wenn der physische Körper sich umänderte, ein anderer wurde. Dieses astrale Bewußtsein - noch kein Selbstbewußtsein - war ein dauerndes. Das wurde anders, als das Ich, das vorher noch draußen war im Geistigen, sich hineinsenkte in den Menschen und ihn immer mehr durchdrang. Das Interesse zog in das Ich hinein. Das Ich zog das Interesse zu sich hinauf, es zog alles in den Bereich seiner selbst. Dadurch schnürte es sich ab vom Göttlichen. Die Folge war der Tod. Alles, was nur für Einzelnes geschieht, was nicht für das Ganze geschieht, was geschieht für etwas, abgetrennt von dem Ganzen, was also Egoismus ist, führt letzten Endes zur Zerstörung dieses Einzelnen, zum Tod. Dieses vom Ich ausgehende Interesse nennt der Rosenkreuzer: «Aestimatio». Hinaufheben müssen wir wieder das Interesse ins Astrale: damit gewinnen wir «Imaginatio». Wenn die Begierde wieder verlegt wird in den Ätherleib, erringen wir «Incantatio» oder «Inspiratio». Und durch das Verlegen des Genusses vom Ätherleib in den physischen Leib «Intuitio». Wenn wir nicht mehr dem persönlichen Interesse folgen bei unseren Handlungen, wenn wir dasjenige, was wir zu tun haben, so tun, daß wir folgen den inneren Notwendigkeiten, die ein richtig verstandenes Karmagesetz uns auferlegt, wenn wir der Außenwelt unsere Taten gemäß diesem Gesetz in innerer GelaSSenheit übergeben, dann überwinden wir die «Aestimatio» durch unser höheres Ich, das dann das handelnde ist. Und wenn wir, durch die Kraft dieses Ichs gehalten, uns nicht mehr von Strömungen und Einflüssen treiben lassen, die von der Außenwelt auf uns einstürmen, dann können wir erst richtige Urteile gewinnen über die Außenwelt; wir sammeln dann Weisheit aus ihr. Sie offenbart uns in Imagination, Inspiration und Intuition ihre eigene innere Wesenheit, wenn wir so in Gelassenheit vor ihr stehen und wenn wir bei allem, was wir tun und denken, es so tun und denken, daß wir wissen: es hat einen Einfluß auf das Ganze - alle meine Gedanken und Gefühle ebenso wie meine Taten, nichts existiert für sich; hingeben will ich alles für die Menschheit, alles sei dem Dienste der Menschheit geweiht. - Wenn das als Grundgefühl lebt im Schüler, dann entwickelt er die Buddhi, das Christus-Prinzip. So läßt er erstehen aus der gegebenen Figur die höhere Dreiheit:
In einer anderen Aufzeichnung lautet dieser letzte Absatz: Wenn wir nicht mehr dem persönlichen Interesse folgen bei unseren Handlungen, sondern nur auf das Beste des Ganzen bedacht sind, das Christus-Prinzip in uns wirken lassen, wenn wir uns nicht mehr treiben lassen von den Einflüssen und Strömungen, die von anderen Menschen auf uns einstürmen, sondern wir folgen bei der Form dem «Gebiete mir» und uns nach dieser Richtung hin sozusagen gegen diese Strömungen abschließen: , ebenso nach der Richtung hin «Verbiete mir» und der unteren Richtung , so entwickeln wir uns zur inneren Gelassenheit, und wir lassen die höhere Dreiheit dadurch in uns erstehen! Gegeben wurde die Form, durch welche wir das höhere Ich uns bewußt und wirksam machen können in unserem täglichen Leben. Wie kann man seine Begierden bezwingen und ertöten und doch dabei der Gefahr entrinnen, dem täglichen Leben entfremdet zu werden? In der lemurischen Zeit, ehe der Mensch ein Ich erhielt, finden wir, daß 1, 2, 3 [physischer, ätherischer, astralischer Leib] von göttlich-geistigen Wesenheiten regiert (geführt) wurden. Die astralen Bilder spiegelten in seinem astralen Bewußtsein. Erkennen, was nützlich, schädlich etc.* In dieser Periode waren die drei großen Kräfte: 4 [Ich] 3 [Astr.L.] 2 [Äth.L.] nachlemurische Zeit Interesse Begierde und Genuß 3. L [Astr.L.] 2. L [Äth.L.] 1. L [phys.L.] lemurische Zeit Alle Begierden waren zugleich Taten. Die Nahrung ging ein und aus ohne Begierde. Die göttlichen Wesen sorgten für Nahrung. Der Mensch hatte noch kein Interesse für etwas Äußeres. Er lebte noch in der Gottheit. Daher gab es auch nicht Krankheit und Tod. Es fand nur ein Wechsel der Leiber statt, wie wenn man ein Kleid ablegt. Dann kam das Ich in den Menschen und bewirkte diesen großen Unterschied, daß er anfing, sich nicht nur für das zu interessieren, was in seiner Seele vorging. Das Licht, * Gemeint ist: Die astralen Bilder spiegelten sich in seinem astralen Bewußtsein, so daß er erkennen konnte, was nützlich, schädlich etc. sei.
_______________ das bisher in ihm erglänzte, strahlte nun von außen auf ihn ein von den Gegenständen des physischen Planes, und sein Ich strahlte es zurück, als er die Dinge begehrte, die ihn umgaben. Dadurch erlangte er, was man im Okkultismus nennt «Aestimatio». Das hat dem Menschen den Tod gebracht. Jedesmal, wenn wir irgend etwas mit Interesse betrachten, so nehmen wir Gift und Tod in uns auf; und das wurde unsere Aufgabe hier auf der Erde. Vorher hatte der Mensch im Astralen gehandelt. Seit er Interesse an den physischen Gegenständen bekam und sie begehrte, verrichtete er Arbeit auf dem ersten [physischen] Plan. Der esoterische Schüler, der die höheren Welten kennenlernen will, kann dieses erreichen, indem er sich eine Handlung lebhaft vorstellt, sie aber nicht ausführt. Das stärkt die Kraft der «Imaginatio». Indem er so der Begierde nicht Raum gibt, indem er sie nicht erfüllt, erhebt er die Begierde von dem 2. L. [Ätherleib] zum 3. L. [Astralleib]. Mit Ausschluß aller äußeren Dinge stellen wir uns die Figur vor: Der linke Arm «Gebiete mir», der rechte Arm «Verbiete mir». Die untere Linie ist die Entscheidung des Ich. Wenn wir unseren Leib als eines der Dinge betrachten, die uns anvertraut sind, so werden wir den Leib nähren, wie früher die Götter unseren Leib nährten auf dem Mond; und dadurch bringen wir den Genuß wieder zurück in den Körper.
ESOTERISCHE STUNDE