Esoterische Stunde
## GA 266III — 17 February 1913, Stuttgart
### Esoterische Stunde
Aufzeichnung A
Es denkt mich: E.D.N.
Aus einer mystischen Sendung heraus ist für Mitteleuropa eine ganz bestimmte Sprache gegeben, in der jeder einzelne Wortlaut, sowie die Aneinanderreihung, etwas Okkultes ausdrückt, zum Beispiel in dem Satz: Es denkt mich. e langgezogen, drückt das waltende, webende, schaffende Göttliche aus in der Weltordnung und im Menschen, s gedehnt gesprochen: das sich durch alles Hindurchschlängelnde, Wallende, Wellende (von Welle), gleichsam Astrale.
Mich, das heißt mein Ich. Also das Göttliche denkt man im Ich.[^1] (Die Seele leer machen und ein Gefühl der tiefsten Frömmigkeit empfinden.)
Zweiter mantrischer Satz: Es webt mich. Wieder die göttlichen Kräfte im e, Astrales im s, und empfinden das Gefühl tiefster Ehrfurcht und Andacht.
Nun gibt es noch eine andere Übung, Meditation. Den alten Essäern war vorgeschrieben, nach dem Untergang der Sonne bis zum Aufgang der Sonne kein Wort zu sprechen, was sich auf weltliche, materielle Sachen bezog. Außerdem hatten die Essäer jeden Morgen vor Sonnenaufgang in inbrünstigem Gebet das Heraufkommen der Sonne zu erflehen und dann der Gottheit zu danken, daß sie das Tagesgestirn wieder heraufgeführt hatte. Es gab sogar eine bestimmte Formel: «Ihr Götter, Euch verdanke...» Diese wunderschönen, erhebenden Gebräuche und Meditationen kann der moderne Mensch nicht mehr üben. Der Esoteriker soll durchaus wahr sein, wahr sein bis in den innersten Herzensgrund, und es würde eine Unwahrhaftigkeit sein, wenn der heutige Esoteriker jeden Morgen in inbrünstigem Gebet den Sonnenaufgang erflehen und dafür danken wollte.
Zur Zeit der alten Essäer hatte man noch die Anschauung, daß das Weltensystem durchaus nicht so feststehend sei, sondern daß zum Beispiel der Lauf der Gestirne usw. der Willkür der göttlichen Wesenheiten unterworfen sei, daß also einmal eines Morgens die Sonne nicht heraufsteigen würde. Diese Übung ist also für den heutigen Menschen nichts, denn der heutige Mensch weiß, daß es ein feststehendes Weltensystem gibt. Es würde also unwahrhaftig sein, wollte er diese Übung machen. Auch die erste Übung der Essäer zwischen Sonnenuntergang und -aufgang würde in der heutigen Zeit nicht durchführbar sein. Der heutige Esoteriker aber weiß, daß jede Nacht Astralleib und Ich den physischen und Ätherleib verlassen. Nun muß sich der Esoteriker einmal diese Vorstellung vor die Seele führen, daß ein Dämon sich des physischen und des Ätherleibes bemächtigt hat und Astralleib und Ich am Morgen nicht wieder in ihre Wohnungen einziehen könnten. Der Esoteriker sollte sich nun beim Erwachen folgendes vor die Seele rufen: «Was hast du kurz vor dem Erwachen gedacht, getan?» (Der vorgeschrittene Esoteriker tut dies vor dem Erwachen mit vollem Bewußtsein!) Zunächst kann man sich nicht besinnen, daß man überhaupt etwas gedacht und getan hat. Nachdem man aber längere Zeit diesen Gedanken nachgehangen hat, kommt - zuerst gleichsam vorbeihuschend, dann immer festere Formen annehmend - der Gedanke: «Du hast der Gottheit gedankt, daß es dir vergönnt ist, wieder in dem von ihr aufgebauten Leib Wohnung zu nehmen, denselben wieder zu beleben.»
Aus dem Göttlichen sind wir geboren. E.D.N.
Diesen Satz, diesen Dreiklang sollen wir uns jeden Morgen wiederholen und dabei das Gefühl der tiefsten Dankbarkeit empfinden. Die Gottheit hat uns den Tempel unseres Leibes aufgebaut: während der Saturn-, Sonnen- und Monden-Entwicklung unseren physischen, Ätherleib und Astralleib aufgebaut. Wir haben also jeden Morgen unser Bewußtsein wieder heraufgeholt.
Wenn wir durch die Pforte des Todes schreiten, kommen wir wieder in einen anderen Bewußtseinszustand. Zur Zeit der alten Atlantier war noch ein helles Bewußtsein vorhanden. Der alte Atlantier ging bei seinem Tode mit hellem Bewußtsein in die geistigen Welten ein. Das verlor sich aber nach und nach, und in dem vierten nachatlantischen Zeitalter war die Furcht vor dem unbekannten, schattenhaften Zustand so stark, daß das in dieser Zeit geprägte Wort - «Lieber ein Bettler auf Erden, als ein König im Reiche der Schatten» — eine Realität war. Es war wirklich nach dem Tode alles schattenhaft in dieser Zeit.
Durch das Christus-Ereignis ist dies anders geworden. Wir können durch die Aufnahme des Christus in uns wieder dahinkommen, daß wir bewußt nach dem Tode in die geistigen Welten eindringen können - in den Christus hinein sterben: /n Christo Morimur. Diesen Dreiklang muß man immer nur mit dem Gefühl tiefster Frömmigkeit im Herzen meditieren.
Und nun müssen wir dahin gelangen, uns bewußt zu werden unseres göttlichen Ich; es muß uns gleichsam wiedergeboren werden:
> Per Spiritum Sanctum reviviscimus.
Aufzeichnung B
Wir müssen uns bewußt machen, wie in den mantrischen Worten, bis in den einzelnen Laut hinein, spirituelle Geheimnisse verborgen sind. Aus einer mystischen Sendung heraus ist für Mitteleuropa von den Eingeweihten eine ganz bestimmte Sprache gegeben worden, in der jeder einzelne Wortlaut sowie die Aufeinanderfolge der einzelnen Laute etwas Okkultes ausdrückt, wie es ja im Wörtchen «ich» zum Ausdruck kommt, das die Initialen des Jesus Christus enthält.
Nehmen wir den ersten Satz: Es denkt mich: Wir müssen hierbei empfinden das e als ein langgezogenes, das das Waltende, Schaffende, Göttliche in der Weltenordnung und im Menschen ausdrückt. Das s, gedehnt gesprochen, ist das durch alles sich Hinschlängelnde, Wellende, gleichsam Astrale. Für «mich» können wir auch (im Innern) uns denken «mein Ich», also: Das Göttliche denkt mein Ich. - Wir machen darauf die Seele wieder leer und entwickeln ein Gefühl tiefster Frömmigkeit.
Es webt mich, das heißt: Das Göttliche webt mein Ich. - Wiederum erleben wir die göttlichen Kräfte im langgezogenen e, dann das Astrale: s, und empfinden das Gefühl tiefster Dankbarkeit dabei.
Es wirkt mich, das heißt: Die göttlichen Kräfte wirken mein Ich. Wieder die göttlichen Kräfte empfinden im e, dann das Astrale: s, dabei empfinden wir das Gefühl tiefster Ehrfurcht und Andacht.[^2]
Aufzeichnung C
Aus einer mystischen Sendung heraus ist für Mitteleuropa eine ganz bestimmte Sprache gegeben, in der jeder einzelne Wortlaut so wie die Aneinanderreihung etwas Okkultes ausdrückt, zum Beispiel in dem Satz Es denkt mich. Da ist das e zweimal langgezogen. Das ist der Ausdruck für das waltende, webende, schaffende Göttliche, das aus der göttlichen Weltenordnung einströmt in den Menschen. s — gedehnt gesprochen - ist das sich durch alles hindurchschlängelnde, wallende, webende Astrale. Mich: das heißt mein Ich. Also: das Göttliche denkt mein Ich. Wenn man das meditiert, soll man die Seele ganz leer machen und nur das tiefste Gefühl der Frömmigkeit in ihr haben.
Der zweite mantrische Satz: Es webt mich. Wieder die göttlichen Kräfte im e, das Astrale im s empfinden und dabei das Gefühl tiefster Ehrfurcht und Andacht in sich haben. Der heutige Esoteriker weiß, daß er jede Nacht in seinem Astralleib und Ich den physischen Leib und den Ätherleib verläßt. Nun muß er sich die Vorstellung vor die Seele führen, daß ein Dämon sich des physischen Leibes und des Ätherleibes bemächtigt habe und Ich und Astralleib nicht wieder einziehen können in ihre Wohnungen, und er soll sich beim Erwachen Folgendes vor die Seele rufen: Was hast du kurz vor dem Erwachen gedacht, getan? Der vorgeschrittene Esoteriker tut dies vor dem Erwachen mit vollem Bewußtsein.
Zunächst kann man sich nicht besinnen, daß man überhaupt etwas gedacht und getan hat. Nachdem man aber längere Zeit diesen Gedanken nachgehangen hat, kommt zuerst gleichsam vorbeihuschend, dann immer festere Formen annehmend der Gedanke: Du hast der Gottheit gedankt, daß es dir vergönnt ist, wieder in dem von ihr aufgebauten Tempel des Leibes Wohnung zu nehmen und denselben wieder zu belegen. Aus dem Göttlichen sind wir geboren: Ex Deo nascimur.
Diesen Satz, diesen Dreiklang sollen wir uns jeden Morgen wiederholen und dabei das Gefühl tiefster Dankbarkeit empfinden, daß wir unser Ich-Bewußtsein (Erde) wieder hereingesenkt haben in den Tempel, der durch Saturn-, Sonnen-, Mondentwicklung hindurch von der Gottheit uns gebaut worden ist.
Beim Tode haben wir nicht mehr unser Erden-Ich-Bewußtsein. Zur Zeit der alten Atlantis gingen die Menschen mit hellem Bewußtsein in die geistigen Welten ein, das verlor sich aber in der nachatlantischen Zeit, in demselben Maße, als das ErdenIch-Bewußtsein aufleuchtete. In der vierten nachatlantischen Zeit war die Furcht vor dem schattenhaften Bewußtsein, dem unbekannten Zustand so stark, daß in dieser Zeit geprägt wurde das Wort: Lieber ein Bettler [in der Oberwelt als ein König im Schattenreich]. Es war wirklich nach dem Tode alles schattenhaft geworden.
Durch das Christus-Ereignis ist dies anders geworden und durch die Aufnahme des Christus in uns können wir bewußt nach dem Tode übergehen in die geistige Welt, das heißt I.C.M. Diesen Dreiklang muß man mit dem Gefühl tiefster Frömmigkeit meditieren. Das Bewußtsein des göttlichen Ich verhilft uns dazu. Es muß in uns geboren werden, damit wir durch dieses Bewußtsein eindringen können in die geistige Welt: P.S.S.R.
ei = Offenbarung des Göttlichen in den Menschen hinein, vor dem scheue Ehrfurcht zurück weicht.
oe = drückt das noch mehr aus. Da fühlt sich der Mensch eingeschlossen in seiner Form und draußen die wirkende Gottheit.
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[^1]: In Aufzeichnung B heißt es: «Also das Göttliche denkt mein Ich.»
[^2]: Der folgende Text ist wörtlich gleichlautend wie Aufzeichnung A, 4. Absatz
Cite:
GA 266c/1913-02-17/p012-p013 · edition original