Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Norrköping, 1914-07-14
## GA 266/3 — 1914-07-14, Norrköping
Norrköping, 14. Juli 1914 Aufzeichnung A* Was man wohl möchte, meine lieben Schwestern und Brüder, ist, daß alle, die an einer esoterischen Stunde teilnehmen, von der Bedeutung derselben so recht durchdrungen wären. Bewußt sollen wir da heraustreten aus dem Alltagsleben; es muß uns sein, wie wenn hinweggezogen würde der Schleier, der uns von der geistigen Welt trennt, so daß wir uns ganz in sie hineinversetzen können. Dasselbe geschieht ja auch bei der Meditation. (Bei einer richtigen Meditation) sollen wir leibfrei werden, verlassen alles, was mit dem Körperlichen zusammenhängt, auslöschen alle Interessen des Alltagslebens und nur hingegeben sein an den Gegenstand unserer Meditation. Ganz heraustreten sollen wir aus unserem Leibe, ihn ganz zurücklassen, genau wie beim Schlafe, nur daß es bei der Meditation bewußt geschieht. Eines ist es aber doch, das wir mitnehmen: den Atem, die Wirkung von Lunge und Herz, den Lebensodem, den Jahve-Elohim einst dem Erdenmenschen eingeblasen hat. Wenn wir so ganz unserer Meditation hingegeben sind, so werden wir das Gefühl haben, als ob unser Gehirn nur Äthergehirn wäre. (Wir müssen uns klarmachen:) Wenn der Mensch denkt, so hat dies ja nichts mit seinem Gehirn zu tun. Wenn er glaubt (empfindet), fühlt, so hat das nichts mit dem Organ des Herzens zu tun. Geradeso wie, wenn ein Wagen über den Weg fährt und die Räder tiefe Spuren hinterlassen, dies mit dem Wagen als solchem nichts zu tun hat, sondern von der Beschaffenheit des Weges abhängt - so darf man auch die Organe nicht beurteilen nach dem, was man äußerlich sieht, wie es die Physiologie und Anatomie machen. Die Organe sind es nicht, die da denken, fühlen, sondern die geistigen Wesenheiten und Kräfte, die hineinwirken. Wie die Buchstaben nur Zeichen sind für den Inhalt eines Wortes, so sind auch die Organe nur Zeichen, durch die höhere Wesenheiten im Menschen sich ausdrücken. Drei Entwicklungszustände unseres Erdenplaneten überschauen wir: den jetzigen, die Erde, den vorhergehenden, den Mond, und den zukünftigen, den Jupiter. Die meisten von Ihnen werden wissen, daß der Mensch außer dem Großhirn, dem Instrument, durch das er denkt, noch ein Kleinhirn hat, das mehr unterhalb im Nacken sitzt. Jeder Physiologe und Anatom kennt es, aber sie wissen nicht, daß es ein Rest der alten Mondenzeit ist. Als ein Dokument der alten Mondenzeit steht es da, als ein Zeichen der Kämpfe, die für uns gekämpft haben die Götter. Was dort auf dem Monde gedacht worden ist, daraus ist das Kleinhirn geworden. Aber Irrtum war damals nicht in unseren Gedanken, denn göttliche Mächte waren es, die für uns gedacht und unsere Gedanken geleitet haben. Damals hatte der Mensch noch keine Freiheit; göttliche Wesen lenkten und leiteten ihn. Auf der Erde hat er nun aber die Freiheit, die Selbständigkeit erlangt und muß selbst die Verantwortung übernehmen für das, was er denkt. Auch im Großhirn finden sich Überbleibsel der Mondenzeit: die Zirbeldrüse und die Schleimdrüse; sie waren auf dem Monde das, was heute im Menschen Lunge und Herz sind. Und durch unser Leben hier auf der Erde leben wir uns hinauf zum Jupiter. (Wir bereiten diesen zukünftigen Zustand der Erde, den Jupiter, jetzt schon vor.) Das, was der Mensch jetzt ist in seinen Handlungen, seinen Taten, seinem ganzen Wesen, das wird auf dem Jupiter bilden das Großhirn. Und das, was er jetzt denkt in seinem Großhirn, wird dereinst auf dem Jupiter bilden sein Kleinhirn. Nicht mehr sind es die Götter, die sein Denken überwachen; frei geworden ist der Mensch auf der Erde. Die Folgen seines Denkens muß er selbst tragen, und warnend wie ein Richter sitzt ihm im Nacken das Kleinhirn, denn es wird die Wirkung alles dessen, was er gedacht hat auf der Erde, hinübernehmen auf den Jupiter.
Und nun frage ich Sie, (wenn wir diese Tatsache in ihrer ganzen Größe und Verantwortung auf uns wirken lassen): Brauchen wir da noch ein Gericht? Ist dies Gericht nicht viel packender, gewaltiger, als es selbst ein Michelangelo hat darstellen können in seinem «Jüngsten Gericht»? Ermessen Sie die Tragik, die darin liegt, daß der Mensch die Folgen seiner Taten, seines Fühlens und Denkens nun selber tragen muß! Aber einen Trost, eine Stütze haben wir (inmitten dieser Tragik): Der Christus ist eingetreten in die Erdenevolution; wenn wir uns ihm anvertrauen, so wird er unsere Taten, unsere Gefühle und Gedanken hinübertragen auf den Jupiter. Darum ist es ja so wichtig, daß die Geisteswissenschaft (Christuswissenschaft, die Erkenntnis von Christus) gerade in unsere Zeit (in der Zeit der Bewußtseinsseelenentwicklung) eintritt, damit das Verständnis für den wahren Christus wieder lebendig werde. Schon die Blavatsky in ihrer «Secret Doctrine» hat von Jahve als Mondgott gesprochen. Dadurch aber, daß sie ihre eigenen Gefühle hineingemischt hat, ist (manches Unrichtige darin und) vieles von dem schlimmen Karma (ist dadurch) entstanden, das auf der Theosophischen Gesellschaft lastet. Und da Jahve so wenig verstanden wurde, so war es ja kein Wunder, daß man jetzt auch die Christus-Wesenheit so wenig versteht. Um dies richtigzustellen, mußte gleich im Anfang unserer Bewegung von Luzifer und Ahriman gesprochen werden; denn nur durch (eine Erkenntnis ihres Wesens und Wirkens) kann man Jahve richtig einschätzen. Und nur dann führt man die Menschen richtig in die geistigen Welten, wenn man sie hindurchführt, durch Luzifer und Ahriman, daß sie dort zum Christus kommen. Stellt man nicht den Christus in den Mittelpunkt (jeglichen esoterischen Strebens), so führt man sie zu Luzifer. Man nennt nur nicht gern die Dinge beim richtigen Namen, man täuscht sich über ihre wahre Natur. Aber was man (in gewissen Kreisen) so wissenschaftlich nennt, ist eigentlich ahrimanischer Natur. So wurde in der führenden Zeitschrift der Theosophischen Gesellschaft gesagt, die «Geheimwissenschaft» sei psychisch-mystisch, dagegen wären die Schriften von Annie Besant und Leadbeater wissenschaftlich und okkult. Das aber ist ahrimanisch; und was man psychisch und mystisch nennt, das sollte «christlich» heißen. Denn die ganze «Geheimwissenschaft» und unsere ganze Arbeit wurde von Anfang an gegründet auf Erkenntnis des Christus; und sie ist inspiriert worden von der Christus-Wesenheit selber. Das wollen wir immer vor Augen haben, meine lieben Schwestern und Brüder. Vom Monde sind wir herübergekommen, wo wir noch waren im Schöße der Götter: Ex Deo nascimur. Mit dem Christus sollen wir uns vereinigen auf der Erde, in ihn hineinsterben: In - morimur. So wird uns der Heilige Geist hinüberleiten in die neue Erdenverkörperung, den Jupiter: Per Spiritum Sanctum reviviscimus. Aufzeichnung Β Alle, die durch Meditation und Konzentration als wirklich ernst strebende Esoteriker weiter kommen wollen, sie wollen im Grunde nichts anderes als bessere, andere Menschen werden. Im gewöhnlichen Leben denken wir durch das Instrument unseres Gehirns, also mittels unseres physischen Körpers. In der Meditation ist das anders. Gibt der Esoteriker sich voll Hingabe seiner Meditation hin, so gleicht der Zustand, in den er kommt, dem Schlaf zustand, jedoch unter Aufrechterhalten des Bewußtseins. Was an den physischen Körper gebunden ist, das schalten wir aus; nur der Atmungsprozeß, der bleibt; er ist dem Menschen als Odem von Jahve eingeblasen. In der Meditation denken wir mit unserem Ätherleib; Lunge und Herz erweitern sich und werden zum Gehirn, aber zum ätherischen Gehirn, und wie unser Kopf sich verhält zu dem übrigen physischen Leib, so verhält sich dieses ätherische Gehirn zu dem Himmelsleib. Man kann den Menschen nicht erkennen mit den Methoden der äußeren Wissenschaft, durch Physiologie, Anatomie, Chemie
etc. Es ist das so, als wenn man etwas auf ein Papier mit Schriftzeichen Geschriebenes erkennen wollte, indem man Papier und Tinte untersucht; dadurch aber erkennt man nicht, was ausgedrückt ist in den Zeichen. Die Organe des Menschen sind solche Zeichen, durch welche die göttlich-geistigen Wesen sprechen: Unser Kehlkopf, unser Herz, unsere Lunge, unser Hirn sind solche Zeichen. Das Denken arbeitet, indem es die Substanz verdichtet, erst das Hirn aus, und das Fühlen bildet das Herzorgan. Der Mensch war nicht immer so, wie er jetzt ist. Auf dem alten Monde atmete der Mensch Wärme ein; wir haben in unserem Haupte etwas, was wir herübergebracht haben von der alten Mondenentwicklung, als ein Überbleibsel, als ein Denkmal der Mondenzeit; es ist das blätterartige Kleinhirn in unserm Hinterhaupt. Damals war es nicht klein; es ist zusammengeschrumpft; und was dem alten Mondenmenschen Lunge und Herz war, das tragen wir als Zirbeldrüse und Schleimdrüse in unserem Haupte. Lunge und Herz des Mondenmenschen bildeten sich um und wurden zum Gehirn für den Erdenmenschen. Ebenso werden Lunge und Herz des Erdenmenschen sich umbilden und Gehirn werden für den Jupitermenschen. Durch unsere esoterischen Übungen wird das vorbereitet. Durch das Kleinhirn, das zur Mondenzeit ein großes Hirn war, sprach die Gottheit zu dem Menschen; es ist die Gottheit, die Jahve genannt wird und die sich mit der Mondenentwicklung verbunden hatte. Jetzt darf dies ausgesprochen werden; einmal ist es schon ausgesprochen worden, von Blavatsky in der «Secret Doctrine», wo sie Jahve eine Mondengottheit nennt. Aber es kommt nicht darauf an, Tatsachen bloß auszusprechen, sondern darauf, wie man sie ausspricht. Ein großer Teil des schlimmen Karmas der Theosophischen Gesellschaft ist darauf zurückzuführen, daß Blavatsky in abfälliger Weise darüber gesprochen hat. Es mußte aus diesem Grunde die Lehre von Ahriman und Luzifer gebracht werden, die mußten an die richtige Stelle gestellt werden. Wie Jahve durch das Mondengehirn auf den Menschen wirkte und ihn leitete, so soll der Erdenmensch
in Freiheit, aber indem er den Christus in sich aufnimmt, seine Handlungen und Taten vollbringen. Freiheit gab es für den Mondenmenschen noch nicht; die brachte erst Luzifer den Menschen. Wie der Mensch im Nacken sitzen fühlt den Jahve als seinen Richter, so wird sich als Folgen seiner Taten auf Erden vor den Jupitermenschen hinstellen das, was Böse und Gut ist. Er wird es anschauen. Ein furchtbares Gericht wird das sein, furchtbarer als Michelangelo es dargestellt hat an der Wand der Sixtinischen Kapelle. Der Mensch wird dann nicht mehr geführt, wie Jahve ihn führte, durch sein Wirken auf das Kleinhirn. Aufzeichnung C Wenn wir uns zu einer solchen Stunde zusammenfinden, so möchten wir wohl, daß sie allen Menschen zuteil werden könnte, auf daß die Schleier zerreißen möchten, die uns von der geistigen Welt trennen, und solche Gebetsstimmung ist die richtige Stimmung, in der wir die Mitteilungen entgegennehmen sollen, die uns in esoterischen Stunden gegeben werden. Im Alltagsleben leben wir in unserem physischen Leibe, bedienen uns unserer Sinne und unseres Verstandes. Wenn wir meditieren, leben wir in unserem Ätherleibe. Ganz leibfrei werden muß man in der Meditation. Wenn wir meditieren, leben wir in dem Himmelsleib, in dem Christus. Was tun wir denn, wenn wir meditieren? Wir bilden etwas Neues, wir schaffen etwas Neues in den Kosmos hinein, einen neuen Ätherleib prägen wir dem Kosmos ein. Wenn wir das bedenken, dann wird uns auch die große Verantwortung dessen, was wir so als Mensch, indem wir Meditant werden, tun, allmählich aufgehen. Wir wissen: Die vorhergehende Verkörperung unserer Erde war der alte Mond. Nun fragen wir uns: Ist denn alles vergangen, was auf dem Monde unser Leib gewesen ist? Ist davon physisch nichts mehr vorhanden? - Nein, keineswegs ist es vergangen; wir tragen es noch in uns. Sie tragen heute noch in sich den ganzen Mondenmenschen. In Ihrem Kleinhirn, da tragen Sie in sich, was einstens Gehirn des Mondenmenschen gewesen ist. Und in Ihrem Großhirn von heute, da tragen Sie in sich, sogar in horizontaler Lage, in zwei Organen, die heute nicht mehr tätig sind, die gleichsam verkümmert, vertrocknet sind, das Übrige des alten Mondenmenschen: Geschrumpft tragen sie ihn in sich in der Zirbeldrüse und der Schleimdrüse. Aus der Lunge des alten Mondenmenschen ist die heutige Zirbeldrüse geworden, sein Herz tragen wir als Schleimdrüse ebenfalls heute im Gehirn. Und der jetzige Mensch wird Gehirn des Jupiter-Menschen werden, und schlecht werden Sie auf dem Jupiter denken können, wenn Sie hier auf der Erde schlecht gehandelt haben. Und was heute Gehirn ist vom Menschen auf der Erde, wird kleines Gehirn des Jupitermenschen sein. Heute stehen hinter uns, uns noch unbewußt, die göttlichgeistigen Wesenheiten, die an uns gearbeitet haben auf dem Monde und die uns durch die vorhergehenden Entwickelungsstufen hindurch geschaffen haben, und sie sagen uns: Du sollst der Wahrheit folgen und dich nicht dem Irrtum ergeben. - Sie sind unsere Richter und sie mahnen uns, würdig zu werden alles dessen, was an Kraft, an Arbeit, an Opfer der Hierarchien für die Menschheit zu ihrem Werden aufgewendet worden ist. Es sind die Wesenheiten der Elohim, Jahve, die auf dem Monde in uns gewirkt haben. Uns unbewußt stehen sie heute auf der Erde hinter uns als die Mahner, als die Richter. Auf dem Jupiter aber wird dem Menschen, dann bewußt, eine Wesenheit im Nacken sitzen, die ihm sagen wird: Das ist gut und das ist böse! - Derjenige, der uns da im Nacken sitzen wird als der Richter, das wird der Christus sein (Hinweis auf Michelangelos Gemälde «Jüngstes Gericht» in der Sixtinischen Kapelle in Rom). Noch etwas ganz anderes, als Menschen es haben ersinnen und erahnen können, wird in Wahrheit dasjenige sein, was als das Gericht auf dem Jupiter die Menschheit erleben wird.
In Unfreiheit auf dem Monde haben an Ihnen gearbeitet die Wesenheiten, die Sie nun hinter sich haben auf der Erde als die mahnenden Götter. Durch die Freiheit der Erde werden Sie wissen auf dem Jupiter, wer Ihnen als Richter im Nacken sitzt. Die endgültige Entscheidung für die Menschheit, mitzuschreiten mit dem Christus in der Evolution oder zurückzubleiben, wird erst auf der Venus erfolgen, aber das Gericht wird auf dem Jupiter sich vollziehen. - Den Schluß der Stunde bildete noch der Hinweis auf das Unerschöpfliche unseres Rosenkreuzer-Spruches: E.D.N. - I.C.M. - P.S.S.R., der auseinandergelegt in den drei Meditationen: Z« den Dingen wend ich mich ...; Geisteslicht erwarme mich ...; Leuchtend Ich und Leuchte-Seele ... gegeben wird, die uns helfen sollen, rascher in die geistige Welt hinaufzukommen.
ANHANG Die hier folgenden Notizen gehören chronologisch eigentlich in den ersten Band der dreibändigen Sammlung von Gedächtnisaufzeichnungen aus esoterischen Stunden, sind aber erst nach dessen Erscheinen dem Rudolf Steiner Archiv zugekommen.
ESOTERISCHE STUNDE
[^*]: Einfügungen in runden Klammern aus einer ansonsten gleichlautenden Aufzeichnung.